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Blumberg

Stadt in Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Blumberg
Blumberg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Blumberg hervorgehoben
Koordinaten: 47° 50′ N, 8° 32′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Schwarzwald-Baar-Kreis
Höhe: 704 m ü. NHN
Fläche: 98,69 km2
Einwohner: 10.100 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 102 Einwohner je km2
Postleitzahl: 78176
Vorwahlen: 07702, 07736
Kfz-Kennzeichen: VS
Gemeindeschlüssel: 08 3 26 005
Stadtgliederung: 10 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 97
78176 Blumberg
Webpräsenz: www.stadt-blumberg.de
Bürgermeister: Markus Keller (CDU)
Lage der Stadt Blumberg im Schwarzwald-Baar-Kreis
SchweizLandkreis Breisgau-HochschwarzwaldLandkreis EmmendingenLandkreis KonstanzLandkreis TuttlingenLandkreis WaldshutOrtenaukreisLandkreis RottweilBad DürrheimBlumbergBräunlingenBräunlingenBrigachtalDauchingenDonaueschingenFurtwangen im SchwarzwaldGütenbachHüfingenHüfingenKönigsfeld im SchwarzwaldMönchweilerNiedereschachSt. Georgen im SchwarzwaldSchönwald im SchwarzwaldSchonach im SchwarzwaldTuningenTriberg im SchwarzwaldUnterkirnachUnterkirnachUnterkirnachVillingen-SchwenningenVillingen-SchwenningenVillingen-SchwenningenVöhrenbachKarte
Über dieses Bild
Blumberg zwischen Wutach und Donau, die hellblau gepunktete Linie markiert die Aitrach

Blumberg ist eine Stadt im Süden des Schwarzwald-Baar-Kreises, am Südostrand des Schwarzwaldes in Baden-Württemberg. Das Stadtbild ist aufgrund der Historie ungewöhnlich: Blumberg besitzt Züge einer Bergbaustadt, die an Orte im Ruhrgebiet erinnert.

Blumberg ist staatlich anerkannter Erholungsort.

Die Verantwortung für den Betrieb der Wutachtalbahn liegt seit dem 1. Februar 2014 offiziell bei der Bahnbetriebe Blumberg GmbH.[2]

Inhaltsverzeichnis

Lage und UmfeldBearbeiten

Nachbarstadt im Norden ist Donaueschingen, im Osten grenzt Blumberg an den Hegau mit der Festung Hohentwiel und der Stadt Singen im Landkreis Konstanz, im Süden an den Schweizer Kanton Schaffhausen mit der Stadt Schaffhausen am Rheinfall und südwestlich an den Landkreis Waldshut am Hochrhein. Westlich der Stadt Blumberg gibt es nur eine kleine Verbindungsstraße nach Achdorf zur geologisch und touristisch attraktiven Wutachschlucht.

Siehe auch: Touristisches Profil

Geographische LageBearbeiten

 
Blumberg zwischen Eichberg (oberhalb) und Buchberg. Rechts die Riedstraße (heute B 27)

Die Stadt befindet sich am Schnittpunkt von Südschwarzwald, Baar, Randen und Hegau, eingebettet im Hochtal (700 m. ü. M.) des ehemaligen Urstromtales der Feldbergdonau zwischen dem Eichberg und dem Buchberg. Das breite Tal fällt im Südwesten steil zur Wutach ab, nach Nordosten mit schwachem Gefälle zur Donau. Die alte Straße über das Ried – heute Bundesstraße 27 – bildet die Wasserscheide zwischen Rhein und Donau.[3]

 
Höhenpanorama der Wutachschlucht („Wutachflühen“)

Naturraum
Die Lage an der Wasserscheide Rhein-Donau markiert zwei verschiedene Naturräume – nach Osten das Vorfeld zur Hochebene der Schwäbischen Alb und nach Westen der Steilabfall zur Wutachschlucht, der hier die wellige, zum Rheintal sich senkende und von tief eingeschnittenen Flussläufen durchzogene Hügellandschaft des Südschwarzwaldes abgrenzt. Eine erste Weganlage in der Schlucht wurde bereits 1904 eingerichtet, doch war der ganze weitere Naturraum gefährdet, als die Badenwerk AG ein Konzessionsgesuch für den Bau des Schluchseewerkes einreichte, für den auch die Wutach teilweise abgeleitet werden sollte. Die ersten Forderungen nach einem Naturschutzgebiet wurden 1927 erhoben und 1939 folgte die Einrichtung des Naturschutzgebietes Wutach-Gauachtal. Allerdings griff das Schluchseewerk schon 1943 wieder auf die alten ‚Ableitungspläne‘ zurück (Wutachtalsperre), und erst nachdem „1000 Personen am 3. Mai 1959 in der Wutachschlucht zu einer großen Kundgebung zusammen(kamen) […] blieb das Kleinod und Wunder der Schöpfung künftigen Generationen erhalten.“[4]

Der Blaue Stein, eine Basalt-Säule, befindet sich zwei Kilometer östlich des Teilortes Randen. Er ist geologisch der westlichste Punkt des Hegaus.

StadtgliederungBearbeiten

Die Stadt Blumberg ist auf ihrer Gemarkung umgeben von den Teilorten Achdorf, Epfenhofen, Fützen, Randen, Hondingen, Kommingen, Nordhalden, Riedböhringen und Riedöschingen. Der Ortsteil Zollhaus Blumberg ist der logistische Ausgangspunkt und nördliche Endbahnhof der Mittelstrecke der früheren „Strategischen Umgehungsbahn (Schweiz)“; der heutigen Museumsstrecke „Sauschwänzlebahn“.

 
Eigene Lokomotive der Stadt Blumberg

Die 1887–1890 aus militärstrategischen Gründen zum Aufmarsch im Ersten Weltkrieg gebaute Strecke (Truppen- und Geschütztransport Richtung Elsaß/Frankreich unter Umgehung der Schweiz) – war aufgrund ihrer Transportkapazität in den 1930er Jahren mitentscheidend dafür, dass die Nationalsozialisten die historische Erzgewinnung wieder forcierten und Blumberg in wenigen Jahren zur Bergbaustadt umformten. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zum Transit durch die Schweiz genutzt. 1955 wurde der Mittelabschnitt stillgelegt, die Strecke blieb zwar mit NATO-Geldern erhalten, doch sollte sie 1976 ‚endgültig‘ eingestellt werden. 1977 übernahm sie die Stadt Blumberg von der Deutschen Bahn und der Verein Wutachtalbahn e.V. übernahm die Reaktivierung zur Museumsbahn. Nach einem Konflikt 2011 übernahm die neu gegründete Bahnbetriebe Blumberg GmbH seit 2014 den Betrieb. Saison ist Ende April bis Mitte Oktober, Nachdem die Ruhezeit der Mopsfledermäuse in zwei Tunneln gewährleistet werden konnte, werden 2018 auf einer Teilstrecke auch Winterfahrten durchgeführt.[5]

StadtentwicklungBearbeiten

 
Nachempfundene Ansicht von Burg und Stadt (Vorburg) auf der Infotafel an der ehemaligen Burgstelle

Die Stadt Blumberg wurde durch mehrere außergewöhnliche historische Ereignisse geprägt. Ihre Begründung beruhte nicht auf einer langen Siedlungs(vor)geschichte; die Stadt entstand nach einem Burgenbau im 13. Jahrhundert aus der dortigen ‚Vorburg‘, der sich damals bis ins 19. Jahrhundert östlich noch „das Dorf“ anschloss. Nach der Zerstörung der Burg im Dreißigjährigen Krieg und einem kurz anhaltenden Versuch der Landesherren im 17. Jahrhundert, den Ort zur Bergbaustätte aufzurüsten, entwickelte sich Blumberg für ein Jahrhundert wieder zum „vergessenen“ Bauerndörfchen zurück. Bedeutung erlangte Blumberg wieder als Amtsstadt der Fürstenberger im 18. Jahrhundert und mit dem Strategischen Bahnbau Ende des 19. Jahrhunderts. Vor und anfangs des Zweiten Weltkriegs wurde Blumberg als „Bergbauprojekt“ Opfer nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik.

 
Stadtansicht 1960

Stadt der GegenwartBearbeiten

Durch die ausgedehnten Bergarbeiter-Reihenhaussiedlungen besitzt Blumberg einen für süddeutsche Verhältnisse außergewöhnlichen Charakter – die Stadt erinnert auch durch breit angelegte Straßen an Orte im Ruhrgebiet. Dazu kommen heute zwei ausgedehnte Gewerbegebiete östlich der Stadt und bei Blumberg Zollhaus. Im Gegensatz zu den alten süddeutschen Städtchen hatte Blumberg nie ein „Platzproblem“ auf seiner Hochebene – dies zeigt sich in der weitflächigen Anlage, durchzogen von kleinen Parks und teils noch wiesenartigen Streifen sowie (Schreber-)Gärten und kleinen Werkstätten. Die ehemalige Vorburg ist heute ein Ensemble von modernisierten spätmittelalterlichen Gebäuden.

Die moderne Stadt präsentiert sich mit einem kleinen weitläufigen Zentrum in ruhiger Lage, da der Verkehrsfluss von der Bundesautobahn A 81 mit dem hohen LKW-Aufkommen der Transitstrecke Ost/Südwesteuropa über die Bundesstraße B 27 zur B 314 zwei Kilometer am Ort vorbei führt.

Blumberg bietet seiner Einwohnerschaft neben sozialen Einrichtungen und Aktivitäten einer der Größe entsprechende Infrastruktur an Versorgung und Dienstleistung. Merkmale sind ein am Eichberg gelegenes „Panorama-Bad“ und eine Reihe traditioneller Märkte und Veranstaltungen. Unter anderen:

  • Straßenmalerei (Streetart-Festival) Anfang Juli.
  • Stadtfest Anfang September.

Aktuelle Projekte sind die Reorganisation des Schulwesens und die Innenstadtsanierung im Rahmen des Landessanierungsprogramms „Stadtmitte II“ (Beginn der Durchführung: Anfang 2019).

Bildung und JugendBearbeiten

In Blumberg befinden sich:

  • Grundschulen bestehen in der Kernstadt sowie in Fützen, Riedböhringen und Riedöschingen.
  • Für die jüngsten Einwohner bestehen im Raum Blumberg vier kommunale, drei römisch-katholische und ein evangelischer Kindergarten. Der städtische Kindergarten in der Achdorfer Straße ist nach der jungen Widerstandskämpferin Sophie Scholl benannt, die in der Nazizeit ein halbes Jahr als Kindergärtnerin in Blumberg arbeitete („Haus am Buchberg“).
  • Jugendzentrum im Vogthaus in der Vogtgasse.

Aktuell steht die Neuorganisation der Schulgliederung und eine entsprechende Zusammenfassung im Baubereich an („Schulcampus“).

  • Die Stadtbibliothek Blumberg profiliert sich über ein übliches Medienangebot hinaus mit einem umfangreichen Bahnarchiv: Seit 1997 wird Literatur zum Thema „Dampfeisenbahn“ gesammelt, hinzu kommen Dokumente zur Strategischen Bahn.

Soziale Einrichtungen/AktivitätBearbeiten

  • Bürgerlotsen zur Begleitung bei der außerhäuslichen Alltagsorganisation und mit Initiativen zu Gesellschaftlichkeit.
  • Seniorenwohnanlage sowie Neubau einer Anlage zwischen Haupt- und Tevestraße.
  • Flüchtlingshilfe Blumberg

Die Stadt Blumberg hat mit ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern die Flüchtlingshilfe Blumberg gegründet.

Wirtschaft und GewerbeBearbeiten

  • Die Breitbandversorgung ist im Raum Blumberg realisiert.
  • Eingerichtet ist das Förderprogramm für Gewerbebetriebe: Spitze auf dem Land – Technologieführer für Baden-Württemberg, mit dem kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten im Ländlichen Raum angesprochen werden, die ein „Potenzial zur Technologieführerschaft erkennen lassen. […] Das Förderprogramm ist auf umfangreiche Investitionen ausgerichtet.“ (Webseite Stadtmarketing).

Hintergrund
Um die verheerende ökonomische und soziale Lage der Stadt nach dem Abbruch des Eisenerzabbaus 1942 zu meistern,[Anm 1] sahen sich Verwaltung und Bürgerschaft in der Nachkriegszeit zu außerordentlicher Aktivität veranlasst, um neues Gewerbe und auch wieder Industrie heranzuziehen. Dies gelang zunehmend nach der Währungsreform 1948.

UnternehmenBearbeiten

Der Ort ist Standort der 1945 als „kriegswichtig“ angesiedelten Teveswerke, heute eines der bedeutendsten Herstellern von Motorventilen (früher TRW Automotive, das Werk wurde Anfang 2015 von Federal-Mogul übernommen.[7]).

In der Nachkriegszeit hatte die Lauffenmühle-Taschentuchweberei, die bis 1995 bestand, große Bedeutung. Das Fabrikgebäude wurde 2009 abgebrochen.

