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Niederwiesa

Gemeinde im Landkreis Mittelsachsen, Sachsen, Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Niederwiesa
Niederwiesa
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Niederwiesa hervorgehoben

Koordinaten: 50° 52′ N, 13° 1′ O

Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Mittelsachsen
Höhe: 300 m ü. NHN
Fläche: 16,39 km2
Einwohner: 4893 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 299 Einwohner je km2
Postleitzahl: 09577
Vorwahl: 037206
Kfz-Kennzeichen: FG, BED, DL, FLÖ, HC, MW, RL
Gemeindeschlüssel: 14 5 22 420
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Dresdner Straße 22
09577 Niederwiesa
Website: www.gemeinde-niederwiesa.de
Bürgermeisterin: Ilona Meier (parteilos)
Lage der Gemeinde Niederwiesa im Landkreis Mittelsachsen
AltmittweidaAugustusburgBobritzsch-HilbersdorfBrand-ErbisdorfBurgstädtClaußnitzDöbelnDorfchemnitzEppendorfErlau (Sachsen)FlöhaFrankenberg/Sa.Frauenstein (Erzgebirge)FreibergGeringswaldeGroßhartmannsdorfGroßschirmaGroßweitzschenHainichenHalsbrückeHarthaHartmannsdorf (bei Chemnitz)Königsfeld (Sachsen)Königshain-WiederauKriebsteinLeisnigLeubsdorf (Sachsen)Lichtenau (Sachsen)Lichtenberg/Erzgeb.LunzenauMittweidaMühlau (Sachsen)Mulda/Sa.Neuhausen/Erzgeb.NiederwiesaOberschönaOederanOstrau (Sachsen)PenigRechenberg-BienenmühleReinsberg (Sachsen)RochlitzRossau (Sachsen)RoßweinSaydaSeelitzStriegistalTauraWaldheimWechselburgWeißenborn/Erzgeb.ZettlitzZschaitz-OttewigSachsenKarte
Über dieses Bild

Niederwiesa ist eine an die Großstadt Chemnitz angrenzende Gemeinde im Landkreis Mittelsachsen. Sie umfasst seit dem 1. Januar 1996 die Ortsteile Niederwiesa, Braunsdorf und Lichtenwalde. Auf 16,36 Quadratkilometern wohnen rund 5000 Einwohner. Bekannt ist das restaurierte Schloss Lichtenwalde mit seinem ausgedehnten Barockgarten.

GeografieBearbeiten

 
Luftaufnahme von Niederwiesa

Die Gemeinde Niederwiesa liegt an der Zschopau, rund zehn Kilometer östlich vom Chemnitzer Stadtzentrum.

NachbarorteBearbeiten

Lichtenwalde Braunsdorf Frankenberg/Sa.Altenhain
Chemnitz  
Hilbersdorf Euba Flöha

GemeindegliederungBearbeiten

Die Gemeinde ist in die drei Ortsteile Niederwiesa, Braunsdorf und Lichtenwalde eingeteilt. Die Ortsteile Braunsdorf und Lichtenwalde sind zugleich Ortschaften im Sinne der §§ 65 bis 68 der Sächsischen Gemeindeordnung. Für diese Ortschaften gibt es jeweils einen Ortschaftsrat, der in Braunsdorf zwei, in Lichtenwalde zehn Mitglieder hat, sowie einen Ortsvorsteher als Vorsitzenden. Die Ortschaftsräte sind zu wichtigen die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören. Eine endgültige Entscheidung obliegt dann jedoch dem Gemeinderat der Gemeinde Niederwiesa.

