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Atze Schröder beim Deutschen Comedypreis 2016, in Köln

Atze Schröder ist die Kunstfigur eines deutschen Comedians, der eine Offenlegung seiner bürgerlichen Identität ablehnt. Die Figur ist insbesondere durch Fernsehshows und die TV-Serie Alles Atze bekannt geworden.

Fiktive BiografieBearbeiten

Der Darsteller hat für seine Figur eine Biografie erfunden, nach der Atze Schröder am 27. September 1965 als Thomas Schröder im Essener Stadtteil Kray geboren worden sei.[1] Während seiner Schulzeit habe Atze Schröder großes Talent als Kunstturnen gezeigt und sei Jugendmeister geworden. Anschließend habe er eine Ausbildung zum Tanzlehrer absolviert, eine Zeitlang Soziologie studiert und sich Mitte der 1990er Jahre der Stand-up-Comedy zugewandt.[2]

AuftritteBearbeiten

 
Atze Schröder bei den Feierlichkeiten zur Flutung des Dortmunder Phoenix-Sees (2010)

Die Figur Atze Schröder entstand 1995 bei Auftritten auf deutschen Kleinkunstbühnen wie im Schmidt-Theater in Hamburg. Anschließend folgte die erste Deutschland-Tournee.

Größere Bekanntheit erlangte die Figur durch Auftritte in der Stand-up-Comedy-Sendung Quatsch Comedy Club (ProSieben) sowie durch die Fernsehsendung Alles Atze (RTL). Im Kinofilm 7 Zwerge – Männer allein im Wald (2004) trat sie als Hofnarr auf.

Der Darsteller moderierte 2000 und von 2002 bis 2007 in der Rolle von Atze Schröder die Verleihung des Deutschen Comedypreises. Seit Mitte Dezember 2008 moderiert der Darsteller alias Atze Schröder jährlich den Comedy Adventskalender auf RTL. Anfang Januar 2010 übernahm er in der Rolle die Gastgeberschaft der Sendung Der Comedy Olymp. 2011 erhielt er für den Auftritt als Atze Schröder den Deutschen Comedypreis in der Kategorie Bestes TV-Soloprogramm für Revolution. Seit September 2019 moderiert er das Comedyformat NightWash.[3]

Seit Februar 2019 betreibt er in seiner Rolle als Atze Schröder gemeinsam mit Till Hoheneder den Podcast Zärtliche Cousinen, mit dem sie auch auf Tour gehen.[4]

KontroversenBearbeiten

Offenlegung der Identität des DarstellersBearbeiten

Der Darsteller von Atze Schröder lehnt eine Offenlegung seiner bürgerlichen Identität ab und war erfolgreich mit Gerichtsverfahren dagegen vorgegangen. So gewann er 2005 die Klage gegen die Boulevardzeitung Bild, die ein Foto ohne Perücke veröffentlicht hatte.[5] Ebenfalls konnte er sich 2006 gegen die nochmalige Nennung seines bürgerlichen Namens im Weser-Kurier wehren.[6][7] Die Klage, die 2007 die Löschung seines Namens aus dem Artikel zu seiner Bühnenfigur in der deutschsprachigen Wikipedia zum Ziel hatte, wurde nach der Streichung der fraglichen Information aus dem Artikel zurückgenommen.[8] Die Kosten des Rechtsstreits musste der Darsteller tragen, da er nicht dargelegt hatte, inwiefern sein Interesse an Anonymität das Interesse der Öffentlichkeit an deren Aufhebung überwiege.[9]

Gerichtliche AuseinandersetzungenBearbeiten

Im Bühnenprogramm Schmerzfrei machte sich der Darsteller als Atze Schröder über den Schauspieler Fritz Wepper und dessen Beziehung mit einer 33 Jahre jüngeren Frau lustig. Wepper fühlte sich beleidigt sowie verunglimpft und klagte vor dem Landgericht München I auf Unterlassung, Schadensersatz (Az.: U 26840/12) sowie Schmerzensgeld (Az.: 9 O 27677/12). In erster Instanz scheiterte Wepper mit einem Antrag auf einstweilige Verfügung; später entschied das Oberlandesgericht München jedoch zugunsten Weppers und verpflichtete den Darsteller von Atze Schröder, bestimmte Aussagen zukünftig zu unterlassen.[10] Die Klage auf Zahlung eines Schadensersatzes wurde abgewiesen.[11]

Des Weiteren soll es am 11. März 2016 in einer Kölner Hotelbar[12] zu einer körperlichen und verbalen Auseinandersetzung zwischen Atze Schröders Darsteller und Niels Ruf gekommen sein.[13][14] Ruf forderte daraufhin Schmerzensgeld; es sei zudem schon einmal zu einem solchen Übergriff auf ihn gekommen.[15] Im Juni 2016 fand die mündliche Verhandlung statt;[16] es wurde ein Annäherungsverbot für den Darsteller ab drei Metern festgelegt.[17]

Eine weitere gerichtliche Kontroverse ergab sich aus der Berichterstattung der Bild zu der Auseinandersetzung mit Ruf, da das Blatt den bürgerlichen Namen des Schröder-Darstellers im März 2016 genannt hatte. Eine Unterlassungsklage wegen Verletzung seines allgemeinen Persönlichkeitsrechtes vor dem Landgericht Berlin scheiterte, im Januar 2018 erging das Urteil in der Hauptsache, nach dem die Boulevard-Zeitung den echten Namen hatte nennen dürfen. Die Bild berichtete unter erneuter Nennung des Namens über das Urteil; der Anwalt des Klägers, Christian Schertz, kündigte den Schritt in die Berufung an.[18]

