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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wutöschingen
Wutöschingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wutöschingen hervorgehoben

Koordinaten: 47° 40′ N, 8° 22′ O

Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Waldshut
Höhe: 393 m ü. NHN
Fläche: 26,47 km2
Einwohner: 6612 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 250 Einwohner je km2
Postleitzahl: 79793
Vorwahl: 07746
Kfz-Kennzeichen: WT
Gemeindeschlüssel: 08 3 37 123
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchstraße 5
79793 Wutöschingen
Website: www.wutoeschingen.de
Bürgermeister: Georg Eble
Lage der Gemeinde Wutöschingen im Landkreis Waldshut
AareLandkreis Breisgau-HochschwarzwaldLandkreis LörrachLandkreis KonstanzLandkreis TuttlingenSchwarzwald-Baar-KreisAlbbruckBad SäckingenBernau im SchwarzwaldBonndorf im SchwarzwaldDachsberg (Südschwarzwald)DettighofenDogernEggingenGörwihlGrafenhausenHäusernHerrischriedHöchenschwandHohentengen am HochrheinIbach (Schwarzwald)JestettenKlettgau (Gemeinde)KüssabergLauchringenLaufenburg (Baden)LottstettenMurg (Hochrhein)Rickenbach (Hotzenwald)St. BlasienStühlingenTodtmoosÜhlingen-BirkendorfWaldshut-TiengenWehr (Baden)Weilheim (Baden)Wutach (Gemeinde)WutöschingenSchweizRheinKarte
Über dieses Bild
Luftbild von Wutöschingen vom 31. Januar 2015. Oben/rechts die Randenausläufer

Wutöschingen ist eine Gemeinde im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg (Deutschland). Die Gesamtgemeinde wurde 1975 im Zuge der Gemeindereform aus fünf Ortschaften gebildet. Das Kleinzentrum Wutöschingen wurde schon früh während der Industrialisierung der Hochrhein-Region von einem Aluminiumwerk und der dafür erforderlichen Infrastruktur geprägt.[2]

Wutöschingen liegt im mittleren Wutachtal an der Bundesstraße 314 und einer 2018 reaktivierten Teilstrecke der Wutachtalbahn.

GeographieBearbeiten

 
Die Wutach auf der Höhe des Gewerbegebiets bei Horheim in Richtung Lauchringen. Gradliniger Verlauf durch die Tulla-Regulierung, 1830.

Die Gemeinde mit ihren fünf Ortsteilen liegt am südöstlichen Rand des Schwarzwalds am Flusslauf der Wutach, die am Feldberg entspringt und in der Nähe der Kreisstadt Waldshut-Tiengen in den Hochrhein mündet. Die Tallage grenzt die Schwarzwaldausläufer und die nördliche Bergkette des Südranden voneinander ab. Die Wutach ist zum Osten und Süden hin auch die Grenze zur Landschaft Klettgau.

Im von Wald und landwirtschaftlicher Nutzung geprägten Umfeld liegen von den Wohnbereichen abgeschirmt zwei Gewerbebezirke, vorwiegend mit Unternehmen der Aluminiumbranche.

Gemeindegliederung und Nachbarschaft
Zur Gemeinde Wutöschingen gehören neben dem gleichnamigen, heutigen Hauptort Wutöschingen die Ortschaften Horheim, Schwerzen, Degernau und Ofteringen.

Nachbargemeinden sind im Nordwesten Ühlingen-Birkendorf, im Norden Eggingen, im Osten Klettgau, im Süden Lauchringen. Im Westen grenzt Wutöschingen an das Gebiet der Stadt Waldshut-Tiengen. Die Grenze zur Schweiz befindet sich in der Nähe. Seit der Gemeindereform besteht eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft mit Eggingen.

> Zum weiteren Umfeld: Siehe Touristisches Profil

GemeindeBearbeiten

Durch die Aluminiumwerke mit der zugezogenen Arbeiterschaft und ihren Familien war das Bauerndorf Wutöschingen schon früh mit sozialen Fragen befasst, sodass Verwaltung und Bevölkerung durch Problemlösungen eng verflochten wurden. Dies verschaffte dem Ort ein höhere Bedeutung im Umfeld, eine Entwicklung, die 1975 die Gemeindevereinigung nicht einfach machte, sich aber heute wieder egalisiert hat.

Kommunale AktivitätBearbeiten

 
Innenraum des Hauptgebäudes

Schulprojekt
Ein Kraftakt der Gemeinde über Jahre hinweg war Bau der Gemeinschaftsschule, deren Gebäude in direkter Weise auf ein innovatives Konzept von Schul- und Unterrichtsorganisation abgestimmt wurden.

Dies zeigt sich insbesondere im Weißen Haus, das den großen Platzbedarf bei der Festlegung von individuellen Arbeitsplätzen für die Schüler (heute: „Lernpartner“) durch eine (finanziell vorteilhafte) Lösung ‚in der Höhe statt in der Weite‘ umsetzte.

„Die räumliche Gestaltung (verstehen wir) als den ‚dritten Pädagogen‘; denn die räumliche Gestaltung der Lernumgebung mit Schaffung einer Wohlfühl-Atmossphäre in unseren Lernhäusern […] war eine unabdingbare Grundlage für das Gelingen unseres Vorhabens.“

