Wollingst

Ortsteil von Beverstedt

Wollingst (niederdeutsch Wolljes) ist eine Ortschaft in der Einheitsgemeinde Beverstedt im niedersächsischen Landkreis Cuxhaven.

Wollingst
Gemeinde Beverstedt
Wappen von Wollingst
Koordinaten: 53° 28′ 50″ N, 8° 51′ 15″ O
Höhe: 11 m ü. NHN
Fläche: 14,34 km²[1]
Einwohner: 349 (16. Nov. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 24 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 27616
Vorwahl: 04749
Wollingst (Niedersachsen)
Wollingst

Lage von Wollingst in Niedersachsen

Wollingst in der Gemeinde Beverstedt
Wollingst in der Gemeinde Beverstedt

GeografieBearbeiten

 
Die Orte in der Einheitsgemeinde Beverstedt

Das Dorf liegt an der Landesstraße 128 zwischen den Ortschaften Geestenseth und Beverstedt. Südöstlich vom Ort befindet sich das Naturschutzgebiet Wollingster See und Randmoore.

GeschichteBearbeiten

Wollingst pflegte schon im 17. Jahrhundert eine enge Beziehung mit Beverstedt; früher hatte es zur Börde Beverstedt und zum Adeligen Gericht Beverstedt gehört. Während der Franzosenzeit um 1810 wurde der Ort von der Gemeinde Beverstedt verwaltet. Wollingst lag von 1822 bis 1859 im Amt Beverstedt und wurde 1840 eine Landgemeinde im Königreich Hannover. Später lässt sich eine Zugehörigkeit zum Amt Lehe (1859–1885), Kreis Geestemünde (1885–1932), Landkreis Wesermünde (1932–1977) beziehungsweise Landkreis Cuxhaven nachweisen. Die Gemarkung Wollingst wurde 1876 gebildet. Die ehemalige Gemeinde verlor ihre Selbständigkeit 1974 und wurde zu einem Ortsteil des Fleckens Beverstedt in der Samtgemeinde Beverstedt.[3] Mit der Neubildung der Gemeinde Beverstedt am 1. November 2011 wurde Wollingst eine Ortschaft im Sinne des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes.[4][5]

Einwohnerentwicklung

Jahr 1910 1925 1933 1939 1950 2016
Einwohner 229 298 293 330 553 349

(Quellen: 1910,[6] 1925–1939,[7] 1950,[1] 2016[2])

PolitikBearbeiten

Gemeinderat und BürgermeisterBearbeiten

Seit der Neubildung der Gemeinde Beverstedt wird die Ortschaft Wollingst vom Beverstedter Gemeinderat vertreten.

OrtsvorsteherBearbeiten

Das Ehrenamt des Ortsvorstehers wird derzeit von Bernd Beckmann (CDU) ausgeübt.[2]

WappenBearbeiten

Der Entwurf des Wollingster Kommunalwappens stammt von dem Heraldiker und Wappenmaler Albert de Badrihaye, der sämtliche Wappen im Landkreis Cuxhaven entworfen hat.[8]

Blasonierung: „In Blau vor einem gehobenen, silbernen Wellenbalken ein goldenes Eichendreilaub mit zwei goldenen Eicheln am Stiel.“[8]
Wappenbegründung: Der Name Wollingst (1197 – Wollingstede) ist als Waldstätte gedeutet. Das Eichendreilaub mit den Eicheln weist auf den Wald hin und der Wellenbalken auf den für das Dorf wichtigen, kleinen Ortsbach.

VerkehrBearbeiten

Wollingst wird mit einigen Fahrten der VBN-Linie 568 an das Busnetz im südlichen Landkreis Cuxhaven angeschlossen. Zusätzlich bietet ein Anrufsammeltaxi stündliche Verbindungen in Richtung Beverstedt und Bahnhof Stubben (Beverstedt) an. Zukünftig könnte die geplante Bundesautobahn 20 nur wenige Kilometer südlich von der Ortschaft verlaufen.

Örtliches LebenBearbeiten

Heute verfügt das Dorf über eine Kindertagesstätte[9], eine Freiwillige Feuerwehr[10], einen Sportverein, einen Frettchenhilfeverein[11] und einen Schützenverein. 1927 errichtete der Bremerhavener Möbelunternehmer Heini Frey das Naturfreundehaus.[12] Es wurde im Frühjahr 2017 abgerissen. Der Förderverein hatte zuletzt nur noch 200 Mitglieder. Die Umgebung des Hauses soll renaturiert werden.[13][14]

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehenBearbeiten

  • Nikolaus Tietjen (1873–1924), Landwirt, Bürgermeister von Appeln, Abgeordneter und Mitglied der Steuereinschätzungskommission des Kreistags Geestemünde, er veranlasste während der notgeprägten Inflationsjahre 1921/22 die Ausgabe der sog. „Söben-Dörper-Schiene“ (Sieben-Dörfer-Scheine) u. a. in Wollingst

