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Deutscher Gehörlosen-Sportverband

deutsche Organisation

GeschichteBearbeiten

Der Weg zum VDTVfLBearbeiten

Mitte des 19. Jahrhunderts kamen Turner, Kegler und Schachspieler zusammen und bildeten Sportgemeinschaften. Mit der Gründung des „Taubstummen Turnvereinigung Berlin“, am 18. Oktober 1888, wurde der Grundstein für ein organisiertes Sportwesen gelegt. Im folgenden Jahr wird der Verein in „Taubstummen Turnverein 'Friedrich' Berlin“ umbenannt und um eine Frauenabteilung erweitert, 1896 kam eine Jugendabteilung dazu. Führende Person bei der Gründung des Vereins war der Schulrat Albert Gutzmann, der erste Direktor einer Taubstummenschule in Deutschland, der für Taubstumme den Turnunterricht einführte. Andere Sportgemeinschaften folgten dem Beispiel vom „Taubstummen Turnverein 'Friedrich' Berlin“ und gründeten deutschlandweit weitere Vereine.

Am 21. August 1910 wurde der „Verband Deutscher Taubstummen-Vereine für Leibesübungen“ (VDTVfL) unter dem Vorsitz von Hermann Hauboldt in Köln gegründet.

Gründung des VDTTVBearbeiten

1913 kam es zu dem ersten Zusammentreffen von taubstummen Turnern aus ganz Deutschland im Rahmen des Deutschen Turnfestes in Leipzig. Es wurde der „Ausschuss zur Förderung des Turnens unter den Taubstummen“ (AFTT) gegründet. Einige Ausschussmitglieder strebten die Auflösung des "Verband Deutscher Taubstummen-Vereine für Leibesübungen" an, dies blieb jedoch ohne Erfolg. Bei dem außerordentlichen Turntag, im Mai 1914 in Halle, wurde der Ausschuss zum "Verband deutscher Taubstumm-Turnvereine" umbenannt. Eine komplette Einigung zwischen Ausschuss und Verband bleibt aus, da der Ausbruch des Ersten Weltkrieges den Turnsport der Gehörlosen fast zum Erliegen bringt.

Vom VDTTS zum DGSBearbeiten

1919 wird beim Turntag in Bielefeld der „Verband deutscher Taubstummen Turn- und Sportvereine“ (VDTTSV) gegründet, eine Verschmelzung zwischen dem VDTTVfL und dem AFTT.

Auf dem Verbandstag 1921 in Magdeburg ändert der Verband seinen Namen in „Verband Deutscher Taubstummen-Vereine für Leibesübungen“ (VDTVfL). 1924 wurde bei dem Verbandstag in Nürnberg ein „Reichsausschuss deutscher Taubstummen-Verbände für Leibesübungen“ gegründet, alle Gruppen die im VDTVfL waren, bekamen ihre Selbständigkeit zurück. Nun nannte sich der Verband „Verband deutscher Taubstummen Turn- und Sportvereine“ (VDTTSV). 1933 gab es nur noch den VDTTSV.

Unter dem Vorsitz von Heinrich Siepmann organisierte sich der Gehörlosensport 1946 neu. Der Deutsche Gehörlosen-Sportverband (DGS) wird in Hannover gegründet.

Struktur und Mitglieder des DGSBearbeiten

VerbandstagBearbeiten

Der Verbandstag ist höchstes Organ des DGS und findet jedes Jahr im November, am Wochenende nach Buß- und Bettag, statt.

Aufgaben:

  • Wahl des Vorstandes ( §26 BGB )
  • Wahl der Kassenprüfer, die Wahl der Mitglieder des Schiedsgerichtes und die Wahl der Mitglieder des Gnadenausschusses
  • Entgegennahme des Rechenschaftsberichts des Vorstandes
  • Entlastung des Vorstandes gemäß § 26 BGB und des Präsidiums
  • Genehmigung des Haushaltsplanes für das nächste Kalenderjahr
  • Entgegennahme und Genehmigung des Finanzberichtes vergangene Jahr
  • Festlegung der Höhe des Mitgliedsbeitrages
  • Änderung der Satzung
  • Erledigung von Anträgen
  • Bestätigung des Vorsitzenden der DGSJ
  • Bestätigung der Verbandsfachwarte
  • Aufnahme und der Ausschluss von Mitgliedsverbänden

Zusammensetzung des Verbandstages:

  • Die Mitglieder des Präsidiums
  • Die Delegierten der ordentlichen Mitgliedsverbände
  • Die Delegierten der Fachsparten
  • Die Delegierten der DGSJ

VorstandBearbeiten

Zusammensetzung des Vorstandes:

  • Der Präsident
  • Der Vizepräsident für Leistungssport
  • Der Vizepräsident Finanzen
  • Der Vizepräsident für Öffentlichkeitsarbeit
  • Der Vizepräsident Breitensport

PräsidiumBearbeiten

Zusammensetzung des Präsidiums:

  • Alle Mitglieder des Vorstands
  • Der Generalsekretär
  • Die Sportdirektorin
  • Der Vorsitzender der Sportjugend

Der Generalsekretär und die Sportdirektorin haben beratende Stimmen im Präsidium.

