Amriswil

Gemeinde in der Schweiz
Amriswil
Wappen von Amriswil
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Thurgau (TG)
Bezirk: Arbon
BFS-Nr.: 4461i1f3f4
Postleitzahl: 8580
UN/LOCODE: CH AWL
Koordinaten: 740106 / 268248Koordinaten: 47° 33′ 0″ N, 9° 18′ 0″ O; CH1903: 740106 / 268248
Höhe: 437 m ü. M.
Fläche: 19,02 km² (Pol. Gemeinde)[1]
1,66 km² (Ortsgemeinde)[2]
Einwohner: i13'538 (31. Dezember 2018)[3]
Einwohnerdichte: 712 Einw. pro km²
Website: www.amriswil.ch
Marktplatz Amriswil

Marktplatz Amriswil

Lage der Gemeinde
Emerzer WeierBiesshofer WeierSchlossweier SGBodenseeKanton St. GallenKanton St. GallenBezirk KreuzlingenBezirk WeinfeldenAmriswilArbonDozwilEgnachHefenhofenHorn TGKesswilRoggwil TGRomanshornSalmsachSommeriUttwilKarte von Amriswil
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Amriswil, in der schweizerdeutschen Ortsmundart älter Ammerschwiil [ˈɑmːərˌʃʋiːl],[4] ist eine politische Gemeinde und eine Ortschaft[5] im Bezirk Arbon des Kantons Thurgau, Schweiz. Die seit 1979 bestehende Gemeinde umfasst die ehemalige Munizipalgemeinde Amriswil mit deren ehemaligen Ortsgemeinden Amriswil, Biessenhofen, Oberaach und Räuchlisberg sowie seit 1997 Schocherswil.

GeographieBearbeiten

 
Luftbild von Walter Mittelholzer aus dem Jahr 1923

Das verstädterte Industriedorf liegt im Oberthurgau an der Kreuzung der Strassen WinterthurArbon und KonstanzSt. Gallen und wird von der Bahnstrecke Winterthur – Romanshorn erschlossen. Die Gemeinde besteht aus den Ortschaften Amriswil (9769 Einwohner, Stand 2000), Oberaach/Biessenhofen (853 Einwohner), Hagenwil/Räuchlisberg (242 Einwohner), Schocherswil (336 Einwohner) und Schrofen (387 Einwohner).

NameBearbeiten

799 wird Amriswil erstmals als Amalgeriswilare erwähnt. Es handelt sich dabei um eine Zusammensetzung des althochdeutschen männlichen Personennamens Amalgēr und des althochdeutschen Appellativs wīlāri «kleines Dorf, Weiler, Gehöft». Der Ortsname bedeutet damit «beim Gehöft des Amalger».[4]

GeschichteBearbeiten

 
Das Bohlenständerhaus in Schrofen aus dem Jahr 1538 dient heute als Museum.

Vermutlich existierte bereits zu römischen Zeiten eine Römerstrasse, die von Vitudurum (Oberwinterthur) durch das heutige Gebiet von Amriswil nach Arbor Felix verlief. Im Mittelalter war Amriswil zusammen mit Brüschwil bischöflich-konstanzisches Lehen, während die von Helmsdorf auf Eppishausen vom 15. Jahrhundert an die Gerichtsherrschaft innehatten. Im frühen 17. Jahrhundert gelangte Amriswil an den Glarner Adam Tschudi, und 1665 wurde die Herrschaft dem Spital St. Gallen verkauft. Das Gericht, bestehend aus Amriswil, Hölzli und Brüschwil sowie Häusern in Rüti und Giezenhaus, wurde nun der stadtsanktgallischen Herrschaft Bürglen einverleibt, deren Schicksal es bis 1798 teilte.