Weitere in der Stadt ansässige Unternehmen:

  • METZ CONNECT (Verkabelungssysteme in Kupfer- und Glasfasertechnik, Hersteller von analogen und digitalen Telekommunikationskomponenten)
  • Straub Verpackungen Wellpappfabrik. Ortsansässig ist ein namhafter Hersteller
  • Feederle (Stahlbau)
  • Teubert (Maschinenbau)
  • Schwarzwaldhof GmbH (Schwarzwälder Schinken)

MedienBearbeiten

  • In Blumberg betreibt der Südkurier eine Lokalredaktion.
  • Im August 2018 wurde „ein neuer Internet-Knotenpunkt in Betrieb genommen, über den Blumberg nun eine Glasfaserverbindung in die Schweiz zum dortigen Hauptknotenpunkt Zürich“ hat. Damit ist eine „Anbindung an die beiden Hauptknotenpunkte Zürich und Frankfurt“ (DE-CIX) hergestellt, die „für alle Nutzer des Verbandsnetzes eine doppelte Absicherung gegen Ausfälle (bedeute). […] In der Kernstadt hätten sich 70 Prozent der Bürger für einen Glasfaseranschluss entschieden, in den Ortsteilen 80 Prozent.“[8]

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Partnergemeinden von Blumberg sind Valdoie in der Region Bourgogne-Franche-Comté (Frankreich) und Kunszentmiklós in Ungarn.

 
Altes Rathaus mit der Kernverwaltung

StadtverwaltungBearbeiten

Die Verwaltung befindet sich im „Alten Rathaus“ und in einem modernen Zweitgebäude.

Bürgermeister
Im Oktober 2017 wurde Markus Keller im ersten Wahlgang mit 98,1 % als Bürgermeister bestätigt (Alleinkandidat).[9]

Gemeinderat
Die Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 47,3 % (− 2,1) zu folgendem Ergebnis:[10]

Partei / Liste Stimmenanteil +/− Sitze +/−
CDU 48,1 % − 7,3 14 − 4
Freie Liste 32,3 % + 8,8 9 + 2
FDP 5,0 % − 8,8 1 − 2
SPD 14,6 % + 4,4 4 + 1
 
Stadt Blumberg

Stadtwappen
„Das Blumberger Stadtsiegel von 1564 mit dem Wolkenfeh, das dem Wappen der Fürstenberger entlehnt ist, hat sich in seinen Grundzügen bis ins heutige Stadtwappen erhalten.“[11] Die Blasonierung des Wappens lautet: „Unter einem durch Wolkenschnitt von Silber und Grün abgeteilt Schildhaupt in Silber ein rotes Zahnrad, worin zwei gekreuzte rote Berghämmer; unter dem Zahnrad ein grünes Eichenblatt, schräggekreuzt mit einem grünen Buchenblatt.“

Die StadtteileBearbeiten

Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden folgende Gemeinden nach Blumberg eingemeindet:

  • 1. Januar 1971: Epfenhofen, Kommingen und Nordhalden[12]
  • 1. April 1972: Achdorf, Hondingen, Riedböhringen und Riedöschingen[13]
  • 1. Januar 1975: Fützen[14]

Höfe und ehemalige Siedlungen
Bei Achdorf liegen die Wüstungen Helzenhofen (auch teilweise zu Fützen), Kazunstaige und Keglingen (z. T. auch zum Stadtteil Riedböhringen). In der Kernstadt liegt die Wüstung Bislingen. In Fützen liegen die Wüstungen Hetzenhofen (auch teilweise als Helzenhofen zum Stadtteil Achdorf), Schlatt, Moggerenmühle und Talerhof. In Hondingen die Wüstungen Bollhof und Hofen. In Riedböhringen die Wüstungen Keglingen (z. T. auch zum Stadtteil Achdorf), Wallenberg und Weil und in Riedöschingen liegt die Wüstung Aitlingen.[15]

 
Achdorf im Wutachtal
  • Achdorf

Der Ort kann ein alter Siedlungsplatz sein, da sich hier das Wutachtal öffnet und eine Verbindung zur Hochebene von Blumberg gegeben war. Ersterwähnung 775 n. Chr., 400 Jahre Besitz des Klosters St. Gallen, dann unter den Herren von Blumberg und Nachfolgern, ab 1409 bis ins 19. Jahrhundert beim Kloster St. Blasien.

Kurz vor Kriegsende im April 1945, erlangte Achdorf traurige Berühmtheit, als deutsche Truppen auf dem Rückzugsweg durch Achdorf von französischen Kampffliegern beschossen und unter Artilleriefeuer genommen wurden (Gedenkstein für die Opfer auf dem Friedhof). Ein Fluchtweg war der im Volksmund so genannte „Wellblechweg“ am Hang des Buchberges nach Fützen.

Der Dichter Viktor von Scheffel war gerne zu Gast in der Wirtschaft „Linde“, heute Gasthof „Scheffellinde“.

  • Aselfingen

Die Gemeinde Aselfingen liegt noch weiter westlich von Achdorf im Wutachtal, das Dorf wurde erstmals 791 n. Chr. in einer Urkunde erwähnt. Seine Geschichte war eng mit der von Achdorf verbunden.

 
Museumszug über dem Ort
  • Epfenhofen

In der Nähe bronzezeitliche Hügelgräber und Funde aus der römischen sowie frühalamannischen Zeit unter den Merowinger-Königen. Ersterwähnung 1145.

Die Ortschaft wird geprägt durch den Bahnviadukt, der hoch über die Dorfmitte führt. Hier waren zahlreiche Arbeiter einquartiert, die reges Leben in das bäuerliche Dörfchen und seine Wirtschaft brachten. Durch seine Nähe zur Schweiz entging es im April 1945 dem Beschuss durch französische Kampfflieger, obwohl sich dort deutsche Truppen auf ihrem Rückzug versammelten, die in der Nacht vom 26. auf den 27. April den gegnerischen Einschlussring im Angriff auf das Dorf Randen sprengten, um sich nach Osten abzusetzen. Die Aktion erwies sich jedoch als vergeblich, da französische Truppen bereits das Hinterland bis zum Bodensee besetzt hatten.

Heute Ausgangspunkt für Eisenbahnfreunde und Wanderer.

 
Bahnbetrieb um 1920, Viadukt Fützen
  • Fützen

Das Dorf liegt im sich bereits weit öffnenden Talkessel an der Straße nach Stühlingen. Davor bildet sich noch eine letzte Talenge, die bei Grimmelshofen dann in die Klettgaulandschaft führt. Frühgeschichtlieche Funde gibt es ebenso wie die Annahme eines römischen Gutshofes in der Nähe und alamannische Siedlungsspuren (Grabfeld). 1083 urkundliche Ersterwähnung und Nennung einer Familie als „Herren von Vuezen“ (12./13. Jahrhundert). Wechselnde Klosterherrschaften und lange Besitzstreitigkeiten zwischen der Stadt Schaffhausen und den Stühlinger Landgrafen. 1643 Plünderung durch eine schwedische Einsatztruppe, die zur Küssaburg weiterzog, deren Besatzung die eigene Festung in Brand setzte. 1722 endgültige Übernahme durch das Kloster St. Blasien. Ende April 1945 Abwehrkämpfe deutscher Einheiten gegen einen französischen Panzerverband aus Richtung Waldshut. Liegt heute zwischen der Museumsbahn mit eigenem Bahnhof und der Umgehung der B 314, die Ruhe im Ort bewirkt.

 
Hondingen
  • Hondingen

764 und 817 n. Chr. wurde Hondingen unter dem Namen „Huntingun“ erwähnt, der einen Rückschluss auf keltischen Ursprung erlaubt. Der Ort liegt bereits im Vorfeld nach Fürstenberg und könnte nach neueren Abwägungen an der ehemaligen Römerstraße gelegen haben, die vom Hochrhein her bei Riedöschingen oder dem Steppacher Hof das Ried überquerte. Ruhig-abgelegener Ort, auch heute noch landwirtschaftlich geprägt.

  • Kommingen
 
Der „Schwarze Stein“ (GB = Großherzogtum Baden)

Das Straßendorf liegt an der Straße in den Hegau und war in Mittelalter und Neuzeit eng mit Tengen verbunden. Frühgeschichtliche Siedlungsspuren aus römischer und alamannischer Zeit. Idyllischer Ort und Ausgangspunkt für Höhenwanderungen (Randen/Hegau).

  • Nordhalden

Gemeinde abseits der größeren Verbindungen, vermutet wird eine Gründung durch Aussiedler aus Bargen (Schweiz). Bei Hof Neuhaus steht der „Schwarze Stein“, ein Grenzstein von 1839, der zugleich als nördlichster Punkt der Schweiz gilt. Traditionelles Handwerkerdorf an der Schweizer Grenze. 1995 abgeschlossene Dorfsanierung.

  • Randen (Randendorf)

Einer Erzählung zufolge existierte die Siedlung nach einer Karte erst ab 1620 – gegen Anfang des Dreißigjährigen Krieges, der jedoch erst später in der Region wütete. „Eine Nachfrage zu dieser Karte ergab, dass es eine solche Karte gar nicht gibt. Stattdessen wurde von offizieller Seite auf eine urkundliche Ersterwähnung aus dem Jahr 1122 verwiesen.“ (Quelle: Webseite der Ortschaft).

Als frühzeitlicher Siedlungsort wird die Lage auf der Anhöhe als ungünstig angesehen. Randen zählte zur Herrschaft Blumberg und wie die ganze Baar zum Fürstentum Fürstenberg. Das Dorf kam nach der Abschaffung der Standesherrschaften – der „Mediatisierung“ 1806 – zum Großherzogtum Baden. Ende April 1945 wurde der Ort bei Kämpfen zwischen französischen und deutschen Truppen, die aus dem Talkessel ausbrachen, weitgehend zerstört.

Die Siedlung ist seit alter Zeit Ortsteil von Blumberg an der alten Straße Hüfingen-Schaffhausen – ein Umstand, der früher durch den Reiseverkehr von Vorteil war, heute jedoch durch den unablässigen LKW-Transit in eine starke Belastung umgeschlagen ist.

  • Riedböhringen

Sehr frühe Siedlungsspuren aus der Bronzezeit und von Kelten; der Name mit der Endung -ingen weist auf eine alamannische Gründung. Nachweisbar (seit 1498) ist der wohl eigenständig gebaute alte Turm (ehemaliger Wachturm) und heutiger Kirchturm. Der Ort liegt in einem von zahlreichen Berghügeln („bucks“ genannt) umgebenen Tal.

Ein Bürgersohn war Kardinal Bea, der beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) in Rom von katholischer Seite nach den Erfahrungen der Kirchen mit der Hitler-Herrschaft den Kompromiss mit anderen Religionsgemeinschaften bewerkstelligte, der zur Ökumene führte. In seinem Geburtshaus ist ein Museum eingerichtet.

  • Riedöschingen

Größere Gemeinde abseits der Verkehrsadern. 1200 urkundlich als „Villa Eschingen“ erwähnt, könnte ihr Ursprung auf eine römische Villa rustica, einen Gutshof, zurückgeführt werden. Der heutige Name mit der Endung -ingen weist auf die alamannische Dorfgründung hin. Einer Überlieferung zufolge könnte schon früh eine karolingische „Urkirche“ im Ort gestanden haben, urkundlich festgestellt ist sie 1175; der untere Teil des Turmes wird aus dieser Zeit stammen.

Wie die meisten Ortschaften war auch Riedöschingen in Mittelalter und Neuzeit wechselnden Kloster- und weltlichen Herrschaften unterstellt.

 
Bahnhof Zollhaus (Museumsbahn).
  • Zollhaus

Zollhaus ist wie Randen ebenfalls alter Ortsteil von Blumberg – er war seit dem Mittelalter die Kontroll- und Zollstelle der Blumberger Herren an der Hauptstraße Schaffhausen-Hüfingen (später Donaueschingen). Seine Bedeutung blieb auch Ende des 19. Jahrhunderts als Station und Umschlagplatz der Strategischen Bahn erhalten. Der Bahnhof in Zollhaus ist auch heute noch Dreh- und Angelpunkt der ehemaligen Strategischen Umgehungsbahn. Im Bahnhof heute das Museum. Den Charakter einer „Straßenstation“ besitzt Zollhaus auch heute noch.

Religiöse GemeinschaftenBearbeiten

 
Alte Stadtkirche und heute Evangelische Kirche. Im Hintergrund der Turm der katholischen Kirche

Traditionell besitzt Blumberg eine katholische, eine altkatholische und eine evangelische Gemeinde mit eigenen Kirchen. Da es vor dem Burgbau im 13. Jahrhundert keine größere Siedlung in der Raumschaft gab, wird eine erste Kapelle in der Burg angenommen. Die älteste Kirche – die „Leutkirche“ – lässt sich urkundlich und auch archäologisch auf Mitte des 14. Jahrhunderts bestimmen. Im Dreißigjährigen Krieg schwer beschädigt, wurde um 1650 der heute noch bestehende Zwiebelturm gebaut. Diese Kirche ist jedoch seit den 1950er Jahren – nach Abriss und Bau eines neuen Kirchenschiffes – die evangelische Kirche.

Vorangegangen war diesem Wechsel ein für die moderne Zeit ungewöhnlicher ‚Kirchenkampf‘ zwischen den Konfessionen in Blumberg, der auch ein gesellschaftliches Problem wiederspiegelte: Katholisch waren die Einheimischen, evangelisch die Zugezogenen in den Zeiten des Bergbaus der 1930er Jahre, meist Arbeiterfamilien. Die soziale Katastrophe, die die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik angerichtet hatte, führte im folgenden Überlebenskampf teils zu erbitterter Feindschaft unter den Bevölkerungsgruppen, die sich erst nach dem Wirtschaftswunder und einer besonnenen Kommunalpolitik wieder ausglich.

