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Hamburg-Ottensen

Stadtteil von Hamburg, dänisch 1640-1866

Anfänge der BesiedelungBearbeiten

Ottensen wurde erstmals 1310 als holsteinisches Kirchdorf Ottenhusen urkundlich erwähnt. Eine Gründung schon zur Zeit des fränkischen Reiches und zur selben Zeit wie die Hammaburg ist nicht belegt und dürfte bloße Legende sein. Ab 1390 war Ottensen Sitz des Landvogtes der schauenburgischen Grafschaft Pinneberg, der auch für die umliegenden Gemeinden Bahrenfeld, Othmarschen, Eidelstedt, Stellingen zuständig war.

 
Klopstocks Grab unter der Linde in Ottensen, Lithografie der Gebrüder Suhr

Zuständige Pfarrkirche für Ottensen, Altona, Bahrenfeld und Othmarschen war St. Petri in Hamburg. 1474 macht Graf Erich von Schauenburg den Hamburger Franziskanern des Maria-Magdalenen-Klosters am heutigen Adolphsplatz zu seinem Regierungsantritt einen Hof in Ottensen zum Geschenk, dessen Kapelle im Lauf der Zeit außer Klosterbrüdern auch der Bevölkerung als Andachtsstätte zur Verfügung gestanden haben mag. Ebenso nah liegt die Annahme, dass dort auch Bestattungen vorgenommen wurden, seit im Pestjahr 1537 mit tausenden Todesopfern sich der Hamburger Rat gezwungen sah, vor dem Millerntor einen neuen Armenfriedhof zu eröffnen, der mangels Akzeptanz der Bevölkerung jedoch alsbald wieder geschlossen wurde. Inzwischen hatte sich in Hamburg die Reformation durchgesetzt und das Maria-Magdalena-Kloster sich aufgelöst. Die Salvatoriskirche, zu der die Ottenser Kapelle 1547/48 erweitert wurde, und den für dieselbe Zeit als Pastor in Ottensen bezeugten Rumond Walther wird man deshalb ebenfalls bereits für lutherisch zu halten haben.[2]

1528 hatte Ottensen bereits 500 Einwohner, während 1548 für Altona nur 5 Häuser belegt sind. 1567 siedelten sich niederländische Protestanten an, Flüchtlinge vor der spanisch-habsburgischen Gegenreformation.

Ottensen war lange Zeit ein Bauern- und Handwerkerdorf, das, nachdem der Landesherr Graf Otto von Schaumburg 1640 ohne Nachkommen verstorben war, 1647 mit der Grafschaft Holstein-Pinneberg als Lehen des Heiligen Römischen Reiches zum Herzogtum Holstein und damit unter die Herrschaft der dänischen Krone kam. Diese förderte aber das auf der Ottenser Flurmark entstandene Altona. Sie verlieh Altona 1664 Stadtrechte und sorgte nach der Einäscherung der Stadt durch schwedische Truppen im Jahr 1713 für Wiederaufbau und Ausbau durch den königlichen Oberpräsidenten Christian Detlev von Reventlow (1671–1738).

Noch bevor in Altona 1742 mit dem Bau der Hauptkirche Sankt Trinitatis begonnen wurde, ersetzte man in Ottensen von 1735 bis 1738 die Salvatoriskirche durch einen Neubau, die nach dem seit 1730 regierenden König Christian VI. (Dänemark und Norwegen) benannte Christianskirche.

Ottensens Bebauungsgrenzen waren bis Anfang des 19. Jh. etwa die heutigen Straßen Am Felde im Osten, Bergiusstraße im Norden, Große Brunnenstraße im Westen und Elbchaussee im Süden.