 
Evangelische Kirche aus dem Jahr 1891

Mitte des 14. Jahrhunderts entstand eine Marienkapelle, die zur Pfarrei Sommeri gehörte. Während man in Sommeri nach der Reformation (1529) mehrheitlich zum alten Glauben zurückkehrte, blieben die Einwohner von Amriswil dem evangelischen Bekenntnis treu, weshalb die Kapelle den Reformierten zugesprochen wurde. Ab 1630 wurden dort Wochenpredigten, ab 1680 regelmässige Sonntagsgottesdienste abgehalten, und seit 1710 wohnt der evangelische Pfarrer in Amriswil. Sommeri und Amriswil blieben in einer gemeinsamen Pfarrei verbunden, doch veränderte die Zuwanderung im 19. Jahrhundert die konfessionellen Verhältnisse. 1891 erfolgte der Bau einer grossen evangelischen Kirche in Amriswil, 1911 Trennung der Katholiken Amriswils von Sommeri und die Gründung einer selbstständigen Pfarrei sowie 1939 die Einweihung der katholischen Kirche St. Stephan.

Bis um 1830 war Amriswil ein unscheinbares Bauerndorf mit Acker- und Rebbau. Die Einführung eines Viehmarkts im Jahr 1833 und eines Monatsmarktes 1840, die Gründung einer Käserei in Sommeri im Jahr 1852, das Aufkommen der Kattun­weberei und die Eröffnung einer Wirkerei durch den deutschen Flüchtling Joseph Sallmann im Jahr 1849 standen am Anfang eines Strukturwandels, der sich nach der Eröffnung der Nordostbahn (1855) intensivierte. Zwischen dem Marktplatz und dem Bahnhof entstand ein neues Siedlungsgebiet, und das Zentrum verschob sich von den bisherigen Siedlungskernen um den Marktplatz und die Strassenkreuzung in Köpplishaus nach Nordosten. Die rasche Industrialisierung kann jedoch weder mit der Verkehrslage noch mit den bescheidenen Wasserkräften befriedigend erklärt werden. Vielmehr scheinen initiative Unternehmer wichtige Impulse gegeben zu haben. So wurde Amriswil mit den Firmen Sallmann, Laib und Tuchschmid zu einem Zentrum der Trikoterie, und die Bekleidungs- und Schuhindustrie[6] fand mit den Firmen Esco und Löw ebenfalls bedeutende Vertreter. Das Wachstum führte zu strukturellen Problemen insbesondere bei der Wasserversorgung, die erst 1952 mit dem Bezug von Wasser aus dem Bodensee endgültig gelöst werden konnten. Mit der Zuwanderung, vor allem aus Italien, stieg der Anteil ausländischen Einwohner zwischen 1870 und 1910 von 7 % auf 29 %.

Im Baugewerbe und im Dienstleistungssektor ― Handelsfirmen, Gastgewerbe, Banken, Behindertenwerkstätte (1909), das kantonale Kindergärtnerinnenseminar (1975) ― entstanden neue Arbeitsplätze. Die wirtschaftliche Abhängigkeit von der Trikoterie blieb jedoch bis um 1980 bestehen, als diverse Betriebe ihre Produktion einstellen mussten. Mittlerweile ist die Wirtschaftsstruktur ausgeglichener: 1990 gab es neben 90 landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben ca. 3300 Arbeitsplätze im zweiten und dritten Wirtschaftssektor, wovon 47 % zum Dienstleistungsbereich zählten. Überregionale Beachtung fanden im 20. Jahrhundert die Erfolge der lokalen Turn- und Sportvereine, z. B. von Volley Amriswil, sowie die kulturellen Aktivitäten der vom Schriftsteller Dino Larese 1937 gegründeten «Akademie Amriswil».[7]

Im 20. Jahrhundert fanden mehrere Gemeindefusionen statt, an denen Amriswil beteiligt war. Der Ortsgemeinde Amriswil schlossen sich 1925 die Einheitsgemeinde Hemmerswil und 1932 die Ortsgemeinde Mühlebach bei Amriswil an. 1979 vereinigten sich die Ortsgemeinden Amriswil, Biessenhofen, Oberaach und Räuchlisberg zur Einheitsgemeinde Amriswil. 1997 fusionierte die von der früheren Munizipalgemeinde Zihlschlacht abgetrennte Ortsgemeinde Schocherswil mit der Einheitsgemeinde Amriswil.[8] Seit dem 1. Januar 2005 gilt Amriswil statistisch als Stadt.

