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Isolierung (Medizin)

Maßnahme zur Verhütung von Infektionen
Ehemalige Isolierstation aus dem Jahr 1910 des Marinelazarettes Flensburg-Mürwik (Foto 2014)
Ehemalige Isolierbaracke in Oldenburg i.O. von 1915

Bei einer Isolierung wird in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern durch räumliche Trennung einer Übertragung von Krankheitserregern vorgebeugt. Dabei werden entweder abwehrgeschwächte Patienten vor Krankheitserregern oder andere Personen und die Umgebung vor einem Patienten mit einer ansteckenden Krankheit geschützt. Die Patienten sind dabei in der Regel in Isolierzimmern untergebracht; einige Krankenhäuser halten komplette Isolierstationen vor. Daneben gibt es für hochgradig infektiöse Kranke Sonderisolierstationen in speziellen Behandlungszentren.

Stationäre Einrichtungen verfügen über hausinterne Hygienepläne, in denen spezielle Regelungen zur Isolierung festgelegt sind, die sich an den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes orientieren.

Inhaltsverzeichnis

Isolierung infektiöser PatientenBearbeiten

 
Schutzkleidung: Schutzkittel, Kopfhaube, Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz
 
Infektionswäsche- und Abfallsammelwagen, mit Fußpedalen zum Öffnen

Die Standardisolierung wird vor allem auf chirurgischen Stationen angewendet, um Patienten mit infizierten („septischen“) Wunden von Patienten ohne Wundinfektion („aseptische“) fernzuhalten. Sie werden in getrennten Zimmern untergebracht.[1]

Bei der sogenannten Quellenisolierung[2] werden im Krankenhaus Patienten isoliert, wenn es der Hygieneplan vorsieht. Das sind in der Regel Patienten, die an einer meldepflichtigen Infektion erkrankt sind oder der Verdacht auf eine solche Erkrankung und die Gefahr der Übertragung auf andere Patienten besteht, zum Beispiel bei einer Besiedelung mit MRSA oder anderen antibiotikaresistenten Bakterien auf der Haut, in Ausscheidungen, Sekreten oder in den Atemwegen.

Je nach Infektiosität bzw. Kontagiosität beschränkt sich eine Isolierung von Infizierten auf einzelne Maßnahmen räumlicher Trennung (beispielsweise eigene Toilette) über strikte oder strenge Isolierung bis hin zu einer Quarantäne. Mehrere Patienten, die an der gleichen Infektion erkrankt sind, können innerhalb einer sogenannten Kohortenisolierung gemeinsam in einem Raum untergebracht werden.[1] Patienten unter Quarantäne werden auf speziellen Isolierstationen behandelt. An der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité in Berlin ist die größte deutsche Sonderisolierstation für hochansteckende Krankheiten angesiedelt.

Dagegen dürfen Menschen, die in einer Pflegeeinrichtung wohnen, nicht streng isoliert werden, da eine solche Maßnahme das Selbstbestimmungsrecht und die Bewegungsfreiheit des Bewohners unangemessen einschränken würde. Andererseits ist die Einrichtung gehalten, den Schutz der Mitbewohner weitgehend sicherzustellen. Daher empfiehlt die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention, detaillierte Vorgehensweisen im Hygieneplan festzulegen, die im Einzelfall situationsabhängig abgewogen werden müssen. Es sollen nur solche Maßnahmen angewandt werden, die „aus hygienischer Sicht bewiesenermaßen oder mit hoher Wahrscheinlichkeit das Übertragungsrisiko reduzieren.“[3]

TransportBearbeiten

Infektiöse Patienten sollten ihr Zimmer möglichst nur dann verlassen, wenn sie aus medizinischen Gründen verlegt oder zu Untersuchungszwecken transportiert werden müssen. Innerhalb des Krankenhauses muss die betroffene Abteilung (z. B. Röntgen, Magnetresonanztomographie) vorher über die Art der Infektion und erforderlichen Schutzmaßnahmen informiert werden. Das gilt ebenfalls bei Verlegung in andere Einrichtungen. Liegt eine Infektion vor, die durch Tröpfchen oder Aerosole übertragen wird, sollte der Patient für den Transport möglichst einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Bereiche mit erhöhtem Patienten- oder Besucheraufkommen sollten beim Transport weitgehend gemieden werden.[4]

Maßnahmen nach Beendigung der IsolierungBearbeiten

Hat die Kontagiosität des Patienten nachweislich so weit abgenommen, dass Personal und Mitpatienten nicht mehr gefährdet sind, können die Isolierungsmaßnahmen beendet werden. Damit für andere von der Patientenumgebung kein erhöhtes Infektionsrisiko ausgeht, muss eine sogenannte Schlussdesinfektion durchgeführt werden, die alle möglicherweise mit den Krankheitserregern kontaminierten, erreichbaren Oberflächen und Gegenstände umfasst, einschließlich des Patientenbettes und der Nasszelle. Die Auswahl des geeigneten Desinfektionsmittels richtet sich nach der Wirksamkeit gegen die vorliegenden Erreger. Bei der Aufbereitung muss das durchführende Personal entsprechende Schutzmaßnahmen einhalten.[4]

Isolierung immungeschwächter PatientenBearbeiten

Bei Patienten, die aus unterschiedlichen Gründen ein schwaches Immunsystem haben, kann unter Umständen eine protektive oder Umkehr-Isolierung nötig werden. Dabei geht es darum, einen erheblich abwehrgeschwächten Patienten weitgehend vor Umgebungs- und Krankheitskeimen zu schützen.[2] Eine solche Immunsuppression tritt beispielsweise bei großflächigen Verbrennungen, nach einer Organtransplantation oder Chemotherapie auf, die wegen einer Krebserkrankung durchgeführt wurde. Das gilt besonders bei Leukämie, wenn eine Stammzelltransplantation durchgeführt werden muss. Die Notwendigkeit einer Isolation wird in diesem Fall von der Zahl der Leukozyten im Blut abhängig gemacht; bei Aids kann sich eine Gefährdung anhand der Zahl der CD4-Lymphozyten zeigen.

