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Nesselblatt, heraldisches Muster
Nesselblatt, heraldisches Muster

Das Nesselblatt ist in der Heraldik eine Darstellung mit nicht eindeutig geklärter Bedeutung.

Es war – in Silber und Rot – ursprünglich das Wappen der Schauenburger und der Grafschaft Holstein, mit der sie im Jahre 1110 belehnt wurden. Dadurch kam es insbesondere in das Landeswappen von Schleswig-Holstein und des Landkreises Schaumburg und ist dort jeweils lokal verbreitet.

Darstellung und BedeutungBearbeiten

 
Wappen Schleswig-Holsteins, heute amtliche Form (Holsteinisches Nesselblatt hinten, vorne die Schleswiger Löwen)
 
Wappen Landkreis Schaumburg, heute amtliche Form (Nesselblatt, mit blauem Bord)

Charakter und Herkunft des Zeichens sind ungeklärt. Es gibt alte, bordürenartige Formen, und dreizählig-lappige, sodass nicht klar ist, ob es sich um einen ursprünglich silbernen Schild mit rotem Rand, oder einen roten Schild mit silbernem Zierrat handelt.

Die Theorien zur Herkunft sind:

  • Es handelt es sich um ein Heroldsbild, also eine abstrakte Farbteilung des Schildfeldes. Es wäre als umlaufende Reihe von Spitzen, die vom Rand als eine Art gezackter Bordüre in das Feld hineinragen, zu deuten. Es ist danach eine besondere Form der Borde, also ursprünglich eine umlaufende Schildverstärkung.
  • Es handelt es sich um eine gemeine Figur, nämlich die stilisierte Darstellung eines Blatts eines Brennnesselgewächses in der Feldmitte. Insbesondere die Brennnessel gilt als Symbol für Wehrhaftigkeit.
    Die Grafen von Schauenburg hatten ihren Stammsitz im Wesertal bei Rinteln im heutigen Landkreis Schaumburg. Dort befand sich der Stammsitz Schaumburg auf dem Nesselberg (Netelenberge), 1130 von Adolf von Salingleuen (richtiger: von Santersleben) errichtet. Berg, Burg und Geschlecht sollen den Namen davon haben, dass dort reichlich Nesseln gewachsen wären. Im mutmaßlich ältesten schriftlichen Bericht über das Schaumburger Wappen, in der Chronik des Cyriacus Spangenberg von 1617, heißt es: „In etzlichen alten verzeichnissen wird funden/es sollte dieser Adolf von Salingleuen in seinem Erbwappen einen blauen Löwen/in weißen Felde geführet haben/Aber nachdem er auf Schawenburgk gebawet/habe der Keyser ihm an des Löwen statt ein Nesselblatt von dem Nettelberge in sein Wapen gegeben.“[1]
  • Eine dritte Interpretation bezieht sich auf die explizite Dreizähligkeit, oft noch betont durch drei Nägel, und sieht darin eine Applikation, die auf den Schild aufgebracht wurde. Dabei wird ein ausdrücklicher Bezug auf die Kreuz-Nägel Christi als christliches Symbol gesehen.[2][3]

Die frühe historische Entwicklung stellt Friedrich Bartels so dar: „Das […] Schaumburger Nesselblatt führten die Landesherren erstmals 1229 unter Graf Adolf IV. in seiner ältesten Form als einen silbernen Schild mit erhöhtem rotgezackten Rand. Im Jahre 1257 taucht auf einem Wappensiegel des Grafen Gerhard I. eine neue Form auf: ein erhöhtes gezacktes Blatt und ein vertiefter Zahnrand. Der Rand des Schildes war im Mittelalter von so großer Bedeutung für den ganzen Schild, daß das Wort ‚rand‘ in der Bedeutung Schild allgemein gebräuchlich war. Der Schwerpunkt war damit auf das Schildbild übergegangen. Das gezackte Blatt wird allerdings erstmals um 1420 von König Erich von Dänemark als Nesselblatt bezeichnet.“[4]

Die drei Erklärungsansätze diskutiert schon eine Beschreibung des 1749 verstorbenen Kanonikus zu Waldeck, C. F. Dingelstedt, er schreibt „daß das eigentliche Wappen der Schaumburger Grafen der silber=rot geteilte Schild, das sog. Nesselblatt aber nur eine Umrahmung dieses Schildes war, der ursprünglich nur Schutzwaffe, dann Hoheitszeichen war. Mag es nun eine metallene Umrahmung oder mögen es Stofflappen gewesen sein, die als Randverzierung mit Nägeln an den drei Spitzen des Wappenschildes angeheftet waren, das auffallende Zackengebilde, das ja mit einem wirklichen Nesselblatt herzlich wenig Ähnlichkeit hat, hat die schlichte und auch wohl nicht einzig dastehende Gestaltung des silber=roten Schildes in den Hintergrund gedrängt und ist das Hauptmerkmal des Schaumburger Wappens geworden, das sich dann in der Form darstellt, daß ein silber=rotes Schild am Rande oben drei, an den Seiten je vier Zacken trägt, an den drei Schildecken ragen drei Nägel hervor, die zu verschiedenen Zeiten verschiedene Länge und Nagelköpfe aufweisen.“[5]

