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Darstellung eines Fixpunktes. Dieser ist – nach den im Text wiedergegebenen Kriterien – anziehend, das heißt stabil.

In der Mathematik versteht man unter einem Fixpunkt einen Punkt, der durch eine gegebene Abbildung auf sich abgebildet wird. Ein Beispiel: Die Fixpunkte einer Achsenspiegelung sind die Punkte der Spiegelachse. Eine Punktspiegelung hat nur einen Fixpunkt, nämlich deren Zentrum.

DefinitionBearbeiten

Sei   eine Menge und   eine Funktion. Dann heißt ein Punkt   Fixpunkt, falls er die Gleichung   erfüllt.

AnmerkungenBearbeiten

  • Ist   eine lineare Abbildung auf dem Vektorraum  , dann nennt man die Fixpunkte von   auch Fixvektoren. Insbesondere sind Fixvektoren also Eigenvektoren von   bezüglich des Eigenwerts 1.
  • Da sich jede Gleichung   in eine Fixpunktform mit   umwandeln lässt, sind Fixpunktgleichungen ein Prototyp von nichtlinearen Gleichungen. Ein Wert   ist genau dann Fixpunkt von  , wenn dieser Wert auch Lösung der Gleichung   ist.

Fixpunkte in der NumerikBearbeiten

Darüber hinaus gilt folgendes: Der Fixpunkt ist stabil bzw. instabil, wenn  , der Betrag der Ableitung der betrachteten Funktion, im Schnittpunkt   bzw.   ist. Anschaulich bedeutet dies, dass man die Funktion auf den Punkt selbst anwenden kann, ohne ihn zu verändern, wobei eine Störung wenig (bzw. viel) ändert, indem sie zum Fixpunkt hinführt (bzw. vom Fixpunkt wegführt).

Mit dem Fixpunktproblem verwandt ist das Problem der „iterierten Abbildungen“, das in der Numerik und der Chaosforschung wichtig ist. Mit einem vorgegebenen Anfangswert   beginnend, springt man hier nach dem Schema   treppenartig zwischen der Funktion   und der Diagonale hin und her, und zwar zum Fixpunkt hin oder weg von ihm, je nachdem ob der Fixpunkt stabil oder instabil ist. Einzelheiten sind u. a. dem unten angegebenen Buch von H.G. Schuster[1] zu entnehmen.

BeispieleBearbeiten

  • Die Parabelfunktion  , die durch   gegeben ist, hat die zwei Fixpunkte 0 (stabil) und 1 (instabil).
  • Sei   ein Vektorraum und   die identische Abbildung, also die Abbildung mit  , dann sind alle   Fixpunkte (bzw. Fixvektoren).
  • Sei   der Schwartz-Raum und   die kontinuierliche Fourier-Transformation. Für die Dichtefunktion   der  -dimensionalen Normalverteilung gilt  . Daher ist die Dichtefunktion der Normalverteilung ein Fixpunkt der Fourier-Transformation.
  • Das Newton-Verfahren   entspricht der Fixpunktgleichung  .

Raum mit FixpunkteigenschaftBearbeiten

DefinitionBearbeiten

Ein topologischer Raum   besitzt die Fixpunkteigenschaft, falls jede stetige Abbildung   einen Fixpunkt hat.[2]

BeispieleBearbeiten

  • Die Sphäre   besitzt die Fixpunkteigenschaft nicht, denn die Punktspiegelung am Mittelpunkt hat keinen Fixpunkt.
  • Eine Vollkugel   hat die Fixpunkteigenschaft. Dies besagt der Fixpunktsatz von Brouwer.

FixpunktsätzeBearbeiten

Die Existenz von Fixpunkten ist Gegenstand einiger wichtiger mathematischer Sätze. Der Banach'sche Fixpunktsatz besagt, dass eine Kontraktion eines vollständigen metrischen Raumes genau einen Fixpunkt besitzt. Wenn eine Selbstabbildung nur stetig ist, muss der Fixpunkt nicht eindeutig sein und andere Fixpunktsätze zeigen dann nur die Existenz. Dabei stellen sie meist stärkere Voraussetzungen an den Raum, auf dem die Funktion definiert ist. Beispielsweise zeigt der Fixpunktsatz von Schauder die Existenz eines Fixpunktes in einer kompakten, konvexen Teilmenge eines Banachraums. Dieser Satz ist eine Verallgemeinerung des Fixpunktsatzes von Brouwer, der besagt, dass jede stetige Abbildung der abgeschlossenen Einheitskugel in sich selbst einen Fixpunkt besitzt. Im Gegensatz zu den beiden anderen Sätzen gilt dieser allerdings nur in endlichdimensionalen Räumen, also im   oder im  .

Der Fixpunktsatz von Banach liefert außerdem die Konvergenz und eine Fehlerabschätzung der Fixpunkt-Iteration   im betrachteten Raum. Dieser Satz ergibt somit ein konkretes numerisches Verfahren zur Berechnung von Fixpunkten.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Vasile I. Instrăţescu: Fixed Point Theory. An Introduction (= Mathematics and its Applications. Bd. 7). D. Reidel, Dordrecht u. a. 1981, ISBN 90-277-1224-7.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Heinz Georg Schuster: Deterministisches Chaos. Eine Einführung. VCH, Weinheim u. a. 1994, ISBN 3-527-29089-3.
  2. Ilka Agricola, Thomas Friedrich: Vektoranalysis. Differentialformen in Analysis, Geometrie und Physik. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Vieweg + Teubner, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-8348-1016-8, S. 36.