Hauptmenü öffnen

Kloster (Bad Salzungen)

Stadtteil von Bad Salzungen

Kloster ist ein Ortsteil von Bad Salzungen im Wartburgkreis in Thüringen. Der Ort entstand an einem Werraübergang und war zunächst eine Hörigensiedlung am Zugangsweg zur Burg Frankenstein.

Kloster
Koordinaten: 50° 49′ 9″ N, 10° 15′ 28″ O
Höhe: 240–300 m ü. NN
Eingemeindung: 1. Juli 1950
Postleitzahl: 36433
Vorwahl: 03695
Karte
Kloster im Osten der Stadt
Ansicht des Stadtteils Kloster Allendorf von Süden (2012)
Ansicht des Stadtteils Kloster Allendorf von Süden (2012)

GeografieBearbeiten

Der Stadtteil Kloster erstreckt sich heute auf einer Länge von fast zwei Kilometer auf dem rechten Hochufer der Werra gegenüber der Kernstadt Bad Salzungen. Die mittelalterliche Siedlung Kloster entstand an einer Furtstelle der Werra im Schutz der Burg Frankenstein.

Der nur noch auf dem Südhang bewaldete Berg Frankenstein (342,7 m ü. NN) und die westlich folgende, bewaldete Heims Höhe (342,4 m ü. NN) sind die höchsten Erhebungen des Stadtteils. Nördlich grenzt an Kloster die Gemeinde Moorgrund mit den Ortsteilen Witzelroda, Neuendorf und Gräfen-Nitzendorf. In der Talaue der Werra verläuft der Mühlgraben und weitere Quellbäche, in einer Flussschleife gegenüber dem Salzunger Gradierwerk erstrecken sich die wegen des hohen Grundwasserpegels sauren Haadwiesen. Für die Landwirtschaft wurde im Mittelalter der Lange Grund gerodet, an den Hängen des Hohle Berg (366,6 m ü. NN) erkennt man noch die einstigen Ackerterrassen.[1]

Oberhalb der Ortslage Kloster entstanden einige Steinbrüche zum Abbau von Buntsandstein. Die Steilhänge zur Werra sind heute bewaldet, die Südhanglagen dienten im Mittelalter auch als Weinberge.[2]

GeschichteBearbeiten

Die Geschichte des Stadtteils begann mit der Errichtung einer romanischen Burganlage auf dem westlichen Bergsporn des Frankenstein. Neben der Überwachung einer Furtstelle war die Burg auch Sitz der Dynasten von Frankenstein, die bis zum Aufstieg der Ludowinger eine beherrschende Rolle im westthüringischen Raum zwischen Rhön und Rennsteig eingenommen hatten. Zu Füßen der Burg entstand eine Hörigensiedlung mit einer Marienkapelle.

Erst in der Spätzeit des Geschlechts, um 1270, wurde in der Ortslage das dem Zisterzienserorden zugehörige Nonnenkloster Allendorf gestiftet. Die als Grablege und Alterswohnsitz der Frankensteiner gedachte Anlage wurde von der Stifterfamilie mit reichem Grundbesitz und Privilegien ausgestattet. Noch 1295, kurz vor der Zerstörung der Burg Frankenstein im gleichen Jahr durch König Adolf von Nassau, erhielt das Kloster das Patronatsrecht über die Salzunger Stadtpfarrei. Der versuchte Wiederaufbau der Burg Frankenstein ruinierte den Frankensteiner Grafen, seine Nachfahren mussten 1330 ihre umfänglichen Besitzungen abtreten, um aus den Schulden zu kommen.[3]

Das von einem Propst geführte Kloster wurde im 14. Jahrhundert zum Grundherren weiterer Orte in der Nachbarschaft. Man bemühte sich, entsprechend der zisterziensischen Ordensregeln, um die Verbesserung und Ausdehnung der landwirtschaftlichen Flächen. Der nördlich gelegene Moorgrund wurde an verschiedenen Stellen trockengelegt und in Wiesen und Ackerboden verwandelt. Von den Gebäuden des einstigen Klosters blieb ein heute als „das Kloster“ bezeichnetes, in gotischem Baustil errichtetes und später in ein Wohnhaus umgebautes Gemäuer erhalten, es steht unter Denkmalschutz.