GeschichteBearbeiten

Der Ort Wiesa wurde vermutlich um das Jahr 1216 gegründet. Damals wurde noch nicht zwischen Oberwiesa und Niederwiesa unterschieden. Im Jahr 1346 wurde Wiesa als selbstständige Pfarrei in der Matrikel des Bistums Meißen erstmals als Wissen erwähnt. 1378 erscheint die Unterscheidung in Wese superior und Wese inferior. Zu dieser Zeit lag der Ort im Gau Rochlitz, da von der Burg Rochlitz die Besiedelung ausging. Ab 1450 gehörte zen der Wysen zur Lehnsherrschaft Lichtenwalde, allerdings übte die Stadt Chemnitz (Kempnitz) das Recht der Bannmeile aus. Im Jahr 1509 kam es in den sogenannten Bierkriegen zwischen Wiesa und Chemnitz zum Streit um das Braurecht und den Ausschank. Vermutlich aufgrund der Streitigkeiten um die Privilegien der Stadt Chemnitz kam es im Jahr 1563 zur Teilung in Ober- und Niederwiesa. Im Jahr 1540 wurde in Niederwiesa erstmals eine Kirchschule erwähnt,[2] deren Lehrer sich nebenbei z. B. als Handwerker oder Krämer ihr Geld verdienen müssen.

In Niederwiesa existierte 1562 ein Vorwerk das später als Lehngut bezeichnet wurde.[3] Dieses gehörte zur Grundherrschaft des Ritterguts Lichtenwalde. Der Ort Niederwiesa gehörte ebenfalls zeitweise zur Grundherrschaft Lichtenwalde bzw. als Amtsdorf direkt zum kursächsischen Amt Lichtenwalde, das ab 1696 durch das kursächsische Amt Frankenberg-Sachsenburg und ab 1783 durch das kursächsische bzw. spätere königlich-sächsische Amt Augustusburg[4] verwaltet wurde. Nach dem Ende der sächsischen Ämterverfassung 1856 lag Niederwiesa im Zuständigkeitsbereich des Gerichtsamts Frankenberg und ab 1875 der Amtshauptmannschaft Flöha.[5] Niederwiesa besaß bereits im Mittelalter eine Kirche, welche 1898 durch einen Neubau ersetzt wurde.[6] Bis in das 19. Jahrhundert hinein hatte Niederwiesa eine klare dörflich ausschließlich auf Landwirtschaft ausgerichtete Struktur. Um 1836/40 wurde im Niederwiesaer Struthflügel Steinkohle abgebaut. Mit der infrastrukturellen Anbindung durch den Bau des Bahnhofs Niederwiesa an der Eisenbahnstrecke Dresden–Werdau (1866), der Eröffnung der Bahnstrecke Roßwein–Niederwiesa (1869) und mit der damit verbundenen Anbindung an die Großstädte entwickelte sich der Handel im Ort. Nachdem im Nachbarort Oberwiesa im Jahr 1860 eine Brauerei erbaut wurde (existierte bis 1890), entstand 1884 in Niederwiesa eine weitere an der Dresdner Straße, welche heute als Restaurant „Brauhof“ bekannt ist.

Am 1. Januar 1914 vereinigten sich die Gemeinden Oberwiesa und Niederwiesa zur Gemeinde Wiesa, die am 20. Juli 1915 laut Beschluss der Gemeinde in Niederwiesa umbenannt wurde. Durch die zweite Kreisreform in der DDR kam die Gemeinde Niederwiesa im Jahr 1952 zum Kreis Flöha im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), der ab 1990 als sächsischer Landkreis Flöha fortgeführt wurde und 1994 im Landkreis Freiberg bzw. im Jahr 2008 im Landkreis Mittelsachsen aufging.

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Januar 1914 schlossen sich Niederwiesa und Oberwiesa zur neuen Gemeinde Wiesa zusammen.[7] 1915 wurde Wiesa in Niederwiesa umbenannt.

