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Flagge der Hisbollah. Die obere Zeile über dem ausgestreckten Gewehr ist ein Zitat aus Sure 5:56: „Die Partei Gottes sind die Obsiegenden.“ Die untere Zeile bedeutet: „Der islamische Widerstand im Libanon“.

Die Hisbollah (arabisch حزب الله Hizbullah, DMG Ḥizb Allāh ‚Partei Gottes‘, auch Hezbollah, Hizbollah oder Hizb-Allah geschrieben) ist eine schiitische Partei und Miliz im Libanon. Sie entstand ab 1982 als eine aus dem Untergrund operierende paramilitärische Organisation[1] durch den Zusammenschluss verschiedener schiitischer Gruppen beim Widerstand gegen die damalige israelische Invasion. Die offizielle Gründung fand 1985[2] statt. Die Hochburgen der Organisation liegen im Süden des Libanon, in der Bekaa-Ebene sowie in Südbeirut. An ihrer Spitze stehen schiitische Gelehrte; als oberste geistliche Autorität wird der Revolutionsführer der Islamischen Republik Iran, Ajatollah Sejjed Ali Chamene’i angesehen. Generalsekretär und Oberbefehlshaber der Hisbollah-Milizen ist Hassan Nasrallah.

Seit 1992 ist die Hisbollah auch in der libanesischen Nationalversammlung vertreten. Seitdem hat sie sich zu einem innerhalb der libanesischen Gesellschaft und darüber hinaus anerkannten militärischen, sozialen und politischen Machtfaktor entwickelt. Sie stellt nach der Parlamentswahl 2018 mit 13 Mandaten[3] etwa 10 % der Parlamentsabgeordneten und war schon in mehreren Kabinetten der libanesischen Regierung vertreten.[4]

Die Hisbollah ist für zahlreiche Anschläge gegen die israelische Armee verantwortlich. Bei vielen weiteren Anschlägen gegen jüdische oder westliche, vorwiegend US-amerikanische Einrichtungen weltweit wird ihre Beteiligung angenommen. Drei Staaten – Israel, Kanada und die Vereinigten Staaten – stufen die gesamte Hisbollah als Terrororganisation ein. Im März 2016 erklärte auch die Arabische Liga die Hisbollah zu einer Terrororganisation.[5] Die EU und Australien halten nur die Hisbollah-Miliz als solche für eine terroristische Vereinigung.[6] Die libanesische Regierung lehnt es ab, die Hisbollah gewaltsam zu entwaffnen.[7]

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

EntstehungBearbeiten

Die Hisbollah entstand im Verlauf verschiedener Spaltungen der politischen Bewegungen der Schiiten im Libanon. 1974 organisierte ein schiitischer Geistlicher, Imam Musa as-Sadr, eine Bewegung der Unterprivilegierten, die deren soziale Lage verbessern sollte. Diese Bewegung entwickelte sich später zur wichtigsten politischen Partei des Libanon, die sich Amal nannte. Im libanesischen Bürgerkrieg 1975 bis 1990 baute die Bewegung eine eigene Miliz auf, die Amal-Miliz. 1978 verschwand Musa as-Sadr jedoch in Libyen, und die zunächst führungslose Partei geriet unter Einfluss Irans, das gerade in seiner islamischen Revolution den Schah Reza Pahlavi abgesetzt hatte. Im Verlauf des Bürgerkriegs radikalisierten sich Teile der Amal. 1981 spaltete sich die Islamische Amal ab, wenig später unter Führung von Mohammad Hussein Fadlallah[8] die Hisbollah.[9]

Im Jahr 1982, kurz nach dem israelischen Einmarsch in den Südlibanon, griffen nach einer vom Ajatollah Chomeini ausgerufenen Fatwa zugunsten der schiitischen Milizen iranische Truppen aktiv in den libanesischen Bürgerkrieg ein. Die etwa 1500 Pasdaran (Revolutionsgarden),[10] die zunächst in der Scheich-Abdullah-Kaserne in Baalbek stationiert waren, sollten die islamische Revolution nach iranischem Vorbild in den Libanon exportieren (Revolutionsexport). Sie organisierten sich in der Bekaa-Ebene nahe der syrischen Grenze, wo die ersten Ausbildungslager der Pasdaran errichtet wurden. Die iranischen Kämpfer, die sich von nun an Hisbollah nannten, was namentlich an die sogenannten Hezbollahi (Chomeini-Anhänger) während der iranischen Revolution angelehnt ist, rekrutierten nach Vorbild der freiwilligen Miliz der Basitsch meist junge Libanesen zu Guerilla-Einsätzen und Himmelfahrtskommandos. Aus ihnen bildeten sich die Gruppen, die später in der Hisbollah aufgingen. Sie rekrutierten sich überwiegend aus ehemaligen Mitgliedern der schiitischen Amal-Miliz und aus mehreren kleineren Gruppen wie der Houssein Suicide Squad, Dschundollah (Armee Gottes), der Islamischen Studenten-Union und Mitgliedern der libanesischen Dawa-Partei. Zu den ersten Gründern und Aktivisten der Organisation gehörte der Vorbeter Raghib Harb (gest. 1984) aus Jibsheet im Südlibanon, der gegen die israelische Besatzung und den Zionismus predigte.[11]

An der Formierung, Finanzierung und Gründung der erst 1985 offiziell unter dem Namen Hisbollah in Erscheinung getretenen Organisation waren die ersten Kommandeure der iranischen Revolutionsgarden Abbas Zamani (Abu Scharif ), Mostafa Tschamran, der sich zuvor an der Ausbildung der Amal-Miliz und den ersten Kämpfen beteiligte, wie Ajatollah Ali Akbar Mohtaschami und später Ali-Reza Asgari als Koordinator aktiv beteiligt.

Ab 1985 kam es zu schweren Kämpfen zwischen der vom Iran unterstützten Hisbollah und der Amal, die wiederum von Syrien unterstützt wurde. Die Amal hatte zuvor mit schweren Waffen die palästinensischen Flüchtlingslager Sabra und Schatila angegriffen und zahlreiche Zivilisten getötet. Die Hisbollah stellte diese auch oft als Massaker bezeichneten Angriffe als Grund für die Kämpfe mit der Amal dar. Es wird aber allgemein vermutet, dass Machtkonkurrenz zwischen den beiden schiitischen Milizen ein mindestens ebenso wichtiges Motiv war. Hisbollah errichtete 1985/86 zwei Stützpunkte in Baalbek and al-Hirmil in der Bekaa-Ebene und 1989/90 weitere Stützpunkte im Süden, insbesondere in Iqlīm at-Tuffāh in der Nähe von Sidon und den Palästinenserlagern.[12] Zwischen 1988 und 1989 brachte die Hisbollah ihre großen Projekte im wirtschaftlichen, sozialen, edukativen und medizinischen Bereich zur Unterstützung bedürftiger Schiiten auf den Weg. Die Gründung von Genossenschaften, Kliniken, Apotheken, Krankenhäusern und Sportanlagen brachte ihr viele Anhänger.[13]

Anschläge und Entführungen in den 1980er JahrenBearbeiten

Im westlichen Ausland wurde die Hisbollah vor allem durch Anschläge gegen die israelische Armee bekannt. Sie betrieb Entführungen von israelischen Soldaten, Geiselnahmen und Mörser-Angriffe auf vom israelischen Militär besetztes Territorium bzw. Stellungen während dessen Besatzung des südlichen Libanons.

