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Taucha

Stadt im Landkreis Nordsachsen, Sachsen, Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Taucha
Taucha
Deutschlandkarte, Position der Stadt Taucha hervorgehoben
Koordinaten: 51° 23′ N, 12° 30′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Nordsachsen
Höhe: 128 m ü. NHN
Fläche: 33,23 km2
Einwohner: 15.543 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 468 Einwohner je km2
Postleitzahl: 04425
Vorwahl: 034298
Kfz-Kennzeichen: TDO, DZ, EB, OZ, TG, TO
Gemeindeschlüssel: 14 7 30 300
Stadtgliederung: 9 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Schlossstraße 13
04425 Taucha
Website: www.taucha.de
Bürgermeister: Tobias Meier (FDP; Wahlbündnis aus SPD, Die Linke, FDP und Bündnis 90/Die Grünen)
Lage der Stadt Taucha im Landkreis Nordsachsen
ArzbergBad DübenBeilrodeBelgern-SchildauCavertitzDahlenDelitzschDoberschützDommitzschDreiheideEilenburgElsnigGroßtreben-ZwethauJesewitzKrostitzLaußigLiebschützbergLöbnitzMockrehnaMockrehnaMügelnNaundorfWiedemarOschatzRackwitzBelgern-SchildauSchkeuditzSchönwölkauMügelnTauchaTorgauTrossinWermsdorfWiedemarTorgauZschepplinWiedemarKarte
Über dieses Bild
Marktplatz

Taucha ist eine Kleinstadt im Landkreis Nordsachsen, nordöstlich von Leipzig, an dessen Stadtgebiet es direkt angrenzt.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Taucha liegt in der Leipziger Tieflandsbucht. Durch die Stadt fließt die Parthe, deren Flussaue ein ausgedehntes Landschaftsschutzgebiet um die Stadt bildet. Außerhalb der Flussaue ist die Landschaft durch eiszeitliche Endmoränen geprägt (Saaleeiszeit). In der Umgebung befinden sich auch Reste von ehemaligen Vulkanen, die als Steinbrüche genutzt werden.

StadtgliederungBearbeiten

Taucha besteht aus der Stadt Taucha selbst und den Ortsteilen Cradefeld, Dewitz (mit Döbitz), Graßdorf, Merkwitz, Plösitz, Pönitz, Seegeritz und Sehlis.

EingemeindungenBearbeiten

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Cradefeld 1. April 1934 Eingemeindung nach Taucha
Dewitz 1. April 1937 Eingemeindung nach Taucha
Döbitz 1. Januar 1929 Eingemeindung nach Dewitz
Graßdorf 1. April 1934 Eingemeindung nach Taucha
Merkwitz 1. Oktober 1992 Eingemeindung nach Taucha
Plösitz 1. April 1937 Eingemeindung nach Taucha
Pönitz 1. Dezember 1991 Eingemeindung nach Taucha
Seegeritz 1. April 1973 Eingemeindung nach Merkwitz
Sehlis 1. Oktober 1973 Eingemeindung nach Taucha

GeschichteBearbeiten

Der Ort wurde im Jahre 974 erstmals als urbs Cothung in der Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg erwähnt. 1170 erhielt der Marktflecken Tuch durch den Magdeburger Erzbischof Wichmann von Seeburg das Stadtrecht verliehen. Dadurch sollte eine Konkurrenz zum meißnischen Leipzig aufgebaut werden. Erzbischof Albrecht I. ließ als sichtbaren Ausdruck der städtischen Selbständigkeit 1220 Schloss und Stadtmauer errichten.

1282 belagerte Dietrich von Landsberg, Markgraf zu Meißen, die Stadt und ließ nach ihrer Einnahme das Schloss schleifen. Nachdem der Magdeburger Erzbischof Otto 1355 endgültig auf den Besitz der Stadt verzichtete, gelangte Taucha endgültig in meißnische Lehnsherrschaft. Der Leipziger Rat kaufte 1569 Schloss und Rittergut Taucha.

Im Jahr 1621 befand sich in der Stadt eine Kippermünzstätte, in der unter den Münzmeistern Matthias von Neuß und David Wölke Interimsmünzen (Kippermünzen) geschlagen wurden. Das waren Kipper-Schreckenberger, Kreuzerstücke und Groschenstücke bis hin zum sogenannten Kippertaler zu 60 Groschen.

