Deutscher Boxsport-Verband

Sportfachverband

Der Deutsche Boxsport-Verband e. V. (DBV) ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein und organisiert und fördert als nationaler Spitzensportverband das Olympische Boxen in Deutschland. Er ist Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), dem europäischen Boxverband EUBC European Boxing Confederation und dem Weltverband AIBA Association Internationale de Boxe Amateure.

Deutscher Boxsport-Verband e.V.
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Gegründet 2003
Präsident Erich Dreke
Vereine 887[1]
Mitglieder 78.868[1]
Verbandssitz Kassel
Homepage www.boxverband.de

Der Verband unterteilt sich in 17 Landesverbände mit 886 Vereinen und 78.897 Mitgliedern (Stand: 1. Januar 2019). Der Sitz und die Geschäftsstelle des DBV befinden sich in Kassel. DBV-Präsident ist seit Oktober 2019 Erich Dreke.

Als Grundlage von Wettkämpfen im olympischen Boxsport in Deutschland erlässt und überwacht der DBV ein Regelwerk, das sich mit geringfügigen nationalen Modifikationen aus den Regeln des Weltverbandes AIBA ableitet. Für die Leitung und Bewertung von Wettkämpfen bildet er Kampfrichter aus.

Außerdem bildet der Verband im Rahmen des Lizenzierungsmodells des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Trainer der Lizenzstufen B und A aus. Die Ausbildung von C-Lizenz-Trainern ist den Landesverbänden übertragen.

Der DBV richtet die jährlichen deutschen Meisterschaften in den Altersklassen Erwachsene, U22, U19, U18, U17 und U15 aus und organisiert die mal einstufig, mal zweistufig durchgeführte Box-Bundesliga. Aus den Reihen der ihm angeschlossenen Boxerinnen und Boxer entsendet er nach erfolgreicher Qualifikation die Boxsportlerinnen und Boxsportler der deutschen Olympiamannschaft.

GeschichteBearbeiten

Im Dezember 1920 wurde in Berlin der „Deutsche Reichsverband für Amateur-Boxen“ (DRfAB) gegründet. Auf ihn bezogen sich die später folgenden Boxverbände, obwohl der DRfAB zu der Zeit seiner Gründung den Boxsport nicht exklusiv vertrat. Er stand in seinen Anfangsjahren in Konkurrenz zu dem „Deutschen Athletik-Sport-Verband“ (DASV), der das Boxen in einer eigenen Sparte organisierte.

Die sportliche Bedeutung des DRfAB wuchs insbesondere durch seinen Beitritt zur „Fédération Internationale de Boxe Amateur“ (FIBA), dem damaligen Weltverband des Amateurboxens und der Vorläuferorganisation der 1948 gegründeten und heute noch bestehenden „Association Internationale de Boxe Amateure“ (AIBA). Der Beitritt ermöglichte den Boxern des DRfAB die Teilnahme am internationalen Sportverkehr.

Boxer des DRfAB nahmen an den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam teil. Ernst Pistulla (Goslar) gewann im Halbschwergewicht die Silbermedaille. Dieser Erfolg war der erste Medaillengewinn deutscher Sportler bei Olympischen Spielen überhaupt.

In der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft wurde der DRfAB in DABV (Deutscher Amateur-Boxverband) umbenannt und dem Reichsfachamt 7 unterstellt. Die leitenden Ämter wurden (wie auch in anderen Sportverbänden) nun nicht mehr durch die Mitglieder des Verbandes gewählt, sondern durch staatliche Stellen besetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stuften die alliierten Siegermächte das Boxen in Deutschland zunächst als „Wehrsport“ ein und verboten es vorübergehend. Als der Boxsport schließlich wieder erlaubt wurde, entwickelte er sich im geteilten Deutschland bis zur Wiedervereinigung in getrennten Verbandsstrukturen.

