Neuhausen am Rheinfall

Gemeinde im Kanton Schaffhausen in der Schweiz

Neuhausen am Rheinfall (bis 1938 offiziell Neuhausen genannt) ist eine politische Gemeinde des Kantons Schaffhausen in der Schweiz.

Neuhausen am Rheinfall
Wappen von Neuhausen am Rheinfall
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton SchaffhausenKanton Schaffhausen Schaffhausen (SH)
Bezirk: Schaffhausen
BFS-Nr.: 2937i1f3f4
Postleitzahl: 8212
Koordinaten: 688454 / 282076Koordinaten: 47° 41′ 0″ N, 8° 37′ 0″ O; CH1903: 688454 / 282076
Höhe: 410 m ü. M.
Höhenbereich: 359–568 m ü. M.[1]
Fläche: 8,00 km²[2]
Einwohner: i10'467 (31. Dezember 2019)[3]
Einwohnerdichte: 1308 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
42,7 % (31. Dezember 2019)[4]
Gemeindepräsident: Felix Tenger
Website: www.neuhausen.ch
Ansicht von Laufen-Uhwiesen über das Becken des Rheinfalls auf Neuhausen

Ansicht von Laufen-Uhwiesen über das Becken des Rheinfalls auf Neuhausen

Lage der Gemeinde
DeutschlandDeutschlandDeutschlandKanton ThurgauKanton ZürichBezirk OberklettgauBezirk ReiatBezirk SchleitheimBezirk UnterklettgauBargen SHBeringen SHBuchberg SHBuchberg SHBuchberg SHMerishausenNeuhausen am RheinfallRüdlingenSchaffhausenKarte von Neuhausen am Rheinfall
Über dieses Bild
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GeographieBearbeiten

Neuhausen ist bekannt für die Touristenattraktion Rheinfall, die mit der Gemeinde Laufen-Uhwiesen geteilt wird. Weitere Nachbargemeinden sind Flurlingen, Feuerthalen, Schaffhausen, Beringen sowie die deutsche Gemeinde Jestetten. Südlich verläuft die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz.

Nordwestlich befindet sich der Sender Neuhausen am Rheinfall (Engiwald). Wenige hundert Meter südlich von diesem ist der Galgenbuck (500 m), eine aussichtsreiche Anhöhe.

GeschichteBearbeiten

Die Nutzung der Verkehrswege im Bereich der Gemeinde wurde durch Bodenfunde aus dem Neolithikum und dem 5. Jahrhundert festgestellt. In römischer Zeit befand sich eine „Umladestation am Rheinfall“. Ein Dorf existierte ab dem 7. Jahrhundert. Frühe urkundliche Erwähnungen erfolgten als Niuhusen (900/910) und Niuwenhusin (1253). Ab dem 12. Jahrhundert existierten Getreidemühlen und ab 1404 gab es Eisenschmieden vor Ort. Folgende Daten kennzeichnen die Entwicklung des Ortes: 1524 12 Häuser.; um 1800 206 Einwohner; 1850 922 Einwohner; 1888 2'023 Einwohner; 1900 3'905 Einwohner; 1950 7'969 Einwohner; 1970 12'103 Einwohner; 2000 9'959 Einwohner.[6]

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Weinbau die wichtigste Einnahmequelle, der dörfliche Charakter blieb bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten. Der Eisenbahnanschluss 1857 und 1863 förderte zunächst sowohl den Tourismus als auch die Industrialisierung. Um die Jahrhundertwende ging der Tourismus stark zurück, während sich neue Betriebe ansiedelten. Der höchste Einwohnerstand war 1969 mit 12.251 Einwohnern zu verzeichnen.[7]

 
Historisches Luftbild von Walter Mittelholzer von 1919

WirtschaftBearbeiten

 
Gebäude der SIG

Zu den bekanntesten Unternehmen in Neuhausen gehören die Verbandstoff-Fabrik IVF Hartmann, die Schweizerische Industrie-Gesellschaft (SIG) sowie die heute zur Alcan-Gruppe gehörende ehemalige Alusuisse-Niederlassung. Bis 2014 hatte auch der internationale Sicherheitskonzern Tyco International seinen Sitz in Neuhausen. Waffenherstellung hat in Neuhausen Tradition, die von mehreren Firmen fortgeführt wurde.[8] Ab 1860 produzierte die Waggonfabrik, die 1863 zur Schweizerische Industrie-Gesellschaft (SIG) umbenannt wurde, in Neuhausen Handfeuerwaffen. wie das bekannte Vetterligewehr.[9]

PolitikBearbeiten

ParlamentBearbeiten

Die Legislative der Gemeinde Neuhausen ist der zwanzigköpfige Einwohnerrat. Er wird alle vier Jahre im Verhältniswahlverfahren gewählt. Die untenstehende Grafik zeigt die Sitzzusammensetzung nach der Wahl vom 29. November 2020.[10]