 
St. Andreas Blumberg

Der Konflikt zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen bildete sich unter den Konfessionen ab: im Streit um den Bauplatz einer evangelischen Kirche. Dabei ging es auch darum, dass „eine zu große Nähe zwischen den zwei Gotteshäusern nicht wünschenswert (sei).“ Erst nach dem Eingreifen des Landrates, des Prinzen Max von Fürstenberg und des Evangelischen Oberkirchenrates kam es zu einem Kompromiss: Die Katholiken bauten 1951 eine neue Kirche, die Evangelischen erwarben die alte Leutkirche und bauten sie 1952 um. Die Altkatholiken hatten ab 1951 die römisch-katholische Notkirche von 1875 genutzt und bauten 1971/72 ebenfalls eine neue Kirche.

Das Verhältnis beider Seiten besserte sich allmählich, doch erst „im Jahr 1977 kann von ernsthaften ökumenischen Kontakten gesprochen werden.“

Seit 1950 besteht auch eine neuapostolische Gemeinde und es „konnten auch die Zeugen Jehovas in Blumberg Fuß fassen.“[16]

  • In der Stadt und ihren Stadtteilen gibt es vier römisch-katholische Pfarrämter.
 
St. Cyriak Blumberg-Kommingen

Kirchen Stadt und Gemeinden

  • Evangelische Kirche Blumberg (historische Stadtkirche)
  • St. Andreas Blumberg, römisch-katholisch
  • St. Cyriak (Blumberg-Kommingen), röm.-katholisch
  • Christus-Kirche Blumberg,[17] altkatholisch
  • St. Martin (Blumberg-Riedöschingen), röm.-katholisch
  • St. Genesius (Blumberg-Riedböhringen), röm.-katholisch
  • Johannes-Kirche (Blumberg-Kommingen), altkatholisch
  • St. Johannes (Blumberg-Kommingen), evangelisch
  • St. Gallus (Blumberg-Epfenhofen), röm.-katholisch
  • Erlöser-Kirche (Blumberg-Fützen), altkatholisch
  • St. Stephan (Blumberg-Randen), altkatholisch

VerkehrBearbeiten

Von Norden aus wird das städtische Umfeld über die Bundesstraße 27 erreicht – diese wird vor allem durch die Autobahn A 81 (Ausfahrt Geisingen) belastet. Der LKW-Verkehrsfluss – vorwiegend aus Osteuropa – umgeht hier die Schweiz über Engpässe durch das Dorf Randen auf der Bundesstraße 314 in den Talkessel von Epfenhofen über Stühlingen nach Waldshut-Tiengen (B 34) und bei Lörrach weiter in die südwesteuropäischen Staaten. Hier handelt es sich um eine Lücke im süddeutschen Autobahnnetz zwischen der A 81 und der A 98, die sich aus geographischen Gründen auf deutschem Gebiet nicht anbinden lassen. Die Schweiz hatte bereits in den 1960er Jahren klar gestellt, dass sie diese Anbindung nicht auf ihrem Gebiet ausführen lassen wird. An der Stadt Blumberg selbst zieht der Verkehrsfluss am Blumberger Kreisel vorbei.

 
Die Lage von Blumberg an der Wutachtalbahn

Blumberg liegt an der Wutachtalbahn von Lauchringen nach Hintschingen und ist an das Ringzug-System angeschlossen, das Blumberg mit Immendingen, Tuttlingen und Rottweil verbindet. Darüber hinaus verkehrt die Museumsbahn Wutachtalbahn („Sauschwänzlebahn“) zwischen Blumberg und Weizen, die von der Stadt seit ihrer Gründung im Jahr 1976 maßgeblich unterstützt wurde und seit 2014 mit ihrer Gesellschaft Bahnbetriebe Blumberg GmbH & Co. KG als Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU) betrieben wird.[18] Blumberg verfügt über Ringzug-Haltepunkte in den Stadtteilen Zollhaus und Riedöschingen sowie über die Haltepunkte Epfenhofen, Fützen und Wutachblick, die von der Museumsbahn bedient werden. Blumberg ist in den Verkehrsverbund Schwarzwald-Baar eingegliedert.

 
Die Wutachtalbahn zwischen Zollhaus und Epfenhofen

Touristisches ProfilBearbeiten

Standort
Blumberg liegt im Zentrum eines touristisch definierten Umkreises, der sich am ‚Tagesausflug‘ bemessend, in den Schwarzwald, die Schwäbische Alb, den Bodenseeraum, in die Nordschweiz (Schaffhausen, Kurort Bad Zurzach) und die Hochrheinebene (Bad Säckingen) reicht. Aus allen historischen Epochen von der Steinzeit (Pfahlbauten), über die Römer (Hüfingen, Vindonissa), Mittelalter (Küssaburg), Neuzeit (Festung Hohentwiel, Donaueschingen) bis zum 20. Jahrhundert (Strategische Bahn/Museumsbahn) sind Schauplätze, archäologische Orte, Monumente (Burgen, Mühlen), Museen und Altstädte (Stühlingen, Waldshut) zu erreichen. Herausragende Naturerlebnisse bieten die Schwarzwaldhöhen, die ‚einsame‘ Alb, der Rheinfall und ab der Stadt zu Fuß ist zu erkunden: Die Wutachschlucht. Blumberg selbst ist ein selten weitflächiges, teils dorfartiges Städtchen mit zahlreichen Grünanlagen, einer guten Infrastruktur und bietet – da zwar nahe an Hauptverbindungen, doch vor Ort abseits der Verkehrsströme – ein (aus touristischer Perspektive) ruhiges nahes Umfeld. Großstädter schätzen die völlig unproblematische Parkraumsituation. Aus der – allerdings ‚martialischen‘ Bergbauzeit im Dritten Reich – bietet die Stadt in ihren Außenbereichen ein für die Region fast kurioses, eher für das Ruhrgebiet typisches Siedlungsbild. Von der Werksanlagen in den nahen Bergzügen sind nur noch Reste und Spuren zu entdecken.

 
Naturschutzgebiet Zollhausried

Naturschutzgebiet ist das Ried östlich der Stadt. In einem freigegebenen Bereich befindet sich ein kleiner Sport- und Segelflugplatz (Flugplatz Blumberg).

In der Stadt selbst befindet sich ein modernes Panoramabad und eine Nordic-Walking-Arena. Eine Attraktion ist die Straußenfarm auf dem Steppacher Hof. Im Winter wird eine flexible Kunsteisbahn zum Schlittschuhlauf aufgebaut.

  • Wohnmobilparks befinden sich in Blumberg und Achdorf, ein Stellplatz in Blumberg-Zollhaus.
  • Vom Tourismusbüro angeboten werden zahlreiche, zu festen Terminen geführte Unternehmungen, Wanderungen und Touren (Auswahl):
  • Wanderungen u. a. auf dem „Sauschwänzle-Weg“, dem Schweizer Gebiet Hoher Randen, Orchideenwanderung
  • Radtouren ins Umfeld
  • GPS-Unternehmung Schatzkistensuche
  • E-Mountainbike- und Segway-Touren, Flüge mit dem Schwarzwaldcopter.
  • Weitere Informationen in Wikivoyage: Blumberg

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Blumberg liegt am Ostweg, am Schluchtensteig und am Schwarzwald-Querweg Freiburg–Bodensee, Fernwanderwegen, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführen.

Bauwerke

 
Stellwerk am Museum der Wutachtalbahn in Zollhaus
  • Kellhof des Klosters St. Blasien (Blumberg-Fützen)[19]
  • Das Reiterstellwerk wurde 1886 erbaut und stand an der Endstation der Schwarzwaldbahn in Konstanz. Auf Veranlassung des Landesdenkmalamtes kam es restauriert als technisches Kulturdenkmal zum Museum des Bahnhofs in Zollhaus.

Museen
Am Bahnhof Blumberg-Zollhaus befindet sich das Museum der Wutachtalbahn:

  • Das von Dietrich Reimer und Bernhard Prillwitz eingerichtete Eisenbahnmuseum öffnete am 1. Mai 1992. Es führt durch die Geschichte der Bahn von den Anfängen bis heute: mit Originalplänen, Uniformen, Werkzeugen, Geräten (z. B. zur Nachrichtenübermittlung und ein Diensttelefon), Filmen und nicht zuletzt mit einem Modell der Bahnstrecke. Nachgebildet sind auch das Büro des Oberbahnhofvorstehers und ein Stückgutschalter. Weitere Objekte sind im Freigelände zu besichtigen.
 
1. Reihe, 4. v. l.: Augustin Kardinal Bea bei der Friedenspreisverleihung 1966

Blumberger Fastnacht
Die Blumberger Fastnacht gehört seit dem Ende der 1950er Jahre zu den Besonderheiten Blumbergs. Hierbei wird vor allem in der Woche vor der Fastenzeit gefeiert. Einzigartig in der Umgebung ist in Blumberg die Durchmischung von schwäbisch-alemannischer Fasnet mit dem rheinischen Karneval. Diese Durchmischung könnte eine Folge der großen Zuwanderung während der Zeit des Erzabbaus in Blumberg sein.

GeschichteBearbeiten

Geologie
In der Riß-Eiszeit war das Feldbergmassiv von einer dicken Eiskappe bedeckt. „Ein mächtiger Talgletscher [„Feldberg-Gletscher“] streckte sich 23 km weit nach Osten und speiste einen großen Fluß, der bei abnehmender Fließgeschwindigkeit große Schottermassen in einem weiten Tal ablagerte. Zwischen Eichberg und Buchberg fand der Strom, der später Eiszeitdonau genannt werden sollte, eine ‚Pforte‘ durch den Steilanstieg der Schwäbischen Alb nach Osten.“[21]

„Die beiden Bergzüge ragten nach dieser Vorstellung als einsame Spitzen aus der geschlossenen Eisdecke hervor und teilten den Gletscher in einzelne Zungen. Eine dieser Zungen soll angeblich bis ins Aitrachtal vorgedrungen sein […] Dies erklärt die auffallend große Breite des Aitrachtales. Die Aitrach entspricht einem jüngeren Fluss, der das Tal nur benutzt, nicht aber ausgeräumt hat. Der Durchbruch zwischen Buch- und Eichberg – die ‚Blumberger Pforte‘ – wurde von der damaligen Donau geschaffen“, die damals die Wutach „zusammen mit Brigach und Breg [… als] Hauptquellast“ besaß.[22]

Frühzeit und MittelalterBearbeiten

 
Burg Blumberg auf einer alten Gemälden nachempfundenen Darstellung

Sicher ist, dass zwischen den beiden Bergzügen schon seit der Steinzeit menschliche Siedlungen bestanden; doch beginnt die überlieferte Geschichte mit einem Burgbau, der wohl schon 1218 unter dem Fürstengeschlecht der Zähringer begonnen war, doch als gesichert erst mit einer Urkunde des Jahres 1260 gilt, in der als Ritter ein Johannes von Blumberg genannt ist. Lange drehte sich nun alles um die Burg, von der heute nur noch Spuren auf der äußersten westlichen Anhöhe der Hochebene am steilen Abfall zur Wutachschlucht (Richtung Achdorf) zu finden sind. Von dieser gesicherten Position aus galt ihre Bestimmung im späten Mittelalter der Kontrolle der Straße Schaffhausen-Hüfingen – die Städte, die damals die Verbindung vom Rhein in die Hochebene der Schwäbischen Alb dominierten.

So wie bei jeder mittelalterlichen Burg gehörte eine Hofanlage mit Handwerkern und Bauern dazu, die sich allmählich vergrößerte und ‚stattlicher‘ wurde und dann auch Teil des befestigten Areals war.

 
Infotafel am ehemaligen Standort der Burg

Auf der Zeichnung der Infotafel an der Westspitze des ehemaligen Burggeländes sind die Bauabschnitte deutlich: Westlich (rechts) die eigentliche Burg, dann „die durch einen Halsgraben getrennte Vorburg bzw. die später ausgebaute Stadt.“ Die „Stadt“ befand sich somit unmittelbar vor der Burg. Das Dorf (und heutige Stadtzentrum) befand sich (links) weiter entfernt von dem abgebildeten Bauensemble.

Herren von BlumbergBearbeiten

Der Aufstieg der Herren von Blumberg begann im 13. Jahrhundert rasch, denn sie standen treu zu Graf Rudolf von Habsburg, der sich in der „kaiserlosen Zeit“ – einem Krieg von allen gegen alle – schließlich auch als König durchsetzen konnte und die Blumberger 1274/1292 mit der Herrschaft über Hüfingen belohnte.

„Wenn Blumberg die Heimatburg des Geschlechts war, so war in der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert Hüfingen, das den Blumbergern seinen Ausbau zur Stadt und sein Stadtrecht verdankt, der Mittelpunkt des Gesamtbesitzes geworden.“

– Karl Bader: Blumberg. 1950, S. 12.