Wandlung zum Industrie-StandortBearbeiten

Im Jahre 1853 wurde zwischen Ottensen und Altona eine Zollgrenze festgelegt,[3] die entlang der späteren Haubachstraße verlief.[4]

Als Folge des Deutsch-Dänischen Kriegs (1864) wurde Ottensen 1866 Teil der preußischen Provinz Schleswig-Holstein. In der Folge entwickelte sich Ottensen zu einem bedeutenden Industriestandort Norddeutschlands, nicht zuletzt, weil es seit 1867 im Wirtschaftsgebiet des Deutschen Zollvereins lag, Altona und Hamburg jedoch nicht. Innerhalb von 60 Jahren stieg die Einwohnerzahl um das Sechzehnfache an: Wohnten 1840 noch 2.411 Einwohner in Ottensen, waren es 1900 bereits 37.738. Von der Zollgrenze zu Altona profitierte auch Bahrenfeld.

 
Rolandsmühle um 1900

Im 19. Jahrhundert wurde Ottensen zum Industriestandort. Zahlreiche Fabriken entstanden in der Zeit der Industrialisierung. 1898 nahm die Ottensener Industriebahn ihren Betrieb auf, bis 1945 entstand dazu ein ausgedehntes Schienennetz auf den Ottensener Straßen mit zuletzt ca. 70 bis 80 Anschlussstellen.[5] Ottensener Betriebe wie Zeise, Menck & Hambrock und das Gewerbegebiet Bahrenfeld erhielten einen Anschluss an das Eisenbahnnetz.[6] Sielbaumaßnahmen erzwangen ab 1977 jedoch zunehmend die Entfernung der in die Straßen eingelassenen Schienen. Teilweise wurden die betroffenen Anschlüsse noch vom Übergabebahnhof Borselstraße aus mit Straßenrollern bedient. Durch den Wegfall der größeren Industriebetriebe im südlichen Ottensen wurde der Bahn jedoch generell die Existenzgrundlage genommen und zum 30. September 1981 die Stilllegung durchgeführt.

Ab 1867 bildeten die Stadt Altona sowie Ottensen und das diesem zuvor angegliederte Neumühlen den Stadtkreis Altona. Aus Ottensen und Neumühlen wurde am 25. Oktober 1871 die Stadt Ottensen per kaiserlichen Erlass gebildet. Nachdem 1888 Altona und Hamburg dem Zollgebiet des Deutschen Reiches beitraten, fielen die Zollvorteile für Ottensen weg. Die Stadtverwaltung sah sich gezwungen, sich Altona anzuschließen und wurde am 1. Juli 1889 in die Stadt Altona eingemeindet.[7] Diese wurde 1938, mit dem Ende der Altonaer Selbständigkeit, Teil der neuen Einheitsgemeinde Hansestadt Hamburg.[8]

Die Stadt Ottensen und auch der Altonaer Stadtteil Ottensen wurde von den Straßen Museumsstraße, Präsident-Krahn-Straße, Harkortstraße, Kieler Straße im Osten, Rangierbahnhof Langenfelde, Am Winsberg und Rondenbarg im Norden und Bornkampsweg, Mendelsohnstraße, Woyrschweg, Friesenweg, Griegstraße, Bernadottestraße, Hohenzollernring im Westen umfasst.

Das Groß-Hamburg-Gesetz schuf völlig neue Verwaltungsgrenzen. Die 10 Hamburger Kreise (heute 7 Bezirke) waren in 110 Bezirke (heute 104 Stadtteile) mit insgesamt 178 Ortsteilen unterteilt. Die neuen Ortsteile entsprachen dem Sitz der NSDAP Ortsgruppen. Ottensen wurde in 5 Ortsteile aufgeteilt, verlor den nördlichen Ortsteil Bornkamp an den militärisch geprägten Bezirk Bahrenfeld und bestand nun aus den vier Ortsteilen Koch Büddig im Westen (heute Rathenaupark), Lobusch im Süden, Trommer im Zentrum (heute Friedensallee) und Schlageter im Norden (heute Stresemannstraße, vormals Karl Marx Straße bzw. Kreuzweg).[9] Besonders symbolhaft und provokant hierbei war die Benennung der drei linksgerichteten Arbeiter-Ortsteile nach sogenannten Blutzeugen der Bewegung.[10] Durch die Bezirksverwaltungsreform von 1949 bis 1951, die die die Stadtteilgrenzen von Bahrenfeld, Ottensen und Altona Nord dem Verlauf der Eisenbahngleise anpasste, verlor Ottensen dann auch noch das Gebiet nördlich des Bahndamms. Damit wurden durch das Land Hamburg die Stadtteilgrenzen von Bahrenfeld, Ottensen und Altona Nord an die Begrenzung durch die Gleisanlagen angepasst.