 
Die Klosterkirche
 
Der Frankenstein
 
Die Werrabrücke
 
Kunstruine Frankenstein
 
Hotel Panoramablick
 
Der Frankenstein mit Hotelgebäude nahe der Kunstruine

Als 1525 im Bauernkrieg aufständische Bauern das Felda- und Werratal durchstreiften, flüchteten sich die Nonnen mit ihren Kostbarkeiten in den Schutz der benachbarten Stadt Salzungen. Das durch die Bauern geplünderte Kloster wurde 1528 säkularisiert, es wurde von einem Ritter von Herda erworben. Der Propst und ein Teil der Nonnen blieben in der Stadt. Aus dem Grundeigentum des Klosters wurde das Amt Kloster Allendorf gebildet, es umfasste 15 Ortschaften. Die reparierte und neu geweihte Klosterkirche diente bis 1634 den nördlich angrenzenden Orten als Gotteshaus. 1529 wurde erstmals eine hölzerne Werrabrücke erbaut. Die Salzunger Pfännerschaft erhielt so einen leichteren Zugang zu den ehemaligen Wäldern des Klosters. Die Reste der Wohnanlage des Klosters wurden nach dem Stadtbrand von 1786 abgebrochen und dienten noch als Baumaterial für die ebenfalls niedergebrannte Salzunger Stadtkirche.[4]

Im Jahr 1811 hatte Allendorf-Kloster 32 bewohnte Häuser und 154 Einwohner. Das aus dem Wirtschaftshof des Klosters hervorgegangene Rittergut, zuletzt im Besitz der Familie von Reckrodt, war bereits 1802 bankrottgegangen und wurde zerschlagen.

Am Fuß der Burgruine Frankenstein lag eine Mahlmühle und ein ebenfalls zum Kloster gehöriges Brauhaus mit Felsenkeller. Diese Liegenschaft wurde von einem Interessenten erworben und später (1873) zur Klosterbrauerei Salzungen ausgebaut. Der Betrieb war wegen seines schmackhaften Bieres bekannt. Die in der DDR-Zeit abgewirtschaftete Brauerei wurde in den 1990er Jahren abgerissen.

Seit den 1950er Jahren begann eine Ausweitung der Siedlung entlang des Uferstreifens der Werra „Unter den Bergen“ sowie an der „Eisenacher Straße“ in Richtung Werrabrücke. Von der zweiten Werrabrücke unterhalb des Weinberges wuchs zeitgleich die Häuserzeile der Weinbergstraße in Richtung Haadwiese und Kloster. Kleingärten und Freizeitanlagen entstanden. Die Zufahrten zu diesen Häusern und Gärten sind stark hochwassergefährdet, zur Versorgung der Anwohner müssen durch Feuerwehr, den Zivil- und Katastrophenschutz (THW) Stege aufgebaut werden.[5]

Die ehemalige Kreismülldeponie Am Hohleberg entstand bereits in der DDR-Zeit für den Hausmüll der Kreisstadt Bad Salzungen und angrenzender Orte. Nach der Wende wurde das Gelände noch wenige Jahre nach modernen Standards als Deponieanlage betrieben. Nach der Verwahrung und Rekultivierung wurde auf dem Gelände eine Photovoltaikanlage errichtet, die im Endausbau bis zu 630 Haushalte mit Energie versorgen soll.[6]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Kunstruine Frankenstein. Bereits 1891 wurde durch geschichtsinteressierte Bürger auf dem Frankenstein eine Kunstruine als Aussichtspunkt und Vereinslokal errichtet. In der Nachbarschaft entstand in der DDR-Zeit ein Bungalowdorf als Betriebsferienlager, es wurde nach der Wende durch ein Hotel ersetzt. Die Kunstruine ist nach ihrer Sanierung wieder eine beliebte Sehenswürdigkeit der Kur- und Kreisstadt.[7]
  • Karneval Club Kloster (KCK). Der im November 1968 gegründete Verein ist heute einer der erfolgreichsten Thüringer Karnevalsvereine.[8]

VerkehrBearbeiten

Kloster wird vom Stadtbus der Wartburgmobil-Linie A mit dem Zentralort Bad Salzungen sowie mit einer Regionalbus-Linie des Unternehmens mit Bad Liebenstein verbunden.