 
Wimpel vom DBV DDR

In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war das Amateurboxen von 1948 bis 1958 zunächst unter dem Dach des staatlichen „Deutschen Sportausschauss“ organisiert, wechselte aber 1958 zum neu gegründeten „Deutschen Turn- und Sportbund“ (DTSB), wo er nun durch den „Deutschen Boxverband“ vertreten wurde. In der Bundesrepublik Deutschland (BRD) gründete sich 1949 der „Deutsche Amateur-Box-Verband“ (DABV). Dem westdeutschen DABV gelang 1950 die Aufnahme in die AIBA, der ostdeutsche DBV wurde 1952 Mitglied des Weltverbandes.

Trotz der Teilung Deutschlands und des Kalten Krieges bildeten die DDR und die BRD auf Druck des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bis zu den Olympischen Spielen 1960 in Rom gemeinsame Mannschaften. Im Rahmen dieser gesamtdeutschen Mannschaften waren in den Boxstaffeln ebenfalls Sportler aus beiden Staaten vertreten.

Das Amateurboxen wurde in der DDR (ähnlich wie in weiteren sozialistischen Ländern) staatlicherseits stark gefördert und sportwissenschaftlich intensiv begleitet. Hierdurch gelang dem ostdeutschen Amateurboxen im Lauf der Jahre der Anschluss an die Weltspitze. Dies war unter anderem auch an den Erfolgen bei den olympischen Sommerspielen ablesbar: Von 1964 bis 1988 traten die beiden deutschen Staaten bei 6 der 7 Olympischen Sommerspielen in getrennten Mannschaften an (die Olympischen Spiele 1980 in Moskau wurden von der BRD boykottiert, die Spiele 1984 in Los Angeles von der DDR). Boxer der DDR gewannen in diesen 6 Turnieren insgesamt 13 Medaillen (5 × Gold, 2 × Silber, 6 × Bronze), Boxer der BRD errangen insgesamt 6 Medaillen (1 × Gold, 5 × Bronze).

Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990 schlossen sich im Dezember 1990 auch die beiden deutschen Boxsportverbände zusammen. Der hierdurch auf etwa 800 Vereine und etwa 64.000 Sportler angewachsene Verband trug nach dem Zusammenschluss zunächst weiterhin den Namen des vorherigen westdeutschen Verbandes „Deutsche Amateur-Box-Verband“ (DABV). 2001 benannte er sich um in „Deutscher Boxsport-Verband“ um, der wie der frühere DDR-Verband mit „DBV“ abgekürzt wird.

In den folgenden Jahren profitierte der nun wieder gesamtdeutsche Verband vom sportlichen Niveau des Amteurboxens in der DDR. Bei den Weltmeisterschaften 1991 in Sydney (Australien) belegte Deutschland nach Kuba und Bulgarien den 3. Platz im Medaillenspiegel. Bei den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona (Spanien) errangen deutsche Boxer nach Kuba den zweiten Platz des Boxwettbewerbs.

Mit wachsendem Abstand zur deutschen Wiedervereinigung ließen die internationalen Erfolge spürbar nach. Im Sportsystem der Bundesrepublik Deutschland erfahren insbesondere die olympischen Sportarten zwar eine staatliche Unterstützung, aber die Förderung ist nicht mit der staatlichen Unterstützung und Lenkung des Sports in der DDR vergleichbar.

Die Bundesrepublik Deutschland und der DABV bzw. DBV waren drei Mal Ausrichter der Weltmeisterschaften im olympischen Boxen der Männer: 1982 in München, 1995 in Berlin und 2017 in Hamburg.

LandesverbändeBearbeiten

  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Berlin
  • Brandenburg
  • Bremen
  • Hamburg
  • Sachsen
  • Sachsen-Anhalt
  • Schleswig-Holstein
  • Südwest
  • Thüringen