Für den Fortgang der Überlieferung zu den Blumbergern ist dabei eine Urkunde vom 1. April 1292 entscheidend, die mit Vorgängen in Hüfingen verbunden war und die eine Vervielfachung von neuen Familien zeigt – ein Vorgang, der mit einem „Netz von Blumberger Burgen“ verbunden ist:

„Zum Ende 13. Jahrhunderts hatten die Blumberger demnach einen umfangreichen Besitz in der südlichen Baar, am Westrand des Hegaus und in der Wutachschlucht. Mittelpunkt dieses Besitzes war bis zum Jahr 1383 Hüfingen.“[23]

Nach über hundert Jahren war es mit der Herrschaft über Hüfingen zu Ende, denn der letzte der Herren von Blumberg verstarb kinderlos und seine Ehefrau (die aufgrund einer fürstlichen Bestimmung das Erbe antreten konnte), heiratete einen Adeligen aus Lichtenstein, der sich auch umgehend in den Besitz von Hüfingen setzen konnte – Hans von Schellenberg.

Es gab noch einige Anstrengungen des verzweigten Blumberger Adels, die alte Stammburg wieder zu einem neuen Zentrum auszubauen, doch war die Kraft des Familienverbandes erschöpft und sie starben Mitte des 15. Jahrhunderts aus – zuletzt blieben noch die Herren von Blumegg auf einer kleinen Burg auf der anderen Seite der Wutachschlucht in der Überlieferung erhalten.

Die Burg und mittlerweile auch die Stadt ging durch verschiedene Hände und verblieb dann bei Hans von Landau, einer Art adligen Einzelgänger, der sie mit hohem Einsatz zur Festung ausbaute, und so war sie für den Ansturm des Heeres der Eidgenossen gerüstet, die im Schweizer- oder Schwabenkrieg die Lande nördlich des Hochrheins verwüsteten, jedoch Ende 1499 beim weiteren Ausgriff auf die Baar vor Blumberg scheiterten.

Kirchengeschichte
1353 (oder 1356) ist nun auch der erste Beleg einer Kapelle in Blumberg gegeben – obwohl dabei nicht deutlich wird, ob sie in der Burg oder im Dorf stand – nachweisbar ist jedoch ein Filialverhältnis mit der „Martinspfarrei Hondingen, einer der ältesten Pfarreien der Baar.“ Auch in den Quellen des 15. Jahrhunderts ist diese Abhängigkeit belegt – letztlich bis ins 19. Jahrhundert unter der Weisung des Bistums Konstanz.[24]

Dass es im 14. Jahrhundert jedoch schon eine Dorfkirche gab, zeigt ein archäologischer Befund:

„Beim Abbruch des Kirchenschiffes der alten Blumberger Stadtkirche 1956 kamen gotische Fresken zum Vorschein, die bei den Abbrucharbeiten leider in Unkenntnis ihrer historischen Bedeutung weitgehend zerstört wurden. Die Überreste wurden von einem Restaurator wieder zusammengesetzt. Mit einiger Bestimmtheit ließen sich die Fresken in die Zeit zwischen 1350 und 1450 einordnen.“ Damit stellt dieser archäologische Befund „das älteste Zeugnis der Existenz einer Dorfkirche in Blumberg dar.“

Im 15. Jahrhundert begann ein Umbruch, der sich in der Krise des Papsttums bis hin in die unterste Ebene des Klerikerstandes zeigte – „viele Geistliche (betrieben) einen Nebenerwerb in der Landwirtschaft, als Gastwirte oder Händler. Das Konkubinat war die übliche Lebensform. […] Die Krise der Feudalgesellschaft verschärfte die Krise der Kirche, der größten Feudalherrin.“ Immer mehr Prediger, auch Bürger und Adlige, forderten Reformen, „Luthers Anschlag seiner 95 Thesen gegen den Ablasshandel im Jahr 1517, ist zum Symbol für den Beginn der Reformation geworden.“ (Gertis, 287).

Die Fürstenberger gehörten zu den entschiedenen Vertretern des alten Glaubens, die neuen Besitzer von Blumberg – Lutz und Jörg von Landau, nach ihm Hans-Jörg von Bodman ebenfalls. Doch die Aufbruchstimmung ergriff das Volk: „Eine Antwort auf die im sechzehnten Jahrhundert zunehmend unerträglicher werdenden Lebensbedingungen der ‚gemeinen Leute‘“ gaben die Bauern – „die reformatorischen Ideen (bekamen) neuen politischen Sprengstoff.“ (Gertis, 289).

Bauernkrieg 1524/25 in der BaarBearbeiten

„Die Erhebung der Bauern war eine Massenbewegung. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, daß sechzig bis siebzig Prozent der waffenfähigen Bevölkerung unmittelbar am Aufstand beteiligt war. […] Blumberg war eine wichtige Bastion der Obrigkeit, die Herrschaft hatte Fußvolk und Pferde für den Kampf gegen die Bauern zur Verfügung zu stellen. […] Zu einer geplanten Mordaktion kam es allerdings nicht, da eine Ausweitung des geplanten Konflikts auf einen erneuten Krieg mit den Schweizern befürchtet wurde. Bis in den Frühling des Jahres 1525 herrschte relative Ruhe, dann eskalierte die Auseinandersetzung.“

Die Bauern hatten fast die ganze Baar unter Kontrolle, doch die Befestigungsanlagen von Burg und Stadt Blumberg trotzten ihrem Ansturm. Im Gegenschlag des Schwäbischen Bundes unter Georg Truchseß von Waldburg wurden „(die Bauernheere) mit unvorstellbarer Grausamkeit geschlagen. Die Anführer wurden hingerichtet, Dörfer verbrannt und das Volk gedemütigt. […] Mit der blutigen Niederschlagung der Bauern wurde so auch eine religiöse Aufbruchsbewegung vernichtet.“ Doch das alte kirchliche Leben ließ sich nicht mehr erneuern, die katholische Kirchenorganisation geriet weiter aus den Fugen, es entstanden Sekten und die Menschen schufen sich ihre Freiräume – in der Region „(war) mit häretischen Orten in erster Linie Schaffhausen gemeint.“[25]

Nähere Einzelheiten aus dem Blumberger Raum sind nicht bekannt – die Söhne Hans von Landaus verkauften Burg und Stadt 1529 an den damals noch gräflichen Herren zu Fürstenberg.

Unter dem Haus FürstenbergBearbeiten

„Mit dem Übergang an das Haus Fürstenberg tritt die Herrschaft Blumberg in eine neue Phase ihrer Entwicklung ein.“[26] Noch war das ‚Machtprinzip Heiratspolitik‘ nicht inszeniert, die Mobilität auch in der Bevölkerung, jedoch vor allem im Adel weit fortgeschritten, sodass Ehen unter entfernten (Adels-)Häusern geschlossen wurden, die noch stark auf Zuneigung beruhten und zur einfachen Zusammenführung von Gütern führten, da auch das Erbrecht für Frauen selbstverständlicher wurde:

„Graf Friedrich von Fürstenberg, eine der bemerkenswertesten Gestalten des Grafengeschlechts, verstand es, den fürstenbergischen Landbesitz entscheidend zu mehren und abzurunden. Wenige Jahre nach der Erwerbung von Blumberg heiratete der Graf (1534) Anna Gräfin von Werdenberg-Heiligenberg, die ihm die Herrschaft Jungnau und Trochtelfingen als Eigengut, die Grafschaft Heiligenberg als Lehen in die Ehe brachte. Fürstenberg war damit […] zu einem der mächtigsten und güterreichsten Geschlechter geworden.“

– Karl Bader: Herrschaft Blumberg. 1950, S. 27.

Der Fürstenberger Graf Friedrich war 1559 verstorben und seine Nachkommen teilten den Besitz: Das mittlerweile eingerichtete „Obervogteiamt Blumberg wurde zusammen mit der Herrschaft Kinzigtal und dem Amt Möhringen, Graf Albrecht, einem Enkel Friedrichs zugesprochen.“

Stadtrecht 1564
Noch minderjährig, vertrat diesen zuerst eine Vormundschaft, die seinen künftigen Besitz mitsamt den Rechten sorgfältig ordnete. „Zu dieser Zeit erhielt Blumberg wohl das erste Stadtsiegel als Beglaubigungszeichen für eigene Rechtsgeschäfte. Die Umschrift lautet: ‚SIGELL DER STAT BLOMBERG 1564‘.“[27]

„Glückliche Zeit Blumbergs“
1568 wurde der noch jugendliche Graf mit „Elisabeth von Pernstein, Tochter eines böhmischen Magnaten und Geheimen Rats, die ihm ein reiches Heiratsgut mit in die Ehe brachte (verheiratet) [… und 1578] zog mit dem jungen Paar im Schloß zu Blumberg bisher ungewohnte Pracht und reges Leben ein. […] Ein Glaser versorgte das Schloß mit Glasscheiben.[Anm 2] Zwischen 1579 und 1588 verbrachten Graf Albrecht und seine ‚vielgeliepte‘ Gemahlin einen großen Teil der Jahre in Blumberg; mehrere ihrer zahlreichen Kinder wurden daselbst geboren.“ (Bader, 29).

„Innerhalb des gesamten fürstenbergischen Hausbesitzes bildete die Herrschaft Blumberg nach wie vor eine selbstständige Einheit.“ Gegenüber Ansprüchen der eigenen Familie verteidigte der Graf seine Herrschaft konsequent – er bestand bei einem versuchten Übergriff seines Onkels, Graf Friedrich, auf die „ihm zugefallenen Herrschaften mit aller hohen, niederen und forstlichen Obrigkeit und Herrlichkeit“. Ebenfalls bestand er auf „die alten Hoheitsgrenzen“ – ein erster Versuch, aus der Herrschaft Blumberg „in einem einheitlichen fürstenbergischen Staatswesen ein selbstständiges, alle Hoheitsrechte umfassendes Amt“ zu schaffen, war gescheitert. (Bader, 30 f.).

Auch die Bevölkerung scheint am Wohlergehen der Regentschaft Teil erhalten zu haben, denn der Graf „verpflichtete seinen Amtmann, für das Wohl der Untertanen der Herrschaft zu sorgen und sie nicht mit ‚unfüglichen Neuerungen zu beschweren‘, d.h., sie bei ihren guten alten Rechten zu belassen.“ (Bader, S. 29 f.). 1588 wurde die „ganze Hofhaltung zue Blumberg“ wegen vermutlich wichtigeren Angelegenheiten an den „kayserlichen hove“ zu Prag verlegt. Nach dem Tode Graf Albrechts 1599 ging das Amt Blumberg nach zehnjähriger Vakanz an seinen Sohn Christoph, der 1614 verstarb. Zu diesem Anlass wurde ein Urbar erstellt (1609/1612), das sämtliche Güter, Rechte sowie Personen und deren gesellschaftliche Stellungen, Funktionen und ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erfasste. Die Angaben deuten auf einen entwickelten Wohlstand hin.

Dreißigjähriger KriegBearbeiten

Doch nun näherte sich der Dreißigjährige Krieg und danach war alles zerstört. Es war der europäische Religionskrieg, der auch nichts von seinem Schrecken verliert, wenn er in der Geschichtsschreibung zum ‚europäischen Machtkampf‘ umgedeutet wird. In den ersten beiden Jahrzehnten blieb der süddeutsche Raum noch verschont, doch regierte hier nun gleichsam als Vorspiel die Inquisition, die auch in Blumberg ihre Opfer forderte, wenn darunter auch keine Blumberger Frauen und Männer waren.

Der Krieg in der Baar
Die Baar blieb von kriegerischen Vorgängen in der Nachbarschaft vorerst verschont, da schon im Herbst 1632 württembergische Truppen eingedrungen waren: „Herzog Julius von Württemberg hatte wie viele der protestantischen Reichsstände die Partei des schwedischen Königs Gustav Adolf II. ergriffen. Die Schweden waren bestrebt, die militärischen Beziehungen mit ihren Bündnispartnern durch Gebietsschenkungen zu festigen. So wurde die [fürstenbergische] Landgrafschaft Baar 1633 Württemberg zugesprochen.“ Auch die Vertreter der Stadt Blumberg mussten dem württembergischen Herzog den Huldigungseid leisten.

Zwar beendeten drei verbündete Heere im September 1634 in der Schlacht bei Nördlingen die schwedische Herrschaft über Süddeutschland, doch griff 1635 Frankreich an der Seite der Schweden ein und nach der Belegung der württembergischen Festung Hohentwiel durch französisch-schwedische Truppen 1637 wurde im Februar 1638 auch die Burg Blumberg besetzt.