Partei 2012 2016 2020
Sozialdemokratische Partei 6 6 5
Schweizerische Volkspartei 5 6 5
FDP.Die Liberalen 4 3 3
Grüne Partei1 2 1 2
Grünliberale Partei n. a. n. a. 2
Christlichdemokratische Volkspartei 3 2 1
Alternative Liste n. a. 1 1
Eidgenössisch-Demokratische Union n. a. 1 1
1
2
5
2
1
3
5
1
Insgesamt 20 Sitze

RegierungBearbeiten

Der Gemeinderat bildet die Regierung der Gemeinde Neuhausen am Rheinfall. Er besteht aus dem Gemeindepräsidenten und vier weiteren Mitgliedern, die jeweils im Majorzwahlverfahren gewählt werden. Nach den Präsidiumswahlen vom 30. August 2020 und den Gemeinderatswahlen vom 25. Oktober 2020 setzt sich der Gemeinderat für die Amtsperiode 2021–2024 folgendermassen zusammen:[10]

Name Partei Referat
Felix Tenger FDP Gemeindepräsident, Präsidialreferat
Franziska Brenn SP
Christian Di Ronco CVP
Ruedi Meier SP
Andreas Neuenschwander SVP

VerkehrBearbeiten

 
Bahnstation Neuhausen Rheinfall

Neuhausen hat drei Bahnstationen, wovon der Bahnhof Neuhausen und der Bahnhof Neuhausen Rheinfall (seit 13. Dezember 2015) an der Rheinfallbahn beziehungsweise an der Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen liegen und von den Schweizerischen Bundesbahnen betrieben werden, während der Bahnhof Neuhausen Bad Bf an der Hochrheinbahn liegt und als Teil der deutschen Eisenbahnstrecken auf Schweizer Gebiet[11] unter der Verantwortung der Deutschen Bahn steht.

Seit Dezember 2019 wird Neuhausen am Rheinfall durch den Galgenbucktunnel umfahren und an den A4-Anschluss Schaffhausen Süd angebunden. Durch den Tunnel werden die Hauptstrassen H4, H13 und H14 geführt.

Innerhalb Neuhausens verkehrt seit 1968 der Trolleybus Schaffhausen, er ersetzte seinerzeit die 1901 eröffnete Strassenbahn Schaffhausen. Zwischen 1905 und 1964 verkehrte ausserdem die Strassenbahn Schaffhausen–Schleitheim durch den Ort.

Seit 1921 verbindet die Gemeinde eine Strassenbrücke über den Rhein mit der Gemeinde Flurlingen im Kanton Zürich.

ZwischenfälleBearbeiten

Beim Zusammenstoss zweier Personenzüge gab es am 10. Januar 2013 mehrere Verletzte. Die beiden Züge – ein Thurbo-GTW der S33 und ein HVZ-D der S11 – sind am Morgen nahe dem SBB-Bahnhof kollidiert. 26 Menschen wurden leicht oder mittelschwer verletzt. Den Verwundeten kamen auch Rettungskräfte aus Zürich und Deutschland zu Hilfe.[12]

SportBearbeiten

Neuhausen ist Sitz des Tischtennisclubs Neuhausen, des VFC Neuhausen 90 (Vereinigter Fussballclub Neuhausen 90) und des Turnverein Neuhausen[13].

WappenBearbeiten

Blasonierung:

In gelb über grünem Kleeblatt weisses nach rechts gekehrtes Rebmesser mit braunem Griff.

1569 findet sich für Neuhausen ein springender silberner Salm in Gold auf dem Wappen. Dieser symbolisierte die Wichtigkeit des Fischfangs für die Gemeinde. Kurze Zeit später lässt sich das gleiche Wappen in leicht veränderten Farben nachweisen. Der Hintergrund ist nicht golden, sondern rot. Mit dem Rückgang der Bedeutung des Fischfangs geriet vermutlich auch das Wappen in Vergessenheit, denn 1822 findet sich auf dem Wappen die heutige Verbindung von Kleeblatt mit Rebmesser. Diese beiden Elemente stellten nichts Aussergewöhnliches dar und entstammen vermutlich der Phantasielosigkeit des Siegelstechers, der die gleichen Symbole wie für viele andere Schaffhauser Gemeinden wählte.