OrtsbezeichnungenBearbeiten

Ottensen ist seit den 1870er Jahren auch unter dem Namen Mottenburg verbreitet geläufig. Über die Entstehung dieses Namens existierten mehrere Varianten. Häufig wird dargestellt, dass Ottensen Standort mehrerer Industrie-, insbesondere Glasbläsereibetriebe war, und zugleich ungesunde Wohnverhältnisse hatte. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Glasarbeiters lag bei 35 Jahren, die eines Glasschleifers bei 33 Jahren. Diese Arbeiter litten unter der verbreiteten Berufskrankheit Tuberkulose, die umgangssprachlich „die Motten“ genannt wurde: man hatte Löcher in der Lunge, wie ein von Motten zerfressenes Stück Stoff. Daraus leite sich die Bezeichnung „Mottenburger“ für die Ottenser ab.

Eine andere Variante hängt mit der Gesangsposse Die Mottenburger zusammen, die der Kladderadatsch-Begründer David Kalisch Ende 1867 schrieb. Er karikierte darin den als besonders korrupt geltenden Oberbürgermeister Charlottenburgs (seit 1920 ein Teil Berlins), verlegte die Handlung jedoch ins fiktive Mottenburg – der erste schriftliche Hinweis auf dieses Wort. Das Lied über den „Tyrann von Mottenburg“ fand in Ottensen bald Anwendung auf den damaligen Polizeipräfekten, das Stück selbst wurde in der Spielzeit 1868/69 am Hamburger Thalia Theater aufgeführt. Die karikierten Verhältnisse darin erinnerten viele an die Kämpfe um Posten in der Verwaltung, die sich im Zuge der Stadtwerdung Ottensens 1871 abspielten.

Weitere Ursprünge könnten die damaligen Tuch- und Pelzlager in der Holländischen Reihe und die dort auftretenden Motten, oder eine schlichte mittelalterliche Verballhornung des Namens Ottensen sein. Beide Varianten werden aber als weniger wahrscheinlich angenommen.[11]

Am 25. Juli 1950 wurde mit der Umbenennung der Hörmannstraße in Mottenburger Straße der Name im Stadtteil sichtbar verankert. Am 19. Januar 1976 kam noch die Mottenburger Twiete als weiterer Straßenname hinzu. Das in unmittelbarer Nähe gelegene, ebenfalls 1976 eröffnete Zentrum für stadtteilbezogene Kultur- und Sozialarbeit heißt in Anlehnung daran „Die Motte“.

Jüngste EntwicklungBearbeiten

In den 1960er Jahren wurde die Ottenser Industrie zunehmend verlagert und Firmen meldeten Insolvenz an. Investitionen in neue Projekte, die die alten Wirtschaftsgrundlagen hätten ersetzen können, blieben aus. Durch diesen Strukturwandel erlebte der Stadtteil einen Niedergang und die Bevölkerungszahl sank, bis sich in den 1980er Jahren erstmals eine Trendwende ergab. Der Stadtteil erfuhr eine deutliche Aufwertung (Gentrifizierung): Ottensen wandelte sich vom rebellischen, multikulturellen Einwandererviertel der 1970er Jahre zum Szenestadtteil der 1980er und in den 2000er Jahren zum eher gediegenen, aber immer noch kulturell vielfältigen Stadtzentrum mit attraktiven Einkaufsmöglichkeiten. Viele alte Häuser wurden saniert, und die Wohnungen sehr begehrt, statt WGs zogen mehrheitlich Mittelschichtsfamilien und Akademiker zu. Auch das Shopping- und Nachtleben hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt und ist zu einem Publikumsmagneten geworden, so dass jetzt Besucher aus anderen Stadtteilen Hamburgs kommen. Bemerkenswert ist, dass Ottensen trotz der Vielfalt der Nationalitäten innerhalb seiner Bevölkerung nicht zu den sozialen Brennpunkten Hamburgs zählt, sondern als lebendiger Stadtteil beliebt ist.