Georg Eble, Bürgermeister
 
Ärztehaus (mit Apotheke) in der Ortsmitte

Ärztehaus

  • Der problematischen medizinischen Versorgung im ländlichen Bereich[Anm 1] begegnete Wutöschingen mit dem Bau eines „Ärztehauses“ in der Ortschaftsmitte. Im November 2018 gelang es der Gemeinde, eine „Ärztin zu gewinnen“. Im September 2019 soll das dreistöckige Gebäude mit Tiefgarage, zwei Praxen und der Apotheke fertig gestellt sein.[3]
  • Das 1993 erbaute und dem Ärztehaus gegenüber liegende „AWO Seniorenzentrum Sonnengarten“ mit Pflegeheim gehört zu den Nutznießern: „Wir sind dringend auf Hausbesuche angewiesen, die kein Arzt aus einer anderen Gemeinde leisten kann.“ Das Zentrum mit 50 Pflegeplätzen und 30 Wohnungen ist ausgebucht und besitzt lange Wartelisten. Der Zustand der Anlage ist bis auf Kleinigkeiten, die 2019 behoben werden, einwandfrei.[4]
  • Teil eines flächendeckenden Wetter-Beobachtungsnetzes ist auch die Wetterstation von Roswitha Stoll, die „seit 1994 als Wetterbeobachterin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) das Wetter in Ofteringen […] erfasst und notiert [… und] als Dank für ihr 25-jähriges ehrenamtliches Engagement die Wetterdienstplakette verliehen“ bekam.[5]
 
Gemeinde mit Industrieforum

Wirtschaftsförderung
Auf Initiative der Gemeinde ging auch die Gründung des mittlerweile überregionalen Aluminiumforum zurück, das eine von allen Seiten begünstigte Koordinationsaufgabe in der Branche übernommen hat.

PolitikBearbeiten

Wutöschingen generiert über die in der Raumschaft starke Industrieansiedlung hohe Einnahmen, die umgehend in den Ausbau investiert wurden – in den letzten Jahren vor allem in das „weiterführende Schulangebot“ und aktuell – unter Einbezug der Rücklagen – in die Erweiterung des Gewerbegebiets bei Horheim.

GemeinderatBearbeiten

In Wutöschingen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem vorläufigen Endergebnis[6]. Die Wahlbeteiligung betrug 53,9 % (2014: 44,2 %).

Partei Stimmen Sitze Ergebnis 2014
Freie Wähler 47,9 % 9 56,5 %, 10 Sitze
CDU 29,2 % 6 35,4 %, 7 Sitze
Grüne 15,7 % 3 0 %, 0 Sitze
SPD 7,2 % 1 8,1 %, 2 Sitze

Verabschiedet wurden unter den 19 Gemeinderäten sieben Männer und eine Frau, neu hinzu kamen vier Frauen und vier Männer.[7]

Wappen
Blasonierung: „In Gold über einem erniedrigten blauen Wellenbalken ein fünfspeichiges schwarzes Mühlrad.“

Das neue Gemeindewappen, das am 1. Januar 1977 durch den Landkreis genehmigt wurde, greift das Mühlradmotiv der Ortschaft Wutöschingen auf. Der Wellenbalken bringt die Lage der Gemeinde an der Wutach zum Ausdruck.[8]

Das Wappen der Ortschaft Wutöschingen zeigt in geteiltem Schild oben in Silber ein halbes achtspeichiges schwarzes Mühlrad an der Teilung, unten in Rot eine goldene Pflugschar. Das Wappen nahm der Ort im Jahr 1906 an. Das Bild fand sich auf einem Wappenstein von 1611 an der Dorfkapelle.

Die Flagge ist blau-gelb gestreift.

Wappen Ortsteil Einwohner
(Stand: 31. Juli 2015)[9]
Fläche
  Wutöschingen (Kernort) 2357
  Degernau 0989
  Horheim 2057
  Ofteringen 0305
  Schwerzen 1044

BürgermeisterBearbeiten

Seit 1999 ist Georg Eble Bürgermeister. Im Zusammenhang mit Aufbau und Entwicklung der Alemannenschule schrieb der Schweizer Schulentwickler Peter Fratton: „Das Wichtigste ist ein Bürgermeister vom Schlage eines Herrn Eble, der dafür sorgt, dass der politische Wille umgesetzt wird, und sich nachher so einbringt, wie es viele vom eigenen Hausbau her kennen: Die Details machen das Ganze aus.“[10]

Georg Eble ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Volksbank Klettgau-Wutöschingen.

HaushaltBearbeiten

Der Haushalt 2018 mit einem Gesamtvolumen von 34,3 Millionen Euro erreichte eine Rekordhöhe, die auf die Investitionshöhe von 16,23 Millionen Euro (von 5,4 im Jahr 2017) zurückzuführen war; in erster Linie durch die Erweiterung des Gewerbegebiets Horheim. Die Rücklagen schrumpften von über 11 Millionen Euro auf einen Rest von 4115 Euro. Hoch war auch die Neuschuldenaufnahme von 3,5 Millionen Euro. „Dennoch ist das Ratsgremium positiv gestimmt und hat den Haushaltsplan einstimmig verabschiedet.“[11]

  • Der Stromnetzbetreiber im Regionalwerk Hochrhein (RWH) machte zum Jahresabschluss 2017 Verlust, der aus Netzübernahmen resultierte. Auch 2018 wird durch Erneuerungsinvestitionen ein kleiner Verlust, doch 2019 mittels steigender Pachterlöse ein Gewinn erwartet. Das Regionalwerk Hochrhein wurde im Dezember 2012 gegründet und hat die Stromnetze von der ED netze GmbH zurückgekauft. „Kommanditisten sind: Gemeinde Wutöschingen und Gemeinde Lauchringen mit jeweils 32,45 Prozent, Badenova Freiburg (25,10 Prozent) und Stadtwerke Waldshut-Tiengen (zehn Prozent).“[12]

Baugebiete

  • Mit Feststellung im Juni 2017 wurde im Ortsteil Schwerzen bis Mai 2018 das Baugebiet ‚Grünweg‘ mit 16 Bauplätzen und vorgesehener Erweiterung erschlossen. Der Bereich besitzt ein Trennsystem für Abwasser (Mischwasserleitung).
  • Im April 2019 stimmte der Gemeinderat der Erschließung eines Neubaugebiets ‚Mausäckern-Unter den Langwiesen 2‘ in Wutöschingen Richtung Schwerzen mit „27 Bauplätzen für Einfamilienhäuser, sieben Bauplätzen für Doppel- oder Einfamilienhäuser, zwei Bauplätzen für jeweils sechs Reihenhäuser und drei Bauplätzen für Mehrfamilienhäusern“ zu.[13]

