Sanfrecce Hiroshima

japanischer Fußballverein

Sanfrecce Hiroshima (jap. サンフレッチェ広島, Sanfuretche Hiroshima; von japanisch san = drei, italienisch frecce = Pfeile) ist ein japanischer Fußballverein und Gründungsmitglied der landesweiten Profiliga J. League.

Sanfrecce Hiroshima
サンフレッチェ広島
Logo
Basisdaten
Name Sanfrecce Hiroshima F.C.
Sitz Hiroshima
Gründung 1938
Präsident Yūichi Mototani
Website sanfrecce.co.jp
Erste Fußballmannschaft
Cheftrainer JapanJapan Hiroshi Jōfuku
Spielstätte Edion Stadium Hiroshima
Asaminami-ku, Hiroshima
Plätze 50.000
Liga J1 League
2020 8. Platz
Heim
Auswärts

VereinsgeschichteBearbeiten

Obwohl erst 1992 als eigenständige Aktiengesellschaft (K.K. Sanfrecce Hiroshima, engl. Sanfrecce Hiroshima FC Co., Ltd.) gegründet, kann Sanfrecce dennoch von sich behaupten, der älteste Verein der Liga zu sein, denn er geht auf eine 1938 gegründete Werksmannschaft des Mazda-Konzerns (bis 1984: Tōyō Kōgyō K.K.) zurück, die 1965 die erste ausgetragene japanische Fußballmeisterschaft gewann.

Zu dieser Zeit entstand in der Industriestadt Hiroshima gerade das Maschinenbau-Konglomerat Tōyō Kōgyō, als dessen Betriebssportgruppe der Verein 1938 gegründet wurde. Als in den 60er-Jahren – Hiroshima und das Toyo-Werk waren inzwischen durch eine Atombombe zerstört und wiederaufgebaut worden – die Firmenmannschaften den Universitätsteams den Rang als führende Fußballmannschaften des Landes abliefen und nach den Olympischen Spielen 1964 in Tokio eine landesweite Meisterschaft eingeführt wurde, war der traditionsreiche Tōyō Kōgyō Soccer-bu (東洋工業サッカー部), englisch Toyo Industrial Football Club, mit von der Partie und sicherte sich den ersten Titel dieser Art. Fünf Jahre später, im Jahr 1970 hatte Toyo bereits die vierte Meisterschaft sowie dreimal den renommierten Kaiserpokal gewonnen und gilt deshalb zu Recht als beste japanische Mannschaft der 1960er Jahre.

Nach diesen für Hiroshima „goldenen Jahren“ wurde es still um Toyo und andere Mannschaften wie Yanmar Diesel, Mitsubishi oder Yomiuri übernahmen die Führungsrolle im japanischen Fußball. Ein kleiner Achtungserfolg gelang Toyo, das sich in den 80er-Jahren wie der gesamte Konzern in Mazda umbenannt hatte, erst 1987, als man erneut das Pokalfinale erreichte (0:2 gegen Yomiuri). Dies war zum Teil auch der Grund dafür, dass Mazda 1992 in die neue J. League aufgenommen wurde.

Wie die anderen neuen Profivereine legte sich auch Mazda einen neuen, europäisch angehauchten Kunstnamen zu. Doch in Hiroshima gab man sich besonders viel Mühe, westlichen Chic mit japanischer Tradition zu verbinden: in der Präfektur Hiroshima erinnert man sich noch heute an ein Gleichnis, das Mōri Motonari, einem dort ansässigen Samurai aus dem 16. Jahrhundert zugeschrieben wird: Mori soll einst seine drei Söhne aufgefordert haben, je einen Pfeil zu zerbrechen. Nachdem dies allen gelungen war, sollten sie ein Bündeln von drei Pfeilen zerbrechen, wozu keiner in der Lage war. Seitdem zieren die drei Pfeile das Wappen des Mōri-Clans und sind ein in Japan weithin bekanntes Symbol dafür, dass man mit vereinten Kräften mehr erreichen kann als alleine. Als die Klubführung das japanische Wort san (drei) mit dem italienischen Wort frecce (Pfeil) zum Kunstbegriff Sanfrecce verband und drei Pfeilspitzen in das Vereinswappen aufnahm, wollte sie also besonders auf den Teamgeist hinweisen.