Die Blasonierung des Schleswig-Holsteinischen Landeswappens beispielsweise gibt heute ausdrücklich „ein silbernes Nesselblatt auf rotem Grund“, betont also den Charakter der gemeinen Figur.[6]

Die Dominanz und die genaue Form – etwa die Zahl der Zacken – variiert.

Ersteres Siegel bei Johann von Holstein-Kiel und Gerhard I. von Holstein-Itzehoe; zweiteres bei Gerhard VI. von Holstein-Rendsburg, schon geviert mit den Schleswiger Löwen.
∗∗ Wappen Hertzog von Hollstain im Wernigeroder (Schaffhausen’schen) Wappenbuch (S. 33, rechts der Hertzog von Stetin); König Christian IV. von Dänemark und Norwegen in Wappen der zu Regensburg zur Reichsversammlung 1594 anwesenden Fürsten.
∗∗∗ Fürst Ernst im Mausoleum Stadthagen; Königin Auguste Viktoria in der Ölbergkirche in Jerusalem.

VerwendungBearbeiten

Es findet sich beispielsweise im Wappen des Bundeslandes Schleswig-Holstein, des Landkreises Schaumburg und des Kreises Pinneberg sowie in den Wappen verschiedener Städte (z. B. Bückeburg, Rinteln, Stadthagen, Kiel, Barmstedt, Plön, Preetz, Neustadt in Holstein, Uetersen oder Wedel).

In Kopřivnice (Nesselsdorf) ist ein Brennesselblatt blasoniert.