LandesverbändeBearbeiten

Bundesland: Landesverband:
Baden-Württemberg: Gehörlosen-Sportverband Baden-Württemberg e.V.
Bayern: Bayerischer Gehörlosen-Sportverband e.V.
Berlin: Gehörlosen-Sportverband Berlin-Brandenburg e.V.
Brandenburg: Gehörlosen-Sportverband Berlin-Brandenburg e.V.
Bremen: Landes–Gehörlosen–Sportverband Bremen e.V.
Hamburg: Gehörlosen-Sportverband Hamburg e.V.
Hessen: Hessischer Gehörlosen-Sportverband e.V.
Mecklenburg-Vorpommern: Gehörlosen-Landessportverband Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen: Gehörlosen-Sportverband Niedersachsen e.V.
Nordrhein-Westfalen: Gehörlosen-Sportverband Nordrhein-Westfalen e.V.
Rheinland-Pfalz: Gehörlosen-Sportverband Rheinland-Pfalz e.V.
Saarland: Gehörlosen-Sportvereinigung 41/56 e.V. Saarbrücken
Sachsen: Gehörlosen-Sportverband Sachsen e.V.
Sachsen-Anhalt: Gehörlosensportverband Sachsen-Anhalt e.V.
Schleswig-Holstein: Gehörlosen-Sportverband Schleswig-Holstein e.V.
Thüringen: Gehörlosen-Sportverband Thüringen e.V.

Deutsche Gehörlosen-Sportjugend (dgsj)Bearbeiten

Alle Kinder und Jugendliche in den Mitgliedsvereinen des DGS und die gewählten Vertreter der dgsj bilden die Deutsche Gehörlosen-Sportjugend (dgsj). Die dgsj ist als Träger der freien Jugendhilfe gemäß § 75 SGB III und als Jugendorganisation bei den Spitzenverbänden der Deutschen Sportjugend anerkannt. Sie tritt für die Mitbestimmung und Mitverantwortung der Kinder und Jugendliche ein.

Die dgsj führt u. a. Jahrgangs- oder Schüler- und Jugendmeisterschaften durch, außerdem finden Bundesjugendtreffen für junge Sportbegeisterte, in unregelmäßigen Abständen, statt. Die DGS Bundestrainer nutzen die Gelegenheit bei diesen Veranstaltungen ihre Kader mit neuen Talenten zu ergänzen.

FachspartenBearbeiten

Sie sind für die Organisation und Verwaltung des nationalen Sportwesens verantwortlich, dazu gehören die Durchführung von Deutschen Gehörlosen Meisterschaften, Pokal- und Jugendmeisterschaften, Mitarbeit bei Lehrgängen für Spitzen- und Nachwuchssportler.

In 15 Sportarten ist der DGS international vertreten, es gibt 19 Nationalkader, in denen ca. 52 Spitzensportler auf z. B. Europa-, Weltmeisterschaften und den Deaflympics (vom IOC anerkannte Olympische Spiele der Gehörlosen), vorbereitet werden.

Fachsparten im LeistungssportBearbeiten

Alle aufgeführten Fachsparten im Leistungssport werden vom Bundesministerium des Innern (BMI) und von der Stiftung Deutsche Sporthilfe (SDS) gefördert.

Fachsparten im BreitensportBearbeiten

Die nachfolgend aufgeführten Fachsparten werden nicht vom BMI und SDS gefördert.