 
Rauchwolke nach dem Anschlag auf das US-Marines-Hauptquartier im Libanon. Von den USA wird die Hisbollah für den Anschlag verantwortlich gemacht, 23. Oktober 1983

Bei vielen weiteren Anschlägen gegen jüdische oder westliche, vorwiegend US-amerikanische Einrichtungen weltweit wird ihre Beteiligung angenommen:

  • Der Anschlag auf die US-Botschaft in Beirut 1983 mit 59 Toten wird der Hisbollah zugeschrieben, auch wenn sie selbst eine Beteiligung abstreitet. Dies gilt auch für die Selbstmordattentate vom 23. Oktober 1983. Dabei waren 58 französische Fallschirmjäger und 241 US-Marines getötet worden.[14] Die Gruppierung Islamischer Dschihad war damals als Urheber der Anschläge aufgetreten.
  • Umstrittenen Angaben zufolge kamen 1985 und 1986 in Paris 13 französische Bürger bei Bombenattentaten der Hisbollah ums Leben.[15]
  • Außerdem schlug der Fall des Hisbollah-Angehörigen und Flugzeugentführers Mohammed Ali Hamadi große Wellen, der am 13. Januar 1987 in Frankfurt am Main beim Schmuggel von Sprengstoff festgenommen werden konnte.[16]
  • Hisbollah-Milizionäre waren auch 1988 an der Entführung des US-Geheimdienstoffiziers William R. Higgins beteiligt, der während seiner Gefangenschaft zu Tode gefoltert wurde.[17]

Mutmaßlicher Drahtzieher vieler dieser Terroranschläge war Abbas al-Musawi (um 1952–1992), der Vorgänger Nasrallahs, Chef des militärischen Flügels. Er wurde bei einem israelischen Hubschrauberangriff im Südlibanon am 16. Februar 1992 mit seiner Frau, seinem Sohn und vier weiteren Personen getötet. Eine weitere Person, die für zahlreiche Anschläge und Entführungen verantwortlich gemacht wird, war Imad Mughniyah (1962–2008), Mitbegründer und Geheimdienstchef der Hisbollah. Er kam selber später bei einem Anschlag ums Leben.

Als antiisraelische Miliz und Partei nach Ende des Libanesischen BürgerkriegsBearbeiten

Als einzige libanesische Miliz verweigerte die Hisbollah 1989 nach dem Abkommen von Taif die Rückgabe ihrer Waffen. In den innerlibanesischen Verhandlungen seit Ende des Bürgerkrieges wurde ihr dies vorläufig mit der Begründung zugestanden, dass der Zweck ihrer Gründung, die Beendigung der israelischen Besatzung, noch nicht erfüllt sei. Obwohl die Hisbollah dem Abkommen von Taif reserviert gegenüberstand, entschied sich ihre Führung 1991/92, zukünftig an politischen Wahlen teilzunehmen. Dies hatte auch damit zu tun, dass die Amal zu dieser Zeit wegen ihrer nachgiebigen Haltung gegenüber Israel an Popularität verloren hatte.[18] Bei den Parlamentswahlen von 1992 gewann die Hisbollah acht Sitze, vier für Baalbek, einen für den Libanonberg, einen für Beirut und zwei für den Süden.[19] Nach diesem Erfolg änderte sich auch die soziale Zusammensetzung der Organisation: Während vorher die schiitische Unterschicht ihre Hauptstütze war, wurde sie danach zunehmend auch bei schiitischen Geschäftsleuten beliebt, die sie als ein geeignetes Mittel für die politische Repräsentation betrachteten. In den späten 1990er Jahren wurden Ingenieure zur wichtigsten Berufsgruppe innerhalb der Hisbollah, und auch die meisten Händler der südlichen Vorstadt von Beirut traten der Partei bei.[20] Außerdem kam es zur Aussöhnung mit der Amal-Miliz. Ihre politischen Flügel arbeiten seitdem eng zusammen und bilden sogar gemeinsame Wahllisten.

Im westlichen Ausland machte sich die Hisbollah in den 1990er Jahren vor allem als Terrororganisation einen Namen. 1992 verübte sie einen Anschlag auf die israelische Botschaft in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, bei dem 22 Menschen starben.[21] 1994 erfolgte ein weiteres Attentat, gleichfalls in Argentiniens Hauptstadt. Bei diesem Anschlag auf ein jüdisches Zentrum starben 85 Menschen.[21] Aus diesem Grund erhoben argentinische Staatsanwälte im Oktober 2006 Anklage gegen den ehemaligen Hisbollah-Auslandssicherheitschef Imad Fajes Mughnieh sowie den iranischen Ex-Präsidenten Ali-Akbar Haschemi Rafsandschani.[22] Außerdem wurde die Hisbullah in den 1990er Jahren als Unterstützer der Ausbildung von Guerilla-Kämpfern in Nordalbanien bekannt.[23]

Um den Beschuss Nordisraels durch die Hisbollah zu beenden, setzten im April 1996 die israelischen Streitkräfte die Operation Früchte des Zorns in Gang. Als Reaktion darauf mussten etwa 200.000 Schiiten aus dem Gebiet fliehen.[24] 1997 startete Subhi at-Tufaili, ehemaliger Generalsekretär der Hisbollah, der sich vom moderateren Flügel unter Nasrallah abgespalten hatte, in der Bekaa-Ebene unter dem Namen „Revolution der Hungrigen“ (ṯaurat al-ǧiyāʿ) eine Kampagne zum zivilen Ungehorsam gegen die Regierung von Rafiq al-Hariri durch, die sich gegen dessen Wirtschaftspolitik richtete.[25] 1998 hatte er bewaffnete Auseinandersetzungen sowohl mit der libanesischen Armee als auch mit der Hisbollah.

