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Castel Gandolfo

italienische Gemeinde

Castel Gandolfo (auch Castelgandolfo, lateinisch Castrum Gandulphi) ist eine italienische Gemeinde mit 8971 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2016), die zur Metropolitanstadt Rom in der italienischen Region Latium gehört.

Castel Gandolfo
Wappen
Castel Gandolfo (Italien)
Castel Gandolfo
Staat Italien
Region Latium
Metropolitanstadt Rom (RM)
Koordinaten 41° 45′ N, 12° 39′ OKoordinaten: 41° 44′ 47″ N, 12° 39′ 3″ O
Höhe 426 m s.l.m.
Fläche 14 km²
Einwohner 8.971 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte 641 Einw./km²
Stadtviertel Mole di Castel Gandolfo,
Pavona
Angrenzende Gemeinden Albano Laziale,
Grottaferrata, Marino,
Rocca di Papa, Rom
Postleitzahl 00073
Vorwahl 06
ISTAT-Nummer 058022
Volksbezeichnung Castellani
Schutzpatron Hl. Sebastian
Website Castel Gandolfo
Blick auf Castel Gandolfo und den Albaner See
Blick auf Castel Gandolfo und den Albaner See

Bekannt ist die Stadt wegen der hier befindlichen Papstresidenz, die seit dem 17. Jahrhundert den Päpsten als Sommerresidenz diente und seit 21. Oktober 2016 als Museum allgemein zugänglich ist.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

 
Lage von Castel Gandolfo in der Provinz Rom

Castel Gandolfo liegt 24 km südöstlich von Rom in den Albaner Bergen oberhalb des Albaner Sees. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhe von 155 bis 519 m s.l.m.

Die Gemeinde liegt in der Erdbebenzone 2 (mittel gefährdet).[2]

 
Castel Gandolfo auf OpenStreetMap

Castel Gandolfo teilt sich in vier Gebiete auf.

  • Die Altstadt von Castel Gandolfo liegt auf dem Rand der Caldera, eines erloschenen Vulkans.
  • Der Albaner See, der zum Gemeindegebiet gehört, liegt auf dem Kratergrund, 130 m unterhalb der Stadt. Entlang des Ufers liegen Ausflugslokale und Strandbäder.
  • Am Westhang der Caldera liegt der Stadtteil Mole mit moderner Wohnbebauung.
  • Im Südwesten liegt um einen weiteren, heute trockengelegten Kratersee (Laghetto di Turno) der Ortsteil Pavona, der in den 1920er Jahren entstand. In ihm leben heute die meisten Einwohner der Gemeinde. Hier befindet sich auch das Gewerbegebiet.
 
Piazza della Libertà

Castel Gandolfo wird zu den Ortschaften der Castelli Romani gezählt und ist Mitglied der Vereinigung I borghi più belli d’Italia[3] (Die schönsten Orte Italiens).

Die Nachbarorte sind im Uhrzeigersinn: Marino, Grottaferrata, Rocca di Papa, Albano Laziale und Rom.

VerkehrBearbeiten

  •   Castel Gandolfo hat einen Bahnhof an der Regionalbahnstrecke FL4 Rom-Albano. Der Bahnhof Pavona an der Regionalbahnstrecke FL4 Rom-Velletri liegt bereits im Stadtteil Pavona von Albano Laziale.

GeschichteBearbeiten

Archäologische Ausgrabungen und historische Quellen lassen vermuten, dass an der Stelle des heutigen Ortes um etwa 1100 v. Chr. bis 600 v. Chr. die antike Stadt Alba Longa lag, die lange der kulturelle Mittelpunkt und Hauptstadt des Latinerbundes war. Alba Longa spielte in der römischen Mythologie bei der Gründung Roms eine herausragende Rolle. 665 v. Chr. wurde Alba Longa von Rom zerstört.[4][5]

Auch aufgrund der günstigen Lage an der Via Appia (ab 312 v. Chr. erbaut) wurden in dem Gebiet zahlreiche Villen errichtet, darunter als größte die Villa des Kaisers Domitian. Sie ist der Vorgängerbau des heutigen Päpstlichen Palastes.

Im Mittelalter gehörte die Domitianvilla unter dem Namen Massa Caesariana den Grafen von Tusculum. 1221 erwarben sie die Savelli und bauten sie zu ihrer Burg um. 1596 wurde sie aufgrund unbeglichener Schulden der Familie Savelli von der Apostolischen Kammer beschlagnahmt und in der Folge zum barocken Palast umgebaut. Seit 1628 wird dieser als Sommerresidenz des Papstes genutzt.

Als 1798 Castel Gandolfo von französischen Soldaten besetzt wurde, schloss es sich der kurzlebigen Republik von Albano an. 1870 wurde der Kirchenstaat aufgelöst und Castel Gandolfo ins Königreich Italien eingegliedert. Mit den Lateranverträgen von 1929 wurden die Grenzen der Papstresidenz als exterritoriales Gebiet des Vatikans festgeschrieben.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001 2011
Einwohner 1.767 1.980 2.577 2.955 4.172 4.709 6.843 7.930 9.091

Quelle: ISTAT

PolitikBearbeiten

Milvia Monachesi (PD) wurde im Mai 2012 zur Bürgermeisterin gewählt. Ihr Vorgänger und Parteifreund Maurizio Colacchi amtierte von 2002 bis 2012. Bei den Wahlen 2002, 2007 und 2012 erreichte die rot-grüne Bürgerliste Arcobaleno (Regenbogen) immer die absolute Mehrheit der Sitze im Gemeinderat.[6]

