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Grafenhausen

Gemeinde im Landkreis Waldshut, Baden-Württemberg, Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Grafenhausen
Grafenhausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Grafenhausen hervorgehoben
Koordinaten: 47° 46′ N, 8° 16′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Waldshut
Höhe: 868 m ü. NHN
Fläche: 48,55 km2
Einwohner: 2254 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 46 Einwohner je km2
Postleitzahl: 79865
Vorwahl: 07748
Kfz-Kennzeichen: WT
Gemeindeschlüssel: 08 3 37 039
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
79865 Grafenhausen
Website: www.grafenhausen.de
Bürgermeister: Christian Behringer
Lage der Gemeinde Grafenhausen im Landkreis Waldshut
AareLandkreis Breisgau-HochschwarzwaldLandkreis LörrachLandkreis KonstanzLandkreis TuttlingenSchwarzwald-Baar-KreisAlbbruckBad SäckingenBernau im SchwarzwaldBonndorf im SchwarzwaldDachsberg (Südschwarzwald)DettighofenDogernEggingenGörwihlGrafenhausenHäusernHerrischriedHöchenschwandHohentengen am HochrheinIbach (Schwarzwald)JestettenKlettgau (Gemeinde)KüssabergLauchringenLaufenburg (Baden)LottstettenMurg (Hochrhein)Rickenbach (Hotzenwald)St. BlasienStühlingenTodtmoosÜhlingen-BirkendorfWaldshut-TiengenWehr (Baden)Weilheim (Baden)Wutach (Gemeinde)WutöschingenSchweizRheinKarte
Über dieses Bild

Grafenhausen ist eine Gemeinde im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg und staatlich anerkannter Luftkurort.

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Grafenhausen liegt auf einem Hochplateau des südlichen Hochschwarzwald südöstlich des Schluchsees zwischen 800 und 1100 Meter Höhe. Etwa 62 Prozent des Gemeindegebietes sind bewaldet.

NachbargemeindenBearbeiten

Grafenhausen grenzt im Norden und Westen an die Gemeinde Schluchsee im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, im Osten an die Stadt Bonndorf im Schwarzwald, im Süden an Ühlingen-Birkendorf und im Westen an die Gemeinde Häusern.

GemeindegliederungBearbeiten

Zur Gemeinde Grafenhausen in den Grenzen von vor der Gemeindereform der 1970er Jahre gehörten die Dörfer Grafenhausen, mit den Ortsteilen Geroldshofstetten und Rippoldsried, den Weilern Amertsfeld, Balzhausen, Dürrenbühl, Ebersbach, Rötenberg und Schaffhauser Säge, die Zinken Brünlisbach, Rothaus mit dem Hüsli und Signau, die Höfe Schlüchtseehof vorm. Bleiche und Tannenmühle und die Häuser Holzhäusle und Schlüchtmühle. Zur ehemaligen Gemeinde Mettenberg gehörten die Ortsteile Mettenberg, Buggenried und Seewangen und die Häuser Kaßlet. Zur ehemaligen Gemeinde Staufen gehörten die Ortsteile Staufen, der Weiler Bulgenbach und die Häuser Heidenmühle und Klausenmühle.

In der damaligen Gemeinde Grafenhausen lagen die Wüstungen Glashütte, Hettistal, Lanzenfurt, Lantzenhoven und Scheuerhof. Im Gebiet der Gemeinde Staufen lag die Wüstung Bürgle.[2]

GeschichteBearbeiten

Die Siedlung Grafenhausen wurde im Jahre 1078 von den Grafen von Nellenburg gegründet. Um 1082 wurde vom Kloster Allerheiligen in Schaffhausen eine Klosterzelle in Grafenhausen errichtet. 1285 gelangte der Ort in den Besitz des Klosters und erhielt das Stadtrecht. Da Grafenhausen Gerichtssitz war, wurde das Haus des rechtsprechenden Grafen vermutlich zum Namensgeber des Ortes, der so erstmals 1095 bezeichnet wurde. An die Vergangenheit als Gerichtsplatz erinnert noch heute die Justitia im Wappen der Gemeinde.[3]

Nach der Reformation gelangte Grafenhausen in den Besitz der Stadt Schaffhausen. Durch einen Landtausch gegen die Ortschaften Schleitheim und Beggingen kam das Dorf 1530 zusammen mit Birkendorf an die Landgrafschaft Stühlingen.[4] Beim Landtausch blieben etwa 360 Hektar Wald auf Grafenhausener Gemarkung im Besitz von Schaffhausen. So ist es bis heute; der Wald wird durch einen vom Kanton Schaffhausen besoldeten Förster bewirtschaftet.

Nach weiteren Besitzerwechseln ging Grafenhausen im Jahre 1609 an die Reichsherrschaft Bonndorf des Klosters St. Blasien und mit ihr im Zuge der Säkularisation an die Herrschaft Heitersheim, die vom Großpriorats des Malteserordens regiert wurde.