Im September 1638 belagerten bayrische Truppen unter General Johann von Götzen vergeblich die Burg, erst „im August 1639 eroberten die Kaiserlichen Blumberg zurück. Bei ihrem Rückzug setzten die schwedisch-französischen Truppen das Städtle in Brand.“ In den beiden folgenden Jahren „diente Blumberg den Kaiserlichen als militärischer Stützpunkt zwischen Hegau und Hochrhein.“ Der Hohentwiel hatte sich jedoch als französische Bastion gehalten und von hier aus wurde am 16. Januar 1643 auch Blumberg wieder eingenommen. Nachdem die Franzosen jedoch im November 1643 von den kaiserlich-bayrischen Truppen in ihrem Winterlager in Tuttlingen vernichtend geschlagen worden waren, standen Truppen des siegreichen Feldmarschalls Mercy Anfang Mai 1644 auch vor Blumberg: „Die Franzosen waren zur Aufgabe der Burg gezwungen. Vor dem Abzug gab Kommandant La Valette den Befehl, die Burg zu sprengen. Dabei ‚hat ein soldat von einem glühenden zündstrick gnasten in das pulver aus unachtsamkeit fallen lassen […] darvon er selbst, seine soldaten und etliche bauren beschedigt und 10 in die luft gesprengt und jemerlich verbrannt worden.‘“[28]

Insbesondere die württembergische Besatzung brachte der Bevölkerung von Stadt und Umfeld viel Leid, „dem Schußwechsel bei Übernahme der Burg fielen 50 Männer zum Opfer. Der Großteil der Bevölkerung war gemeinsam mit dem Pfarrer geflüchtet, die Früchte auf den Äckern waren ‚zu grund zerhackt‘ und die Soldaten hatten Häuser und Kirchen geplündert.“ Über Jahre hinweg mussten den wechselnden Besatzern große Mengen Lebensmittel und Geld abgegeben werden „und mehr noch als durch Kämpfe und Plünderungen der Soldaten war die Bevölkerung durch Hunger und Krankheiten bedroht. […] Die Felder waren verwüstet und die Ernten zerstört.“ Nachdem in der näheren Umgebung nichts mehr abzupressen war, „unternahmen die Soldaten beider Lager Raubzüge bis weit in den Schwarzwald.“ Als die Burg zerstört war – notiert der Schaffhauser Stadtschreiber Wepfer – hätten die umliegenden Orte es gern gesehen, „daß dis raubnest verbrunnen“. (Eveline Dargel, 96 f.)

Bereits 1642 – noch vor der Zerstörung der Burg – war Blumberg „der Meßkircher Linie des Hauses Fürstenberg zugefallen.“ (Bader, 33). Hintergründe scheinen hier nicht bekannt.

Fazit des Krieges
Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) „erlitten die Gebäude großen Schaden. Das Kirchenschiff war offensichtlich stark angeschlagen, der Turm war so baufällig, dass er einzustürzen drohte, und das Dach fehlte. Noch in der Mitte des 17. Jahrhunderts erfolgte eine gründliche Sanierung. Der barocke Zwiebelturm, der heute noch erhalten ist, ersetzte den alten Turm mit Satteldach.“ (Gertis, 281).

„Der Krieg führte zu einem erheblichen Bevölkerungsrückgang. Eine Auflistung der Grundbesitzer von 1653 nennt 26 Personen. Dagegen wurden im Urbar von 1609/12 noch 48 Bauern und Kleinstelleninhaber gezählt. Dies deutet darauf hin, daß Blumberg im Krieg etwa die Hälfte der Einwohner durch Tod oder Abwanderung verloren hatte.“

– Eveline Dargel: Die Amtstadt der Fürstenberger. In: J. Sturm: Blumberg. 1995, S. 97.

Das Ende der Burg
„Die Zerstörung [des Schlosses] war nicht so vollständig, daß der Wiederaufbau völlig unmöglich gewesen wäre. Als Wohnsitz der gräflichen und nachmalig fürstlichen Familie kam es aber nicht mehr in Betracht. […] Das Schloß hatte ausgedient, wie auch der Wehrcharakter der kleinen Stadtanlage verloren gegangen war.“[Anm 3]

In der Ruine wurde lediglich der sogenannte „Neue Bau“ wieder errichtet, er diente als Stallung und „Fruchtkasten“ sowie bis 1824 als Amtsgefängnis; 1706 war der Hauptturm gesprengt worden. Im 19. Jahrhundert wurden die Steine „für den Bau der Häuser von Städtchen und Dorf verwendet.“

 
Letzter erkennbarer Rest: Teil der ‚Futtermauer‘ an der Aussenbefestigung beim Weg Richtung Achdorf

„Erst im 19. Jahrhundert verschwand auch der Rest der alten Zwingburg. Ihre Steine wurden für den Bau der Häuser von Städtchen und Dorf verwendet. […] Die Berichte des 19. Jahrhunderts nennen Stadt und Dorf in einem als ‚Pfarrdorf‘ und stellen es den Nachbarorten rein bäuerlichen Ursprungs gleich.“ (Bader, 31).

Neben der ‚Ausmusterung‘ alter Befestigungsanlagen aufgrund des fortgeschrittenen Artilleriewesens wurde auch deutlich, dass die jahrzehntelang quer durch Deutschland ziehenden marodierenden Heere aller Parteien einen hohen ‚Eisenbedarf‘ besaßen – vor allem wegen den Kanonenkugeln. Dadurch kamen hier wieder die Landbesitzer zum Zug: der Adel.

Bergwerk unter den FürstenbergernBearbeiten

Zugleich war es nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges ein dringendes Motiv, dem verarmten Land neue Erwerbsquellen zu erschließen und um 1650 beschloss die Fürstenfamilie, das „Hüttenwesen“ selbst in die Hand zu nehmen.

1661 trafen die ersten Bergwerkssachverständigen aus Lothringen und Luxemburg ein; beauftragt wurde 1662 der Belgier Guillaume Bilguin, der bis 1665 das Eisenwerk in Blumberg einrichtete. Wichtig war nun auch die Weiterverarbeitung im eigenen Land, denn nur dort konnte auch die Abnahme der Produkte diktiert werden.

Auffallend ist gegenüber den noch dilettantisch erscheinenden Versuchen vor dem Dreißigjährigen Krieg, dass nun die Organisation des Vorhabens einen umfassenden Erfahrungsgewinn in allen Bereichen der Arbeitsprozesse erkennen lässt. Zum Bergwerksdirektor wurde 1665 der Blumberger Amtsverwalter Franz Vogler bestellt:

Man unterschied zuerst zwischen Handwerkern und Hilfskräften – „Schmelzer, Schmiede- und Leutermeister“ –, wobei diese zur Ausbildung auch ins Ausland geschickt wurden. Hilfskräfte waren „Erzgräber, Erzwäscher, Fuhrleute und Träger“ – die sogenannten „Laboranten“. Hier kamen die Einheimischen zum Zuge, die Bauernkinder als „Erzknappen“, die als Entlohnung Geld bekamen und eine erheblich höhere Summe an Lebensmitteln. Dazu gehörte das kostenlose Wohnen: Bereits 1665 wurde ein eigenes Gebäude für die Bergleute, das „Laborantenhaus“ erbaut. Andere kamen bei den Bauern unter. Alle Beschäftigten wurden zum qualitativen Arbeiten angehalten, denn die Reinheit des Erzes spielte bei der zunehmenden Konkurrenz eine wichtige Rolle. Hinzu kamen ‚Zulieferer‘, große Mengen an Holzkohle wurden benötigt: Holzfäller und Köhler. „Die Köhlerei wurde hauptsächlich im herrschaftlichen ‚Kohlwald‘ zwischen Steppach und Randen sowie am Stoberg betrieben.“ Für die Bereiche Holz und Wasser gab es Aufseher. Ein großer Teil der Fachkräfte waren aus dem Ausland (insb. Niederlande) geholt bzw. wanderten als Qualifizierte aus der Umgebung zu.[29]

  • Bei E. Dargel auch ausführliche Darstellungen zu Leben und Arbeiten der Bergleute, Heiratsbeziehungen und Familienstruktur (S. 100–104).
 
Hochofen um 1700 (Sächsische Schweiz)

Doch schon früh gab es ein in dieser Dimension unvorhergesehenes Problem: den Wassermangel. Die Wutach lag zu tief, die Aitrach war wasserarm und versumpft. Die Zuführung von Wasser aus dem Hondacher Tal scheiterte 1667. Ohne die Weiher des Hans von Landau aus der Zeit von vor 150 Jahren wäre das ganze Unternehmen in der praktizierten Dimension nicht möglich geworden. Diese waren jedoch im Winter oft gefroren und im Frühjahr übervoll, dann nahmen sie infolge der Beanspruchung täglich ab und waren im Sommer und manchmal bis in den Herbst trocken: Stilllegung des Schmelzofens. (Berichte 1670 bis 1672). Durch den Holztransport wurde zudem die große Schaffhauser Straße so strapaziert, „daß ihre Begehung – wie es 1673 heißt – nahezu lebensgefährlich wurde.“ (Bader, 33).

Eine ungestörte Entwicklung des Bergbau war nicht möglich, denn die instabile politische Lage und erneute Kriegsereignisse gönnten den Menschen auch nach dem Westfälischen Frieden von 1648 wenig Ruhezeiten: „Konflikte der europäischen Herrscherhäuser um die pfälzische, spanische und österreichische Thronfolge führten [ab 1674] zu einer jahrzehntelangen Folge von Kriegen.“ Abgaben, Einquartierungen, Mißhandlungen dauerten bis ins frühe 18. Jahrhundert an – auch wenn Blumberg von unmittelbar feindlichen Übergriffen verschont blieb. Die Burg lag schon in Trümmern, militärisch war der Ort bedeutungslos. (nach Dargelt, 106).

18. JahrhundertBearbeiten

1728 wurde „die verlassene Schmelze abgebrochen, […] das zumeist landesfremde Hüttenpersonal zog allmählich ab. Vom zweiten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts an war Blumberg wieder eine Gemeinde von Bauern.“ (Bader, 35 f.).

1744 fiel Blumberg durch Erbschaft dem Fürsten Joseph Wilhelm Ernst zu, der 1716 vom Grafen in den Reichsfürstenstand aufgestiegen war. Damit waren alle fürstenbergischen Gebiete wieder in einer Hand und der Herrscher organisierte sein Territorium nach absolutistischen Grundsätzen mit Zentralverwaltung in Donaueschingen: Das Fürstentum Fürstenberg entstand.

 
Das neue katholische Pfarrhaus in Blumberg 1751

Viel Geld floss der Kirche zu, die von den Fürsten zur Festigung der Verhältnisse benötigt wurde. Zum Bau des neuen Pfarramtes, der vom fürstenbergischen Baumeister Franz Joseph Salzmann geleitet wurde, „wurden Steine von der Blumberger Schlossruine geholt.“ (Text Infotafel am Gebäude).

Blumberg wurde zu einem der zehn Obervogteiämter mit den nun angeschlossenen Orten Zollhaus und Randen sowie den Dörfern Riedöschingen, Riedböhringen, Hondingen und Mundelfingen zählte. Die straffere Organisation mit genauer Erfassung und Überwachung der Bevölkerung und der Steuerung aller Tätigkeiten schuf zahlreiche neue Einnahmequellen. Dazu trug auch das rasche Anwachsen der Bevölkerung in der relativ friedlichen zweiten Hälfte des Jahrhunderts bei, doch blieben traditionsgemäß alte Zwangsverhältnisse und autoritäre Regelungen unverändert. Zum einen führte die Erbschaftsregelung, die Besitz als unteilbar bestimmte, zu einer festen Zahl begüterter Bauern, einer fehlenden bäuerlichen Mittelschicht und einer Vielzahl von zwangsweise Disqualifizierten: „Mehr als dreiviertel der Einwohnerschaft verdingte sich als ‚Stümpler‘ oder als Tagelöhner. […] Im Unterschied zu den Tagelöhnern besaßen die Stümpler eine Anspannung mit Pferd.“ Zum Überleben war ein Nebenerwerb notwendig.

Obwohl sich der Handel entwickelte, Handwerk und Gewerbe ausdifferenzierten – die Menschen qualifizierten und bildeten sich zunehmend –, war es infolge der fortdauernden „Leibeigenschaft“ und rigider Bestimmungen trotz erhöhter Mobilität (forcierter Straßenbau) kaum möglich, den Ort zu wechseln. Unwillen erzeugten auch die Einschränkungen der Heiratserlaubnis oder „feudale Rechte“ wie die Abgabe des besten Stücks Vieh beim Tod eines Mannes und des besten Kleides bei einer Frau an das Fürstenhaus.

Nur langsam reagierte die Herrschaft auf Missstände – erst die sogenannten ‚aufgeklärten Fürsten‘ versuchten sich an der Modernisierung. Doch im historischen Fortgang konnten sie dadurch nur die Dauer ihrer Herrschaftsform noch einmal verzögern.

 
Französische Karikatur 1789: Bauer trägt Adel und Klerus

„Die Ereignisse im Anschluß an die Französische Revolution von 1789 führten auch hierzulande zu einer tiefgreifenden Wende in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Von den Revolutiuonsidealen erfuhr die Bevölkerung durch Druckschriften. […] Um 1791 waren auch im Amt Blumberg revolutionäre Flugblätter im Umlauf, und auf den Jahrmärkten tauchten Tabaksdosen mit Versen auf, die Freiheit und Gleichheit aller Menschen propagierten.“

– E. Dargel: Amtsstadt. In: J. Sturm: Blumberg. 1995, S. 123.

Die weitere politische Entwicklung blockierte jedoch wieder die Ideale und als sich Napoleon zum ‚Soldat der Revolution‘ machte und der Krieg „Mitte der neunziger Jahre schließlich auf den deutschen Südwesten übergriff, wog im Volk die Furcht vor der französischen Armee wohl stärker als die verschiedenen Anstöße zur Auseinandersetzung mit der Revolution.“

Tatsächlich kamen schon bald französische Truppen auch nach Blumberg – mit der Folge von Plünderung und Einquartierung (1796) und im Frühjahr 1799 und 1800 kam es zu ausgedehnten Kämpfen in der Region. Napoleon befahl die Schleifung der Festung Hohentwiel, zu der auch Blumberger Bürger zwangsverpflichtet wurden.

