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Romanshorn
Wappen von Romanshorn
Staat: Schweiz
Kanton: Thurgau (TG)
Bezirk: Arbon
BFS-Nr.: 4436i1Fehler im Ausdruck: Nicht erkanntes Satzzeichen „'“
Postleitzahl: 8590
UN/LOCODE: CH RMH
Koordinaten: 746331 / 270253Koordinaten: 47° 34′ 0″ N, 9° 23′ 0″ O; CH1903: 746331 / 270253
Höhe: 406 m ü. M.
Fläche: 8,7 km²
Einwohner: i10'770 (31. Dezember 2017)[1]
Website: www.romanshorn.ch
Romanshorn

Romanshorn

Karte
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Über dieses Bild
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Romanshorn, in der schweizerdeutschen Ortsmundart Romishorn [ˈromisˌhɔrn],[2] ist eine politische Gemeinde im Bezirk Arbon des Kantons Thurgau, Schweiz.

GeographieBearbeiten

Das verstädterte Dorf liegt am südlichen Bodensee-Ufer und grenzt an die Gemeinden Uttwil, Hefenhofen und Salmsach.

Romanshorn hat ein Hinterland mit einem grossen Wald, der den nationalen Binding-Preis für vorbildliche Forstbewirtschaftung erhalten hat.

KlimaBearbeiten

Romanshorn (Wetterstation Güttingen), 1981–2010
Klimadiagramm
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Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/vergangenheit/klimanormwerte/klimadiagramme-und-normwerte-pro-station.html
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Romanshorn (Wetterstation Güttingen), 1981–2010
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 2,9 4,5 9,6 14,0 18,9 21,9 24,3 23,6 19,1 13,6 7,1 3,8 Ø 13,7
Min. Temperatur (°C) −2,3 −2,0 1,0 3,8 8,2 11,5 13,5 13,3 10,1 6,4 1,7 −0,9 Ø 5,4
Temperatur (°C) 0,4 1,2 5,1 8,8 13,5 16,6 18,7 18,1 14,2 9,8 4,4 1,6 Ø 9,4
Niederschlag (mm) 53 52 64 70 100 102 108 96 87 71 69 74 Σ 946
Sonnenstunden (h/d) 0,6 2,8 4,5 6,1 6,8 7,4 8,1 7,2 6,1 3,1 1,8 1,2 Ø 4,6
Regentage (d) 9,5 8,5 10,7 10,4 11,3 11,9 11,5 10,8 9,5 9,1 9,7 10,7 Σ 123,6
Luftfeuchtigkeit (%) 84 80 75 72 73 74 74 77 81 85 86 85 Ø 78,8
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GeschichteBearbeiten

 
Die alte paritätische Kirche ist noch heute Zeuge der mittelalterlichen Ver­gangenheit. Romanshorn war jahr­hundertelang ein wichtiger «Aussen­posten» des Klosters St. Gallen.

Romanshorn war wohl bis Ende des 7. Jahrhunderts von Romanen besiedelt. Erstmals erwähnt wurde Rumanishorn im Jahre 779, als Waldrata ihren Besitz in Romanshorn dem Kloster St. Gallen vergabte. Im Spätmittelalter bis 1367 war die Vogtei Romanshorn zeitweise im Besitz der von Landenberg. 1455 verkaufte Abt Kaspar von Landenberg den Landbesitz der Stadt St. Gallen, doch die Gotteshausleute erzwangen die gerichtliche Aufhebung des Verkaufs. Das Gericht Romanshorn erhielt 1469 von Abt Ulrich Rösch eine Offnung. Bis 1798 besass das Kloster St. Gallen das Mannschaftsrecht, die Appellation und die Huldigung – meist in Täschlishusen bei Häggenschwil. Die übrigen Hoheitsrechte gehörten der Landgrafschaft Thurgau. 1803 wurden die Orts- und die Munizipalgemeinde Romanshorn gebildet, die sich 1870 zur Einheitsgemeinde Romanshorn vereinigten.[3]

779 wurde in Romanshorn eine Kirche erwähnt. Der 1275 bezeugte Leutpriester hatte eine Pfründe von 16 Pfund inne. 1480 inkorporierte St. Gallen die Kirch, die 1504 vergrössert wurde. 1525 trat Romanshorn geschlossen zur Reformation über. Die eidgenössischen Schirmorte bestimmten 1588, dass der reformierte Salmsacher Pfarrer auch Romanshorn versehe. Romanshorn blieb bis zur Bildung der Kirchgemeinde Romanshorn-Salmsach eine Filiale. 1567 setzte der Abt einen katholischen Priester ein. Die Katholiken erhielten 1586 das Pfarrhaus und die Pfrundgüter zugesprochen. Durch weitere Begünstigungen nahm die Zahl der Katholiken zu. 1588 zählte Romanshorn zwei katholische Familien, 1711 deren 36. 1829 erfolgte die Renovation der Kirche. Die Reformierten erhielten 1911, die Katholiken 1913 ein neues Gotteshaus, womit Simultaneität aufgelöst wurde.[3]

 
Hafen um 1860. Als die Nordost­bahn 1855 von Zürich her Romanshorn erreichte und ein Hafen gebaut wurde, entwickelte sich der Ort sprunghaft zu einem Verkehrsknotenpunkt von Bahn und Schifffahrt.

