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Kheira Hamraoui

französische Fußballspielerin
Kheira Hamraoui (2013)

Kheira Hamraoui (* 13. Januar 1990 in Croix) ist eine französische Fußballspielerin. Die Nordfranzösin ist zur Saison 2018/19 zum FC Barcelona gewechselt.

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VereinskarriereBearbeiten

Kheira Hamraoui begann als 9-Jährige mit dem organisierten Fußballsport bei einem Sport- und Kulturverein der maghrebinischen Gemeinde in Roubaix; mit 14 wechselte sie zum benachbarten Amateurverein OS Leers. Dort machte sie bald nicht nur regional, sondern auch national auf sich aufmerksam, wurde zur B-Jugend-Nationalspielerin (siehe unten) und fand 2006 in der französischen „Frauenfußball-Kaderschmiede“, dem Centre National de Formation et d’Entraînement, Aufnahme. In der Saison 2006/07 bestritt sie für dessen Erstliga-Frauenteam CNFE Clairefontaine elf der 22 Punktspiele,[1] wobei ihr acht Tage nach ihrem 17. Geburtstag auch ihr einziger Saisontreffer gelang.[2] Als der Fußballverband dem CNFE Clairefontaine 2007 die Erlaubnis entzog, am Ligabetrieb teilzunehmen, kehrte Hamraoui zunächst nach Nordfrankreich zurück und spielte ein Jahr für den FCF Hénin-Beaumont, ehe es sie 2008 zu Racing Saint-Étienne weiterzog.

Am Ende ihrer ersten Spielzeit dort war die 1,78 m große, „sehr durchsetzungsfähige und zugleich balltechnisch beschlagene Mittelfeldspielerin[3] mit zehn Treffern die beste Ligatorschützin ihrer Frauschaft geworden. Als die Frauenabteilung von Racing unmittelbar nach Saisonende zur AS Saint-Étienne wechselte, war das Grün der ASSE ihr vierter Erstligadress binnen vier Jahren. In der Saison 2010/11 war Hamraoui erneut die erfolgreichste Torschützin Saint-Étiennes in der Division 1 (neun Treffer). Ihr neues Team schloss die Tabelle bis 2012 stets auf einem Mittelfeldplatz ab, konnte aber nie in die Phalanx der „großen vier Vereine“ vorstoßen. Immerhin gewann sie dort ihren ersten nationalen Titel im Landespokalwettbewerb um den Challenge de France, als die ASSE sich im Endspiel gegen HSC Montpellier im Elfmeterschießen behauptete.[4]

2012 wechselte sie zum Hauptstadtverein Paris Saint-Germain, der vor Saisonbeginn auch das Budget der Frauenabteilung kräftig aufgestockt und sich personell mit mehreren ausländischen Nationalspielerinnen (den Deutschen Annike Krahn und Linda Bresonik, Kosovare Asllani aus Schweden, der Costa-Ricanerin Shirley Cruz Traña sowie den beiden Amerikanerinnen Tobin Heath und Lindsey Horan) enorm verstärkt hatte, um Olympique Lyon an einer Fortsetzung von dessen „Meisterschaftsabonnement“ zu hindern. Um sich in diesem ambitionierten Umfeld durchsetzen zu können, bedurfte es für Kheira Hamraoui einer grundlegenden Änderung ihrer Einstellung zum Fußball, wie sie selbst Anfang 2014 bekundete:[3]

„Ich habe vorher nichts getan, um mein Potential auszuschöpfen, hatte eine schlechte Einstellung [… und nur] 30 % meiner Leistungsfähigkeit abgerufen. [Ich war] zufrieden damit, einen Stammplatz in der ersten Division zu haben. [Zu PSG war ich hauptsächlich deshalb gewechselt], um näher bei meiner Familie in Lille zu sein.“

Erste Früchte der „neuen Hamraoui“ waren ein Kurzdebüt in der A-Nationalelf (siehe unten) sowie der Gewinn der Vizemeisterschaft 2012/13. In der Saison 2013/14 setzte ihr Vereinstrainer Farid Benstiti sie nicht mehr im offensiven Mittelfeld, sondern als „Abräumerin“ vor der Viererkette – diese bestand aus den Nationalspielerinnen Houara, Delannoy, Georges und Boulleau – ein. In dieser neuen Rolle verzeichnete sie im April 2015 einen Einsatz von rekordverdächtiger Kürze, als sie im Europapokalhalbfinal-Hinspiel beim VfL Wolfsburg, erst in der 81. Spielminute eingewechselt, bereits sechs Minuten später die Rote Karte für einen Ellenbogenschlag sah.[5] Dies kostete sie aufgrund einer Sperre für drei Begegnungen auch die Endspielteilnahme.

