Hauptmenü öffnen

Landkreis Meiningen

ehemaliger Landkreis im heutigen Thüringen, Deutschland (1868-1952)
Lage des Landkreises Meiningen in Thüringen im Jahr 1922

Der Landkreis Meiningen war ein Landkreis im Südwesten des heutigen Thüringen, der von 1868 bis 1952 existierte. Kreisstadt war die Residenzstadt Meiningen.

Landschaftlich war der Landkreis vielfältig geprägt, wurde aber vom Werratal dominiert, das sich von Leutersdorf im Süden bis nach Bad Salzungen im Norden durch den ganzen Landkreis zog. Im Westen des Kreisgebietes lagen Teile der Gebirgszüge der Rhön und im Osten des Thüringer Waldes. Den Süden nahmen Teile des Grabfeldes ein.

Siegelmarke des Landrats vor 1918

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Bei einer strukturellen Neuordnung des Herzogtums Sachsen-Meiningen im Jahr 1869 wurde aus dem Meininger Unterland der Landkreis Meiningen als einer von vier Landkreisen gebildet. Meiningen, die Hauptstadt von Sachsen-Meiningen, wurde somit auch zur Kreisstadt. Die anderen drei Kreise waren Hildburghausen, Sonneberg und Saalfeld. 1882 gründete Landrat Rudolf Ziller die Kreissparkasse Meiningen.

 
Georgstraße in Meiningen 1905

Nach der Abdankung von Herzog Bernhard III. am 10. November 1918 wurde das Herzogtum zum Freistaat Sachsen-Meiningen, der bis 1920 fortbestand. Danach kam der Landkreis Meiningen zum neu gegründeten Land Thüringen. Bei der Thüringer Kreisreform von 1922 gab der Landkreis die Gemeinden Bernshausen, Dietlas, Kaltenlengsfeld und Oberellen an den Landkreis Eisenach ab. Gleichzeitig kamen aus dem aufgelösten Verwaltungsbezirk Dermbach die Stadt Ostheim vor der Rhön sowie die Gemeinden Birx, Frankenheim/Rhön, Helmershausen, Melpers, Sondheim vor der Rhön, Stetten, Urspringen, Wohlmuthausen und Zillbach neu zum Landkreis hinzu.[1] Nach der Auflösung des Stadtkreises Zella-Mehlis wurde 1936 auch die Stadt Zella-Mehlis als Exklave in den Landkreis eingegliedert. Wegen einer Gebietsbereinigung bei der Bildung der Besatzungszonen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg trat der Landkreis 1945 die Stadt Ostheim vor der Rhön sowie die Gemeinden Sondheim vor der Rhön, Stetten und Urspringen an den bayerischen Landkreis Mellrichstadt ab.

Am 1. Juli 1945 gab der Landkreis Herrschaft Schmalkalden die Exklave Barchfeld an den Landkreis Meiningen ab und am 1. Oktober 1945 wurde die Stadt Zella-Mehlis aus dem Landkreis Meiningen in den Landkreis Schleusingen umgegliedert.[2][3] Am 1. Juli 1946 wechselten die Gemeinden Birx, Frankenheim/Rhön und Melpers in den Landkreis Eisenach.[4]

Am 1. Juli 1950 erfolgte die erste größere Gebietsreform in der DDR. Der Landkreis Meiningen gab dabei seinen Nordteil mit der Stadt Bad Salzungen an den neuen Landkreis Bad Salzungen sowie die Gemeinde Möckers an den Landkreis Suhl ab. Gleichzeitig kamen die Stadt Brotterode sowie die Gemeinden Elmenthal, Fambach, Herges-Auwallenburg, Herrenbreitungen, Heßles, Hohleborn, Pappenheim, Laudenbach, Trusen und Wahles aus dem aufgelösten Landkreis Schmalkalden neu zum Landkreis Meiningen.[5][6]

Bei der Verwaltungsreform von 1952 in der DDR gab der Landkreis ein großes Gebietsteil an den Kreis Schmalkalden ab. Der verbleibende Kreis bestand als Kreis Meiningen im Bezirk Suhl fort.[7]