Wirtschaftlich dominierte der Getreide-, Garten- und Obstbau. Neben Forstwirtschaft und Fischerei wurde bis 1902 auch etwas Weinbau betrieben. Die Dampfschiffe, die ab 1824 verkehrten, legten statt wie vorher in Uttwil ab 1832 in Romanshorn an. Erst als der Kanton Thurgau 1840 bis 1844 einen Hafen baute und die Postkurse nach Schwaben über Romanshorn führten, begann Romanshorn zu wachsen. 1855 wurde die Bahnlinie Zürich–Romanshorn eröffnet und 1856 ein Telegrafenkabel durch den See verlegt. Der Trajektverkehr von Lindau nach Romanshorn wurde 1869 aufgenommen, 1945 durch Autofähren erweitert und 1976 eingestellt. 1869 bzw. 1871 nahm die Nordostbahn die Linie Rorschach–Romanshorn–Konstanz in Betrieb. 1910 erfolgte die Eröffnung der Bodensee-Toggenburg-Bahn nach St. Gallen. Die günstige Lage zog nach 1850 Gewerbe und Industrie an. Die 1836 gegründete Firma Fatzer stellte anfänglich Schnüre und Seile her. 1895 verlegte sie sich auf die Drahtseilproduktion. 1985 verarbeitete die Firma mit 85 Beschäftigten unter anderem 2000 Tonnen Stahldraht. Aus der Apotheke von Max Zeller, der ab 1864 den berühmten Zellerbalsam verkaufte, entwickelte sich die Firma Max Zeller Söhne AG. Der pharmazeutische Betrieb beschäftigte 2008 knapp 100 Mitarbeiter. Das 1892 eröffnete Lager der Eidgenössischen Alkoholverwaltung besass um 1980 ein Fassungsvermögen von 30 Millionen Litern Alkohol. 1904 wurde in Romanshorn die Firma Voigt gegründet, die 2008 ca. 250 Mitarbeiter beschäftigte und pharmazeutische Produkte weltweit tätiger Firmen ausliefert. Weitere namhafte Unternehmen sind unter anderem die Firmen Biro (Kunststoffe), die Maschinenfabrik Hydrel (u. a. Hydraulik, Pneumatik) sowie die Asco Kohlensäure AG. Die Kantonsschule Romanshorn nahm 1969 ihren Betrieb auf. 1970 eröffnete der von kantonalen Frauenverbänden gegründete Verein Thurgauisches Sprachheilheim, seit 1976 Sprachheilschule Thurgau, ein Haus. Romanshorn entwickelte sich nach 1945 zu einer Wohngemeinde, doch gab es 2005 rund 5300 Arbeitsplätze im Ort, 58 % davon im dritten Wirtschaftssektor.[3]

 
Historisches Luftbild aus 300 m von Walter Mittelholzer von 1924

BevölkerungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Romanshorn[4]
 
Bevölkerungsentwicklung der Orts- und Einheitsgemeinde[4]
Jahr 1831[3] 1850 1900 1950 1980 1980 1990 2000 2010 2018
Einwohner 1218 1408 4577 6648 7893 7893 8899 9076 9699 11'114

Von den insgesamt 11'114 Einwohnern im Jahr 2018 waren 3429 bzw. 30,9 % ausländische Staatsbürger.[5]

WirtschaftBearbeiten

 
Filiale der Kantonalbank

Romanshorn war einst ein Fischerdorf und mit dem Bau des Hafens und der Eisenbahnlinie ein Handels- und Tourismusort geworden. Heute ist Romanshorn ein moderner Industrieort mit breiter Diversifikation: Kunststofferzeugnisse, Maschinenindustrie, Chemie, Pharma usw. In rund 600 Betrieben werden 5000 Arbeitsplätze angeboten. Von grosser Bedeutung ist auch der Dienstleistungssektor und das Bildungsangebot, etwa mit der Kantonsschule. Über die letzten Jahrzehnte stark nachgelassen hat die Bedeutung der Bundesbetriebe (SBB inkl. Schiffsbetriebe, damalige PTT und ZD) als Arbeitgeber.