Nach vier Jahren und vier Vizemeisterschaften mit Paris verpflichtete der „Abonnementsmeister“ Olympique Lyon Kheira Hamraoui. Dort gewann sie in ihrer ersten Spielzeit (2016/17) zwar das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League, allerdings war sie wettbewerbsübergreifend zu lediglich 14 Einsätzen gekommen, davon lediglich neun in Lyons Startelf. in der folgenden Saison bestritt sie unter anderem 19 der 22 Punktspiele, aber auch dabei stand sie lediglich in neun Begegnungen beim Anpfiff auf dem Rasen. Dabei hat sie sich mit sieben Toren in der Liga und fünf im Pokal zu einer der erfolgreicheren Torschützinnen von OL entwickelt. Im Juni 2018 erklärte Hamraoui, den Schritt zu einem ausländischen Klub wagen zu wollen;[6] dieser entpuppte sich als der FC Barcelona. Ihre erste dortige Saison endete mit einer Vizemeisterschaft der Katalaninnen in der Primera División, und auch im Europapokal stand ihre Elf im Endspiel. An dem durfte Kheira Hamraoui, die im Halbfinal-Hinspiel bei Bayern München noch das Tor des Tages erzielt hatte, allerdings nicht teilnehmen, weil sie im Rückspiel gegen die Deutschen mit einer gelb-roten Karte vom Platz gestellt worden und deswegen für das Finale gesperrt war.[7]

StationenBearbeiten

  • Hommelet Sport et Culture Roubaix (1999–2004)
  • Omnisports Leers (2004–2006)
  • CNFE Clairefontaine (2006/07)
  • FCF Hénin-Beaumont (2007/08)
  • Racing Club Saint-Étienne (2008/09)
  • AS Saint-Étienne (2009–2012)
  • Paris Saint-Germain FC (2012–2016)
  • Olympique Lyon (2016–2018)
  • FC Barcelona (seit 2018)

In der NationalelfBearbeiten

Kheira Hamraoui hat für Frankreichs B- (acht Begegnungen ohne eigenen Treffer) und A-Jugend-Auswahl (neun Partien mit vier Toren) gespielt, bereits als 17-Jährige darüber hinaus auch schon sechs Spiele mit einem Treffer in der U-20 absolviert. Mit Letzterer nahm sie 2008 an der Jahrgangsweltmeisterschaft in Chile teil, bei der die Französinnen am Ende den vierten Rang belegten, und wurde in drei Spielen der Vor- und Endrunde eingesetzt.

Vier Jahre danach, im Oktober 2012, debütierte sie in der französischen Frauen-A-Nationalmannschaft, als deren Trainer Bruno Bini die Neu-Pariserin bei einem Freundschaftsmatch gegen England kurz vor Spielende einwechselte. Erst unter Binis Nachfolger Philippe Bergeroo fand sie wieder Berücksichtigung, der sie in sein Aufgebot für den Zypern-Cup im März 2014 berufen und dort gegen Schottland, Australien und – erstmals sogar in der Startformation – die Niederlande auch eingesetzt hatte. Sie gehörte ebenso zum französischen Kader für die Weltmeisterschaft 2015 wie für das olympische Fußballturnier 2016. Hamraouis Umstellungsprobleme nach ihrem Vereinswechsel von Paris zu Lyon kosteten sie allerdings die Berufung in den französischen Europameisterschaftskader 2017, wie der Bergeroo-Nachfolger Olivier Echouafni anlässlich der Pressekonferenz bei der Vorstellung seines Aufgebots begründete.[8] Es dauerte zweieinhalb Jahre, ehe die inzwischen amtierende Nationaltrainerin Corinne Diacre Kheira Hamraoui wieder im Aufgebot der Bleues für zwei WM-Vorbereitungsspiele im April 2019 berücksichtigte – und gegen Japan auch einwechselte. In den französischen 23er-Kader für die WM im eigenen Land wurde sie allerdings anschließend nicht berufen.

Ihr erster von bisher drei Treffern in insgesamt 36 A-Länderspielen gelang Hamraoui 2016 bei einem EM-Qualifikationsspiel in Valenciennes, also in heimatlichen Gefilden. (Stand: 4. April 2019)

PalmarèsBearbeiten

  • Französische Meisterin: 2017, 2018 (und Vizemeisterin 2013, 2014, 2015, 2016)
  • Spanische Vizemeisterin: 2019
  • Französische Pokalsiegerin: 2011, 2017 (diesmal ohne Einsatz im Finale)
  • Europapokalsiegerin: 2017, 2018 (jeweils ohne Einsatz im Finale)

WeblinksBearbeiten

Anmerkungen und NachweiseBearbeiten

  1. siehe das Saison-Aufgebot des CNFEC bei footofeminin.fr
  2. siehe das entsprechende Spieldatenblatt bei footofeminin.fr
  3. a b aus dem Artikel „Il faut que je travaille plus !“ („Ich muss mehr arbeiten!“) vom 27. Februar 2014 bei footofeminin.fr
  4. siehe den Spielbericht bei footofeminin.fr
  5. siehe das Spieldatenblatt bei footofeminin.fr
  6. nach dieser Meldung vom 5. Juni 2018 bei footofeminin.fr
  7. Artikel „Le Barça prend une option grâce à Kheira“ vom 22. und „Le Barça décroche sa première finale“ vom 29. April 2019, beide bei footofeminin.fr
  8. siehe das Video von der Pressekonferenz am 30. Mai 2017 bei fff.fr