Liste der Wappen mit einem NesselblattBearbeiten

Aktuelle WappenBearbeiten

Wappen Status Name Kreis / Landkreis Bundesland Besonderheiten
Gemeinde Auetal Landkreis Schaumburg Niedersachsen
Stadt Bad Bramstedt Kreis Segeberg Schleswig-Holstein
Gemeinde Bad Eilsen Landkreis Schaumburg Niedersachsen
Stadt Bad Nenndorf Landkreis Schaumburg Niedersachsen
Kreisstadt Bad Oldesloe Kreis Stormarn Schleswig-Holstein
Stadt Barmstedt Kreis Pinneberg Schleswig-Holstein
Gemeinde Bekdorf Kreis Steinburg Schleswig-Holstein
Gemeinde Boksee Kreis Plön Schleswig-Holstein
Stadt Bückeburg Landkreis Schaumburg Niedersachsen
Gemeinde Bornhöved Kreis Segeberg Schleswig-Holstein
Samtgemeinde Eilsen Landkreis Schaumburg Niedersachsen
Stadt Fehmarn Kreis Ostholstein Schleswig-Holstein mit Wappen von Burg auf Fehmarn identisch
Stadt Flensburg Kreisfreie Stadt Schleswig-Holstein Vgl. Flensburger Wappen
Stadt Friedrichstadt Kreis Nordfriesland Schleswig-Holstein
Ortsteil Fürstenau Landkreis Peine Niedersachsen
Stadt Gehrden Region Hannover Niedersachsen
Gemeinde Grömitz Kreis Ostholstein Schleswig-Holstein
Gemeinde Großenbrode Kreis Ostholstein Schleswig-Holstein
Gemeinde Gülzow-Prüzen Landkreis Rostock Mecklenburg-Vorpommern
Amt Hanerau-Hademarschen Kreis Rendsburg-Eckernförde Schleswig-Holstein
Gemeinde Haste Landkreis Schaumburg Niedersachsen
Gemeinde Heiligenhafen Kreis Ostholstein Schleswig-Holstein
Gemeinde Hemmingstedt Kreis Dithmarschen Schleswig-Holstein
Stadt Hessisch Oldendorf Kreis Hameln-Pyrmont Niedersachsen
Gemeinde Hohnhorst Landkreis Schaumburg Niedersachsen
Gemeinde Horst Kreis Steinburg Schleswig-Holstein
Stadt Itzehoe Kreis Steinburg Schleswig-Holstein
Gemeinde Kamenná Horka (Hermersdorf) Okres Svitavy Tschechien
Stadt Kaltenkirchen Kreis Segeberg Schleswig-Holstein
Stadt Kiel Landeshauptstadt Schleswig-Holstein Vgl. Kieler Wappen
Sportverein Holstein Kiel - Schleswig-Holstein
Stadtteil (von Dorsten) Lembeck Kreis Recklinghausen Nordrhein-Westfalen
Gemeinde Linden Kreis Dithmarschen Schleswig-Holstein
Stadt Lütjenburg Kreis Plön Schleswig-Holstein
Samtgemeinde Nenndorf Landkreis Schaumburg Niedersachsen
Gemeinde Nettelsee Kreis Plön Schleswig-Holstein
Stadt Neumünster kreisfreie Stadt Schleswig-Holstein
Stadt Neustadt in Holstein Kreis Ostholstein Schleswig-Holstein
Samtgemeinde Niedernwöhren Landkreis Schaumburg Niedersachsen
Samtgemeinde Nienstädt Landkreis Schaumburg Niedersachsen
Stadt Obernkirchen Landkreis Schaumburg Niedersachsen
Stadt Oldenburg in Holstein Kreis Ostholstein Schleswig-Holstein
Gemeinde Oldendorf Kreis Steinburg Schleswig-Holstein
Gemeinde Oststeinbek Kreis Stormarn Schleswig-Holstein
Stadtteil (von Hamburg) Ottensen - Hamburg
Kreis Pinneberg Kreis Schleswig-Holstein
Kreis Plön Kreis Schleswig-Holstein
Stadt Plön Kreis Plön Schleswig-Holstein
Stadt Preetz Kreis Plön Schleswig-Holstein
Gemeinde Prisdorf Kreis Pinneberg Schleswig-Holstein
Kreis Recklinghausen Kreis Nordrhein-Westfalen
Stadt Rendsburg Kreis Rendsburg-Eckernförde Schleswig-Holstein
Kreis Rendsburg-Eckernförde Landkreis Schleswig-Holstein
Gemeinde Rethwisch Kreis Steinburg Schleswig-Holstein
Stadt Rinteln Landkreis Schaumburg Niedersachsen
Gemeinde Rosdorf Kreis Steinburg Schleswig-Holstein
Landkreis Schaumburg Landkreis Niedersachsen
Gemeinde Schenefeld Kreis Steinburg Schleswig-Holstein
Bundesland Schleswig-Holstein Bundesland Bundesrepublik Deutschland
Gemeinde Schönkirchen Kreis Plön Schleswig-Holstein
Kreis Segeberg Kreis Schleswig-Holstein
Stadt Stadthagen Landkreis Schaumburg Niedersachsen
Kreis Steinburg Kreis Schleswig-Holstein
Ortsteil von Wunstorf Steinhude Region Hannover Niedersachsen (ist hier in früherer Version)
Gemeinde Stolpe Kreis Plön Schleswig-Holstein
Gemeinde Stoltenberg Kreis Plön Schleswig-Holstein
Gemeinde Suthfeld Landkreis Schaumburg Niedersachsen
Gemeinde Tangstedt Kreis Stormarn Schleswig-Holstein
Gemeinde Tensbüttel-Röst Kreis Dithmarschen Schleswig-Holstein
Gemeinde Trent Landkreis Vorpommern-Rügen Mecklenburg-Vorpommern
Stadt Uetersen Kreis Pinneberg Schleswig-Holstein
Gemeinde Wangels Kreis Ostholstein Schleswig-Holstein
Stadt Wedel Kreis Pinneberg Schleswig-Holstein
Gemeinde Wilster Kreis Steinburg Schleswig-Holstein

Historische WappenBearbeiten

Wappen Name Besonderheiten
Mittleres Wappen Preußens  
Wappen der Landgrafschaft Hessen-Kassel (1736–1803)  
Wappen des Kurfürstentums Hessen-Kassel (1803–1806)  
Wappen des Kurfürstentums Hessen-Kassel (1815–1866)  
Wappen der Landgrafen von Hessen-Kassel-Rumpenheim (nach 1917)  
Wappen der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (1736–1804)  
Wappen der Landgrafschaft und des Großherzogtums Hessen-Darmstadt (1804–1808)  
Wappen der Landgrafschaft Hessen-Homburg (1736–1866)  
Wappen der Landgrafschaft Hessen-Philippsthal (um 1866)  
Wappen der Landgrafschaft Hessen-Rotenburg (um 1834)  
Wappen des Fürstenhauses Hanau-Hořovice  
Schaumburg-Lippe  
Provinz Schleswig-Holstein  
Schaumburg-Lippe  
Landkreis Grafschaft Schaumburg (1946–1977)  
Landkreis Schaumburg-Lippe (1946–1977)  
Herzogtum Holstein  
Kreis Oldenburg in Holstein  
Kreis Pinneberg Erster Wappenentwurf
von 1924
Kreis Pinneberg Wappen des Kreises
von 1935 bis 1946
Kreis Rendsburg bis 1970