Sanierungen
Für die Komplettsanierung der Grundschule in Degernau stellt die Gemeinde 1,4 Millionen Euro Eigenmittel bereit, hinzu kommt ein Landeszuschuss von knapp 400.000 Euro. Für die Alemannenschule Wutöschingen gibt es 710.000 Euro Landeszuschüsse.[14]

Gewerbegebiet
Das bislang 63.000 Quadratmeter umfassende Gewerbegebiet bei der Ortschaft Horheim wurde mit Gemeinderatsbeschluss Anfang Mai 2018 um 14,5 Hektar erweitert. Die benötigte direkte Anbindung an die Bundesstraße 314 ist noch nicht völlig abgeklärt, da diese auch im dreispurigen Ausbau vorgesehen ist. Die Erschließungsarbeiten begannen am 13. November 2018; die Kosten (ohne Grunderwerb) liegen bei 5,5 Millionen Euro. „Als eine Ausgleichsmaßnahme für die Erweiterung des Gewerbegebiets (wird) der ‚Stockenweg‘ (von Schwerzen Richtung Küssaberg) [als Feldweg für landwirtschaftlichen Verkehr] zurückgebaut.“[15]

GemeindeeinrichtungenBearbeiten

Das Gemeindegebiet umfasst 26,47 km²; 7,58 km² sind bewaldet, davon 5,5 km² in Gemeindebesitz.

Versorgung und Energie

  • Neben der Verwaltungsgemeinschaft bildet Wutöschingen mit Eggingen den Abwasserverband Mittleres Wutachtal.
  • Als Gesellschafter zusammen mit der Gemeinde Lauchringen, mit den Stadtwerken Waldshut-Tiengen und der badenova Freiburg Betrieb des Regionalwerks Hochrhein (RWH) seit dem Rückkauf 2012 mit eigenem Stromnetz.
  • Zur Sicherung der langfristigen Wasserversorgung trat die Gemeinde einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zur Untersuchung der Grundwasserverhältnisse in der Klettgaurinne bei.

Soziale Einrichtungen

 
Eingangsbereich der Seniorenwohnanlage

Die Seniorenwohnanlage (AWO Seniorenzentrum Sonnengarten) im Ortskern wurde ab Mitte der 1980er Jahre in der Gemeinde als Alternative zur „herkömmliche(n) Form der Unterbringung von Senioren in Altersheimen (diskutiert)“ und der Bau 1988 vom Gemeinderat beschlossen. Im März 1993 war Baubeginn, im Oktober 1994 zogen die ersten Bewohner ein. „Die Wutöschinger betreute Seniorenwohnanlage gilt […] als Vorzeigeprojekt mit großer Ausstrahlungskraft für den ganzen Landkreis.“[16] Heute bestehen 30 Wohneinheiten, eine Begegnungsstätte mit zahlreichen Angeboten und Veranstaltungen sowie ein vielfältig gestaltetes Umfeld.

Inzwischen zogen zahlreiche weitere Gemeinden mit ähnlichen konzipierten Projekten nach.

Schulen
Im Ort Wutöschingen befindet sich die Alemannen-Grundschule mit Grundschul-Außenstelle in Degernau sowie als weitere Grundschule in Horheim die Auwiesenschule.

Die Alemannenschule in Wutöschingen ist eine Gemeinschaftsschule, die ab 2019 eine gymnasialen Oberstufe einbezieht – in Baden-Württemberg gibt es nur noch in Tübingen und Konstanz entsprechende Einrichtungen. Das für die Oberstufe benötigte neue Gebäude wird die Gemeinde errichten, begonnen wird im neuen Schuljahr 2019/2020 mit einer Übergangslösung. Die Planungen für den Erweiterungsbau laufen bereits, „im kommenden Schuljahr beginnt die erste elfte Klasse an der ASW […] in den nächsten Jahren werden etwa 20 neue Gymnasiallehrer eingestellt.“[17]

Die Alemannenschule kam 2019 unter die 15 Finalisten um den Deutschen Schulpreis.[18] Am 5. Juni 2019 wurde die Schule mit einem der auf den Hauptpreis folgenden, weiteren fünf gleichrangigen Preisen ausgezeichnet, die mit je 25.000 Euro Preisgeld dotiert sind.[19]

Mediothek

 
Die Mediothek im Ortskern von Wutöschingen

Vorläufer der Mediothek war die Bücherei, die im April 1982 im Rathauskeller eröffnet wurde und sich „von Jahr zu Jahr […] zu einem wahren Publikumsrenner, was die sich ständig steigernden Besucherzahlen unter Beweis stellten, (entwickelte).“[20] Einmalig im Landkreis war auch die Erweiterung zu einer Videothek (1989). Kurzerhand zugegriffen hatte die Gemeinde dann 2011, als im Ortskern ein Lebensmittelmarkt schloss – mit dem Plan, die Bücherei nach 30 Jahren als „Mediothek“ zusammen mit einem privat betriebenen Café aus dem Keller heraus ans Licht zu bringen. Der Bestand umfasst 12.000 Bücher und AV-Medien. Beliebt ist die Mediothek als Forum zahlreicher ‚Vorlesestunden‘ bekannter Buchautoren, mit vielfältigen Veranstaltungen für Kinder und Ausstellungen einheimischer Künstler.

