Reggio nell’Emilia

italienische Gemeinde

Reggio nell’Emilia ( Aussprache?/i; auch Reggio Emilia und kurz Reggio, [ˈrɛdːʒo] oder [ˈredːʒo]), bis 1861 Reggio di Lombardia (lateinisch Regium Lepidi, keltisch Rigion/Region), ist eine norditalienische Provinzhauptstadt am südlichen Rand der Poebene mit 172.124 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2019).

Reggio nell’Emilia
Reggio nell’Emilia (Italien)
Staat Italien
Region Emilia-Romagna
Provinz Reggio Emilia (RE)
Lokale Bezeichnung Rèz
Koordinaten 44° 42′ N, 10° 38′ OKoordinaten: 44° 42′ 0″ N, 10° 38′ 0″ O
Höhe 58 m s.l.m.
Fläche 231 km²
Einwohner 172.124 (31. Dez. 2019)[1]
Fraktionen Vedi elenco
Postleitzahl 42100
Vorwahl 0522
ISTAT-Nummer 035033
Bezeichnung der Bewohner Reggiani
Schutzpatron San Prospero (24. November)
Website Reggio nell’Emilia
Reggio Emilia aus der Luft

GeographieBearbeiten

Reggio ist eine moderne Industriestadt mit historischem Stadtkern (Centro Storico), befindet sich in der Region Emilia-Romagna und ist der Hauptort der gleichnamigen Provinz Reggio Emilia.

GeschichteBearbeiten

Der römische Name der Stadt Regium Lepidi geht auf den römischen Konsul Marcus Aemilius Lepidus zurück, den Erbauer der Via Aemilia.[2] Doch wird vermutet, dass die Namensgebung und die Gründung des Ortes bereits in vorrömischer Zeit durch die dort ansässigen keltischen Boier erfolgte, die 189 v. Chr. von den Römern unterworfen und romanisiert wurden. So bezeichnete man in der keltischen Sprache mit Rigion / Region einen Versammlungsort oder Marktplatz.[3] 489 ging die Herrschaft über die Stadt an die germanischen Goten über, und 569 errichteten die einrückenden Langobarden das Herzogtum von Reggio.[4] Schließlich unterwarfen die Franken 773 Reggio, und Karl der Große gab dem Bischof Gewalt über die Stadt und legte 781 die Grenzen der Diözese fest.[5] 888 wurde Reggio den Königen von Italien übergeben. 899 richteten die einfallenden Magyaren schwere Verwüstungen an und töteten Bischof Azzo II. 1170 trat Reggio dem Lombardenbund bei, der in der Schlacht bei Legnano ein Heer des Kaisers Barbarossa besiegte.[6] Im Jahr 1374[7] (oder 1377[8]) wurde in Reggio eine der ersten belegten Quarantänen durchgeführt. 1409 ging die Herrschaft der Stadt an die Familie d’Este über, die mit kurzen Unterbrechungen bis 1861 über das Herzogtum von Modena und Reggio herrschte.[9]

CanossaBearbeiten

Nach 900 geriet Reggio unter die Herrschaft der Familie Canossa, einer langobardischen Hochadelsfamilie, deren Stammburg Canossa sich einige Kilometer südwestlich von Reggio befand.[10]

Selva LitanaBearbeiten

Ganz in der Nähe von Reggio Emilia soll sich auch der heilige Wald der Gallier, der Selva Litana befunden haben, wo ein Heer der Boier 218 vor Christus mehrere römische Legionen (25.000 Mann) unter dem Kommando von Lucius Postumius Albinus bis auf den letzten Mann niedermetzelte.[11]

BischofssitzBearbeiten

Der Dom ist Kathedrale des Bistums Reggio Emilia-Guastalla (Kirchenprovinz Modena-Nonantola, Kirchenregion Emilia-Romagna).