 
Blick auf Grafenhausen

Im Jahr 1791 gründete Martin Gerbert, der Fürstabt von St. Blasien, die Brauerei in Rothaus. 1806 kam Grafenhausen nach einjähriger Zugehörigkeit zum Königreich Württemberg über die Rheinbundakte zum neu geschaffenen Großherzogtum Baden.[3] 1934 wurden die bis dahin selbständigen Orte Geroldshofstetten, Rippoldsried und Rötenberg eingemeindet, im Rahmen der baden-württembergischen Gebietsreform wurden zudem am 1. Mai 1972 Mettenberg und am 1. April 1974 Staufen eingemeindet.[5]

PolitikBearbeiten

VerwaltungsverbandBearbeiten

Grafenhausen gehört dem Gemeindeverwaltungsverband „Oberes Schlüchttal“ mit Sitz in Ühlingen-Birkendorf an.

Seit 2010 ist Christian Behringer Bürgermeister des Ortes. Mit 52,7 Prozent der Stimmen wurde er zum Nachfolger des scheidenden Bürgermeisters Erich Kiefer gewählt. Kiefer hatte die Geschicke von Grafenhausen 32 Jahre geleitet.

GemeinderatBearbeiten

In Grafenhausen führte die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 zu folgendem amtlichen Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
50
40
30
20
10
0
49,1 %
38,4 %
12,5 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   2
   0
  -2
  -4
+1,8 %p
-2,2 %p
+0,4 %p
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 49,1 6 47,3 6
FW Freie Wähler Grafenhausen 38,4 5 40,6 5
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 12,5 1 12,1 1
gesamt 100 12 100 12
Wahlbeteiligung 64,8 % 64,1 %

PartnerschaftenBearbeiten

Grafenhausen unterhält seit 1973 partnerschaftliche Beziehungen zu Combrit-Sainte Marine in der Bretagne in Frankreich. Am 21. Mai 2004 wurde zudem eine Freundschaftsurkunde zwischen der Gemeinde Grafenhausen und Dörnthal, einem Ortsteil der Stadt Olbernhau, im Freistaat Sachsen unterzeichnet.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

MuseenBearbeiten

 
Heimatmuseum Hüsli in Grafenhausen

Im Heimatmuseum Hüsli zwischen Grafenhausen und dem Ortsteil Rothaus werden verschiedene Alltagsgegenstände des Lebens im Schwarzwald gezeigt. Hier wurden auch Außenaufnahmen für die Fernsehserie "Schwarzwaldklinik" gedreht.

In der Ortsmitte Grafenhausens wurde der Skulpturenpark eingerichtet, welcher Schauplatz des Künstlersymposiums ist, das in einem Turnus von drei Jahren stattfindet und internationale Beteiligung erfährt.

Im 1987 eingeweihten, ehemaligen Haus des Gastes findet sich seit 2014 ein Mitmachmuseum mit dem Titel Schwarzwaldhaus der Sinne mit Barfußpfad, Blindtour im Dunkelgang und Geschmacksirritationen an einer Dunkelbar.[6] Bereits vor Eröffnung des Museums zog die ehemals im Haus befindliche Tourist-Information nach Rothaus.[7]

In einer Drei-Täler-Ecke im Schlüchttal befindet sich die Tannenmühle mit nachgebauten Mühlenmuseum, Streichelzoo und einer Spielanlage für Kinder.

Am 14. Mai 1763 bestimmte Abt Meinrad Troger persönlich den Bauplatz für den Pfarrhof Grafenhausen, die Pläne stammten wohl von Franz Anton Bagnato, der zuvor zusammen mit dem Polier und Baumeister Ferdinand Weizenegger unter weiteren auch das ähnliche Schloss Bürgeln erbaute hatte. Einheimische Handwerker und Künstler, darunter der Hafnermeister Johann Baptist Nüßle, führten den Bau aus. Nach einem Brand im Jahr 1928 zeigt sich das Gebäude heute wieder renoviert.

ParksBearbeiten

 
Wurzelfigur im Schlühüwanapark

Ebenfalls in direkter Nähe befindet sich der 1,7 Kilometer lange Rundweg des Schlühüwana-Parks (Schlüchtsee-Hüsli-Wald-Naturpark), welcher ausgehend vom Heimatmuseum Hüsli zum Schlüchtsee führt und zahlreiche Wurzelfiguren enthält. Die Figuren wurden aus den umgefallenen Baumstümpfen und herausragenden Wurzeln nach dem Orkan Lothar geschaffen.[8]

NaturdenkmälerBearbeiten

Zu den Naturdenkmälern in Grafenhausen zählen zahlreiche alte Bäume, welche über die komplette Gemarkung Grafenhausen verstreut sind. Darunter befindet sich die Danieltanne, welche ungefähr 400 Jahre alt sein soll und mit fünf Metern Stammumfang als dickste Tanne des Süd-Schwarzwaldes gilt.[9] Sie steht im Naturschutzgebiet Schlüchtsee. Alljährlich gehen die Kinder des Grafenhausener Kindergartens zu dieser Tanne, um sie zu „vermessen“.