1992 gründeten Präfektur und Stadt Hiroshima und 59 Unternehmen darunter Mazda, DEODEO (heute: Edion West), Chūgoku Denryoku und die Hiroshima Ginkō die Aktiengesellschaft in heutiger Form.[1]

Diesem Teamgeist ist es wohl auch zu verdanken, dass Sanfrecce zu Beginn der J. League überraschend gut abschnitt: im neuen Big Arch Stadium, das für die Fußball-Asienmeisterschaft 1992 gebaut worden war, belegte das Team einen unerwartet guten sechsten Platz in der Hinrunde und in der Rückrunde sogar den fünften Rang. Der bisher größte Coup gelang ein Jahr später mit dem Gewinn der Hinrunde 1994 und dem daraus resultierenden Einzug ins Meisterschaftsfinale. Dort aber offenbarte sich, was für Sanfrecce zum größten Problem der kommenden Jahre werden sollte: Im Finale unterlagen sie zweimal mit 0:1 gegen Verdy Kawasaki, und die drei erreichten Pokalendspiele 1995, 1996 und 1999 endeten mit drei Niederlagen und 0:8 Toren. Demoralisiert von so vielen verpassten Gelegenheiten stieg Hiroshima 2002 aus der J. League ab, ohne einen Titel gewonnen zu haben. Es gelang zwar in der Folgesaison der direkte Wiederaufstieg, die Platzierungen in den Jahren danach blieben aber mittelmäßig, und die Saison 2007 endete unglücklich in der Relegation mit dem erneuten Abstieg.

Der in der Saison 2007 begonnene Neuaufbau der Mannschaft zeigte in der Saison 2008 volle Wirkung. Die Saison begann mit dem Gewinn des japanischen Supercups gegen den amtierenden Meister Kashima Antlers und endete nach 47 Ligaspielen mit 100 erzielten Punkten und 99 geschossenen Toren mit einem triumphalen Wiederaufstieg. Die Saison 2009 wurde als 4. beendet. Dadurch das Gamaba Osaka den Kaiserpokal gewonnen hat, konnte Hiroshima sich für die AFC Champions League 2010 qualifizieren. Dort schied das Team in der Gruppenphase aus.

In der Saison 2010 schaffte es die Mannschaft bis ins Finale des Yamazaki Nabisco Cups. Dort unterlag sie gegen Júbilo Iwata im Elfmeterschießen. Die Liga wurde auf dem 7. Platz beendet. In der Saison 2011 belegte man ebenfalls den 7. Rang, am Ende der Spielzeit wurde der Vertrag des Trainers Michael Petrović nicht verlängert, sein Nachfolger wurde der ehemalige japanische Nationalspieler Hajime Moriyasu.

Einen Spieltag vor Ende der Saison 2012 sicherte man sich die Meisterschaft der J. League Division 1.

Bei der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft 2015, welche in Japan ausgetragen wurde, war man als amtierender japanischer Meister startberechtigt und konnte den 3. Platz erreichen.

ErfolgeBearbeiten

Toyo kogyo SC und Mazda SCBearbeiten

1965, 1966, 1967, 1968, 1970
1965, 1967, 1969

Sanfrecce HiroshimaBearbeiten

Sieger: 2012, 2013, 2015
Vizemeister: 2018
Sieger: 2008
Vizemeister: 2003
Sieger: 2008, 2013, 2014, 2016
Finalist: 1995, 1996, 2007, 2013
Finalist: 2010, 2014

StadionBearbeiten

Der Verein trägt seine Heimspiele im Edion Stadium Hiroshima in Hiroshima in der Präfektur Hiroshima aus. Das Stadion, deren Eigentümer die Stadt Hiroshima ist, hat ein Fassungsvermögen von 50.000 Zuschauern. Betrieben wird die Sportstätte von der Hiroshima City Sports Association.

 
Edion Stadium Hiroshima

Koordinaten: 34° 26′ 26,8″ N, 132° 23′ 39,3″ O

Aktueller KaderBearbeiten

Stand: Juni 2020[2]

Nr. Position Name
1 Japan  TW Takuto Hayashi
2 Japan  AB Yūki Nogami
3 Japan  AB Akira Ibayashi
5 Japan  MF Hiroya Matsumoto
6 Japan  MF Toshihiro Aoyama
7 Japan  MF Gakuto Notsuda
8 Japan  MF Hayao Kawabe
9 Brasilien  ST Douglas Vieira
10 Japan  MF Tsukasa Morishima
13 Japan  TW Takuya Masuda
14 Brasilien  MF Ezequiel
15 Japan  AB Kazuki Kushibiki
16 Japan  MF Kōhei Shimizu
17 Japan  MF Taishi Matsumoto
Nr. Position Name
18 Japan  MF Yoshifumi Kashiwa
19 Japan  AB Sho Sasaki
20 Japan  ST Ryō Nagai
21 Japan  TW Ryōtarō Hironaga
23 Japan  AB Hayato Araki
24 Japan  MF Shunki Higashi
25 Japan  MF Yūsuke Chajima
26 Japan  MF Kodai Dohi
27 Japan  ST Shun Ayukawa
29 Japan  MF Yūya Asano
30 Japan  MF Kōsei Shibasaki
38 Japan  TW Keisuke Ōsako
39 Brasilien  ST Leandro Pereira (ausgeliehen von Matsumoto Yamaga FC)
44 Brasilien  MF Rhayner (ausgeliehen von Tombense FC)
Japan  MF Tomoya Fujii