Der Rückzug Israels aus dem Südlibanon als „Sieg“ der HisbollahBearbeiten

In den späten 1990er Jahren verfolgte Hasan Nasrallah einen ehrgeizigen Plan gegen die israelische Armee, der im Mai 2000 zum Rückzug Israels aus dem Südlibanon führte.[26] Die Hisbollah feierte dieses Ereignis als „ihren“ Sieg. Nach dem Ende des Bürgerkriegs und dem Rückzug der israelischen Streitkräfte aus dem Südlibanon im Mai 2000 griff die Hisbollah wiederholt Militärstützpunkte in Nordisrael und auf den von Israel besetzten Golanhöhen und Schebaa-Farmen an. Diese lagen ursprünglich auf syrischem Territorium und wurden im Sechstagekrieg 1967 von Israel annektiert. Syrien gibt vor, diese Gebiete inzwischen an den Libanon abgetreten zu haben. Dabei sind bis zum Ausbruch des Libanonkrieges 2006 14 israelische Soldaten, 7 Zivilisten und ein UN-Soldat getötet, sowie 7 Menschen entführt worden.[27]

Am 29. Januar 2004 konnte nach mehrjährigen Verhandlungen zwischen Israel und der Hisbollah unter Vermittlung des BND ein Gefangenenaustausch erzielt werden, bei dem auch die sterblichen Überreste dreier israelischer Soldaten übergeben werden konnten. Teile der Übergabe fanden am Flughafen Köln/Bonn statt.

Festigung der Position als Schiiten-ParteiBearbeiten

Um die Mitte des neuen Jahrzehnts erweiterte die Hisbollah ihre politische Agitation und konnte größere Zustimmung bei der Bevölkerung gewinnen,[28] so dass sie ein fester Bestandteil der libanesischen Parteienlandschaft wurde. Bei der Parlamentswahl 2005 gewann sie 14 Sitze im libanesischen Parlament, die verbündete Amal 9. Die Unterstützung der Palästinenser ist seit der Gründung der Hisbollah ein wichtiger Bestandteil ihres Programms.

Die nach der Ermordung von Rafiq al-Hariri im Jahre 2005 gebildete Allianz des 14. März, die von den USA und der EU unterstützt wurde, versuchte die Hisbollah zur Abgabe ihrer Waffen zu zwingen. Die Schutzmacht der libanesischen Sunniten, Saudi-Arabien, trug zur Finanzierung dieser Allianz bei. In Jordanien sollen sunnitische Kämpfer ausgebildet worden sein.[29] In dieser Situation intensivierte die Hisbollah ihr Bündnis mit ihrem früheren Widersacher Nabih Berri, dem Vorsitzenden der Amal-Miliz. Im Februar 2006 schloss die Hisbollah außerdem ein Bündnis mit der Partei Freie Patriotische Bewegung des christlichen Politikers Michel Aoun. Auf diese Weise entstand die sogenannte Allianz des 8. März.[30]

Libanonkrieg 2006Bearbeiten

 
Die von der Hisbollah kontrollierten Gebiete im Juli 2006

Die Entführung zweier israelischer Soldaten am 12. Juli 2006 löste heftige Militärschläge Israels gegen den Libanon aus. Der Zwischenfall ereignete sich an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon. Die Umstände sind zwischen den Konfliktparteien strittig. Nach Angaben der libanesischen Polizei geschah es nahe Aita Al-Schaab auf libanesischem Territorium. Angehörige der Hisbollah hätten dort eine Gruppe israelischer Soldaten konfrontiert. Diese seien mit einem Panzerfahrzeug auf libanesisches Gebiet vorgedrungen. Acht wurden getötet, zwei gefangen genommen. Nach Angaben des israelischen Fernsehens hingegen geschah es auf israelischem Territorium. Eine Gruppe der Hisbollah sei dorthin vorgedrungen, habe acht israelische Soldaten getötet und zwei entführt.[31] Laut Amnesty International beging die Hisbollah in diesem Krieg Völkerrechtsbruch, als sie „vorsätzlich Zivilpersonen und zivile Objekte in Israel anvisiert oder nicht zwischen militärischen und zivilen Zielen“ unterschied.[32]

Israel sah dies als kriegerischen Akt und reagierte mit militärischen Schlägen. Bei diesen wurden auch zahlreiche Zivilisten getötet, von denen eine nicht geringfügige Anzahl der Hisbollah nach israelischen Angaben allerdings als menschliche Schutzschilde gedient haben soll. Infolge der UN-Resolution 1701 trat am 14. August um 7:00 Uhr MESZ ein Waffenstillstand in Kraft, mit dem der Krieg beendet wurde. Nach dem Ausbruch des Libanonkrieges 2006 hat der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland, der Hisbollah darüber hinaus vorgeworfen, „sich feige unter Frauen und Kinder zu mischen“ und dadurch die hohen zivilen Opferzahlen bei den israelischen Militäraktionen mitzuverantworten.[33]

Die Hisbollah konnte durch den Krieg ihr Bild als Widerstandsbewegung in breiten Teilen der libanesischen Bevölkerung festigen. So sprachen sich danach nicht nur sunnitische Religionsführer für sie aus, sondern sogar Christen im Libanon und in Syrien.[34] Andere libanesische Gruppen verurteilten die „Glorifizierung“ des Todes und des Märtyrertums in der Hisbollah.[35]

Der Entmachtungsversuch der Allianz des 14. MärzBearbeiten

Als klar wurde, dass die Regierung von Fuad Siniora (Juli 2005 – Juli 2008) den Beschluss des UN-Sicherheitsrats zur Entwaffnung der Hisbollah durchsetzen und ein internationales Tribunal abhalten wollte, hielten die Islamisten und ihre Alliierten im Dezember 2006 in Beirut ein Sit-in ab, das mehr als 800.000 Libanesen anzog.[36] Die Regierung verzichtete daraufhin auf die gewaltsame Entwaffnung der Hisbollah.[37]

Im Frühjahr 2008 versuchte die Allianz des 14. März mit Unterstützung der Regierung und der USA, das von der Hisbollah errichtete Telekommunikationsnetz zu zerstören[38] und eine Entlassung des Sicherheitschefs des Beiruter Flughafens, dem Beziehungen zu Hisbollah vorgeworfen wurden, zu erwirken. Daraufhin besetzten Milizionäre der Hisbollah den Westteil Beiruts. Im Schuf-Gebirge und im nordlibanesischen Tripolis kam es zu Kämpfen mit mehr als 100 Toten.[39] Erst ein Eingreifen der Armee konnte die Krise beilegen.[40]