Mehrere große Pestepidemien suchten 1626–1680 den Ort heim, hinzu kamen mehrfache Zerstörungen während des Dreißigjährigen Krieges 1631–1644. In den Jahren 1819 und 1820 wurde die Stadtmauer abgebrochen. 1832 wurde Taucha wieder eine selbstständige Stadt. Taucha lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.[2] Ab 1856 war die Stadt Sitz des Gerichtsamts Taucha. Ab 1875 gehörte Taucha zur Amtshauptmannschaft Leipzig.[3]

Im Jahr 1935 begannen die Mitteldeutschen Motorenwerke, eine Tochtergesellschaft der Auto Union, mit dem Bau eines Flugzeugmotorenwerkes an der Graßdorfer Straße 75. Das Werk lag zur Tarnung in einem größeren Waldstück, zum Teil auf Fluren der Stadt Leipzig. Daher erfolgte am 1. April 1939 eine zwangsweise Umflurung nach Taucha. Bombenangriffe beschädigten das Werk 1944 schwer. 1946 bis 1947 wurden die Werksanlagen demontiert und die Gebäude gesprengt.

In den Jahren 1944/1945 befand sich in der heutigen Matthias-Erzberger-Straße ein Außenlager des KZ Buchenwald für 440 männliche Häftlinge, die bei der Hugo Schneider AG HASAG Zwangsarbeit verrichten mussten. Ein weiteres Außenlager der HASAG für 1.200 Frauen, das KZ-Außenlager Taucha, befand sich an der Matthias-Erzberger-Straße 7. Die zumeist jüdischen Frauen mussten ebenfalls in der Rüstungsproduktion arbeiten. Einen Todesmarsch bei Auflösung der Lager im Frühjahr 1945 überlebten nur wenige. Neben diesen Außenlagern existierten noch weitere zwölf Zwangsarbeitslager und Kriegsgefangenenlager, deren Häftlinge für die Mitteldeutschen Motorenwerke GmbH („Mimo“) arbeiteten und vor dem Ortsteil Pönitz untergebracht waren.[4]

1999 wurde Taucha vom Landkreis Leipziger Land in den Landkreis Delitzsch umgegliedert. Im Zuge der Kreisreform in Sachsen wurde Taucha 2008 Teil des Landkreises Nordsachsen.

PolitikBearbeiten

Gemeinderatswahl 2019[5]
Wahlbeteiligung: 62,0 % (2014: 43,6 %)
 %
30
20
10
0
22,2 %
17,0 %
10,5 %
11,2 %
13,0 %
n. k.
17,3 %
8,8 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
 18
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-16
-15,8 %p
-6,1 %p
-8,5 %p
+2,8 %p
+5,1 %p
-3,5 %p
+17,3 %p
+8,8 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
h Unabhängige Wähler Taucha

StadtratBearbeiten

Seit der Gemeinderatswahl am 26. Mai 2019 verteilen sich die 22 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:[6]

Partei / Liste Sitze
CDU 5
SPD 4
Grüne 3
LINKE 2
FDP 2
AfD 4
Unabhängige Wähler Taucha 2

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Stadtkirche St. Moritz

MuseenBearbeiten

  • Städtisches Museum im ehemaligen Brauhaus
  • Rittergutsmuseum im Rittergutsschloss Taucha

ReligionsgemeinschaftenBearbeiten

In Taucha gibt es eine evangelisch-lutherische Kirche (St. Moritz), eine katholische Kirche (St. Anna), eine neuapostolische Kirche sowie eine freikirchliche Elim-Gemeinde. Außerdem existieren in den Ortsteilen Sehlis (St. Katharina) und Dewitz (Martin Luther) ebenfalls evangelisch-lutherische Kirchen.

BauwerkeBearbeiten

  • Aussichtsturm (erbaut 1913 im Stadtpark, 22 m hoch)[7]
  • Bahnhofs-Empfangsgebäude (Ziegelsichtmauerwerk)
  • Ehemaliges Brauhaus (Renaissance; beherbergt jetzt Städtisches Museum, Stadtbibliothek und Gaststätte)
  • Parthebrunnen
  • Rathaus (ehemaliges Amtsgericht, erbaut 1913)
  • Rittergut Taucha („Schloss“)
  • Stadtkirche St. Moritz
  • Reste der Stadtmauer

GedenkstättenBearbeiten

Ein FIR-Ehrenmal aus dem Jahre 1963 am Kleinen Schöppenteich erinnert auf zwei Gedenktafeln an 20 sowjetische und polnische Kinder von Zwangsarbeiterinnen sowie an 68 Opfer von Zwangsarbeit aus neun Nationen.[4]

SportBearbeiten

Die wichtigsten Sportstätten sind das Sport- und Freizeitzentrum mit Leichtathletik- und Fußballstadion sowie mehrere Turnhallen.

