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Quarantäne

Isolierung infektionsverdächtiger Personen oder Tiere
Quarantänestation eines Krankenhauses in Kinshasa

Die Quarantäne [kʰaranˈtɛːnə] ist eine zum Schutz der Gesellschaft vor ansteckenden Krankheiten befristete Isolation von Lebewesen, die verdächtig sind, an bestimmten Infektionskrankheiten erkrankt oder Überträger dieser Krankheiten zu sein. Bei Import von Tieren ist die Quarantäne überdies zum Ausschluss der Krankheitsverbreitung in den Einfuhrbestimmungen des jeweiligen Landes präventiv vorgesehen. Die Zeitdauer der Quarantäne richtet sich nach der Inkubationszeit der vermuteten Krankheit. Die Quarantäne ist eine sehr aufwendige, aber auch sehr wirksame seuchenhygienische Maßnahme, die insbesondere bei hochansteckenden Krankheiten mit hoher Sterblichkeit angewendet werden muss.

Inhaltsverzeichnis

EtymologieBearbeiten

Allgemein wird der Begriff für eine befristete Isolation genutzt. Die Entstehung des Begriffs Quarantäne (zu französisch quarantaine, 12. Jahrhundert) wird frühen Begriffsverwendungen wie italienisch quarantena (abgeleitet von galloromanisch quaranta, über das Volkslateinische abgeleitet von lateinisch quadraginta, für die Zahl 40), französisch quarantaine de jours („vierzig Tage“), zugeschrieben. Eine um 1400 aufgekommene Reisesperre für seuchenverdächtige Ankömmlinge – Venedig verbot bereits 1374 die Hafeneinfahrt für pestverdächtige Schiffe – bezeichnete man in Italien als quaranta giorni (vierzig Tage).[1] Der spanische Begriff „la cuarantina“ (engl. „Postpartum confinement“) bezeichnet auch die Isolation von Müttern und deren Neugeborenen für eine gewisse Zeit. Das Brauchtum einer vierzigtägigen Abgeschiedenheit entstammt Lev 12,1–8 EU. Im 19. Jahrhundert war ein ebenfalls gängiges Wort für Quarantäne Kontumaz (lat. contumacia, dt. Trotz, Stolz, Eigensinn, Unbeugsamkeit). Im Bereich der Seeschifffahrt bezeichnet Quarantäne die Wartezeit von Schiffen bevor Lebewesen, Waren und sonstige Güter eingeführt werden dürfen. Während der Kubakrise wurde der Begriff Quarantäne stellvertretend für die Seeblockade genutzt.[2]

GeschichteBearbeiten

Bereits 1374 ist eine, allerdings nur zehn Tage dauernde, Quarantäne in Reggio nell’Emilia durchgeführt worden.[3]

Zur Isolierung der von einer Seuche befallenen Menschen wurden früher häufig Seuchenhäuser errichtet.[4]

Um ihre Stadt vor Pestepidemien zu schützen, beschloss im Juli 1377 die Regierung der Republik Ragusa, dass sich vor dem Betreten der Stadt alle ankommenden Reisenden und Kaufleute dreißig, später dann vierzig (d. h. quaranta) Tage lang isoliert in eigens dafür errichteten Lazaretten aufhalten müssen, darunter in Lazareti bei Dubrovnik. Von dieser Regelung leitete sich der Begriff Quarantäne in der heutigen Bedeutung ab.[5] 1383 wurde zum ersten Mal in Marseille die Quarantäne über ankommende Schiffe verhängt, um sich auch vor der Pest zu schützen, die damals in Europa wütete. Eine andere Quelle spricht davon, dass Beamte aus Venedig 1374 die Quarantäne einführten. Besatzung und Waren wurden zunächst auf der Insel Lazzaretto Nuovo isoliert und durften erst nach dreißig, später nach vierzig Tagen an Land.

Quarantänemaßnahmen haben 1918 Australien vor dem Übertritt der Spanischen Grippe geschützt.