Rolle im Syrischen Bürgerkrieg (ab 2011) und neue Angriffe auf IsraelBearbeiten

Im syrischen Bürgerkrieg flohen zehntausende Syrer in den Libanon. Im April 2013 bestätigte Nasrallah in einer Fernsehansprache zum ersten Mal den Einsatz von Hisbollah-Kräften im syrischen Bürgerkrieg auf Seiten der Regierungstruppen. Er begründete dies mit Attacken von syrischen Aufständischen auf libanesische Grenzdörfer und kündigte Vergeltung für den Fall an, dass der schiitische Sayyida-Zeinab-Schrein in Damaskus beschädigt würde.[41] Walid Dschumblat, der drusische Vorsitzende der libanesischen Sozialistischen Fortschrittspartei (PSP) warf der Hisbollah vor, mit der Unterstützung des syrischen Regimes einen eklatanten Fehler „auf ethischer wie auf politischer Ebene“ zu begehen. Dschumblat fordert Waffenlieferungen an die in der Freien Syrischen Armee organisierten Aufständischen.[42]

Am 28. Januar 2015 hat um 11:30 Ortszeit die Hisbollah mit einer vom libanesischen Staatsgebiet abgefeuerten Panzerabwehrrakete ein Fahrzeug der ZAHAL getroffen, wobei zwei Soldaten getötet und mindestens weitere sieben verletzt wurden.[43]

Nach Erkenntnissen der bulgarischen Behörden soll die Hisbollah auch hinter dem in Burgas (Bulgarien) verübten Selbstmordanschlag vom 18. Juli 2012 stecken. Dabei kamen fünf israelische Touristen sowie der bulgarische Fahrer ums Leben. Außerdem wurden 30 Menschen verletzt. Laut dem früheren bulgarischen Innenminister Zwetan Zwetanow gehörten zwei Verdächtige, darunter der Attentäter, dem bewaffneten Hisbollah-Arm an. Die bulgarische Opposition beklagte, dass die Entscheidung, die Hisbollah bereits offiziell zu beschuldigen, unter „Druck“ gefällt worden wäre.[44]

Ideologie und ZielsetzungBearbeiten

StaatsverständnisBearbeiten

Im Sinne ihres obersten geistlichen Führers, Mohammad Hussein Fadlallah, sieht sich die Hisbollah als Gemeinschaft aller gläubigen Muslime, die für die Verwirklichung des islamischen Staates unter der Herrschaft religiöser Rechtsgelehrter arbeitet.[45] Das ideologische Ziel von den 80er Jahren bis hin zur Mitte der 90er Jahre war am iranischen Vorbild der islamischen Theokratie ausgerichtet, die stark an dem sogenannten Chomeinismus angelehnt ist. Erklärtes Ziel war somit eine „islamische Revolution“ im Libanon, was noch gegenwärtig auf der Hisbollah-Flagge als Slogan Ausdruck findet. In Chomeini sah die Hisbollah den Stellvertreter des bei den imamitischen Schiiten zum Glaubensbild gehörenden Verborgenen Imams, der als Erlöser dereinst kommen würde, um die Welt zu retten. Die Hisbollah verfolgte eine panislamische Idee über alle Staatsgrenzen hinweg. Als erster im Libanon sprach die Hisbollah im Sinne Fadlallahs von der Gründung eines islamischen Staates in ihrer Heimat und bekannte sich offen zur Ausschaltung der dort lebenden christlichen Bevölkerung. Als soziale Komponente forderte die Hisbollah zudem „soziale Gerechtigkeit“, die „Befreiung des Libanon“ und den „Kampf gegen ausländische Unterdrückung“.[45]

In ihrem Wahlprogramm von 1996 definiert die Hisbollah in sieben Punkten ihre Ziele. An erster Stelle wird der „Widerstand gegen die Besatzung“ genannt. Zweites genanntes Ziel ist das „Erreichen der Gleichheit“ und die „Gründung eines Gerechten Staates“. Die anderen Punkte behandeln Themen der Wirtschaft, der Bildung, des Sozial- und Gesundheitswesens sowie der Außenpolitik. Eine islamische Theokratie ist nicht mehr Parteiziel. Stattdessen fordert die Hisbollah eine Reform des konfessionellen Systems.[46] Ebenso wird die Freiheit der Ausübung religiöser Bräuche und Schulung anerkannt.[47] Damit hat sich die Partei von ihrem 1985 zu Bürgerkriegszeiten veröffentlichten Programm, das sich stark an den Schriften Chomeinis orientierte, offiziell distanziert. Auch ihre Teilnahme an den ersten Parlamentswahlen nach dem Ende des Bürgerkrieges und ihre Beteiligung an der paritätisch konfessionell besetzten Regierung wurden als Zeichen für das Abrücken von einer Theokratie als Zielsetzung gewertet.[48]

Kampf gegen Israel und die USABearbeiten

Die Milizen der Hisbollah sehen sich selbst, vor allem angesichts der schwachen libanesischen Armee, in der Rolle des Beschützers vor Israel.[49] Nach dem israelischen Rückzug aus dem Südlibanon ist das erklärte Nahziel der Hisbollah die Rückgewinnung der von Israel besetzten, territorial umstrittenen Schebaa-Farmen, eines winzigen Grenzgebiets aus 14 Bauernhöfen. Der Rückzug Israels wird von der Hisbollah als als unvollständig betrachtet, da der Libanon die israelisch besetzten Schebaa-Farmen als libanesisches Territorium ansieht. Die UNO betrachtet sie als syrisches Territorium, während Syrien öffentlich erklärt hat, dass es sich um libanesisches Gebiet handelt.

Allerdings hat Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah klargemacht, dass seine Organisation die Existenz eines jüdischen Staates generell nicht akzeptieren wird und bis zur angestrebten Vernichtung Israels weiterkämpfen will.[50] So sagte 2000 Hassan Nasrallah, Israel sei eine „verdorbene Bakterie und die Mutter der List“ („corrupted bacteria and the mother of cunning“) und habe „keine andere Wahl als den Tod“ („not any choice but death“).[51] In dieser Haltung wurde er auch von Fadlallah unterstützt, der ebenfalls die Existenzfrage für Israel stellt, „weil der Nachbarstaat arabisches Land besetzt hält“.[52] In ihrem Zweiten politischen Manifest, das von Hasan Nasrallah im November 2009 verkündet wurde, hat die Hisbollah ihren dschihadistischen Impetus gegen Israel erneut bekräftigt.[53]

Der Kampf gegen Israel ist mit einem Engagement für die Palästinenser verbunden. Im August 2009 haben die Abgeordneten der Hisbollah im libanesischen Parlament für eine Aufhebung staatlicher Gesetze gestimmt, die die palästinensischen Flüchtlinge im Libanon diskriminieren, wobei sie ihr Recht zu arbeiten und staatliche Sozial- und Gesundheitsfürsorge zu erhalten, betonten.[54]