StatistikBearbeiten

  • Minderjährigenquote: 15,7 % [Hamburger Durchschnitt: 16,3 % (2017)].[12]
  • Altenquote: 13,8 % [Hamburger Durchschnitt: 18,2 % (2017)].[13]
  • Ausländeranteil: 12,9 % [Hamburger Durchschnitt: 17,1 % (2017)].[14]
  • Arbeitslosenquote: 4,7 % [Hamburger Durchschnitt: 5,2 % (2017)].[15]

Das durchschnittliche Einkommen je Steuerpflichtigen beträgt in Ottensen 40.830 Euro jährlich (2013), der Hamburger Gesamtdurchschnitt liegt bei 39.054 Euro.[16]

PolitikBearbeiten

Wahlergebnisse:

SPD CDU FDP Grüne1) AfD Linke2) Sonstige
2015[17] 37,7 % 5,4 % 4,3 % 25,9 % 1,8 % 19,7 % 5,2 %
2011 48,6 % 7,8 % 3,3 % 20,5 % 12,9 % 7,0 %
1) 1978 als Bunte Liste – Wehrt Euch, 1982 bis 2011 als Grüne/GAL.
2) 1991 und 1997 als PDS/Linke Liste, 2001 als PDS.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Ehemaliges Eisenbahn-Direktionsgebäude an der Museumstraße

BauwerkeBearbeiten

  • Gebäude der ehemaligen Königlichen Eisenbahndirektion Altona und deren Rechtsnachfolger an der Kaiserstraße (heute Museumstraße), fertiggestellt am 16. Oktober 1895[18]
  • Das von den Architekten Raabe & Wöhlecke entworfene Lankenaustift.
  • Das vom Altonaer Bausenator Gustav Oelsner im Bauhausstil entworfene Berufsschulzentrum (dessen Aula als Altonaer Theater genutzt wird) und
  • das Altonaer Museum, beide am Platz der Republik.
  • Die Christianskirche: Auf dem angrenzenden Kirchhof liegt der deutsche Dichter Klopstock begraben.
  • Das 22-geschossige Euler-Hermes-Bürohochhaus mit einem markant gerundeten Baukörper in der Nähe des S-Bahnhofs Bahrenfeld (erbaut 1977–1981; Architekt: Titus Felixmüller). Es soll 2020 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.[19]
  • Die von dem Otzen-Schüler Fernando Lorenzen 1898 errichtete Kreuzkirche.
  • Das unter Mitwirkung von Friedensreich Hundertwasser gestaltete Stadtcafé Ottensen an der Behringstraße. (Nach Umbau und zwischenzeitlicher Wiedereröffnung seit 1. Januar 2019 geschlossen)
  • Das als ökologisches Handels- und Gewerbezentrum geplante VIVO an der nördlichen Bahrenfelder Straße, heute von der Hamburger Verwaltung und einigen Dienstleistern genutzt
  • An der Ecke Nöltingstraße / Am Born wurde ein alter Bagger der 1868 in Ottensen gegründeten Firma Menck & Hambrock aufgestellt, der als „Menckmal“ an die bedeutende metallindustrielle Vergangenheit Ottensens erinnert; vergleichbare Denkmäler der Industriegeschichte finden sich im Eingangsbereich zu den Zeisekinos an der Friedensallee (Schiffsschraube) und über dem Einlass in das Veranstaltungszentrum Fabrik an der Barnerstraße (Lastkran).
  • Die Osterkirche

TheaterBearbeiten

  • Das Altonaer Theater in der Museumsstraße 17 neben dem Altonaer Museum hat sich auf die Inszenierung von klassischer bis moderner Literatur spezialisiert. Bücher wie Die Vermessung der Welt oder Herr Lehmann werden auf die Bühne gebracht.
  • In der Gaußstraße befindet sich die Spielstätte „Gauss“ des Thalia Theaters.
  • Monsun-Theater in der Friedensallee