Kulturring Wutöschingen
Der Kulturring mit Mitgliedern aus allen Ortsteilen feiert 2019 sein 30-jähriges Bestehen. Eine Festveranstaltung findet am 29. Juni 2019 statt. „Der Kulturring setzt sich aus ehrenamtlichen Mitarbeitern zusammen, die jährlich ein Programm für kulturelle Veranstaltungen in der Klosterschüer Ofteringen erstellen. […] Das breit gefächerte Programm umfasst Kabarett, Musik von a capella bis Party, Opern-Air Konzert, Ausstellungen sowie Aufführungen für Kinder.“[21]

Medien
Als Lokalzeitung berichtet die Einzeitungskreis Südkurier und ihr Ableger Alb-Bote über den Ort. Dazu erscheint aus dem gleichen Medienhaus wöchentlich der "Anzeiger Hochrhein" als kostenloses Anzeigenblatt. Im Internet finden sich Informationen über die Gemeinde in der unabhängigen Online-Zeitung hierzuland.Info.

Der „Südwestfunk“ drehte über Wutöschingen einen Beitrag der der Reihe Landleben 4.0, zu dem Regisseur Loebbert sagte: „Hier gibt es Macher, die tun etwas, die lassen sich nicht durch die Mühlen des Bürokratismus entmutigen, sondern haben ein Ziel vor Augen, nach dem sie Wege suchen, es zu realisieren.“[22] Der Beitrag wurde 2018 gesendet.

Vereine und AktivitätenBearbeiten

  • Turnverein Wutöschingen mit 459 Mitgliedern 2019 (71 neue Anmeldungen im Vorjahr).
  • Judo-Zentrum Wutöschingen mit 14 Meisterschaften 2018.
  • Musikverein Horheim (gegr. 1869)
 
Mountainbike-Anlage für die Jugend

In der Ortschaft Wutöschingen befindet sich der Sportplatz der SpVgg Wutöschingen 1920 e. V., in Horheim der Platz des VfR Horheim-Schwerzen. Die Vereine pflegen Sportarten von Boule über Judo und Schach bis Tennis. Für jugendliche Mountainbiker gibt es die Berg- und Talanlage Dirtplatz.

Nordöstlich von Schwerzen liegt das Segelfluggelände Bohlhof.

WirtschaftBearbeiten

Industrie
Neben Gewerbebetrieben verschiedener Sparten ist die Ortschaft Wutöschingen seit über einem Jahrhundert Heimat der Aluminium-Werke Wutöschingen (AWW) und dadurch Ursprung der heutigen Konzentration weiterer Firmen der Aluminiumbranche. Nach wie vor ist die AWW mit 600 Mitarbeitern größter Arbeitgeber der Gemeinde. Die AWW zählt damit auch zu den fünf größten Arbeitgebern im Landkreis Waldshut. Der Jahresumsatz liegt bei ca. 180 Mio. Euro.[23] Im Februar 2019 genehmigte der Gemeinderat der AWW den Abriß und der alten den Wiederaufbau einer erweiterten Produktionshalle zur Aufstellung der neuen Presse 8. „In mehreren Baustufen will sich die AWW bis zum Jahr 2025 erneuern.“[24]

Im Gewerbegebiet Horheim erstellte die Firma Stobag-Alufinish (STOBAG AG) zum November 2018 eine zentrale, 8000 Quadratmeter umfassende Logistik- und Lagerhalle. Im neuen Gewerbegebiet reservierte die Wutöschinger Firma direkt anschließende 16.000 Quadratmeter. Damit soll die komplette Firmenanlage zentralisiert werden. Stobag-Alufinish beschäftigt 200 festangestellte Mitarbeiter und will in der Standort-Gemeinde „den Wohnungsbau für günstige Mietwohnungen fördern.“[25]

Die Aluminiumbranche ist die „prägende industrielle Kraft der Gemeinde.“[26]

Geldverkehr
Wutöschingen ist Hauptsitz der Volksbank Klettgau-Wutöschingen eG.

Die Bank baut 2019 eine Stiftung „Aus der Region. Für die Region zur Förderung regionaler Projekte“ auf. Nach Erhalt der Stiftungsurkunde des Regierungspräsidiums Freiburg Ende Dezember 2018 nahm die Stiftung „mit einem Startkapital von 250.000 € als Grundstockvermögen und weiteren 50.000 € für das Verbrauchsvermögen die Tätigkeit auf.“ In den nächsten Jahren soll das Stiftungskapital mit ‚Zustiftern‘ auf eine Million Euro aufgestockt werden.

Zweck der Stiftung ist „die Förderung von Bildung und Erziehung, Kunst, Kultur, Sport sowie die Unterstützung hilfsbedürftiger Mitglieder der Volksbank Klettgau-Wutöschingen, die Förderung der Jugend- und Altenhilfe sowie von Wissenschaft und Forschung.“[27]

Es besteht eine Filiale der Sparkasse Hochrhein.

Verkehrsinfrastruktur
Durch das Gemeindegebiet führt die Bundesstraße 314, die den Verkehr unter Umgehung des Schweizer Kanton Schaffhausen zur Autobahn A 81 in Richtung Stuttgart und München lenkt. Der ehemalige Verlauf der B 314 mitten durch mehrere Ortschaften wurde mittlerweile in Ortsumgehungen verlagert.

 
Neuer Bahnsteig an der Verkehrsachse B 314

Die parallel zur Straße (und der Wutach) führende Eisenbahnlinie wurde in der Nachkriegszeit stillgelegt bzw. war seit 1973 Zubringer zur touristisch attraktiven Wutachtalbahn von Weizen nach Blumberg.

Ab September 2018 wurde von den Bahnbetrieben Blumberg, in Pacht von der Deutschen Bahn Betreiberin der Teilstrecke der Wutachtalbahn, vom Bahnhof Lauchringen bis Weizen mit Unterstützung der anliegenden Gemeinden ein mehrmals täglich erfolgender ‚Schülerverkehr‘ eingerichtet. Wutöschingen baute einen neuen Bahnsteig.