Am 1. Juli 1995 wurde Braunsdorf eingemeindet.[8]Lichtenwalde folgte am 1. Januar 1996.[9]

 
Kirche zu Niederwiesa

EinwohnerentwicklungBearbeiten

(ab 1975 Stichtag: 31. Dezember)

Jahr Einwohner
1914 3.950
1933 4.507
1939 4.954
1946 5.721
Jahr Einwohner
1947 6.316
1964 5.075
1975 4.474
1989 3.676
Jahr Einwohner
1995 4.793
1996 4.840
2005 5.270
2006 5.237
Jahr Einwohner
2007 5.160
2008 5.139
2009 5.076
2010 5.057
Jahr Einwohner
2011 5.047
2012 4.990
2013 4.950
2014 4.914
Quelle ab 1995 mit Gebietsstand Januar 2011: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen / Regionaldaten Gemeindestatistik Sachsen[10]
ab 1990: Bevölkerungsfortschreibung auf Basis der Registerdaten vom 3. Oktober 1990 (Einwohner: 4989)
ab 2011: Bevölkerungsfortschreibung auf Basis der Zensusergebnisse vom 9. Mai 2011 (Einwohner: 5047)

ReligionenBearbeiten

Im Ort befinden sich eine evangelisch-lutherische und eine katholische Pfarrgemeinde, von denen Erstere mehr Mitglieder aufweist.

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Die Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 56,9 % (- 9,7) zu folgendem Ergebnis für die Zusammensetzung im Gemeinderat:[11]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
BI 47,0 % 9
BLB 20,8 % 3
CDU 16,6 % 3
DIE LINKE 8,2 % 1

BürgermeisterBearbeiten

Dietmar Hohm war von 1990 bis 2012 Bürgermeister der Gemeinde. Zum 1. Januar 2013 wurde er von Ilona Meier abgelöst, die als einzige Kandidatin zur Wahl antrat und im Oktober 2012 mit 86 % der Stimmen gewählt wurde.[12]

KreistagBearbeiten

Bei der letzten Kommunalwahl am 25. Mai 2014 schafften zwei Kandidaten aus Niederwiesa den Sprung in den Kreistag: Dietmar Hohm (CDU/RBV-Fraktion) und Sebastian Walter (Bündnis 90/Die Grünen).

WappenBearbeiten

Das Wappen ist ein Senser an einem Fluss mit drei Steinen vor dem Hintergrund dreier Bäume und dem Braunsdorfer Wasserturm. Der Fluss ist die Zschopau, welche die Gemeinde durchfließt. Die drei Steine symbolisieren Niederwiesa und die beiden Ortsteile Braunsdorf und Lichtenwalde. Das Wappen entstand durch das Zusammenfügen der drei Einzelwappen bei der Vereinigung der drei Orte.

GemeindepartnerschaftenBearbeiten

Seit dem 3. Oktober 1990 besteht die Gemeindepartnerschaft mit Bestwig, 2005 kam eine zweite Partnerschaft zur ungarischen Gemeinde Tiszadorogma hinzu.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

MuseenBearbeiten

 
Das Niederwiesaer Rathaus

Aufgrund seiner umfangreichen Sammlung von rund 7.000 Ausstellungsstücken ist das Feuerwehrmuseum ein Museum, welches in der Region seinesgleichen sucht. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Niederwiesa haben selbst die Stücke, vom 19. Jahrhundert beginnend, zusammengetragen. Das Museum ist auf Anfrage geöffnet.

Das Webereimuseum der Firma Tannenhauer in Braunsdorf ist eine ehemalige Weberei, die bis in die DDR-Zeit produziert hat. Verschiedene Webstühle, -maschinen und -techniken können besichtigt und zum Teil auch selbst ausprobiert werden. Das Museum ist ganzjährig an verschiedenen Wochenenden und Feiertagen geöffnet.

Das Schloss Lichtenwalde beherbergt das Museum für Völker und Kulturen mit der Sammlung Frank, ein Uhrenmuseum, die erste Wünschelrutenausstellung der Welt, eine Sammlung von Puppen und historischem Spielzeug sowie die Werkschau der Cammann Gobelin Manufaktur. Die Besichtigung ist täglich, außer montags, möglich. Ebenfalls befindet sich im Schloss auch die Umweltbibliothek der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt.

