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Stabilität (Numerik)

Begriff der numerischen Mathematik

In der numerischen Mathematik heißt ein Verfahren stabil, wenn es gegenüber kleinen Störungen der Daten unempfindlich ist. Insbesondere bedeutet dies, dass sich Rundungsfehler (siehe auch Maschinengenauigkeit) nicht zu stark auf die Berechnung auswirken. Man unterscheidet bei der numerischen Lösung mathematischer Probleme Kondition, Stabilität und Konsistenz. Stabilität ist dabei eine Eigenschaft des Algorithmus und die Kondition eine Eigenschaft des Problems. Die Beziehung zwischen diesen Größen lässt sich wie folgt beschreiben:

Es sei das mathematische Problem in Abhängigkeit von der Eingabe , und es sei der numerische Algorithmus, sowie die gestörten Eingabedaten:

Kondition: Wie stark schwankt das Problem bei Störung?
Stabilität: Wie stark schwankt der numerische Algorithmus bei Störung?
Konsistenz: Wie gut löst der Algorithmus (mit exakter Eingabe) tatsächlich das Problem?
Konvergenz: Wie gut löst der gestörte Algorithmus tatsächlich das Problem?

Also beschreibt die Stabilität die Robustheit des numerischen Verfahrens gegenüber Störungen in den Eingabedaten, insbesondere bedeutet dies, dass sich Rundungsfehler nicht summieren und zu Störungen in der Lösung führen. Die Quantifizierung des Begriffes ist jedoch nach Problem und verwendeter Norm unterschiedlich.

Im Regelfall folgt aus Stabilität und Konsistenz (manchmal noch mit einer kleinen Zusatzvoraussetzung) die Konvergenz der numerischen Lösung gegen die analytische Lösung, da sowohl die Fehler der Eingabedaten als auch die Fehler durch die Diskretisierung des Problems gedämpft werden.

Die beiden AnalyseverfahrenBearbeiten

VorwärtsanalyseBearbeiten

Ein Verfahren heißt stabil, wenn es eine Konstante   und ein   mit   gibt, so dass gilt:

 

wobei   die relative Kondition des Problems und   die Maschinengenauigkeit bezeichnet.   quantifiziert die Stabilität im Sinne der Vorwärtsanalyse.

RückwärtsanalyseBearbeiten

Das zweite gängige Analyseverfahren ist die von James Hardy Wilkinson eingeführte Rückwärtsanalyse. Meistens kennt man eine sinnvolle obere Schranke   für den unvermeidbaren relativen Eingabefehler   (problemabhängig kann das ein Messfehler oder auch ein Rundungsfehler sein). Um den durch den Algorithmus verursachten Fehler besser einschätzen zu können, rechnet man ihn bei der Rückwärtsanalyse in einen äquivalenten Fehler in den Eingangsdaten des Problems um, der auch als Rückwärtsfehler bezeichnet wird. Die formale Definition des Rückwärtsfehlers des Algorithmus   für die (gerundeten) Eingabedaten   (mit  ) lautet:

 ,

wobei   für Definitionsbereich steht.

Der Algorithmus ist rückwärtsstabil, wenn der relative Rückwärtsfehler für alle   kleiner als der unvermeidbare relative Eingabefehler ist. Für manche Anwendungen schwächt man diese Forderung ab und lässt noch eine dem Problem angemessene Konstante   zu, mit der

für alle  

gelten soll. Manchmal interessiert man sich auch nur dafür, ob der relative Rückwärtsfehler überhaupt beschränkt ist.

Man kann zeigen, dass Rückwärtsstabilität die Vorwärtsstabilität impliziert.

AnwendungenBearbeiten

AdditionBearbeiten

Da man zeigen kann, dass die relative Kondition der Addition bei zwei Zahlen im Falle der Auslöschung (Ergebnis ist nah an 0) beliebig schlecht sein kann, folgt aus der Definition der Vorwärtsanalyse, dass die Addition als numerisches Verfahren (im Computer) stabil ist.

DifferentialgleichungenBearbeiten

Bei numerischen Lösern für Differentialgleichungen mit Anfangs- oder Randwerten, bzw. mit rechter Seite   versucht man eine Abschätzung der entwickelten Lösung von diesen Eingabegrößen zu erhalten. Im Sinne der Vorwärtsanalyse gibt es in diesem Fall die Konstante  .

Gewöhnliche DifferentialgleichungenBearbeiten

Für gewöhnliche Differentialgleichungen gilt der Äquivalenzsatz von Lax, nach dem Null-Stabilität und Konsistenz äquivalent zu Konvergenz des Verfahrens sind.

Zu konkreten Verfahren wird das Stabilitätsgebiet definiert als die Menge der komplexen Zahlen   für die das numerische Verfahren bei der Lösung der dahlquistschen Testgleichung

 

bei fester Schrittweite   eine beschränkte Folge von Näherungen liefert.

Der beste Fall ist, wenn das Stabilitätsgebiet die komplette linke Halbebene enthält, dann heißt das Verfahren A-stabil.

Partielle DifferentialgleichungenBearbeiten

Das Standardverfahren zur Stabilitätsanalyse von numerischen Verfahren für partielle Differentialgleichungen ist die Von-Neumann-Stabilitätsanalyse, die für lineare Probleme notwendige und hinreichende Aussagen macht, für nichtlineare Probleme jedoch nur notwendige.

Siehe auch: Stabilitätstheorie

LiteraturBearbeiten

  • J. H. Wilkinson: Error Analysis of Direct Methods of Matrix Inversion. Journal of the ACM, Vol. 8(1961), No. 3, pp. 281–330
  • Peter Deuflhard, Andreas Hohmann: Numerische Mathematik I, Eine algorithmisch orientierte Einführung. 3. Auflage. De Gruyter, 2002, ISBN 978-3-11-017182-2.
  • Martin Hermann: Numerische Mathematik. Oldenbourg Verlag, München und Wien 2001, ISBN 3-486-25558-4.
  • Martin Hermann: Numerik gewöhnlicher Differentialgleichungen, Anfangs- und Randwertprobleme. Oldenbourg Verlag, München und Wien 2004, ISBN 3-486-27606-9.