SportBearbeiten

 
Haus des Gastes mit Hallenbad

Das Haus des Gastes beherbergt die Schwarzwaldhalle (Mehrzweckhalle für Sport und Veranstaltungen) und das Hallenbad Blubb mit Saunabereich. Das Hallenbad verfügt über einen Hubboden, weshalb es während der Öffnungszeiten unterschiedliche Wassertiefen gibt.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Zu den regelmäßigen Veranstaltungen in Grafenhausen zählt das inzwischen über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Heavy-Xmas-Festival, welches meist eine Woche vor Weihnachten stattfindet. Zu den auftretenden Bands gehörten in der Vergangenheit Korpiklaani, Powerwolf, Haggard, Eluveitie, Knorkator, Die Apokalyptischen Reiter, Emil Bulls, Disillusion, Van Canto, The Ocean und Superbutt.

InfrastrukturBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

Der Fremdenverkehr ist die Haupteinnahmequelle der örtlichen Wirtschaft. Nach eigenen Angaben verbucht die Gemeinde mit ihren 2040 Gästebetten jährlich ungefähr 110.000 Übernachtungen. Größter der 136 Gewerbebetriebe in der Gemeinde ist die Badische Staatsbrauerei Rothaus.[10]

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Die Freiwillige Feuerwehr Grafenhausen sorgt seit ihrer Gründung im Jahr 1869 für den abwehrenden Brandschutz und die allgemeine Hilfe.

BildungBearbeiten

Im Ort befinden sich ein Kindergarten, eine Grundschule und eine Werkrealschule. Weitere Schulen des sekundären Bildungsbereiches finden sich in den umliegenden Orten, wie z. B. in St. Blasien, Wutöschingen, Bonndorf und Waldshut-Tiengen.

VerkehrBearbeiten

Grafenhausen wird durch zwei Buslinien im Verkehrsverbund Waldshut an die Bahnhöfe in Waldshut, Tiengen (Hochrhein) und Seebrugg angeschlossen, von denen aus direkt Freiburg im Breisgau, Basel, Singen (Hohentwiel) und weitere Ziele im Landkreis Waldshut erreichbar sind. Die Linie 7342 verkehrt dabei als Nord-Süd-Verbindung von Seebrugg über Grafenhausen, Ühlingen-Birkendorf und Gurtweil nach Waldshut oder Tiengen, während die Linie 7343 Grafenhausen mit Bonndorf verbindet. Beide Linien verkehren an Schultagen am Vormittag unregelmäßig, am Nachmittag aber stündlich. In den Ferien ist das Angebot etwas ausgedünnter und am Wochenende sowie an Feiertagen fahren nur drei bis vier Busse pro Tag und Richtung.[11]

An das Straßennetz ist Grafenhausen über die L 157 angeschlossen. Diese verläuft ebenfalls in Nord-Süd-Richtung vom Ortsteil Rothaus, wo sie an die L 170 anschließt, die nach Seebrugg zu B 500 führt, über Ühlingen-Birkendorf nach Gurtweil. Von Gurtweil aus kommt man über die L 161 nach Waldshut-Tiengen und B 34 bzw. zur A 98. Über diverse andere Landesstraßen und Kreisstraßen ist Grafenhausen auch an die B 314 und B 27 angeschlossen.

Die nächsten Verkehrsflughäfen befinden sich in Zürich (63 Kilometer), Basel (85 Kilometer), Flughafen Lahr (106 Kilometer), Friedrichshafen (133 Kilometer), Karlsruhe/Baden-Baden (163 Kilometer) und Stuttgart (163 Kilometer).

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Grafenhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2017 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 1004–1007.
  3. a b kath-schluechttal.de: St. Fides, Grafenhausen - Geschichte (Memento vom 1. Oktober 2012 im Internet Archive). Abgerufen am 21. Juli 2012.
  4. Chronik von Grafenhausen. grafenhausen.de, abgerufen am 9. Januar 2016.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 500 und 523.
  6. Wilfried Dieckmann: Grafenhausen: Die Macher im Mitmachmuseum. Badische Zeitung, 27. August 2014, abgerufen am 9. Januar 2016.
  7. Wilfried Dieckmann: Grafenhausen: Schwarzwaldhaus der Sinne. Badische Zeitung, 24. Dezember 2013, abgerufen am 9. Januar 2016.
  8. Naturerlebnis Schlüchtsee-Hüsli. grafenhausen.de, abgerufen am 9. Januar 2016.
  9. wald2011.de: Danieltanne ist die dickste Tanne im Schwarzwald. 28. April 2011, abgerufen am 21. Juli 2012.
  10. Infos zum Ort. grafenhausen.de, abgerufen am 9. Januar 2016.
  11. Waldshuter Tarifverbund. wtv-online.de, abgerufen am 24. März 2016.