PartnerstädteBearbeiten

ReligionBearbeiten

Die Einwohner von Castel Gandolfo gehören mehrheitlich der römisch-katholischen Glaubensgemeinschaft an. Die Stadt gehört zum Bistum Albano.[7]

PapstresidenzBearbeiten

 
Die exterritorialen Gebiete in Castel Gandolfo:
1: Apostolischer Palast
2: Garten der Villa Cybo
3: Landgut der Villa Barberini
4: Oliveto ex-Bacelli
5: San Tommaso di Villanova

Castel Gandolfo beherbergt eine Residenz des Papstes. Ursprünglich von Kaiser Domitian erbaut, war es später der Adelssitz der Familie Gandolfi und dann der Savelli. Die Residenz wurde von Papst Clemens VIII. 1596 beschlagnahmt und unter Urban VIII. 1624 bis 1629 zum Papstpalast umgebaut. Seither wurde der Palast von fast allen Päpsten vor allem in den Sommermonaten als Residenz genutzt. Traditionell finden dann auch die Generalaudienzen dort im Innenhof des Papstpalastes statt. Papst Benedikt XVI. nutzte die Residenz während seines Pontifikats das ganze Jahr über häufig zur Erholung. Er hat sich nach seinem Amtsverzicht am 28. Februar 2013 nach Castel Gandolfo zurückgezogen, bis er am 2. Mai 2013 endgültig seinen Altersruhesitz im Kloster Mater Ecclesiae nahm.[8][9] Im Sommer 2015 nutzte der emeritierte Papst Benedikt XVI. die Residenz für einen zweiwöchigen Aufenthalt erneut. Castel Gandolfo ist Sterbeort von Pius XII. (1958) und Paul VI. (1978).

Die Residenz ist ein Komplex von drei Villen. In den Lateranverträgen von 1929 wurde die Sommerresidenz (welche den Papstpalast, die Villa Cybo, die Villa Barberini, die Gärten des Belvedere, sowie einen Gutshof mit einer kleinen Landwirtschaft umfasst) als exterritoriale Besitzung des Heiligen Stuhls bezeichnet (mit einer Ausdehnung von 55 Hektar). Entgegen einer verbreiteten Auffassung bedeutet dies nicht, dass die päpstlichen Güter in Castel Gandolfo Teil des Territoriums des Staates der Vatikanstadt sind, sondern dass sie mit dem Status von ausländischen Vertretungsbehörden vergleichbar sind. Die Sicherungsaufgaben innerhalb der päpstlichen Güter werden von der vatikanischen Gendarmerie wahrgenommen. Im Gebiet der Villa Cybo befindet sich das „Internationale Kongresszentrum Mariapoli“ der Fokolar-Bewegung. Zu Beginn des Pontifikats von Johannes Paul II. wurde von amerikanischen Katholiken ein überdachtes Schwimmbad gespendet.

Im Ostflügel der Anlage befindet sich seit 1930 die Vatikanische Sternwarte Specola Vaticana, die den römischen Standort der Sternwarte wegen der Lichtverschmutzung der Großstadt ersetzte. Sie verfügt über zwei Teleskope aus den 1950er Jahren, die aber mittlerweile veraltet sind. Deshalb wurde 1981 die Forschungsabteilung des Institutes durch deren damaligen Leiter George Coyne nach Arizona an die dortige Universität verlegt.

Im Oktober 2016 kündigte Papst Franziskus an, Castel Gandolfo künftig nicht mehr als Sommerresidenz nutzen zu wollen. Seit dem 21. Oktober 2016 wurde die Papstwohnung in ein für die Öffentlichkeit zugängliches Museum umgewandelt.[10][11]

LiteraturBearbeiten

  • Christoph Henning: Latium. Das Land um Rom. Mit Spaziergängen in der Ewigen Stadt (= DuMont Kunst-Reiseführer). 3., aktualisierte Auflage. DuMont, Köln 2006, ISBN 3-7701-6031-2.
  • Anton Henze, Kunibert Bering, Gerhard Wiedmann: Kunstführer Rom. 5., neu bearbeitete Auflage. Philipp Reclam GmbH, Stuttgart 1994, ISBN 3-15-010402-5.
  • Mario Galgano: Castel Gandolfo – Wo Päpste Urlaub machen. 1. Auflage. Kunst-Verlag Fink, 2015.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2016.
  2. Italienischer Zivilschutz
  3. I borghi più belli d’Italia. Borghipiubelliditalia.it, abgerufen am 31. August 2017 (italienisch).
  4. Christian Hülsen: Alba Longa. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,1, Stuttgart 1893, Sp. 1301 f.
  5. Gisela M. A. RichterAlba Longa (Castel Gandolfo) Latium, Italy. In: Richard Stillwell u. a. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Classical Sites. Princeton University Press, Princeton NJ 1976, ISBN 0-691-03542-3.
  6. Information des Innenministeriums, abgerufen am 11. Januar 2016
  7. Diözese Albano (italienisch), abgerufen am 20. Dezember 2015
  8. Castel Gandolfo rüstet auf: „Alle fiebern Benedikt XVI. entgegen“. Radio Vatikan, 22. Februar 2013, abgerufen am 22. Februar 2013.
  9. Papst Franziskus heißt Benedikt XVI. im Vatikan willkommen. Radio Vatikan, 3. Mai 2013, abgerufen am 4. Mai 2013.
  10. Papst verzichtet auf Sommerresidenz Castel Gandolfo
  11. Eröffnung: Päpstliche Sommerresidenz wird zum Museum