LiteraturBearbeiten

  • Thomas Bienert: Bad Salzungen, verschwundene Burg Frankenstein. In: Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. 430 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 316 f.
  • Albert Freiherr von Boyneburgk-Lengsfeld: Frankenstein bei Salzungen im Herzogthum Sachsen-Meiningen. In: Friedrich Gottschalck: Ritterburgen und Bergschlösser Deutschland's. Band 8. C. A. Schwetschke und Sohn, Halle 1831, S. 281–294.
  • Ernst-Ulrich Hahmann: Die Ritter vom Frankenstein. Resch-Verlag, Meiningen 2011, S. 100.
  • Ludwig Hertel: Der Frankenstein. In: Paul Lehfeldt, Georg Voss: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens. Herzogthum Sachsen-Meiningen. Band 1, Abtheilung 2 = Heft 35 und 36: Kreis Meiningen. Amtsgerichtsbezirke Salzungen und Wasungen. Gustav Fischer, Jena 1910, S. 50–52.
  • Hartmut Ruck: Chronik Bad Salzungen. s. n., Bad Salzungen s. a.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kloster (Bad Salzungen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Amtliche topographische Karten Thüringen 1:10.000. Landkreis Gotha, Wartburgkreis, Kreisfreie Stadt Eisenach. In: Thüringer Landesvermessungsamt (Hrsg.): CD-ROM Reihe Top10. CD 2. Erfurt 1999.
  2. Belegt durch den Flurnamen „Weinberg“.
  3. Die Güterliste ist als Frankensteiner Verkaufsbrief überliefert und nennt auch viele mittelalterliche Wüstungen.
  4. Hans Patze, Peter Aufgebauer (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 9: Thüringen (= Kröners Taschenausgabe. Band 313). 2., verbesserte und ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 1989, ISBN 3-520-31302-2, S. 1.
  5. Bürgerinformation – Hochwasser in der Stadt Bad Salzungen. Feuerwehr Bad Salzungen, 2012, abgerufen am 3. Februar 2012 (40 Bilder der Stützpunktfeuerwehr Bad Salzungen vom Werrahochwasser 2011 in Kloster): „Bei eintretendem Hochwasser ergeben sich in der Kur- und Kreisstadt Bad Salzungen Gefahrenschwerpunkte für Bürger und Gewerbetreibende. Hiervon betroffen ist der gesamte Bereich der Werraaue von Flurgrenze Immelborn bis Flurgrenze Leimbach. Im folgenden Bericht sind einige Informationen und Hinweise zusammengefasst.“
  6. Erster Spatenstich für PV-Anlage 2,5 MWp. (Nicht mehr online verfügbar.) Peschla + Rochmes GmbH, 7. Dezember 2011, ehemals im Original; abgerufen am 3. Februar 2012: „Am 11. Oktober (2011) wurde durch Herrn Dr. Krauser, Verbandsvorsitzender des Abfallzweckverbandes und erster Beigeordneter des Wartburgkreises, feierlich der erste Spatenstich zur Errichtung einer Photovoltaikanlage auf der Deponie Allendorf-Kloster vorgenommen.“
  7. Anne Krenzer: Kunstruine Frankenstein bei Bad Salzungen (Historische Stätte). Rhönportal 2004, 2012, abgerufen am 3. Februar 2012.
  8. 44 Jahre Karneval Club Kloster. Karnevalclub Kloster e.V., 2012, abgerufen am 3. Februar 2012 (Bebilderte Rückblicke auf die Vereinsgeschichte): „Die 15. Thüringer Meisterschaft, welche am 27. und 28. Oktober 2007 in Bad Salzungen stattfand, wurde ein großes Fest des karnevalistischen Tanzsports in Thüringen.“