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Werner E. Gerabek

deutscher Medizinhistoriker, Hochschullehrer und Verleger
Werner E. Gerabek (2013)

Werner E. Gerabek (* 14. Juli 1952 in Gerolzhofen[1]) ist ein deutscher Germanist und Medizinhistoriker sowie Gründer und Geschäftsführer des Deutschen Wissenschafts-Verlags (DWV).

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Werner E. Gerabek, Sohn des Lehrers Franz Gerabek, besuchte die Schulen in Lülsfeld und Würzburg. Am dortigen Röntgen-Gymnasium absolvierte er 1973 das Abitur. Er studierte Deutsch, Geschichte und Sozialkunde an der Universität Würzburg. Seine akademischen Lehrer waren Hans-Jürgen Schings, Kurt Ruh, Norbert Richard Wolf und Otto Meyer. 1980 absolvierte er die Wissenschaftliche Prüfung für das Lehramt an Gymnasien. Im selben Jahr trat er eine Stelle als Wissenschaftliche Hilfskraft am von Gundolf Keil geleiteten Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg. Dort bildete er sich im Fach Medizingeschichte weiter. Nach Tätigkeiten als Studienreferendar in Schweinfurt und Traunstein (1984–1986) und dem Ablegen des Zweiten Staatsexamens wurde Gerabek 1986 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg. 1988 wurde er mit einer Arbeit über Jean Paul, die bei Günter Hess und Helmut Pfotenhauer schrieb, an der Philosophischen Fakultät II der Universität Würzburg zum Dr. phil. promoviert.[1] 1995 wurde er an der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg mit einer Arbeit über Friedrich Wilhelm Joseph Schelling für Medizingeschichte habilitiert. Seit 1996 lehrt er als Lehrbeauftragter mit Promotionsrecht das Fach Medizingeschichte auch an der Universität Regensburg. 2001 wurde Gerabek an der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg zum außerplanmäßigen Professor für Geschichte und Ethik der Medizin ernannt.[2]

1998 gründete Gerabek in Würzburg den Deutschen Wissenschafts-Verlag (DWV), den er bis heute leitet.[3]

Aufgrund seiner Forschungen zur Geschichte der deutsch-türkischen wissenschaftlichen Beziehungen in der Medizin erhielt Gerabek 1998 in Istanbul von der Medizinischen Fakultät der Militärmedizinischen Akademie Gülhane die Atatürk-Plakette verliehen.

ForschungBearbeiten

Zu Gerabeks Hauptarbeitsgebieten zählt die Geschichte der Medizin und Zahnmedizin im Nationalsozialismus. Weitere Arbeitsgebiete sind die Medizin und Anthropologie der deutschen Aufklärung und Romantik, die Geschichte der Zahnheilkunde, die Würzburger Medizingeschichte sowie die medizinhistorische Lexikographie.[2] Er ist Mitarbeiter der Neuen Deutschen Biographie, für das er bislang 35 Beiträge über Mediziner verfasst hat.[4] Des Weiteren arbeitet er über die mittelalterliche Heilkunde, unter anderem auch als Rezensent für das Deutsche Archiv für Erforschung des Mittelalters, das Publikationsorgan der Monumenta Germaniae Historica (MGH), sowie als Beiträger des Lexikons des Mittelalters und des Verfasserlexikons.[2] 1998 verfasste er für das Harenberg Lexikon der Nobelpreisträger[5] achtzehn ergografische Artikel über Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin[2]. Seit 2005 ist Gerabek Mitherausgeber der um 1998 als medizinhistorischer „Pschyrembel“[6] geplanten Enzyklopädie Medizingeschichte,[7] für die er selbst 164 Artikel verfasst hatte[2].

Gerabek hat bislang mehr als 400 Schriften veröffentlicht und zahlreiche Dissertationen an den Universitäten in Würzburg und Regensburg als Doktorvater betreut. Eine Doktorandin Gerabeks erhielt für ihre Dissertation über den SS-Zahnarzt Willy Frank 2008 den „Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus“ der Bundesärztekammer[8].

Wissenschaftliche GutachtertätigkeitBearbeiten

Gerabek ist unter anderem für die Studienstiftung des deutschen Volkes, die Alexander von Humboldt-Stiftung sowie für den Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) als Gutachter für Geschichte der Medizin tätig. Des Weiteren übt er für die Wiener klinische Wochenschrift eine gutachterliche Tätigkeit aus. Gerabek ist ferner Mitarbeiter am Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Zahnmedizin (NKLZ).