19. JahrhundertBearbeiten

 
Territoriale Entwicklung Badens Anfang des 19. Jahrhunderts

Doch führte der ‚revolutionäre Impuls‘ des kaiserlichen Bauernsohnes aus Korsika zur radikalen Umgestaltung des feudalen, in zahllosen Herrschaftsgebiete zerteilten Deutschland – zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation (1806) und „die süddeutschen Territorien des Adels und der Reichsritterschaft gingen an die neugebildeten Mittelstaaten Baden, Württemberg und Bayern.“ Noch standen ‚aufgeklärte Adelige‘ an der Spitze – in Baden als Landesherr der Großherzog Karl Friedrich. Er war ein erfahrener Mann, der bei seinem Tod 1811 insgesamt 73 Jahre lang regierender Monarch war.

Baden
„Die Ablösung der mittelalterlichen Feudallasten war zwar bereits in Gang gekommen, [… aber] die anfängliche Freude über diese Bauernbefreiung wich freilich rasch der ernüchternden Erkenntnis, daß man aus einer feudalistischen Verpflichtung in eine kapitalistische geraten war: Für den Loskauf aus den Bodenzinsverpflichtungen war das Achtzehnfache eines Jahresdurchschnittsbetrages, für die Zehntablösung gar das Zwanzigfache des mittleren jährlichen Einnahmebetrages als Ablösungskapital zu bezahlen. Wohl schoß die Staatskasse ein Fünftel des Ablösebetrags zu, vier Fünftel aber waren von den Zehntpflichtigen selbst aufzubringen. […] Am folgenschwersten aber war, daß die Reformgesetzgebung haltmachte vor dem Besitz der Grund- und Standesherren, die in den Jahren 1803 bis 1806 mediatisiert worden waren […] Diese Mediatisierten, deren bekannteste Vertreter in Baden die Fürsten von Fürstenberg, von Löwenstein-Wertheim und von Leiningen waren, besaßen im Deutschen Bund und in der Ersten Badischen Kammer eine einflußreiche Lobby, so daß die badische Regierung zu vielfältiger Schonung ihrer Interessen genötigt war.“[30]

Dennoch war die Entmachtung der Standesherren nicht aufzuhalten und „was sich in den folgenden Jahrzehnten bis zur 48er Revolution zwischen der Bauernschaft und dem Hause Fürstenberg abspielte, kann als Gewinn an Rechten in einem langsamen Befreiungsprozeß betrachtet werden.“[31]

Zwar waren auch Leibeigenschaft und Zwangsarbeit (Frondienst) abgeschafft, doch mussten die Befreiten dies ebenfalls über Jahre hinweg finanziell ablösen. Auch die Lebensverhältnisse waren problematisch – schwere Hungersnot 1816/17 aufgrund von Missernten, jedoch auch infolge des überholten Wirtschaften bzw. noch einem Wirrwarr von Befugnissen und der Unerfahrenheit in der Schaffung neuer Regelungen durch neue staatliche Institutionen, die sich in gerechten Verfahren erprobten. Neues Wahlrecht 1818, neue Gemeindeordnungen (1831), Forstgesetze, Marktrechte. Blumberg hatte – abgelegen – wenig zu bieten und bekam dies auch schriftlich:

„Die Stadt Blumberg ist, den Namen abgerechnet, ein Dorf und als solches von nur sehr unbedeutenden Verhältnissen, es liegt an keiner Landstraße, nicht einmal an einem bedeutenden Vinizialweg und zählt unter 600 Seelen. Die Märkte […] sind versiecht.“ (Schreiben der Regierung des Seekreises, Huggle, 133 f.). Diese Einschätzung führte auch zum Verlust des Stadtrechtes (spätestens 1864).

Allerdings ist in der Überlieferung auch zu erkennen, dass sich die Blumberger daraus nicht viel machten und ihre Angelegenheiten zu regeln wussten, sei es in der Armenfürsorge, bei Besoldung oder Erb- und Einwohnerrechten: „Die Gemeinde tat ihr Bestes, oft auch gegen den Willen des Bezirksamtes.“ Auch wenn die Probleme durch das Bevölkerungswachstum mit einem gewissen Zwang zur Auswanderung verbunden wurde.

Dennoch staute sich eine Ungeduld auf, die Freiheit kam nur scheibchenweise und musste in allen Aspekten teuer (an den Fürsten) bezahlt werden.

Revolution 1848
„Hungerjahre 1846/47“ schürten die Stimmung weiter und obgleich die Regierung im ‚Vormärz 1848‘ die „Aufhebung sämtlicher Feudalrechte“ ankündigte – und Fürst Karl Egon II. dem mit einem „endgültigen Verzicht“ entgegenkam, gewann „Friedrich Hecker, Freischarführer und Kämpfer für die Republik in Blumberg viele Anhänger.“ Auch die Niederlage der bewaffneten Aufständischen am 16. April 1848 bei Donaueschingen gegen württembergische Regierungstruppen und die Rückzüge und Fluchten über Zollhaus in die Schweiz schwächte die Solidarität kaum: „Die Sympathie mit den politisch Verfolgten war so groß, daß die Einwohner von Blumberg, Randen und Zollhaus bereitwillig für sie spendeten.“[Anm 4]

Die Blumberger gaben sich noch nicht geschlagen, „im Mai 1848 wurde Johann Baptist Moritz, der Sohn eines Tagelöhners zum Bürgermeister gewählt.“ Er verkündete, „‚man solle nur fest zusammenhalten und schleunigst die Volksbewaffnung organisieren.‘ Was er dann auch tat, nicht ohne der Gemeinde dadurch mehrere tausend Gulden Schulden zu verursachen, kostete doch ein Gewehr 20 fl.“ Die vom Großherzog gerufenen Preußen beendeten das Vorhaben, sich zur Wehr zu setzen, jedoch schon im Keim. Moritz wurde verhaftet, verurteilt, begnadigt, sein Anwesen versteigert. „Er wanderte daraufhin mit seiner Familie und vielen anderen an der Revolution 1848/49 Beteiligten nach Amerika aus.“ Nach dem Scheitern der Revolution bekamen noch einige, auch renommierte, Blumberger erhebliche Schwierigkeiten und die Gemeinde hatte fast 1.500 fl. Kosten für Auflagen zu tragen. „Als der Kriegszustand Ende August 1852 aufgehoben wurde, hatte die großherzogliche Verwaltung die Zügel längst wieder fest in der Hand. Erneut spürten die Blumberger, was es bedeutet, Untertanen zu sein.“ (Huggle, 148 ff.).

 
Das 1846 erbaute „Alte Schulhaus“

Dennoch blieb doch eine neue, selbstbewusste Grundstimmung zurück – die feudalen Zeiten waren auch endgültig vorbei. Der neue Bürgermeister Feederle handelte besonnen: „Das Bezirksamt beobachtete diese Gemeinde besonders genau“ und: „Man (ließ) ihm so manche Eigenmächtigkeit durch.“ (Huggle, 157 f.).

„Mit der Trennung von Kirche und Schule im ersten liberalen Kabinett nach der Reaktionszeit nahm ab 1860 der badische Staat immer mehr Einfluß.“ Der Staat hatte die Aufgabe, der durch Wissenschaft und Technik bewirkten Industrialisierung den Weg zu bereiten und dass damit auch die Ausbildung der Jugend gemeint war, wurde verstanden: „Die Handarbeitslehrerin von Blumberg als auch die von Randen nahmen bereits 1874 an einem Industriecursus teil“ – in Karlsruhe zur Qualifikation als „Industrielehrerinnen“. (Huggle, 180 f.)

Eine Katastrophe bewirkte das ihrige: Am 30. März 1873 standen in Blumberg „binnen 1 Stunde 31 Häuser in Flammen.“ Kurz darauf kam es zur Bildung der Freiwilligen Feuerwehr Blumberg, eine neue Feuerspritze wurde angeschafft und ein Spritzenhaus gebaut. Waren vor dem Brand nur 9 % der Häuser versichert, waren es 1878 drei Viertel.

1878 wurden bereits Stangen für Telegraphenmasten bereit gestellt (die Reichstelegraphenstation stand jedoch erst 1885 zur Verfügung); die Ausbesserung von Straßen wurde forciert, 1881 expandierte der Post- und Reiseverkehr schlagartig, 1883 waren elektrische Straßenlaternen aufgestellt worden: „Sie ersetzten die zum Teil mit Pech gefüllten, rauchenden und flackernden Lampen. Eine neue Brunnenleitung ins Städtle wurde ebenfalls verlegt [… und] bald nahm die Gemeinde noch ein Großprojekt in Angriff: die Wasserleitung für Blumberg, deren Ausführung der Gemeinderat 1896 zustimmte.“ Randendorf besaß sie schon 1888.

„Insgesamt waren es zwei gute Jahrzehnte zwischen 1894 und 1914.“ (Huggle, 169–187). Der Bau der Strategischen Bahn 1887 bis 1890 brachte den Einwohnern „Verdienst durch die 400 bis 500 Fremden, die nun vorübergehend im Amtsbezirk lebten und versorgt werden mußten. Ein Teil von ihnen war in Epfenhofen untergebracht, aber auch in fast jedem Blumberger Haus logierten sie. Da sie die Lebensmittel von ihren Hausleuten bezogen, war eine weitere Einnahmequelle entstanden.“

Bau der Strategischen BahnBearbeiten

 
Die Wutachbrücke „Im Weiler“ um 1900

„Generalunternehmer des Bahnbaus war die Firma Philipp Holzmann, damals schon ein Weltunternehmen (gegründet 1849). […] Zeitgenössischen Berichten zufolge war die gesamte Strecke eine riesige Baustelle.“ (Reimer, 58).

„Um die Bauarbeiten rasch voranzutreiben, wurden zeitweise über 4.500 Arbeiter, meist Italiener, beschäftigt.“ Auf der Kilometer langen Strecke wurden vier große Viadukte und sechs Tunnel fertiggestellt, durchgehend zweigleisig angelegt. Die eisernen Brückenteile kamen als Einzelteile aus der Gutehoffnungshütte in Oberhausen und wurden über Feldbahngeleise vom Lagerplatz Immendingen zu den Baustellen befördert. Der Tunnelbau wurde beidseitig begonnen, zur Beleuchtung genutzt wurden „kleine Öllampen,[Anm 5] geschlagen wurde mit Hämmern, gebohrt mit einfachen, von Wasserkraft betriebenen Druckluftbohrmaschinen, die Belüftung funktionierte kaum.“ Dennoch darf davon ausgegangen werden, dass für die Arbeiter hierzulande durchaus fortgeschrittene Technologie und auch eine neuartige Arbeitsorganisation zur Anwendung kam. Es gab Trupps von Vermessungsingenieuren, die Holzkonstruktionen für Brückenpfeiler und Fischbauchträger waren hochkomplex – bis heute gibt es an allen Bauwerken so gut wie nichts auszusetzen. Insbesondere die Flussüberquerung im tief eingeschnittenen Wutachtal galt als „technische Herausforderung“ – „gewaltige Mengen“ Hoch- und Wildwasser musste hier einberechnet sein: „Den Ingenieuren war ein Meisterwerk gelungen.“[32]

20. JahrhundertBearbeiten

Eine völlig neue Dimension im Erwerbsleben kündigte sich an, als gegen Ende des Jahrhunderts die Bauern starke Verdiensteinbußen hatten, „da die Getreidepreise aufgrund billiger Importe von Übersee und Rußland sanken.“ Erst als „extreme Witterungsverhältnisse zu schlechten Ernten in Australien und Rußland führten“ und die Regierung infolge von Autarkieüberlegungen Stabilisierungsmaßnahmen vornahm, die ökonomische Lage bis zum Kriegsbeginn 1914 stabil.

Erster Weltkrieg
Die allgemeine Zuspitzung der politischen Lage durch die expandierende Ökonomie – Einrichtung von Kolonien (Afrika und Asien), Konkurrenz um Rohstoffe und militärische Positionen (Flottenbau) – blieb auch der Bevölkerung nicht verborgen: „Allerorten wurden zu jener Zeit Kriegervereine gegründet und Denkmäler enthüllt – man war schließlich eine Großmacht […] und verfügte über ein glanzvolles kaiserliches Heer.“ Im Juli 1914 wurde in Blumberg die „lang projektierte Kriegertafel in Anwesenheit der Veteranen enthüllt“ und bald darauf begleitete der Militärverein 13 seiner Mitglieder „mit Fahne unter Hurra- und Hochrufen bis zum Bahnhof. […] Die anfängliche Begeisterung legte sich erst, als die Trauernachrichten Blumberg erreichten.“ Die Gemeinde musste auch Unterstützung der Familien von Kriegsteilnehmern, Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen übernehmen, bevor nach zwei Jahren die Fürsorge vom Land Baden geregelt wurde.