 
Siegelmarke des Landratsamts nach 1920

BevölkerungBearbeiten

1900 lebten auf einer Fläche von 749 Quadratkilometern in 124 Gemeinden 65.595 Menschen. Weitere Städte neben Meiningen waren Wasungen und Bad Salzungen. Zu den größeren Orten zählten weiterhin Bad Liebenstein, Alten- und Frauenbreitungen, Schweina, Wernshausen und Walldorf. 1925 hatte der Landkreis mit dem neu hinzugekommenen Ostheim vor der Rhön 84.750 und 1939 nach der 1936 erfolgten Eingliederung von Zella-Mehlis 105.862 Einwohner.

VerkehrBearbeiten

Im Verkehr war der Kreis über die Reichsstraßen 19 (Eisenach–Meiningen–Würzburg), 89 (Meiningen–Kronach) und 285 (DorndorfMellrichstadt) zu erreichen. Der Bau der Reichsautobahn Eisenach–Meiningen–Bamberg (Strecke 85), die den Landkreis über Breitungen/Werra, Niederschmalkalden, Meiningen und Rentwertshausen durchquert und erschlossen hätte, wurde nach Kriegsbeginn 1940 eingestellt und später nicht vollendet.

Von Meiningen aus gab es Eisenbahnstrecken nach Erfurt, Eisenach, Schweinfurt, Sonneberg und Römhild.

 
Bad Salzungen 1900
 
Bad Liebenstein (um 1900)
 
Markt, Stadtkirche und Rathaus in Meiningen um 1900

WirtschaftBearbeiten

Wirtschaftliche Haupterwerbszweige im Landkreis Meiningen waren der Ackerbau (Kartoffeln, Getreide, Tabak), die Viehzucht (Rhön, Werratal), die Forstwirtschaft, die Textilherstellung (Niederschmalkalden), mehrere Brauereien (Meiningen), der Kurbetrieb in Salzungen und Liebenstein, die Bauwirtschaft (Meiningen) und der Schienenfahrzeug- und Maschinenbau (Meiningen, Zella-Mehlis). Die Kreisstadt war mit einer Reihe von Großbanken ein bedeutender Finanzstandort in Deutschland. Weiterhin besaß Meiningen als Landeshauptstadt eine Reihe von Behörden und Institutionen. Europaweiten Ruhm erlangten auf dem kulturellen Sektor das Meininger Hoftheater und die Meininger Hofkapelle.

Städte und GemeindenBearbeiten

Im Jahre 1939 umfasste der Landkreis Meiningen fünf Städte und 90 weitere Gemeinden:[8]

1 Die Gemeinde hieß bis 1907 Liebenstein
2 Die Stadt hieß bis 1923 Salzungen
3 Die Gemeinde Breitungen hieß bis in die 1920er Jahre Alten- und Frauenbreitungen
4 Die Gemeinde Oberrhon hieß bis in die 1920er Jahre Röhrigs- und Hüttenhof

Bis 1938 verloren mehrere Gemeinden durch Eingemeindung ihre Eigenständigkeit:

LiteraturBearbeiten

  • Statistik des Deutschen Reiches vom 1. Dezember 1910, Band 240, Berlin 1915.
  • Statistik des Deutschen Reiches vom 16. Juni 1925, Band 401, Berlin 1928.
  • Statistik des Deutschen Reiches vom 17. Mai 1939, Band 552, Berlin 1942.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. gov.genealogy.net: Landkreis Meiningen
  2. Erste Verordnung über die Kreiseinteilung des Landes Thüringen
  3. Sechste Verordnung über die Kreiseinteilung des Landes Thüringen
  4. Zehnte Verordnung über die Kreiseinteilung des Landes Thüringen vom 26. September 1946
  5. 1. Verordnung zur Ausführung des Gesetzes zur Änderung der Kreis- und Gemeindegrenzen im Lande Thüringen vom 26. April 1950
  6. Korrektur der 1. Verordnung
  7. Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe im Lande Thüringen vom 25. Juli 1952
  8. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. meiningen.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).