→ siehe auch Abschnitte Geschichte in den Artikeln Almensberg, Biessenhofen, Hagenwil bei Amriswil, Hemmerswil, Mühlebach bei Amriswil, Niederaach, Oberaach, Räuchlisberg und Schocherswil

WappenBearbeiten

Blasonierung: In Weiss ein grüner Baum mit roten Äpfeln.[9]

Die Entstehung und Bedeutung des schon vor 1945 bestehenden Wappens sind unklar. 1979 wurde das Wappen von der neu gebildeten Einheitsgemeinde Amriswil übernommen.[9]

BevölkerungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Amriswil[8]
Bevölkerungsentwicklung der Ortsgemeinde[7]
Jahr 1831 1850 1880 1910 1941[Anm. 1] 1970
Einwohner 233 492 1533 3322 5377 7601
Bevölkerungsentwicklung der Einheitsgemeinde[8]
Jahr 1970 1980 1990 2000 2010 2018
Einwohner 9190 9013 10’426 11’357 12’134 13’460

Von den insgesamt 13'460 Einwohnern der Gemeinde Amriswil im Jahr 2018 waren 4284 bzw. 31,8 % ausländische Staatsbürger. 4118 (30,6 %) waren römisch-katholisch und 3598 (26,7 %) evangelisch-reformiert. Die Ortschaft Amriswil zählte zu diesem Zeitpunkt 11'892 Einwohner.[5]

PolitikBearbeiten

Bei den Nationalratswahlen 2015 betrugen die Wähleranteile in Amriswil: SVP 40,0 %, FDP 16,6 %, SP 11,6 %, CVP 10,9 %, EDU 5,3 %, Grüne 4,9 %, glp 4,1 %, BDP 4,0 %, EVP 2,4 %.[10]

WirtschaftBearbeiten

Im Jahr 2016 bot Amriswil 4661 Personen Arbeit (umgerechnet auf Vollzeitstellen). Davon waren 3,4 % in der Land- und Forstwirtschaft, 35,5 % in Industrie, Gewerbe und Bau sowie 61,2 % im Dienstleistungssektor tätig.[1]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Wasserschloss Hagenwil
 
Gewerbeturm Amriswil

Mitten in Amriswil befindet sich die reformierte grosse Kirche in neugotischem Stil. Der 75 m hohe Kirchturm ist der höchste im Kanton Thurgau. Das Gemeindehaus mit dem Dorfplatz bildet eine Einheit. Die katholische Kirche St. Stefan von 1939 ist eine der ersten modernen Kirchenbauten des Kantons Thurgau.

Die «Festhütte», eine grosse Festhalle aus dem Jahr 1907, wurde 2006 abgerissen und durch den im Herbst 2007 fertiggestellten fünfeckigen Neubau «Pentorama» ersetzt, der durch seine auffallende Architektur das neue Wahrzeichen der Stadt wurde; im Frühjahr 2009 wurde er auf einer Briefmarke der Schweizer Post dargestellt.

Im Dorf Hagenwil liegt das Wasserschloss Schloss Hagenwil. Hier ist ein Restaurant untergebracht und es finden Kunstausstellungen statt. Hagenwil ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgeführt.

1989 wurde in einem Teil der Textilfabrik Sallmann das Museum der Stadt Amriswil eröffnet. Es zeigt in über 4000 Exponaten und zahlreichen Broschüren die Geschichte des über 1200 Jahre alten Ortes. Das Museum ist dort, wo Joseph Sallmann im Jahre 1850 die erste Tricotfabrik der Schweiz gegründet hatte.

Das Bohlenständerhaus im Schrofen stammt aus dem Jahre 1538. Die typische Bauform im mittleren und östlichen Thurgau bis Ende des 16. Jahrhunderts ist nur noch in wenigen Ständerbauten erhalten und einzig hier als Wohnmuseum öffentlich zugänglich.