Kriegsfolgen
Auch Blumberg war über die Strategische Bahn in das Kriegsgeschehen einbezogen, „1916 bestanden fast 10 % der Einwohner aus Militärpersonen, die dort stationiert waren. […] Wer Glück hatte, konnte seinen verwundeten Sohn oder Ehemann in einem der nahgelegenen Lazarette in Bonndorf, Donaueschingen oder Engen besuchen.“ Schließlich wurden Landgemeinden „zu hohen Abgaben verpflichtet, um die Ernährung der Bevölkerung in den Städten sicherzustellen“, die Preise stiegen, Tiere konnten nicht mehr gefüttert werden („Schweinemord“) und Lebensmittel wurden knapp: „Die unzureichende Ernährung führte zu Epidemien, so zu einer Masernepidemie im November 1917, die zur Schließung der Blumberger Schule während eines ganzen Monats führte. Im Jahr darauf war es eine schwere Grippeepidemie, die weltweit ihre Opfer forderte.“ Kinder und Jugendliche mussten neben der Schule die landwirtschaftlichen Arbeiten übernehmen, was zu Verletzungen führte: „Zahlreiche Verstümmelungen vor allem an den Händen wurden in Blumberg festgestellt. […] Zur Erntezeit wurde der Unterricht ganz ausgesetzt.“

Unruhen in der Bevölkerung wurden von den Bezirksämtern gemaßregelt – „‚Zorn und Groll über die Niederlage‘ herrschte in der Bevölkerung, Hungersnot und die zerrüttete finanzielle Situation taten ein übriges – Blumberg glitt in die nächste Krise. Die Gemeinde hatte auch alle neun Kriegsanleihen zeichnen müssen, um die Kriegsfinanzierung mitzutragen.“ (Huggle, 188 bis 194).

Zwischen Demokratie und DiktaturBearbeiten

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, die in den Städten meist von politischen Unruhen – bis hin zur Ausrufung einer Räterepublik – geprägt war, „(wirkte) Blumberg ruhig in den bewegten Zeiten.“ Doch zeigte sich in der Wahl zur deutschen Nationalversammlung 1919, dass ein großer Teil der Einwohnerschaft durchaus fortschrittlich gesinnt war, denn neben der katholischen Zentrumspartei (mit 48 %) erhielt die noch junge Sozialdemokratie (SPD) 39 % der Stimmen. Auch bei der Wahl nach Hitlers Machtübernahme, bei der die meisten Parteien nur massiv eingeschränkt agieren konnten, lagen das Zentrum (42,8 %) und die NSDAP (48,5 %) in Blumberg noch fast gleichauf. (Mietzner, 197).

„Eine absolute Mehrheit für die Nationalsozialisten kam weder landes- noch reichsweit zustande. Durch administrativen Druck, polizeiliches Vorgehen und offenen Terror sicherten die Nazis ihre Positionen und setzten binnen eines halben Jahres alle politischen Gegner matt. […] Der Katholizismus [des Zentrums], der im örtlichen Pfarrer seinen Repräsentanten fand, war auf der Baar der eigentliche Gegner des Nationalsozialismus. 1935 urteilten sie dementsprechend: ‚Der Schwarzwald war die ganzen Jahre bis kurz vor der Machtübernahme das schwierigste Gebiet.‘“[33]

„Der zum Protest neigenden Bevölkerung standen in Blumberg die Partei und ihre Gliederungen gegenüber. […] Dennoch ist es zu einer breiteren organisierten Bewegung in Blumberg nicht gekommen. […] An politisch motivierten Widerstand dachte kaum jemand, und selbst die spätere Studentin im Widerstand, Sophie Scholl […] war zu der Zeit [ihres Blumberg-Aufenthalts] noch eine nach außen hin ruhig erscheinende Kindergärtnerin.“ (Sturm, 220 f.).

Die Ideologisierung des Denkens wurde nun inszeniert und die Bevölkerung wurde in nationalsozialistische Organisationen eingegliedert, „doch zunächst änderte sich für Blumberg nicht viel.“ Es wurde auch nicht bekannt, dass mit der Vorbereitungen des ersten Vierjahresplanes „schon Ende 1933 erste Untersuchungen des Erzes auf Initiative der Saarhütten stattgefunden (hatten) und im März [1934] erschienen dann Ingenieure des Röchling'schen Eisenwerkes.“ Die nationalsozialistische Wirtschaftsplanung hatte im Bestreben nach Autarkie die Ausbeutung der südbadischen Doggererzlager in Angriff genommen.

 
Abbaugebiete und Anlagen
 
Der „Schwarze Mann“ – Skulptur zur Erinnerung an die Bergbauzeit

BergbaustadtBearbeiten

Nun änderte sich für das Gemeinwesen das Dasein „schlagartig“. Ab 1935 verzehnfachte sich die Bevölkerung Blumbergs innerhalb weniger Jahre auf 7000 Einwohner. Umfangreiche Werksanlagen und Häuserreihen wurden „aus dem Boden gestampft“. Die Unternehmung bescherte Blumberg eine denkwürdige Zeit, deren Charakter Hermann Göring als Wirtschaftsführer mit Beginn der Inbetriebnahme verkündet hatte:

„Ich werde rücksichtslos vorgehen und gesetzliche Bestimmungen erlassen, daß Eisen aus der deutschen Erde in größtmöglichem Umfange herausgeholt wird. Wie die Eisenvorkommen entdeckt werden, ob mit der Wünschelrute oder sonstwie, ist mir gleichgültig. Es ist auch nicht entscheidend, was für Kosten in der Eisengewinnung entstehen.“

Die Rücksichtslosigkeit blieb der einzige Aspekt, der von allen Versprechen der Naziführung konsequent eingelöst wurde.

 
Südpfeiler der Förderbrücke zum Bahnhof

„Völlig überhastet, ohne Koordination und Planung, mit unzureichenden Ressourcen gebaut, entstand in kürzester Zeit ein Moloch, der eher einer Siedlung als einer Stadt glich. Die verkehrstechnische Anbindung an das Hinterland und die großen Zentren des Landes waren ungenügend. In einem Bericht von 1939 schrieb die Gendarmerie der ‚Stadt‘: ‚Bei dem Ausbau des Doggererzwerkes und der Lage der zu erstellenden Stadt Blumberg wurde auf deren tatsächliche Lage keine Rücksicht genommen. Die Folge davon ist, daß Handel und Gewerbe sich sträubt, sich hier seßhaft zu machen, weil die Verkehrsverhältnisse hier denkbar ungünstig sind.‘ […] Für 4500 Einwohner gab es 1939 eine Metzgerei, zwei Bäckereien, ein Milchgeschäft und vier Gemischtwarenhandlungen. […] Auseinandersetzungen und Tätlichkeiten in den Geschäften zeigten die gereizte Stimmung. […] In einer Autogarage wurde geschlachtet. Weiter fehlten öffentliche Gebäude wie Schulräume, höhere Schulen, Gemeinschaftshallen oder Krankenhaus.“ (Mietzner, 203 ff.)

Chronik der „Bergbaustadt“: Doggererz AG

Im April 1942 wurde der Abbau abrupt eingestellt, da die deutschen Armeen genügend ausländische Gruben erobert hatten. Die Verwaltung und die Einwohnerschaft Blumbergs „sah damit einer Katastrophe entgegen.“ Nach schweren ‚Hungerjahren‘ rettete gleichsam die ‚Katastrophe des Dritten Reiches‘ Blumberg das Überleben, denn die Erfahrungen dieser „wahnsinnigen Zeit“ hatten Stadt und Bevölkerung in der Nachkriegszeit die notwendige Entschlossenheit zum Neubeginn mitgegeben.[35]

Sophie Scholl in BlumbergBearbeiten

Im zivilen deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus war Sophie Scholl die Mitbegründerin der der studentischen Gruppe Die Weiße Rose.

Nachdem sie seit August 1940 in Ulm als Kindergärtnerin ausgebildet und danach zum Arbeitsdienst abkommandiert worden war, erhielt sie am 7. Oktober 1941 „eine Anstellung im NSV-Kinderhort in Blumberg, wo sie einen sechsmonatigen Kriegshilfsdienst bis Ende März ableisten mußte, der inzwischen für Studierwillige eingeführt worden war.“

 
Büste von Sophie Scholl in der Münchener Walhalla

„Ihr Aufenthalt fiel in jene Wochen und Monate, als nach Schließung des Bergwerkes die Stadt in den Strudel von Arbeitslosigkeit und sozialer Unruhe geriet. [… Hier] muß ihr die Rücksichtslosigkeit eines Regimes aufgegangen sein, das Menschen zur Durchsetzung seiner Ziele wie Bauern auf einem urbanen Schachbrett hin und her schob.“[36]

An ihren Bruder schrieb sie [im November 1941]: „Ich arbeite hier im Kinderhort, bei Schulkindern, deren Eltern zu 60 Prozent vorbestraft sind, (diese) sind jedoch für einen Vergleich mit meine Vorgesetzten noch viel zu gut.“[37]

Eine Freundin hatte Sophie in Zollhaus – dort spielte sie an freien Sonntagen Orgel in der „‚kleinen, bunten Kapelle‘ (katholische Kirche Zollhaus)“ und machte „bei den Schwestern Schüle einen Besuch.“

„Der Umgang mit den ihr anvertrauten Kindern führte aufgrund ihrer an das Gute im Menschen glaubenden Persönlichkeit am Ende doch zu einer inneren Verbundenheit mit ihrer Arbeit und der Eichbergstadt: Mit meinen Mädchen gehe ich jeden Tag spazieren. Sie haben mich mit der Zeit ebenso liebgewonnen wie ich sie ... Das ist für mich ein glückliches Gefühl, daß ich so abschließen kann.“

– Joachim Sturm: Sophie Scholl in Blumberg. 1995, S. 234.
 
Plakat zum Gedenkort in München

„Kaum ein halbes Jahr nach ihrem Weggang begann sie im Studium den Widerstand mit Flugblattaktionen. Am 18. Februar 1943 wurde sie von der Gestapo verhaftet und nach der Verurteilung durch den Volksgerichtshof am 22. Februar hingerichtet.

An Sophie Scholl erinnert heute in Blumberg der neue Kindergarten, der ihren Namen trägt.“ (Sturm, 234).

Kriegsende
1935 war Blumberg das Stadtrecht von dem badischen Nazi-Gauleiter Robert Wagner entzogen worden – ein Zeichen, dass hinter den pompösen Erhebungen zur „Bergbaustadt“ eher das Konzept der Einrichtung eines „Bergbau-Arbeitslagers“ stand: So wie sich dann die bittere Realität vor Ort entwickelte. Nur durch den energischen, wenn auch oft zwiespältigen Einsatz der örtlichen Parteiführung und dann auch durch den Einfluss rational handelnder Unternehmer, konnte eine Katastrophe abgewendet werden. Zum Glück blieb Blumberg trotz seiner ausgedehnten Werksanlagen und auch einem als kriegswichtig aus Hamburg verlagerten Betrieb wegen der Nähe zur Schweiz von Bombenangriffen verschont.

Die letzten Kämpfe im Südwesten Deutschlands konzentrierten sich Ende April 1945 auf den Raum Blumberg. Deutsche Truppen versuchten eine Einkesselung durch die französische Armee im Raum von Wutachschlucht und Bahnlinie zu durchbrechen. Nachdem der Durchbruch gescheitert war, lösten sich die deutschen Einheiten auf. Neben dem Nachbarort Behla wurden Überachen, Fützen und Randen weitgehend zerstört.

NachkriegszeitBearbeiten

In der durch die Nationalsozialisten von 700 auf 7000 Einwohner ‚zwangsexpandierten‘ Arbeiterstadt kam es in unmittelbarer Nachkriegszeit zu heftigen Auseinandersetzungen, da viele Arbeiter ihren Interessen gemäß Sozialdemokraten und Kommunisten zuneigten und versuchten, „Altnazis“ aus ihren Positionen zu drängen.

Das Problem Blumbergs war, die „aus den Fugen“ geschlagene Stadt, die sich über die zugeteilten Ostflüchtlinge weiter vergrößerte, wieder zu stabilisieren, d. h., aufgrund des industriellen Arbeitskräftepotenzials Gewerbe und Industrie anzusiedeln. Dies gelang mit organisatorischer als auch finanzieller Unterstützung durch das Land Baden und traditioneller sowie neuer Unternehmerschaft.

Zwar existierten in Blumberg nach der Einlagerung kriegswichtiger Unternehmen „ein knappes Jahr vor Kriegsende fast 1650 industrielle Arbeitsplätze [… doch] die Produktion konnte allerdings wegen des bald darauf folgenden Kriegsendes zunächst nur noch eingeschränkt aufgenommen werden.“

Zwangsläufig kam das „Aus“ für die Rüstungsindustrie, dazu kamen die von den Alliierten angeordneten Demontagen, die zivile Aushilfsproduktion – teils für die Besatzungsarmee – war nur gering und bis zur Währungsreform im Mai 1948 überlebten auch nur wenige der Neugründungen. Im Oktober 1948 „(waren) bei 3.860 Einwohnern […] 830 Personen im Ort selbst beschäftigt, weitere 300 arbeiteten außerhalb der Gemeinde.“ Die meisten Beschäftigten hatte die Firma Teves.

„Es war eine schlimme Zeit […] die minderbemittelte Bevölkerung hungerte. Die Kinder liefen im Winter manchmal mit Holzsandalen oder sogar barfuß herum.“ Auf eine persönliche Vorsprache des Bürgermeisters Theo Schmid hin besuchten am 14. März 1949 der badische „Staatspräsident Wohleb, Wirtschaftsminister Dr. Lais, Finanzminister Eckert und andere Herren“ Blumberg und nahmen „die außerordentliche Notlage“ wahr. Die Stadt erhielt einen finanziellen Zuschuss für das neue Schulhaus, eine Besserung der Stromversorgung und die Zusage eines Großbetriebs. (Karl Bader, Nachwort, S. 2 f.):

 
Tafel zur Erinnerung an die Wiederverleihung des Stadtrechts

„Einen Lichtblick stellte der Entschluß der Spinnerei und Weberei Lauffenmühle dar, in Blumberg einen Zweigbetrieb zu eröffnen. […] Im Dezember 1950 konnte das neue Fabrikgebäude, in dem eine Taschentuchweberei eingerichtet worden war, eingeweiht werden. […] In den folgenden Jahren entwickelte sich die Weberei zum zweitgrößten Arbeitgeber der Stadt (überwiegend weibliche Arbeitskräfte) [und sie] konnte Mitte der sechziger Jahre ihre Betriebsanlagen großzügig erweitern.“

– Annelore Walz: Wirtschaftsgeschichte. 1995, S. 376.

