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Mathieu Carrière

deutscher Schauspieler und Autor
Mathieu Carrière (2017)

Mathieu Carrière (* 2. August 1950 in Hannover) ist ein deutscher Schauspieler und Autor, der bereits als Jugendlicher in Literaturverfilmungen zu sehen war. Als junger Törless wurde er in der Verfilmung von Volker Schlöndorff bekannt. Bereits in den 1980er Jahren wirkte er regelmäßig in französischen Spielfilmen und amerikanischen Serien mit. In unzähligen namhaften Kino- und Fernsehproduktionen spielte er z. B. unter der Regie von Éric Rohmer, Krzysztof Zanussi oder Werner Schroeter, dabei an der Seite von Brigitte Bardot und Romy Schneider. In Deutschland gehört er spätestens seit der hochkarätigen erfolgreichen Fernsehserie Ein Mann will nach oben nach Hans Fallada zu den prominentesten Künstlern.

Wegen seiner öffentlichen Provokationen und seines politischen Engagements wird Mathieu Carrière als ambivalente Gestalt wahrgenommen, über deren Privatleben und öffentliche Auftritte regelmäßig berichtet wird.

Carrière war mehrfach verheiratet und hat zwei Töchter: Alice Isabelle, geb. 1985 in den USA, und Elena, geb. 1996. Seit einem Sorgerechtsstreit mit seiner Ex-Partnerin, der Kostümbildnerin Bettina Proske, Mutter der jüngeren Tochter Elena, gehört Carrière zu den prominentesten Kritikern des deutschen Scheidungs- und Sorgerechts.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

 
Mathieu Carrière (2004)

Mathieu Carrière wuchs in Ilten bei Hannover,[1] in Berlin und ab 1962 in Lübeck auf. Sein Vater Bern Carrière (1921–2015) war praktizierender Neurologe und Psychiater. Seine Eltern Bern und Jutta Carrière sind Deutsche, der französische Familienname ist hugenottischen Ursprungs.[2] Mit 17 Jahren kam Carrière auf ein Jesuiteninternat im bretonischen Vannes. Ab 1969 studierte er Philosophie in Paris. Heute bekennt sich Carrière zum Buddhismus.

Carrière verlor früh seinen zwei Jahre jüngeren Bruder Till, einen Theaterschauspieler, der im Alter von 26 Jahren seinem Leben durch Suizid ein Ende setzte. Seine Schwester Mareike Carrière (1954–2014), die einem Krebsleiden erlag, war ebenfalls Schauspielerin. Mathieu und sein Cousin Justus Carrière begleiteten sie während dieser Zeit intensiv. 2012 starb seine Mutter, 2015 sein Vater.

Der junge Carrière hatte seine ersten Auftritte als Emil in einer Bühnenfassung von Erich Kästners Emil und die Detektive auf der Schulbühne des Lübecker Gymnasiums Katharineum. Mit 13 Jahren gab Carrière in Rolf Thieles Thomas Mann-Verfilmung Tonio Kröger als Titelheld sein Leinwanddebüt, 1966 machte ihn die Titelrolle in der Literaturverfilmung Der junge Törless, Volker Schlöndorffs Debütfilm nach Robert Musil, international bekannt. Er überzeugte über Jahrzehnte vor allem in Literaturverfilmungen und anspruchsvollen Rollen durch seine vielschichtigen Charakterzeichnungen von teilweise zwielichtigen Figuren.

Den Wechsel ins Seichte erklärte Carrière mit dem Hinweis auf seine zahlreichen Unterhaltsverpflichtungen. So nahm er im April 2010 an der Tanzshow Let's Dance teil, schied jedoch bereits in der zweiten Folge aus.[3] Vom 14. Januar bis zum 26. Januar 2011 ging er in der RTL-Sendung Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! in den Dschungel und belegte in der fünften Staffel den sechsten Platz.

In dem Historiendrama Bergblut (2010) von Philipp J. Pamer spielt Carrière einen französischen Hauptmann. 2013 nahm er an der Doku-Soap Frauentausch teil. Er wechselte seinen Alltag mit dem von René Weller.

AuszeichnungenBearbeiten

Carrière ist einer der wenigen deutschen Darsteller, die bereits in den 1980er Jahren regelmäßig in französischen Spielfilmen und amerikanischen Serien mitspielten. Dabei verkörperte er meist ambivalente Charaktere französischer oder deutscher Herkunft.