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

 
Der bahnhofsnahe Teil der Ottenser Hauptstraße

Im Jahr 2007 betrug die Arbeitslosenquote 5,6 %. Ottensen verfügt über 2.289 Wohngebäude. Die durchschnittliche Größe einer Wohnung beträgt 66,4 , die Wohnfläche je Einwohner 36,1 . Mit 1.429 Sozialwohnungen steht Ottensen im Bezirk Altona an zweiter Stelle hinter dem Stadtteil Altona-Altstadt.[20]

MercadoBearbeiten

Das Mercado (spanischer Begriff für Markt/Wochenmarkt) ist ein Einkaufszentrum im Besitz der Union Investment[21].
Inklusive des Untergeschosses und der zuoberst gelegenen Parkplatzfläche hat das Gebäude fünf übereinanderliegende Ebenen. Auf der ebenerdigen Zugangsfläche befinden sich mittig auf einer Fläche von 900 m² etwa 30 fest installierte Stände die zusammen einen Wochenmarkt-Charakter haben. Um diese Anlage herum sind sich auf einer Fläche von insgesamt 23.000 m² etwa 40 weitere Geschäfte und Restaurantbetriebe. Das Mercado wurde am 5. Oktober 1995 eröffnet. Drei Jahre später wurde darin eine öffentliche Bücherhalle auf einer Fläche von 1.200 m² eingerichtet.

Alter jüdischer FriedhofBearbeiten

 
Gedenktafeln im Untergeschoss für die hier vormals bestatteten Toten

Bei den Ausschachtungsarbeiten für das Mercado kam es Ende 1991 und 1992 zu Protesten strenggläubiger Juden unter Führung der Atra Kadisha, die sich für die Erhaltung jüdischer Friedhöfe einsetzt. Seit 1663 hatte hier ein jüdischer Friedhof bestanden, die letzte Beisetzung 1934 stattgefunden. Im Zweiten Weltkrieg hatte sich der Nazi-Staat des Geländes bemächtigt und darauf 1939 und 1942 zwei Luftschutzbunker errichtet. Grabsteine und Gebeine, auf die man während des Baus stieß, waren auf den Jüdischen Friedhof Ohlsdorf umgebettet worden, darunter das Grab des Bankiers Salomon Heine, des Onkels von Heinrich Heine. Da eine Wiederherstellung des Friedhofs nach dem Krieg unmöglich schien, war das Gelände nach einem Rückerstattungsverfahren 1950 von der Jewish Trust Corporation und der Jüdischen Gemeinde an den Hertie-Konzern verkauft worden, der dort 1952/53 ein Kaufhaus errichtete.

1988 wurde das Gelände abermals verkauft und das Kaufhaus später abgerissen. Atra Kadisha brachte nun die Bauarbeiten zum Stillstand und forderte die Rückgabe des Geländes an die jüdische Gemeinde: ein jüdischer Friedhof sei unantastbar.[22] Der von den Beteiligten als Gutachter zugezogene Jerusalemer Oberrabbiner Itzchak Kolitz entschied, das Erdreich müsse unangetastet bleiben, wo noch Gräber und Gebeine vorhanden oder zu vermuten seien; diese seien durch eine Betonplatte zu schützen, auf der gebaut werden könne. So wurde unter fortdauernder rabbinischer Baubeaufsichtigung verfahren. Die geplante Tiefgarage wurde nicht ausgeführt; stattdessen wurden 400 Stellplätze auf dem Dach geschaffen. Gedenktafeln am Treppenabgang informieren über die Geschichte des Jüdischen Friedhofs Ottensen, nennen die Namen von insgesamt 4.500 dort bestatteten Toten und lassen Raum für weitere Namen, die künftig noch ermittelt werden könnten.[23]

Ansässige UnternehmenBearbeiten

 
Kinderkrankenhaus Altona (2016)

