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Hans Müller (Bauernführer)

Bauernführer im Deutschen Bauernkrieg 1525
Hans Müller von Bulgenbach nach einem Kupferstich

Hans Müller, genannt von Bulgenbach, (* im 15. Jahrhundert wohl in Bulgenbach; † 12. August 1525 in Laufenburg) war ein Bauernführer im Deutschen Bauernkrieg. Der Chronist Andreas Lettsch beschreibt ihn in seiner Chronik.

Inhaltsverzeichnis

HerkunftBearbeiten

Das genaue Geburtsjahr von Hans Müller ist unbekannt, es ist vermutlich in die Zeit zwischen 1485 und 1495 zu datieren; als Geburtsort gilt Bulgenbach, ein Ortsteil von Grafenhausen unweit des Schluchsees. Das als sein Wohnhaus bezeichnete Gebäude, ein Strohdachhaus aus dem Jahr 1428, ist durch Blitzschlag am 23. August 1911 zerstört worden.[1] Zunächst hatte Müller in kaiserlichen Diensten gestanden und in Frankreich als Landsknecht gekämpft. Als sich in seiner Heimat, der Landgrafschaft Stühlingen, 1524 die Bauern erhoben, wählten sie den kriegserfahrenen und offenbar rhetorisch begabten Müller im Juni zu ihrem Hauptmann.

Beginn des BauernkriegesBearbeiten

Am 23. Juni 1524 kam es zu dem Stühlinger Schwur. Die Bauern bildeten auch im Raum St. Blasien ein Fähnlein, also eine bewaffnete Truppe von 150 bis 500 Mann. Als Banner wählten sie die Farben rot-weiß und die Aufschrift Alt-Österreich. Doch der vorderösterreichische Regent Ferdinand war von seinen Grundherren überzeugt worden, den Aufstand niederzuschlagen. Am 14. Juli 1524 versammelten sich rund 60 Ritter, Grafen und Vögte, um Graf Sigmund von Hohenlupfen beizustehen. Es erfolgten mehrere Tagungen und Abschiede, die jedoch wurden von den Bauern nicht angenommen. Ende Juli zog Hans Müller mit seinem Fähnlein (das etwa 600 Mann umfasste) nach Waldshut. Am 24. August waren auch weitere Bauern in Waldshut anwesend, es war der Tag der Waldshuter Chilbi, als Graf Sigmund von der großen Menschenmenge erfuhr, glaubte er an keine Verhandlungen mehr. Ein letzter Verhandlungstag wurde auf den 7. September in Ewattingen berufen, doch die Bedingungen für einen Friedensabschluss schienen den Aufständischen zu hart (gefordert wurden als letztes noch ein Kniefall und Buße).

Nach dem Anlass zu Ewattingen tat sich Hans Müller mit Oswald Meder zusammen, der im Brigachtal ein neues Fähnlein, den Brigachtaler Haufen zusammenstellte. Doch die Truppen erhielten nur schwachen Zulauf, sodass im darauffolgenden Jahr am 14. Dezember 1525 sich die kleine Truppe einer großen Übermacht der Villinger und Hüfinger Bürger (auf kaiserlicher Seite) im Pfaffental bei Donaueschingen gegenübersah und in die anbrechende Nacht flüchteten. Ferdinand ließ Hans Müller nun vorladen, er kam diesem aber nicht nach, sondern begab sich um Beistand zu Balthasar Hubmaier nach Waldshut. Mit einem Manifest der "evangelischen Bruderschaft" zog nun Hans Müller von Dorf zu Dorf. Ferdinand hatte inzwischen am 4. März 1526 einen Freibrief erwirkt, der Graf von Lupfen setzte auf Ferdinands Befehl seinen ortskundigen Diener Stefan Wierdale auf ihn an.[2] Dennoch liefen die Bauern nun scharenweise Hans Müller zu. Der ganze südliche Schwarzwald mit der Baar, dem Hegau und dem Klettgau, ausgenommen die Städte Villingen und Radolfzell standen auf Seite Hans Müllers. Auch Herzog Ulrich von Württemberg, der auf seine 1521 erworbene Feste Hohentwiel geflüchtet war, trat der "evangelischen Bruderschaft" bei.