Ein wesentlicher Baustein, seine Ziele zu erreichen, war für Fadlallah auch die Zurückdrängung des amerikanischen Einflusses.[55] Fadlallah lehnte es aber offiziell ab, den islamischen Kampf in den USA fortzusetzen, wie dies bei den Terroranschlägen am 11. September 2001 in New York geschah. So verurteilt er die Angriffe von al-Qaida als „nicht mit der Scharia […] und dem wahren islamischen Dschihad vereinbar“. Für den Schiiten Fadlallah sind die Kämpfer der sunnitisch geprägten al-Qaida keine Märtyrer, sondern „bloße Selbstmörder“.[56] Im Mai 2002 gab Fadlallah aber ein islamisches Rechtsgutachten (Fatwa) heraus, das zum Boykott von amerikanischen Produkten aufrief. Eine weitere von ihm ausgestellte Fatwa vom 12. August 2002 verbot den Muslimen, an einem eventuellen Militärschlag der Vereinigten Staaten gegen den Irak teilzunehmen.[57]

OrganisationsstrukturBearbeiten

 
Organisationsstruktur der Hisbollah

Zentrale FührungsstrukturBearbeiten

Die Hisbollah hat mehrere tausend Mitglieder. Sie bildet sich einerseits aus einer politischen Partei („Hizb Allah“ bedeutet „Partei Gottes“), andererseits unterhält sie eine paramilitärische Miliz. An der Spitze der Partei steht der aus 200 Kadern bestehende Zentralrat (al-maǧlis al-markazī), der alle drei Jahre den aus sieben Mitgliedern bestehenden Konsultativrat (maǧlis aš-šūrā) wählt. Er ist das höchste Entscheidungsgremium in der Organisation und unterhält sieben Unterkomitees. Derzeitige Mitglieder sind Hassan Nasrallah (* 1960), Generalsekretär, Naim Kassim (* 1953), stellvertretender Generalsekretär, Muhammad Yazbik, Saiyid Hāschim Safī ad-Dīn, Saiyid Ibrāhīm Amīn as-Saiyid, Hāddschi Muhammad Raʿd und Hāddschi Husain Chalīl.[58]

Um der erhöhten parlamentarischen Vertretung der Partei gerecht zu werden, hat die Hisbollah seit 1989 ein Politbüro. In diesem sind sowohl Mitglieder des Konsultativrats als auch Parlamentsabgeordnete der Hisbollah vertreten.[59] Ibrahim al-Amin, Vorsitzender des Politbüros, ist offizieller Sprecher der Hisbollah-Fraktion im Parlament.

Geistliche FührungBearbeiten

Als wichtigste geistliche Autorität der Hisbollah im Sinne eines Mardschaʿ at-taqlīd gilt der Führer der Islamischen Republik Iran, Ajatollah Ali Chamenei. Er ist es auch, dem die die Entscheidung überlassen wird, wenn im Konsultativrat über eine Angelegenheit keine Einigkeit erzielt werden kann. Daneben steht eine Gruppe von Geistlichen, die den Fatwas von Chamenei folgen, der Hisbollah mit Rat zur Seite.[60]

Bis zu seinem Tod im Jahre 2010 galt auch Muhammad Hussein Fadlallah als religiöser Führer der Hisbollah. Chameneis Lavieren zwischen extremen Radikalen und gemäßigteren Kräften,[61] früherer Tadel durch Chomeini höchstpersönlich[62] und andere Geschehnisse, die eine eindeutige politische Verortung Chameneis für die Anhänger der Extremen nur unzureichend möglich machten, führten in der Vergangenheit zu schweren Auseinandersetzungen zwischen ihm und Fadlallah.[63]

Bis heute wird von der Hisbollah außerdem ein nahezu messianischer Kult um die Person Ajatollah Ruhollah Chomeinis (1902–1989) propagiert, der zu Lebzeiten ideologische Führungsfigur und Gründungsvater der Hisbollah war.

Militärisches KommandoBearbeiten

Das militärische Kommando wird von zwölf religiösen Gelehrten geführt. 300–400 aktive Kämpfer und ca. 3000 Reservisten werden unterhalten.[64] Andere Quellen sprechen von ca. 3500 bis 5000 aktiven Kämpfern[65] oder gar von 20.000 Kämpfern sowie einigen tausend Reservisten, die sich aus der iranischen Hezbollah rekrutieren lassen.[66] Die Hisbollah ist die einzige von den USA als terroristische Gruppe bezeichnete Organisation, die schwere konventionelle Waffen besitzt, u. a. Katjuscha-Raketen, Fadschr-5-Raketen, Schützenpanzer und Kurzstreckenraketen.

Finanzierung und AusrüstungBearbeiten

Bis heute verfügt die Hisbollah über einen erheblichen Waffenbestand und verstößt damit gegen die Resolution 1559 des UN-Sicherheitsrates, die wiederum vom Libanon nicht anerkannt wird. Die Hisbollah wird, als überwiegend schiitische Organisation, offen vom Iran finanziert und mit Waffen iranischer, russischer oder chinesischer Herkunft wie den iranischen Fadschr-3, den russischen Katjuschas und den im Libanonkrieg 2006 eingesetzten chinesischen Streubombenwerfern[67] ausgerüstet. Diese gelangen in den meisten Fällen über die syrische Grenze in den Libanon, manchmal auch über den Seeweg sowie in seltenen Fällen über die Türkei.[68] Dazu erhält sie offiziell Spendengelder aus sunnitischen Staaten, obwohl diese inoffiziell im „Kalten Religionskrieg“ mit dem Iran liegen. Ziel dieser Zuwendungen ist es, den „gemeinsamen Feind“ Israel durch eine permanente Bedrohung aus dem Norden abzulenken und zu schwächen.

Eine wichtige Einnahmequelle der Hisbollah ist heute der internationale Schmuggel, wobei die Terrororganisation dafür u. a. ihre langjährigen Kontakte zu muslimischen Migrantengruppen nutzt. Die Hisbollah hat dabei eine kriminelle Rolle übernommen, die früher allein der Mafia zukam. So wurde beispielsweise aus Südamerika berichtet, dass eine der Hisbollah nahestehende Gruppe libanesischer Krimineller gefälschte Güter aus Europa in eine Freihandelszone geschmuggelt hat. Anschließend wurden diese Fälschungen in Drittländer eingeschleust, um die Einfuhrzölle zu umgehen.[69] Um Geld zu erwirtschaften, werden alle kriminellen Möglichkeiten genutzt, so gehört der Schmuggel von Diamanten, Drogen und Zigaretten ebenfalls zu den gängigen Praktiken der Organisation.[70]