 
Die katholische Kirche in Wutöschingen

KirchengemeindenBearbeiten

Da Wutöschingen über Jahrhunderte zur Pfarrei Schwerzen gehörte und erst 1937 von ihr getrennt wurde, besaß der Ort keine eigene Kirche, sondern nur eine 1591 gebaute und der Maria Magdalena geweihte Kapelle, die bis 1945 den Versammlungen diente. Sie wurde 1991 abgerissen. Die Glocke der Kapelle steht vor der neuen Kirche.

1954 bis 1959 wurde die neue katholischen Kirche gebaut. Seit 2015 bildet die katholische Gemeinde mit der katholischen Gemeinde Klettgau eine gemeinsame Seelsorgeeinheit. Pfarrer ist Thomas Mitzkus. Am 13. August 2015 wurde in Degernau das 300jährige Jubiläum der Kirchweihe der Kirche Maria Himmelfahrt gefeiert.

Die 1956 in Wutöschingen gegründete evangelische Kirchengemeinde (heute Kirchengemeinde Wutachtal zusammen mit der evangelischen Gemeinde in Stühlingen) unterhält im Ortsteil Wutöschingen die Friedenskirche, die 1957 eingeweiht wurde. 1980 wurde sie grundlegend renoviert. Pfarrer seit dem 1. Juli 2015 ist David Brunner.

Touristisches ProfilBearbeiten

Die Wutöschingen-Orte sind nicht auf Tourismus ausgerichtet, doch ihre Lage ist für verschiedene touristische Aktivitäten günstig – im Nahbereich liegen ringsum unerschlossene Waldgebiete und Wege entlang des Flusslaufes; im näheren Umfeld gegen Norden die Wutachschlucht, die Museumstrecke der Sauschwänzlebahn (einer ehemals strategischen Umgehungsbahn) und auf Schweizer Seite in Schleitheim (der ehemaligen Römerstadt Juliomago) ein Thermenmuseum. Links der Wutach das alte Städtchen Stühlingen mit dem Schloss Hohenlupfen, einer der Ausgangspunkte des Bauernkrieges.

Im Süden und östlich liegt die deutsch-schweizerische Landschaft Klettgau mit der Küssaburg – zur Nordschweiz hin begrenzt vom Hochrhein –, östlich liegt der Rheinfall bei Schaffhausen und westlich über Lauchringen ist Waldshut-Tiengen mit verkehrsberuhigter Altstadt zu erreichen.

Sehenswürdigkeiten in den Ortschaften

 
Die Trotte war bis 1910 in Betrieb
  • In der Hauptstraße Wutöschingens befindet sich die ehemalige Trotte aus dem Jahre 1566. Das als Vereinshaus genutzte Gebäude erhielt 2019 eine Außenrenovation.
  • Auch Horheim gehörte wie Wutöschingen jahrhundertelang zur Pfarrei Schwerzen und besaß somit keine Kirche. Hier steht die 1695 geweihte Antoniuskapelle. Jedes Jahr am 17. Januar wird zum Fest des heiligen Antonius ein Wallfahrt-Gottesdienst abgehalten. Eine Vorgängerkapelle stand bei den „Höfen“, im ehemaligen Dorf Lütisloh, und war der heiligen Margarethe geweiht. Sie wurde abgetragen. Des Weiteren gibt es noch die 1805 vom Förster Johann Baptist Vogelsang erbaute kleine Dorneckkapelle. Sie wurde 1988 vollständig restauriert.
 
Klassizistische Kanzel mit Reliefs von Johann Friedrich Vollmar, Kirche Schwerzen
  • Ein uralter Siedlungsplatz befindet sich bei Schwerzen auf dem unmittelbar am Dorf gelegenen Semberg: „Es wird angenommen, daß sich dort eine Ringburg befunden haben muß, die auch als Zufluchtsstätte für die Talbewohner […] gedient haben mag.“[28] So wie weitere Höhenburgen in der Region könnte sie auf die Kelten oder schon deren Vorgänger zurück gehen. Heute führt von der Kapelle am Fuß des Berges ausgehend ein Kreuzweg auf die Anhöhe. In der 2002 eingerichteten Kapelle befindet sich das Alabasterwappen derer von Beck, das vom Antipendium der ehemaligen Schlosskapelle übernommen wurde.
 
Das Willmendinger Schloss
  • Das Schloss Willmendingen, im alten Nebenort von Schwerzen, wurde 1609 erbaut durch Johann Jakob von Beck, Landvogt im Klettgau, Kaiserlicher Notar und Landschreiber von Vaduz. Franz Xaver von Beck verkaufte das Schloss 1801 oder 1803 an Fürst Josef II. von Schwarzenberg, die Fürsten von Schwarzenberg wiederum 1812 an Baden. 1923 erwarb es die Gemeinde. Heute ist es Privatbesitz, es wurden moderne Wohnungen eingerichtet.
  • In Degernau befindet sich auf einer Anhöhe die Maria-Himmelfahrtskirche. Jedoch vermutet man zwei Vorgängerbauten. Die Pfarrei selbst gehört mit zu den ältesten im Wutachtal. In der Kirche befindet sich eine Wallfahrtsmadonna und eine der ältesten Glocken der Region. Sie wurde im Jahre 1300 in Schaffhausen gegossen. Am 13. August 2015 wurde das 300-jährige Jubiläum der Weihe gefeiert.
  • Große historische Bedeutung besitzen der Menhir und vor allem der Dolmen (vermutete Grabstelle) an der Straße von Degernau in den Klettgau. Der Dolmen macht eine Zuordnung zur Megalithkultur möglich. Über die Funktion der kreisrunden Öffnung gibt es verschiedenen Hypothesen  – die Sache mit dem „Seelenloch“ gilt als eine eher romantische Interpretation.
  • Im Ortsteil Ofteringen befindet sich das Kloster Marienburg, das erst im 19. Jhdt. in dem ehemaligen Schloss von Ofteringen eingerichtet wurde. Es wird auch heute noch von den Benediktinerinnen geführt. Im Kloster werden Naturheilmittel und Spezereien hergestellt. Unterstützt wird das Kloster durch den Freundeskreis Kloster Marienburg.