Bei der Bereinigung der Wappen 1949 wurde vom Gemeinde- und Einwohnerrat das historische Wappen gewählt, da es gut belegt und einzigartig für Schaffhausen ist. Kurz nach dieser Abstimmung wurde aber ein Referendum ergriffen, in dessen Verlauf das modernere Wappen gewählt wurde.[14]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Gemeindehaus
 
Reformierte Kirche
 
Rheinfall bei Neuhausen

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

  • René Bardet (1948–2005), Gitarrist und Pressesprecher des Schweizer Fernsehens (SF DRS)
  • Walter Maria Förderer (1928–2006), Architekt, Bildhauer, Hochschullehrer und Politiker
  • Vreni Frauenfelder (1927–2018), Entwicklungshelferin
  • Hans Frey (1873–1947), Ingenieur, Generalstabsoffizier und Hochschullehrer
  • Daniela Keiser (* 1963), Konzept- und Installationskünstlerin
  • Peter Kilian (geboren als Fritz Schlumpf, 1911–1988), Arbeiterschriftsteller und -dichter
  • Paolo Knill (1932–2020), Musikwissenschaftler und Professor für Psychologie und Expressive Arts Therapies an der Lesley University Cambridge USA
  • Andy Lüscher (* 1953), Jazzmusiker
  • Arthur Moser (1880–1957), Architekt und Politiker
  • Hans Moser (1922–2012), Cartoonist, Karikaturist und Kolumnist
  • Oscar Neher (1862–1944), Industrieller
  • Arthur Rich (1910–1992), Theologe, Sozial- und Wirtschaftsethiker
  • Kurt Ruh (1914–2002), Mediävist und Hochschullehrer in Würzburg
  • Dieter Wiesmann (1939–2015), Liedermacher

Sonstige Persönlichkeiten, die in Neuhausen am Rheinfall gewirkt habenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Peter Pfaff: Neuhausen am Rheinfall. Ein Dorfbild gestern und heute, Neuhausen am Rheinfall 1996, ISBN 3-906660-07-9.
  • Franz Morath: Neuhausen am Rheinfall, in: Schaffhauser Magazin, 21, 1998, No. 2, S. 6–40.
  • Robert Pfaff: Die Heilig Kreuz-Kirche in Neuhausen am Rheinfall. Festschrift zur Einweihung der restaurierten-renovierten katholischen Pfarrkirche Heilig Kreuz in Neuhausen am Rheinfall, Neuhausen am Rheinfall 1993.
  • Karl-Hellmuth Jahnke: "Jestetter Zipfel". 100 Jahre Eisenbahnverbindung Eglisau – Neuhausen, in: Schaffhauser Mappe, 20, 1997, No. 2, S. 6–53.
  • Jürg Zimmermann: Zur Geschichte des "Badischen Bahnhofs" in Neuhausen am Rheinfall, in: Schaffhauser Beiträge zur Geschichte, 64, 1987, S. 109–123.

WeblinksBearbeiten

Commons: Neuhausen am Rheinfall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. BFS Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Höhen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  2. Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  3. Regionalporträts 2021: Kennzahlen aller Gemeinden. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2019 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  4. Regionalporträts 2021: Kennzahlen aller Gemeinden. Bei späteren Gemeindefusionen Ausländerprozentsatz aufgrund Stand 2019 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  5. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter. Neuhausen am Rheinfall. Stand: 1. April 2012, abgerufen am 11. Juli 2014
  6. Martin Akeret Weishaupt: Neuhausen am Rheinfall. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 21. Juli 2009, abgerufen am 5. Juni 2019.
  7. http://www.neuhausen.ch/index.dna?rubrik=23&lang=1
  8. Neue Zürcher Zeitung, Ausgabe vom 3. Oktober 2008: Traditionsgeschäft vor weiterem Neuanfang (Memento vom 1. Juli 2018 im Internet Archive), in Historisches Lexikon der Schweiz (HLS)
  9. Adrian Knoepfli: Schweizerische Industrie-Gesellschaft (SIG). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 27. Oktober 2011, abgerufen am 5. Juni 2019.
  10. a b Vergangene Abstimmungen. Gemeinde Neuhausen am Rheinfall, abgerufen am 30. November 2020.
  11. Nutzung der Eisenbahninfrastruktur der DB Netz AG, Infrastruktur Schweiz (Memento vom 10. Mai 2016 im Internet Archive), Information der DB Netz AG, abgerufen am 4. Dezember 2012
  12. Mathias Rellstab, Walter von Andrian: Die SBB-Unfälle in Lenzburg und Neuhausen. In: Schweizer Eisenbahn-Revue 2/2013, S. 93–96.
  13. TV Neuhausen – Sport | Spass. Abgerufen am 13. Januar 2021 (deutsch).
  14. Berty Bruckner-Herbstreit: Die Hoheitszeichen des Standes Schaffhausen und seiner Gemeinden. Reinach-Basel 1951 (Selbstverlag), S. 231–234.
  15. Mandy Ranneberg, Nathalie Walter: Landgut und Schloss Charlottenfels. Schweizerische Kunstführer Serie 97, Nr. 965, Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2015.
  16. Kurt Waldvogel: Dietrich Woessner. Schweizer Rosenvater und Ehrenbürger. In: Schaffhauser Magazin. 21. Jahrgang, Nr. 2, 1998, S. 21.