Die Hisbollah wird vom Iran mit Waffenlieferungen unterstützt, wobei die iranische Führung dies offiziell abstreitet. In deutschen Zeitungen ist des Öfteren zu lesen, der Iran hätte 2006 deutlich gemacht, dass bei einer Zuspitzung des Atomkonfliktes mit dem Westen die Hisbollah als Stellvertreterarmee eingesetzt würde.[71]

Sozialpolitisches und religiöses EngagementBearbeiten

Krankenhäuser, Schulen für Muslime und weitere Hilfsorganisationen und -einrichtungen stehen der Hisbollah nahe und werden von ihr finanziell getragen. Auch die Familien der Hisbollah-Milizionäre werden unterstützt. Da in diesen Hilfsorganisationen und -einrichtungen auch antisemitische Propaganda betrieben und Nachwuchs rekrutiert wird, kam es wiederholt zu ausländischen Verbotsinitiativen.[72]

Mit „Al-Manar-TV“ betreibt die Hisbollah seit 1991 einen eigenen regionalen Fernsehsender, der in ganz Libanon empfangen werden kann und täglich 18 Stunden sendet. Seit dem Jahr 2000 verfügt sie auch über eine Satellitenstation, über die ein 24-stündiges Programm in die ganze Welt übertragen wird, nach Europa über den französischen Satelliten Hot Bird 4. Jedoch sperrte die französische Rundfunkbehörde den Empfang im Dezember 2004 insbesondere wegen antisemitischer Aufrufe zu Hass und Gewalt.[73] Dabei bezog man sich insbesondere auf die 2003 ausgestrahlte, mehrteilige Fernsehserie „al-Schatat“ (Diaspora). Diese basiert auf den Protokollen der Weisen von Zion, einer antisemitischen Verschwörungstheorie.[74] Die Sendezentrale wurde am 13. Juli 2006 von der israelischen Luftwaffe angegriffen und teilweise zerstört.

Des Weiteren gibt es den am 9. Mai 1988 gegründeten, der Hisbollah nahestehenden Hörfunksender Al-Nour.

Unterschiedliche Haltungen zum TerrorismuscharakterBearbeiten

Haltung der UNBearbeiten

Die Vereinten Nationen haben keine allgemeine Liste von Terrororganisationen, sondern lediglich eine Liste von Individuen und Organisationen veröffentlicht, die den Taliban oder al-Qaida nahestehen.[75] Die Hisbollah ist nicht in dieser Liste aufgeführt. Gemäß Resolution 1559 des UN-Sicherheitsrates wäre die Hisbollah allerdings zu einer vollständigen Entwaffnung verpflichtet. Dieser Verpflichtung ist sie bis heute nicht nachgekommen.

Haltung der EUBearbeiten

In der Liste des EU-Rates der Terrororganisationen vom 15. Juli 2008 war die Hisbollah nicht enthalten.[76] In einem früheren nicht bindenden Beschluss des EU-Parlaments vom 8. März 2005 wurden „eindeutige Beweise für terroristische Aktivitäten der Hisbollah“ festgestellt und es wurde gefordert, dass der „[EU-]Rat alle notwendigen Schritte zur Beendigung ihrer terroristischen Aktivitäten unternimmt“.[77] Der EU-Rat kam dieser Forderung nicht nach. Vom EU-Rat werden Maßnahmen unterstützt, welche auf eine Entwaffnung der Organisation im Rahmen der UN-Resolution 1559 gerichtet sind.[78]

Der EU-Rat setzte am 22. Juli 2013 die Miliz der Hisbollah, nicht aber die ganze Organisation, auf seine Liste der Terrororganisationen. Wie der militärische Arm der Hisbollah abzugrenzen sei von der Gesamtorganisation und welche konkreten und wie sich diese Unterscheidung auf mögliche Sanktionen auswirken würde, blieb unklar. Der Hisbollah-Sprecher Ibrahim Mussawi wies die Existenz solcher getrennter Flügel zurück.[79][80][81] Als Grund gaben die Außenminister an, dass sich nach Angaben der bulgarischen Behörden die Beweise verdichtet hätten, dass hinter dem Anschlag vom 18. Juli 2012 auf einen Touristenbus in Bulgarien die Hisbollah stecke. Bei diesem Anschlag wurden sieben Menschen, darunter fünf Israelis, getötet.[81]

Haltung der Arabischen LigaBearbeiten

Die Arabische Liga erklärte die Hisbollah auf einer Sitzung im März 2016 zur Terrororganisation. Der Beschluss wurde ohne Gegenstimme bei Enthaltung des Irak und des Libanon gefasst. Zuvor hatte sich bereits der Golfkooperationsrat unter der Führung Saudi-Arabiens ähnlich entschieden.[5]

Haltungen von EinzelstaatenBearbeiten

Folgende Länder stufen die Hisbollah als Terrororganisation ein: Israel,[82] Kanada[83] und die USA („Foreign Terrorist Organization“).[84]

Australien[85] sieht die Hisbollah selbst nicht als Terrororganisation, führt aber die Hizballah External Security Organisation als terroristisch:

Hizballah External Security Organisation: Die Hisbollah sieht sich zum bewaffneten Widerstand gegen Israel verpflichtet, dessen Ziel es ist, alle palästinensischen Territorien und Jerusalem von der Besatzung zu befreien. Es wird ein terroristischer Flügel, die External Security Organisation (ESO), unterhalten, um dieses Ziel zu erreichen.[86]

Von der sunnitischen al-Qaida, die Schiiten als Ungläubige ansehen, wird die Organisation oft als Hisballat bezeichnet, was Partei al-Lats bedeutet. al-Lat war eine arabische Göttin aus vorislamischer Zeit.[87]

Von der iranischen,[88] syrischen[89] und libanesischen[90] Regierung wird die Hisbollah als rechtmäßige Widerstandsorganisation angesehen.

Eine repräsentative Umfrage in Jordanien ergab, dass bei steigender Tendenz etwa 64 % der Bevölkerung die Hisbollah als legitime Widerstandsbewegung sehen.[91]

In Deutschland wird die Hisbollah vom Verfassungsschutz als islamistische Organisation klassifiziert und beobachtet, jedoch nicht als terroristische.