LiteraturBearbeiten

  • Maximilian Gritzner: Landes- und Wappenkunde der brandenburgisch-preußischen Monarchie. Geschichte ihrer einzelnen Landestheile, deren Herrscher und Wappen. Heymann, Berlin 1894, S. 98 ff.
  • Walther Stephan (Hrsg.): Die historischen Wappen Schleswig-Holsteins und seiner Landschaften. Wachholtz, Neumünster 1953.
  • Walther Stephan: Das Holsteinische Nesselblatt, seine Herkunft und Bedeutung. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte. Bd. 61, 1933, S. 1–15.
  • Walther Stephan: Das Nesselblatt als Nebenwappen Graf Adolfs IV. von Holstein-Schauenburg. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte. Bd. 63, 1935, S. 343–346.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Nesselblatt in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Zitiert nach Gemeinde Wappen. Heimatverein Exten, o. D. (Anm.: Jahreszahl 1030 nach Spangenberg in 1130 korrigiert!).
  2. Detlev Freiherr von Liliencron: „Vor elf Jahren war Graf Adolf der Dritte dem Rufe seines kaiserlichen Herrn, mit diesem das heilige Grab zurückzuerobern, gefolgt. Allgemein war die Riesengestalt des Holsteiners, wenn er zur Seite des breitschulterigen, mittelgroß gewachsenen Kaisers ritt, aufgefallen; er überragte ihn um Haupteslänge. Der kluge Friedrich Barbarossa mit seiner im Glück und Unglück gleichbleibenden süddeutschen Fröhlichkeit und Liebenswürdigkeit, mit seinem tiefen Humor, den der finstere, nüchterne Holsteiner nicht imstande war zu begreifen, konnte nicht umhin, den Grafen zu necken, wo sich ihm Gelegenheit bot. Doch hielt er große Stücke auf ihn. Bei Ikonium, als von einem Elefantenturm der deutsche König mit Pfeilen überschüttet wurde, hatte Herr Adolf die Strickleitern, die an dem mächtigen Tiere im Wirrwarr des Gefechtes aufzuziehen vergessen waren, erklettert und oben eine große Verwüstung unter dem Heidengezücht angerichtet. Er allein. Sein gutes Schwert, das ihm Timm, der Waffenschmied, gehämmert, in den Zähnen haltend, war er, die Rechte zum Eingreifen in die Leiter benutzend, die Linke den Schild mit den drei Nägeln Christi zwischen den Nesselblättern im Wappen, gegen den Geschoßhagel hochhaltend, kühn hinaufgedrungen.“ Zitat aus: Die Schlacht bei Stellau. 1201. Novelle, Max Hesse, Leipzig 1906, Kapitel 1 (Text online auf gutenberg.spiegel.de; zur Schlacht bei Stellau gegen die Dänen).
  3. Der Hademarscher Pastor Hans Treplin (1884–1981) berichtet ebenfalls von dieser Tradition, auch wenn ihm dabei der Fehler unterläuft, Adolf III. und Adolf IV. zu verwechseln: „Dieser fromme Graf nahm an einem Kreuzzug teil, um das Heilige Grab zu Jerusalem den Händen der heidnischen Türken zu entreißen. Er kehrte auch glücklich wieder heim und brachte eine heilige Reliquie mit, nämlich die drei Nägel vom Kreuz von Golgatha … Die drei besonders langen, hervorragenden Zacken an den drei Ecken [sc. des Wappens] bedeuten die Nägel vom Kreuz …“ Zitat aus: Rund um die Dorfkirche, Jensen, Breklum 1964, S. 31 f.
  4. Ergänzung aus Friedrich Bartels: Das Stadtwappen von Stadthagen. In: Schaumburg-Lippische Heimat-Blätter. Monatsbeilage der Schaumburg=Lippischen Landes=Zeitung. Jg. 28 (46), Nr. 11, 1977.
  5. K. Rausch: Das schaumburgische und schaumburg-lippische Wappen. In: Schaumburg-Lippische Heimat-Blätter. Monatsbeilage der Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung. Jg. 3, Nr. 6, 1952, ZDB-ID 540277-3, S. 16 ff.
  6. Schleswig-Holstein – Landeswappen. schleswig-holstein.de, abgerufen 2. April 2019.