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Das Altonaer Kinderkrankenhaus wurde lange ausschließlich vom „Verein Altonaer Kinderkrankenhaus von 1859 e. V.“ getragen, seit 2006 gehört es zum Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

BildungBearbeiten

 
Rudolf-Steiner-Schule Altona

Ottensen verfügt über 34 Kindergärten. Im Jahr 2007 besuchen insgesamt 1.791 Schülern folgende Schulen[20]:

  • Grundschulen: Schule Bahrenfelder Straße, Schule Rothestraße, Max-Brauer-Schule; Ev. Grundschule an der Osterkirche
  • Gesamtschule: Rudolf-Steiner-Schule Altona
  • Gymnasium Altona
  • Staatliche Gewerbeschule Energietechnik (G10)

VeranstaltungenBearbeiten

Zu den regelmäßigen Veranstaltungen in Ottensen gehört die altonale, ein zweiwöchiges Kultur- und Straßenfest mit bis zu 600.000 Besuchern.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Mit Ottensen verbundenBearbeiten

  • Fatih Akin (* 1973), Filmregisseur, dreht Teile seiner Filme häufig in Ottensen und lebt auch dort.
  • Wolf Biermann (* 1936), Liedermacher
  • Moritz Bleibtreu (* 1971), Schauspieler, lebte bis 2008 in Ottensen
  • Mathieu Carrière (* 1950), Schauspieler, lebt seit fast 10 Jahren in Ottensen (eingetragen im September 2008)
  • Roger Cicero (1970–2016), Musiker, lebte lange in Ottensen
  • Fabius (* 1966), Schauspieler, Sänger, Musikproduzent, lebt seit fast 10 Jahren in Ottensen (eingetragen im Mai 2010)
  • Peter Franke (* 1941), Schauspieler, lebt in Ottensen
  • Karl-Heinz von Hassel (1939–2016), Schauspieler, lebte in Ottensen
  • Hannelore Hoger (* 1942), Schauspielerin, lebt in Ottensen
  • Fritz Honka (1935–1998), Serienmörder, lebte lange in Ottensen und beging dort seine Morde.
  • Simone Klages (* 1956), Kinderbuchautorin und Illustratorin, lebt und arbeitet in Hamburg-Ottensen
  • Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803), deutscher Dichter
  • Peter Lohmeyer (* 1962), Schauspieler, lebt in Ottensen
  • Nina Petri (* 1963), Schauspielerin, lebt in Ottensen
  • Bill Ramsey (* 1931), Musiker, lebt seit 1991 in Ottensen
  • Oliver Tolmein (* 1961), Journalist und Rechtsanwalt, lebt und arbeitet in Ottensen.
  • Sarah Wiener (* 1962), Fernsehköchin und Buchautorin, lebt in Ottensen
  • Tine Wittler (* 1973), Autorin, die in Ottensen lebt und auch ihre Romane dort spielen lässt
  • Joachim Wolff (1920–2000), Schauspieler, lebte in Ottensen
  • Steffen Hallaschka (* 1971), deutscher Hörfunk- und Fernsehmoderator, lebt in Ottensen
  • Bülent Çelebi (* 1976), deutscher Musiker und Schauspieler
  • Adam Bousdoukos (* 1974), deutscher Schauspieler griechischer Abstammung, besaß fast zehn Jahre lang das Restaurant Sotiris in Ottensen.
  • Jan Delay (* 1976), deutscher Musiker, lebt in Ottensen
  • Sibel Kekilli (* 1980), deutsche Schauspielerin, lebt in Ottensen
  • Yared Dibaba (* 1969) ein deutscher Schauspieler, Moderator, Entertainer, Autor und Sänger, lebt in Ottensen
  • Steven Gätjen (* 1972) ein deutsch-amerikanischer Moderator, lebt in Ottensen[24]