ErholungBearbeiten

  • Parthebad
  • Stadtpark

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

  • „Leipzig liest in Taucha“
  • Tauchaer Literaturwettbewerb
  • Kartoffelfest[8]
  • Tauchscher
  • Ancient Trance Festival - Maultrommel- und Weltmusikfestival

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

 
Noweda-Filiale
  • In Taucha befindet sich eine der 16 Niederlassungen des Pharmagroßhändlers NOWEDA.
  • Die Firma Bieri-Zeltaplan GmbH nähte einen Großteil der Stoffplanen für die Verhüllung des Reichstages 1995 der Künstler Christo und Jeanne-Claude in Taucha. Im Jahre 2005 realisierten das Künstlerpaar ihr Projekt The Gates auf den Wegen des Central Park in New York City. Dafür nähte erneut die Tauchaer Firma ein Großteil der Stoffbahnen.

VerkehrBearbeiten

Taucha hat durch die Nähe zu Leipzig eine gute Verkehrsanbindung. Durch die Stadt führen die Bundesstraße 87 (Leipzig–Frankfurt (Oder)). Im Südwesten führt die A 14 mit der Anschlussstelle Leipzig-Nordost an Taucha vorbei.

Der Bahnhof Taucha liegt an der Bahnstrecke Leipzig–Eilenburg. Die Stadt Taucha hat bereits die Verknüpfungsstelle Bahn-Bus gebaut und in Betrieb genommen. Im Herbst 2017 hat die Umgestaltung des Bahnhofs selbst mit dem Neubau der Bahnsteige und eines Fußgängertunnels zur Lindnerstraße sowie des Ersatzes des Bahnübergangs Portitzer Straße durch eine Straßenunterführung begonnen. Die neuen Bahnsteige sollen ab Frühjahr 2019 zur Verfugung stehen. Die Stadt Taucha ist mit Straßenbahn (Linie 3 Taucha–Leipzig Hauptbahnhof–Knautkleeberg, 20-min-Takt), S-Bahn (Linie 4), Regionalbahn und Buslinien an das Leipziger Nahverkehrsnetz angeschlossen.

Am Stadtrand gibt es einen kleinen Flugplatz, welcher von Kleinflugzeugen und Segelfliegern benutzt wird. Der Flughafen Leipzig/Halle ist circa 20 km entfernt.

BildungBearbeiten

Taucha verfügt über die Möglichkeit der Bildung vom Kindergarten bis hin zu einem Gymnasium.

KindergärtenBearbeiten

  • Tausendfüßler
  • Flohkiste Taucha
  • Evangelische Kindertagesstätte St. Moritz
  • Sonnenkäfer
  • Koboldkiste
  • Dewitzer Spatzennest
  • Grashüpfer

GrundschuleBearbeiten

  • Grundschule Am Park
  • Regenbogenschule

OberschuleBearbeiten

  • Oberschule Taucha

GymnasiumBearbeiten

  • Geschwister-Scholl-Gymnasium Taucha

Söhne und Töchter der Stadt sowie prominente BewohnerBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Cornelius Gurlitt: Taucha. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 16. Heft: Amtshauptmannschaft Leipzig (Leipzig Land). C. C. Meinhold, Dresden 1894, S. 121.
  • Peter Sundermann: Taucha. Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-147-9.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f.
  3. Die Amtshauptmannschaft Leipzig im Gemeindeverzeichnis 1900
  4. a b Gedenkstätten für die Opfer des NS II, Hrsg. Bundeszentrale für politische Bildung Bonn, S. 752f.
  5. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2019
  6. Stadtratswahl 2019 in Taucha – Sitzverteilung, abgerufen am 19. Juni 2019
  7. Ausflugsziele > Aussichtsturm auf der Webseite der Stadt Taucha
  8. Beiträge zum Stichwort Kartoffelfest. In: Tauchaer online-Stadtmagazin. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  9. Vita bei Ehrenbürger Grimma