Geschichte (Überblick)Bearbeiten

Die 1975 neu gebildete Gemeinde Wutöschingen ist eine moderne Verwaltungseinheit und somit erst Resultat der historischen Entwicklung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Mit der Gemeindereform wurde Horst Albicker Bürgermeister (1975–1999), seit 1999 ist Georg Eble Bürgermeister.

Die Ortschaft wird im lokalen Dialekt „Öschinge“ genannt. Öschingen war auch schon der Name des Dorfes in der Neuzeit von 1600 bis 1825.[29]

Diese einheitliche Geschichte war in den Jahrhunderten zuvor nur in einem weiten Rahmen gegeben, etwa in der Zugehörigkeit der Dörfer zur Landgrafschaft Stühlingen. Damals hatten die Dörfer jedoch noch eine Vielzahl ‚niederer Herrschaften‘ und damit über Grundbesitz Zugehörigkeiten zu verschiedenen Adelsfamilien und Klöstern.

Einzigartig ist jedoch ein schon im 13. Jahrhundert bestehender Zusammenschluss zur Herrschaft Wutental, die aus dem ehemaligen Hauptort der Gegend, Horheim, und den Dörfern Schwerzen, Willmendingen, Lüttisloh (heutige „Höfe“ bei Horheim), Wutöschingen und Ofteringen vom Adelsgeschlecht der Krenkinger verbunden wurden. Die Ausnahme gegenüber der heutigen Gemeinde bildete Degernau, das früher eine relativ unabhängige Stellung erhalten konnte.

 
Menhir von Degernau

Wutental wechselte zwar häufig den ‚hohen‘ Besitzer, blieb aber als Einheit bis 1806, der Auflösung der kleineren Fürstenherrschaften in das Großherzogtum Baden, im ‚kommunalen Zusammenhang‘ bestehen.

Alte Geschichte
Aus der Urgeschichte ragt das Ensemble des Menhir von Degernau mit dem zugehörigen Steingrab (Dolmen) auch als regionale Besonderheit heraus. Erst allmählich wird bekannt, dass es sich um eine ganze ‚(Bau-)Reihe‘ dieser Monumente aus der Megalithkultur entlang des Hochrheins handelt.

 
Semberg aus Richtung Schloßbückle

Fast ebenso bedeutsam in der Region ist die keltische Höhenburg auf dem Semberg bei Schwerzen, da hier noch Wallstrukturen festgestellt werden können. In der Nähe liegt auch das Schloßbückle, dessen Zugehörigkeit schwer feststellbar ist – eine ungewöhnliche Annahme ist, dass es sich um eine römische befestigte Anlage gehandelt haben könnte, die der Beobachtung des keltischen Sembergs galt.

RömerBearbeiten

 
Karte mit der Römischen Heerstraße in der Region

15 v. Chr. hatten zwei Armeen während den Alpenfeldzügen unter Augustus die Territorien auch der Nordschweiz besetzt und dabei überquerte die XIX. (19.) römische Legion bei Bad Zurzach/Rheinheim noch den Hochrhein. Eingerichtet wurde ein festes Lager bei Dangstetten und die die in der Region siedelnden Kelten unterworfen – die Zerstörung des Oppidum bei Altenburg/Rheinau in der Rheinschleife zeugt davon. Die Römer besetzten vermutlich den heutigen Klettgau bis zur Wutach als Grenzlinie nach Norden. Politische Ereignisse im Imperium und auch die Niederlage im Teutoburger Wald 9. n. Chr. verzögerten danach eine weitere Expansion und erst im Schwarzwaldfeldzug 72/73 n. Chr. schob Rom die Grenze weiter bis letztlich zur Limes-Linie. In der Nähe bei Stühlingen/Schleitheim entstand die Römerstadt Juliomagus (Thermenmuseum).

Im mittleren Wutachtal gibt es kaum datierbare Funde bis auf eine Bronzetafel in der Wutach, die eine eigenständige, auch kuriose Geschichte aufweist:

Nach dem Bericht einer regionalen NS-Parteizeitung 1937[30] waren im Jahr zuvor von Schulkindern in einer Autowerkstatt der Ortschaft Metallblättchen gefunden worden, die sie ihrem Lehrer brachten. Weitere Teile davon waren schon in einen Automotor eingeschweißt worden, doch nach einer kuriosen Such- und Wiederentdeckungsgeschichte ließ sich das Bruchstück einer Bronzetafel weitgehend rekonstruieren:

„Es könnte sich um eine Weihinschrift für Angehörige der 7., 11. und 14. Legion handeln. Die 7. Legion war in Vindonissa (Windisch) bei Brugg/CH stationiert, ihr unterstanden auch Truppen in der Gegend von Arae Flaviae (Rottweil). […] Die Entstehung der Tafel kann dadurch in die Zeit von 70–100 n. Chr. datiert werden.“[31]

Der Archäologe Jürgen Trumm wertet „den Fundort mitten im Wutachtal nicht als Zufall […], da dieses Nordost-Südwest verlaufende Tal den natürlichen Verbindungsweg an die obere Donau darstellt. Der strategischen Bedeutung des Wutachtals wurde bereits in augusteischer Zeit mit dem Bau des Legionslagers in Dangstetten Rechnung getragen.“[32]

Der Heimatforscher Horst Merkel vermerkt auch römische Münzfunde im Umfeld und auch von Keramikteilen im Gewann Storchengarten in Wutöschingen.

Mittelalter und Neuzeit
Nach der Auflösung des Römischen Reiches, mehrfachen germanischen Angriffswellen und dem Rückzug von der Hochrhein-Linie im 5. Jahrhundert n. Chr., besiedelten nunmehr die Alamannen das Land. Damals entstanden die Dörfer mit der Endung ‚-ingen‘, unter den Franken später auch die -heim-Orte; andere Namen und Endungen können auch auf keltische Siedlungen zurückgehen (Schwerzen und Degernau).