VorgehenBearbeiten

 
Hinweisschild an der Tür eines Isolierzimmers

Das Vorgehen ist im Hygieneplan festgelegt. Es richtet sich in erster Linie nach Art der Infektion bzw. dem Immunstatus des gefährdeten Patienten. Die Basis- oder Standardhygiene, die bei jedem Patienten anzuwenden ist, wird in der Regel mit den Maßnahmen der Barrierepflege (sogenannte „Kittelpflege“) ergänzt: vor Patientenkontakt legen Mitarbeiter persönliche Schutzausrüstung (PSA) bzw. zusätzliche Schutzkleidung an.[5]

IsolierzimmerBearbeiten

Ein Isolierzimmer ist ein Einzelzimmer mit eigener Nasszelle, nur bei Kohortenisolierung wird ein Mehrbettzimmer entsprechend ausgestattet. Für die Umkehrisolation oder zur Unterbringung von Patienten mit z. B. Windpocken-Infektion werden Isolierzimmer mit Vorraum (sogenannte Schleuse) empfohlen,[6] um einen ausreichenden räumlichen Abstand zwischen potenziell infektiösen und infektionsgefährdeten Personen und Materialien zu gewährleisten. Im Vorraum wird Schutzkleidung angelegt und potentiell kontaminiertes Material (einschließlich gebrauchter Schutzkleidung) entsorgt bzw. desinfiziert, bevor es nach außen oder in das Zimmer gebracht wird. Infektiöse Wäsche wird in gekennzeichneten, flüssigkeitsdichten Säcken oder Behältern gesammelt. Bestimmte mehrfach verwendbare Hilfsmittel, Pflegeutensilien und Geräte (z. B. Blutdruckmessgerät, Stethoskop) verbleiben im Zimmer.

Im Krankenhaus werden Isolierzimmer mit Hinweisschildern gekennzeichnet. Mitarbeiter und Besucher betreten das Zimmer nur nach Händedesinfektion und entsprechender Ausstattung, beispielsweise mit Mund-Nasen-Schutz, Schutzhandschuhen und einem eigens übergestreiften frischen Kittel, welche nach Verlassen des Zimmers im bereitstehenden Wäschesammler bzw. Abfalleimer entsorgt werden. Anschließend wird erneut eine Händedesinfektion durchgeführt. Bei erneutem Betreten des Isolationszimmers wird ein neuer Kittel genutzt.

IsolierstationBearbeiten

Auf einer Isolierstation sind alle Zimmer mit einem Vorraum ausgestattet, die Station selbst kann – wie eine Intensivstation – nur durch einen Schleusenraum betreten werden. Manche Krankenhäuser haben keine spezielle Isolierstation, sondern halten auf den Bettenstationen mehrere Einzelzimmer mit Vorraum vor, die bei Bedarf als Schleuse fungieren. Bei erhöhtem Anfall infektiöser Patienten (z. B. bei einem Grippe-Ausbruch) werden einzelne Stationen zur Isolierstation umgewidmet.[7]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b A. Heuwinkel-Otter, A. Nümann-Dulke, N. Matscheko (Hrsg.): Menschen pflegen - Der Praxisbegleiter für Pflegeprofis. Springer-Verlag, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-79320-5, S. 288.
  2. a b Nicole Menche (Hrsg.): Pflege Heute. Elsevier, Urban & Fischer, München 2011, ISBN 978-3-437-28141-9, S. 292.
  3. Infektionsprävention in Heimen. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut (RKI). In: Bundesgesundheitsblatt. 48, 2005, S. 1061–1080, S. 1073. doi:10.1007/s00103-005-1126-2; abgerufen am 6. März 2019.
  4. a b KRINKO-Empfehlung Infektionsprävention im Rahmen der Pflege und Behandlung von Patienten mit übertragbaren Krankheiten. Bundesgesundheitsbl. 2015, 58:1151–1170 DOI 10.1007/s00103-015-2234-2, S. 1161f. Abgerufen am 18. März 2019
  5. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut, Definitionen – Glossar, Bundesgesundheitsblatt 2014, 57:696–732, S. 697 DOI 10.1007/s00103-014-1980-x; abgerufen am 7. März 2019
  6. Übersicht der Infektionserkrankungen und erforderliche Maßnahmen als Grundlage für Festlegungen im Hygieneplan. KRINKO 2016; abgerufen am 7. März 2019
  7. Isolierstation oder Einzelzimmer bei Influenza? Ärztezeitung online vom 12. Januar 2019; abgerufen am 7. März 2019