Stadt der NationalfahneBearbeiten

Die italienische Nationalfahne ist Reggio Emilia zu verdanken, denn die grün-weiß-rote Fahne, auf italienisch Tricolore, die Dreifarbige, genannt, hat dort ihren Ursprung. Die Idee stammt von dem Ingenieur Ludovico Bolognini, dessen Entwurf 1797 von den Vertretern aus Reggio Emilia, Modena, Ferrara und Bologna als Symbol der Repubblica Cisalpina angenommen wurde.

Später wurde sie als Nationalfahne des italienischen Königreiches übernommen. Das Original ist im Rathausgebäude ausgestellt. Das angrenzende Tricolore-Museum dokumentiert den historischen und politischen Entstehungskontext der Flagge.[12]

KlimaBearbeiten

Durchschnittliche Klimadaten der Stadt Reggio nell'Emilia (1961–1990)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 4,2 7,2 12,8 17,2 22,3 26,8 29,6 28,8 24,2 17,5 10,5 5,5 Ø 17,3
Min. Temperatur (°C) −1,6 0,1 4,2 8,1 12,3 16,2 18,5 18,1 14,7 10,0 4,9 0,4 Ø 8,9
Niederschlag (mm) 47 45 58 73 71 57 35 39 57 84 77 57 Σ 700
Regentage (d) 6 6 7 8 8 6 4 4 6 8 8 7 Σ 78
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4,2
−1,6
7,2
0,1
12,8
4,2
17,2
8,1
22,3
12,3
26,8
16,2
29,6
18,5
28,8
18,1
24,2
14,7
17,5
10,0
10,5
4,9
5,5
0,4
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Archivio climatico DBT, ENEA (Zeitraum: 1961–1990)

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Sala del Tricolore
  • Dom (Duomo di Reggio Emilia; Cattedrale di Santa Maria Assunta), im 13. Jahrhundert erbaut, erneuert im 15./16. Jahrhundert, an der Ostseite der Piazza Prampolini mit unvollendeter Renaissance-Fassade, dahinter der romanische Bau. An der Fassade und im Inneren befinden sich Skulpturen von Prospero Spani († 1584), genannt il Clemente, eines Schülers Michelangelos, und von Bartolomeo Spani, die beide aus Reggio stammten.
  • Kirche San Prospero (Basilica di San Prospero), 1514–1527, südöstlich vom Dom. An der 1748 erneuerten Fassade sind noch sechs der marmornen Löwen vorhanden. Im Inneren befinden sich Fresken von Camillo Procaccini (1585–1589). Zu der Kirche gehört ein achteckiger Campanile.
  • Palazzo Comunale, begonnen 1414
  • Palazzo del Capitano del Popolo, 1281
  • Psychiatriemuseum, 1875
  • Kirche Madonna della Ghiara (Basilica della Beata Vergine della Ghiara), 1597–1619 (Tempel für das Votiv-Gemälde von Lelio Orsi; Deckengemälde von Alessandro Tiarini)
  • Synagoge, erbaut 1856
  • Museo Civico, mit Naturaliensammlung des 18. Jahrhunderts
  • Maurizianum, Landgut Ludovico Ariostos, 16. Jahrhunderts
  • Sala del Tricolore im Rathaus von Reggio, angrenzend an das Tricolore-Museum
  • Teatro Municipale (Stadttheater), 1857
  • Galleria Parmeggiani
  • Institut Istoreco[13][14]
  • Hochgeschwindigkeits-Bahnhof und moderne Brücken über die Autobahn, entworfen von Santiago Calatrava

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Die Provinz Reggio Emilia war lange landwirtschaftlich geprägt; typische Produkte sind bis heute Parmesankäse und Lambrusco. Weniger bekannt ist die Herstellung eines traditionellen Aceto Balsamico seit dem Frühmittelalter, der markenrechtlich ebenso geschützt ist wie sein bekanntes Gegenstück aus Modena.[15]

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Industrie, insbesondere Agrartechnik, aber auch Mechatronik und Keramikfliesen. Reggio Emilia ist der Hauptsitz der Unternehmen Max Mara und RCF Audio.

