Markt Taschendorf

Gemeinde in Deutschland

Markt Taschendorf ist ein Markt im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim in Mittelfranken und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Scheinfeld.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Markt Taschendorf
Markt Taschendorf
Deutschlandkarte, Position des Marktes Markt Taschendorf hervorgehoben

Koordinaten: 49° 42′ N, 10° 33′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim
Verwaltungs­gemeinschaft: Scheinfeld
Höhe: 342 m ü. NHN
Fläche: 27,66 km2
Einwohner: 989 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 36 Einwohner je km2
Postleitzahl: 91480
Vorwahl: 09552
Kfz-Kennzeichen: NEA, SEF, UFF
Gemeindeschlüssel: 09 5 75 147
Marktgliederung: 11 Gemeindeteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Erlanger Str. 15
91480 Markt Taschendorf
Website: www.markt-markt-taschendorf.de
Bürgermeister: Johannes Oeder (Bürgerblock)
Lage des Marktes Markt Taschendorf im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim
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Über dieses Bild
Markt Taschendorf von Südwesten

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Die von Feldern und Wiesen, teils auch von Wald umgebene Gemeinde liegt in hügeliger Landschaft im südlichen Teil des Steigerwaldes und wird von der Kleinen Weisach durchflossen. Die vom benachbarten Kornhöfstadt kommende Steinach durchfließt die Gemeindeteile Frankfurt, Lachheim und Obersteinbach. Die höchste Erhebung im Gemeindegebiet ist die Hohe Föhre mit 434 m.

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Burghaslach, Vestenbergsgreuth, Münchsteinach, Baudenbach und Scheinfeld.

GemeindegliederungBearbeiten

Die Gemeinde hat elf amtlich benannte Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2]

GeschichteBearbeiten

Aus der Zeit von 850 bis 550 v. Chr. gibt es Funde von Hügelgräbern in der Gegend. Etwa um das 9. Jahrhundert n. Chr. wurde Taschendorf gegründet.

1285 wurde der Ort als „Toschendorff“ erstmals urkundlich erwähnt, 1311 mit dem Zusatz „inferior“ (das untere) und 1340 mit dem Zusatz „Nidern“ zur besseren Unterscheidung von dem westlich gelegenen (Ober-)Taschendorf. 1500 erhielt Taschendorf das Marktrecht, 1599 wurde es erstmals „Marck Doschendorff“ genannt. Der Ortsname ist ein slawisch-deutscher Mischname: Das Grundwort ist das mittelhochdeutsche dorf, das Bestimmungswort wahrscheinlich der slawische Personenname Toš.[3]

Man fand Anzeichen von elf untergegangenen Dörfern und Siedlungen in der nächsten Umgebung. Deren Zerfall wurde vermutlich durch Klimaverschlechterung und Hungersnöte im 15. Jahrhundert sowie den Dreißigjährigen Krieg verursacht.

Nördlich der Kleinen Weisach übte die Fraisch die Cent Burghaslach der Grafschaft Castell aus und südlich der Kleinen Weisach das Amt Scheinfeld der gefürsteten Grafschaft Schwarzenberg. Grundherr war das Rittergut Obersteinbach.[4]

1806 kam Taschendorf zum neuen Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Taschendorf gebildet, zu dem Butzenmühle, Obertaschendorf und Hombeer gehörten. Die 1813 gegründete Ruralgemeinde Taschendorfwar deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt. Sie unterstand bis 1810 in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Scheinfeld und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Iphofen. Die freiwillige Gerichtsbarkeit und die Ortspolizei übte bis 1848 das Patrimonialgericht Obersteinbach aus, für ein Anwesen war das Herrschaftsgericht Schwarzenberg zuständig. 1810 kamen die Orte zum Landgericht Höchstadt und zum Rentamt Höchstadt. Am 31. Oktober 1819 wurde die Gemeinde an das Landgericht Neustadt an der Aisch und das Rentamt Neustadt an der Aisch abgegeben. Gleichzeitig wurde Hombeer nach Altershausen umgemeindet. Am 12. Februar 1827 wurde die Gemeinde an das Landgericht Markt Bibart und das Rentamt Iphofen abgegeben.[4]

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte Gossenberger, der Pächter des Rittergutes Obersteinbach, in seiner Rinderzucht Tiere des gelben Heilbronner Schlags und andere aus Baden ein, die er mit der einheimischen Landrasse kreuzte. Der so entstandene Scheinfelder Schlag' wurde überregional bekannt und trug zum um 1834 sich entwickelnden Aufschwung des Neustädter Viehhandels bei.[5]

1862 war für Taschendorf verwaltungsmäßig das Bezirksamt Scheinfeld (1938 in Landkreis Scheinfeld umbenannt) und ab 1856 das Rentamt Markt Bibart (1920–1929: Finanzamt Markt Bibart, ab 1929 Finanzamt Neustadt an der Aisch) zuständig. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Markt Bibart, ab 1880 Amtsgericht Scheinfeld. Die Gemeinde hatte 1885 eine Gebietsfläche von 10,358 km²[6], die sich ab 1900 8,787 km² verringerte.[7]

20. JahrhundertBearbeiten

Am 2. Februar 1963 wurde der Gemeindename von Taschendorf amtlich in Markt Taschendorf geändert.[8]

Von 1973 bis 1984 wurde die Flurbereinigung durchgeführt, 1987 die Dorferneuerung abgeschlossen.