BauwerkeBearbeiten

 
Schloss Lichtenwalde

Das zwischen 1722 und 1726 erbaute Barockschloss Lichtenwalde ist das Glanzstück der Gemeinde. 1730 wurde der angrenzende Barockgarten mit seinen Pavillons, Brunnen und Skulpturen angelegt, in denen oft Konzerte stattfinden. Zu dem Schlossareal gehören noch eine Orangerie, ein Rittergut und ein Brauhaus, die Schlosskapelle aus dem 13. Jahrhundert mit der anschließenden Terrasse bilden den Kern des Schlosses. Das Schloss wurde nach dem Brand Anfang des 20. Jahrhunderts, der eine Hälfte zerstörte, zwischen 1999 und 2003 wieder restauriert. Anschließend an das Schloss liegt abseits das Familiengrab der Grafen Vitzthum von Eckstädt. Die Schlosspromenade, an denen sich mehrere Gaststätten und Läden befinden, ist Mittelpunkt vieler Ausflüge nach Lichtenwalde.

GedenkstättenBearbeiten

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

  • April: Hexenfeuer
  • Juni: Feuerwehrfest
  • Juni: Musikalische Sommernachtsträume
  • September: Kirmes

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Niederwiesa liegt verkehrsgünstig an der Bundesstraße 173 und ist schnell über die Bundesautobahn 4 (Anschlussstelle Chemnitz-Ost) zu erreichen.

 
Bahnhof von Niederwiesa

Außerdem liegt die Gemeinde mit dem Bahnhof Niederwiesa an der überregionalen Bahnstrecke Dresden–Werdau, der Sachsen-Franken-Magistrale, sowie an den Regionalbahnstrecken zwischen Chemnitz und Hainichen (Bahnstrecke Roßwein–Niederwiesa), Olbernhau und Cranzahl. Dieser wird im Stundentakt von der RB-Linie 30 Dresden–Zwickau, wochentags stündlich durch die Linie 516 City-Bahn Chemnitz zwischen Chemnitz und Hainichen und die Erzgebirgsbahn bedient.

Der zweite Haltepunkt innerhalb des Gemeindegebietes, Braunsdorf-Lichtenwalde, befindet sich an der Bahnstrecke zwischen Chemnitz und Hainichen im Ortsteil Braunsdorf und wird wochentags stündlich, an Wochenend- und Feiertagen einmal in zwei Stunden pro Richtung bedient. Der Haltepunkt wird oft als Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung angeboten.

Mit der zweiten Stufe des Chemnitzer Modells ab 2009 wird die Bahnstrecke nach Hainichen mit niederflurigen Zweisystemfahrzeugen befahren. Dadurch wird eine direkte Zufahrt in das Chemnitzer Stadtzentrum ermöglicht.

BildungseinrichtungenBearbeiten

 
Oberschule Niederwiesa

Niederwiesa verfügt mit seinen beiden Ortsteilen Braunsdorf und Lichtenwalde über zwei Kindergärten, eine Grundschule (Seeber-Grundschule) und eine Oberschule. Die Oberschule Niederwiesa ist für ihren Blockunterricht bekannt, bei denen die Schüler immer zu zwei Stunden zu je 45 Minuten unterrichtet werden und dann eine größere Pause einlegen. Für ihre hervorragende Projektarbeit wurden im Mai 2012 die Oberschule Niederwiesa mit dem 1. Sächsischen Schulpreis ausgezeichnet.

 
Villa in Niederwiesa

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt habenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Niederwiesa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Geschichte der Schulen in Niederwiesa
  3. [1]
  4. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 70 f.
  5. Die Amtshauptmannschaft Flöha im Gemeindeverzeichnis 1900
  6. Webseite der Kirche Niederwiesa
  7. Die Stadt- und Landgemeinden in Sachsen, Verlag E. Wulffen, Dresden, 1938.
  8. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1995
  9. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1996
  10. Regionaldaten Gemeindestatistik Sachsen
  11. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Niederwiesa
  12. bestwig.de (Memento des Originals vom 29. März 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bestwig.de