Die Stadt ist über die Via Emilia, die Autobahn A1, die Bahnstrecke Mailand–Bologna und die Schnellfahrstrecke Mailand–Bologna gut in das Fernverkehrsnetz integriert. Zwei Kilometer östlich der Stadtmitte befindet sich der kleine Flugplatz Reggio Emilia, der vorwiegend der allgemeinen Luftfahrt dient. In Bologna befindet sich der nächstgelegene größere Verkehrsflughafen.

Wissenschaft und BildungBearbeiten

Die Praxis der kommunalen Kindertagesstätten in Reggio Emilia wurde 1970 unter Federführung des Pädagogen Loris Malaguzzi neu konzipiert und ging unter dem Begriff Reggio-Pädagogik in die Literatur ein.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Reggio nell’Emilia listet folgende zwölf Partnerstädte auf: [16][17]

Stadt Land seit
Bait Dschala   Palastina Autonomiegebiete  Westjordanland, Palästina 2019
Bydgoszcz   Polen  Kujawien-Pommern, Polen 1962
Chișinău   Moldau Republik  Moldau 1989
Dijon   Frankreich  Bourgogne-Franche-Comté, Frankreich 1963
Fort Worth   Vereinigte Staaten  Texas, Vereinigte Staaten 1985
Girona   Spanien  Katalonien, Spanien 1982
Kragujevac   Serbien  Šumadija, Serbien 2004
Pemba Mosambik  Cabo Delgado, Mosambik 2012
Polokwane Sudafrika  Limpopo, Südafrika 2004
Centar, Sarajevo   Bosnien und Herzegowina  Föderation, Bosnien und Herzegowina 2021
Schwerin   Deutschland  Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland 1966
Zadar   Kroatien  Kroatien 1972

PersönlichkeitenBearbeiten

In Reggio nell’Emilia geborene PersönlichkeitenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Reggio nell'Emilia – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2019.
  2. https://www.treccani.it/enciclopedia/reggio-nell-emilia_%28Dizionario-di-Storia%29/ Enciclopedia Reggio Emilia
  3. https://www.istoreco.re.it/storia-di-reggio-emilia/ Storia di Reggio Emilia - Istoreco
  4. http://www.bibar.unisi.it/sites/www.bibar.unisi.it/files/testi/testisap/06/06-08.pdf
  5. https://www.treccani.it/enciclopedia/reggio-emilia_%28Enciclopedia-dell%27-Arte-Medievale%29/ Treccani
  6. https://www.sapere.it/enciclopedia/Réggio+nell%27Emilia+%28città%29.html
  7. Gundolf Keil: Quarantäne. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1208.
  8. Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 20.
  9. https://www.britannica.com/topic/House-of-Este Britannica House of Este
  10. http://www.manfred-hiebl.de/genealogie-mittelalter/canossa_haus/canossa_familie.html Lexikon des Mittelalters
  11. https://www.gazzettadiparma.it/archivio/2014/02/15/news/la_silva_litana_era_fra_reggio_e_parma_i_galli_massacrarono_i_romani_vicino_a_sant_ilario-459936/ Gazzetta di Parma
  12. Andrea Viani: Tricolour Flag Museum. Abgerufen am 17. November 2019 (amerikanisches Englisch).
  13. Timo Dorsch: 75 Jahre Befreiung Italiens vom Faschismus: Pfade der Gerechten. In: Die Tageszeitung: taz. 20. April 2020, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 22. April 2020]).
  14. Deutsch Archivi. In: Istoreco. Abgerufen am 22. April 2020 (italienisch).
  15. Traditioneller Balsamico-Essig aus Reggio Emilia — Emilia Romagna Tourismus. Abgerufen am 8. Dezember 2019.
  16. Gemellaggi e dichiarazioni di amicizia. Comune di Reggio nell'Emilia, abgerufen am 27. August 2022 (italienisch).
  17. Website der Stadt