2002 wurde das nationale Schulmuseum Amriswil eröffnet.

Etwa zwei Kilometer südlich von Amriswil steht ein Aussichtsturm, der wegen der Finanzierung durch das lokale Gewerbe "Gewerbeturm" heisst.

StädtepartnerschaftBearbeiten

Seit 1999 ist Amriswil durch eine Städtepartnerschaft mit der deutschen Stadt Radolfzell am Bodensee verbunden. Damit wurde eine langjährige Verbundenheit der beiden Gemeinden besiegelt: Nach dem Zweiten Weltkrieg konnten Radolfzeller Kinder Amriswiler Familien besuchen und aus Amriswil wurden Lebensmittel, Medikamente und andere Hilfsgüter nach Radolfzell geschickt.[11]

VerkehrBearbeiten

 
Busse der Autokurse Oberthurgau vor dem Bahnhof Amriswil

Amriswil ist ein Verkehrsknotenpunkt für den regionalen Strassenverkehr, wo sich die Hauptstrasse 14 von Romanshorn nach Frauenfeld mit den Landstrassen KreuzlingenSt. Gallen sowie den Strassen nach Arbon und Bischofszell kreuzt.

Das «Weltdorf»[12] ist Haltepunkt der Intercity-Züge der Strecke Romanshorn-Zürich. Die Autokurse Oberthurgau betreiben Buslinien nach Arbon, Romanshorn, Bischofszell und nach Muolen[13] an der Bahnstrecke Romanshorn – St. Gallen.

PersönlichkeitenBearbeiten

TriviaBearbeiten

Laut Martin Salvisberg, damaliger Stadtammann und heutiger Stadtpräsident (SVP) von Amriswil, konnte man im Heft 1 des Jahrgangs 2011 der statistischen Mitteilungen des Kantons Thurgau erfahren, dass der Anteil der Mazedonier in der Stadt überdurchschnittlich hoch ist (25 % der Ausländerinnen – gegenüber einem Kantonalwert von 1,9 Prozent).[14]

BilderBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Stefan Länzlinger, Martin Lengwiler und Thomas Meyer: Amriswil. Geschichte von der Mitte des 19. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Gemeinde, Amriswil 1999, ISBN 3-9521685-0-5.

WeblinksBearbeiten

Commons: Amriswil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Thurgau in Zahlen 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (PDF-Datei; 1,8 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  2. Schweizerische Arealstatstik. Abgeschlossen auf 1. Juli 1912. Herausgegeben vom Eidg. Statistischen Bureau. (Memento vom 12. April 2016 im Internet Archive)
  3. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  4. a b Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 88 f.
  5. a b Ortschaften und ihre Wohnbevölkerung. Ausgabe 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabelle; 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  6. Alois Degenhardt: Die Amriswiler Schuhindustrie- Ein Rückblick. Thurgauer Jahrbuch 1997, abgerufen am 12. April 2020.
  7. a b Gregor Spuhler: Amriswil. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  8. a b c Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden. Kanton Thurgau, 1850–2000 und Wohnbevölkerung der Gemeinden und Vorjahresveränderung. Kanton Thurgau, 1990–2018. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabellen; jeweils 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  9. a b Gemeindewappen. Auf der Webseite des Staatsarchivs des Kantons Thurgau, abgerufen am 8. Dezember 2019
  10. Nationalratswahlen 2015: Stärke der Parteien und Wahlbeteiligung nach Gemeinden. In: Ergebnisse Nationalratswahlen 2015. Bundesamt für Statistik, 2016, abgerufen am 10. September 2016.
  11. Website Amriswil
  12. Larese fragt: «Wo liegt Amriswil?». In: St. Galler Tagblatt (online) vom 30. September 2011
  13. Willkommen bei der AOT. Auf der Webseite der Autokurse Oberthurgau (AOT), abgerufen am 1. November 2019
  14. Heft 1/2011 der statistischen Mitteilungen des Kantons Thurgau

AnmerkungenBearbeiten

  1. inkl. Hemmerswil und Mühlebach