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

Als Autor:

  • Consolida maior, Consolida minor und eine Kräuterfrau. Medizinhistorische Beobachtungen zur Reinhardsbrunner Briefsammlung, in: Sudhoffs Archiv. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte 67 (1983), S. 80–93
  • Naturphilosophie und Dichtung bei Jean Paul. Das Problem des Commercium mentis et corporis. Akademischer Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-88099-206-1 (Dissertation, Universität Würzburg, 1987).
  • Jean Paul und die Physiognomik, in: Sudhoffs Archiv. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte 73 (1989), S. 1–11
  • Deutsch-türkische Kulturbeziehungen: Alfred Kantorowicz und sein Schüler Lem’i Belger, in: Zahnärztliche Mitteilungen 80 (1990), S. 786–793
  • Der Leipziger Physiologe Carl Ludwig und die medizinische Instrumentation, in: Sudhoffs Archiv. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte 75 (1991), S. 171–179
  • Schenck, Johann, von Würzburg. Wundarzt in Trier, 15. Jh. , in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 2. Aufl. hrsg. von Kurt Ruh, VIII, Berlin und New York: Walter de Gruyter 1991, Sp. 637–639
  • N[ikolaus] v[on] Reggio, in: Lexikon des Mittelalters, VI, München und Zürich 1993, Sp. 1186f.
  • Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und die Medizin der Romantik. Studien zu Schellings Würzburger Periode. Peter Lang, Frankfurt 1995, ISBN 3-631-48865-3 (Habilitationsschrift, Universität Würzburg, 1995).
  • „Das Sterben ist das letzte Magnetisieren“ oder Die Wandlungen des Mesmerismus, in: Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Nervenheilkunde 1 (1996), S. 133–138
  • Der Würzburger Arzt und Naturgelehrte Philipp Franz von Siebold. Der Begründer der modernen Japanforschung, in: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 14 (1996), S. 153–160
  • Die Verdienste deutscher Mediziner bei der Verwirklichung der Universitätsreform von Atatürk (1933) , in: Verhandlungen des Symposions über die Universitätsreform von Atatürk und die Medizin zu dieser Zeit. 25. Oktober 1996, hrsg. von Arslan Terzioglu und Erwin Lucius, Istanbul 1997 (= Acta Turcica Historiae Medicinae, 4), S. 31–39
  • Karl Philipp Moritz (1756–1793) – Ein Pionier der Seelenheilkunde, in: Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Nervenheilkunde 5 (1999), S. 17–26
  • The tooth-worm: historical aspects of a popular medical belief, in: Clinical Oral Investigations 3 (1999), H. 1, S. 1–6
  • mit August Heidland und K. Sebekova: Franz Volhard and Theodor Fahr: achievements and controversies in their research in renal disease and hypertension, in: Journal of Human Hypertension 15 (2001), S. 5–16
  • Lorenz Oken und die Medizin der Romantik. Die Würzburger Zeit des Naturforschers (1804–1805) , in: Lorenz Oken (1779–1851). Ein politischer Naturphilosoph, hrsg. von Olaf Breidbach, Hans-Joachim Fliedner und Klaus Ries, Weimar 2001, S. 52–72
  • Zahnpflege, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, begr. v. Johannes Hoops, 2. völlig neu bearb. und stark erw. Aufl. hrsg. v. Heinrich Beck, Dieter Geuenich u.a., XXXIV, Berlin und New York: Walter de Gruyter 2006, S. 419–422
  • Das Gesundheitswesen der Stadt Würzburg, in: Geschichte der Stadt Würzburg. Vom Übergang an Bayern 1814 bis zum 21. Jahrhundert, hrsg. von Ulrich Wagner, III,1, S. 770–776, III, 2, S. 1332, Stuttgart 2007
  • Romantische Medizin und Religiosität, in: Mystik und Natur. Zur Geschichte ihres Verhältnisses vom Altertum bis zur Gegenwart, hrsg. von Peter Dinzelbacher, Berlin und New York: Walter de Gruyter 2009 (= Theophrastus Paracelsus Studien, Bd. 1), S. 141–154

Als Herausgeber:

  • mit Josef Domes, Bernhard D. Haage, Christoph Weißer, Volker Zimmermann: Licht der Natur. Medizin in Fachliteratur und Dichtung. Festschrift für Gundolf Keil zum 60. Geburtstag. Kümmerle, Göppingen 1994, ISBN 3-87452-829-4.
  • mit Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner: Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4.
  • mit Ludwig Schießl, Manfred Jähne, Michael Nerlich, Thomas Richter, Christoph Weißer (Hrsgg.): Doktor Eisenbarth (1663–1727). Ein Meister seines Fachs: Medizinhistorische Würdigung des barocken Wanderarztes zum 350. Geburtstag. Deutscher Wissenschafts-Verlag (DWV), Baden-Baden 2013. ISBN 3-86888-064-X

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Lebenslauf in Dissertation (siehe Schriften), S. [315].
  2. a b c d e Prof. Dr. phil. Dr. med. habil. Werner E. Gerabek, Website des Instituts für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg, abgerufen am 4. Oktober 2016.
  3. Verlag, Website des Deutschen Wissenschafts-Verlags (DWV), abgerufen am 4. Oktober 2016.
  4. Artikel von Werner E. Gerabek in der Neuen Deutschen Biographie, Website der Deutschen Biographie, abgerufen am 4. Oktober 2016.
  5. Harenberg Lexikon der Nobelpreisträger. Alle Preisträger seit 1901. Ihre Leistungen, ihr Leben, ihre Wirkung. Harenberg, Dortmund 1998.
  6. Werner E. Gerabek: Die Edition des medizinhistorischen „Pschyrembel“. Ein lexikographischer Werkstattbericht. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 18, 1999, S. 15–17.
  7. Enzyklopädie Medizingeschichte, Website des Verlags De Gruyter, abgerufen am 4. Oktober 2016.
  8. Forschungspreis 2008 zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus, Website der Bundesärztekammer, abgerufen am 4. Oktober 2016.