Sagen und LegendenBearbeiten

  • Der Richter am Wollingster See[15]
  • Die tapferen Wollingster[15]
  • Der Wiedergänger am Wollingster See[16]

LiteraturBearbeiten

  • Christoph von Glahn: 800 Jahre Wollingst. Geschichte und Berichte – Sagen und Sagenhaftes. Hrsg.: Festausschuss 800 Jahre Wollingst. Eigenverlag, Wollingst 1997.
  • Peter Raap: Wandern, singen und Naturerlebnis. Der Wollingster See und die Wandervogelbewegung. In: Männer vom Morgenstern Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. (Hrsg.): Niederdeutsches Heimatblatt. Nr. 654. Nordsee Zeitung GmbH, Bremerhaven Juni 2004, S. 1–2 (Digitalisat [PDF; 4,2 MB; abgerufen am 18. September 2018]).
  • Peter Raap: Wandern, Volkstanz, Natur am Wollingster See. Vor vierzig Jahren starb der langjährige Vorsitzende des Vereins der Naturfreunde. In: Männer vom Morgenstern Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. (Hrsg.): Niederdeutsches Heimatblatt. Nr. 719. Nordsee Zeitung GmbH, Bremerhaven November 2009, S. 3–4 (Digitalisat [PDF; 940 kB; abgerufen am 18. September 2018]).

WeblinksBearbeiten

Commons: Wollingst – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Endgültige Ergebnisse nach der Volkszählung vom 13. September 1950. Band 33. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart/Köln 1950, S. 52, Sp. 2 (Digitalisat [PDF; 26,4 MB; abgerufen am 27. April 2019] Landkreis Wesermünde, S. 61).
  2. a b c Informationen zur Ortschaft Wollingst. In: Internetseite der Gemeinde Beverstedt. 16. November 2016, abgerufen am 18. September 2018.
  3. Fritz Hörmann u. a.: Flurnamensammlung Wesermünde – Die Flurnamen des Grundsteuerkatasters von 1876. Hrsg.: Kulturstiftung der Kreissparkasse Wesermünde (= Sonderveröffentlichungen der „Männer vom Morgenstern“ Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. Band 27). Männer vom Morgenstern Verlag, Bremerhaven 1995, ISBN 3-931771-27-X (Digitalisat (Memento vom 26. Oktober 2007 im Internet Archive) [PDF; 431 kB; abgerufen am 15. März 2019] S. 22).
  4. Gesetz über die Neubildung der Gemeinde Beverstedt. In: Internetseite Niedersächsisches Vorschrifteninfomationssystem (NI-VORIS). Landkreis Cuxhaven, 17. Februar 2011, abgerufen am 18. September 2018.
  5. Niedersächsische Staatskanzlei (Hrsg.): Gesetz über die Neubildung der Gemeinde Beverstedt, Landkreis Cuxhaven. Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt (Nds. GVBl.). Nr. 5/2011. Hannover 17. Februar 2011, S. 61 (Digitalisat [PDF; 155 kB; abgerufen am 26. September 2018] S. 3).
  6. Ulrich Schubert: Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Landkreis Geestemünde. Angaben vom 1. Dezember 1910. In: www.gemeindeverzeichnis.de. 3. Februar 2019, abgerufen am 12. April 2019.
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Wesermünde (→ Siehe unter: Nr. 93). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. a b Landkreis Wesermünde (Hrsg.): Wappen des Landkreises Wesermünde. Grassé Offset Verlag, Bremerhaven/Wesermünde 1973, ISBN 3-9800318-0-2.
  9. Kindertagesstätte „Mäusenest“ Wollingst. In: Internetseite der Gemeinde Beverstedt. Abgerufen am 18. September 2018.
  10. Freiwillige Feuerwehr Wollingst. In: Internetseite der Gemeinde Beverstedt. Abgerufen am 18. September 2018.
  11. Mogfreds Frettchenhilfe – IFM Auffangstation. In: www.mogfreds-frettchenhilfe.de. Abgerufen am 18. September 2018.
  12. NaturFreunde Deutschlands Ortsgruppe Bremerhaven e. V. In: www.naturfreunde-bremerhaven.de. Abgerufen am 18. September 2018.
  13. Jens Gehrke: Auszug aus dem Paradies. Naturfreunde Bremerhaven geben Haus am Wollingster See ab. In: Nordsee-Zeitung. 12. Mai 2015.
  14. Jens Gehrke: „Da kommt wirklich Wehmut auf.“ Schlussakt am Wollingster See in der Gemeinde Beverstedt. In: Nordsee-Zeitung. 29. März 2017.
  15. a b Eberhard Michael Iba (Hrsg.): Hake Betken siene Duven. Das Sagenbuch von Elb- und Wesermündung (= Sonderveröffentlichungen der Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung. Band 16). 3. Auflage. Männer vom Morgenstern Verlag, Bremerhaven 1999, ISBN 3-931771-16-4.
  16. Kreislehrerverband Wesermünde, Bremerhavener Lehrerverein: Sagen der Heimat. In: Heimatkundliche Schriften VI. Folge. 1961 (gesammelt von Heinrich Mahler).