SportBearbeiten

Im Westen Ottensens liegt die Adolf-Jäger-Kampfbahn, seit 1909 Spielstätte des traditionsreichen Fußballclubs Altona 93.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Seite 63: http://www.statistik-nord.de/fileadmin/Dokumente/Statistische_Berichte/bevoelkerung/A_I_S_1_j_H/A_I_S1_j13.pdf
  2. Friedrich Hammer (Theologe): St. Gangolfus. Hintergründe zur Geschichte einer Hamburger Glocke. Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 76 (1990) S. 169–182 agora.sub.uni-hamburg.de S. 176 ff.
  3. Hamburg.de Altonas schwere Jahre (Memento vom 13. Dezember 2016 im Internet Archive)
  4. siehe Karte von Altona 1888 (Memento vom 31. Juli 2016 im Internet Archive)
  5. Plan der Gleisanlagen der Ottensener Industriebahn um 1945, abgerufen am 19. August 2019 (Memento vom 29. August 2018 im Internet Archive)
  6. E. von Dücker, Hans-Kai Möller: Ottensen - Zur Geschichte eines Stadtteils, Ausstellung Altonaer Museum 1983
  7. Amtsblatt der Regierung in Schleswig 1871, S. 309 Digitalisat
  8. Amtsblatt der Regierung in Schleswig: 1875. Schleswig 13. Februar 1875, S. 41 (Digitalisat).
  9. NSDAP Ortsgruppen des Kreises VII Hamburg-Altona
  10. Die beiden SA-Leute Heinrich Koch und Peter Büddig waren am 17. Juli 1932, dem Altonaer Blutsonntag, der SA-Mann Emil Trommer am 17. März 1933 in der Nähe der Paul-Roosen-Straße durch Schüsse zu Tode gekommen. Albert Leo Schlageter war während der Ruhrbesetzung 1923 wegen Sprengstoffanschlägen zum Tode verurteilt und hingerichtet worden.
  11. Franklin Kopitzsch, Daniel Tilgner (Hrsg.): Hamburg Lexikon. 4., aktualisierte und erweiterte Sonderausgabe. Ellert & Richter, Hamburg 2010, ISBN 978-3-8319-0373-3, S. 474.
  12. Minderjährigenquote in den Hamburger Stadtteilen 2017
  13. Anteil der 65-Jährigen und Älteren in den Hamburger Stadtteilen 2017
  14. Ausländeranteil in den Hamburger Stadtteilen 2017
  15. Arbeitslosenquote in den Hamburger Stadtteilen 2017
  16. Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein (Hrsg.): Hamburger Stadtteil-Profile 2016 (= NORD.regional. Band 19). 2018, ISSN 1863-9518 (Online PDF 6,6 MB [abgerufen am 12. Februar 2018]).
  17. http://www.statistik-nord.de/fileadmin/maps/election_2015_hh_bue_e/index.html
  18. Historisches Bild der Eisenbahndirektion (Memento vom 25. März 2015 im Internet Archive)
  19. Welt.de: Altona die Treue gehalten. Abgerufen am 25. September 2019.
  20. a b Webseite Statistik Nord, abgerufen 15. Oktober 2009.
  21. Mercado wechselt den Eigentümer. Hamburger Abendblatt vom 2. September 2009
  22. Alexander Jung, DIE ZEIT 13. März 1992
  23. Archivierte Kopie (Memento vom 2. März 2013 im Internet Archive) abgerufen am 9. Januar 2011
  24. abendblatt.de

LiteraturBearbeiten

  • Förderkreis „Ottensen-Chronik“ e. V. (Hrsg.): Ottensen-Chronik. Hamburg 2002 (3. Auflage) (Selbstverlag).
  • Ina Lorenz/Jörg Berkemann: Streitfall jüdischer Friedhof Ottensen. Wie lange dauert Ewigkeit. Zwei Bände, Dölling und Galitz, Hamburg 1995, ISBN 3-926174-67-6.
  • Stadtteilarchiv Ottensen (Hrsg.): Schauplatz Ottensen. Geschichte und Geschichten der Ottenser Plätze. Hamburg-Altona 2003 (Selbstverlag). ISBN 3-9808925-1-4

WeblinksBearbeiten

  Commons: Hamburg-Ottensen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien