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Otto Ernst (Schriftsteller)

deutscher Schriftsteller
Otto Ernst, 1905

Otto Ernst, eigentlich Otto Ernst Schmidt, (* 7. Oktober 1862 in Ottensen bei Hamburg; † 5. März 1926 in Groß Flottbek bei Hamburg) war ein deutscher Dichter und Schriftsteller.

LebenBearbeiten

Otto Ernst Schmidt (später nannte er sich lediglich Otto Ernst) wurde als Sohn einer Zigarrendreherfamilie geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf.

Seine Lehrer erkannten, dass der Junge wissbegierig und talentiert war, und ließen ihm entsprechende Förderung zuteilwerden. Dies ermöglichte es ihm, den Lehrerberuf zu ergreifen. So wurde Ernst 1883 Lehrer an verschiedenen Hamburger Volksschulen und auch an einer höheren Töchterschule. Während dieser Tätigkeit lernte er seine spätere Frau kennen, seine Kollegin Helmy Scharge, die er 1887 heiratete.

1891 gründete Ernst die Hamburger „Literarische Gesellschaft“. 1893 gab er mit Leo Berg und Constantin Brunner die literaturkritische Zeitschrift Der Zuschauer heraus.

Neben seinem Lehrerberuf war Ernst als freier Schriftsteller, Bühnenautor und Vortragskünstler tätig. Als die Einnahmen aus den künstlerischen Tätigkeiten groß genug waren, beschloss Ernst im Jahre 1901, sich nur noch um die Kunst zu kümmern, und kehrte dem Lehrerberuf den Rücken.

1903 kaufte er ein Haus in Groß-Flottbek, wo er mit seiner Familie – er hatte mit seiner Frau insgesamt fünf Kinder – lebte, bis er im Alter von 63 Jahren starb. Die Straße, in der die Familie lebte, wurde später zu seinen Ehren in Otto-Ernst-Straße umbenannt.

Die Einrichtung seines Arbeitszimmers wurde als Stiftung seiner jüngsten Tochter Senta-Regina Möller-Ernst (1897–1998) in das nahegelegene Gymnasium Christianeum gebracht, dort im Jahr 2004 neu aufgebaut und restauriert.[1] Seit 2018 ist das restaurierte Zimmer im Christianeum nicht mehr erhalten, die Bestandteile wurden ausgelagert, eine neue Verwendung ist bisher nicht bekannt.[2]

Otto Ernst wurde auf dem Friedhof Groß Flottbek beigesetzt.[3]

Künstlerisches SchaffenBearbeiten

Otto Ernst war zu seinen Lebzeiten zwar beliebt und bekannt, doch schätzten die Kritiker ihn weniger. In einer Autobiographie beschrieb sich Ernst selbst als „hoffnungslos unmodern... weil ich zu Gutem und Bösem nicht schweige und stillhalte, sondern kämpfe, weil ich entgegen der Mode und trotz eigener schwerer, ja widerwärtiger Erfahrungen Optimist bin, weil ich nach einer gesunden, schlichten Kunst strebe“.

 
Appelschnut, Staakmann Leipzig 1907

Heute noch bekannt ist Ernsts Kindheitsgeschichte seiner Tochter Senta-Regina Möller-Ernst, genannt Appelschnut, erschienen im Jahre 1905.

Seine autobiographische Asmus-Semper-Trilogie gilt als eine gute Beobachtung des Lebens in Ottensen vor der Jahrhundertwende. Der erste Band Asmus Sempers Jugendland. Roman einer Kindheit erschien 1904, danach folgten Semper der Jüngling (1908) und Semper der Mann. Eine Künstler- und Kämpfergeschichte (1916).

Flachsmann als Erzieher aus dem Jahre 1900 wird als Ernsts populärstes Theaterstück angesehen, Nis Randers als seine bekannteste Ballade. Nis Randers spitzt einen menschlichen Grundkonflikt bei der Lebensrettung dramatisch zu. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) würdigte dieses Gedicht, indem sie einen Seenotkreuzer in Bremen 1990 auf den Namen Nis Randers getauft hat.

Werke (Auswahl)Bearbeiten

  • Stimmen des Mittags – Neue Dichtungen, darin Nis Randers
  • Asmus Sempers Jugendland
  • Semper der Jüngling
  • Appelschnut
  • Siebzig Gedichte
  • Hamborger Schippergeschichten
  • Gewittersegen; Ein Kriegsbuch
  • Sankt Yorick's Glockenspiel
Humoristische Plaudereien
  • Ein frohes Farbenspiel
  • Vom geruhigen Leben
  • Laßt Sonne herein!
  • Vom grüngoldnen Baum
  • Aus meinem Sommergarten
Bühnenwerke
  • Flachsmann als Erzieher
  • Jugend von heute
  • Ortrun und Ilsebill

LiteraturBearbeiten

  • Johannes Schumann: Otto Ernst. Eine literarische Studie. Leipzig 1903
  • Arnold Latwesen: Otto Ernst. Ein deutscher Lyriker. Leipzig 1912
  • August Volquardsen: Otto Ernst. Ein Blick in sein Leben und Schaffen. Altona 1927
  • Anke Weschenfelder: Ernst, Otto, in: Wilhelm Kosch (Begr.), Konrad Feilchenfeldt (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon 20. Jahrhundert. Band 8. De Gruyter, Berlin 2005, S. 1905–1907. (Vorschau bei Google Books)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Arbeitszimmer Otto Ernst
  2. Matthias Schmoock: Die Posse um das Dichter-Erbe im Christianeum, abendblatt.de, 27. Februar 2018, abgerufen am 15. Juni 2018
  3. Grabsteinabbildung Nr. 207 bei fotepress.de