Am 21. Juni 2002 erhielt Carrière die Ritterwürde der französischen Ehrenlegion für seine künstlerischen Verdienste.[4]

Gesellschaftliches EngagementBearbeiten

 
Mathieu Carrière 2006 bei einer Demonstration für Väterrechte

Carrière gehört zu den prominentesten Kritikern des deutschen Scheidungs- und Sorgerechts. Er beanstandet, dass das Wohlergehen des Kindes ausschließlich über die Mutter definiert werde, und fordert, Elternrechte nicht über das biologische Geschlecht, sondern die „Sorgefähigkeit“ zu bestimmen.[5]

Unter anderem trat er in dieser Sache Anfang 2005 bei Domian im WDR auf. Dort vertrat er die Meinung, dass in Deutschland geltendes Recht Männer eindeutig benachteilige. Dies rühre von den Rollenbildern der Geschlechter aus der Zeit des Nationalsozialismus her. Er deutete auch an, selbst betroffen zu sein, machte aber keine Angaben zu Personen oder zum Familienstand.

Hintergrund ist ein jahrelanger andauernder Sorgerechtsstreit um seine jüngere Tochter Elena. Deren Mutter Bettina Proske habe ihm jahrelang das Besuchsrecht verweigert und ihn auf eine Unterhaltsfunktion und einen Wochenendvater reduziert. Im Jahr 2004 wurde Mathieu Carrière nach Klage von Proske zur Zahlung eines Ordnungsgeldes von 5.000 Euro verurteilt: Er habe nicht verhindert, dass die gemeinsame Tochter bei einem Zirkusbesuch von Reportern fotografiert worden sei. Aus Protest gegen die bestehende Gesetzeslage weigerte Carrière sich, die Summe zu zahlen, und saß dafür zehn Tage in Ordnungshaft.[5] Vor dem Untersuchungsgefängnis fand daraufhin eine Demonstration von etwa 200 Männerrechtlern in Häftlingskleidung statt.[6]

Inzwischen hat das Verhältnis zwischen Carrière und Proske wieder entspannt.[7]

In den Bundestagswahlkämpfen 2005 und 2009 unterstützte Carrière Die Linke.

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

KinofilmeBearbeiten

FernsehproduktionenBearbeiten

RegieBearbeiten

  • 1973: Alcazar de Paris (Co-Regie)
  • 1989: Zugzwang

BühneBearbeiten

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Für eine Literatur des Krieges, Kleist. Essay. Stroemfeld/Roter Stern, Basel und Frankfurt 1981, ISBN 3-87877-151-7.
  • Wilde Behauptung: Jennifer Bartlett und die Kunst. Gespräch. Boer, München 1994, ISBN 3-924963-61-4.
  • Im Innern der Seifenblase. Roman. Frankfurter Verl.-Anst., Frankfurt 2011, ISBN 978-3-627-00174-2.

Hörspiele und HörbücherBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Rolf Aurich, Susanne Fuhrmann, Pamela Müller (Red.): Lichtspielträume. Kino in Hannover 1896–1991. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Theater am Aegi vom 6. Oktober bis zum 24. November 1991. Gesellschaft für Filmstudien, Hannover 1991, S. 152f.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mathieu Carrière – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Schauspieler Mathieu Carrière: „Es tut mir leid“. In: Hamburger Abendblatt, 28. Januar 2011.
  2. http://www.munzinger.de/search/portrait/mathieu+carriere/0/18411.html
  3. „Let´s Dance“ bei RTL: Mathieu Carrière ausgeschieden – Hillu Schwetje konnte nicht antreten (Memento vom 18. April 2010 im Internet Archive)
  4. Maike Schiller: Carrière zum Ritter geschlagen. In: abendblatt.de. 21. Juni 2002, abgerufen am 2. Dezember 2012.
  5. a b Focus: Sorgerecht. Väter an die Front, 1. Dezember 2003, abgerufen am 1. Dezember 2012
  6. Focus: Sorgerechtsstreit. Haft wegen eines Fotos mit der Tochter, 29. November 2004, abgerufen am 1. Dezember 2012
  7. „Zwischen uns gibt es kein heimlich“, www.gala.de vom 12. Juni 2017, abgerufen am 27. September 2018
  8. http://www.filmstarts.de/kritiken/203818.html