Bei Pockenausbrüchen wurden in Deutschland noch in den 1960er Jahren drastische Isolierungsmaßnahmen ergriffen. Die betroffenen Personen wurden teilweise ohne ärztliche Versorgung in Schullandheimen isoliert und mussten sich selbst versorgen.

BestimmungenBearbeiten

In Deutschland sind gefahrenabwehrrechtliche Quarantänebestimmungen in § 30 Infektionsschutzgesetz (IfSG) geregelt. Die dortigen Bestimmungen besagen, dass bei der Bekämpfung bestimmter Erkrankungen besondere Absonderungsmaßnahmen ergriffen werden können und müssen. Geschieht dies gegen den Willen der Erkrankten, handelt es sich um eine Freiheitsentziehungssache, die einer richterlichen Entscheidung bedarf (§ 30 Abs. 2 Satz 4 IfSG, § 428 FamFG). Nach dem Infektionsschutzgesetz sind nur die Lungenpest und das hämorrhagische Fieber quarantänepflichtig, Patienten mit z. B. Ebola-, Lassa- oder Marburg-Virus werden aber ebenso auf Sonderisolierstationen behandelt. Bei Erkrankungen wie beispielsweise Cholera oder bei multiresistenten Keimen kommen weniger strenge Isolationsmaßnahmen zum Einsatz.[6] Nur die behandelnden Ärzte, Pflegekräfte sowie Seelsorger haben Zutritt zum Erkrankten, anderen Personen kann ärztlicherseits der Zutritt erlaubt oder verwehrt werden (§ 30 Abs. 4 IfsG).

Das Internationale Pflanzenschutzübereinkommen ist ein völkerrechtlicher Vertrag, der Grundlage für den Internationalen Standard für Pflanzenschutzmaßnahmen ist. Darin sind „Pflanzenquarantäne“, „Quarantänestation“, „Zwischenquarantäne“, und „Nacheinfuhrquarantäne“ definierte Begrifflichkeiten der Regelwerke.[7] Im Pflanzenschutz stuft die europäische Kommission sogenannte Quarantäneschaderreger ein und erstellt Richtlinien zu Quarantänemaßnahmen. In Deutschland ist das Julius-Kühn-Institut als Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen federführend zur Thematik der Quarantäne für Krankheitserreger, die Pflanzen betreffen.

Verwendung des Begriffes im IT-BereichBearbeiten

In Anlehnung an diese Analogie wird der Begriff auch in der IT-Branche verwendet, um Schadsoftware (wie etwa Trojaner-, Viren- und Wurmprogramme) in einem extra isolierten, meist verschlüsselten Bereich aufzubewahren. Diese Technik wird häufig von Antivirenprogrammen genutzt, um im Falle eines Fehlalarms die Datei problemlos wiederherstellen zu können. Daher ist das Verschieben einer Datei in die Quarantäne gegenüber dem vollständigen Löschen der Datei vor allem für Laien empfehlenswert.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Quarantäne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Quarantäne – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage, hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin/ New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 572.
  2. Kelly Drews: A Brief History of Quarantine (Memento vom 25. Juli 2019 im Internet Archive) 2013, The Virginia Tech Undergraduate Historical Review, 2. DOI: http://doi.org/10.21061/vtuhr.v2i0.16
  3. Gundolf Keil: Quarantäne. 2005, S. 1208.
  4. Ernst Mummenhoff: Zur Geschichte der Seuchenhäuser. Festschrift für die 65. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte. Nürnberg 1898.
  5. Lazarett in Dubrovnik (Memento vom 3. September 2014 im Internet Archive)
  6. Übersicht der Infektionserkrankungen und erforderliche Maßnahmen als Grundlage für Festlegungen im Hygieneplan. KRINKO 2016; abgerufen am 13. März 2019
  7. UNO-FAO / Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, Internationales Pflanzenschutzübereinkommen, ISPM 5 (DE) (Memento vom 25. Juli 2019 im Internet Archive) 2016, (Deutsche Ausgabe des „Glossar pflanzengesundheitlicher Begriffe“)
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