SaisonplatzierungBearbeiten

Saison Liga Teams Pos. Zusch./Sp. J. League Cup Emperor's Cup Asien FIFA-Klub-WM
1992 Gruppenphase 2. Runde
1993 J1 10 5 16.644 Gruppenphase Halbfinale
1994 J1 12 2 17.191 1. Runde Viertelfinale
1995 J1 14 10 11.689 Finalist
1996 J1 16 14 8.469 Gruppenphase Finalist
1997 J1 17 12 6.533 Gruppenphase 4. Runde
1998 J1 18 10 8.339 Gruppenphase Viertelfinale
1999 J1 16 8 9.377 2. Runde Finalist
2000 J1 16 11 8.865 2. Runde 4. Runde
2001 J1 16 9 9.916 Viertelfinale 4. Runde
2002 J1 16 15 10.941 Gruppenphase Halbfinale
2003 J2 12 2 9.000 4. Runde
2004 J1 16 12 14.800 Gruppenphase 4. Runde
2005 J1 18 7 12.527 Gruppenphase 5. Runde
2006 J1 18 10 11.180 Gruppenphase 5. Runde
2007 J1 18 16 11.423 Viertelfinale Finalist
2008 J2 15 1 10.840 Viertelfinale
2009 J1 18 4 15.723 Gruppenphase 3. Runde
2010 J1 18 7 14.562 Finalist 3. Runde CL Gruppenphase
2011 J1 18 7 13.203 1. Runde 3. Runde
2012 J1 18 1 17.721 Gruppenphase 2. Runde 5. Platz
2013 J1 18 1 17.406 Viertelfinale Finalist CL Gruppenphase
2014 J1 18 8 16.552 Finalist Achtelfinale CL Achtelfinale
2015 J1 18 1 16.382 Gruppenphase Viertelfinale 3. Platz
2016 J1 18 6. 15.464 Viertelfinale Viertelfinale CL Gruppenphase
2017 J1 18 15. 14.042 PlayOffs Achtelfinale
2018 J1 18 2. 14.346 Gruppenphase Achtelfinale
2019 J1 18 6. 13.886 Viertelfinale 4. Runde CL Achtelfinale
2020 J1 18 8. 4.545 Gruppenphase

TrainerchronikBearbeiten

Trainer Nation von bis
Yoshiki Yamasaki Japan  Japan 1. Februar 1938 31. Januar 1943
Yoshiki Yamasaki Japan  Japan 1. Februar 1947 31. Januar 1950
Minoru Obata Japan  Japan 1. Februar 1951 31. Januar 1964
Yukio Shimomura Japan  Japan 1. Februar 1964 31. Januar 1972
Kenzō Ōhashi Japan  Japan 1. Februar 1972 31. Januar 1976
Ikuo Matsumoto Japan  Japan 1. Februar 1976 31. Januar 1977
Aritatsu Ogi Japan  Japan 1. Februar 1977 31. Januar 1981
Teruo Nimura Japan  Japan 1. Februar 1981 31. Januar 1984
Kazuo Imanishi Japan  Japan 1. Februar 1984 30. Juni 1987
Hans Ooft Niederlande  Niederlande 1. Juli 1987 30. Juni 1988
Kazuo Imanishi Japan  Japan 1. Juli 1988 30. Juni 1992
Stuart Baxter Schottland  Schottland 1. Juli 1992 31. Januar 1995
Wim Jansen Niederlande  Niederlande 1. Februar 1995 31. Januar 1997
Eddie Thomson Schottland  Schottland 1. Februar 1997 31. Januar 2001
Waleri Nepomnjaschtschi Turkmenistan  Turkmenistan Russland  Russland 1. Februar 2001 31. Januar 2002
Gadzhi Gadzhiev Russland  Russland 1. Februar 2002 15. Juli 2002
Takahiro Kimura Japan  Japan 16. Juli 2002 30. November 2002
Takeshi Ono Japan  Japan 1. Dezember 2002 1. April 2006
Kazuyori Mochizuki Japan  Japan 2. April 2006 9. Juni 2006
Michael Petrović Osterreich  Österreich Serbien  Serbien 10. Juni 2006 31. Januar 2012
Hajime Moriyasu Japan  Japan 1. Februar 2012 3. Juli 2017
Akinobu Yokouchi Japan  Japan 4. Juli 2017 16. Juli 2014
Jan Jönsson Schweden  Schweden 18. Juli 2017 31. Januar 2018
Hiroshi Jōfuku Japan  Japan 1. Februar 2018 heute

AuszeichnungenBearbeiten

Spieler des JahresBearbeiten

Torschützenkönig des JahresBearbeiten

Nachwuchsspieler des JahresBearbeiten

Elf des JahresBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Sanfrecce Hiroshima – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Sanfrecce Hiroshima: クラブ概要 (Memento vom 1. September 2010 im Internet Archive)
  2. J.League Data Site