Es folgten die Reiche der Merowinger und Karolinger und um 800 wurde durch Karl dem Großen die Gau-Einteilung eingeführt: Da die Wutach zur Grenze zwischen Klettgau und Alpgau wurde, sind Zugehörigkeiten hier schwer festzustellen, da schon ältere Besitzverhältnisse die Herrschaften in den Dörfern definierten.

Herrschaft Wutental
Da die im 12. und 13. Jahrhundert noch vorwiegend lokalen Herrscher (Adelsfamilien) ihre Territorien noch möglichst einheitlich zusammenfassten, wurden die (heutigen) Orte Schwerzen, Willmendingen, Horheim, Lüttisloh (heutige „Höfe“ bei Horheim), Wutöschingen und Ofteringen vom Adelsgeschlecht der Krenkinger zur „Herrschaft Wutental“ verbunden.[Anm 2] Die Krenkinger hielten Wutental bis 1361 in ihrem Besitz. Nach dem Niedergang dieses Adelsgeschlechts wechselte die Herrschaft mehrmals für kürzere Zeit unter verschiedenen Adelsfamilien.

Im 15. Jahrhundert formierten sich größere Machtbereiche, in der Region spielte die sich im Gebiet der heutigen Schweiz bildende Eidgenossenschaft eine einflussreiche Rolle.

 
Belagerung der Küssaburg durch die Bauern. Filmszene des ehemaligen Lokalsenders TV Eichberg

Langsam war das Mittelalter, die Zeit der noch vorwiegend lokalen Beziehungen und Auseinandersetzungen vorbei, schon die Karolinger beherrschten zeitweise bereits den mitteleuropäischen Raum und den politischen (Herrschafts-)Strukturen gemäß hatten sich weite wirtschaftliche Zusammenhänge gebildet und vor allem die Waffentechnik entwickelte sich, sodass zentrale Landschaften (und das Hochrhein-Gebiet zählte dazu) jahrhundertelang mit Kriegen überzogen waren.

Besonders verheerend wirkte die Niederlage der Bauern 1524/25 und der Dreißigjährige Krieg, ganze Landschaften teilten oft ein gemeinsames grausames Schicksal.

Erst mit Bildung der großen Nationalstaaten – nach der Neuordnung durch Napoleon mit der Gründung des Großherzogtums Baden, – waren nun die ‚Heereszüge‘ mit ihren Plünderungen, Brandschatzungen und Schändungen vorbei, d. h., die modernen Formen der Kriege mit ihren Frontbildungen verschonten nun zumindest im südbadischen Raum die Dörfer vor völliger Zerstörung, Massakern und oft jahrelangem Terror durch überwinternde Heere oder Besatzungstruppen.

1945, beim Einmarsch der französischen Armee, kam es auch am Hochrhein noch zu vielfachen Plünderungen und Gewalttaten.

Seit der Nachkriegszeit ist nun eine relative ungestörte Entwicklung festzustellen.

 
Der katholische Kindergarten, benannt nach Pater Stanislaus

Persönlichkeiten der GemeindeBearbeiten

  • Johann Jakob von Beck (1566–1629), Freiherr von Willmendingen, Landvogt im Klettgau.
  • Michael Saurbeck, genannt Pater Stanislaus (* 1595; † 5. Oktober 1647 in Feldkirch), beigesetzt in der Gruft des Kapuzinerklosters Feldkirch, Mitbegründer der Stella Matutina, Klostergründer und Kapuziner, rettete im Dreißigjährigen Krieg 1634 durch Ermutigung zu erfolgreichem Widerstand Überlingen und 1647 durch Verhandlung und Tributzahlung Feldkirch vor der Zerstörung durch die Schweden. Der katholische Kindergarten in Wutöschingen ist nach ihm benannt.
  • Junker Karl von Ofteringen (* um 1620; † 9. Februar 1678 in Ofteringen), letzter Nachkomme der Herren von Ofteringen, Hauptmann der Landgrafschaft Stühlingen.
  • Sabina Schneider (* 1. November 1831 in Sinzheim; † Dezember 1891 in Ofteringen), Ordensschwester und Gründerin des Ofteringer Marienklosters.
  • Fritz Burr (* vor 1900; † 1949 in Degernau), Ingenieur, Begründer (1902) der Aluminium-Werke Wutöschingen (AWW).
  • Georg Giulini (* 31. Dezember 1858 in Mannheim; † 24. Februar 1954 in Como), Chemiker und Unternehmer, Partner von Fritz Burr.
  • Wigand von Salmuth (* 22. Januar 1931 in Leipzig; † 10. Dezember 2006 in Heidelberg), Unternehmer, Seniorchef der AWW.
  • Karl Albiker (* 1878 in Ühlingen; † 1961), Bildhauer, Professor an der Kunstakademie in Dresden. Bedeutendstes Werk ist das Zeppelindenkmal am Konstanzer Hafen. Ehrentafel an der Apotheke in Ühlingen.[33]
  • Emil Kiesel (1910–1990), geboren in Schwerzen, katholischer Pfarrer.

AnmerkungenBearbeiten

  1. „50% der Hausärzte im Landkreis Waldshut sind über 60 Jahre alt. […] Zwei Wutöschinger Hausärzte hatten sich 2014 in den Ruhestand verabschiedet.“ Eine lange, kostenintensive deutschlandweite Suche hatte keine Ergebnisse gebracht. Erst der angebotene Einbezug in die Planung zu einem Ärztehaus führte unter den interessierten Medizinern zu einer Bewerberin. Bürgermeister Eble: „Für uns ist Frau Doktor Schuh wie ein Sechser im Lotto.“ (Sandra Holzwarth: Gemeinden bauen an der medizinischen Zukunft, Alb-Bote, 10. November 2018.)
  2. Die Ausnahme gegenüber der heutigen Gemeinde bildete Degernau, das über den Pass nach Erzingen – die uralte Verbindung wird durch einen Menhir als Wegmarke bezeichnet – auch mit den Ortschaften des heutigen Schweizer Klettgau in engerem Kontakt stand und dadurch eine gewisse Unabhängigkeit nach beiden Seiten hin bewahren konnte.