Das Unternehmen Max Zeller Söhne AG besteht seit mehr als 140 Jahren und produziert mit rund 90 Mitarbeitern pflanzliche Heilmittel (sogenannte Phytopräparate).

PolitikBearbeiten

Bei den Nationalratswahlen 2015 betrugen die Wähleranteile in Romanshorn: SVP 32,6 %, SP 18,6 %, FDP 15,8 %, CVP 11,2 %, Grüne 6,6 %, glp 5,3 %, EDU 4,1 %, BDP 3,0 %, EVP 3,0 %.[6]

VerkehrBearbeiten

Der Ort ist begünstigt durch seine Verkehrslage. Romanshorn hat den nach Wasserfläche grössten Hafen am Bodensee. Eine Autofähre verbindet Romanshorn mit Friedrichshafen. Vom Bahnhof Romanshorn verkehren Züge in vier Richtungen: auf der Seelinie nach Rorschach und Kreuzlingen, ausserdem nach Zürich (Schnellzuglinie nach Brig-Glis) und St. Gallen.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Romanshorner Hafen

Die wichtigsten und markantesten Sehenswürdigkeiten sind die drei Kirchen: Die paritätische Alte Kirche, die katholische und die reformierte (beide Anfang 20. Jh.). An der Hafenfront stehen an der Südseite die mächtigen Lagerhallen und an der Nordseite das Alte Zollhaus (heute Museum).

Im ehemaligen Tanklager der früheren Alkoholverwaltung befindet sich seit 2009 die Autobau, eine private Sammlung von Sport- und Rennwagen.

BildungBearbeiten

Besonders von Bedeutung sind die vielfachen Bildungsmöglichkeiten am Ort. An öffentlichen Schulen bietet Romanshorn eine Primar- und Sekundarschule sowie eine Kantonsschule.[7] Daneben existieren auch das Heilpädagogische Zentrum Romanshorn, die Musikschule des Musikkollegiums Romanshorn und die Thurgauische Sprachheilschule. Weiterhin ist in Romanshorn die Privatschule SBW mit dem «Haus des Lernens» und der «SBW Neue Medien AG» angesiedelt, letztere bietet eine Ausbildung als Mediamatiker an. Romanshorn ist dank seiner guten Erreichbarkeit ein zentraler Schulstandort im Oberthurgau. Besonders von Bedeutung sind die vielfachen Bildungsmöglichkeiten am Ort, aber auch das reiche Angebot an Freizeiteinrichtungen zu Wasser und zu Land. Eine moderne Eishalle gehört zum sportlichen Angebot wie ein viel besuchtes Seebad. Romanshorn ist ebenfalls ein Ausgangspunkt für Wanderer, Skater und Biker.

FesteBearbeiten

Das «Nationenfest»[8] entstand 1999 im Pfarreiratsweekend der katholischen Pfarrei St. Johannes. Es wurden die Ausländergruppe, welche sich für Anliegen aller Nationen in Romanshorn kümmern sollte, sowie der Gruppo Culturale, welcher sich für den Erhalt der italienischen Werte und die Verbindung zu den schweizerischen Werten einsetzt, gegründet. Das «Nationenfest» findet jedes Jahr im Juni statt. Das Ziel des Anlasses lautet: «In gemütlichem Ambiente soll der Austausch zwischen Menschen unterschiedlichster Nationen gefördert werden. Die Nationenvertreter/innen bieten kulinarische Spezialitäten aus ihren Ländern und ein attraktives Bühnenprogramm».[9]

PersönlichkeitenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Romanshorn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen, hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol, Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 753.
  3. a b c d Erich Trösch: Romanshorn. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  4. a b 2000 T4 Wohnbevoelkerung ab 1850.xlsx und 2018_2017_1990_BevGmd.xlsx (Bevölkerung in ausgewählten Jahren, 1990, 2000, 2010, 2017-2018, Vorjahresveränderung). Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau, abgerufen am 1. November 2019.
  5. 2018_2015_BevGmd_Geschl_Nat.xlsx (Bevölkerung nach Geschlecht und Nationalität, 2015-2018) Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau, abgerufen am 1. November 2019.
  6. Nationalratswahlen 2015: Stärke der Parteien und Wahlbeteiligung nach Gemeinden. In: Ergebnisse Nationalratswahlen 2015. Bundesamt für Statistik, 2016, abgerufen am 17. Oktober 2016.
  7. Website der Kantonsschule Romanshorn
  8. Website zum Nationenfest
  9. Fest und Geschichte