Bald war auch das Kloster St. Blasien und die Burg Gutenburg in der Hand der Bauern. Das gesamte nördliche Vorland des Bodensees war in Aufruhr und im Februar und März 1525 bildeten sich drei Heerhaufen, der Seehaufen, der Baltringer Haufen und der Allgäuer Haufen. Müller übernahm das Kommando über rund 12.000 Bauern. Im März erschien der Sturmlauf der Bauern noch erfolgreich, die in den Zwölf Artikeln ein politisches Programm vorlegten. Bereits im April zeigte sich mit der Niederlage bei Laupheim, wie gefährdet die Bewegung war, die sich trotzdem nordwärts nach Württemberg und Franken ausdehnte. Am 23. Mai gelang es Müller mit seinem Haufen, die Stadt Freiburg im Breisgau einzunehmen, wo der Stadtrat genötigt wurde, der „christlichen Vereinigung“ der Bauern beizutreten. Dieser Erfolg täuscht nicht darüber hinweg, dass der Siegeszug sich seinem Ende zuneigte. In diesen Tagen waren die Bauern bei Böblingen in Württemberg, in Königshofen, bei Saverne durch Herzog Anton II. und bei Frankenhausen in Thüringen in der Schlacht bei Frankenhausen entscheidend geschlagen worden. Für die Truppen im südlichen Schwarzwald wurde die Lage zunehmend schwieriger. Müller versuchte mit seinem Haufen, Radolfzell einzunehmen. Er musste die Belagerung am 1. Juli 1525 angesichts schwindender Unterstützung (rund 10.000 Mann gegen eine Reiterschar von 8.000 Mann unter Führung von Mark Sittich von Hohenems) jedoch abbrechen. Rund 24 Dörfer im Hegau wurden anschließend niedergemacht. Erbetene Hilfe zusammen mit Ulrich Albrecht mittels eines Bittbriefs an die Eidgenossen blieb erfolglos.[3]

Hans Müller konnte wieder entkommen und verbarg sich auf dem Hohentwiel. Bei dem Versuch, sich den Klettgauern anzunähern, nahm man ihn in Schaffhausen gefangen, ließ ihn jedoch alsbald wieder frei. In Schopfheim beriet er sich noch mit den Markgräflern und den Breisgauern. Wenig später wurde Müller auf dem Weg in den Klettgau im habsburgischen Laufenburg durch den Vogt Ulrich von Hapsberg gefangen genommen. Nach 40 Tagen Kerker und Folter wurde er am 12. August 1526 von einem Schaffhauser Scharfrichter, um den der Vogt gebeten hatte, hingerichtet.[4]

Die Niederschlagung des Bauernaufstands in Grießen am 4. November 1525 erlebte er nicht mehr. Nach der Niederschlagung aller Aufbegehrungen mussten die Untertanen des Landgrafen am 12. Juli 1525 in Ewattingen die Abbitte leisten und ihrem Herrn huldigen.

SonstigesBearbeiten

  • Hans Müller ist die Hauptperson in Wolfgang Ernst Mildenbergers Erzählung Der Hauptmann vom Walde, die 1954 vom Volksbund für Dichtung gedruckt wurde.
  • Auch der 1993 erschienene Roman „Hans Müller aus Bulgenbach“ von Günter Koppenhöfer zeichnet Müllers Lebensgeschichte in freier Nachdichtung auf.
  • Das Kurzschwert des Volkshelden hat ehemals der Dichter, Sammler und Heimatforscher Ferdinand Hasenfratz angekauft, restauriert und in einer eisenbeschlagenen Truhe auf rotem Tuch umgeben von Schneckenhäuschen (Diese symbolisieren den Anfang des Bauernaufstandes.) aufbewahrt. Es ist heute noch erhalten.[5]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Webseite der Vereinigung hans-mueller-bulgenbach
  2. Richard van de Sandt: Der Südschwarzwald und seine benachbarten Landschaften. Anmerkungen eines Reisenden. S. 114 ff.
  3. Richard van de Sandt: Der Südschwarzwald und seine benachbarten Landschaften. Anmerkungen eines Reisenden. S. 114 ff.
  4. Richard van de Sandt: Der Südschwarzwald und seine benachbarten Landschaften. Anmerkungen eines Reisenden. S. 114 ff.
  5. Webseite der Vereinigung hans-mueller-bulgenbach