FilmografieBearbeiten

FernsehenBearbeiten

FilmeBearbeiten

Live-ProgrammeBearbeiten

  • 1998: Nur so geht’s
  • 1999: Lecker
  • 2001: Meisterwerke
  • 2003: Goldene Zeiten
  • 2005: Atze im Wunderland
  • 2006: Kronjuwelen
  • 2007: Mutterschutz
  • 2009: Revolution
  • 2011: Schmerzfrei
  • 2013: Und dann kam Ute (Lesetour)
  • 2014: Richtig Fremdgehen
  • 2016: TURBO

DiskografieBearbeiten

  • als Die The Proll
    • Circuit Break Vol.1
    • Intime Geständnisse
    • The Hardest Tour on Earth
  • als Atze Schröder
    • 2000: Lecker (CD)
    • 2002: Meisterwerke (CD)
    • 2003: Atze Schröders Kaltstart (CD)
    • 2004: Atze Schröder Live – Goldene Zeiten (CD)
    • 2006: Die Live Kronjuwelen (DVD)
    • 2007: Atze im Wunderland (CD)
    • 2009: Mutterschutz (CD/DVD)
    • 2010: 400% Atze (CD-Set)
    • 2011: Revolution (DVD)
    • 2012: Schmerzfrei (DVD)
    • 2015: richtig fremdgehen (DVD)

WerkeBearbeiten

Auszeichnungen des Darstellers als Atze SchröderBearbeiten

  • 2000: Deutscher ComedypreisBester Comedy-Act für Alles Atze
  • 2003: Deutscher Comedypreis – Bester Schauspieler in einer Comedy für Alles Atze
  • 2003: Deutscher FernsehpreisBeste Sitcom für Alles Atze
  • 2005: Deutscher Comedypreis – Beste Comedy-Serie für Alles Atze
  • 2007: Goldene Schallplatte – 1× Platin für Die Live Kronjuwelen
  • 2010: Goldene Schallplatte – 1× Gold für Mutterschutz
  • 2011: Deutscher Comedypreis – Bestes TV-Soloprogramm für Revolution
  • 2012: Gewinner des Berlin-Preises Das große Kleinkunstfestival der Wühlmäuse
  • 2013: 1 Live KroneBeste Comedy
  • 2016: Deutscher Comedypreis – Bestes TV-Soloprogramm für Atze Schröder live! Richtig Fremdgehen (RTL)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. RTL.de: Presseunterlagen zu „alles atze“ unter http://www.rtl-presse.de/PMAllesAtze6.Staffel.doc (verlinkte Seite nicht mehr verfügbar) zur 6. Staffel
  2. Atze Schröder auf Eventbuero.com
  3. News - Neuer Gastgeber bei NightWash TV | NightWash - Comedy Mixshow. Abgerufen am 17. September 2019.
  4. https://zaertlichecousinen.podigee.io/ Homepage des Podcasts
  5. Landgericht Berlin 27 O 26/05; Kammergericht 9 U 71/05
  6. Pressemitteilung 14/2007 des Kammergerichts zum Urteil des Landgerichts Berlin vom 14. März 2007 (Az. 27 O 72/07, Az. 10 U 92/07).
  7. Vollständiger Text der Urteilsbegründung (Memento vom 1. November 2007 im Internet Archive) auf Jurion.de zu vorgenanntem Urteil
  8. Atze Schröder gegen Wikipedia auf heise online, 11. Mai 2007
  9. Atze Schröder verliert Rechtsstreit gegen Wikimedia-Geschäftsführer auf Heise online vom 27. Juni 2007
  10. Ekkehard Müller-Jentsch: Fritz Wepper gegen Schröder: „Verhöhnt und erniedrigt“. In: Süddeutsche Zeitung online. 12. Februar 2013, abgerufen am 15. Januar 2014.
  11. Björn Hengst: Schauspieler Wepper gegen Comedian Schröder: Lass es, Atze. In: Spiegel Online. 5. November 2013, abgerufen am 15. Januar 2014.
  12. www.stern.de: Nach Streit in Hotelbar: Niels Ruf fordert 2000 Euro Schmerzensgeld von Atze Schröder. In: Stern Online. 22. März 2016.
  13. So fies zicken sich Atze Schröder und Niels Ruf öffentlich an. In: Stern.de. 14. März 2016, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  14. Atze Schröder greift Niels Ruf an. In: n-tv.de. 11. März 2016, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  15. Niels Ruf fordert 2000 Euro Schmerzensgeld von Atze Schröder. In: Stern.de. 22. März 2016, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  16. Promi-Prozess vorm Amtsgericht. In: MV online. 9. Juni 2016, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  17. Sven Kuschel, Frank Schneider, Michael Engelbert: Niels Ruf vs. Atze Schröder – Das Urteil im Prügelprozess! In: Bild.de. 13. Juni 2016, abgerufen 12. Januar 2017
  18. Alexander Becker: Gericht erlaubt Nennung des bürgerlichen Namens: So zelebriert Bild den Prozess-Erfolg gegen Atze Schröder In: Meedia. 1. Februar 2018, abgerufen am 3. Februar 2018