LiteraturBearbeiten

  • Autorenredaktion: Wutöschingen – einst und heute, Das Lesebuch: Degernau, Horheim, Ofteringen, Schwerzen, Wutöschingen. Gemeinde Wutöschingen (Hrsg.), Wutöschingen 2006.
  • Wutöschingen, Degernau, Horheim, Ofteringen, Schwerzen – gestern und vorgestern. Geiger, Horb am Neckar 1986, ISBN 3-924932-73-5.
  • Georg Eble: Wutöschingen, aufstrebendes Kleinzentrum im Wutachtal. In: Heimat am Hochrhein. Jahrbuch des Landkreises Waldshut, Verlag des Südkurier, Konstanz 1990, ISBN 3-87799-094-0.
  • Franz Xaver Kraus: Kunstdenkmäler des Kreises Waldshut. (Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden. 3). Freiburg, 1892.
  • Hans Ruppaner: Pfarrei St. Johannes d. T. Schwerzen. 1992.
  • Eduard Schuster: Die Burgen und Schlösser Badens. 1908.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Wutöschingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Georg Eble: Wutöschingen, aufstrebendes Kleinzentrum im Wutachtal. In: Heimat am Hochrhein. Jahrbuch des Landkreises Waldshut, Verlag des Südkurier, Konstanz 1990, ISBN 3-87799-094-0, S. 30 f.
  3. Sandra Holzwarth: Gemeinden bauen an der medizinischen Zukunft, Alb-Bote, 10. November 2018.
  4. Sandra Holzwarth: Lange Warteliste für Seniorenzentrum, 15. Oktober 2018.
  5. Sandra Holzwarth: Seit 25 Jahren Blick auf das Wetter, Südkurier, 3. Mai 2019.
  6. Vorläufiges Ergebnis der Gemeinderatswahlen 2019 beim Statistischen Landesamt
  7. Sandra Holzwarth: Großes Stühlerücken in Wutöschingen, Südkurier, 31. Juli 2019.
  8. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg. Band 3: Regierungsbezirk Freiburg. 1989, ISBN 3-8062-0803-4, S. 127.
  9. Einwohnerzahlen. In: Amtsblatt der Gemeinde Wutöschingen, 32/2015. (PDF; 686 kB). 6. August 2015, S. 6.
  10. Peter Fratton: Statt schulgerechte Kinder eine kindgerechte Schule: Das Lerndorf Wutöschingen in: Johannes Zylka (Hrsg.): Schule auf dem Weg zur personalisierten Lernumgebung, Verlagsgruppe Beltz, Weinheim Basel 2017, S. 25. f.
  11. Heidrun Glaser: Rekordinvestitionen für Wutöschingen, Südkurier, 25. Januar 2018.
  12. Sandra Holzwarth: Auf Ausgaben sollen Gewinne folgen, Südkurier, 10. Oktober 2018.
  13. Sandra Holzwarth: Häuslebauer zahlen mehr, Südkurier, 5. April 2019.
  14. Südkurier, 8. April und 2. Mai 2019.
  15. Gerald Edinger: Erster Spatenstich im zweiten Abschnitt, Südkurier, 15. November 2018.
  16. Gerd Scheuble: Betreutes Wohnen: Selbstbestimmung statt Bevormundung. In: Alb-Bote. 28. Oktober 1994.
  17. Rektor Stefan Ruppaner in: Raffael Herrmann: Planungen für Neubau laufen schon, Südkurier, 13. Oktober 2018.
  18. Südkurier, 12. Januar und 16. März 2019.
  19. Pressemeldung: Deutscher Schulpreis 2019 für Gebrüder-Grimm-Schule in Hamm, deutscher-schulpreis.de, erschienen und abgerufen am 5. Juni 2019.
  20. Eble: Wutöschingen. S. 34.
  21. Yvonne Würth: Team in Geburtstagslaune, Südkurier, 7. Mai 2019.
  22. Heidrun Glaser: Wutöschingen ist filmreif, Südkurier, 9. November 2017.
  23. Offizielle Webpräsenz der Aluminium-Werke Wutöschingen
  24. Peter Rosa: Gemeinderat gibt grünes Licht, Südkurier, 21. Februar 2019.
  25. Heidrun Glaser: Mit neuer Logistikhalle in die Zukunft, Südkurier, 10. November 2018.
  26. Horst Häusler: Die Aluminiumindustrie – prägende industrielle Kraft der Gemeinde Wutöschingen. In: Autorenredaktion: Wutöschingen – Das Lesebuch. Hrsg.: Ortsverwaltung Wutöschingen, 2006.
  27. Gerald Edinger: Volksbank gründet Stiftung, Südkurier, 28. Dezember 2018.
  28. uy (Kürzel des Autors): Stand auf dem Semberg eine Burg? In: Südkurier. 27. August 1988.
  29. Hans Ruppaner: Die Herrschaft Wutental in: Autorenredaktion: Wutöschingen – Das Lesebuch. Hrsg.: Ortsverwaltung Wutöschingen, 2006, S. 37.
  30. Der Maurer-Willi fand eine römische Bronzetafel. In: Hakenkreuzbanner. 26. September 1937.
  31. H. Merkel: Ur- und Frühgeschichte. In: Wutöschingen. S. 32.
  32. Jürgen Trumm: Die römerzeitliche Besiedlung am östlichen Hochrhein. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1643-6, S. 392.
  33. Hans Ruppaner: Das Gasthaus zum Adler in Schwerzen. In: Wutöschingen – Das Lesebuch. S. 263.