DeutschlandBearbeiten

In Deutschland gibt es eine Anhängerschaft unter schiitischen Libanesen und Iranern, die aus ca. 3000 Mitgliedern besteht und deren Zentrum das iranisch-islamische Zentrum Hamburg (IZH) ist. Im Juni 2002 wurde ein Jugend-Zentrum in Berlin eröffnet. In Deutschland werden Mitglieder der Hisbollah vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Hisbollah wird im Verfassungsschutzbericht 2005 als islamistische Organisation geführt. Mitte der 90er Jahre fanden mehrere Operationen seitens des iranischen Geheimdienstes (VEVAK) zur Bekämpfung der iranischen Opposition im Ausland statt, an dem Mitglieder und Anhänger der Hisbollah unter anderem aus Deutschland beteiligt waren. Im Berliner Mykonos-Attentat waren die Drahtzieher der zu lebenslanger Haft verurteilte Iraner Kazem Darabi und der Libanese Abbas Rhayel beide seit Mitte der 80er Jahre in Deutschland lebende Mitglieder der Hisbollah.[92]

Abgeordnete der Knesset und des Bundestages fordern in einem Schreiben im August 2017 an Bundesinnenminister Thomas de Maizière, ein Betätigungsverbot der Organisation in Deutschland zu erlassen.[93][94] Da jedoch Deutschland als diplomatischer Vermittler zwischen Israel und dem Libanon fungiert, hält die Bundesregierung an ihrer bisherigen Praxis fest, die Hisbollah nicht als Terrororganisation einzustufen.[95]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Hisbollah – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Commons: Hisbollah – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