Medaillen bei Olympischen SpielenBearbeiten

Jahr Ort Medaille Athlet Gewichtsklasse Nation
2016 Rio Bronze Artem Harutyunyan –64,0 kg Deutschland
2004 Athen Bronze Rustamhodza Rahimov 48–51 kg Deutschland
2004 Athen Bronze Vitali Tajbert 54–57 kg Deutschland
2000 Sidney Bronze Sebastian Köber 81–91 kg Deutschland
1996 Atlanta Bronze Thomas Ulrich 75–81 kg Deutschland
1996 Atlanta Bronze Luan Krasniqi 81–91 kg Deutschland
1996 Atlanta Silber Oktay Urkal 60–63,5 kg Deutschland
1996 Atlanta Bronze Zoltan Lunka 48–51 kg Deutschland
1992 Barcelona Gold Torsten May 75–81 kg Deutschland
1992 Barcelona Silber Marco Rudolph 57–60 kg Deutschland
1992 Barcelona Gold Andreas Tews 54–57 kg Deutschland
1992 Barcelona Bronze Jan Quast –48 kg Deutschland
1988 Seoul Silber Andreas Tews 48–51 kg DDR
1988 Seoul Gold Andreas Zülow 57–60 kg DDR
1988 Seoul Bronze Reiner Gies 60–63,5 kg BRD
1988 Seoul Gold Henry Maske 71–75 kg DDR
1984 Los Angeles Bronze Manfred Zielonka 67–71 kg BRD
1980 Moskau Bronze Herbert Bauch 75–81 kg DDR
1980 Moskau Bronze Jürgen Fanghänel + 81 kg DDR
1980 Moskau Bronze Detlef Kästner 67–71 kg DDR
1980 Moskau Bronze Karl-Heinz Krüger 63,5–67 kg DDR
1980 Moskau Gold Rudi Fink 54–57 kg DDR
1980 Moskau Bronze Richard Nowakowski 57–60 kg DDR
1976 Montreal Silber Richard Nowakowski 54–57 kg DDR
1976 Montreal Gold Jochen Bachfeld 63,5–67 kg DDR
1976 Montreal Bronze Reinhard Skricek 63,5–67 kg BRD
1972 München Bronze Peter Tiepold 67–71 kg DDR
1972 München Gold Dieter Kottysch 67–71 kg BRD
1972 München Bronze Peter Hussing + 81 kg BRD
1968 Mexico Gold Manfred Wolke 63,5–67 kg DDR
1968 Mexico Bronze Günther Meier 67–71 kg BRD
1964 Tokio Bronze Heinz Schulz 54–57 kg Deutschland
1964 Tokio Silber Emil Schulz 71–75 kg Deutschland
1964 Tokio Silber Hans Huber + 81 kg Deutschland
1960 Rom Bronze Günter Siegmund + 81 kg Deutschland
1956 Melbourne Silber Harry Kurschat 57–60 kg Deutschland
1956 Melbourne Gold Wolfgang Behrendt 54–57 kg DDR
1952 Helsinki Bronze Günther Heidemann 63,5–67 kg Deutschland
1952 Helsinki Silber Edgar Basel –51 kg Deutschland
1936 Berlin Bronze Josef Miner 54–57,15 kg Deutschland
1936 Berlin Gold Willi Kaiser –50,8 kg Deutschland
1936 Berlin Silber Michael Murach 61,24–66,68 kg Deutschland
1936 Berlin Silber Richard Vogt 72,57–79,38 kg Deutschland
1936 Berlin Gold Herbert Runge + 79,38 kg Deutschland
1932 Los Angeles Silber Erich Campe 61,24–66,68 kg Deutschland
1932 Los Angeles Silber Hans Ziglarski 50,8–54 kg Deutschland
1932 Los Angeles Silber Josef Schleinkofer 54–57,15 kg Deutschland
1928 Amsterdam Silber Ernst Pistulla 72,57–79,38 kg Deutschland

Resultate von Olympic.org[2][3][4]

Medaillen bei Olympischen JugendspielenBearbeiten

Jahr Ort Medaille Athlet Gewichtsklasse Nation
2014 Nanjing Gold Peter Kadiru + 91,0 kg Deutschland
2010 Singapur Gold Artur Bril 57,0 kg Deutschland

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bestandserhebung 2021. (PDF) Deutscher Olympischer Sportbund, abgerufen am 19. April 2022.
  2. Olympic.org View Results Boxing – Germany Olympic Games Medals, Results, Sports, Boxing, Germany
  3. Olympic.org View Results Boxing – Federal Republic of Germany Olympic Games Medals, Results, Sports, Boxing, Federal Republic of Germany
  4. Olympic.org View Results Boxing – German Democratic Republic Olympic Games Medals, Results, Sports, Boxing, German Democratic Republic