Mitgliedschaften des DGSBearbeiten

ICSD = International Committee of Sports for the Deaf
EDSO = European Deaf Sport Organization
ICCD = International Chess Committee of the Deaf
DOSB = Deutscher Olympischer Sportbund
DGB = Deutscher Gehörlosen-Bund

Aufgaben des DGSBearbeiten

  • Entwicklung, Aufrechterhaltung und die Weiterentwicklung des Gehörlosensports und besonders des Jugendsports.
  • Den Gehörlosensport im Inland wie im Ausland zu vertreten, sei es gegenüber Einzelpersonen, Vereinen, Verbänden oder Regierungen und alle damit in Zusammenhang stehenden Fragen zum gemeinsamen Wohl aller Mitglieder in sportlichem Geist zu regeln.
  • Sicherstellen, dass der Gehörlosensport innerhalb der Bundesrepublik Deutschland nach den nationalen und internationalen Regeln ausgetragen wird.
  • Ausbildung von Trainern und Übungsleitern sowie die Förderung von Sportlehrgängen und die Durchführung von Maßnahmen allgemeinbildender und jugendsportpflegerischer Art.
  • In Wettbewerben der im DGS betriebenen Sportarten jeweils die deutschen Gehörlosenmeister, in überregionalen Pokalwettbewerben deren Sieger ermitteln zu lassen, die hierzu notwendigen Regelungen im Rahmen seiner Ordnungen aufzustellen, ferner Länderspiele und die zu ihrer Vorbereitung notwendigen Spiele und Lehrgänge durchzuführen.

AusschüsseBearbeiten

LeistungssportausschussBearbeiten

Aufgaben: Beim DGS besteht zur Klärung von Fragen zum Leistungssport ein Ausschuss für Leistungssport, dem folgende Personen angehören: Vizepräsident für Leistungssport, Referent für sportliche Angelegenheiten, Sportdirektor, Generalsekretär und je ein gewählter Vertreter der Aktivensprecher, der Trainer und Verbandsfachwarte. Der Ausschuss tritt bei Bedarf zusammen.

Ausschuss für sportmedizinische AngelegenheitenBearbeiten

Der Ausschuss für sportmedizinische Angelegenheiten besteht zur Behandlung medizinischer Fragen, er setzt sich aus dem Verbandsarzt, dem leitenden Physiotherapeuten, dem Vizepräsident Leistungssport, dem Generalsekretär und dem Sportdirektor zusammensetzt. Er tritt bei Bedarf zusammen.

Ad-hoc AusschüsseBearbeiten

Für zeitlich begrenzte Aufgaben kann das Präsidium Ad-hoc Ausschüsse bilden. Deren Tätigkeit endet mit der Erfüllung ihres Auftrages. Für Beschlüsse gelten die gleichen Regeln wie für die anderen Ausschüsse auch.

PräsidentenBearbeiten

1910–1914: Hermann Hauboldt
1914–1924: Hermann Zech
1924–1933: Hermann Hauboldt
1946–1974: Heinrich Siepmann
1974–1991: Friedrich Waldow
1991–2003: Hubert Wilhelm
2003–2013: Karl-Werner Broska (†)
2013–2017: Winfried Wiencek
ab 2017: Norbert Hensen

EhrenmitgliederBearbeiten

Theo Krumscheid (†) Ehrenmitglied
Harry Förster (†) Ehrenmitglied
Käthi George Ehrenmitglied
Peter Fiebiger Ehrenmitglied

EhrungenBearbeiten

EhrennadelBearbeiten

Personen, die sich durch langjährige verdienstvolle Mitarbeit im DGS oder herausragende sportliche Leistungen ausgezeichnet haben wird die Ehrennadel verliehen.

  • Bronze für 10 Jahre Vorstandstätigkeit oder aktive Mitarbeit/Sportler wird verliehen an:
    • Mitglieder eines Vereinsvorstandes
    • Mitglieder eines Verbandsvorstandes (auf Landes- und Bundesebene)
    • aktive Mitarbeiter mit besonderem Engagement
    • aktive Sportler mit herausragender Leistung
  • Silber für 25 Jahre Vorstandstätigkeit oder aktive Mitarbeit/Sportler wird verliehen an:
    • Träger der Ehrennadel in Bronze
  • Gold für 40 Jahre Vorstandstätigkeit oder aktive Mitarbeit/Sportler wird verliehen an:
    • Träger der Ehrennadel in Silber

Heinrich-Siepmann-MedailleBearbeiten

Der Verband verleiht zur Würdigung hervorragender sportlicher oder ehrenamtlicher Verdienste seit 1976 die Heinrich-Siepmann-Medaille.

Förderer, Partner und UnterstützerBearbeiten

FördererBearbeiten

PartnerBearbeiten

HauptpartnerBearbeiten

MedienpartnerBearbeiten

UnterstützerBearbeiten

  • Reha Com Tech
  • SnowTrex

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bestandserhebung 2018. (PDF) Deutscher Olympischer Sportbund, abgerufen am 2. Juni 2019.