ArtikelBearbeiten

AufsätzeBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Fikret Aslan, Kemal Bozay: Graue Wölfe heulen wieder – Türkische Faschisten und ihre Vernetzung in der BRD. Unrast Verlag, Münster 1997, ISBN 3-928300-58-X, S. 121.
  2. Ute Meinel: Die Intifada im Ölscheichtum Bahrain. LIT Verlag, Berlin/ Hamburg/ Münster 2003, ISBN 3-8258-6401-4, S. 203.
  3. Martin Gehlen: Die neue Macht der Hisbollah, Zeit-online, 8. Mai 2018; abgerufen 11. November 2018.
  4. Nikolas Busse, Hans-Christian Rößler: EU setzt militärischen Arm der Hizbullah auf Terrorliste, FAZ v. 22. Juli 2013, abgerufen am 24. Juli 2013.
  5. a b Arabische Liga erklärt Hisbollah zur Terrororganisation auf Tagesschau.de, 11. März 2016, abgerufen am 12. März 2016.
  6. Melanie Herwig, Rudolf Schlaffer: Der libanesische Staat und die Hisbollah seit 1970. In: Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg. im Auftrag des MGFA): Naher Osten. Wegweiser zur Geschichte, Paderborn 2009, ISBN 978-3-506-76759-2, S. 145.
  7. Tarik Ndifi: Der Sommerkrieg 2006 im Libanon und seine Folgen. In: Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg. im Auftrag des MGFA): Naher Osten. Wegweiser zur Geschichte. Paderborn 2009, ISBN 978-3-506-76759-2, S. 155.
  8. Daniel Bymanl: Deadly Connections. Cambridge University Press, 2005, ISBN 0-521-83973-4, S. 102 (englisch)
  9. Bruce Hoffmann: Terrorismus. Der unerklärte Krieg. Frankfurt 2006, ISBN 3-10-033010-2, S. 467f.
  10. Quelle: Ahmad Nizar Hamzeh (2004): In the Path of Hizbullah, S. 24.
  11. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 136.
  12. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 130.
  13. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 131.
  14. http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Libanon/ursachen.html - siehe auch: Die Zeit: Jung, rebellisch, explosiv
  15. Culture et conflit: Les attentats de 1986 en France 1. Dezember 2006.
  16. Erich Schmidt-Eenboom: BND: Der deutsche Geheimdienst im Nahen Osten: geheime Hintergründe und Fakten. Herbig Verlag, München 2007, ISBN 978-3-7766-2503-5, S. 210.
  17. Die Weltwoche: Der Tausendsassa des Terrors, von Pierre Heumann, aus der Ausgabe 29/06
  18. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 131f.
  19. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 133.
  20. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 133.
  21. a b Yves Dubitzky: Finanzierung des islamistischen Terrorismus. Forschungsarbeit, GRIN Verlag, München-Ravensburg 2008, ISBN 978-3-638-91141-2, S. 35.
  22. Der Spiegel: Anschlag auf Kulturzentrum: Argentinien will Rafsandschani und Hisbollah verklagen
  23. Uwe Schimank, Ute Volkmann: Soziologische Gegenwartsdiagnosen. Verlag Leske + Budrich, Leverkusen 2000, ISBN 3-8100-2829-0.
  24. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 136.
  25. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 133f.
  26. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 149f.
  27. Hizbullah attacks along Israel's northern border May 2000 - June 2006. (Memento vom 12. Februar 2010 im Internet Archive) Liste der Angriffe der Hisbollah an der nördlichen Grenze Israels mit Toten oder Verwundeten
  28. Mixed Views of Hamas and Hezbollah in Largely Muslim Nations (Memento vom 27. Februar 2010 im Internet Archive), Pew Research Center, 4. Februar 2010.
  29. qantara.de: Die Koalition der Korruptionsgegner, 8. Dezember 2006.
  30. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 140.
  31. Spiegel online: Israelische Truppen dringen in den Libanon ein, 12. Juli 2006.
  32. Amnesty International: AI: Hisbollah hat in Israel Kriegsverbrechen begangen (Memento vom 1. August 2013 im Internet Archive), 14. September 2006.
  33. tagesschau.de: Aufhören, sich feige unter Frauen und Kinder zu mischen. (tagesschau.de-Archiv)
  34. Blätter für deutsche und internationale Politik N. 9/06, Edition Blätter, Bonn, Berlin 2006, ISBN 3-939469-25-4, S. 1206.
  35. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 150.
  36. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 143.
  37. Tarik Ndifi: Der Sommerkrieg 2006 im Libanon und seine Folgen. In: Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg. im Auftrag des MGFA): Naher Osten. Wegweiser zur Geschichte, Paderborn 2009, ISBN 978-3-506-76759-2, S. 155.
  38. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 144.
  39. Matthias Rüb: Taktischer Rückzug. FAZ vom 21. Juli 2012, S. 2.
  40. Hezbollah Begins to Withdraw Gunmen in Beirut, New York Times, 11. Mai 2008.
  41. Hezbollah is helping Assad fight Syria uprising, says Hassan Nasrallah, The Guardian, 30. April 2013.
  42. Matthias Rüb: Taktischer Rückzug. FAZ vom 21. Juli 2012, S. 2.
  43. Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 29. Januar 2015.
  44. http://www.tagesschau.de/ausland/bulgarienanschlag108.html (Memento vom 8. Februar 2013 im Internet Archive)
  45. a b Ute Meinel: Die Intifada im Ölscheichtum Bahrain. LIT Verlag, Berlin/ Hamburg/ Münster 2003, ISBN 3-8258-6401-4, S. 206.
  46. Talal Atrissi: Political Islam im Lebanon. In: Michael Emerson, Richard Youngs (Hrsg.): Political Islam and European Foreign Policy. Brussel 2007. S. 90.
  47. Almashriq: the electoral program of Hizbullah, 1996
  48. Melanie Herwig, Rudolf Schlaffer: Der libanesische Staat und die Hisbollah seit 1970. In: Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg. im Auftrag des MGFA): Naher Osten. Wegweiser zur Geschichte, Paderborn 2009, ISBN 978-3-506-76759-2, S. 145.
  49. Melanie Herwig, Rudolf Schlaffer: Der libanesische Staat und die Hisbollah seit 1970. In: Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg. im Auftrag des MGFA): Naher Osten. Wegweiser zur Geschichte, Paderborn 2009, ISBN 978-3-506-76759-2, S. 145.
  50. Universität von New Brunswick: Hizbollah promises Israel a blood-filled new year, Iran calls for Israel’s end (Memento vom 14. Januar 2003 im Internet Archive), 31. Dezember 1999.
  51. Ahmad Nizar Hamzeh: In the Path of Hizbullah 2004, S. 41.
  52. Deutsche Welle: Interview mit Mohammad Hussein Fadlallah Fadlallah, 14. September 2006.
  53. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 138.
  54. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 139.
  55. Deutsche Welle: Interview mit Mohammad Hussein Fadlallah Fadlallah, 16. September 2006.
  56. Michael Mann: Die ohnmächtige Supermacht. Campus Verlag, Frankfurt 2003, ISBN 3-593-37313-0, S. 226.
  57. Hanspeter Mattes: Nahost – Jahrbuch 2002. VS-Verlag, Wiesbaden 2004, ISBN 3-8100-3880-6, S. 118.
  58. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 129f.
  59. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 130.
  60. Abisaab/Abisaab: The Shi'ites of Lebanon. 2014, S. 130.
  61. Michael Becker, Hans-Joachim Lauth, Gert Pickel: Rechtsstaat und Demokratie. VS Verlag, Wiesbaden 2001, ISBN 3-531-13645-3, S. 195.
  62. Deutsches Orient-Institut: Nahost Jahrbuch 1988. Leske + Budrich Verlag, Opladen 1988, ISBN 3-8100-0769-2, S. 77.
  63. Ahmad Nizar Hamzeh: In the Path of Hizbullah. Syracuse University Press, 2004, ISBN 0-8156-3053-0, S. 35 (englisch)
  64. International Crisis Group: Old Games – New Rules. Brussel (2002), S. 23.
  65. ZDF – Politik & Zeitgeschehen: Stichwort: Hisbollah. (Memento vom 19. Juli 2006 im Internet Archive), kurzer Überblick über die Hisbollah, 12. Juli 2006.
  66. Sonntagsausgabe der Neuen Zürcher Zeitung: Hizbullah nimmt Libanon als Geisel (Memento vom 18. Juli 2006 im Internet Archive), 16. Juli 2006.
  67. Lebanon/Israel: Hezbollah Hit Israel with Cluster Munitions During Conflict
  68. MI: Iran arming Hezbollah with missiles sent via Turkey (Memento vom 6. März 2008 im Internet Archive)
  69. OECD Publishing: Die wirtschaftlichen Folgen von Produkt- und Markenpiraterie. OECD Publishing, 2008, ISBN 978-92-64-04895-9, S. 74.
  70. Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel (ISUK) (Hrsg.): Jahrbuch Terrorismus 2006. Budrich Verlag, 2007, ISBN 978-3-86649-132-8, S. 83.
  71. die tageszeitung: Hisbollah will ihre Waffen nicht abgeben (vom 12. Juni 2006)
  72. Klaus Faber, Julius Hans Schoeps: Neu-alter Judenhaß. Verlag für Berlin-Brandenburg, 2006, ISBN 3-86650-163-3, S. 339.
  73. „Frankreich verbietet Haßsender im Eilverfahren “, FAZ
  74. Country Reports on Human Rights Practices – 2004 Veröffentlicht vom Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor des US-Außenministeriums, 28. Februar 2005.
  75. un.org: UN-Liste der Individuen und Organisationen, welche den Taliban oder al-Qaida nahestehen
  76. EU-Rat: Gemeinsamer Standpunkt 2008/586/GASP des Rates vom 15. Juli 2008 (PDF)
  77. EU-Parlament: EU-Parlament bestätigt terroristische Aktivitäten der Hisbollah, 8. März 2005.
  78. ArabicNews.com (Memento vom 18. November 2011 im Internet Archive)
  79. EU setzt Hizbullah auf Terrorliste. Der militärische Arm der libanesischen Hizbullah wird von der EU fortan als Terrororganisation eingeschätzt. Abgerufen am 2. August 2013.
  80. Georg Baltissen: Libanesische Hisbollah auf EU-Terrorliste. Viel Symbolpolitik, wenig Konsequenz. die tageszeitung, 23. Juli 2013, abgerufen am 1. August 2013.
  81. a b Entscheidung in Brüssel: EU setzt Hisbollah-Miliz auf Terrorliste; Spiegel-Online, abgerufen am 21. Juli 2013.
  82. Zusammenfassung terroristischer Aktivitäten 2004 Auswärtiges Amt Israel
  83. Listed entities pursuant to the Anti-Terrorism Act (2001, c. 41) (Memento vom 26. April 2006 im Internet Archive) Public Safety and Emergency Preparedness Canada (PSEPC), Government of Canada
  84. Foreign Terrorist Organizations (FTOs) (Memento vom 24. März 2005 im Internet Archive) United States Department of State
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  86. Verbotene terroristische Gruppierungen (Memento vom 15. Oktober 2016 im Internet Archive) Home Office
  87. Der Spiegel: Al-Qaida entdeckt den Libanon für sich, 27. Juli 2006.
  88. Ahmadinejad: Palestinian movement motivated by Lebanese Hezbollah (Memento vom 1. Juli 2007 im Webarchiv archive.is)
  89. PBS report: http://www.pbs.org/frontlineworld/dispatches/lebanon.syria/seelye2.html
  90. Hezbollah’s Role in Lebanon’s Government, NPR
  91. Hamas, Hezbollah Legitimate for Jordanians (Memento vom 15. Juni 2006 im Internet Archive)
  92. Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2005 (Memento vom 20. August 2007 im Internet Archive), S. 218/219.
  93. "Nun ist es Zeit für Taten". (tagesspiegel.de [abgerufen am 6. August 2017]).
  94. Israel and German collaborate against Hezbollah. In: The Jerusalem Post | JPost.com. (jpost.com [abgerufen am 7. August 2017]).
  95. Ronen Steinke: Warum Deutschland die Hisbollah nicht als terroristische Vereinigung einstuft. In: sueddeutsche.de. 2019, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 23. Juni 2019]).