Gleichzeitig mit der Firmeneinweihung der Lauffenmühle feierte Blumberg auch die Wiedererlangung des Stadtrechts.[Anm 6]

Vakant blieb zehn Jahre der Verbleib der Teves-Werke „bis die Geschäftsleitung sich 1960 endgültig für Blumberg als einen ihrer Standorte entschied.“ (A. Walz, 377).

GegenwartBearbeiten

1970 waren in Blumberg 66 % aller Erwerbstätigen Arbeiter, 24,5 % waren Beamte und Angestellte – knapp 10 % waren Selbstständige und im landwirtschaftlichen Bereich arbeitende Menschen. Von 700 Auspendlern waren 200 Grenzgänger. (A. Walz, 379 f.)

 
Hochhaus am Weg der französischen Partnerstadt

In den 1970er Jahren wurde Blumberg zum Zentralort einer Raumschaft mit neun Kreisgemeinden. Wie überall erforderte diese kommunale Neuordnung lange Verhandlungen und viele Diskussionen, doch bestätigt die Gegenwart eher die Vorzüge, insbesondere beim Ausbau der Infrastruktur.

  • Ende der 70er Jahre wurde der Torfabbau aus Rentabilitätsgründen eingestellt.
  • Seit 1979 entstanden das Werner Gerber-Stadion (des TUS Blumberg), die Sporthalle und der Platz „Am Stadtbrunnen“ mit dem Bergarbeiterdenkmal (1994).
  • 1992 wurde das Eisenbahnmuseum in Blumberg-Zollhaus eingerichtet.
  • 1995 wurde der Betrieb in der Lauffenmühle-Blumberg eingestellt.[38]

AnmerkungenBearbeiten

  1. Blumberg wurde von der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik als Ort mit 700 Einwohner innerhalb kurzer Zeit zur Bergbaustadt mit 6.000 Bewohnern ‚aufgezogen‘ und 1942 abrupt wieder aufgegeben. Geschichte: Doggererz AG.
  2. Eine Kostenaufstellung zum Personal mit den Jahresgehältern zeigt, dass nach dem Hausvogt mit 47 fl. die bestbezahlte Person die Hofmeisterin der Gräfin war (40 fl.), danach der Sekretär des Grafen mit 35 fl. gefolgt von je zwei männlichen und weiblichen Adligen mit je 30 fl., ebenfalls der Jäger und der Fuhrmann. Bewaffnete (Sold und Kleidung) und Köche erhielten 25 fl. (E. Dargel, 84).
  3. K. Bader, S. 31. Nur ein Jahr früher, am 8. März 1634, war am Hochrhein das Schloß Küssaburg von der dort kaiserlichen Besatzung auf der Flucht vor einer schwedischen Einsatztruppe angezündet worden. Die Burg wurde nicht mehr aufgebaut; vor allem war die Geschütztechnik so weit fortgeschritten, dass die klassischen Befestigungen nicht mehr sinnvoll erschienen.
  4. Die letzte Konsequenz hatte jedoch gefehlt: „Aus der Baar, wo es doch das feudalistische Relikt der Standesherrschaft des Fürsten von Fürstenberg abzuschütteln galt, strömten ihm [Hecker] ganze 200 Mann zu.“ (Vollmer, 55).
  5. Die Autoren, die zur Beleuchtung der Material-Lagerplätze auf Fotos den Einsatz von elektrischem Licht feststellten, lassen offen, warum diese Art von Beleuchtung nicht auch in den Tunneln angewandt wurde.
  6. Nachdem Blumberg 1935 „nach Inkrafttreten der neuen Gemeindeordnung das Recht auf die Bezeichnung ‚Stadt‘ verloren“ hatte, wurde es im Oktober 1950 entsprechend der neuen badischen Gemeindeordnung „erneut in den Rang einer ‚Stadt‘ erhoben.“ (A. Haußmann: Blumberg nach 1948. In: J. Sturm: Blumberg. 1995, S. 274).

PersönlichkeitenBearbeiten

Mit Blumberg verbundene PersönlichkeitenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Karl Siegfried Bader: Burg, Dorf, Stadt und Herrschaft Blumberg. Stadt Blumberg, o. D., vermutlich (Hrsg.): 1950‚ ‚zur Wiedererlangung des Stadtrechtes.
  • Joachim Sturm (Hrsg.): Die Geschichte der Stadt Blumberg. Dold-Verlag, Vöhrenbach 1995, ISBN 3-927677-06-X. (Zitierte Autoren: Verena Nübling, André Bechthold, Eveline Dargel, Thorsten Mietzner, Richard Gertis, Georg Herbstritt, Andrea Haußmann, Annelore Walz, Peter Weinknecht).
  • B. Prillwitz, D. Reimer: Blumberg in alten Ansichten. Europäische Bibliothek, Zaltbommel/Niederlande 1998, ISBN 90-288-4730-8, Einleitung.
  • Hermann Riedel: Halt! Schweizer Grenze! Das Ende des Zweiten Weltkrieges im Südschwarzwald und am Hochrhein in dokumentarischen Berichten deutscher, französischer Und Schweizer Beteiligter und Betroffener. Südkurier Verlag, Konstanz 1983, ISBN 3-87799-023-1, S. 15.
  • August Vetter: Hüfingen unter den Herren von Blumberg. In: Hüfingen. Das einstige Brigobanne, bedeutende alamannische Siedlung, ehemaliger Herrschaftssitz, fürstenbergische Oberamts- und badische Amtsstadt, die Künstlerstadt im Herzen der Baar. Hüfingen 1984
  • Günther M. Walcz: Doggererz in Blumberg. Das ungewöhnliche Schicksal einer Stadt – ein Kapitel deutscher Bergbaugeschichte. Südkurier Verlag, Konstanz 1983, ISBN 3-87799-036-3.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2017 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Bernhard Lutz: Wir sind auf einem guten Weg. (Gespräch mit Bürgermeister Markus Keller), Albbote, 22. April 2017.
  3. B. Prillwitz und D. Reimer: Blumberg in alten Ansichten. Europäische Bibliothek – Zaltbommel/Niederlande 1998, Einleitung. ISBN 90-288-4730-8.
  4. Bruno Morath: Faszination Wutachschlucht. In: Heimat am Hochrhein, Band XXXVII, Jahrbuch 2012. Hrsg.: Landkreis Waldshut. Edition Isele, Eggingen 2011, ISBN 978-3-86142-538-0, S. 45 f.
  5. Südkurier: Winterfahrten erlaubt, 12.10.2018.
  6. | Geschichte der Scheffelschule, abgerufen am 19. Oktober 2018.
  7. Jürgen Müller: Verkauf der TRW-Ventilsparte an Federal Mogul jetzt perfekt. In: Südkurier. 11. Februar 2015, abgerufen am 29. September 2015.
  8. Bernhard Lutz: Internetknotenpunkt in Betrieb. Südkurier, 30. August 2018.
  9. Der Bürgermeister – Politischer Repräsentant und Verwaltungschef. In: stadt-blumberg.de, abgerufen am 13. Juli 2017.
  10. Endgültige Ergebnisse der Gemeinderatswahlen 2014 mit Vergleichsangaben von 2009 – Stadt Blumberg (Memento vom 7. Februar 2015 im Webarchiv archive.is). In: statistik.baden-wuerttemberg.de, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg. 2014, abgerufen am 26. Mai 2017.
  11. Eveline Dargel, Fürstenbergische Amtsstadt, 1995, S. 82 f.
  12. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 494.
  13. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 495.
  14. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 517.
  15. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg. Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2, S. 550–555.
  16. Zitate: Richard Gertis: Blumberg, die Kirchengeschichte. S. 298 ff. und Georg Herbstritt: Altkatholische Gemeinde. S. 317. In: J. Sturm: Blumberg. 1995.
  17. Gemeinde Blumberg. In: alt-katholisch.de, abgerufen am 25. Mai 2017.
  18. Liste der Betreiber von Eisenbahnstrecken. Eisenbahn-Bundesamt, 6. Juli 2017, abgerufen am 13. Juli 2017 (Excel-Dokument, 52,1 kB).
  19. Kristina Hahn, Ulrike Schubart: Klösterliche Grundherrschaftsverwaltung in Südwestdeutschland. Der Kellhof von Sankt Blasien in Blumberg-Fützen. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. 37. Jg., Heft 4, 2008, S. 226–232 (= PDF-S. 42–48). (PDF; 19,0 MB (Memento vom 3. November 2013 im Internet Archive)).
  20. Markus Friedrich: Die Jesuiten. Aufstieg, Niedergang, Neubeginn. Piper, München 2016, ISBN 978-3-492-05539-0, S. 586.
  21. Gerhard Kersting: Pflanzen- und Tierwelt. In: J. Sturm: Blumberg. 1995, S. 405.
  22. Peter Weinknecht: Zur Geologie von Blumberg und seiner Umgebung. In: J. Sturm: Blumberg. 1995, S. 393 und 402.
  23. André Bechthold: Mittelalter. in: J. Sturm: Blumberg, 1995, S. 42 f., nennt dazu (Anm. 100): August Vetter: Hüfingen unter den Herren von Blumberg. In: Hüfingen. Das einstige Brigobanne, bedeutende alamannische Siedlung, ehemaliger Herrschaftssitz, fürstenbergische Oberamts- und badische Amtsstadt, die Künstlerstadt im Herzen der Baar. Hüfingen 1984, S. 60–86.
  24. Richard Gertis: Kirchengeschichte. In: J. Sturm: Blumberg. 1995, S. 277 f.
  25. Zitate im Kapitel: R. Gertis: Kirchengeschichte. S. 289 ff. Unter Bezug auf Quellen, u. a. Hans-Martin Maurer: Der Bauernkrieg als Massenerhebung, Stuttgart 1979 und Heinrich Hug Villinger Chronik, Hrsg.: Christian Roder, Tübingen 1883 sowie EAF (Erzbischöfliches Archiv Freiburg i. Br.) Ha 61/62 (Visitationen).
  26. K. Bader: Herrschaft Blumberg. 1950, S. 27. Bader bezieht sich hier und im Folgenden auf: Mitteilungen aus dem Fürstl. Fürstenbergischen Archiv (Mitt.), Band I/II. (1894/1902). Auch auf G. Tumbüll, Das Fürstentum Fürstenberg, 1908, S. 100 f.
  27. Eveline Dargel: Fürstenbergische Amtsstadt. In: J. Sturm: Blumberg. 1995, S. 82 f. Dort ist auch das Siegel abgebildet.
  28. Zitate im Kapitel: E. Dargel: Fürstenbergische Amtsstadt. S. 95. Dort Quellenangaben. Insbes. : M. Wepfer, Chronik, Stadtarchiv Schaffhausen.
  29. E. Dargel, 98 ff., Günter M. Walcz: Doggererz in Blumberg. 1983, S. 16 ff. Quellen insgesamt in der umfassenden Sammlung des FFA (Fürstl. Fürstenbergisches Archiv), Donaueschingen:, Bergwerksakten Blumberg Fasz. 2.
  30. Franz X. Vollmer: Die 48er Revolution in Baden. In: Hrsg.: Landeszentrale für Politische Bildung in Baden-Württemberg. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1979, ISBN 3-8062-0213-3, S. 39.
  31. Ursula Huggle: Blumberg von 1806 bis 1918. In: J. Sturm: Blumberg. 1995, S. 131.
  32. Dietrich Reimer und Bernhard Prillwitz: Die Sauschwänzlebahn im südlichen Schwarzwald. Sutton Verlag, Erfurt 2010, ISBN 978-3-86680-605-4, S. 7–15.
  33. Vorangegangenes Zitat aus: Manfred Bosch: Als die Freiheit unterging. Eine Dokumentation über Verweigerung, Widerstand und Verfolgung im Dritten Reich in Südbaden. Konstanz 1985, S. 33 f. In: Thorsten Mietzner: Zwischen Demokratie und Diktatur. In: J. Sturm: Blumberg. 1995, S. 195 ff. Zitate im Kapitel.
  34. Göring am 16. Juni 1937 vor Vertretern der Eisen- und Stahlindustrie, zitiert bei Wilhelm Treue: Denkschrift (PDF-Datei; 5,00 MB). S. 202.
  35. Zitate: G. Walcz: Doggererz. 1983.
  36. Joachim Sturm: Sophie Scholl in Blumberg. In: J. Sturm: Blumberg. 1995, S. 232 ff.
  37. Inge Jens (Hrsg.): Hans Scholl. Inge Scholl. Briefe und Aufzeichnungen. Frankfurt am Main 1984, S. 241. Quelle In: J. Sturm: Blumberg. 1995, S. 232 f.
  38. Beitrag: Blumberg – Bilderreise durch die Neuzeit. In: Sturm, 1995, S. 431–445.