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Januar 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Frankfurt (mit Klösmühle) und Obersteinbach (mit Lachheim, Lerchenhöchstadt und Wilhelminenberg) sowie Teile der aufgelösten Gemeinden Altershausen (nur Hombeer) und Kornhöfstadt (nur Birkach) eingegliedert.[8]

Vor der Gebietsreform 1972 gehörte Hombeer zum ehemaligen Landkreis Neustadt an der Aisch, alle anderen Gemeindeteile zum ehemaligen Landkreis Scheinfeld.[9]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 943 auf 985 um 42 Einwohner bzw. um 4,5 %.

Gemeinde Markt Taschendorf

Jahr 1824 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2007 2012 2016
Einwohner 609 459 481 457 484 487 485 483 485 430 418 418 422 439 406 401 367 353 517 493 375 432 960 1029 1004 1003
Häuser[10] 91 75 77 79 80 74 76 79 260 354
Quelle [4] [11] [12] [13] [12] [14] [12] [12] [6] [12] [12] [7] [12] [12] [12] [15] [12] [12] [12] [16] [17] [18] [19] [20] [20] [20]

Gemeindeteil Markt Taschendorf

Jahr 001824 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 376 344 351 361 367 321 311 366 267 299 312
Häuser[10] 50 57 60 61 58 58 60 98
Quelle [4] [11] [13] [14] [6] [7] [15] [16] [17] [18] [19]

PolitikBearbeiten

MarktgemeinderatBearbeiten

Die Kommunalwahl 2008 führte zu folgender Sitzverteilung im Marktgemeinderat (Vergleich zur Wahl 2002):

  • CSU/Freie Bürger 4 Sitze (−2)
  • Bürgerblock 5 Sitze (+1)
  • Freie Wählergemeinschaft 3 Sitze (+1)

WappenBearbeiten

Die Gemeinde Markt Taschendorf führt seit 1975 ein Wappen.

Blasonierung:Geteilt; oben in Gold eine grüne Schalenwaage; unten schräg geteilt, oben Schwarz und unten geschacht von Silber und Rot.“[21]
Wappenbegründung: Die Waage weist auf die bereits im 17. Jahrhundert nachgewiesenen Märkte, die für das Wirtschaftsleben im Gemeindegebiet von großer Bedeutung waren. In der unteren Hälfte steht das Wappen der Herren von Lentersheim, die als Schlossherren im Gemeindeteil Obersteinbach nachweisbar sind.

BaudenkmälerBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

BildungBearbeiten

Markt Taschendorf ist Mitglied im Schulverband Scheinfeld.

StrukturBearbeiten

Die Gemeinde ist landwirtschaftlich orientiert; in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts änderte sich durch neue Siedlungsgebiete der Charakter in Richtung Wohngemeinde. Auch das mittelständische Handwerk und der Fremdenverkehr spielen eine Rolle.

VerkehrBearbeiten

Durch Markt Taschendorf verläuft die Staatsstraße 2417, die nach Frankfurt bzw. nach Hombeer führt. Kreisstraße NEA 9 führt nach Obertaschendorf, die NEA 7 nach Kirchrimbach.

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Markt Taschendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tabellenblatt "Daten 2", Statistischer Bericht A1200C 202041 Einwohnerzahlen der Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke 1. Vierteljahr 2020 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Markt Taschendorf in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 19. September 2019.
  3. W.-A. v. Reitzenstein, S. 144.
  4. a b c d H. H. Hofmann, S. 195.
  5. Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt a. d. Aisch 1950, OCLC 42823280; Neuauflage anlässlich des Jubiläums 150 Jahre Verlag Ph. C. W. Schmidt Neustadt an der Aisch 1828–1978. Ebenda 1978, ISBN 3-87707-013-2, S. 443.
  6. a b c K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1184 (Digitalisat).
  7. a b c K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1256 (Digitalisat).
  8. a b Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 565.
  9. http://wiki-de.genealogy.net/Markt_Taschendorf
  10. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1824 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 2016 als Wohngebäude.
  11. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 63 (Digitalisat). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 454 Einwohner.
  12. a b c d e f g h i j k l Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, S. 183, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  13. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1081, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  14. a b Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1248, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  15. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1294 (Digitalisat).
  16. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 1121 (Digitalisat).
  17. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 820 (Digitalisat).
  18. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 176 (Digitalisat).
  19. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 341 (Digitalisat).
  20. a b c Markt Taschendorf: Amtliche Statistik des LfStat
  21. Eintrag zum Wappen von Markt Taschendorf in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte