Chronologie des Kriegs in Israel und Gaza seit 2023

Ablauf des bewaffneten Konflikts zwischen Israel und Palästinensern seit dem 7. Oktober 2023

Die Chronologie des Krieges in Israel und Gaza dokumentiert die Entwicklungen seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Für den zeitlichen Ablauf des kompletten israelisch-palästinensischen Konflikts siehe Chronologie des israelisch-palästinensischen Konflikts.

Oktober 2023 Bearbeiten

7. Oktober Bearbeiten

 
Lagebild am 7. und 8. Oktober. Rot: Gazastreifen, Blau: Invasion der Hamas in israelisches Gebiet

Am Morgen des Samstags, den 7. Oktober 2023, kündigte die Hamas den Beginn der sogenannten „Operation al-Aqsa-Flut“ an. Der Kommandeur Mohammad Deif sagte im Radio wörtlich: „Das ist der Tag der größten Schlacht.“[1] Der Angriff begann mit einem massiven Raketenbeschuss auf den Süden und das Zentrum Israels, wobei rund vier Stunden nach Angriffsbeginn ein Sprecher des Israelischen Militärs (IDF) bekanntgab, dass bislang rund 2200 Raketen auf Israel abgefeuert worden seien und der Beschuss weiterhin anhalte.[2]

Im Laufe des Tages verlagerte sich der Beschuss auf den Süden Israels[3] und es wurde ein Rückgang der Intensität verzeichnet.[4] Es kam unter anderem zu Raketeneinschlägen in den Städten Aschkelon,[5][6] Rischon LeZion[7] und Tel Aviv[8][9] sowie dem Jerusalemer Vorort Mewasseret Zion.[10]

Nach dem Luftangriff der IDF auf zwei Hochhäuser im Gazastreifen, in denen sich laut Armeeangaben Vermögenswerte der Hamas befunden haben sollen, nahm die Hamas, nach entsprechender Ankündigung, das zentral gelegene Tel Aviv und die umliegenden Gebiete erneut unter Beschuss, wobei laut Hamas 150 Raketen zum Einsatz gekommen sein sollen.[11] Am Ende des Tages gaben die IDF bekannt, zahlreiche Luftangriffe im Gazastreifen durchgeführt und dabei auch Raketenabschussorte und ein operatives Hauptquartier der Hamas, das für Raketenangriffe genutzt wurde, getroffen zu haben.[12]

Gleichzeitig zum Raketenbeschuss drangen nach israelischen Militärinformationen 1.000 bis 1.500 palästinensische Militante[13] aus dem Gazastreifen nach Israel ein.[14] Ein IDF-Sprecher gab an, dass die Militanten aus Gaza sowohl vom Land als auch vom Meer und aus der Luft (mittels motorisierter Gleitschirme) die Sperranlage um den Gazastreifen überwunden hätten und in vier kleine ländliche israelische Gemeinden, die Grenzstadt Sderot und zwei Militärstützpunkte eingefallen seien.[15][16][17] Laut Aussage des israelischen Polizeipräsidenten Kobi Schabtai gab es in der südlichen Region Israels am Tag des Angriffs mindestens 21 umkämpfte Gebiete.[18][19] In den Ortschaften gingen die palästinensischen Terroristen auf der Suche nach Opfern von Haus zu Haus.[13]

Nahe dem Kibbuz Reʿim fand ab dem Abend des 6. Oktober ein Freiluft-Festival[20][21] mit rund 3.000 Menschen statt. In den Morgenstunden des 7. Oktober verübten unbemerkt über die Grenze gekommene Hamas-Terroristen ein Massaker; erste Berichte sprachen von rund 260 Todesopfern unter den Festivalbesuchern.[22] Der abschließende Polizeibericht am 17. November erhöhte die Opferzahl auf 364, darunter 17 Polizisten.[23] Rund 40 Menschen wurden entführt.[23] Die Untersuchung kam außerdem zu dem Schluss, dass die Terroristen entgegen früherer Berichte und weit verbreiteter Meinung nicht im Voraus von der Party wussten.[23]

Der Kibbuz Nir Am war der einzige angegriffene Ort, in dem niemand zu Schaden kam. Hintergrund war, dass die örtliche zivile Sicherheitskoordinatorin rechtzeitig die Gefahr erkannte, Frauen und Kinder in Sicherheit brachte, ihr 12-köpfiges „Bereitschaftskommando“ bewaffnete und dieses die Angreifer vier Stunden lang abwehrte, bis Armee und Polizei eintrafen.[24] Die israelische Armee, die wie die Regierung nicht auf den Angriff vorbereitet war, verkündete am Vormittag, dass Ortschaften rund um den Gazastreifen von der Hamas eingenommen worden waren, und startete ihrerseits die „Operation Eiserne Schwerter“, um das Staatsgebiet zurückzuerobern.[18][25][26] Die israelische Luftwaffe flog zudem Attacken auf Ziele im Gazastreifen. Verteidigungsminister Joaw Galant genehmigte die Einberufung von Reservekräften.[18][27] Wegen der umstrittenen Justizreform in Israel in Streik getretene Reservisten meldeten sich bei ihren Einheiten.[26]

Am Abend des 7. Oktober gab das israelische Militär bekannt, die Kontrolle über die Militärbasis Reʿim zurückerlangt zu haben.[28] Noch am selben Tag wurden auf Geheiß der israelischen Regierung aus Israel kommende Stromlieferungen in den Gazastreifen gestoppt.[18]

 
Der israelische Staatspräsident Jitzchak Herzog mit den Familien der von der Hamas gefangen gehaltenen Personen in Beit HaNassi, 22. Oktober 2023

8. Oktober Bearbeiten

Von Israelis zerstörte Polizeistation in Sderot am 8. Oktober, nachdem sich dort palästinensische Terroristen verbarrikadiert hatten[29]
Auswirkungen der infolge des Terrorangriffs auf Israel erfolgten israelischen Luftschläge auf den Gazastreifen am 8. Oktober

Israelische Kampfflugzeuge starteten am Morgen erneut Luftangriffe im Gazastreifen.[30] Am Abend des 8. Oktober griffen die IDF eigenen Angaben zufolge in drei aufeinanderfolgenden Durchgängen insgesamt 120 Ziele in der Umgebung von Beit Hanoun an.[31][32] Am Nachmittag verkündete das israelische Sicherheitskabinett offiziell den Kriegszustand.[33] Am selben Tag begann die israelische Armee mit der Evakuierung von israelischen Ortschaften in den Grenzgebieten zum Gazastreifen und zum Libanon.[34] Am Abend erklärten Hamas und Islamischer Jihad, sie hielten 130 israelische Geiseln fest, darunter hochrangige Militärangehörige.[35] Eine Woche später teilten die Geiselnehmer mit, mit den Geiseln 6.000 Palästinenser aus israelischen Gefängnissen freipressen zu wollen.[36]

9. Oktober Bearbeiten

 
Ungefähres Lagebild am 9. Oktober

In der Nacht vom 8. zum 9. Oktober sowie im Verlauf des Tages erfolgte unter Einsatz von Kampfflugzeugen, Helikoptern und Artillerie ein umfassender Angriff Israels auf den Gazastreifen, bei dem nach israelischen Militärangaben mehr als 1.000 Ziele getroffen wurden.[37]

Durch die Luftangriffe des israelischen Militärs wurde auch ein Markt des Flüchtlingslagers Dschabaliya getroffen, der mit Zivilisten bevölkert war.[38][39] Auch die Hamas feuerte erneut Raketen auf israelisches Gebiet ab, dabei gab es Verletzte bei Einschlägen nahe Jerusalem.[37][40]

Am Morgen des 9. Oktober erklärte ein Sprecher des israelischen Militärs, dass die Kämpfe in den israelischen Siedlungen Kfar Aza, Be’eri, Nirim und Alumim andauerten. Die hier verschanzten Hamas-Terroristen seien teils seit Samstag auf israelischem Territorium, teils später hinzugestoßen.

Am Mittag des 9. Oktober verkündete das israelische Militär, es kontrolliere die von der Hamas angegriffenen Ortschaften in den südisraelischen Gebieten nahe dem Gazastreifen, wobei es noch zu vereinzelten Zusammenstößen komme.[40] Israel hatte aufgrund des Konflikts mittlerweile etwa 300.000 Reservisten mobilisiert. Nach einem Beschluss des israelischen Sicherheitskabinetts gab der israelische Verteidigungsminister eine „totale Blockade“ des Gazastreifens bekannt, die auch ein Einfuhrverbot aller Waren vorsah. Damit stellte Israel auch die Wasserversorgung in den Gazastreifen ein. Die Strom- und Energiezufuhr hatte Israel bereits zwei Tage zuvor gestoppt.[40][41][42] Nach israelischen Angaben versuchten mehrere Militante, aus dem Libanon nach Israel einzudringen, und wurden dabei erschossen.[40] Zudem nahm die israelische Armee unter Einsatz von Kampfhubschraubern Luftschläge gegen Ziele im Libanon vor.[43]

Am Abend kündigte Abu Obaida, Sprecher der Kampfbrigade Qassam, an, dass die Hamas ab sofort jedes Mal eine israelische Geisel hinrichten werde, wenn ein israelischer Luftangriff auf den Gazastreifen Häuser von Zivilisten „ohne Vorwarnung“ treffe. Das israelische Militär erklärte, im Laufe des Tages hunderte Hamas-Terroristen gefangen genommen und hunderte getötet zu haben.[40]

10. Oktober Bearbeiten

Am Morgen des 10. Oktobers erlangte Israel die Kontrolle über den Grenzzaun zum Gazastreifen zurück.[44] Bis zum Morgen des 10. Oktober dauerten Gefechte im Kibbuz Kfar Aza an. Von den getöteten Zivilisten – ganze Familien, die in ihren Häusern vorgefunden wurden – waren nach Angaben israelischer Soldaten manche enthauptet und andere durch Molotowcocktails verbrannt.[45][46]

Auch nach der Ankündigung der Hamas am Vortag bezüglich der Tötung von Geiseln setzte Israel seine Luftangriffe auf den Gazastreifen fort. Gemäß israelischen Angaben wurden dabei rund 200 Einrichtungen der Hamas getroffen. Die Vereinten Nationen (UN) wiesen jedoch darauf hin, dass bei den Angriffen auch zivile Einrichtungen getroffen worden seien.[47] Die Hamas gab bekannt, dass bei den Luftangriffen zwei hochrangige Funktionäre getötet worden seien.[48] Wenige Stunden nachdem die Hamas die Bevölkerung von Aschkelon zum Verlassen der Stadt aufgerufen hatte, feuerte sie Raketen auf Aschkelon und Tel Aviv. Auch zwischen der Hisbollah und Israel gab es erneuten wechselseitigen Raketen- oder Artilleriebeschuss.[49]

Am Abend gab es Angriffe auf Israel von syrischem Gebiet aus; laut Israels Militär schlugen mehrere Raketen auf offenem Gelände ein. In Reaktion darauf setzte das israelische Militär eigenen Angaben zufolge Artilleriefeuer und Mörsergranaten ein.[49]

11. Oktober Bearbeiten

Aus dem Libanon kam es zu Artilleriebeschuss durch die Hisbollah. Später wurde ein mutmaßlicher Raketenabschusspunkt durch Israel getroffen.[50]

Das einzige Großkraftwerk in Gaza wurde wegen Treibstoffmangels abgeschaltet. Den Menschen bleiben Generatoren und Solarenergie. Gazas größtes Krankenhaus Al-Schifa könne dank einer Notstromversorgung mit Generatoren „höchstens“ vier Tage laufen, wie eine Reporterin der New York Times berichtete. Die Weltgesundheitsorganisation informierte, dass die Vorräte für sieben Krankenhäuser aufgebraucht sind. Ärzte ohne Grenzen teilte mit, dass in zwei von ihr betriebenen Krankenhäusern in Gaza chirurgische Ausrüstung, Antibiotika, Treibstoff und andere Hilfsgüter knapp seien.[51][50] Die UNRWA vermeldete, dass es 104 Millionen Dollar benötigte, um für die kommenden drei Monate Nahrungsmittel, Medikamente und anderes Material für rund eine halbe Million Menschen im Gazastreifen, zu finanzieren. Die Lagerbestände des Hilfswerks im Gazastreifen reichten nur noch, um rund 150.000 Menschen für zwölf Tage zu versorgen.[50]

Neun Mitarbeiter der Vereinten Nationen sind nach UN-Angaben seit Samstag im Gazastreifen durch israelische Luftangriffe getötet worden. Die Zahl der bei Luftangriffen Israels im Gazastreifen getöteten Palästinenser stieg nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza auf mindestens 1.050 an. Rund 5.200 Menschen seien verletzt worden. Die Zahl der Toten in Israel durch die Hamas-Großangriffe ist nach israelischen Armeeangaben bis zum 11. Oktober auf mehr als 1.200 gestiegen. Mindestens 3.000 Menschen seien verletzt worden.[50]

Am Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen stauten sich nach ägyptischen Angaben Konvois mit Hilfsgütern. Die ägyptischen Fahrzeuge mit Treibstoff, Baumaterial und Nahrungsmitteln dürften die Grenze nicht überqueren, sagte ein Sicherheitsbeamter der Nachrichtenagentur AP.[50]

Am 11. Oktober bildete der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Notstandsregierung für die Zeit im Kriegszustand. Sie setzt sich unter anderem, neben Netanjahu aus dem Verteidigungsminister Joaw Galant und dem ehemaligen Verteidigungsminister und Oppositionsvertreter Benny Gantz, zusammen.[52] Das Notstandskabinett wurde am darauffolgenden Tag von der Knesset gebilligt.[53] Der Oppositionsvertreter Jair Lapid, der Netanjahu die Bildung einer gemeinsamen Notstandsregierung angeboten hatte,[54] lehnte seine Beteiligung an der Notstandsregierung schließlich mit der Begründung ab, dass er sich nicht zusammen mit „Extremisten“ an einer Regierung beteiligen wolle.[55] Lapids Partei hatte bei ihrem Angebot der Bildung einer Notstandsregierung zur Bedingung gemacht, dass die beiden rechtsextremen Minister Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich nicht dem Kriegskabinett angehören.[56]

12. Oktober Bearbeiten

Am Donnerstagmorgen bombardierte Israel mehrere Flughäfen in Syrien. Eigenen Angaben zufolge geschah dies, um iranische Waffenlieferungen zu zerstören.[57] Vom 7. Oktober bis zum 12. Oktober warf das israelische Militär eigenen Angaben zufolge 6.000 Bomben auf den Gazastreifen ab.[58]

Der israelische Energieminister Israel Katz machte die Freilassung der etwa 150 Geiseln zur Bedingung für ein Ende der israelischen Blockade des Gazastreifens.[53]

Im Osten Jerusalems wurde ein Mitglied der Volksfront zur Befreiung Palästinas erschossen, nachdem dieses auf Polizisten geschossen hatte.[59]

Die israelische Luftwaffe bombardierte die Flughäfen von Damaskus sowie Aleppo. Auch syrische Medien bestätigten Beschädigungen an der Landebahn. Begründet wurde dies mit iranischen Waffenlieferungen an Syrien und Libanon.[60]

13. Oktober Bearbeiten

Am Morgen des 13. Oktobers riefen die israelischen Streitkräfte 1,1 Millionen Menschen im Norden des Gazastreifens dazu auf, das Gebiet bis 20:00 Uhr Ortszeit (19:00 Uhr MESZ) in Richtung Süden auf bestimmten Routen zu verlassen.[61] Einer Stellungnahme der Vereinten Nationen zufolge ist eine solche Evakuierung „ohne verheerende humanitäre Konsequenzen unmöglich“.[62] Laut Berichten aus dem Norden des Gazastreifens wurden Zivilisten an der Flucht in den Süden durch die Hamas gehindert.[63] Auf einer ausgewiesenen Evakuierungsroute kam es zu einer Explosion mit zivilen Opfern. Palästinensische Stellen beschuldigten die IDF, diese Explosion herbeigeführt zu haben. Die IDF gaben keinen Kommentar ab und verwies auf laufende Ermittlungen zu dem Vorfall.[64][65] Davor hatte Israel aufgefordert, Gaza zu verlassen und jene Straße als „sichere Route“ bezeichnet, die Hamas hatte hingegen Zivilisten aufgefordert, an ihren „Häusern und ihrem Land festzuhalten“. Israel und die Hamas beschuldigten sich gegenseitig, die Explosion verursacht zu haben.[66]

Nach Auseinandersetzungen an der libanesisch-israelischen Grenze wurde von Seiten Israels eine Drohne verwendet, um Ziele der Hisbollah anzugreifen. Bei den Grenzzwischenfällen wurde ein Reuters-Journalist getötet sowie sechs weitere Journalisten verletzt.[67][68] Laut einer Pressemeldung traf eine israelische Artilleriegranate während eines Feuergefechts mit der Hisbollah die Journalistengruppe auf libanesischem Territorium.[69]

Israelische Streitkräfte meldeten am 13. Oktober erstmals Einsätze im Gazastreifen mit Boden- und Panzertruppen, ihren Angaben nach zur Geiselbefreiung und Zerstörung von Terror-Infrastruktur.[70] Dabei fanden sie ihren Angaben nach die Leichen von verschleppten Geiseln.[71]

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gab in einer Fernsehansprache an das israelische Volk die Vernichtung der Hamas als Kriegsziel Israels aus.[72]

14. Oktober Bearbeiten

Die israelischen Verteidigungsstreitkräfte gaben bekannt, dass bei Luftangriffen im Gazastreifen Murad Abu Murad, Leiter der Luftüberwachung von Gaza-Stadt der Hamas, welcher an der Planung der Anschläge vom 7. Oktober in Israel beteiligt war, getötet worden sei.[73]

Die Vereinigten Staaten schickten die USS Dwight D. Eisenhower ins östliche Mittelmeer, wo sie sich der bereits dort befindlichen USS Gerald R. Ford anschloss.[74]

In Katar trafen sich der Hamas-Führer Ismail Haniyya sowie Irans Außenminister Hossein Amir-Abdollahian.[75][76]

15. Oktober Bearbeiten

Nachdem die Evakuierungsfrist für den nördlichen Teil des Gazastreifens am 13. Oktober abgelaufen war, rief Israel am 15. Oktober erneut ein wenige Stunden langes Zeitfenster für die Evakuierung jenes Teils des Gazastreifens aus. Nach Angaben des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) setzte darauf eine Massenflucht in den südlichen Teil des Gazastreifens ein. Das israelischen Militär schätzte, dass dorthin mehr als 600.000 Bewohner flüchteten.[77] Die israelische Armee gab bekannt, eine Bodenoffensive in den nördlichen Teil des Gazastreifens erst dann beginnen zu wollen, wenn „die Zivilbevölkerung das Gebiet verlassen hat“.[78] Nach Angaben des Beraters für nationale Sicherheit des US-Präsidenten Jake Sullivan und hochrangiger israelischer Beamter stellte Israel auf Betreiben der Bundesregierung der Vereinigten Staaten die Wasserversorgung im südlichen Gazastreifen wieder her.[79]

In Israel begann die Evakuierung der 10 Kilometer vom Gazastreifen entfernten Stadt Sderot, nachdem diese mehrmals Ziel von aus dem Gazastreifen abgefeuerten Raketen geworden war.[77] Es kam erneut zu Grenzgefechten mit der Hisbollah im Libanon. Dabei wurden beiden Seiten zufolge auf der jeweils anderen Seite militärische Ziele getroffen. An der israelischen Grenze starb ein Zivilist. Kurz zuvor hatte Israel einen 4 Kilometer langen Abschnitt an der Grenze zum Sperrgebiet erklärt. Später starteten Raketen aus dem Libanon, wodurch acht Personen verletzt wurden.[80]

Gegen Abend soll das UNIFIL-Hauptquartier im Libanon von einer Rakete getroffen worden sein; es gab jedoch weder Angaben zu Schäden, noch wurde jemand verletzt.[81] Der UNRWA-Generalkommissar Philippe Lazzarini sprach angesichts des Mangels an Strom, Lebensmitteln und Wasser durch die israelischen Blockade von einer „beispiellosen humanitären Katastrophe“ und forderte die Öffnung eines humanitären Korridors.[82]

Die Arabische Liga und die Afrikanische Union warnten in einer gemeinsamen Stellungnahme angesichts der erwarteten israelischen Militäroffensive, dass diese „zu einem Völkermord von beispiellosem Ausmaß führen“ werde und forderten die Vereinten Nationen und die internationale Staatengemeinschaft auf, dies zu verhindern.[83]

Der Leiter des Kamal-Alwan-Kinderkrankenhauses berichtete von Patienten, die mit amputierten Gliedmaßen, schweren Verbrennungen und anderen lebensbedrohlichen Verletzungen eingeliefert wurden.[84]

16. Oktober Bearbeiten

 
IDF-Truppen bereiten sich auf den Einmarsch in den Gazastreifen vor, 16. Oktober 2023

Hatte Israel am Vortag das Grenzgebiet zum Libanon zur Sperrzone erklärt,[80] rief Israel am 16. Oktober die Evakuierung aller 28 Orte aus, die bis zu zwei Kilometer von der Grenze zum Libanon liegen.[36] Die israelische Polizei begann mit der Bewaffnung von 13.200 zivilen Ersthelfern.[85]

17. Oktober Bearbeiten

Der Chef des Zentralkommandos der Vereinigten Staaten landete in Israel, um sich unter anderem mit IDF-Generalstabchef Herzi Halewi sowie Verteidigungsminister Joaw Galant zu treffen.[86]

Die Vereinigten Staaten setzten 2000 Soldaten in Alarmbereitschaft, um sich auf einen möglichen Einsatz vorzubereiten. Allerdings sollen diese Soldaten nicht direkt am Konflikt beteiligt sein.[87] Nach Schätzung des UN-Nothilfebüros (OCHA) waren fast die Hälfte der Zivilbevölkerung des Gazastreifens inzwischen auf der Flucht.[88] Die Hamas bestätigte die Tötung ihres Kommandeurs Ajman Nofal, der für die Koordinierung des militärischen Flügels verantwortlich war. Er war bis dahin der ranghöchste getötete Hamas-Befehlshaber im aktuellen Krieg.[87]

Am Abend sollen nach Angaben von Hamas-Behörden bei der Explosion einer Rakete auf dem Parkplatz des al-Ahli-Arab-Krankenhauses in der Stadt Gaza mindestens 471 Menschen getötet worden sein.[89]

Nach Angaben aus westliche Geheimdiensten wurden zwischen 100 und 300 getötet,[89] andere geheimdienstliche Quellen berichteten von „eher ein paar Dutzend“ Todesopfern, wahrscheinlich zwischen zehn und 50.[90]

Während die Hamas Israel beschuldigte, das christliche Krankenhaus beschossen zu haben, erklärte Israel, dass eine fehlgeleitete Rakete der Gruppe Islamischer Dschihad die Explosion verursacht hätte.[91][92] Die Gruppe stritt eine Verantwortung für den Raketeneinschlag jedoch ab.[93]

Die israelische Armee legte am Tag darauf Bildmaterial vor, das beweisen sollte, dass Israel nicht für den Beschuss verantwortlich war; die Armee wies darauf hin, dass israelische Luftschläge auf offenes Gelände Krater hinterließen, beim Parkplatz des Krankenhauses, wo die Explosion stattfand, jedoch keine zu sehen seien.[94] Unabhängige Experten deuteten öffentliches Video- und Bildmaterial von der Explosion und den Überresten als Hinweise auf eine Treibmittelexplosion einer fehlgegangenen Raketenstufe und nicht auf einen gezielten Angriff.[95] Unabhängig davon hatte die Nachricht von den Toten im Krankenhaus bereits für Empörung weltweit, insbesondere in arabischen Ländern gesorgt; als eine Folge wurde das Treffen Bidens mit dem König von Jordanien, dem Staatschef Ägyptens Abd al-Fattah as-Sisi sowie dem Präsidenten Mahmud Abbas abgesagt.[96]

Westlichen Medien wurde vorgeworfen, die Propaganda der Hamas zunächst ungeprüft übernommen zu haben.[97] Die New York Times veröffentlichte am 24. Oktober allerdings eine Video-Analyse, der zufolge das von Israel vorgelegte Bildmaterial einer explodierenden Rakete in Wirklichkeit eine israelische Rakete zeige, die in etwa drei Kilometer Entfernung von dem Krankenhaus über der Grenze von Gaza explodiert sei.[98][99] Somit hätte sie nichts mit der Explosion im Krankenhaus zu tun haben können.[98] Natürlich sei die Explosion einer palästinensischen Rakete weiterhin eine plausible Theorie, aber es hätte in der direkten Umgebung des Krankenhauses in genau diesem Zeitraum auch Explosionen israelischer Munition gegeben, und eines der am weitesten publizierten Beweisstücke, das israelische Analysten vorgelegt hätten, sei damit zweifelhaft geworden.[98]

Eine von Channel 4 durchgeführte Untersuchung kam basierend auf einer Doppler-Effekt-Analyse und einer Untersuchung der Kraterform zu dem Schluss, dass die Rakete aus östlicher und nicht wie vom israelischen Militär behauptet aus südwestlicher Richtung kam.[99] Außerdem zeige die von Israel vorgelegte Audioaufnahme eines angeblichen Gesprächs zwischen zwei Palästinensern Anzeichen von Manipulation; die beiden Stimmen seien auf verschiedenen Audiospuren aufgenommen worden und auch sprachlich für Arabischsprecher nicht überzeugend.[99] Übereinstimmung herrschte hingegen darüber, dass der kleine Krater nicht mit einem gewöhnlichen JDAM-Luftangriff vereinbar sei.[99] Channel 4 und andere Experten betonten ferner, dass sie zu dem Zeitpunkt nur vorläufige Ergebnisse vorlegen könnten und eine umfassende Untersuchung erforderlich sei.[99]

18. Oktober Bearbeiten

Am 18. Oktober 2023 teilte der anglikanische Bischof von Jerusalem, Hosam Naoum, den Medien mit, dass das israelische Militär die Krankenhausbetreiber seit dem 14. Oktober mehrfach dazu aufgefordert habe, das Spitalgelände mitsamt Patienten und Mitarbeitern zu verlassen. Die konkreten Warnungen hätten dabei speziell das Krankenhaus betroffen und seien nicht Teil der allgemeineren Aufforderungen Israels an die Zivilisten gewesen, Nordgaza Richtung Süden zu verlassen.[100] Auch OSINT-Experten (Open Source Intelligence) kamen zu dem Ergebnis, dass die Version der israelischen Armee sehr wahrscheinlich ist.[101]

Angesichts der Dringlichkeit der humanitären Lage im Gazastreifen stimmte Israel Hilfslieferungen aus Ägypten für die Menschen im Süden des Gazastreifens zu. Israel betonte, dass Lieferungen zur Hamas verhindert würden und keine humanitäre Hilfe von seinem Territorium aus in den Gazastreifen zugelassen werde, solange seine entführten Geiseln nicht zurückgebracht würden.[102]

19. Oktober Bearbeiten

Laut der IDF hatten Kampfjets über Nacht nach Informationen des Schin Bet einen Luftangriff auf die Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens durchgeführt, bei dem Rafat Abu Hilal getötet wurde, der Kommandant der Al-Nasser-Brigade, des militärischen Arms des Volkswiderstandskomitees (PRC). Die PCR war die dritte großen Fraktion neben Hamas und Islamischer Dschihad in Gaza.

Unabhängig davon hatte die IDF nach eigenen Angaben mehrere Mitglieder der Nukhba-Kommandotruppen der al-Qassam-Brigaden der Hamas ins Visier genommen, die den Angriff am 7. Oktober 2023 in israelischen Grenzorten angeführt haben sollen. Demnach wurden bei Luftangriff mehr als zehn Nukhba-Terroristen getötet.

Darüber hinaus führte die IDF nach eigenen Angaben in den 24 Stunden zuvor hunderte Luftangriffe auf militärische Ziele durch, darunter Startplätze für Panzerabwehrraketen, Tunnelschächte, Geheimdienstinfrastruktur und verschiedene Kommandozentralen.[103][104]

Wenig später meldete die Hamas den Tod des Kommandeurs der Nationalen Sicherheitskräfte in Palästina, Dschijad Muheisen, durch israelische Angriffe.[105]

In Chan Yunis im Süden des Gazastreifens wurde ein Flüchtlingslager von israelischen Kampfflugzeuge getroffen. Aufnahmen zeigten, wie Stadtteile dem Erdboden gleichgemacht wurden.[106]

Ein fünftes Krankenhaus in Gaza, das Jemen-Al-Said-Krankenhaus, musste wegen Treibstoffmangels schließen. Davor wurden vier weitere Krankenhäuser sowie 14 Gesundheitszentren geschlossen.[105]

Das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Jerusalem gab bekannt, dass die seiner Jurisdiktion unterstehende St.-Porphyrius-Kirche in der Altstadt von Gaza bei einem israelischen Luftangriff getroffen und beschädigt worden sei. Auf dem Kirchengelände, zu dem weitere Gebäude gehörten, hätten demnach zahlreiche Zivilisten Zuflucht gesucht.[107] Die IDF erklärten, der Luftangriff habe einem Kommandozentrum in der Nähe gegolten, die Mauer der Kirche sei beschädigt, von der Hamas ausgehende Berichte über Opfer würden geprüft.[108] Das Patriarchat gab die Zahl der Todesopfer mit 18 an und sprach von 100 Vermissten.[109]

20. Oktober Bearbeiten

Auch in der Nacht zu diesem Tag führte das israelische Militär eigenen Angaben zufolge weiterhin Schläge gegen hunderte militärische Ziele im Gazastreifen durch. Bei den Angriffen seien unter anderem Hamas-Mitglieder mit Beteiligungen an Tötungen und bewaffneten Aktionen sowie deren Standorte in Kommandoposten, Waffenlagern und unterirdischen Tunneln getroffen worden. In Dschabaliya sei demnach eine Moschee getroffen worden, die ihnen als Beobachtungsposten und Stützpunkt inklusive Waffenlager gedient habe.[110]

Die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung bestätigte die Freilassung zweier Geiseln durch die Hamas.[111]

21. Oktober Bearbeiten

Am 21. Oktober reagierte Israel auf Raketenbeschuss aus dem Libanon, den der libanesische und der Hisbollah nahestehende Fernsehsender Al-Manar vermeldete, mit Gegenbeschuss. Dadurch sind nach israelischen Militärangaben mehrere Kämpfer der Hisbollah getötet worden.[112] In der Nacht auf den 22. Oktober führten die israelischen Streitkräfte eigenen Angaben zufolge einen Luftangriff auf die in Dschenin im Westjordanland liegende Al-Ansa-Moschee durch. Dadurch seien Terroristen der Hamas und des Islamischen Dschihad getötet worden, die einen Terrorangriff vorbereitet haben sollen.[113]

22. Oktober Bearbeiten

Die israelische Regierung und das Palästinenserflüchtlingswerk UNRWA vermeldeten, dass ein zweiter Hilfskonvoi in den Gazastreifen gelangt ist.[114]

In Vorbereitung einer Bodenoffensive verstärkte das Militär seine Angriffe auf den Gazastreifen in der Nacht auf diesen Tag, darunter auf Rafah. Die Hamas meldete am Morgen bis zu 80 Tote und 30 zerstörte Häuser.[115]

Auf der Suche nach Geiseln setzte die israelische Armee nachts einzelne Bodentrupps im Gazastreifen ein.[116] Israel meldet den ersten getöteten Soldaten im Gazastreifen durch den Beschuss mit einer Panzerabwehrrakete.[114]

Die USA legten einen Resolutionsentwurf für den UN-Sicherheitsrat vor. Ihm zufolge sollen Zivilisten geschützt werden und Hilfsgüter in den Gazastreifen gelangen; an den Iran wird die Forderung gerichtet, von der Unterstützung von Milizen gegen Israel abzusehen.[114] Der US-amerikanische Verteidigungsminister Lloyd Austin gab den Befehl zur Stationierung von Raketenabwehrsystemen wie THAAD und Patriot in der Region.[114]

23. Oktober Bearbeiten

Die Staats- und Regierungschefs von Italien, Frankreich, Deutschland, USA und Kanada riefen Israel bei der Terrorismusbekämpfung zur Einhaltung des humanitären Völkerrechts auf.[117] Am Tag zuvor waren bei einem israelischen Luftangriff auf das Flüchtlingslager Dschabaliya laut medizinischem Personal mindestens drei Palästinenser getötet worden.[114] Das israelische Militär berichtete, dass sich 2.000 ultraorthodoxe Juden freiwillig für einen Militärdienst gemeldet haben, deren Beteiligung am Militärdienst begrenzt ist, und dass die Armee mit der Ausbildung von Freiwilligen begonnen habe.[118]

Um mehr Geiseln freizubekommen riet die US-amerikanische Regierung der israelischen Regierung dazu, noch mit einer Großoffensive von Bodentruppen in den Gazastreifen zu warten und mit der Hamas über eine Freilassung von Geiseln zu verhandeln.[119][120] In Vorbereitung auf eine militärische Bodenoffensive bzw. einen Häuserkampf im Gazastreifen, ließ sich die israelische Armee zwecks Schulung mehrere US-amerikanische Militärberater einfliegen.[121]

Die Hamas ließ zwei ältere israelische Frauen frei, deren Ehemänner aber als Geiseln zurückblieben.[122] Die 85-jährige Yocheved Lifshitz sagte am nächsten Tag, sie sei auf dem Weg nach Gaza in die Rippen geschlagen, aber von ihren Entführern in Gaza selbst fürsorglich behandelt worden.[123] Der ehemalige US-Präsident Barack Obama warnte Israel, dass seine Aktionen „die palästinensische Haltung für Generationen verhärten“ und die internationale Unterstützung Israels schwächen könnten; jede militärische Strategie, die die menschlichen Kosten des Krieges ignoriere, „könnte letztendlich nach hinten losgehen“.[124]

24. Oktober Bearbeiten

Die Vereinten Nationen appellierten dringend an Israel, mehr Hilfsgüter nach Gaza zu lassen.[125] WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus forderte, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) solle sofort Zugang zu den aus Israel entführten Geiseln erhalten. Er forderte außerdem erneut die sofortige Freilassung aller Geiseln, die im Zuge des Terrorangriffs der islamistischen Hamas Anfang Oktober verschleppt worden waren.[126]

UN-Generalsekretär Guterres verurteilte in einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats den Angriff der Terrororganisation Hamas vom 7. Oktober aufs Schärfste, sagte aber auch, dass der Angriff „nicht im luftleeren Raum erfolgt“ sei. Das Volk der Palästinenser habe eine Geschichte 56-jähriger erdrückender Besatzung hinter sich. Es habe mit ansehen müssen, wie sein Land immer wieder von Siedlungen verschlungen wurde. Es sei Gewalt ausgesetzt gewesen, seine Wirtschaft sei abgewürgt worden, seine Häuser seien zerstört worden, seine Hoffnung auf eine politische Lösung sei geschwunden. Das alles könne nicht die widerwärtigen Angriffe der Hamas rechtfertigen, aber auch nicht eine kollektive Bestrafung des palästinensischen Volks rechtfertigen. Der israelische Außenminister Eli Cohen attackierte Guterres hierauf scharf. Während der Rede von Cohen verließen einige arabische Delegationen den Saal.[127] Christoph Heusgen, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, stellte zu der Attacke Cohens gegen Guterres fest, dass Guterres Recht habe, wenn er die „Hamas-Aktion auf schärfste verurteile“ und gleichzeitig auf die 56 Jahre währende Besatzung der Palästinensergebiete hinweise, die nach geltendem Völkerrecht und UNO-Resolutionen eine „flagrante Verletzung des Völkerrechts“ darstelle.[128] Israels Botschafter Ron Prosor bezeichnete Heusgens Äußerungen als „ungeheuerlich“; dieser habe den „bestialischen Terrorangriff der Hamas“ verharmlosend als „Hamas-Aktion“ bezeichnet und mit keinem Wort verurteilt.[126]

25. Oktober Bearbeiten

Laut dem UN-Nothilfebüro OCHA soll es innerhalb eines Tages 700 tote Palästinenser gegeben haben. Es berief sich auf das Hamas-Gesundheitsministerium. UNICEF beklagte seit Konfliktbeginn 2360 tote Kinder im Gazastreifen, und 5364 verletzte Kinder, ohne eine Quelle zu nennen; es handelte sich um die gleiche Zahl, die von der Hamas verbreitet wurde.[129]

Als Reaktion auf vorangegangene Angriffe beschoss die israelische Luftwaffe syrische Militärstellungen. Syrien berichtete von acht toten Soldaten sowie sieben Verletzten. Die Luftangriffe auf Stellungen sowie Kommandoposten und Waffenlager im Gazastreifen gingen weiter. Israel soll dabei einen Hamas-Kommandeur mit Beteiligungen an Tötungen und Verbindungen zu Mohammed Deif getötet haben. Auch die Grenzgefechte zwischen der Hisbollah im Libanon und Israel gingen weiter. Im Westjordanland wurden palästinensische Angreifer vom Militär mit Drohnen beschossen. Es soll 3 Tote und 20 Verletzte gegeben haben.[129]

Der türkische Präsident Erdoğan bezeichnete die Hamas als „Befreiungsorganisation“, während der ägyptische Präsident as-Sisi vor einem Einmarsch in den Gazastreifen warnte.[129] Israelische Vertreter eskalierten den diplomatischen Konflikt wegen der Positionierung des UN-Generalsekretär Guterres vom 24. Oktober (siehe dort). Der israelische UN-Botschafter Gilad Erdan twitterte: „Ich denke, dass der Generalsekretär zurücktreten muss“. Israels Außenminister Eli Cohen sagte ein Treffen mit Guterres ab. Israel verweigerte dem UN-Untergeneralsekretär für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten, Martin Griffiths, ein Visum und kündigte weitere Visa-Verweigerungen gegenüber UN-Vertretern an.[130] Die Deutsch-Israelische Gesellschaft richtete in einer Pressemitteilung einen Appell an die Bundesregierung, sie solle Israel im Konflikt mit UN-Generalsekretär Guterres wegen dessen Äußerungen vom 24. Oktober 2023 unterstützen.[131] Regierungssprecher Steffen Hebestreit erklärte zu dem Konflikt, dass der UN-Generalsekretär das Vertrauen der Bundesregierung habe und Außenministerin Annalena Baerbock sich intensiv um Vermittlung bemühe. Zugleich betonte er die Solidarität der Bundesregierung mit Israel: „Wir stehen eng und unverbrüchlich an der Seite Israels.“[132] Die Arabische Liga forderte Unterstützung für Guterres. Guterres selbst zeigte sich schockiert über die Fehlinterpretation einiger seiner Erklärungen und bemühte sich um Klarstellung.[133]

US-Präsident Joe Biden betonte in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, wie wichtig es sei, „was nach der Krise kommt“. Dazu gehöre ein dauerhafter Frieden zwischen Israelis und Palästinensern. Biden habe bekräftigt, dass die Hamas nicht das palästinensische Volk oder dessen legitime Bestrebungen repräsentiere.[134]

26. Oktober Bearbeiten

Nach Angriffen auf israelische Stellungen bombardierte das israelische Militär in der Nacht weiterhin einen Beobachtungsposten und ein Militärgelände der Hisbollah im Libanon. Währenddessen wurden die israelischen Luftschläge gegen den Gazastreifen fortgesetzt. Im Verlauf des vergangenen Tages seien mehr als 350 Ziele getroffen worden, unter anderem Beobachtungsposten und Raketenabschussrampen in der Nähe ziviler Wohngebäude und Moscheen, gab das israelische Militär bekannt. Das Militär unternahm einen weiteren begrenzten Vorstoß in den Gazastreifen.[135]

Israel ging von 224 Geiseln in der Hand der Hamas aus. Die Qassam-Brigaden teilten mit, es seien bisher etwa 50 Geiseln durch israelische Luftschläge getötet worden.[135] Hiba Tibi, bei CARE International zuständig für die Westbank und Gaza, sagte, dass es keinen sicheren Ort in Gaza gebe. Die Opferzahlen seien unfassbar und erschreckend. Riad Othman, Nahostreferent der Hilfsorganisation Medico international sprach von einer „desaströsen Lage“ in Gaza. Es fehle vor allem Trinkwasser. In Krankenhäusern gebe es keinen Strom, kein Verbandsmaterial und keine Betäubungsmittel. Amputationen und Operationen würden ohne Anästhesie mit Handybeleuchtung durchgeführt. Es gebe kein Verbandsmaterial für Brandwunden und es kämen viele Menschen mit Brandwunden in die Krankenhäuser.[136]

27. Oktober Bearbeiten

In der Nacht zu diesem Tag unternahm das Militär erneut einen begrenzten Vorstoß in den Gazastreifen. Dabei kamen Bodentruppen, Drohnen, Kampfflugzeuge und gepanzerte Fahrzeuge zum Einsatz. Laut israelischer Armee seien militärische Ziele sowie Terroristen ausgeschaltet worden, die beteiligten Einheiten zogen sich nach dem Angriff aus Gaza zurück. Diese begrenzten Vorstöße wurden als Vorbereitung einer Bodenoffensive im Gazastreifen gesehen.[137] Ein Raketenangriff auf ein Haus in Tel Aviv verursachte drei Verletzte, der militärische Arm der Hamas im Gazastreifen bestätigte, die Raketen abgefeuert zu haben.[138]

In Ägypten kam es im grenznahen Ort Taba zu sechs Verletzten, nachdem eine „anonyme gelenkte Drohne“ niedergegangen war.[139] Der ägyptische Fernsehsender Al-Kahira News berichtete, eine Rakete sei eingeschlagen. Israels Armee zufolge war die Drohne aus der Nähe des Roten Meeres gekommen, Huthi-Rebellen könnten in Betracht gezogen werden.[140][141]Agence France-Presse berichtete gegen Abend von massivem israelischen Beschuss des Gazastreifens. Israel soll außerdem das Internet dort gekappt haben, AFP berief sich dabei auf Hamas-Mitglieder. Ein palästinensischer Internetbetreiber bestätigte einen Internetausfall durch massive Bombardierungen. Israels Armee teilte mit, in der kommenden Nacht wolle man den Bodeneinsatz ausweiten.[139]

In einer Umfrage der israelischen Zeitung Ma’ariv sprachen sich 49 Prozent der befragten Bürgerinnen und Bürger dafür aus, dass die Regierung Israels mit dem Beginn einer Bodenoffensive im Gazastreifen noch abwarten sollte. 29 Prozent der Befragten sprachen sich hingegen dafür aus, dass das Militär sofort eine Bodenoffensive starten sollte.[142]

Das von der Hamas geführte Gesundheitsministerium im Gazastreifen veröffentlichte eine Liste mit 6.747 Namen und weiteren Personendaten von in Krankenhäusern registrierten Todesopfern in Gaza (davon 2.665 Kinder und Jugendliche) mit dem Ziel, Zweifel an den Opferzahlen zu zerstreuen. Dabei wird nicht zwischen Hamas-Mitgliedern und unbeteiligten Zivilisten unterschieden. Eine ganze Reihe an hochrangigen Hamas-Vertretern und militärischen Kommandeuren, die Israel nach eigenen Angaben getötet haben will oder die Hamas selbst als „Märtyrer“ vermeldete, fehlten jedoch. Eine unabhängige Überprüfung der vollständigen Liste gibt es bislang nicht.[143]

Die UN-Generalversammlung nahm am zweiten Sitzungstag der wieder aufgenommenen Zehnten Dringlichkeitssitzung mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit den Resolutionsentwurf A/ES-10/L.25 Protection of civilians and upholding legal and humanitarian obligations an. Die damit beschlossene Resolution A/RES/ES-10/21 verurteilt unter anderem jegliche Gewalt gegen israelische und palästinensische Zivilisten, forderte die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Zivilisten und verlangte ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe in den Gazastreifen. Außerdem rief sie zu einer sofortigen dauerhaften und nachhaltigen humanitären Waffenruhe auf.[144] Belgien, Frankreich, Liechtenstein, Luxemburg, Spanien und die Schweiz stimmten für, Israel selbst, Kroatien, Österreich, Paraguay, Tschechien, Ungarn und die USA gegen den Resolutionsentwurf; Deutschland enthielt sich der Stimme. Insgesamt gab es 120 Ja-Stimmen, 45 Enthaltungen und 14 Nein-Stimmen. Die Entschließung ist nicht völkerrechtlich bindend.[145] Die tschechische Verteidigungsministerin Jana Černochová forderte daraufhin den Austritt ihres Landes aus den Vereinten Nationen, ihr Land habe in „einer Organisation von Terroristen-Fans“ nichts verloren.[146]

Nachdem das israelische Militär die Ausweitung seiner Einsätze im Gazastreifen bekannt gegeben hatte, meldete die Hamas am Abend des 27. Oktobers Bodengefechte, laut dem militärischen Flügel der Organisation gab es bereits gewalttätige Zusammenstöße in zwei Orten im Gazastreifen, im Ort Beit Hanun sowie östlich des Flüchtlingslagers Al-Bureidsch im zentralen Gazastreifen.[147]

Laut Medienberichten schätzen westliche und arabische Regierungen die Vorräte der Hamas im Gazastreifen als ausreichend, um mehrere Monate Krieg führen zu können. Die Organisation verfüge über große Mengen Nahrungsmittel sowie Hunderttausende Liter Treibstoff für Fahrzeuge und Raketen und Munition, die sie größtenteils im ausgedehnten Tunnelsystem unterhalb des Gazastreifens bunkere. Der ägyptische Analyst Samir Ghattas geht davon aus, dass die Hamas diese dringend benötigten Vorräte der von ihr regierten Zivilbevölkerung weiterhin vorenthalten werde, da die Priorität der Organisation im Kampf gegen Israel liege.[148][149] Israelische Geheimdienste warfen der Hamas vor, die größte Klinik in dem Küstenstreifen, das Al-Schifa-Krankenhaus, als Kommando- und Kontrollzentrum mit Zugängen zu ihrem unterirdischen Tunnelsystem zu missbrauchen. Die Terroristen bewegten sich frei in der Klinik. Ein Armeesprecher sagte, es gebe in den Krankenhäusern Treibstoff, den die Hamas jedoch für ihre terroristische Infrastruktur nutze. Die Hamas bestritt die Vorwürfe.[150]

28. Oktober Bearbeiten

Die Nacht vom 27. zum 28. Oktober war geprägt von pausenlosen israelischen Luftangriffen, laut Guardian der schwersten Bombardierung des Gazastreifens seit Kriegsbeginn. Laut einem IDF-Sprecher waren etwa 100 israelische Jets an dem Angriff beteiligt, das Ziel sei die Zerstörung von Tunneln und unterirdischen Anlagen der Hamas gewesen.[151] Infanterie und gepanzerte Fahrzeuge würden ihre Angriffe mit massiver Feuerunterstützung vom Meer und aus der Luft fortsetzen.[152]

Der Palästinensische Rote Halbmond, Ärzte ohne Grenzen und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichteten, sie hätten nach der Kappung der Kommunikationsdienste den Kontakt zu ihren Mitarbeitern und Einrichtungen vor Ort verloren. Das Committee to Protect Journalists warnte: „Die Welt verliert ein Fenster in die Realität aller am Konflikt Beteiligten.“[153] Auch am Morgen und am Tag gingen die Luftschläge gegen Hamas-Stellungen weiter. Israel reklamierte für sich, Asem Abu Rakaba getötet zu haben, er soll ein Planer des koordinierten Angriffs am 7. Oktober und verantwortlich für Luftaktivitäten der Hamas gewesen sein. Zudem wurden nach Angaben der israelischen Armee 150 unterirdische Ziele getroffen, dazu gehörten „von Terroristen genutzte Tunnel, unterirdische Kampfräume und weitere unterirdische Infrastruktur“. Israelische Grenzorte wurden weiterhin vom palästinensischen Gazastreifen aus beschossen.[154]

Das israelische Außenministerium rief seine Diplomaten aus der Türkei zurück, nachdem der türkische Präsident Erdoğan am 25. Oktober auf einer pro-palästinensischen Demonstration in Istanbul Israel Kriegsverbrechen vorgeworfen und das Land als Besatzer bezeichnet hatte.[155] Auf einer Kundgebung hatte er zudem geäußert, die Hamas seie keine Terror-, sondern eine Befreiungsorganisation.[156]

Israels Armee veröffentlichte Videos, in denen mutmaßliche Mitglieder der Hamas in israelischer Haft die Nutzung des größten Krankenhauses im Gazastreifen für ihre Zwecke bestätigen sollen. Unter dem Al-Schifa-Krankenhaus gebe es „unterirdische Ebenen“, sagte ein mutmaßlicher Terrorist laut einem der Videos in einem Verhör. Die Hamas transportiere dort etwa ihre Sprengstoffe, Waffen, Lebensmittel und medizinische Ausrüstung, hieß es darin. Aus dem Video geht auch hervor, dass Hamas-Mitglieder sich bei israelischen Angriffen in Kliniken oder Schulen versteckten. Grund dafür sei, dass Israel solche Gebäude nicht bombardiere.[155] Laut einem am 28. Oktober von der israelischen Tageszeitung Haaretz veröffentlichten Bericht teilten die Vereinigten Staaten Israel mit, dass sie die Lieferung von Gewehren einstellen würden, wenn diese weiterhin bei politischen Veranstaltungen an Zivilisten ausgegeben würden.[157]

29. Oktober Bearbeiten

Das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium im Gazastreifen gab bekannt, dass seit Beginn des Krieges mit Israel am 7. Oktober, mehr als 8.000 Menschen in der palästinensischen Enklave getötet worden seien, die Hälfte davon Kinder.[158] Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell und der UN-Generalsekretär António Guterres forderten aufgrund der Ereignisse eine humanitäre Feuerpause, um Hilfslieferungen in den Gazastreifen zu ermöglichen. Das Flüchtlingshilfswerk UNRWA teilte mit, dass im Gazastreifen eine verzweifelte Situation der Menschen ohne Strom, Nahrung und Wasser vorherrsche.[159][160] IDF-Sprecher Daniel Hagari wiederholte derweil die Dringlichkeit der Warnung an die Zivilbevölkerung im nördlichen Teil des Gazastreifens, südlich des Wadi Gaza, in sicheres Gebiet zu ziehen, wo eine Versorgung mit Wasser, Nahrung und Medikamenten stattfinden könne. Er betonte, dass Israel einen Krieg mit der Hamas, nicht mit dem Volk von Gaza, führe und dass die Terrororganisation die Bewohner des Gazastreifens, wissend, dass die IDF zwischen Terroristen und Zivilisten unterscheide, als menschliche Schutzschilde nutze und daher innerhalb und unter zivilen Gebäuden operiere.[161]

Zudem verkündete das israelische Militär, dass es die Bodenoffensive über Nacht ausgeweitet habe und zusätzliche Truppen in den Gazastreifen einmarschiert seien.[162] Es sei zu Kämpfen mit Hamas-Terroristen gekommen, unter anderem nahe dem Erez-Grenzübergang.[163]

Israels Armee hat nach eigenen Angaben als Reaktion auf Raketenangriffe Ziele in Syrien beschossen. Ziel sei der Abschussort der Flugkörper gewesen. Rund zehn Raketen seien auch aus dem Libanon in israelisches Gebiet eingedrungen, teilte die Armee am Abend mit und kündigte Gegenangriffe an. Als Reaktion sei auf den Ort des Raketenstarts geschossen worden, wobei unter anderem Abschussrampen getroffen worden seien. Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, dass die libanesische Hisbollah anscheinend ihre Raketenangriffe ausgeweitet habe; die Miliz selbst bestätigte das bisher nicht.[164]

An diesem Tag wurde zum ersten Mal seit 2005 eine israelische Flagge von Soldaten im Gazastreifen gehisst.[165]

Der Nationale Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan erklärte gegenüber CNN, dass Israel alles in seiner Macht stehende tun müsse, um zwischen Zivilisten und den Hamas als Terroristen zu unterscheiden. Zudem sollte Netanjahu die Gewalt „israelischer Siedler gegen unschuldige Menschen im Westjordanland zügeln“ und bezeichnete diese als inakzeptabel.[166]

30. Oktober Bearbeiten

Das israelische Militär gab am Morgen bekannt, am Vortag rund 600 Ziele im Gazastreifen angegriffen und dabei dutzende Hamas-Mitglieder getötet zu haben, während über Nacht die Bodenoperationen im nördlichen Gazastreifen fortgesetzt wurden, wobei Panzerspitzen den Rand von Gaza-Stadt erreichten. Widerstand verschanzter Hamasterroristen werde durch den Einsatz der Luftwaffe, darunter Kampfhubschraubern und Drohnen, gebrochen.[167][168][169] Im Zuge der Kampfhandlungen seien auch drei hochrangige Hamas-Kommandeure getötet worden.[169] Im Laufe des Tages drangen, zur Ausweitung der Bodenoffensive, weitere israelische Kräfte in den Gazastreifen ein, wo unter Führung des Kommandanten des IDF-Südkommandos, Yaron Finkelman, eine Lagebeurteilung vorgenommen wurde.[170]

Ein lokaler Journalist in Gaza filmte,[171] wie ein Panzer auf der Saladin-Straße in einem landwirtschaftlichen Gebiet namens Dschuhor ad-Dik südlich von Gaza-Stadt Feuer auf einen Personenwagen eröffnete, der beim Anblick des Panzers bereits gewendet hatte und in die Gegenrichtung fahren wollte.[172][173] Das Wall Street Journal berichtete, gemäß einem Augenzeugen habe es sich um ein Taxi mit einer weißen Flagge auf der Motorhaube gehandelt.[174][175] Laut dem Gesundheitsministerium von Gaza wurden drei Menschen bei dem Vorfall getötet.[176]

Nach Angaben israelischer Menschenrechtsgruppen töteten radikale und teils militarisierte israelische Siedler infolge des Terrorangriffs mindestens sechs Palästinenser im Westjordanland, ohne dass Strafverfolgungsbehörden aktiv wurden, misshandelten und vertrieben hunderte Weitere, indem sie mit Erschießung drohten. Die teils in Begleitung israelischer Soldaten erfolgte Vertreibung und Landnahme im Westjordanland führte dazu, dass 30 Menschenrechtsorganisationen in Israel die internationale Gemeinschaft Ende Oktober dazu aufriefen, eine „vom Staat [Israel] unterstützte Welle der Siedlergewalt“ aufzuhalten. Berichte von Haaretz und Times of Israel belegen die dargestellte Vertreibung.[177]

Aus dem Gazastreifen heraus wurden weiterhin Raketen auf Israel abgefeuert, wobei es zu mehreren Einschlägen im Gebiet von Netiwot, Aschkelon und Be’er Scheva kam.[178][179][180] Auch kam es weiterhin zu Beschuss aus dem Libanon auf israelische Militärposten entlang der Nordgrenze, welcher von israelischer Artillerie beantwortet wurde.[181][182]

Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich gab bekannt, er habe angewiesen, den Transfer von Geldern an die Palästinensische Autonomiebehörde zu stoppen.[183] Am Abend gab Premierminister Netanjahu eine Erklärung gegenüber ausländischen Medien ab, dass Israel einer Einstellung der Kampfhandlungen nicht zustimmen werde, da dies einer Kapitulation vor der Hamas gleichkäme.[184]

Im Westjordanland wurden vier Palästinenser getötet und fünf weitere nach Auseinandersetzungen mit Soldaten verletzt. Augenzeugen berichteten, während der Bodenoperationen im Gazastreifen sei die wichtigste Nord-Süd-Straße, die Saladin-Straße, von Panzern blockiert worden; Panzer und Hubschrauber hätten sie zudem durch Beschuss unbefahrbar gemacht.[185] In Jerusalem wurde ein Palästinenser erschossen, nachdem er einen Polizisten mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt hatte.[185] Die Hamas veröffentlichte ein mutmaßlich unter Zwang aufgenommenes Video, in dem israelische Geiseln Premierminister Netanjahu „Versagen“ vorwerfen. Israelische Medien stuften das Video als „Psychoterror“ der Hamas gegen Israel ein.[185] In einer Nachtoperation konnte die israelische Soldatin Ori Megidish befreit und zu ihrer Familie zurückgebracht werden. Megidish war am 7. Oktober am IDF Stützpunkt Nahal Oz gefangen genommen worden.[185] Die deutsch-israelische Geisel Shani Louk wurde nach Angaben der israelischen Regierung für tot erklärt. Man habe Splitter ihres Schädelknochens gefunden und per DNA-Probe identifiziert. Möglicherweise sei sie bereits zum Zeitpunkt ihrer Verschleppung tot gewesen.[186]

31. Oktober Bearbeiten

Nach Angaben der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) waren am Vortag rund 300 Ziele im Gazastreifen angegriffen und dabei zahlreiche Hamas-Terroristen getötet worden, darunter der Kommandeur des Bataillons Bait Lahiya, welches laut IDF für die Massaker in den Kibbuzen Erez und Netiv HaAsara verantwortlich war. Zu den angegriffenen Zielen zählten zudem Raketenabschusspositionen, Tunneleingänge und Gebäude, die von der Hamas für militärische Zwecke genutzt wurden. Nach Angaben der New York Times scheinen israelische Truppen Gaza-Stadt umzingelt zu haben und riegeln es von Norden und Süden her in einer Art Zangenbewegung ab.[187][188] Der Stabschef der iranischen Armee, Mohammad Bagheri, behauptete, dass sich unter dem nördlichen Teil des Gazastreifens Tunnelanlagen in der Länge von über 400 Kilometern befänden, wovon einige von Fahrzeugen befahren werden könnten und andere in das Innere Israels führen würden.[189] Im Laufe des Tages besetzten israelische Truppen nach schweren Gefechten eine als „Terrorhochburg“ bezeichnete Gegend im Westen von Dschabaliya, wobei mehrere Terroristen und zwei israelische Soldaten getötet wurden.[190][191]

Nach Angaben des israelischen Militärs wurde eine Boden-Boden-Rakete aus dem Gebiet des Roten Meeres in Richtung Eilat an der Südspitze Israels vom Luftverteidigungssystem Arrow abgefangen, wobei es sich um den ersten operativen Einsatz dieses Abwehrsystems in diesem Konflikt gehandelt haben soll. Es wurde angenommen, dass die Rakete von den vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen abgefeuert wurde.[192][193] Später am Tag gaben Yahya Sria, ein Sprecher der Huthi-Rebellen, sowie Abdel-Aziz bin Habtour, Premierminister der Huthi-Regierung, bekannt, dass ein Luftangriff mit Drohnen, ballistischen Raketen und Marschflugkörpern gegen Südisrael durchgeführt worden sei.[194] Damit war nach der Hisbollah eine zweite Fraktion der mit dem Iran verbündeten, schiitischen „Achse des Widerstands“ in den Krieg eingetreten.[195]

Zudem gab das Militär bekannt, dass die Hisbollah erneut Raketen und Granaten aus dem Libanon auf IDF-Stellungen und offenes Gelände an der Nordgrenze abgefeuert habe.[196][197] Durch Einschläge von Raketensalven aus dem Gazastreifen seien zudem mehrere Menschen in der südlichen Großstadt Aschdod verletzt worden.[198]

Am Abend griff die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben Infrastruktur und Terroristen des Dschabaliya-Bataillons der Hamas im Flüchtlingslager Dschabaliya an,[199] worauf nach IDF-Angaben ein Tunnelsystem der Hamas und in weiterer Folge auch mehrere Gebäude einstürzten. Laut Berichten der palästinensischen Gesundheitsbehörde tötete der Luftschlag über 50 Menschen und verwundete 150 weitere; Hamas sprach von 400 Getöteten und Verwundeten.[200]

Nach IDF-Angaben waren darunter zahlreiche Terroristen, mit Ibrahim Biari auch ein Mitverantwortlicher des Terrorangriffs vom 7. Oktober auf Israel.[201] Hamas verneinte dies.[200] Die BBC berichtete, vor dem indonesischen Krankenhaus im nahe gelegenen Beit Lahia sei eine lange Reihe von Leichensäcken ausgelegt worden; der chirurgische Leiter des Krankenhauses erklärte, man habe 400 Verletzte, darunter 120 Tote, aufgenommen, die meisten davon Kinder und Frauen.[202]

Der Angriff wurde umgehend durch das ägyptische, saudi-arabische, jordanische und katarische Außenministerium verurteilt.[203] Bolivien kündigte den Abbruch diplomatischer Beziehungen zu Israel an, Kolumbien und Chile beorderten ihre Botschafter aus Israel zurück.[204] Die USA kündigten die Entsendung weiterer 300 Soldaten in den Nahen Osten unter das Regionalkommando CENTCOM an.[205] Die USA erklärten sich ferner „zutiefst besorgt“ über den deutlichen Anstieg an Gewalttätigkeiten gegenüber palästinensischen Zivilisten im besetzten Westjordanland. Die US-Botschafterin bei der UNO, Linda Thomas-Greenfield, veröffentlichte eine Erklärung in den sozialen Medien, die Israel dazu aufforderte, diese Angriffe zu unterbinden.[206]

Das von der Hamas geführte Gesundheitsministerium gab an, dass sich die Zahl der Todesopfer im Gazastreifen seit Kriegsbeginn auf 8.525 erhöht habe, darunter befänden sich 3.542 Kinder und 2.187 Frauen. Laut dem Sprecher Ashraf al-Qidra ist auch der Hauptstromgenerator im von Indonesien finanzierten und in Nordgaza liegenden Krankenhaus von Bait Lahiya aufgrund Treibstoffmangels ausgefallen.[207]

Die israelische Polizei gab bekannt, dass bislang 826 bei den Anschlägen in Israel getötete Zivilisten identifiziert und 732 davon zur Beerdigung freigegeben worden seien. Den Angaben nach handelt es sich um einen langsamen Prozess, da viele der Opfer schwere Verbrennungen oder Verstümmelungen aufwiesen. Zudem wurden bislang auch die Namen von 317 Soldaten und 58 Polizisten bekanntgegeben, die durch den Terrorangriff oder bei den anschließenden Kämpfen getötet wurden.[208][209] Das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) meldete, dass drei weitere ihrer Mitarbeiter von Luftschlägen getötet worden sein, „während sie daheim bei ihren Familien“ gewesen seien; die Gesamtzahl getöteter UNRWA-Mitarbeiter beliefe sich nun auf 67.[210]

November 2023 Bearbeiten

1. November Bearbeiten

Am Morgen gaben die IDF bekannt, dass am Vortag 13 Soldaten der Givʿati-Brigade und zwei Soldaten des 7. Panzerbataillons bei verschiedenen Kampfhandlungen im Norden des Gazastreifens getötet worden seien, zudem berichteten sie von mindestens sieben Verwundeten.[211] Die Armee verkündete darüber hinaus, dass seit Beginn des Krieges rund 11.000 Ziele der Hamas und anderer Terrororganisationen im Gazastreifen angegriffen worden seien.[212][213][214][215] Itzik Cohen, Kommandeur der 162. IDF-Division, teilte am Nachmittag mit, dass sich israelische Streitkräfte tief im Gazastreifen und vor den Toren von Gaza-Stadt befänden.[216] Der Verantwortliche sämtlicher Panzerabwehrraketeneinheiten der Hamas im Gazastreifen, Muhammad A’sar, wurde bei einem Luftangriff getötet.[217] Am Abend gab der IDF-Sprecher Daniel Hagari bekannt, dass der Bodeneinsatz nach Plan verlaufe und die Frontverteidigungslinien der Hamas im Norden des Gazastreifens durchbrochen worden seien.[218] Aufgrund mehrerer gegen Südisrael durchgeführter Raketen- und Drohnenangriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen verstärkte die israelische Marine das Gebiet um das Rote Meer mit Flugkörperschnellbooten. Erst am Morgen war ein anfliegendes Objekt in der Nähe der Stadt Eilat abgefangen worden, am Vortag hatte das Militär eine Rakete und zwei Drohnen über dem Roten Meer zerstört.[219] Entlang der libanesischen Grenze kam es erneut zu Kampfhandlungen, wobei Mörsergranaten und Panzerabwehrraketen auf israelisches Gebiet abgefeuert wurden, worauf Israel unter anderem mit Panzerbeschuss antwortete.[220][221]

Nach Angaben palästinensischer Gesundheitsbehörden wurden über Nacht vier Palästinenser bei Zusammenstößen mit israelischen Streitkräften im Westjordanland getötet und Atta Abu Rumaila, Fatah-Generalsekretär von Dschenin, verhaftet. Die israelische Armee bestätigte, einen Drohnenangriff in Dschenin gegen terroristische Ziele durchgeführt zu haben.[222] Die Palästinensische Autonomiebehörde rief daraufhin zum Generalstreik im Westjordanland und in Ostjerusalem auf. Berichten zufolge wurden seit dem Angriff der Hamas auf Südisrael 122 Palästinenser im Westjordanland durch die IDF oder in einigen Fällen durch Siedler getötet sowie mehr als 1.000 Palästinenser festgenommen.[223] Laut der Organisation Reporter ohne Grenzen wurden seit Beginn des Krieges 34 Journalisten getötet, davon 12 in Ausübung ihrer Tätigkeit, davon 10 in Gaza sowie jeweils einer in Israel und Libanon. Der für Ynet berichtende israelische Journalist Roee Idan wurde beim Angriff der Hamas auf Kfar Azza ermordet,[224] der für Reuters arbeitende Issam Abdallah starb im Südlibanon durch israelischen Beschuss.[225] Die Fälle Idan und Abdallah werden von der Organisation, zusammen mit acht palästinensischen Journalisten, die bei Luftangriffen auf zivile Gebiete in Gaza getötet worden waren, als Kriegsverbrechen eingestuft, weshalb eine Beschwerde an den Internationalen Strafgerichtshof eingereicht wurde.[226]

Es kam erstmals seit Beginn des Anschlags auf Israel am 7. Oktober zur Öffnung des Grenzüberganges Rafah nach Ägypten, um rund 400 Menschen mit ausländischem Pass ein Verlassen des Gazastreifens zu ermöglichen.[227] Die Öffnung wurde von Katar und in Abstimmung mit den USA zwischen Ägypten, Israel und der Hamas vermittelt. Zudem wurden auch 90 schwer Verletzte evakuiert, die in Ägypten in ein Lazarett aufgenommen wurden.[228]

Jordanien beorderte seinen Botschafter aus Israel zurück und teilte Israel gleichzeitig mit, dass der israelische Botschafter nicht vor Beendigung des Krieges und der humanitären Krise in Gaza nach Jordanien zurückkehren sollte.[229] Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell erklärte via X, er sei „entsetzt“ über die hohe Opferzahl beim Beschuss des Flüchtlingscamps Dschabaliya.[230]

Großbritanniens Außenminister James Cleverly zeigte sich entsetzt über die Ankündigung der Hamas, Massaker wie am 7. Oktober wiederholen zu wollen, wie er auf der Plattform X schrieb. Er veröffentlichte dazu ein Video des Sprechers der Hamas, Ghazi Hamad, in dem dieser unter anderem davon sprach, das Land Israel „beseitigen“ zu wollen. Das Massaker vom 7. Oktober sei nur das erste Mal gewesen und es werde weitere Male geben, kündigte Hamad darin an.[227] Durch die Gegenangriffe Israels sind die (zivilen) Telekommunikationsverbindungen in Gaza seit Ende Oktober 2023 gestört bzw. vorübergehend vollständig unterbrochen.[231][232] Das Angebot von Elon Musk, Kommunikation mit Hilfe von Starlink für die UN-Hilfsorganisationen in Gaza zur Verfügung zu stellen, wurde von Israel kritisiert.[233]

Bei einem zweiten Luftangriff auf das Flüchtlingslager Dschabaliya wurden laut dem von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium im Gazastreifen erneut „Dutzende“ Menschen getötet und verletzt.[234] UN-Vertreter verurteilten die Angriffe, das UN-Menschenrechtsbüro sagte: „Angesichts der hohen Zahl ziviler Opfer und des Ausmaßes der Zerstörung […] sind wir ernsthaft besorgt, dass es sich um unverhältnismäßige Angriffe handelt, die Kriegsverbrechen darstellen könnten.“ Ein Militärsprecher Israels sagte, dass die Hamas sich dort absichtlich hinter ziviler Infrastruktur verstecke, daher sei die israelische Armee in einem Dilemma. Die Hamas wolle „dieses Bild der Zerstörung“.[234]

2. November Bearbeiten

Über Nacht kam es nach IDF-Angaben zu schweren Kämpfen zwischen Truppen der Golani- und der Nachal-Brigade mit Terroristen der Hamas, welche Sprengsätze, Granaten und Raketen eingesetzt hätten. Die IDF führte Artillerie- und Panzerbeschuss sowie Angriffe der Luftwaffe und der Marine durch. Weiterhin wurden Hamas-Standorte im Gazastreifen, darunter Waffenproduktions- und -lagerstätten, sowie Abschusspositionen für Raketen und Drohnen angegriffen.[235] Im Zuge der Kampfhandlungen wurden auf Seiten der IDF unter anderem ein Bataillonskommandeur der 188. Panzerbrigade und ein Kompaniechef der Jerusalem-Brigade getötet.[236][237]

Der israelische Militärsprecher Daniel Hagari meldete gegenüber Medien die vollständige Umzingelung von Gaza. Netanjahu sprach von beeindruckenden Erfolgen, man hätte die Außenbezirke von Gaza passiert. Der Hamas-Militärsprecher Abu Obaida sagte dazu: „Ihre Soldaten werden in schwarzen Taschen zurückkehren.“[238]

Der IDF-Generalstabschef Herzi Halewi meldete am Nachmittag, dass israelische Bodentruppen bereits in das umzingelte Gaza-Stadt eingedrungen seien und sich im dichten Stadtgebiet Nahkämpfe mit Terroristen lieferten, wobei sie von der Aufklärung, Luftwaffe und Marine unterstützt würden.[239] Armeeingenieure hätten zudem mit einer groß angelegten Operation zur Zerstörung von Hamas-Tunneln in Gebieten des Gazastreifens begonnen.[240]

Die Hamas ihrerseits verbreitete Gefechtsaufnahmen, in welchen ein Panzervernichtungstrupp aus einem Tunnelschacht klettert und einen israelischen Panzer mit zwei Panzerabwehrhandwaffen bekämpft.[241] Durch diese Tunnel ist es Hamas-Kämpfern teilweise möglich, sich unbemerkt an israelische Soldaten und Panzer anzunähern.

Das von der Hamas geführte Gesundheitsministerium in Gaza gab an, dass seit Kriegsausbruch 9.061 Menschen im Gazastreifen getötet worden seien, darunter 3.760 Personen unter 18 Jahren.[242] Im Gouvernement Tulkarm im Westjordanland wurde ein israelischer Zivilist erschossen. Die Tat wird von den Behörden als Terroranschlag eingestuft.[243] Etwa 400 Ausländer und Palästinenser mit doppelter Staatsangehörigkeit verließen den Gazastreifen in Richtung Ägypten, wie der ägyptische Rote Halbmond der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Zudem sei für den Tag die Ausreise von 200 weiteren Haltern ausländischer Pässe geplant.[244]

An der israelischen Nordgrenze kam es nach IDF-Angaben erneut zu libanesischem Beschuss in den Gegenden der Schebaa-Farmen, des Hermon-Massivs und des Kibbuz Manara; zudem sei eine Rakete auf eine unbemannte israelische Drohne abgefeuert worden. Das israelische Militär habe daraufhin die Abschusspositionen im Südlibanon unter Beschuss genommen.[245][246] Gegen Mittag teilte die UNFIL mit, dass zwei libanesische Hirten durch Kreuzfeuer ums Leben gekommen seien. Die Zahl toter libanesischer Zivilisten stieg damit auf zehn.[244] Ein Sprecher der vom Iran unterstützten und ursprünglich in Syrien operierenden Miliz „Imam-Hussein-Brigade“ gab bekannt, zur Unterstützung der Hisbollah im Südlibanon eingetroffen zu sein.[247] Eine im Libanon gestartete Rakete traf am Abend ein Einkaufsviertel der Kleinstadt Kirjat Schmona, wobei Brände ausbrachen und mindestens zwei Menschen verletzt wurden.[248]

Das von der Hamas geführte palästinensische Pressebüro sagte, bei den beiden Angriffen auf das Flüchtlingslager in Dschabaliya am 31. Oktober und 1. November seien insgesamt mindestens 195 Palästinenser getötet worden. Weitere 120 seien vermisst und unter dem Schutt begraben und mindestens 777 weitere seien verwundet worden.[249]

Der von der Hamas geführte Zivilschutz berichtete erneut ein israelischer Luftangriff auf das Flüchtlingslager Bureij mit 15 Toten.[250] Insgesamt wurden laut einem UNRWA-Sprecher am 2. November vier als Zufluchtsstätten genutzte UN-Schulen von israelischen Streitkräften angegriffen, drei in Nord-Gaza und eine in Bureij in der südlichen Zone, in welche die Zivilbevölkerung der nördlichen Regionen hatte fliehen sollen.[251] Nach wiederholtem Beschuss von jenseits der Grenze attackierte das Militär eigenen Angaben zufolge gegen Abend erneut Hisbollah-Stellungen im Libanon. Ziel seien unter anderem deren Waffenlager, Kommandoposten und ein Militärgelände gewesen. Die Organisation hatte sich zuvor zu 19 Angriffen auf israelische Stellungen bekannt. Wenig später starben vier weitere libanesische Zivilisten durch Beschuss.[244]

Das israelische Militär gab bekannt, es habe einen Telefonmitschnitt zwischen einem Hamas-Kommandeur und einem palästinensischen Zivilisten, in dem es offenbar darum geht, dass die radikal-islamistische Organisation Mitarbeiter eines Krankenhauses im nördlichen Gazastreifen angewiesen haben soll, ihr den verbliebenen Treibstoff zu überlassen. Zuvor hatte das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium mitgeteilt, im Indonesischen Krankenhaus in Beit Lahia sei der Stromgenerator ausgefallen.[252]

3. November Bearbeiten

Über Nacht führten israelische Bodentruppen der Nachal-Brigade Angriffe gegen Hamasterroristen im nördlichen Gazastreifen durch, wobei sie Feuerunterstützung durch Kampfflugzeuge, Kampfhubschrauber und Artillerie erhielten. Dabei wurden nach IDF-Angaben mehrere Terroristen getötet, darunter der Hamas-Kommandeur Mustafa Dalloul. In Beit Hanun wurden nach IDF-Angaben bei Durchsuchungen durch die 551. IDF-Brigade Waffen, Munition, Kartenmaterial und Kommunikationsausrüstung der Hamas aufgefunden.[253] Die Spezialeinheit Jahalom habe zudem, unterstützt durch Infanterie- und Panzereinheiten, mehrere Tunneleingänge freigelegt. Es wurden Videoaufnahmen von der Sprengung einer Tunnelanlage veröffentlicht.[254] Am Nachmittag erklärten die IDF, im Laufe des Tages zahlreiche Terroristen getötet zu haben, darunter solche, die aus Tunnelanlagen heraus Angriffe durchgeführt hätten.[255]

Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten bestätigten auf Anfragen von Journalisten, dass die US-Armee über dem Gazastreifen unbewaffnete Reaper-Drohnen zur Aufklärung einsetze. Die unbemannten Flugzeuge setze man, so die offiziellen Angaben, seit dem Hamas-Überfall auf Israel Anfang Oktober 2023 zur Suche nach Geiseln ein, die von der Hamas aus Israel entführt worden seien. Sie würden nicht dazu benutzt, Israel bei der Koordinierung von Militäraktionen zu helfen; lediglich Informationen zur Geiselbefreiung würden an Israel weitergegeben.[256]

Der Palästinensische Rote Halbmond (PRCS) verurteilte den Beschuss eines Krankenwagenkonvois direkt vor dem Eingang zum Al-Schifa-Krankenhaus, bei dem nach seinen Angaben 15 Menschen getötet und mehr als 60 weitere verwundet wurden.[257] Ein weiterer Krankenwagen sei in etwa einem Kilometer Entfernung von dem Krankenhaus beschossen worden.[257] Das israelische Militär bestätigte einen Angriff auf einen Krankenwagen. Soldaten seien davon ausgegangen, dass der Wagen von einer Hamas-Einheit im Kampfgebiet eingesetzt werde. Bei dem Angriff seien mehrere Hamas-Terroristen getötet worden, so die Armee. Man habe Informationen, die belegten, dass die „Vorgehensweise der Hamas darin besteht, Terroristen und Waffen in Krankenwagen zu transportieren“, hieß es weiter.[258] In seiner Erklärung zu dem Vorfall nannte das israelische Militär keine Beweise für seine Behauptung, dass der Krankenwagen mit der Hamas in Verbindung gestanden habe, erklärte aber, dass es weitere Informationen veröffentlichen wolle.[257] Es wurde bekannt, dass sich ein russisches Flugabwehrsystem auf dem Weg von Syrien zur Hisbollah im Libanon befinden solle.[259]

4. November Bearbeiten

Die Gefechte mit der Hisbollah-Miliz im Libanon gingen weiter. Am Morgen beschoss das israelische Militär nach eigenen Angaben Stellungen für Angriffe auf Israel und einen Beobachtungsposten. Bewohner des Südlibanons sprachen von den schwersten Luftangriffen seit Beginn des Gaza-Krieges.[260] Die Kassam-Brigaden teilten mit, eine Rakete auf das relativ weit vom Gazastreifen entfernte Eilat geschossen zu haben.[260]

Die IDF gaben bekannt, am Tag rund 120 Ziele der Hamas im Gazastreifen angegriffen zu haben.[261] IDF-Generalstabschef Herzi Halewi führte eine Inspektion der Streitkräfte im Gazastreifen durch.[262] Die Hamas gab bekannt, dass sie sich Kämpfe mit israelischen Truppen im südlichen Stadtteil Tel al-Hawa von Gaza-Stadt geliefert habe.[263] Die israelische Armee soll nach eigenen Angaben bei Kämpfen im Gazastreifen dutzende Hamas-Kämpfer getötet, deren Waffen entdeckt sowie Tunnelschächte freigelegt haben.[260] Die IDF bestätigten auch eine begrenzte Operation im südlichen Gazastreifen unter der Führung der Gaza-Division.[264]

Eine UNRWA-Sprecherin bestätigte palästinensische Meldungen, dass Israel eine von der UN betriebene Schule in Dschabaliya in Nord-Gaza angegriffen habe[265] und dabei auch Kinder ums Leben gekommen seien.[260] Laut dem Gesundheitsministerium von Gaza wurden mindestens 15 Menschen getötet und viele weitere verletzt.[265] Das israelische Militär erklärte, einer vorläufigen Untersuchung zufolge habe es die Anlage nicht gezielt angegriffen. Es sei jedoch möglich, dass eine Explosion auf diesem Gelände Folge eines israelischen Angriffs auf ein anderes Ziel gewesen sei. Die Untersuchung des Vorfalls dauere an.[260]

Nach Angaben aus dem Umfeld des Ägyptischen Roten Halbmonds wurde die Ausreise verletzter Palästinenser sowie von Personen mit fremder Staatsbürgerschaft aus dem Gazastreifen einstweilig gestoppt. Grund sei die Weigerung Israels, verletzte Palästinenser in ägyptische Krankenhäuser bringen zu lassen, wie ein Vertreter der Grenzübergangsverwaltung der Nachrichtenagentur AFP sagte. Nach US-Angaben versuchte die Hamas, über den zeitweise geöffneten Grenzübergang Rafah verletzte eigene Kämpfer aus dem Gazastreifen nach Ägypten auszuschleusen. Ägypten kündigte am Donnerstag an, bei der Evakuierung von „etwa 7000“ Ausländern und Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft aus dem Palästinensergebiet zu helfen.[260]

Der amerikanische Außenminister Blinken traf in der jordanischen Hauptstadt Amman Vertreter arabischer Staaten, darunter den stellvertretenden Ministerpräsidenten des Libanon, Miqati, sowie die Außenminister von Katar, Jordanien, Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Während die Vereinigten Staaten eine Feuerpause weiterhin ablehnen, forderten mehrere der arabischen Vertreter nach dem Treffen eine sofortige Waffenruhe. Der türkische Staatschef Erdoğan erklärte, der israelische Premierminister Netanjahu sei fortan kein Gesprächspartner mehr für ihn, er wolle aber die diplomatischen Beziehungen zu Israel nicht abbrechen. Allerdings zog die Türkei an demselben Tag ihren Botschafter aus Israel ab und erwiderte damit einen analogen Schritt Israels vom Vormonat. Im weiteren Verlauf des Tages kündigte Erdoğan an, Ende November den iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi zu Gesprächen über den Konflikt zu erwarten. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur gab bekannt, dass Machthaber Ajatollah Ali Chamenei den Chef des politischen Büros der Hamas, Ismail Haniyya, in Teheran empfangen habe. Wann das Treffen stattgefunden haben soll, wurde nicht präzisiert.[260]

5. November Bearbeiten

Nach israelischen Armeeangaben hat die 36. Division, deren Aufgabe die Einkreisung von Gaza-Stadt darstelle, innerhalb einer Woche rund 1.600 Hamas-Ziele angegriffen und bei den Kämpfen mehr als 300 Terroristen getötet, wobei es aus den von der Division besetzten Gebieten zu keinem Raketenabschuss auf Israel mehr gekommen sei. Die Division sei mit der Aufspürung und Zerstörung von Tunnelanlagen in ihrem Bereich beschäftigt, welche von der Hamas für Bewegungen und Hinterhalte genutzt würden. Die Division habe außerdem festgestellt, dass die Hamas in letzter Zeit Schwierigkeiten hatte, größere organisierte Angriffe auf IDF-Truppen durchzuführen.[266] Der IDF-Sprecher Daniel Hagari bestätigte, dass Gaza-Stadt vollständig eingekreist und die Küstenenklave in eine Nord- und Südhälfte gespalten worden sei.[267] Zudem würden umfangreiche Angriffe auf die Terror-Infrastruktur, sowohl unter der Erde als auch über der Erde, stattfinden.[268] Die israelische Armee gab bekannt, die Saladin-Straße wieder für die Evakuierung von Zivilisten aus dem nördlichen Gazastreifen geöffnet zu haben.[269]

In der Nacht wurde zudem der Journalist Mohammad Abu Hassir in Gaza-Stadt getötet. Er kam mit mehreren seiner Familienmitglieder bei einem Luftangriff auf sein Haus um.[270]

Bei nächtlichen Razzien im Westjordanland wurden laut IDF-Angaben 36 gesuchte Palästinenser, darunter 18 Hamas-Mitglieder, festgenommen. Dabei war es in Dschenin und Hebron zu Zusammenstößen gekommen. In Abu Dis wurde Nabil Halabia, laut IDF-Angaben ein dem IS nahestehender Palästinenser bei einem Festnahmeversuch erschossen. Nach Angaben der IDF haben israelische Truppen seit dem 7. Oktober im gesamten Westjordanland 1.350 gesuchte Palästinenser festgenommen, darunter mehr als 850, die der Hamas nahe stehen. Laut Gesundheitsministerium der Palästinensischen Autonomiebehörde wurden in diesem Zeitraum mehr als 130 Palästinenser im Westjordanland von israelischen Streitkräften oder in einigen Fällen von israelischen Siedlern getötet.[271]

Der israelische Minister für Kulturerbe, Amihai Eliyahu, Mitglied der als rechtsextremistisch und jüdisch-suprematistisch[272][273] charakterisierten Partei Otzma Jehudit, führte in einem Interview mit dem religiösen Radiosender Kol BaRama aus, der Abwurf einer Atombombe auf den Gazastreifen sei „eine Option“, was einen politischen Eklat auslöste. Weiterhin erklärte er unter anderem, „unbeteiligte Zivilisten“ gebe es im Gazastreifen nicht und die palästinensische Bevölkerung könne „nach Irland oder in die Wüste gehen, die Monster in Gaza sollten selbst eine Lösung finden“.[274] Oppositionsführer Jair Lapid forderte daraufhin Eliyahus Entlassung.[274] Das Weiße Haus äußerte, derartige Bemerkungen würden den eigenen Bemühungen schaden. Der israelische Ministerpräsident Netanyahu nannte die Ausführungen Eliyahus zunächst „realitätsfern“ und suspendierte Eliyahu schlussendlich „bis auf Weiteres“ vom Koalitionskabinett.[275] Der israelische Verteidigungsminister Joaw Galant schrieb, es sei „gut, dass dies nicht die Menschen sind, die an der Sicherheit Israels beteiligt sind“ – Eliyahu war nicht Teil des ausgerufenen Koalitionskriegskabinetts. Eliyahus Radiointerview wurde in der gesamten arabischen Welt verurteilt.

In der Nähe des Kibbuz Yiftah an der libanesischen Grenze wurde ein israelischer Zivilist durch Raketenbeschuss der Hisbollah getötet.[276] Libanesische Medien erklärten, Israel habe im Libanon zwei Zivilfahrzeuge beschossen, und dabei eine Frau und drei Kinder getötet, wobei ein Fahrzeug verbrannt worden sei. Weitere Personen, darunter die Mutter, seien verletzt worden. Israel erklärte, die Angriffe hätten sich gegen eine Terrorzelle gerichtet.[277] Zudem schoss die Organisation im Laufe des Tages 13 Raketen auf die teilweise evakuierte Grenzstadt Kirjat Schmona, wobei sieben Raketen im Stadtgebiet einschlugen und schwere Schäden an Bauwerken verursachten.[278]

UN-Organisationen, darunter das Nothilfebüro (OCHA), das Flüchtlingshilfswerk (UNHCR), das Kinderhilfswerk (Unicef), die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Welternährungsprogramm (WFP), sowie die Hilfsorganisationen Care und Save the Children verurteilten in einer gemeinsamen Erklärung die Tötung Tausender Zivilisten in Gaza und forderten eine sofortige Feuerpause.[279]

6. November Bearbeiten

Nach Angaben der IDF wurden am vergangenen Tag mehr als 450 Hamas-Ziele im Gazastreifen angegriffen, darunter Tunnelanlagen, Beobachtungsposten und Raketenabschusspositionen. Zudem hätten die IDF über Nacht eine Hamas-Hochburg eingenommen, wobei mehrere Terroristen, darunter der Leiter der Sonderoperationen der Hamas, sowie der Kommandeur des Hamas-Bataillons Dair al-Balah getötet worden seien.[280] Militärsprecher kündigten die nächste Phase in Israels Krieg gegen die Hamas an. Sie solle in Angriffen auf die Hamas in ihren Tunneln und Bunkern bestehen, jedoch im nördlichen Gazastreifen.[281] IDF-Sprecher Daniel Hagari erklärte zudem, dass die israelischen Streitkräfte tief nach Gaza-Stadt eingedrungen seien und dort den Druck auf die Hamas erhöht hätten.[282]

Das von der Hamas betriebene Gesundheitsministerium in Gaza gab bekannt, es seien seit Beginn des Kriegs mehr als 10.000 Menschen in Gaza getötet worden, darunter über 4.000 Minderjährige.[283] Diese Zahlenangaben konnten nicht unabhängig überprüft werden, wurden aber von der Weltgesundheitsorganisation als glaubwürdig eingestuft.[283] UNO-Generalsekretär Guterres sagte: „Der Gazastreifen wird zu einem Friedhof für Kinder.“ Die Angriffe des israelischen Militärs träfen Krankenhäuser, Flüchtlingslager, Moscheen, Kirchen und UNO-Einrichtungen. Das Völkerrecht, das den Schutz von Zivilisten fordere, werde eindeutig verletzt. Keine Partei eines bewaffneten Konflikts stehe über dem Völkerrecht.[284]

Nach den Raketenangriffen der Hisbollah am Vortag auf die größtenteils evakuierte Grenzstadt Kirjat Schmona forderte die Stadtverwaltung auch die restlichen rund 3.000 von ursprünglich 20.000 Bewohnern zum Verlassen des Orts auf.[285]

Die israelische Polizei gab am Vormittag bekannt, dass zwei Angehörige der Grenzpolizei, ein Mann und eine Frau, durch eine Messerattacke am Herodestor in Jerusalem verletzt worden seien. Der Angreifer, ein 16-jähriger Palästinenser aus Ostjerusalem, sei erschossen worden. Die Beamtin erlag im Laufe des Tages ihren Verletzungen.[286][287][288] Weiterhin gab die Polizei bekannt, dass am Vormittag vier bewaffnete Männer in Tulkarm im Westjordanland von Angehörigen der Spezialeinheit JAMAM getötet worden seien.[289] Die bekannte palästinensische Aktivistin Ahed Tamimi wurde wegen des Vorwurfs, zu Gewalttaten aufzurufen und zu terroristischen Aktivitäten zu verleiten, durch israelisches Militär festgenommen. Israelischen Medienberichten zufolge soll Tamimi vor rund einer Woche auf Instagram zum Mord an israelischen Siedlern im besetzten Westjordanland aufgerufen haben. In einer Instagram-Story schrieb die Palästinenserin demnach: „Wir warten auf euch in allen Städten des Westjordanlands, von Hebron bis Dschenin – wir werden euch abschlachten und ihr werdet sagen, dass das, was Hitler euch angetan hat, ein Witz war, wir werden euer Blut trinken und eure Schädel essen, kommt schon, wir warten auf euch.“[290] Das Wall Street Journal berichtete, die USA wollten Israel „Spice Family Gliding Bomb Assemblies“, eine Art von präzisionsgelenkten Waffen, die von israelischen Jets abgefeuert werden, im Wert von 320 Millionen US-Dollar übergeben. Gemäß der Vereinbarung würde der Waffenhersteller Rafael USA die Bomben über seine israelische Muttergesellschaft Rafael Advanced Defense Systems an das israelische Verteidigungsministerium senden.[291]

Human Rights Watch forderte am 6. November ein Waffenembargo gegen Israel und Hamas. „Länder, die Waffen liefern, riskieren Mitschuld an schweren Menschenrechtsverletzungen“, warnte die Organisation. Israels wichtigste Verbündete – die Vereinigten Staaten, Deutschland, Großbritannien und Kanada – sollten ihre „Militärhilfen und Waffenverkäufe an Israel aussetzen, solange die israelischen Streitkräfte ungestraft umfangreiche, schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen begehen, die Kriegsverbrechen gegen die palästinensische Zivilbevölkerung gleichkommen. Der Iran und andere Regierungen sollten die Lieferung von Waffen an bewaffnete palästinensische Gruppen, einschließlich der Hamas und des Islamischen Dschihad, einstellen, solange diese systematisch Angriffe verüben, die Kriegsverbrechen gegen israelische Zivilist*innen darstellen.“[292][293]Südafrika beorderte seinen Botschafter aus Israel zurück und beschuldigte Israel des Völkermords in Gaza.[294]

7. November Bearbeiten

Nach Angaben der IDF nahmen israelische Bodentruppen der Nachal-Brigade einen militärischen Außenposten der Hamas im Zentrum von Gaza-Stadt ein und lokalisierten auf dem Gelände Raketen, andere Waffen und Geheimdienstmaterial. In der Nacht und den Morgenstunden seien zudem dutzende Terrorziele im Gazastreifen durch die Luftwaffe und die Marine getroffen worden, darunter eine Gruppe Hamas-Kämpfer in einem Gebäude in der Nähe des Al-Quds-Krankenhauses im Stadtteil Shejaiya in Gaza-Stadt. Dabei kam es nach IDF-Angaben zu „erheblichen Sekundärexplosionen“, vermutlich aufgrund des Vorhandenseins eines Waffendepots der Hamas.[295]

Bei der Vorbereitung der Zerstörung des Hauses der Familie jenes 16-jährigen Palästinensers, der am Vortag eine Grenzpolizistin getötet und einen Grenzpolizisten verletzt hatte, kam es zu Zusammenstößen, bei denen nach palästinensischen Medienberichten im Dorf Sa’ir ein Palästinenser getötet wurde.[296] Am Vormittag meldete die Polizei, dass eine Palästinenserin, eingehüllt in eine Hamas-Flagge und mit einem Messer bewaffnet, am Kontrollpunkt Qalandia bei Jerusalem angeschossen und verletzt worden sei, nachdem sie den Anweisungen der Sicherheitskräfte nicht Folge geleistet habe.[297] Nach Angaben des Militärs nahmen israelische Sicherheitskräfte über Nacht im Westjordanland elf Mitglieder der Hamas fest. Dabei seien in Tulkarm versteckte Sprengstoffe und ein Waffenlager entdeckt worden.[298]

Die WHO berichtete, mehr als 160 Mitarbeiter im Gesundheitswesen seien während ihres Einsatzes im Gazastreifen getötet worden. „Das sind die Menschen, die das Gesundheitssystem am Laufen halten“, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier. Medizinische Hilfe müsse dringend in das Gebiet gelangen; Ärzte in Gaza seien jetzt teilweise dazu gezwungen, Operationen, selbst Kaiserschnitte[299] und Amputationen,[300] ohne Betäubung vorzunehmen.[301] Die WHO sieht laut Sprecher Christian Lindmeier keinen Grund, die vom Gesundheitsministerium in Gaza veröffentlichten Zahlen für Verwundete, Tote und Kranke grundlegend anzuzweifeln.[299] Das Komitee zum Schutz von Journalisten meldete, bis zum 6. November seien 37 Journalisten und Medienmitarbeiter in den besetzten palästinensischen Gebieten ums Leben gekommen. Dies sei der tödlichste Zeitraum für Journalisten, die über den Konflikt berichten, seit das Komitee 1992 mit der Aufzeichnung der Zahlen begann. „Es gibt keinen wirklichen Präzedenzfall dafür“, sagte Arlene Getz, die Redaktionsleiterin des Komitees.[302]

Der Ministerpräsident Netanjahu wandte sich im Kirya-Militärhauptquartier in Tel Aviv an die Nation und teilte mit, dass es ohne die Freilassung der Geiseln keinen Waffenstillstand geben werde und dass die Militär- und Regierungsfähigkeiten der Hamas zerstört würden. Gleichzeitig warnte er die Hisbollah vor der Eröffnung einer neuen Front im Norden Israels.[303] Die IDF teilten mit, bislang mehr als 14.000 Ziele im Gazastreifen angegriffen und mehr als 100 Tunneleingänge zerstört zu haben.[304]

8. November Bearbeiten

Nach Armeeangaben gelang der 252. IDF-Reservedivision die Einnahme des Gebietes Beit Hanun im Norden des Gazastreifens, zudem habe sie sich an den Kämpfen um Dschabaliya beteiligt. Nach IDF-Angaben sei es das erste Mal seit dem Libanonkrieg 1982, dass eine IDF-Reservedivision geschlossen außerhalb israelischen Territoriums operiere.[305] Nach Angaben der IDF haben Truppen seit Beginn der Bodenoperation etwa 130 Tunnelschächte im Gazastreifen lokalisieren und zerstören können.[306] Muhsin Abu Zina, laut Armeeangaben einer der Führungspersönlichkeiten im Waffenproduktionsapparat der Hamas, wurde bei einem Luftangriff getötet.[307]

Die israelischen Behörden haben eine 47-minütige Zusammenstellung einiger der Gräueltaten des Angriffs der Hamas am 7. Oktober auf Südisrael unter anderem der Redaktion der New York Times, Mitarbeitern des Weißen Hauses, sowie den Leitern westlicher Geheimdienste, darunter CIA und MI5, vorgeführt. Der Zusammenschnitt, der größtenteils aus Bodycam-Aufnahmen getöteter Terroristen besteht, wird als Teil der israelischen Öffentlichkeitsarbeit verwendet.[308]

Nach UN-Angaben habe die Zahl der aus der Kampfzone im nördlichen Gazastreifen flüchtenden palästinensischen Zivilisten stark zugenommen. Laut UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten flohen am 7. November etwa 15.000 Menschen, verglichen mit 7.000 am 5. November, während eines vom israelischen Militär täglich festgelegten Zeitfensters über die Hauptstraße Salah al-Din in den Süden des Gazastreifens. Bei den meisten Flüchtenden handelte es sich nach Angaben der UN-Agentur um Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen.[309][310] Am 8. November flüchteten nach IDF-Angaben rund 50.000 Menschen in den Süden.[311]

Nach Angaben der israelischen Streitkräfte haben Truppen bei nächtlichen Razzien im gesamten Westjordanland 37 gesuchte Palästinenser, darunter zehn Hamas-Mitglieder, festgenommen, wodurch sich die Anzahl der Festnahmen im gesamten Westjordanland seit dem 7. Oktober auf rund 1.430 erhöht habe. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums der Palästinensischen Autonomiebehörde wurden seit dem 7. Oktober mindestens 155 Palästinenser im Westjordanland von israelischen Streitkräften und in einigen Fällen von Siedlern getötet.[312]

Der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Volker Türk, warf Hamas und Israel Kriegsverbrechen vor. „Die Gräueltaten, die von bewaffneten palästinensischen Gruppen am 7. Oktober begangen wurden, waren abscheulich, das waren Kriegsverbrechen, genauso wie die andauernde Geiselnahme. Die kollektive Bestrafung Israels von palästinensischen Zivilisten ist auch ein Kriegsverbrechen, genauso wie die rechtswidrige gewaltsame Evakuierung von Zivilisten.“ Auch UN-Generalsekretär António Guterres erneuerte seine Kritik an Israel. Hamas begehe zwar Verstöße wie die Verwendung von Menschen als Schutzschilde, aber „wenn man sich die Zahl der Zivilisten ansieht, die bei den Militäreinsätzen getötet wurden, dann läuft etwas offensichtlich falsch.“[313]

Die Tagesschau berichtete, das Bundeswirtschaftsministerium habe verlauten lassen, dass die deutsche Bundesregierung eine Verzehnfachung der Rüstungsexporte nach Israel erlaubt habe; die Ausfuhr von Rüstungsgütern nach Israel werde prioritär bearbeitet und beschieden. Exporte im Wert von rund 32 Millionen Euro seien demnach auf knapp 303 Millionen Euro im Jahr 2023 gestiegen. Der größte Teil davon sei nach Kriegsbeginn bewilligt worden.[314]

Belgiens Vize-Ministerpräsidentin Petra De Sutter forderte Sanktionen gegen Israel und eine Untersuchung der Bombardierung von Krankenhäusern und Flüchtlingslagern in Gaza. „Es ist Zeit für Sanktionen gegen Israel. Der Bombenregen ist unmenschlich.“[315]

9. November Bearbeiten

Nach Angaben der IDF haben Truppen der Nachal-Brigade nach zehnstündigen Kämpfen eine Hochburg der Hamas und des Islamischen Dschihad in Palästina, bekannt als Außenposten 17, im Westen von Dschabaliya erobert. Dabei seien dutzende Terroristen getötet, sowohl oberirdisch als auch in Tunneln, sowie zahlreiche Waffen gefunden und Tunnelschächte freigelegt worden.[316] Zudem seien im Stadtteil Sheikh Radwan in Gaza-Stadt eine Drohnenproduktionsanlage und ein Waffendepot der Hamas eingenommen worden.[317] Der Hamas-Kommandant für Einsätze mit Panzerabwehrlenkwaffen im zentralen Gazastreifen, Ibrahim Abu-Maghsib, wurde bei einem Luftangriff getötet.[318]

US-Streitkräfte flogen einen Luftangriff auf ein Waffenlager der Iranischen Revolutionsgarden in Syrien, nachdem nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums proiranische Milizen mindestens 40 mal US-Militärstützpunkte in Syrien und Irak mit Drohnen und Raketen angegriffen hatten. US-Verteidigungsminister Lloyd Austin teilte mit, US-Präsident Biden habe den Luftangriff angeordnet, um deutlich zu machen, dass die USA sich selbst, ihr Personal und ihre Interessen verteidigten.[319]

Auch im Westjordanland gingen die Auseinandersetzungen weiter. In der Nacht wurden zwei Israelis bei einem Schusswaffenangriff auf ein Auto verletzt. Die Autonomiebehörde teilte am Nachmittag mit, in Dschenin seien 9 Palästinenser getötet und weitere 13 verletzt worden. Israelische Sicherheitskräfte hätten demnach bewaffnete Einwohner mit einer Drohne attackiert; auch sei eine Mitarbeiterin des roten Halbmonds angeschossen worden.[320]

Israel führte im Norden des Gazastreifens täglich vierstündige Feuerpausen ein. Sie sollten drei Stunden im Voraus angekündigt werden und den verbliebenen Zivilisten die Möglichkeit zur Flucht geben.[321]

10. November Bearbeiten

Gegen Morgen meldete die Hamas gegenüber Al-Jazeera drei israelische Angriffe auf Krankenhäuser, darunter auf das Al-Shifa-Krankenhaus. Im Laufe des Tages soll es hier zu 13 Toten gekommen sein, am Nachmittag laut libanesischer Regierung zudem auf ein Krankenhaus im Libanon.[322] Offiziellen Angaben zufolge schlugen in den frühen Morgenstunden Raketen im Hof des größten Krankenhauses von Gaza, Al-Shifa, ein, beschädigten das Indonesische Krankenhaus und setzten das Nasser Rantissi Kinderkrebskrankenhaus in Brand.[323] Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Gaza sagte, Israel habe die Gebäude des Shifa-Krankenhauses fünfmal bombardiert: „Ein Palästinenser wurde bei dem Angriff am frühen Morgen getötet und mehrere wurden verwundet.“[323]

Laut WHO sind 20 der 36 Krankenhäuser im Gazastreifen zerstört worden, die übrigen arbeiteten nur noch im Notbetrieb.[324] Bei einem Angriff auf die al-Buraq-Schule, die nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza als Zufluchtsstätte für Menschen gedient hat, deren Häuser zerstört worden waren, sollen mindestens 20 Menschen getötet worden sein.[323] In das Al-Schifa-Krankenhaus in der Stadt Gaza sind nach Angaben seines Direktors nach dem Beschuss der al-Buraq-Schule etwa 50 Tote gebracht worden.[324] Der Direktor des Al-Nasr-Krankenhauses und Al-Rantisi-Kinderkrankenhauses sagte, das Krankenhaus sei komplett von Panzern umzingelt, andere Gesundheitseinrichtungen kämen unter Beschuss. Das israelische Militär äußerte sich nicht zu den Angriffen, beschuldigte aber die Hamas, sich hinter ziviler Infrastruktur zu verstecken.[325]

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, forderte von Israel sofortige Maßnahmen zum Schutz der Palästinenser im Westjordanland.[324] Nach israelischen Angaben sind erneut Zehntausende Menschen aus dem umkämpften Norden des Gazastreifens in den Süden geflüchtet.[324] Das UN-Nothilfebüro OCHA warnte vor Ratten- und Insektenplagen im Gazastreifen, weil sich in den Straßen Müllberge türmten.[324] Die stellvertretende Landesdirektorin des Welternährungsprogramms der UN in den Palästinensischen Gebieten beschrieb die Lage in Gaza als „humanitäre Katastrophe“.[324]

Israel öffnete nach Angaben seines Militärs einen zweiten humanitären Korridor, über den Palästinenser aus dem nördlichen Gazastreifen in Richtung Süden fliehen können, die Küstenstraße „Raschid“ sei als Fluchtroute freigegeben worden. Zudem verkündete ein Sprecher der IDF eine Ausweitung des Zeitraums, in dem Zivilisten sicher über die freigegebenen Routen aus dem nördlichen Teil des abgeriegelten Küstengebiets fliehen könnten. Dies sei zwischen 9 und 16 Uhr möglich.[324]

Hatte der Ministerpräsident Netanjahu noch kurz zuvor erklärt, den Gazastreifen nach Kriegsende nicht besetzen zu wollen, erklärte er am 10. November, dass die israelische Armee auch nach Kriegsende die Kontrolle im Gazastreifen haben solle, man wolle diesen nicht internationalen Kräften überlassen.[324] Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock appellierte an die arabischen Golfstaaten, an einer gemeinsamem Initiative für eine Zweistaatenlösung zu arbeiten.[324] Der iranische Außenminister Hossein Amir-Abdollahian warnte vor einer Ausweitung des Nahost-Krieges. Dies sei wegen der zunehmenden „Intensität des Krieges gegen die Zivilbevölkerung in Gaza“ unvermeidlich geworden.[324] US-Präsident Biden sprach sich für die Lieferung von deutlich mehr Hilfsgütern in den Gazastreifen aus.[324] US-Außenminister Antony Blinken kritisierte in einer seiner bis dato direktesten Äußerungen die steigende Zahl der Todesopfer im Gazastreifen: „Es wurden viel zu viele Palästinenser getötet.“ CNN konstatierte, Blinkens Verlautbarungen rückten allmählich von seiner vorherigen ausdrücklichen Unterstützung Israels ab.[325] US-Diplomaten im Nahen Osten warnten das Weiße Haus in privaten Mitteilungen, die starke Unterstützung der israelischen Militäroffensive würde „uns eine Generation der arabischen Öffentlichkeit kosten“, wie aus einer an CNN durchgesickerten Mitteilung hervorging.[325] Erstmals kritisierte der saudische Regierungschef, Mohammed bin Salman, das Vorgehen Israels im Krieg, und forderte ein Ende der Gewalt.[322]

Die IDF gaben an, seit Kriegsbeginn am 7. Oktober etwa 15.000 Ziele von Terrorgruppen im Gazastreifen angegriffen und dabei rund 6.000 Waffen beschlagnahmt oder zerstört zu haben und dass Boden-, Luft- und Seestreitkräfte weiterhin Hamas-Ziele im gesamten Gazastreifen angriffen, darunter Kommandozentralen, Raketenwerfer, Waffendepots, Tunnel und andere von der Terrorgruppe genutzte Infrastruktur.[326] Allein am Vortag hätten Truppen der 7. Panzerbrigade einen Hamas-Außenposten und ein Trainingslager im nördlichen Gazastreifen eingenommen und dabei rund 30 Terroristen getötet.[327] Das Raketenabwehrsystem Arrow 3 sei erstmals erfolgreich gegen anfliegende feindliche Raketen eingesetzt worden, zuvor hatten die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen mitgeteilt, Israel mit Raketen angegriffen zu haben. Als Reaktion auf einen Drohnenangriff auf ein Schulgebäude in der südisraelischen Stadt Eilat griff die israelische Armee eigenen Angaben zufolge ein Ziel in Syrien an. Bei erneutem Grenzbeschuss wurden 5 israelische Soldaten verletzt, bei Angriffen der IDF als Reaktion auf den Beschuss mit einer Panzerabwehrrakete starben 7 Hisbollah-Kämpfer.[324] Am Abend gaben die IDF bekannt, im Laufe des Tages mehrere Außenposten der Hamas im Gebiet des Flüchtlingslagers asch-Schati eingenommen und dabei rund 150 Hamas-Mitglieder getötet zu haben.[328]

Nach Angaben der IDF haben Truppen bei nächtlichen Razzien im gesamten Westjordanland 41 gesuchte Palästinenser, darunter 14 Hamas-Mitglieder, festgenommen, womit sich die Anzahl der seit dem 7. Oktober im Westjordanland festgenommenen Palästinenser auf 1.540 erhöht habe.[329] Die palästinensische Verwaltung meldete später einen durch israelische Soldaten getöteten 17-jährigen Palästinenser.[322]

Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums erklärte, dass die Zahl der Todesopfer des Hamas-Angriffs auf südisraelische Gemeinden am 7. Oktober auf rund 1.200 gesenkt worden sei, während die Regierung zuvor von 1.400 ausgegangen war. Die Zahl sei eine Schätzung und nicht endgültig, sie könne sich ändern, wenn alle Opfer identifiziert worden seien.[330]

Die arabische Minderheit in Israel, die 21 Prozent der Bevölkerung ausmacht, fühlte sich laut dem Ergebnis einer Umfrage des Israel Democracy Institute (IDI) in Kriegszeiten solidarischer mit dem Land. Auf die Frage, ob sie sich Israel zugehörig fühlten, antworteten 70 Prozent der Befragten mit „Ja“, dies sei der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen vor 20 Jahren.[324]

Nach Berichten über eine frühzeitige Information freier Journalisten im Zusammenhang mit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel drang der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) auf Aufklärung. Der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster sprach in Berlin von „unglaublichen Vorwürfen von immenser Tragweite“. Journalisten seien unabhängige Berichterstatter und nicht Kriegsteilnehmer, betonte er und fügte hinzu: „Um der Glaubwürdigkeit des Journalismus willen hoffe ich inständig, dass an den Vorwürfen nichts dran ist.“ Die „Bild“-Zeitung hatte unter Berufung auf die NGO “Honest Reporting” berichtet, dass mehrere freie Bildjournalisten, die unter anderem für CNN, AP und Reuters arbeiteten, bei dem Hamas-Überfall vom 7. Oktober verdächtig schnell zur Stelle gewesen seien und Gräueltaten fotografiert hätten; entsprechende Vorwürfe kamen auch von Israel. Der DJV forderte Aufklärung von den großen internationalen Nachrichten- und Bildagenturen und sieht dabei die Auftraggeber der Freelancer genauso in der Pflicht wie die Fotografen selbst.[324]

11. November Bearbeiten

Die IDF gaben am Vormittag an, seit Beginn der Bodenoperation elf Hamas-Außenposten im nördlichen Gazastreifen erobert zu haben. Auch über Nacht seien weitere Angriffe gegen Gebäude, Waffendepots und Tunneleingänge erfolgt,[331] unter anderem sei es zu Kämpfen in der Nähe des al-Schifa-Krankenhauses gekommen, unter dem die IDF eine wichtige Kommandozentrale der Hamas-Terrorgruppe vermuten.[332] Gegen Mittag erklärten die IDF, bei ihrem Luftangriff auf die al-Buraq-Schule in der Nacht vom 9. zum 10. November in Gaza-Stadt einen Hamas-Kommandeur und mehrere seiner Gefolgsleute getötet zu haben. Diese hätten etwa 1.000 Palästinenser daran gehindert, das Gelände des al-Rantisi-Krankenhauses zu verlassen, um sie als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.[333][334]

Israels Ministerpräsident Netanyahu sagte, die Armee habe bereits Tausende Terroristen getötet, darunter auch „Kommandeure, die das schreckliche Massaker am 7. Oktober angeführt haben.“ Es werde keine Waffenruhe ohne Rückführung der Geiseln geben, bekräftigte er. Wie bereits zuvor das israelische Militär berichtete er, die Hamas hätte die Kontrolle über den nördlichen Teil des Gazastreifens verloren.[335]

Libanesische Medien berichteten, dass südlich von Sidon im Libanon, rund 40 km von der israelischen Grenze entfernt, ein Fahrzeug durch eine IDF-Drohne zerstört worden sei. Die IDF bestätigten den Angriff auf einen nicht näher genannten Ort im Libanon, von dem aus Flugabwehrraketen auf israelische Drohnen über der israelisch-libanesischen Grenze abgefeuert worden seien.[336]

Der französische Präsident Emmanuel Macron forderte in einem Interview mit dem britischen Fernsehsender BBC Israel auf, das Töten von Frauen und Babys in Gaza einzustellen. Am Tag nach einer Konferenz für Humanitäre Hilfe in Paris über den Krieg in Gaza sagte er, die „klare Schlussfolgerung“ aller Regierungen und Organisationen, die an diesem Gipfel teilnahmen, sei, „dass es keine andere Lösung gibt als zunächst eine humanitäre Pause, die zu einem Waffenstillstand führt, der es [uns] erlaubt, alle Zivilisten zu schützen, die nichts mit Terroristen zu tun haben.“ Es gebe „keine Rechtfertigung“ für die Bombardierung: „Ich möchte alle an das Völkerrecht erinnern, ich fordere eine Waffenruhe.“[337] Bundesaußenministerin Annalena Baerbock sagte hingegen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Israel werde täglich weiter mit Raketenangriffen bedroht. Wer einen „allgemeinen Waffenstillstand“ fordere, müsse dann auch sagen, was das für die Stärke der Hamas, für das Schicksal der über 200 Geiseln und für die Sicherheit Israels bedeute.[338]

Etwa 300.000 pro-palästinensische Demonstranten marschierten laut Polizeiangaben in London – die größte Kundgebung seit Beginn des Krieges.[339] Die Organisatoren der Demonstration schätzten die Zahl der Teilnehmer auf eher 800.000 und sagten, es sei einer der größten Märsche in der Geschichte Großbritanniens gewesen.[340]

Die deutsche Außenministerin traf sich mit dem Ministerpräsidenten der Autonomiebehörde, Mohammed Schtajjeh, in Ramallah sowie mit dem israelischen Außenminister Eli Cohen in Tel Aviv. Dieser setzte sich dabei für eine internationale Front im Kampf um die Freilassung von 239 Geiseln ein, die im Gazastreifen festgehalten werden, wie er nach dem Gespräch mitteilte. Er habe Baerbock zu einem Treffen von Außenministern der Länder eingeladen, deren Bürger von der islamistischen Terrororganisation Hamas festgehalten werden.[341]

Auf einem Sondergipfel der Arabischen Liga und der 57 Staaten umfassenden Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) in Riad forderten die Staatschefs arabischer und muslimischer Länder eine UN-Resolution zum Stopp der israelischen Angriffe auf den Gazastreifen, gefolgt von einer internationalen Friedenskonferenz und einer internationalen Untersuchung der von Israel begangenen „Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Die Gipfelteilnehmer, die auch einen Stopp der Waffenlieferungen an Israel und die Freilassung aller „Gefangenen, Inhaftierten und Zivilisten“ forderten, warfen anderen Nationen „Doppelmoral bei der Anwendung des Völkerrechts“ vor. Israels Vorgehen in Gaza könne nicht als Selbstverteidigung „oder unter irgendeinem Vorwand gerechtfertigt“ werden, betonten sie in ihrer Abschlusserklärung.[342]

Die Hilfsorganisation Roter Halbmond meldete israelische Panzer im Stadtzentrum von Gaza, davon einige in nur 20 Meter Entfernung vom Al-Kuds-Krankenhaus. Es gebe heftige Schusswechsel in dem Gebiet. Weiter teilte die Organisation mit, von ihren 18 Krankenwagen seien aus Mangel an Treibstoff nur noch sieben fahrbereit. Die israelische Armee kündigte an, sie wolle bei der Evakuierung von Babys aus dem Al-Shifa-Krankenhaus Hilfe leisten.[341]

12. November Bearbeiten

In Frankreich gingen in verschiedenen Städten mehr als 180.000 Menschen gegen Antisemitismus auf die Straßen, davon mehr als 100.000 in Paris. Hintergrund war, dass es seit dem Terrorangriff der Hamas mehr als 1250 antisemitische Übergriffe gegeben hatte, dreimal so viele wie im gesamten Jahr 2022.[343]

Die WHO vermeldete den Betriebszusammenbruch des Al-Schifa-Krankenhauses. Die Zahl der Todesfälle unter den Patienten sei in der Folge erheblich gestiegen.[344] Der Palästinensische Rote Halbmond teilte mit, dass auch das Al-Kuds-Krankenhaus in Gaza-Stadt wegen des Mangels an Treibstoff für die Generatoren außer Betrieb sei. Zwanzig der 36 Krankenhäuser im Gazastreifen waren nach UNO-Angaben „nicht mehr funktionsfähig“.[345] Muhammed Zaqout, Direktor der Krankenhäuser in Gaza, sagte, dass das Gesundheitsministerium seit Freitag nicht mehr in der Lage sei, die Zahl der Todesopfer zu aktualisieren, da Sanitäter die von den israelischen Bombardierungen betroffenen Gebiete nicht mehr erreichen könnten.[345]

In und um Gaza-Stadt dauerten die heftigen Kämpfe zwischen Truppen der IDF und Terroristen weiter an, während sich das Militär dem Al-Schifa-Krankenhaus näherte, unter welchem sich nach IDF-Angaben die Hauptkommandozentrale der Hamas befinden soll. Darüber hinaus gab Israel an, dass die Hamas über Vorräte wie Treibstoff verfüge, diese jedoch der zunehmend verzweifelten Zivilbevölkerung vorenthalte.[346] Die Europäische Union verurteilte die Hamas dafür, dass sie in Gaza Krankenhäuser und Zivilisten als menschliche Schutzschilde nutze und forderte Israel gleichzeitig zu maximaler Zurückhaltung auf, um Zivilisten zu schützen.[347] Am Nachmittag meldeten die IDF die Einnahme des Gebietes al-Karameh, zwischen Beit Hanun und Dschabaliya im nördlichen Gazastreifen.[348]

Um den sicheren Abzug von Zivilisten zu ermöglichen, öffneten die IDF die in den Süden führende Saladin-Straße für sieben Stunden und legten eine vierstündige taktische Kampfpause in Dschabaliya und dem Viertel Izbat Malien ein. Zudem kam es zur Öffnung eines sicheren Weges vom Schifa-Krankenhaus über die Al-Wehda-Straße zur Saladin-Straße.[349][350]

Die Vereinigten Staaten warnten die israelische Führung unter Ministerpräsident Netanjahu davor, medizinische Einrichtungen zu attackieren und sprachen sich gegen Feuergefechte in Krankenhäusern im Gazastreifen aus. Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Biden, Jake Sullivan, sagte: „Die Vereinigten Staaten wollen keine Feuergefechte in Krankenhäusern sehen, bei denen unschuldige Menschen, Patienten, die medizinische Versorgung erhalten, ins Kreuzfeuer geraten. Und wir haben diesbezüglich aktive Konsultationen mit den israelischen Streitkräften geführt.“[351][352][353]

13. November Bearbeiten

Die IDF gaben bekannt, seit Beginn der Bodenoffensive 4.300 Angriffe auf Ziele im Gazastreifen durchgeführt zu haben. Dabei seien unter anderem mehr als 300 Tunnelanlagen getroffen worden.[354] Die IDF gaben an, dass Truppen der 188. Panzerbrigade vom Gelände des Al-Quds-Krankenhauses aus mit Handfeuerwaffen und RPG-Panzerabwehrwaffen beschossen worden seien und veröffentlichten Aufnahmen der Szenen. Einige der Terroristen hätten sich im Eingangsbereich aufgehalten und sich im Laufe des Angriffs in das Krankenhaus zurückgezogen. Nach IDF-Angaben sind in den folgenden Kämpfen 21 Bewaffnete getötet worden.[355]

14. November Bearbeiten

Israel gab am Nachmittag bekannt, mehrere Standorte der Hamas-Regierung in Gaza erobert zu haben. Darunter zählten das Parlamentsgebäude der Hamas, wovon Fotos bereits am Vortag veröffentlicht wurden,[356] sowie das Hauptquartier der Hamas-Militärpolizei im Gazastreifen, was ebenfalls durch ein undatiertes Foto belegt wurde.[357] Zudem wurden laut IDF das Gouverneursgebäude der Hamas im Gazastreifen (welches ihnen als Standort für den militärischen Flügel und der Polizei gedient hätte) und der Regierungskomplex erobert.[358] Die IDF gaben außerdem die Einnahme eines Fakultätsgebäudes für Ingenieurwissenschaften einer Universität bekannt.[359] Der Kommandant der 162. IDF-Division meldete die vollständige Einnahme des als Terrorhochburg bezeichneten Flüchtlingslagers asch-Schati, wobei man über 160 Tunnelschächte zerstört, rund 2.800 Hamas-Standorte angegriffen und rund 1.000 Terroristen getötet habe. Das Ausmaß des Raketenbeschusses auf Israel aus dem Norden sei um etwa 80 Prozent zurückgegangen.[360]

Das israelische Militär bestätigte den Tod einer Soldatin.[361] Die 19-jährige Noa Marciano diente bei den Grenzstreitkräften und war eine der 239 Geiseln.[362] Die Hamas hatte am Vortag das Video einer israelischen Soldatin veröffentlicht und anschließend ihre Leiche gezeigt.

Der „Marsch nach Jerusalem“ startete in Tel Aviv. Zu der Demonstration rief das Forum der Familien von Geiseln und Verschwundenen auf, das nach dem Großangriff der Hamas am 7. Oktober auf Israel gegründet worden war, um die öffentliche Aufmerksamkeit für damals rund 240 in den Gazastreifen Verschleppten wach zu halten. Sie forderten die Regierung solle sich für Freilassung der Geiseln einsetzen.[363][364][365]

Israels rechtsextremer Finanzminister Bezalel Smotrich forderte das Auswandern der Bevölkerung im Gazastreifen auf freiwilliger Basis.[366]

Die New York Times veröffentlichte eine Recherche ihres „Visual Investigations“-Teams, der zufolge mehrere am 10. November im Schifa-Krankenhaus und dessen Innenhof eingegangene Treffer auf israelischen Beschuss zurückzuführen sein könnten.[367][368]

Israelische Soldaten fanden nach Darstellung der IDF zahlreiche Waffen im Keller des Rantisi-Kinderkrankenhauses in der Stadt Gaza. Es gebe auch Anzeichen dafür, dass im Keller Geiseln festgehalten worden sein könnten, sagte der israelische Armeesprecher Daniel Hagari.[369]

Die US-Regierung stützte nach eigenen geheimdienstlichen Informationen die Darstellung des israelischen Militärs, wonach Hamas und Islamischer Dschihad Krankenhäuser im Gazastreifen, darunter die Al-Shifa-Klinik, für ihre Militäraktionen nutzen. Laut dem nationalen Sicherheitsrat im Weißen Haus wird Al-Shifa als Kommandozentrum und „wahrscheinlich auch als Waffenlager“ genutzt; das sei ein „Kriegsverbrechen“. Unter den Kliniken gebe es auch Tunnel, um Militäroperationen zu verbergen und Geiseln gefangen zu halten.[370] Auf dem Gelände des Shifa-Krankenhauses befanden sich nach UNO-Angaben mindestens 2300 Patienten, Angestellte und Flüchtlinge. Das US-Außenministerium warb für eine sichere Evakuierung von Krankenhäusern in Gaza. Fraglich sei, ob die Hamas die Patienten ziehen lasse oder weiter als „menschliche Schutzschilde“ einsetzen werde.[371]

15. November Bearbeiten

Bei ihrer Erstürmung des Al-Schifa-Krankenhauses in Gaza-Stadt fand die IDF nach eigenen Angaben Waffen, Militärtechnologie sowie ein Einsatzzentrum der Hamas und nachrichtendienstlich relevante Informationen. Die Angaben wurden zunächst nicht unabhängig überprüft. Die IDF forderte die Menschen auch im südlichen Gazastreifens zur Flucht auf, im östlichen Teil der Stadt Chan Yunis wurden entsprechende Flugblätter in arabischer Sprache abgeworfen.[372]

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedete erstmals seit Beginn des Konflikts eine völkerrechtlich bindende Resolution, nachdem dies mehrmals zuvor wegen fehlender Mehrheit oder Veto eines der ständigen Mitglieder nicht gelungen war. Der von Malta eingebrachte Resolutionsentwurf forderte „dringende und ausgedehnte humanitäre Pausen und Korridore im gesamten Gazastreifen für eine ausreichende Anzahl von Tagen“ zur Sicherstellung humanitärer Hilfe. Von einem Waffenstillstand war nicht die Rede.[373] Die Konfliktparteien wurden demnach angehalten, das Völkerrecht zu respektieren, und an die Einhaltung der Genfer Konvention von 1949 sowie der Zusatzprotokolle von 1977 erinnert. Eine „Zwangsumsiedlung der Zivilbevölkerung“ wurde abgelehnt. Den Menschen im Gazastreifen dürften lebensnotwendige Dienste nicht vorenthalten werden. Die Hamas und andere Gruppen wurden aufgefordert, sofort und bedingungslos die Geiseln freizulassen.[374][375] Zwölf Mitglieder des Sicherheitsrates stimmten für die Resolution 2712 (2023), Gegenstimmen gab es keine; Russland, die USA und das Vereinigte Königreich enthielten sich.[376] Israel lehnte längere humanitäre Feuerpausen ab, solange Geiseln in der Gewalt der Hamas sind.[373]

Das Parlamentsgebäude in Gaza-Stadt wurde nach seiner Eroberung von Bodentruppen der IDF in die Luft gesprengt.[377][378][379]

16. November Bearbeiten

Am Morgen kam es an einem Kontrollpunkt südlich von Jerusalem im Westjordanland zu einer Schießerei, wobei nach israelischen Angaben ein israelischer Militärpolizist und drei Angreifer getötet wurden.[380] Fünf weitere seien verletzt worden. Der militärische Flügel der Hamas bekannte sich zu dem Anschlag. Im Auto der Täter wurden später Schusswaffen, Äxte, Uniformen und Munition gefunden. In der Reaktion auf das Ereignis erklärte Itamar Ben Gvir, der rechtsextreme Minister für die Nationale Sicherheit in Israel, dass die Hamas im Westjordanland die gleiche Behandlung erhalten sollte wie die Hamas in Gaza und die Palästinensische Autonomiebehörde ebenfalls, da diese die gleichen Ansichten wie die Hamas habe und ihre Köpfe sich mit dem Massaker identifiziert hätten.[381]

Die IDF gaben bekannt, das Haupthafengebiet von Gaza eingenommen und dabei zehn Tunnelschächte zerstört zu haben.[382] Verteidigungsminister Joaw Galant teilte mit, dass die israelischen Streitkräfte „bedeutende Erkenntnisse“ im al-Schifa-Krankenhaus erlangt hätten und dass die Eroberung und Säuberung des westlichen Teils von Gaza-Stadt abgeschlossen sei.[383] In Gebäuden in der Nähe des al-Schifa-Krankenhaus seien die Leichen der israelischen Geiseln Yehudit Weiss und Noa Marciano geborgen worden, welche am 7. Oktober aus dem Kibbuz Be’eri bzw. dem IDF-Stützpunkt Nahal Oz entführt worden seien.[384][385]

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) erklärte, das seit Beginn des Konfliktes nur 10 Prozent der für die Bevölkerung benötigten Lebensmittel in den Gazastreifen gelangt seien, wodurch der Gazastreifen sich mit einer massiven Nahrungsmittellücke und weitverbreitetem Hunger konfrontiert sehe. Die in den Gazastreifen gelangten Nahrungsmittel reichten nur aus, um 7 Prozent des täglichen Mindestbedarfs an Kalorien zu decken. Durch den Mangel an Treibstoff seien zudem die Lebensmittelversorgungsketten zusammengebrochen. Angesichts des nahenden Winters, der unsicheren und überfüllten Unterkünfte und des Mangels an sauberem Wasser drohe der Zivilbevölkerung unmittelbar der Hungertod.[386]

17. November Bearbeiten

Über Nacht führten Truppen der Kfir-Brigade der IDF in Dschenin und dem angrenzenden Flüchtlingslager im Westjordanland eine Razzia durch, bei der nach IDF-Angaben mindestens fünf bewaffnete Palästinenser getötet und sieben gesuchte Palästinenser festgenommen worden seien.[387] In der Nähe von Hebron sind zudem nach Angaben der IDF zwei Palästinenser getötet worden, die aus einem Fahrzeug heraus das Feuer auf israelische Soldaten eröffnet hätten.[388]

Die IDF gaben zudem bekannt, dass Truppen der Bislamach-, Golani-, Givʿati- und Nachal-Brigade, unterstützt durch die Luftwaffe, die Spezialeinheit Jahalom, die Fallschirmjäger-Brigade sowie die 7. und die 460. Panzerbrigade, zahlreiche Standorte der Hamas und des Islamischen Dschihad im nördlichen Gazastreifen angegriffen hätten. Bei der Einnahme und späteren Zerstörung eines Außenpostens des Islamischen Dschihad hätten mehrere im Iran produzierte Fadschr-3-Raketen sichergestellt sowie einige davon zu Forschungszwecken nach Israel gebracht werden können.[389][390] Palästinensischen Berichten zufolge ist bei den Kämpfen der Hamas-Führer Ahmad Bahar, Vizepräsident des Palästinensischen Legislativrates, getötet worden.[391]

Der abschließende Polizeibericht zum Massaker von Reʿim erhöhte die Opferzahl auf 364.[23]

18. November Bearbeiten

Das palästinensische Telekommunikationsunternehmen Paltel teilte mit, dass Telefon- und Internetdienste im gesamten Gazastreifen teilweise wieder funktionierten, nachdem Israel am Vortag erstmals seit Beginn des Krieges eine Treibstofflieferung nach Gaza durchgeführt hatte[392], um den Bedarf der UN sowie der Wasser- und Abwassersysteme zu decken.[393] Der Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrates Zachi Ha-Negbi hatte mitgeteilt, dass das Kriegskabinett einem Sonderantrag der USA zugestimmt habe, jeden Tag zwei Tankwagen mit rund 60.000 Litern Treibstoff in den südlichen Gazastreifen zu lassen, um unter anderem das Abwasserbehandlungssystem des Gazastreifens zu betreiben, das kurz vor dem Zusammenbruch stehe, was eine massenhafte Ausbreitung von Krankheiten zur Folge haben könnte.[394]

Die IDF und der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet gaben in einer gemeinsamen Erklärung bekannt, dass israelische Truppen mit Luftunterstützung ein Terrorziel im Flüchtlingslager Balata bei Nablus im Westjordanland angegriffen hätten, wobei fünf Palästinenser getötet worden seien, darunter vier Mitglieder der al-Aqsa-Märtyrerbrigaden. Sie hätten unmittelbar bevorstehende Angriffe auf israelische Zivilisten und Truppen geplant.[395] Nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmonds hat der Angriff das Fatah-Hauptquartier im Flüchtlingslager getroffen.[396]

Nach Angaben der IDF wurden die Operationen im nördlichen Gazastreifen ausgeweitet; die 36. IDF-Division gehe im Stadtteil Zeitoun in Gaza-Stadt gegen das gleichnamige Zeitoun-Bataillon der Hamas vor, während die 162. IDF-Division eine Offensive gegen das Kommando- und Kontrollzentrum der nördlichen Gaza-Brigade der Hamas in Dschabaliya durchführe.[397]

Bei einem Angriff auf eine von den Vereinten Nationen betriebene Schule in Dschabaliya seien mindestens 50 Menschen und bei einem Angriff auf ein anderes Gebäude 32 Mitglieder einer Familie, darunter 19 Kinder getötet worden, erklärten Funktionäre des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums gegenüber AFP.[398][399] Die BBC berichtete, ihren Factcheckern lägen geolokalisierte Aufnahmen der al-Fakhoura-Schule in Dschabaliya vor, auf denen über 20 Menschen – darunter Frauen und Kinder – mit schweren Verletzungen oder regungslos auf dem Boden liegend in verschiedenen Teilen des Gebäudes zu sehen seien.[399] Bei einem Luftangriff außerhalb der südlichen Stadt Khan Younis seien mindestens 26 Menschen getötet worden.[398]

Das Schifa-Krankenhaus wurde bis auf 120 der am meisten gefährdeten Patienten und fünf Ärzte, die sich um sie kümmerten, geräumt.[398] In den Tagen vor dem 18. November war vor dem Schifa-Krankenhaus ein Massengrab für ca. 80 Personen ausgehoben worden, weil nach Angaben des Krankenhauses viele Patienten aufgrund der prekären Versorgungssituation verstarben.[400] Israelische Truppen suchten einen vierten Tag lang nach Beweisen für eine unterirdische Hamas-Kommandozentrale.[398]

19. November Bearbeiten

Die israelische Geheimdienstministerin Gila Gamliel rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, anstelle eines Wiederaufbaus des Gazastreifens eine „freiwillige Umsiedlung“ der Palästinenser aus dem Küstengebiet in andere Länder zu fördern.[401]

Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen kaperten den Autofrachter „Galaxy Leader“ im Roten Meer, ein mit dem britisch-israelischen Milliardär Abraham „Rami“ Ungar verbundenes Schiff. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Netanyahu teilte mit, es handele sich nicht um ein israelisches Schiff, israelische Vertreter sagten, das Schiff sei in britischem Besitz. 25 Besatzungsmitglieder seien an Bord, darunter Bulgaren, Philippiner, Mexikaner und Ukrainer, aber keine Israelis. Ungar erklärte gegenüber Associated Press, er sei sich des Vorfalls bewusst. Ein mit ihm verbundenes Schiff hatte 2021 im Golf von Oman eine Explosion erlebt. Der Huthi-Militärsprecher Jahja Sari teilte mit, bei einem Militäreinsatz hätten sie das israelische Schiff gekapert und zur jemenitischen Küste gebracht. Hintergrund sei eine „moralische Verpflichtung gegenüber dem unterdrückten palästinensischen Volk“, hieß es in seiner Mitteilung auf der Plattform X.[402][403]

Israel veröffentlichte Details zu einem mutmaßlichen Tunnel der Hamas unter dem Komplex des Al-Schifa-Krankenhauses im Gazastreifen. Der freigelegte Schacht führe zu einem Tunnel mit einer Länge von rund 55 Metern in einer Tiefe von zehn Metern, teilte die Armee mit. Dazu lieferte das Militär Aufnahmen von zwei Geräten, die den Tunnel von innen zeigen sollen. Am Ende des Tunnels befinde sich demnach eine „explosionssichere Tür“. Was sich genau hinter der Tür befinde, sei noch unklar.[402]

Die IDF veröffentlichten zudem Aufnahmen von Überwachungskameras, die zeigen sollten, dass die Hamas am Tag ihres Terrorangriffs auf Israel am 7. Oktober Geiseln in die Al-Schifa-Klinik gebracht habe. Die Videos seien ein Beleg dafür, dass die Hamas-Terroristen das Klinikgelände „am Tag des Massakers als terroristische Infrastruktur nutzte“, teilten das israelische Militär und die Geheimdienste in einer gemeinsamen Erklärung mit. Auf den Aufnahmen sind zwei Männer zu sehen, die von Bewaffneten offenbar in die Klinik gebracht werden. Nach Angaben des israelischen Armeesprechers Daniel Hagari stammen die beiden Geiseln aus Nepal und Thailand, die Armee habe sie noch nicht ausfindig machen können.[402]

20. November Bearbeiten

Aus dem angegriffenen Indonesischen Krankenhaus in der Nähe des Flüchtlingslagers Dschabaliya im nördlichen Teil des Gazastreifens wurden nach Angaben der Hamas rund 200 Patienten evakuiert. Sie seien im Rahmen einer von den Vereinten Nationen und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz koordinierten Rettungsaktion in den Süden des Küstengebiets gebracht worden, sagte ein Ministeriumssprecher in einem Interview des Senders Al-Dschasira. Viele der Verletzten würden nun im Al-Nasser-Hospital in Chan Junis behandelt. Zwischen 400 und 500 weitere Verletzte seien noch im Indonesischen Krankenhaus, ergänzte der Sprecher.[404] WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus äußerte sich „entsetzt“ über den Angriff auf das Indonesische Krankenhaus.[405]

Die Türkei nahm erneut Patienten aus dem Gazastreifen zur Behandlung auf. 61 Kranke und 49 Begleitpersonen seien am Montag in Ankara gelandet, sagte der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca. Zuvor hatte Ankara bereits Krebspatienten aufgenommen, auch bei den nun eingeflogenen Patienten handele es sich überwiegend um Krebskranke. Ägyptischen Medien zufolge trafen 28 frühgeborenen Babys aus dem Al-Schifa-Krankenhaus in Ägypten ein. Dem TV-Sender Al-Kahera zufolge befanden sich alle Säuglinge in Brutkästen, die an medizinische Geräte angeschlossen waren. Die Kinder waren aus der Klinik geholt worden, weil dort im Zuge des Kriegs der Betrieb nicht mehr aufrechterhalten werden konnte, unter anderem wegen eines Mangels an Treibstoff für die Notstromaggregate.[404]

Im Süden des Gazastreifens liefen Pumpen zur Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung wieder an, die Anlagen waren vor einer Woche heruntergefahren worden, weil es keinen Treibstoff für ihren Einsatz mehr gab. Der am Sonntag gelieferte Treibstoff reiche aber nur für einen Betrieb von 24 Stunden, berichtete das UN-Nothilfebüro OCHA.[404]

Israels Militär entdeckte nach eigenen Angaben im Keller einer Moschee im Gazastreifen ein Waffenlager sowie eine Produktionsstätte für Raketen der Hamas, auch hätten Soldaten dort auch einen Tunneleingang gefunden. In einem von den IDF veröffentlichten Video waren Raketen, Mörsergranaten, deren Bestandteile und der Tunnelschacht im Keller des Gebäudes in der Stadt Gaza zu sehen. Soldaten hätten zudem eine Waffenfabrik der Terrororganisation Islamischer Dschihad in dem Küstengebiet zerstört, teilte die Armee weiter mit. Sie nahmen den Angaben zufolge außerdem Kommandozentralen der Hamas in der Stadt Gaza ein.[404]

IKRK-Präsidentin Mirjana Spoljaric traf in Katar den Hamas-Chef Ismail Hanija. Der Besuch sei Teil von Gesprächen des Roten Kreuzes mit allen Seiten, um „die Achtung des humanitären Völkerrechts zu verbessern“. Das IKRK sei nicht Teil der Verhandlungen zur Befreiung von Geiseln, habe aber ihre sofortige Freilassung und Zugang zu ihnen gefordert. Spoljaric traf auch mit Vertretern Katars zusammen.[404]

21. November Bearbeiten

Bei israelischen Luftangriffen im Südlibanon wurden vier Zivilisten getötet, darunter zwei libanesische Journalisten, die über Zusammenstöße an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon berichteten. Die Crew sei „direkt und gezielt angegriffen worden“, sagte der Direktor des mit der Hisbollah, Iran und Syrien verbundenen panarabischen Fernsehsenders Al Mayadeen.[406] Die Deutsche Presse-Agentur meldete auch den Tod eines Zivilisten etwa vier Meilen von der israelischen Grenze entfernt in der Nähe der libanesischen Stadt Tayr Harfa.[405][407][408] Der erste Monat des Israel-Gaza-Krieges laut dem Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) der tödlichste Monat für Journalisten seit dem Beginn von deren der Dokumentation 1992.[409][410] Bei einem israelischen Drohnenangriff im Südlibanon im Dorf Chaatiyeh nahe der Mittelmeerküste wurden vier Mitglieder der Hamas getötet, darunter Khalil Kharaz, der stellvertretende Chef der Qassam-Brigaden im Libanon.[409]

Die israelische Armee fing nach eigenen Angaben einen Marschflugkörper ab, der sich Südisrael näherte. Nach Informationen über „das Eindringen eines feindlichen Fluggeräts“ in den Luftraum in der Nähe der Stadt Eilat am Roten Meer habe ein israelisches Kampfflugzeug „erfolgreich einen Marschflugkörper abgefangen, der auf Israel abgefeuert wurde“, teilte die Armee mit. Die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen erklärten, sie hätten „Geschosse auf verschiedene militärische Ziele“ in Israel abgefeuert.[408]

Irans Armeechef, General Abdolrahim Mousavi, warnte inmitten der Spannungen in Nahost andere Nationen vor der Militärmacht des Irans. „Seit Jahren haben die Streitkräfte unseres Landes, einschließlich der Armee der Islamischen Republik Iran, ein Fähigkeitsniveau erreicht, das es uns ermöglicht, jedem Feind auf jeder Ebene und an jedem Ort die Stirn zu bieten, ihn zu besiegen und ihm vernichtende und entscheidende Schläge zu versetzen, die ihn sehr bereuen lassen, wenn er einen Angriff auf unser Land durchführen will“, sagte Mousavi laut der iranischen Agentur Fars.[408]

Neue Erkenntnisse von US-Geheimdiensten bestätigten israelische Hinweise auf eine Kommandozentrale der Hamas auf dem Gelände der Schifa-Klinik im Gazastreifen. Dies teilte der Sprecher des nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus, John Kirby, mit. Der US-Regierung lägen Informationen vor, wonach die militante Gruppe das Krankenhaus als Kommando- und Kontrollknotenpunkt nutze.[408] Jordanien zufolge ordnete Israel die Räumung eines jordanischen Feldlazarettes im Gazastreifen an, Jordaniens Ministerpräsident Bisher al-Khasawneh erklärte jedoch, man werde dem nicht nachkommen. Er gab zudem eine Verstärkung der Truppen an der Grenze zu Israel bekannt.[405]

Ärzte ohne Grenzen (MSF) gab den Tod von drei Ärzten nach einem israelischen Angriff auf das Al-Auda-Krankenhaus im nördlichen Gazastreifen bekannt. Das Krankenhaus sei im dritten und vierten Stock angegriffen worden, hieß es in einer Erklärung der französischen Hilfsorganisation. Auch anderes medizinisches Personal, darunter Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, seien schwer verletzt. MSF verurteilte diesen Angriff auf das Schärfste und forderte erneut Respekt und Schutz für medizinische Einrichtungen, Personal und Patienten. Sie bekräftigte die Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand. Mehr als 200 Patienten würden sich noch im Al-Auda-Krankenhaus befinden und müssten dringend in andere Krankenhäuser evakuiert werden.[407] Durch israelischen Beschuss des Flüchtlingslagers Nuseirat im Gazastreifen wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur der palästinensischen Autonomiebehörde Wafa 17 Menschen getötet.[407][408]

Der Vorsitzenden der Afrikanischen Union, Azali Assoumani, drang auf einer Konferenz in Berlin auf eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahost-Konflikt. Er verurteilte den Überfall der militant-islamistischen Hamas auf Israel, fügte aber hinzu, dass auch die israelische Antwort „nicht angemessen“ sei.[405] Die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika sowie Saudi-Arabien, Argentinien, Ägypten, Äthiopien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate) forderten auf einem Sondergipfel, an dem auch UNO-Generalsekretär António Guterres teilnahm, eine sofortige und dauerhafte humanitäre Waffenruhe; Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa warf der israelischen Regierung vor, im Gazastreifen Kriegsverbrechen zu begehen.[405] Südafrikas Parlament stimmte für die Schließung der Botschaft und die vorübergehende Einstellung der diplomatischen Beziehungen zu Israel.[408] Südafrika war eines der Länder, die die massiven israelischen Militärschläge im Gazastreifen als Vergeltung für die Angriffe in Israel am 7. Oktober am kritischsten beurteilten. Israel berief seinen Botschafter in Südafrika zu Konsultationen zurück.[407]

Die EU-Kommission erklärte, sie habe keine Erkenntnisse, dass Entwicklungshilfe der Europäischen Union für die Palästinensergebiete an die Hamas geflossen sei. Die Förderprogramme würden daher fortgesetzt, so EU-Kommissar Valdis Dombrovskis.[405]

Der bewaffnete Flügel der Terrororganisation Islamischer Dschihad gab am Abend den Tod einer der israelischen Geiseln bekannt, die seit den Angriffen auf Israel am 7. Oktober festgehalten wurden. „Wir hatten zuvor unsere Bereitschaft bekundet, sie aus humanitären Gründen freizulassen, aber der Feind hat uns hingehalten, was zu ihrem Tod führte“, teilten die Al-Kuds-Brigaden auf ihrem Telegramm-Kanal mit.[408]

22. November Bearbeiten

Am Morgen bestätigte das CENTCOM zwei Luftangriffe auf proiranische Ziele, wobei 8 proiranische Kämpfer getötet wurden.[411]

In der Nacht zum 22. November 2023 billigte eine Mehrheit des israelischen Regierungskabinetts eine viertägige Waffenruhe sowie den Austausch von 50 Geiseln, die am 7. Oktober in den Gazastreifen verschleppt wurden. Sie sollen gegen 150 palästinensische Häftlinge ausgetauscht werden. Die getroffene Vereinbarung mit der Hamas sieht vor, dass die Feuerpause verlängert werde, sofern pro Tag jeweils zehn weitere Geiseln freigelassen werden. Zuerst sollen Frauen und Kinder berücksichtigt werden. Katar, Ägypten und die USA hatten die Vereinbarung vermittelt. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) soll nach Angaben Katars die Freilassung der Geiseln überwachen.[412] Die Feuerpause im Gazastreifen sollte nach Angaben der Terrormiliz Hamas am Folgetag um 10.00 Uhr Ortszeit (9.00 Uhr MEZ) beginnen.[411]

Am Morgen teilte das Militär mit, einen Außenposten der Hamas erobert zu haben. Mehrere Terroristen seien getötet sowie unter anderem Mörser und Drohnen in einer Produktionsstätte gefunden worden. Auch des Gebäude des Hamas-Militärgeheimdienstes sei erobert worden, man habe technische Ausrüstung und Geheimdienstmaterial beschlagnahmt, das Gebäude sei im Anschluss vernichtet worden.[413] Ebenfalls am Morgen eroberte die IDF das Viertel Scheich Za'id zwischen Dschabaliya und Beit Hanun, dort seien mehrere Hamas-Funktionäre ansässig. Auf dem Gelände wurden unter anderem ein 50 Meter langer und 7 Meter breiter Tunnel, ein Ort zum Abschuss und zur Produktion von Raketen sowie Nachbildungen israelischer Objekte gefunden. In einer späteren Razzia wurde mehrere Waffen in einem Pickup gefunden, der wahrscheinlich bei den Anschlägen am 7. Oktober genutzt worden war. Das Gelände wurde im Anschluss vernichtet.[414]

Israel teilte gegen Mittag mit, es habe im Laufe des Krieges rund 400 Tunnelschächte der Hamas zerstört.[411]

Am gleichen Tag gingen die Grenzgefechte an der Nordgrenze Israels weiter. Gegen Morgen wurden im Libanon ein Militärgelände mit Terroristen sowie weitere Hisbollah-Infrastruktur getroffen.[415] Auch am Abend führten Kampfflugzeuge Angriffe auf weitere Stellungen der Hisbollah durch.[416] Gegen 15 Uhr waren mehrere Raketen aus dem Libanon in offenem Gebiet Israels eingeschlagen.[417]

23. November Bearbeiten

In der Nacht führte die israelische Luftwaffe einen Angriff auf Infrastrukturobjekte der Hisbollah. Die Organisation meldete fünf Tote. Unter den Toten soll der Sohn des Vorsitzenden der Hisbollah im libanesischen Parlament, Mohammed Raad sein. DPA meldete mit Bezug auf Sicherheitskreise, die Opfer hätten einer Elite-Brigade der Hisbollah angehört und seien getötet worden, als ein Haus in einem Dorf getroffen worden sei.[418]

Der militärische Arm der Hamas bestätigte via Telegram, es gebe eine viertägige Waffenruhe ab Freitag, 24. November, 07.00 Uhr. In der Zeit würden „alle palästinensischen Kräfte“ die Kämpfe einstellen. Täglich erhielten dann 200 Lastwagen mit Hilfsgütern und vier mit Treibstoff Zugang zum Gazastreifen.[418]

Diese Vereinbarung einer Waffenruhe zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas wurde von Katar bestätigt. Eine Liste mit Geiseln, die die Hamas freilassen wolle, sei eingetroffen. Demnach sollten am Freitagnachmittag 13 Zivilisten freikommen.[418] In Ägypten gestrandete Palästinenser, die freiwillig zurück in den Gazastreifen wollten, könnten am Freitag dorthin einreisen, teilte die Grenzbehörde auf palästinensischer Seite am Übergang Rafah mit.[418]

Die Hisbollah-Miliz feuerte weiterhin nach eigenen Angaben mehr als 50 Raketen aus dem Libanon auf den Norden von Israel; sie teilte mit, allein 48 Katjuscha-Raketen hätten sich gegen einen israelischen Militärstützpunkt in dem Ort Ein Zeitim gerichtet, der etwa zehn Kilometer südlich der Grenze zum Libanon liegt. Nach Angaben der Gruppe griffen ihre Mitglieder auch Panzer und Stellungen der israelischen Truppen an.[418]

Der iranische Präsident Ebrahim Raisi sprach angesichts der anstehenden Feuerpause zwischen Israel und der Terrormiliz Hamas und mit Rückblick auf die vergangenen Kriegswochen von einem „Sieg für das palästinensische Volk und des Widerstandes“. Er sagte auch: „Wenn wir nach 40 Tagen eine Analyse machen wollen, dann die, dass der Feind besiegt worden ist“.[418]

Das israelische Militär bestätigte, dass es den Direktor des al-Schifa-Krankenhauses zur Befragung festgehalten hätte. „In dem von ihm geleiteten Krankenhaus gab es umfangreiche terroristische Aktivitäten der Hamas“, hieß es in einer Erklärung.[418]

24. November Bearbeiten

Ab sechs Uhr mitteleuropäischer Zeit trat die viertägige Feuerpause zwischen Israel und der Hamas in Kraft. Israel hatte auch zugestimmt, Drohnenflüge einzuschränken und die Lieferung von humanitären Gütern und Treibstoff in den Gazastreifen zuzulassen.[419] Rund eineinhalb Stunden nach Beginn der Feuerpause passierten mehrere Lastwagen mit Hilfsgütern den ägyptischen Grenzübergang Rafah in den Gazastreifen, darunter auch Tanklaster.[420]

Geflohene Bewohner des nördlichen Gazastreifens nutzten die Feuerpause für eine Rückkehr in den Norden. Die israelische Armee versuchte dies, teils gewaltsam, zu verhindern und erschoss dabei mindestens zwei Palästinenser.[421]

Wenige Minuten nach Beginn der Feuerpause gab es in israelischen Grenzorten zum Gazastreifen Raketenalarm. Betroffen waren nach Angaben israelischer Medien die Siedlungen Kissufim und Ein Haschloscha, die nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober evakuiert worden waren.[420]

Israelischen Medienberichten zufolge erhielt die israelische Gefängnisbehörde eine Liste mit den Namen von 39 palästinensischen Gefangenen, die im Austausch gegen 13 israelische Geiseln der Hamas freigelassen werden sollten. Bei den Gefangenen habe es sich um minderjährige Palästinenser sowie Frauen gehandelt.[420]

Die Hamas ließ 24 Geiseln frei, darunter 13 Israelis, hauptsächlich Frauen und Kinder. Sie wurden dem Internationalen Roten Kreuz übergeben und zur medizinischen Versorgung nach Israel gebracht. Zehn thailändische Geiseln und eine Geisel mit philippinischer Staatsbürgerschaft, die ebenfalls während des Hamas-Terrorangriffs am 7. Oktober entführt worden waren, wurden nach Ägypten überstellt.[422][423] Von den dreizehn Israelis haben vier auch die deutsche Staatsangehörigkeit: eine 33-jährige Frau mit zwei kleinen Kindern und eine 77 Jahre alte Frau.[424] Nach Angabe ihrer Familie befand sich auch Hanna Katzir unter den freigelassenen Geiseln, von der die Terrororganisation Islamischer Dschihad in Palästina behauptet hatte, sie sei umgekommen.[425]

Im Gegenzug ließ Israel 39 palästinensische Gefangene frei, 24 Frauen und 15 Jugendliche.[426]

25. November Bearbeiten

Die islamistische Hamas ließ eine zweite Gruppe von Geiseln frei. Wie die israelische Armee mitteilte, kehrten die Freigelassenen am Abend auf israelisches Staatsgebiet zurück. Nach Angaben ägyptischer und israelischer Behörden handelte es sich bei den freigelassenen Geiseln um 13 Israelis und vier Thailänder.[49] Unter den israelischen Geiseln waren sieben Minderjährige und sechs Frauen. Darunter waren erneut vier deutsche Doppelstaatler, wie Außenministerin Annalena Baerbock mitteilte. Nach Angaben ihrer Familien handelte es sich bei den vier Deutschen um eine 67-jährige Frau sowie ihre 38-jährige Tochter und deren Kinder im Alter von drei und acht Jahren.[427]

26. November Bearbeiten

In der Nacht wurde ein UNFIL-Fahrzeug im Libanon beschossen, es gab keine Verletzten.[428]

Palästinensischen Angaben zufolge wurden von Samstagabend bis Sonntag im Westjordanland sieben Palästinenser erschossen. Nach Angaben des palästinensischen Roten Halbmonds soll ein Bauer im Flüchtlingslager Maghasi im Zentrum des Gazastreifens erschossen worden sein.[428]

Die IDF teilte mit, im Gazastreifen habe man „in Hamas-Stützpunkten und in den Häusern gesuchter Personen, in denen die Hamas aktiv war“, Bargeld israelischer, jordanischer, irakischer und US-Währung gefunden. Umgerechnet seien es 1,2 Millionen Euro.[428]

In Zusammenarbeit mit dem roten Halbmond gelangten nach UN-Angaben 61 Lastwagen in den nördlichen Gazastreifen.[428]

Die Hamas bestätigte den Tod mehrerer Kommandeure im Gazastreifen. Darunter seien der Kommandeur der Hamas im nördlichen Gazastreifen, der Leiter der Raketeneinheit der Essedin-al-Kassam-Brigaden und zwei weitere. Das israelische Militär hatte am 17. November mehrere politische und militärische Führer der Hamas im Untergrund mit Luftschlägen ins Visier genommen, jedoch ohne eine Tötungsbestätigung.[429][430]

Ein Öltanker mit Verbindungen zu Israel wurde nach Angaben einer privaten Sicherheitsfirma vor der Küste des Jemens gekapert. Die von Zodiac Maritime betriebene Central Park sei im Golf von Aden aufgebracht worden, erklärte das Unternehmen Ambrey. Ambrey erklärte, es scheine, dass US-Marinekräfte mit der Lage befasst seien und andere Schiffe aufgefordert hätten, sich von dem Gebiet fernzuhalten.[428]

Die islamistische Hamas ließ eine dritte Gruppe von Geiseln frei. Es handelte sich um 14 Israelis und drei Thailänder. Von den 14 Israelis hat ein Kleinkind auch einen US-amerikanischen Pass, ein Mann auch einen russischen Pass.[431] Die Freilassung des russisch-israelischen Staatsbürgers war wie bei den Thailändern nicht Teil des von Israel und der Hamas ausgehandelten Abkommens.[428] Im Gegenzug wurden 39 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen entlassen.[432] Vertreter des Roten Kreuzes hätten 12 Geiseln den Sicherheitskräften am Grenzzaun zu Israel übergeben. Eine weitere Geisel sei direkt mit einem Hubschrauber in ein israelisches Krankenhaus gebracht worden – Medienberichten zufolge handelte es sich um eine 83-Jährige, sie schwebte demnach in Lebensgefahr.[428]

27. November Bearbeiten

Nach israelischen Armeeangaben ließ die Hamas eine weitere Gruppe von 11 israelischen und 6 thailändischen Geiseln frei, diese seien in die Obhut des Roten Kreuzes übergeben worden. Es handele sich um neun Kinder und Jugendliche sowie zwei Mütter. Die jüngsten Kinder seien dreijährige Zwillinge.[433][434]

Der Sprecher des katarischen Außenministeriums teilte mit, dass die Feuerpause zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas um zwei weitere Tage bis Freitag, 1. Dezember verlängert werde. Vor dem Auslaufen der viertägigen Feuerpause hatte Israel der radikal-islamistischen Hamas eine Verlängerung der Vereinbarung vorgeschlagen. Der Hamas sei mitgeteilt worden, dass es „eine Möglichkeit“ für eine Verlängerung der Kampfpause gebe, sagte der Regierungssprecher Eylon Levy. „Wir wollen über den heutigen Abend hinaus 50 weitere Geiseln freibekommen, um alle nach Hause zu bringen.“[433]

Die Explosion am Al-Ahli-Krankenhaus im Gazastreifen ging nach Erkenntnissen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wahrscheinlich auf eine fehlgezündete Rakete zurück. „Die Explosion, die am 17. Oktober 2023 im arabischen Krankenhaus von Al-Ahli in Gaza zahlreiche Zivilisten tötete und verletzte, wurde offenbar durch eine raketengetriebene Munition ausgelöst, wie sie häufig von bewaffneten palästinensischen Gruppen eingesetzt wird“, teilte HRW mit. Es seien weitere Untersuchungen erforderlich, um festzustellen, wer die mutmaßliche Rakete abgefeuert habe und ob Kriegsgesetze verletzt worden seien.[433]

28. November Bearbeiten

Am 28. November 2023 ließ die islamistische Terrororganisation Hamas eine fünfte Gruppe von 10 israelischen Geiseln und zwei thailändischen Geiseln frei. Im Gegenzug wurden 30 weitere palästinensische Häftlinge – 15 Frauen und um 15 Männer – aus verschiedenen israelischen Gefängnissen entlassen, wie die Gefängnisbehörde mitteilte.[435]

Im Kinderkrankenhaus al-Nasr in Gaza konnten Ärzte während der geltenden Waffenruhe zurückkehren und fanden laut Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde die verwesenden Leichen von fünf Frühgeborenen vor. Israelische Streitkräfte hätten diesen Angaben zufolge am 10. November 2023 das medizinische Personal zur Evakuierung gezwungen und den Zugang zur Intensivstation im Kinderkrankenhaus blockiert. In einer Erklärung forderte Euro-Med Human Rights Monitor „die Einrichtung einer unabhängigen internationalen Untersuchungskommission zum Vorfall“. Die NGO gab an, selbst „die Entdeckung von fünf toten und verwesenden Säuglingen“ auf der Intensivstation des Al-Nasr-Krankenhauses dokumentiert zu haben, und betonte, mit Kinderkrankenhaus-Direktor Mustafa Al-Kahlot gesprochen zu haben. Al-Kahlot sagte, er habe den israelischen Armeeoffizier, der ihn vor der endgültigen Evakuierung gewarnt hätte, über den Zustand der fünf zu beatmenden Kinder informiert und erwähnt, dass sie nicht verlegt werden könnten. Die Armee habe ihn – im Gegenzug – darüber informiert, dass „[sie sich] dessen bewusst [seien] und […] handeln“ würden.[436][437][438]

29. November Bearbeiten

Am 29. November 2023 ließ die islamistische Terrororganisation Hamas eine sechste Gruppe von zehn israelischen Geiseln frei, wobei es sich um fünf Frauen und die fünf letzten verbliebenen Jugendlichen unter 18 Jahren handelte, sowie vier thailändische Geiseln; drei Israeli hatten sowohl einen deutschen als auch einen israelischen Pass.[439][440] Die israelischen Geiseln kamen im Gegenzug zur Entlassung von 30 weiteren palästinensischen Häftlingen aus israelischen Gefängnissen frei.[441] Zudem wurden zwei Frauen mit israelischem und russischem Pass aufgrund von Bemühungen der russischen Regierung freigelassen.[442]

Während der Waffenstillstand in Israel und im Gazastreifen anhielt, gingen die Auseinandersetzungen im Westjordanland weiter: In Dschenin tötete das israelische Militär den Kommandeur der Dschenin-Brigaden sowie einen weiteren Aktivisten. Der Kommandeur sei an mehreren Terroranschlägen in Israel beteiligt gewesen. Laut der palästinensischen Gesundheitsbehörde wurden in der Gegend zwei Jugendliche getötet.[443]

Gegen Abend meldeten die IDF, drei palästinensische Bewaffnete in Gaza getötet zu haben, nachdem diese gegen den Waffenstillstand verstoßen hätten.[444]

30. November Bearbeiten

Am Morgen eröffneten zwei Palästinenser – mit einem Sturmgewehr und einer Pistole – das Feuer auf Wartende an einer Bushaltestelle im Westen von Jerusalem. Sie töteten dabei drei Menschen und verletzten sechs weitere, drei davon schwer. Ein israelischer Zivilist und zwei Soldaten eröffneten das Feuer auf die Attentäter, diese wurden erschossen und als Murad und Ibrahim Namr aus dem Ost-Jerusalemer Stadtteil Sur Baher identifiziert. Der Zivilist wurde von den Soldaten für einen weiteren Attentäter gehalten und kam durch deren Schüsse ums Leben.[445] Nach Angaben des israelischen Inlandgeheimdienstes Schin Bet war Murad Namr von 2010 bis 2020 wegen der Planung von Terroranschlägen unter der Leitung von Terrorgruppen im Gazastreifen inhaftiert.[446] Die Hamas bekannte sich zum Anschlag und rief zu einer „Eskalation des Widerstands“ auf. Wenige Stunden danach gab es im besetzten Westjordanland einen Angriff auf einen Checkpoint mit einem Auto, dabei wurden zwei israelische Soldaten leicht verletzt.[447]

Die islamistische Terrororganisation Hamas ließ als siebte Gruppe eine 17-Jährige, sechs erwachsene israelische Frauen und einen israelischen Mann frei. Dieser stammte wie seine ebenfalls freigelassene 17-jährige Schwester aus der muslimischen Beduinengemeinde Rahat.[448][449][450]

Dezember 2023 Bearbeiten

1. Dezember Bearbeiten

Nach dem Auslaufen der Waffenruhe hielt die Hamas immer noch 137 Geiseln fest.[451] Sowohl Israel als auch die USA machten die Hamas für das Ende des Waffenstillstands verantwortlich: Sie habe keine Liste freizulassender Geiseln vorgelegt und die Waffenruhe durch Angriffe gebrochen.[452] Dadurch gingen die Kampfhandlungen im Gazastreifen, in Israel und an der Nordgrenze zum Libanon weiter. Am frühen Morgen bestätigten israelische Militärs die erste abgefangene Rakete im Umland von Sderot.[453] Im Laufe des Tages feuerten Hamas und Islamischer Dschihad Raketen auf Israel und Jerusalem.[452] Im Norden Israels wurden Stellungen der Hisbollah im Libanon angegriffen sowie deren Einheiten getroffen.[454][455] Das israelische Militär griff im Laufe des Tages 200 Ziele der Hamas im Gazastreifen an; so seien Tunnelschächte und Raketenabschussrampen sowie weitere Hamas-Infrastruktur getroffen worden.[456]

4. Dezember Bearbeiten

Das israelische Militär vermeldete, seine Bodenoffensive auf den Süden des Gazastreifens ausgeweitet zu haben. Zudem wurden mehrere auf Israel fliegende Raketen aus dem Gazastreifen abgefangen. Auch aus dem Libanon vermeldete das israelische Militär Beschuss.[457] Die IDF warnte die Gaza-Bevölkerung vor der Nutzung der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung zwischen den Städten Chan Junis und Deir al-Balah.[458] Bei einem US-Luftangriff im Nordirak wurden mehrere Kämpfer getötet, die sich zuvor zu mehreren Anschlägen auf US-Truppen bekannt hatten. Irakische Gruppen vermeldeten aufgrund der US-Unterstützung für Israel bei der Bombardierung des Gazastreifens seit dem 17. Oktober über 70 solcher Angriffe auf US-Streitkräfte.[458]

5. Dezember Bearbeiten

Das israelische Militär (IDF) teilte am frühen Morgen mit, nach Beschuss aus dem Libanon durch die Hisbollah deren Stellungen und Abschussorte angegriffen zu haben.[459] In Folge der täglichen grenzüberschreitenden Schusswechsel starb erstmals ein libanesischer Soldat durch israelische Waffen.[460][461] Palästinensische Medien berichteten von israelischen Luftangriffen auf Chan Yunis.[462] Die IDF rückten im umzingelten Dschabaliya vor, eroberten ein „Sicherheitshauptquartier“ und stellten Waffen, Ausrüstung und Geheimdienstmaterial sicher.[463][464]

Am Nachmittag teilten israelische Offiziere mit, bereits in den Zentren von Chan Yunis, Dschabaliya und Schudschaʿiya zu kämpfen. Der Tag wurde als einer der bisher intensivsten seit Beginn der Bodenoperation beschrieben.[465] In einer Pressekonferenz informierte Premier Netanjahu darüber, dass die Hälfte aller Hamas-Bataillonskommandeure Ziel getötet worden sei; die Gruppe habe bis zu 24 Bataillone. Gleichzeitig hob er die Umzingelung von Chan Yunis und Dschabaliya sowie 110 bislang freigelassene Geiseln hervor. Darüber hinaus bekräftigte er das Ziel der Entmilitarisierung von Gaza durch die IDF.[466]

Die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen griffen mehrfach Israel an: „Eine Ladung ballistischer Raketen“ sei auf militärische Ziele im Süden abgefeuert worden, erklärten die vom Iran unterstützten Rebellen.[464] Die USA verhängten Visa-Beschränkungen gegen extremistische jüdische Siedler, die Gewalt gegen palästinensische Zivilisten im besetzten Westjordanland ausübten. Sie wollten jedem die Einreise verweigern, der dort „den Frieden, die Sicherheit oder die Stabilität […] untergräbt“.[464] Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, forderte eine gründliche Untersuchung sexueller Gewalt durch Hamas-Terroristen.[464] Siehe: Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023#Vergewaltigungen und sexualisierte Gräueltaten der Hamas gegen Frauen

6. Dezember Bearbeiten

Das israelische Militär verkündete, mit der Flutung des Tunnelsystems im Gazastreifen mittels Meerwasser begonnen zu haben. Seit Beginn der Bodenoffensive im Gazastreifen seien 800 Schächte gefunden worden, die zum Tunnelsystem und zu Bunkern der Hamas führten.[467]

8. Dezember Bearbeiten

Ein Einsatz in der Nacht zur Rettung israelischer Geiseln scheiterte Armeevertretern zufolge. Es seien demnach mehrere Terroristen getötet sowie zwei Soldaten schwer verletzt worden.[468] Die IDF teilten mit, über 450 Ziele im Gazastreifen angegriffen zu haben. In der Stadt Gaza zerstörten Truppen auf einem Universitätscampus Hamas-Strukturen; Raketenbestandteile und ein Tunnel seien entdeckt worden. Zudem wurden zwei weitere getötete israelische Soldaten bekannt, was deren Zahl auf 91 erhöhte.[469]

9. Dezember Bearbeiten

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, drei Mitglieder der Hisbollah und ein Syrer seien in einem Auto im Süden Syriens nahe den Golanhöhen von einer israelischen Drohne getötet worden.[470]

Das Welternährungsprogramm bezeichnete die Situation in Gaza als unhaltbar, es herrsche Chaos und Hunger, man fordere einen Waffenstillstand.[470] Bis Ende November 2023 wären 65 % aller Gebäude im Norden des Gazastreifens beschädigt oder zerstört. Im Süden des Gazastreifens wären noch 85 % aller Gebäude intakt.[471]

Die Palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah versuchte sich intensiver in die Beratungen über eine Zukunftsregelung in der Region einzubringen. Ministerpräsident Mohammed Schtajjeh wolle an diesem Wochenende nach Katar fliegen, um dessen finanzielle Unterstützung für die Hamas an die Autonomiebehörde zu übertragen und ihr damit mehr Ressourcen zur Verwirklichung von Nachkriegszielen zu geben.[472] Die schiitischen Huthi-Rebellen in Jemen drohten, künftig Schiffe jeglicher Nationalität auf dem Weg nach Israel an der Durchfahrt im Roten Meer zu hindern. In einer Erklärung hieß es, nur Frachtern, die Hilfsgüter für den Gazastreifen lieferten, werde die Durchfahrt gewährt.[472]

10. Dezember Bearbeiten

Wegen Hinweisen auf mögliche Anschlagspläne gegen Israelis auf Zypern wurden dort zwei Iraner festgenommen.[473]

Das israelische Militär gab bekannt, seit Beginn des Krieges mehr als 22.000 Ziele im Gazastreifen attackiert zu haben.[474] Israels Nationaler Sicherheitsberater Zachi Hanegbi berichtete, seit Beginn des Krieges seien 7000 Kämpfer der Hamas getötet worden. Er erklärte außerdem, dass die israelische Armee an die Kommandozentralen der Hamas in Dschabalia und Schedschaija herangerückt sei.[475] Die Zahl der getöteten Palästinenser sei laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde auf 17.700 gestiegen.[475] Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu forderte die Hamas auf, ihre Waffen niederzulegen. Er sagte, in den letzten Tagen hätten sich Dutzende Hamas-Terroristen den israelischen Streitkräften ergeben. Der Sprecher des bewaffneten Arms der Hamas, Abu Obaida, hatte zuvor eine Fortsetzung der Kämpfe gegen die israelischen Truppen angekündigt. Den Soldaten gelinge es allen Versuchen zum Trotz nicht, den „Widerstand“ der Hamas zu brechen, sagte Obeida. Er kündigte gleichzeitig an, dass keine Geisel den Gazastreifen lebend verlassen werde, wenn die Forderungen seiner Organisation nicht erfüllt würden.[473]

Nach ihrer Freilassung aus der Gewalt der islamistischen Hamas beschrieben einige Israelis die schlimmen Umstände ihrer Geiselhaft. Ihre Erlebnisse hätten sie an den Holocaust erinnert.[473]

12. Dezember Bearbeiten

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen stimmte auf der wieder aufgenommenen Zehnten Dringlichkeitssitzung mehrheitlich für den Resolutionsentwurf A/ES-10/L.27 Schutz von Zivilpersonen und Wahrung rechtlicher und humanitärer Verpflichtungen, der eine sofortige humanitäre Waffenruhe forderte.[476] Die so verabschiedete Resolution A/RES/ES-10/22 forderte auch die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Geiseln und die Einhaltung des Völkerrechts durch die Kriegsparteien. 153 Nationen stimmten für die Resolution, zehn – die USA, Israel, Österreich, Tschechien, Guatemala, Liberia, Mikronesien, Nauru, Papua-Neuguinea und Paraguay – stimmten dagegen; 23 enthielten sich, darunter auch Deutschland.[477][478] Änderungsanträge der USA und Österreichs, die eine namentliche Nennung der Hamas im Zusammenhang mit dem Terrorangriff am 7. Oktober und den dabei erfolgten Geiselnahmen durchsetzen sollten, erhielten eine einfache Mehrheit, aber nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit.[479][480] Der israelische UNO-Botschafter Gilad Erdan sagte, der einzige Effekt eines Waffenstillstands wäre, „das Überleben der Hamas zu sichern und das Überleben der völkermordenden Terroristen, die sich der Vernichtung Israels und der Juden verschrieben haben.“[480]

Laut UNO-Angaben wurde seit dem Beginn des Krieges zwischen Israel und der Hamas knapp ein Fünftel der Infrastruktur im Gazastreifen zerstört. Auf einem am 26. November aufgenommenen hochaufgelösten Satellitenbild seien 37.379 beschädigte Gebäude identifiziert worden, erklärte das Satellitenprogramm UNOSAT, dies entspreche etwa 18 Prozent der Infrastruktur im Küstengebiet.[480]

14. Dezember Bearbeiten

Seit der Einrichtung einer Schutzzone für Zivilisten im Gebiet rund um die Ortschaft Al-Mawasi seien von dort 116 Raketen auf Israel abgeschossen worden, teilte das israelische Militär mit, 38 Geschosse seien innerhalb des Gazastreifens eingeschlagen.[481] Beim seit Dienstag andauernden israelischen Militäreinsatz in der Stadt Dschenin wurden palästinensischen Angaben zufolge drei weitere Menschen getötet, insgesamt elf.[481] Die israelische Armee präsentierte Attrappen der Hamas, mit denen die Terroristen die Anwesenheit von Geiseln vorgetäuscht haben sollen, um israelische Soldaten in einen Hinterhalt zu locken.[482]

Seit Beginn des Nahost-Krieges im Oktober wurden nach Angaben der Hisbollah-Miliz 100 ihrer Mitglieder an der libanesisch-israelischen Grenze getötet. Die Zusammenstöße verschärften sich in den vergangenen Wochen, blieben aber weitgehend auf wenige Grenzorte beschränkt. Tausende Anwohner auf beiden Seiten der Grenze flohen aus der Region. Die Streitkräfte Israels teilten mit, die libanesische Terrororganisation Hisbollah habe seit dem 7. Oktober Hunderte von Raketen auf Israel abgefeuert. Dabei sei eines von fünf Geschossen im Libanon selbst eingeschlagen, die Hisbollah schade mit ihren Angriffen israelischen und libanesischen Zivilisten gleichermaßen.[481]

Das Westjordanland und der Gazastreifen müssten aus Sicht der USA unter eine gemeinsame Regierung gebracht werden, äußerte Jake Sullivan, der Sicherheitsberater des US-Präsidenten.[481] Die deutsche Generalbundesanwaltschaft gab die „Festnahme von vier mutmaßlichen Mitgliedern der terroristischen Vereinigung Hamas“ bekannt.[483][484] Nach israelischen Angaben wurden in Dänemark sieben Personen mit Verbindungen zur Hamas festgenommen, die einen Anschlag geplant hätten.[485]

15. Dezember Bearbeiten

Der Sprecher der israelischen Armee berichtete, die Armee töte Hamas-Terroristen in den Tunneln unter dem Gazastreifen nun gezielt mit Sprengstoff: „Wir haben neue Kampfmethoden, die wir einsetzen werden, um Terroristen zu töten.“

Bei Kämpfen in Schedschaija im Norden des Gazastreifens töteten israelische Soldaten drei Geiseln, die zuvor ihre Hemden ausgezogen hatten und mit weißer Flagge auf die Soldaten zuliefen.[486][487] Nachdem israelische Soldaten zwei der Geiseln erschossen hatten, floh die dritte Geisel verletzt in ein Gebäude und rief auf Hebräisch um Hilfe. Als der Mann kurz darauf wieder hervorkam, wurde er erschossen, obwohl der Batallionskommandeur das Kommando zur Einstellung des Feuers gegeben hatte. Eine Untersuchung des IDFs stellte fest, dass dabei Einsatzregeln verletzt wurden. Israels Generalstabschef Herzi Halevi stellte klar, dass auf Menschen mit weißer Flagge, die sich ergeben wollen, nicht geschossen werden dürfe, auch wenn sich Soldaten wie hier in einer aktiven Kampfzone befänden. Bei der Tötung der Geiseln seien Einsatzregeln verletzt worden, betonte Halevi. „Die drei Geiseln haben alles getan, damit wir sie als solche erkennen – sie hatten ihre Hemden ausgezogen, damit wir sehen, dass sie keine Sprenggürtel tragen, und sie hielten eine weiße Flagge“, räumte Halevi ein.[488][482] Der Vorfall löste in Israel Proteste Hunderter Menschen aus, die Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seiner Regierung vorwarfen, nicht genug zu tun, um Geiseln freizubekommen.[489] Zwei Wochen später gab die israelische Armee neue Erkenntnisse bekannt, die unter anderem auf einer Analyse von Luftaufnahmen basierten. Demzufolge habe der Soldat, der zwei von ihnen tötete, von seiner Position aus nur eine eingeschränkte Sicht auf die Geiseln gehabt. Die zwei Soldaten, die den dritten Mann töteten, hätten den Befehl, das Feuer einzustellen, wegen des Lärms eines Panzers in der Nähe nicht gehört. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Generalstabschef Herzi Halevi betonte, die Angriffe „hätten verhindert werden können“, es habe dabei aber „keinen Vorsatz“ gegeben.[490]

Israel öffnete eigenen Angaben zufolge den zusätzlichen Grenzübergang Kerem Schalom für Hilfslieferungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) begrüßte die Öffnung, erklärte jedoch, es müsse noch einiges getan werden, um sicherzustellen, dass die dringend benötigten Krankenhäuser in der gesamten Enklave mit medizinischen Hilfsgütern versorgt würden. Israel warf der Hamas vor, Hilfslieferungen für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen zu stehlen. Es sei beschämend, dass die internationalen Hilfsorganisationen dies nicht verurteilten, hieß es aus dem Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.[486]

16. Dezember Bearbeiten

Gemeinsam riefen der britische Außenminister David Cameron und die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock zu einer erneuten Waffenruhe auf, ohne aber von Israel „eine allgemeine und sofortige Waffenruhe“ zu verlangen. Dies würde die Gründe ignorieren, warum Israel dazu gezwungen sei, sich selbst zu verteidigen, argumentierten sie: „Die Hamas hat Israel barbarisch angegriffen und feuert immer noch jeden Tag Raketen ab, um israelische Bürger zu töten.“ Die Hamas müsse „ihre Waffen niederlegen“, forderten Baerbock und Cameron.[491][492]

17. Dezember Bearbeiten

Das israelische Militär gab bekannt, den bisher größten Tunnel der Hamas gefunden zu haben; er liege 400 Meter vom Erez-Grenzübergang zwischen Israel und dem Küstengebiet, sei breit genug für Autos und mit einem weitverzweigten Tunnelnetzwerk unter dem Gazastreifen verbunden.[493] Das Tunnelnetz erstrecke sich rund 50 Meter unter der Erde über mehr als vier Kilometer. In den Tunneln wurden nach Angaben des israelischen Militärs Waffen gefunden.[494] Nach einem Bericht von Zeit Online sollen Hamas-Terroristen über diese Tunnel Fahrzeuge für den Angriff am 7. Oktober in Grenznähe zu Israel gebracht haben.[495] Über den Grenzübergang Kerem Schalom gelangte ein erster Hilfskonvoi von insgesamt 79 Lastwagen mit humanitären Gütern von Israel aus in den Gazastreifen.[496]

Die französische Außenministerin Catherine Colonna forderte eine „erneute umgehende und dauerhafte Feuerpause“.[497]

18. Dezember Bearbeiten

Als Reaktion auf den anhaltenden Beschuss der Huthi-Rebellen auf zivile Containerschiffe im Roten Meer, unter anderem der Al Jasrah einige Tage zuvor,[498] beim Bab-el-Mandeb starteten die Vereinigten Staaten mit Verbündeten die multilaterale Operation Prosperity Guardian zum Schutz der Schifffahrt.[499][500]

19. Dezember Bearbeiten

Das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen (OHCHR) forderte Israel auf, eine Untersuchung wegen „der möglichen Begehung eines Kriegsverbrechens“ durch seine Streitkräfte einzuleiten. Das OHCHR erklärte, „beunruhigende“ Informationen über eine Massenexekution von „elf unbewaffneten Palästinenser“ durch israelische Streitkräfte im Stadtteil Al Remal in Gaza-Stadt erhalten zu haben. Nach Zeugenaussagen hätten israelische Soldaten am 19. Dezember 2023 bei einer Razzia in einem Wohnhaus, in dem mehrere Familien lebten, eine Gruppe Männer von Frauen und Kindern getrennt und dann mindestens elf der Männer vor den Augen ihrer Familien erschossen.[501][502][503][504] Anschließend sollen Soldaten die Frauen und Kinder in einen Raum befohlen und entweder auf sie geschossen oder eine Granate in den Raum geworfen haben, wobei ein Säugling und ein Kind schwer verletzt wurden.[505][506][507] Die israelischen Behörden äußerten, die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage und sahen keine Notwendigkeit für eine „unabhängige, gründliche und wirksame Untersuchung dieser Vorwürfe“,die die Vereinten Nationen gefordert hatten.[508] Israel beschuldigte die Vereinten Nationen, Behauptungen zu verbreiten, die nach Aussage Israels einem „Ritualmordvorwurf“, eine mittelalterliche antisemitische Anschuldigung, gleichkämen und forderte den Hochkommissar Volker Türk auf, die von seinem Büro erhobenen Anschuldigungen öffentlich zurückzuziehen.[509]

Der Direktor des Kamal-Adwan-Krankenhauses in Gaza gab in einem Verhör zu, Mitglied der al-Qassam-Brigaden zu sein. Nach seinen Angaben arbeiteten 16 Personen des Krankenhaus-Personals für die Hamas – darunter Ärzte und Krankenschwestern, zudem sollten auch mehrere Mitglieder der Al-Quds Brigaden im Krankenhaus angestellt sein. Nach seinen Angaben hatten ein Hamas-Führer sowie zwei Hamas-Funktionäre Büros im Krankenhaus. Es gebe dort für Verhöre vorgesehene Räume. Die Hamas habe zudem eine eigene Ambulanz, die sich farblich von den Medizinern für die Zivilbevölkerung unterscheide. Ein Video mit dem Verhör wurde veröffentlicht.[510] Der amerikanische Nachrichtensender CNN schrieb hierzu, es sei jedoch unklar, ob die Aussage unter Zwang gemacht worden sei. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes betrachte die Veröffentlichung von Videos der Verhöre von Kriegsgefangenen im Allgemeinen als Verstoß gegen die Bestimmung der Genfer Konvention zum Schutz von Kriegsgefangenen vor „öffentlicher Neugierde“. Das Personal des Krankenhauses habe von Gräueltaten der israelischen Streitkräfte berichtet.[511]

20. Dezember Bearbeiten

Das israelische Militär gab bekannt, die Hamas-Hochburg Dschabaliya erobert zu haben. Dabei seien „hunderte Terroristen“ getötet und 500 Terrorverdächtige gefangen genommen worden. Die israelische Armee zerstörte nach eigenen Angaben unter anderem feindliche Kommandozentralen und Produktionsstätten für Raketen in Dschabaliya.[512]

21. Dezember Bearbeiten

Eine Analyse der Washington Post kam zu dem Schluss, die von Israel vorgelegten Materialien hätten nicht den Nachweis erbracht, dass das von israelischen Streitkräften angegriffene Schifa-Krankenhaus tatsächlich als eine Kommandozentrale der Hamas fungiert hätte. Die von den IDF-Truppen entdeckten Räume, die mit dem Tunnelnetzwerk verbunden seien, zeigten keine unmittelbaren Hinweise auf eine militärische Nutzung durch die Hamas, keines der fünf von IDF-Sprecher Hagari identifizierten Krankenhausgebäude scheine mit dem Tunnelnetzwerk verbunden zu sein, und es gebe keine Hinweise darauf, dass die Tunnel von den Krankenstationen aus zugänglich gewesen seien.[513] Noch 2014 wurde in einem Artikel der Washington Post das Hospital als „das de-facto Hauptquartier der Hamasführer“ bezeichnet. Es seien dort Interviews gegeben worden und die Hamas habe die Bilder von verletzten Palästinensern für ihre Propaganda genutzt. Auch Amnesty International hatte im selben Jahr laut ZDF berichte, „dass in den Kellerräumen des Krankenhauses von der Hamas entführte Personen verhört, gefoltert oder auf andere Weise misshandelt würden“. Erste Hinweise auf eine militärische Nutzung des Krankenhauses gab es im Jahr 2006 während des palästinensischen Bürgerkriegs zwischen der Hamas und der Fatah. Ein Arzt des Krankenhauses wurde in einem Bericht von 2007[514] zitiert: „Das medizinische Personal leidet unter Angst und Schrecken, insbesondere vor den Hamas-Kämpfern, die sich in jeder Ecke des Krankenhauses aufhalten.“[515]

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet von einem Anstieg der humanitären Not im Gazastreifen; dort seien 1,4 Millionen Menschen in überfüllten Notunterkünften untergebracht.[516][517] Die medizinische Versorgung im Gazastreifen kollabiere laut WHO; es seien noch neun von ehemals 36 Gesundheitseinrichtungen teilweise im Betrieb; der Rest, darunter alle Krankenhäuser im nördlichen Teil des Gazastreifens, seien wegen Treibstoff-, Personal- und Warenmangels außer Betrieb.[518] Laut WHO gibt es im Gazastreifen durchschnittlich noch eine Dusche für 4500 Menschen und eine Toilette für 220 Personen. Der Mangel an sanitären Einrichtungen führte laut WHO zu einem Anstieg der Infektionszahlen; seit Mitte Oktober seien mehr als 100.000 Fälle von Durchfallerkrankungen und mehr als 150.000 Fälle von Infektionen der oberen Atemwege, wie auch Fälle von Meningitis, Hautausschlägen, Krätze, Läusen und Windpocken gemeldet worden, gleichzeitig würden im Dezember 2023 insgesamt 93 Prozent der Bevölkerung im Gazastreifen Hunger leiden.[516][517]

Das israelische Militär gab bekannt, die vollständige operative Kontrolle über die Hamas.Hochburg Shejaiya in Gaza-Stadt übernommen zu haben. Tunnelschächte, die in zivilen Häusern gefunden worden seien, seien zerstört, Häuser hochrangiger Hamas Mitglieder seien durchsucht sowie Geheimdienstmaterial beschlagnahmt worden. Ein Hamas Hauptquartier des dortigen Bataillons sei erobert worden, es sei beim Terrorangriff am 7. Oktober genutzt worden.[519]

22. Dezember Bearbeiten

Die New York Times berichtete basierend auf Bildmaterial, Israel habe in den ersten sechs Wochen des Gaza-Krieges routinemäßig eine seiner größten und zerstörerischsten Bomben in Gebieten eingesetzt, die es gegenüber der Zivilbevölkerung als sicher benannt hätte. Die Untersuchung konzentrierte sich auf den Einsatz von 2.000-Pfund-Bomben in einem Gebiet im Süden des Gazastreifens. Israel habe die Zivilbevölkerung angewiesen, sich dorthin zu begeben, um vor Luftangriffen sicher zu sein. Trotzdem habe es dort über 200 Einschläge von 2.000-Pfund-Bomben gegeben. Bomben dieser Größe seien auch im Arsenal anderer westlicher Streitkräfte enthalten, würden aber laut Munitionsexperten von US-Streitkräften heute fast nie mehr in dicht besiedelten Gebieten eingesetzt. US-Beamte hätten Israel aufgefordert, mehr zu tun, um die Zahl der zivilen Opfer im Kampf gegen die Hamas zu verringern. Das Pentagon habe die Lieferungen kleinerer Bomben an Israel erhöht, die besser für städtische Gebiete wie Gaza geeignet seien. Trotzdem hätten die Vereinigten Staaten seit Oktober 2023 mehr als fünftausend 2.000-Pfund-Bomben des Typs Mark 84 nach Israel geschickt.[520]

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedete die Resolution S/RES/2720 (2023)[521] zur Aufstockung der humanitären Hilfslieferungen in den Gazastreifen. Der völkerrechtlich bindende Beschluss forderte alle Seiten dazu auf, „unverzüglich einen sicheren und ungehinderten humanitären Zugang“ in den Gazastreifen zu ermöglichen. Sie fordert Schutz für „zivile und humanitäre Einrichtungen, darunter Krankenhäuser, medizinische Einrichtungen, Schulen, Kultstätten und Einrichtungen der Vereinten Nationen sowie humanitäres Personal und Sanitätspersonal und die Transportmittel dieses Personals“. Auch die Voraussetzungen für eine nachhaltige Einstellung der Gewalt müssten geschaffen werden. Russland und die USA enthielten sich, Gegenstimmen gab es nicht. Die USA hatten zuvor auf der Streichung eines Teils des Texts bestanden, darunter ein Paragraf, der „alle Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht einschließlich aller willkürlichen Angriffe auf Zivilisten und zivile Objekte“ verurteilte, sowie eine in einer vorherigen Textversion geforderte unverzügliche Aussetzung der Gewalt, um Hilfslieferungen zu ermöglichen.[522]

23. Dezember Bearbeiten

Die iranischen Revolutionsgarden drohten nach einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim mit der Blockade des Mittelmeers. Die USA und ihre Verbündeten sollten sich auf die Schließung des Mittelmeeres, der Straße von Gibraltar und anderer Wasserwege einstellen, falls die Verbrechen im Gazastreifen fortgesetzt würden, zitiert Tasnim Brigadegeneral Mohammad Resa Naqdi. „Raisi sagte, der Iran sei bereit, alle seine Kapazitäten zur Verfügung zu stellen, um den Völkermord des zionistischen Regimes zu stoppen und den Palästinensern Hilfe zukommen zu lassen“, berichtete das Staatsfernsehen in der Islamischen Republik.[523]

Israel teilte mit, durch einen Luftschlag in Rafah einen hochrangigen Funktionär der Hamas getötet zu haben. Er sei demnach für die Beschaffung und Produktion von Waffen für die Hamas sowie den Schmuggel von Waffen aus dem Ausland nach Gaza und ins Westjordanland verantwortlich gewesen.[524]

24. Dezember Bearbeiten

Die israelische Armee gab bekannt, im Tunnelsystem im Bereich des Flüchtlingslagers Dschabalia die Leichen von fünf Geiseln gefunden zu haben. Das Netzwerk habe als Hamas-Kommandozentrum gedient; es seien vor der Zerstörung des Tunnelsystems Waffen, Geräte zu deren Herstellung sowie Wohnräume gefunden worden.[525] Einer Schätzung zufolge soll Israels Militär bisher 7.860 Terroristen im Gazastreifen getötet haben.[525]

Am Nachmittag traf Medienberichten zufolge eine Delegation des Islamischen Dschihad in Kairo zu Gesprächen ein.[525]

Hamas-Mitglieder schossen im Süden des Gazastreifens nahe Rafah auf eine Gruppe junger palästinensischer Männer, die im Grenzgebiet zu Ägypten humanitäre Hilfsgüter an sich bringen wollten. Dabei seien ein Jugendlicher getötet und weitere Menschen verletzt worden; Palästinenser haben daraufhin laut Augenzeugenberichten im Süden des Gazastreifens gegen die Hamas protestiert, daran seien Dutzende Menschen beteiligt gewesen. Berichten zufolge wurde auch eine Polizeistation der Hamas angezündet.[526] Ein Polizist des von der Hamas geführten Innenministeriums im Gazastreifen hatte bei dem Vorfall, als eine Gruppe von Menschen versucht hatte, Hilfsgüter auf Lastwagen an sich zu nehmen, einen 13-jährigen Jungen erschossen.[527] Israel ging davon aus, dass die Hilfslieferungen für die Terroristen bestimmt waren, die sich im Tunnelsystem im Gazastreifen versteckten. Es habe immer wieder Augenzeugenberichte gegeben, denen zufolge bewaffnete Hamas-Mitglieder Hilfslieferungen in ihre Gewalt brachten.[528]

25. Dezember Bearbeiten

Angehörige der israelischen Gaza-Geiseln protestierten bei einer Sondersitzung des Parlaments in Jerusalem mit Sprechchören gegen eine Rede von Regierungschef Benjamin Netanyahu. Dieser betonte dabei, nur durch militärischen Druck könnten die von der militant-islamistischen Hamas in den Gazastreifen entführten Menschen befreit werden. Angehörige der Geiseln riefen unterdessen von der Tribüne aus im Chor immer wieder „Jetzt, jetzt, jetzt“, um ihrer Forderung nach sofortigen Maßnahmen für die Befreiung der noch mehr als 100 im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln Nachdruck zu verleihen. Sie hielten Transparente, auf denen unter anderem „80 Tage Hölle“ stand, wie in Videos zu sehen war; viele forderten eine zweite Feuerpause für einen Austausch der Verschleppten gegen in Israel inhaftierte Palästinenser.[527]

Die Hamas lehnte eine nur vorübergehende Feuerpause im Gaza-Krieg ab und forderte einen dauerhaften Waffenstillstand, teilte die Terrororganisation am Abend mit. Die Hamas reagierte damit auf einen arabischen Medienbericht, nach dem Ägypten einen Entwurf zur Beendigung des Gaza-Krieges in mehreren Stufen erarbeitet habe; wie der saudische TV-Kanal Aschark News am Vortag berichtet hatte, gehe es darum, eine mindestens zwei Wochen andauernde Feuerpause durchzusetzen.[527]

In einem Brief an die Führungsriege der Hamas zeigte sich der Chef der Terrormiliz, Jahia Sinwar, siegesgewiss. Die Kämpfer der Hamas hätten der israelischen Armee bereits immense Verluste zugefügt; mindestens 5.000 israelische Soldaten seien angegriffen und davon ein Drittel getötet, ein weiteres Drittel schwer verletzt und ein weiteres Drittel dauerhaft außer Gefecht gesetzt worden, schrieb er. Die israelischen Truppen seien von dem bewaffneten Arm der Hamas „zerschlagen“ worden und die Hamas werde sich keinesfalls den israelischen Bedingungen unterwerfen.[527]

Ein hochrangiger General der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) wurde nach Angaben der Regierung Irans bei einem israelischen Luftangriff in einem südlichen Vorort von Damaskus getötet, wie die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna meldete. General Rasi Mussawi sei in Syrien einer der „erfahrensten Berater“ der Einheiten der Al-Kuds-Brigaden gewesen. Die IRGC drohten Israel mit Rache.[527]

Angaben der IDF zufolge wurden die Leichen von fünf Geiseln aus einem Tunnelnetzwerk im nördlichen Gazastreifen geborgen. Die Armee teilte mit, dass die sterblichen Überreste von drei Soldaten und zwei Zivilisten, die am 7. Oktober aus Israel verschleppt worden seien, in einem weitreichenden Tunnelsystem im Flüchtlingsviertel von Dschabaliya gefunden worden seien. Die in zwei Ebenen angelegten Tunnel dienten den Angaben der IDF zufolge der Terrororganisation Hamas als Kommandozentrale.[529]

26. Dezember Bearbeiten

Nach Angaben von Bewohnern wurden mehrere Orte im mittleren Bereich des Gazastreifens von israelischem Militär bombardiert.[530]

Die Leichen von 80 Palästinensern wurden aus Israel an den Gazastreifen zurückgebracht und mittels des Roten Kreuzes an die örtlichen Behörden im Palästinensergebiet übergeben. Sie wurden in einem Massengrab auf einem provisorischen Friedhof in der Region Rafah bestattet.[531]

27. Dezember Bearbeiten

Das israelische Militär veröffentlichte Aufnahmen von israelischen Soldaten, welche dessen Angaben zufolge tief in Chan Yunis im südlichen Gazastreifen operierten; sie seien dabei, Terroristen zu eliminieren und terroristische Infrastruktur zu zerstören.[532] Die IDF sprengten laut eigenen Angaben drei Tunnelschächte, welche sich unter einem Kinderkrankenhaus in Gaza befanden, diese hätten als Kommandoposten für den Kampf gegen Israel gedient. Sie seien mehrere Kilometer lang gewesen und hätten zu anderen strategischen Punkten in Gaza-Stadt geführt. Einige der Schächte hätten Aufzüge sowie Sprengtüren besessen.[533]

Die iranische Revolutionsgarde bezeichnete den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober als Rache für die Tötung ihres Generals Ghassem Soleimani Anfang 2020. Die Attacke sei „einer der Vergeltungsakte des Volkswiderstands gegen die USA und die Zionisten für die Ermordung des Märtyrers Soleimani“, sagte Ramesan Scharif, Sprecher der Revolutionsgarde. Die im Gazastreifen regierende militant-islamistische Hamas widersprach umgehend.[534]

Drei mit Sprengstoff beladene Drohnen der Hisbollah schlugen in Grenznähe nahe israelischen Stellungen ein, weitere Raketen schlugen in offenem Gebiet in Nordisrael ein. Die IDF reagierten mit Luftangriffen.[535] Für eine weitere Drohne übernahm der Islamische Widerstand im Irak die Verantwortung.[536]

28. Dezember Bearbeiten

IDF-Einheiten setzten ihren Kampf gegen Hamas-Einheiten in zwei Stadtvierteln von Gaza-Stadt fort; in diesen befand sich laut Angaben der IDF das letzte stehende Bataillon der Hamas im nördlichen Gazastreifen. Infrastruktur der Hamas in Gebäuden und deren Mitglieder, welche israelische Militärfahrzeuge mit RPGs beschossen hätten, seien unter anderem mit Luftunterstützung eliminiert worden.[537]

Bei einem Messerangriff bei einem Kontrollpunkt nahe Jerusalem wurden zwei Menschen verletzt, der Täter wurde erschossen.[538]

Die Hisbollah im Libanon feuerte bis zu 50 Raketen und mehrere Drohnen auf Israel ab. Das Militär reagierte mit flächendeckenden Angriffen im südlichen Libanon und nahm dabei Infrastruktur der Gruppe ins Visier; einzelne Hisbollah-Gruppen und ein Militärgelände der Gruppe wurden getroffen.[539]

Laut UN-Angaben beschossen israelische Soldaten einen Hilfskonvoi im nördlichen Gazastreifen. Ein Fahrzeug sei beschädigt worden.[540]

29. Dezember Bearbeiten

Die IDF weiteten nach eigenen Angaben ihre Operationen im Gebiet Chan Yunis aus; Hamas-Kämpfer mit RPGs seien durch Luftangriffe und Panzerbeschuss eliminiert worden.[541] Zudem wurde der Tod eines weiteren Soldaten bekannt, was die Zahl getöteter Soldaten seit Beginn der Offensive auf 169 erhöhte.[542]

Bei einem Autoanschlag nahe einer Siedlung im Westjordanland wurden fünf Soldaten verletzt, der Täter wurde erschossen.[543][544]

Südafrika reichte beim Internationalen Gerichtshof der UN in Den Haag eine Klage gegen Israel unter Berufung auf die UN-Völkermordkonvention ein. Er beinhaltete als Vorwurf „Akte des Völkermords“ gegen die palästinensische Bevölkerung im Gazastreifen, das Vorgehen der israelischen Streitkräfte habe „einen völkermörderischen Charakter“.[545]

30. Dezember Bearbeiten

Die Angriffe der israelischen Armee gingen weiter; dutzende Bewaffnete wurden in Gaza mit Unterstützung der Luftwaffe getötet, die intensiven Panzer- und Luftangriffe auf Chan Yunis wurden fortgesetzt. Zudem wurden von der Hamas genutzte Gebäude zerstört und Waffen beschlagnahmt.[546] Die IDF berichteten von drei weiteren getöteten Soldaten im Gazastreifen.[547]

Der militärische Flügel der Volksfront zur Befreiung Palästinas behauptete erstmals, Geiseln in seiner Gewalt zu haben; ein israelischer Luftangriff habe im Gazastreifen demnach einen Soldaten getötet, nachdem ein Versuch gescheitert sei, ihn zu befreien. Auch einige weitere Geiseln seien verletzt worden.[548]

Vom Iran gestützte islamistische Gruppen berichteten, dass es bei einem nächtlichen Luftangriff in Ostsyrien sechs Tote unter ihren Mitgliedern gegeben habe, vier davon von der Hisbollah. Zuvor hatte es einen Angriff militanter iranisch gestützter Gruppen im Irak auf einen US-Militärstützpunkt nahe Erbil gegeben.[549]

Bei einem weiteren Autoanschlag mit einem PKW wurde im Westjordanland ein israelischer Reservist schwer verletzt.[550]

Eine taktische ballistische Rakete der Huthi-Miliz aus dem Jemen traf im Roten Meer das unter der Flagge Singapurs fahrende Containerschiff Maersk Hangzhou der Mærsk-H-Klasse der Reederei Maersk. Anschließend wehrte die USS Gravely zwei weitere Raketen ab.[551]

31. Dezember Bearbeiten

Die Terrormiliz Huthi griffen das dänische Containerschiff Maersk Hangzhou mit vier Motorbooten an. Dessen Mannschaft konnte nach amerikanischen Angaben einen SOS-Ruf an CENTCOM absetzen, woraufhin Hubschrauber des Flugzeugträgers USS Dwight D. Eisenhower und des Zerstörers USS Gravely zur Hilfe kamen; sie wurden demnach von den Huthi-Booten beschossen und erwiderten das Feuer. Drei Boote sanken, während das vierte Boot entkam. Zehn Huthis wurden getötet und zwei verwundet.[552]

Januar 2024 Bearbeiten

1. Januar Bearbeiten

Die Hamas „begann das Jahr 2024“ mit einem Raketenhagel auf Israel, unter anderem auf Tel Aviv.[553] Indessen bekräftigte die Terrororganisation ihre Position: Vor Einstellung der Kämpfe werde sie keine weiteren Geiseln freilassen.[554]

Die israelische Armee teilte mit, bei Luftangriffen im zentralen Gazastreifen sei der Kommandeur der Nukhba-Einheit getötet worden, diese Eliteeinheit sei an den Massakern vom 7. Oktober 2023 beteiligt gewesen. Zudem seien bei Angriffen Hamas-Mitglieder getötet und deren Waffen beschlagnahmt worden.[555]

Laut der New York Times kündigte das israelische Militär an, dass es zumindest vorübergehend mit dem Abzug mehrerer Tausend Soldaten aus Gaza beginnen werde. Die Reservisten von mindestens zwei Brigaden würden in dieser Woche nach Hause geschickt und weitere drei Brigaden zur Ausbildung nach Israel zurückkehren.[556]

In einem täglichen Statement kündigte die Armee an, man weite die Offensive südlich von Gaza-Stadt auf den zentralen Gazastreifen aus; Hamas-Bewaffnete seien getötet sowie deren Standorte bombardiert worden. Das Militär sei dabei, die operative Kontrolle über das Gebiet zu übernehmen.[557]

2. Januar Bearbeiten

Israel führte einen Luftangriff auf den Stadtteil Dahieh in Beirut durch, bei dem fünf Menschen getötet wurden, darunter der stellvertretende Vorsitzende des politischen Büros der Hamas Saleh al-Arouri sowie zwei hochrangige Hamas-Militärführer.[558][559]

Die USA zogen ihren Flugzeugträger USS Gerald R. Ford aus dem östlichen Mittelmeer ab, wohin er nach dem Terrorangriff der Hamas beordert worden war.[560]

3. Januar Bearbeiten

Die Times of Israel berichtete unter Berufung auf Geheimdienstexperten von einem Tunnelsystem der Hisbollah im Libanon. Es habe im Südlibanon eine Länge von Hunderten von Kilometern.[561]

Libanons Außenminister Abdallah Bou Habib stand Medienberichten zufolge mit der Hisbollah in Kontakt, um diese zu bewegen, nach dem Drohnenangriff auf den Hamas-Anführer nicht selbst einzugreifen. Die UNIFIL forderte Israel und Hisbollah zur Zurückhaltung auf.[562]

Die Hisbollah reklamierte im Laufe des Tages zehn Angriffe entlang der Grenze für sich.[563] Zwei israelische Soldaten erlitten durch einen Angriff mit einer Panzerabwehrrakete auf eine Militärstellung leichte Verletzungen.[564] Bei israelischen Gegenschlägen wurden neun Mitglieder der Hisbollah getötet, wie die Terrorgruppe bekannt gab; es sei für die Hisbollah einer der tödlichsten Tage seit Kriegsbeginn gewesen.[565]

Die IDF gaben einen weiteren gescheiterten Befreiungsversuch einer Geisel bekannt: Bereits am 8. Dezember 2023 sei es nicht gelungen, Sahar Baruch aus Hamas-Gefangenschaft zu befreien. Zwei israelische Soldaten seien dabei laut Militär schwer verletzt worden, die Todesursache der Geisel sei noch nicht bekannt.[566]

4. Januar Bearbeiten

Volker Türk, UN-Hochkommissar für Menschenrechte, verurteilte Äußerungen der rechtsextremen israelischen Kabinettsmitglieder Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich[567] über eine mögliche Massenvertreibung von Palästinensern aus dem Gazastreifen als „sehr verstörend“. Das internationale Recht verbiete gewaltsame Umsiedlungen und Deportationen von geschützten Personen in und aus besetzten Gebieten, sagte Türk auf X.[568] Israels Kulturminister Miki Zohar, Mitglied der konservativen Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, kritisierte seine Kabinettskollegen und dementierte, dass Israel an solchen Gesprächen beteiligt sei.[569] Auch die Regierungen Deutschlands, Großbritanniens, der USA und Frankreichs und EU-Chefdiplomat Josep Borrell verurteilten diese Aussagen.[570]

Die Huthis starteten ein Drohnenboot, das etwa 24 km in die internationalen Schifffahrtswege fuhr und dann detonierte, ohne Schaden anzurichten. Es kam bis auf wenige Meilen an Kriegsschiffe der US-Marine und Handelsschiffe heran.[571]

6. Januar Bearbeiten

Die israelische Nichtregierungsorganisation Peace Now veröffentlichte, dass seit dem 7. Oktober 2023 Siedler im Westjordanland neun sogenannte Außenposten und Straßen bauten. Diese Baumaßnahmen werden von der UNO als völkerrechtswidrig eingestuft und sind nach israelischem Recht illegal. Die israelische Menschenrechtsorganisation Jesch Din vermeldete schon Tage zuvor einen neuen Höchststand der Gewalttaten israelischer Siedler gegen Palästinenser im Westjordanland 2023. Das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (Ocha) dokumentierte für das vergangene Jahr 1225 derartige Angriffe.[572]

In der Nacht flog die israelische Luftwaffe laut Spiegel einen Angriff auf Dschenin im Westjordanland, bei dem sechs Palästinenser getötet wurden; zuvor war es dort zu Kämpfen zwischen Palästinensern und der israelischen Armee gekommen.[573]

8. Januar Bearbeiten

Die Hisbollah vermeldete den Tod von Wissam al-Tawil, einem ranghohen Kommandeur ihrer Elite-Truppe Radwan. Unter Berufung auf Insider aus israelischen Sicherheitskreisen erklärte Der Spiegel, dass al-Tawil durch einen israelischen Angriff getötet worden sei.[574]

9. Januar Bearbeiten

Die israelische Armee entdeckte nach eigenen Angaben eine große unterirdische Waffenfabrik, in der weit reichende Raketen und Mörsergranaten hergestellt worden seien, die den Terroristen über ein Tunnelsystem im gesamten Gazastreifen zur Verfügung gestanden hätten.[575]

In Medien wurde bekannt, dass Südkoreas Geheimdienst Belege für den Einsatz nordkoreanischer Waffen durch die Hamas haben soll. Dieser habe das Foto einer in Nordkorea hergestellten F-7-Panzerfaust veröffentlicht, die von der Hamas benutzt worden sei, berichtete die südkoreanische Zeitung JoongAng Ilbo. Die Markierungen auf dem Zünder seien koreanisch.[575]

11. Januar Bearbeiten

Die israelische Armee weitete ihre Einsätze in Chan Yunis im Süden des Gazastreifens nach eigenen Angaben über und unter der Erde aus, dabei seien bislang allein im Bereich von Chan Yunis mehr als 300 Tunneleingänge und mehr als 100 Tunnel zerstört worden. In einem offenbar mit großem finanziellen Aufwand gebauten Tunnel unter der Stadt seien zuvor israelische Geiseln festgehalten worden. Brigadegeneral Dan Goldfus sagte nach Angaben der Times of Israel, die Armee habe ihre Strategie inzwischen geändert; während man anfangs nur Eingänge zu den Tunneln aufgespürt und zerstört habe, gingen jetzt Soldaten hinein. Der Kern der Hamas befinde sich im Untergrund und dort werde man die Terrorgruppe besiegen. Die Führung der Hamas um Yahya Sinwar wird von den IDF im Tunnelnetzwerk im Bereich von Chan Yunis vermutet.[576]

Die israelische Armee bezeichnete die zwei bei einem Luftangriff im Gazastreifen drei Tage zuvor getöteten palästinensischen Journalisten des Fernsehsenders Al-Dschasira Hamsa Wael Dahduh und Mustafa Thuria als Mitglieder von Terrororganisationen. Geheimdienstinformationen hätten bestätigt, dass Thuria der Brigade der Hamas in Gaza-Stadt und Dahduh dem Islamischen Dschihad angehört habe. Vor dem tödlichen Luftangriff hätten die beiden Männer Drohnen bedient, die eine direkte Gefahr für Soldaten der IDF dargestellt hätten.[576]

Für die Hisbollah im Libanon erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Exekutivrats, Ali Damusch, die Organisation habe seit Ausbruch des Gaza-Krieges und der Gefechte an der Grenze zu Israel nur einen Bruchteil ihrer Fähigkeiten, „nämlich Waffen, Raketen und Fachkenntnisse“ gezeigt.[576]

Der Ex-Chef des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet Ami Ajalon äußerte, es sei eine der großen Fehleinschätzungen, anzunehmen, dass die Palästinenser kein Volk seien. Palästinenser definierten sich als Volk und seien „bereit, für ihre Unabhängigkeit zu töten und getötet zu werden“, sagte er der Zeitung „Haaretz“. Als israelische Strategie nach dem Krieg sprach er sich dafür aus, den palästinensischen Fatah-Politiker Marwan Barghouti freizulassen, der 2004 wegen der Beteiligung an mehreren Anschlägen zu fünffach lebenslänglicher Haft verurteilt wurde und seitdem im Gefängnis sitzt. Barghouti sei der einzige Palästinenserführer, „der gewählt werden und eine vereinte und legitime palästinensische Führung auf einen Weg der einvernehmlichen Trennung von Israel führen kann“, so Ajalon.[576]

Die US-Marine enterte im Arabischen Meer vor der Küste Somalias eine Dau und beschlagnahmte auf dieser im Iran hergestellte Komponenten für ballistische Raketen und Marschflugkörper für die Huthi. Es war die erste derartige Beschlagnahmung seit Beginn der Huthi-Angriffe auf Schiffe. Die Dau versenkte die US-Marine nach eigenen Angaben, weil sie nicht mehr fahrtüchtig schien, und nahm 14 Besatzungsmitglieder gefangen. Zwei Navy Seals werden seit der Aktion vermisst.[577][578]

12. Januar Bearbeiten

 
Tomahawk-Marschflugkörper werden von einem US-Zerstörer abgeschossen

Am 12. und 13. Januar 2024 starteten die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich mit Unterstützung Australiens, Bahrains, Kanadas und der Niederlande mit Luft- und Marschflugkörpern Raketenangriffe auf Huthi-Kräfte im Jemen als Reaktion auf die Attacken der Huthi auf Handelsschiffe im Roten Meer.[579] Die Angriffe der Huthi dienten der Unterstützung der Hamas im Krieg zwischen Israel und der Hamas und wurden am Tag vor dem Angriff vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilt.[580][581][582] US-Präsident Joe Biden erklärte, er habe die Angriffe angeordnet, während der britische Premierminister Rishi Sunak sein Kabinett einberief, um die britische Beteiligung zu genehmigen.[583][584] Nach Angaben amerikanischer Beamter sollten die Angriffe die Fähigkeit der Huthi beeinträchtigen, Ziele im Roten Meer anzugreifen; nach Angaben der Terrororganisation wurden mindestens fünf Personen getötet und sechs verwundet.[582][585]

Die Huthi kündigten Vergeltung an, „Amerika und Großbritannien werden bereit sein müssen, einen hohen Preis zu zahlen“, sagte ein Vertreter der Gruppe laut dem Huthi-Fernsehsender Al Massirah.[586] Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kritisierte den Militärschlag als „unverhältnismäßige Gewaltanwendung“. Die beiden Länder versuchten, das Rote Meer in ein „Meer aus Blut“ zu verwandeln, sagte er nach den Freitagsgebeten in Istanbul. Er habe von unterschiedlichen Quellen gehört, dass die Rebellen sich erfolgreich gegen die Angriffe zur Wehr setzten.[587]

Israel erwirkte nach eigenen Angaben eine Medikamentenversorgung der von der Hamas festgehaltenen Geiseln. Eine entsprechende Vereinbarung sei mit dem Emirat Katar getroffen worden, teilte das Büro von Premierminister Benjamin Netanyahu mit. Im Gegenzug dafür solle Israel Medikamente für die palästinensische Bevölkerung im Gazastreifen liefern.[587]

Das größte Krankenhaus im Gazastreifen nahm nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Betrieb teilweise wieder auf. Ein Team der WHO und Partner hätten das Al-Schifa-Krankenhaus im Norden des Küstenstreifens erreicht und 9.300 Liter Kraftstoff sowie medizinische Hilfsgüter für 1.000 Trauma- und 100 Dialysepatienten liefern können.[587]

Die Angriffe am 12. Januar begannen gegen 2:30 Uhr arabischer Standardzeit (UTC+3).[588] Amerikanische Kampfjets, die mit präzisionsgelenkten Bomben ausgerüstet waren, wurden von regionalen Stützpunkten aus entsandt. Gleichzeitig starteten 22 Jets, darunter F18, vom Flugzeugträger USS Dwight D. Eisenhower. Darüber hinaus starteten von der USS Philippine Sea, USS Gravely und USS Mason sowie dem U-Boot USS Florida Tomahawk-Marschflugkörper.[583] Die BBC berichtete, dass vier Eurofighter Typhoon der Royal Air Force, die vom Stützpunkt Akrotiri auf Zypern aus eingesetzt wurden, an dem Angriff beteiligt waren. Zwei Luftbetankungsflugzeuge des Typs Voyager der Royal Air Force unterstützten den Einsatz. Generalleutnant Douglas Sims gab bekannt, dass die Streitkräfte der USA und der Koalition mehr als 150 Geschosse eingesetzt haben, um mehr als 60 Ziele an fast 30 Orten zu treffen.[582][589]

Das britische Verteidigungsministerium gab bekannt, dass es zwei Standorte ins Visier genommen habe. Der erste Standort, Bani im Nordwesten Jemens, sei für den Start von Aufklärungs- und Angriffsdrohnen genutzt worden. Der zweite Standort sei der Flugplatz ʿAbs, der nach Angaben des Verteidigungsministeriums für den Abschuss von Marschflugkörpern und Drohnen über dem Roten Meer genutzt worden sei.[590]

Es wurden Explosionen in Sanaa, Al-Hudaida und Dhamar gemeldet. Zu den Zielen gehörten Logistikzentren, Luftabwehrsysteme und Waffenlager. Einem von den Huthi betriebenen Nachrichtensender zufolge wurden der Flughafen al-Hudaida, Flughafen Taʿizz, der Luftwaffenstützpunkt al-Dailami nördlich von Sanaa, ein Flughafen bei Hajjah und ein Lager östlich von Saʿda getroffen.[580]

13. Januar Bearbeiten

Einen weiteren Angriff starteten die US-amerikanischen Streitkräfte nach eigenen Angaben des US Central Command um 3:45 Uhr arabischer Standardzeit (UTC+3) am 13. Januar. Dabei seien von der USS Carney aus Tomahawk-Marschflugkörper gegen Infrastruktur der Huthi eingesetzt worden.[591]

US-Präsident Joe Biden erklärte, dass die Defensivmaßnahme, eine Reaktion auf die eskalierenden Angriffe der Huthi-Rebellen auf Handelsschiffe, erst nach eindeutigen Warnungen an die Huthi und einer umfassende diplomatischen Initiative erfolgt sei. Er fügte hinzu, dass er nicht zögern werde, weitere Maßnahmen zu ergreifen, um „unsere Bevölkerung und den freien Fluss des internationalen Handels zu schützen, wenn nötig“.[592]

Die Reaktionen im Kongress waren gemischt: Einige unterstützten die Angriffe, andere verurteilten Biden dafür, dass er ohne Zustimmung des Kongresses militärische Gewalt einsetzte. Einige Kritiker meinten, dass Biden gemäß Artikel 1 der Verfassung die Genehmigung des Kongresses einholen müsse, bevor er eine Militäraktion einleite, obwohl die War Powers Resolution von 1973 es dem Präsidenten erlaubt, einseitig militärische Maßnahmen zu ergreifen, aber den Kongress innerhalb von 48 Stunden benachrichtigen müsse.[593] Der Führer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, begrüßte die Aktion, sagte aber, die Entscheidung des Präsidenten sei überfällig.[594]

Mehrere Stunden nach den Angriffen versammelten sich Demonstranten von Code Pink und der ANSWER-Koalition vor dem Weißen Haus. In New York City versammelten sich pro-palästinensische Demonstranten am Times Square.[595]

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock kündigte politische Unterstützung an.[596]

14. Januar Bearbeiten

Hunderte israelische Unternehmen traten als Zeichen der Solidarität mit den mehr als 130 Geiseln im Gazastreifen in einen 100 Minuten langen Streik; sie folgten damit einem Aufruf der Histadrut, des Dachverbands der Gewerkschaften, am 100. Tag nach dem Überfall der Hamas.[597]

Der Sprecher des bewaffneten Arms der Hamas, Abu Obeida, erklärte, die Hamas habe keine Informationen mehr über den Verbleib vieler ihrer Geiseln. Vermutlich seien viele getötet worden, erklärte Obeida im Fernsehen und wies Israel die Verantwortung dafür zu.[597]

15. Januar Bearbeiten

Die Huthi-Miliz bestätigte den Raketenangriff auf ein US-Schiff im Golf von Aden, der Beschuss habe zu einem „direkten Treffer“ geführt. Alle britischen und US-Schiffe und Kriegsschiffe, die an der „Aggression“ gegen den Jemen beteiligt seien, würden zu Zielen. Zuvor hatte das US-Militär mitgeteilt, dass eine von den Milizen abgefeuerte Rakete ein Containerschiff getroffen habe.[598]

 
Ein F/A-18 der US Navy beim Start von einem Flugzeugträger

Der israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant kündigte eine Reduzierung der Militäroffensive im Süden des Gazastreifens an, schloss aber einen unmittelbaren Waffenstillstand aus. Es würden noch führende Mitglieder der Hamas verfolgt, sagte er, diese seien der „Kopf der Schlange“. Sie versteckten sich vermutlich in der Stadt Chan Yunis im Süden. Auf diese Gegend hatte sich die israelische Offensive zuletzt konzentriert. Yoav Gallant äußerte zudem bei einer Pressekonferenz, nach dem Ende des Krieges werde Gaza von Palästinensern regiert werden.[598]

Drei UN-Organisationen forderten Israel auf, für humanitäre Hilfslieferungen in den Gazastreifen auch seinen Hafen Aschdod zur Verfügung zu stellen. Die Lieferung von Lebensmitteln und Hilfsgütern hänge auch von der Öffnung neuer Zugangswege in das Palästinensergebiet ab, erklärten das Welternährungsprogramm (WFP), das UN-Kinderhilfswerk UNICEF und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer gemeinsamen Mitteilung.[598]

Die Hamas verkündete den angeblichen Tod von zwei weiteren im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln, sie seien bei israelischen Bombenangriffen getötet worden. Die Hamas veröffentlichte ein Video, in dem eine junge Frau, die ebenfalls als Geisel gefangen gehalten wird, den Tod der beiden Männer bekanntgab. Das israelische Militär widersprach der Darstellung der Hamas.[598]

16. Januar Bearbeiten

Das israelische Militär fand nach eigenen Angaben einen strategisch wichtigen Tunnel der Terrormiliz Hamas und zerstörte ihn durch Pioniereinheiten. Die mehrere hundert Meter lange Anlage habe Norden und Süden des Gazastreifens verbunden und sei neun Meter unter dem Wadi Gaza verlaufen, das Nord- und Süd-Gaza trennt.[578]

Saudi-Arabiens Außenminister Faisal bin Farhan erklärte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, sein Land halte eine Anerkennung Israels für möglich, sofern eine größere Übereinkunft auch einen eigenen Palästinenser-Staat umfasse: „Wir sind uns einig, dass zum regionalen Frieden auch ein Frieden für Israel gehört, aber das kann nur durch einen Frieden für die Palästinenser in Form eines palästinensischen Staates geschehen“. Er bejahte die Frage, ob Saudi-Arabien dann Israel im Rahmen einer größeren politischen Vereinbarung anerkennen würde.[578]

Irans Religionsführer Ali Chamenei lobte laut der Nachrichtenagentur IRNA den Kampf der Huthi-Miliz gegen Israel: „Die Nation des Jemen und Ansar Allah (Huthi) haben in der Tat eine große Arbeit geleistet“.[578]

20. Januar Bearbeiten

Das israelische Militär fand nach eigenen Angaben im Gazastreifen einen Tunnel, der in einem Teil als Verlies für aus Israel verschleppte Menschen gedient hat. „Nach dem, was wir wissen, sind darin 20 Geiseln in stickiger Luft mit wenig Sauerstoff und furchtbarer Luftfeuchtigkeit, die das Atmen erschwert, festgehalten worden“, sagte Armeesprecher Daniel Hagari auf einer Pressekonferenz. Der Tunnel sei unter dem Haus eines Hamas-Terroristen in Chan Junis entdeckt worden. Zu dem Verlies seien israelische Soldaten gelangt, nachdem sie einem unterirdischen Gang in einer Tiefe von 20 Metern etwa einen Kilometer gefolgt seien. Einige der dort zeitweise gefangen gehaltenen Geiseln seien inzwischen durch einen Austausch freigekommen.[599]

In Tel Aviv verlangten die Teilnehmer einer Kundgebung das sofortige Ende des Krieges, um die noch mehr als 100 Geiseln in der Gewalt von Hamas-Terroristen freizubekommen. „Stellt die Kämpfe ein, bezahlt den Preis!“, zitierten israelische Medien einen der Redner, dessen Cousin unter den Geiseln war.[599]

21. Januar Bearbeiten

Die Hamas bezeichnete den Angriff auf Israel vom 7. Oktober in ihrer ersten öffentlichen Stellungnahme als „notwendigen Schritt“ und eine „normale Antwort“ angesichts „all der israelischen Verschwörungen gegen das palästinensische Volk“. Gleichzeitig räumte die Terrorgruppe ein, bei der „Durchführung der Operation Al-Aqsa-Flut“ seien aufgrund „des schnellen Zusammenbruchs des israelischen Sicherheits- und Militärsystems und des Chaos in den Grenzgebieten“ zwischen dem Gazastreifen und Israel „möglicherweise einige Fehler geschehen“.[600]

23. Januar Bearbeiten

Israel schlug laut einem Bericht des Nachrichtenportals Axios eine zweimonatige Feuerpause vor, wenn im Gegenzug schrittweise alle Geiseln freigelassen würden; das sei Inhalt eines Angebots, das den Vermittlern aus Ägypten und Katar übergeben worden sei. Im Rahmen des Plans sollten sich Israel und die Hamas den Angaben nach im Vorfeld auf eine Zahl palästinensischer Häftlinge einigen, die im Austausch für jede Geisel freigelassen würden. Anschließend solle über den Namen jedes Palästinensers verhandelt werden.[601]

25. Januar Bearbeiten

Einwohner des Gazastreifens demonstrierten in der Stadt Chan Yunis gegen den Krieg zwischen Israel und der Hamas. Nach Angaben der israelischen Tageszeitung Haaretz forderten Hunderte Teilnehmer „beide Parteien“ auf, die Kämpfe einzustellen. Am Tag zuvor hätten dutzende Menschen in Deir al-Balah gegen den Krieg protestiert und dabei auch die Freilassung der aus Israel entführten Geiseln gefordert.[602]

26. Januar Bearbeiten

Der Internationale Gerichtshof kam im Eilverfahren Südafrikas gegen Israel zu dem Schluss, dass die Klage Südafrikas gegen Israel plausibel sei[603] und entschied mit großer Mehrheit, dass Israel umgehend alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen müsse, um sicherzustellen, dass im Rahmen des Kriegs in Israel und Gaza keine Handlungen stattfänden, die unter die Völkermord-Konvention fallen. Israel wurde aufgefordert, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass die militärischen Handlungen nicht gegen Art. II der Völkermord-Konvention verstoßen, und zudem dazu angehalten, die Versorgungslage in Gaza zu verbessern und Genozid-Anstachelungen im Land zu sanktionieren. Diese Maßnahmen muss Israel laut Beschluss des Gerichts zum Eilantrag Südafrikas in einem Bericht dokumentieren. Das geforderte Ende des Militäreinsatzes ordnete das Gericht nicht an.[604] Die Richter befassten sich hierbei noch nicht mit dem Hauptvorwurf der Klage Südafrikas – ob ein Völkermord stattgefunden habe.[605] Für einen definitiven Entscheid darüber wird das Gericht mehrere Jahre brauchen.[603] Israel hatte die Abweisung der Klage beantragt.[606]

Israel übermittelte dem UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA Informationen über die mutmaßliche Beteiligung mehrerer Mitarbeiter am Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023. Die UNRWA kündigte daraufhin an, eine mögliche Beteiligung mehrerer seiner Mitarbeiter am Hamas-Massaker in Israel zu prüfen. „Ich habe die Entscheidung getroffen, die Verträge dieser Mitarbeiter sofort zu kündigen und eine Untersuchung einzuleiten, um unverzüglich die Wahrheit herauszufinden“, sagte UNRWA-Generalkommissar Philippe Lazzarini. Es seien „schockierende Anschuldigungen“. UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich entsetzt über die Nachricht.[605]

27. Januar Bearbeiten

Der israelische Außenminister Israel Katz verlangte in einem Online-Beitrag, weitere Staaten sollten dem Beispiel der USA, Australiens, Kanadas, des Vereinigten Königreichs, Italiens und Finnlands folgen, die Finanzierung des UNWRA aufgrund der Vorwürfe gegen inzwischen entlassene Mitarbeiter einzustellen, diese seien in den Überfall der Hamas auf Israel im Oktober verwickelt gewesen. Das Auswärtige Amt und das Entwicklungsministerium teilten mit, bis zum Ende der Aufklärung werde Deutschland in Abstimmung mit anderen Geberländern temporär keine neuen Mittel für das UNWRA in Gaza bewilligen. In einer Erklärung bat der Leiter des UNRWA Philippe Lazzarini die Länder, die ihre Finanzierung ausgesetzt hatten, ihren Kurs zu ändern, und sagte: „Diese Entscheidungen bedrohen unsere laufende humanitäre Arbeit in der gesamten Region, einschließlich und insbesondere im Gazastreifen“.[607]

28. Januar Bearbeiten

Israels Außenminister forderte nach den Vorwürfen gegen Mitarbeiter den Rücktritt des UNRWA-Chefs Philippe Lazzarini. Israels Regierungssprecher Eylon Levy warf dem UNRWA zudem vor, eine „Front der Hamas“ zu sein, und schrieb auf X: „Es deckt die Hamas buchstäblich“. Die UN-Sonderberichterstatterin für die Palästinensergebiete Francesca Albanese kritisierte den Zahlungsstopp mehrerer Länder an das UNRWA als potentiell rechtswidrig. Die Länder bestraften mit ihrem Zahlungsstopp „kollektiv Millionen von Palästinensern zum kritischsten Zeitpunkt“ und verletzten damit „wahrscheinlich ihre Verpflichtungen gemäß der Völkermordkonvention“. UN-Generalsekretär António Guterres kündigte rasche Konsequenzen an: „Jeder UN-Mitarbeiter, der in Terrorakte verwickelt ist, wird zur Rechenschaft gezogen werden, auch durch strafrechtliche Verfolgung“, sagte er laut einer Mitteilung der Vereinten Nationen.[608] Eine Untersuchung durch das UN-Büro für interne Aufsichtsdienste sei unverzüglich eingeleitet worden.

Die Anschuldigungen betreffen konkret Geiselnahme, Waffenlieferungen sowie ein Massaker in einem Kibbuz, bei dem 97 Menschen getötet wurden. Sieben der insgesamt zwölf Männer sollen Lehrer sein, die palästinensische Kinder an UN-betriebenen Schulen unterrichteten. Bei weiteren Beschuldigten soll es sich um einen Verwaltungsangestellten und den Verantwortlichen einer Lagerhalle handeln. Ein Sozialarbeiter aus Nuseirat soll dabei geholfen haben, die Leiche eines israelischen Soldaten in den Gazastreifen zu bringen. Er habe außerdem den Hamas-Terroristen Munition bereitgestellt und sich am Tag der Anschläge um die Koordination von Fahrzeugen gekümmert. Von neun der Beschuldigten trennte sich das UN-Hilfswerk inzwischen. Zwei weitere sind nach UNRWA-Angaben tot. Zehn Männer sollen Mitglieder der Hamas gewesen sein, einer dem Islamischen Dschihad angehört haben. Das UNRWA hat im Gazastreifen 13.000 Mitarbeiter und ist dort der größte Arbeitgeber.[609] Die Nichtregierungsorganisation UN Watch untersuchte in einer Studie Äußerungen von Lehrerinnen und Lehrern des UNRWA zum Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 in sozialen Medien. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass 20 Lehrkräfte und andere Mitarbeitende der Organisation den Überfall gefeiert hatten. Bereits in einer früheren Studie hatte UN Watch radikale Einstellungen bei dem Lehrpersonal kritisiert.[610]

Um die Fortsetzung der humanitären Hilfe für die Palästinenser unabhängig vom UNRWA zu ermöglichen, stockte die deutsche Bundesregierung Hilfen an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und das UN-Kinderhilfswerk UNICEF um sieben Millionen Euro auf.[611]

In Tel Aviv demonstrierten tausende Menschen und verlangten den Rücktritt von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, weil er angeblich keinen Plan für den Gaza-Krieg und die Zeit danach habe. Sie warfen ihm außerdem vor, für die schlechte Vorbereitung und die verspätete Reaktion der Sicherheitskräfte am 7. Oktober verantwortlich zu sein.[612]

Nach anhaltenden Protesten von Geisel-Angehörigen gegen die Einfuhr von Hilfsgütern in den Gazastreifen erklärte Israel den Grenzübergang Kerem Schalom zum militärischen Sperrgebiet, der Zutritt zum umliegenden Gebiet sei nur noch mit schriftlicher Erlaubnis möglich. Damit wollte das Militär Demonstranten daran hindern, weiterhin die Einfuhr von Lastwagen in den Küstenstreifen zu blockieren. Die Veranstalter der Proteste kündigten jedoch an, sie wollten ihre Aktionen fortsetzen, sie seien gegen die Einfuhr von Hilfsgütern, solange Geiseln im Gazastreifen festgehalten werden. Israel hatte den Übergang Kerem Schalom Mitte Dezember geöffnet, um die Einfuhr von mehr Hilfsgütern in das umkämpfte Gebiet zu ermöglichen.[613]

In Jerusalem forderten Tausende Menschen bei einer Kundgebung die Rückkehr jüdischer Siedler in den Gazastreifen. Unter den Teilnehmern der Konferenz befanden sich auch zwölf Minister von Netanjahus Likud-Partei sowie der Minister für öffentliche Sicherheit, Itamar Ben Gvir, und Finanzminister Bezalel Smotrich – beide von den rechtsextremen Parteien der Regierungskoalition. Es sei an der Zeit, die freiwillige Auswanderung der Palästinenser aus dem Gazastreifen zu fördern, sagte Ben Gvir. „Wenn wir keinen weiteren 7. Oktober wollen, müssen wir das Gebiet kontrollieren“, sagte er. Mehrere Redner betonten, dass die Rückkehr von jüdischen Siedlern in den Gazastreifen die einzige Möglichkeit sei, die Sicherheit für die Menschen in Israel zu gewährleisten. Israels Regierungschef Netanyahu bezeichnete eine Rückkehr jüdischer Siedler in den Gazastreifen hingegen als „kein realistisches Ziel“. Auch einen eigenständigen Palästinenserstaat lehnte er allerdings ab.[614]

29. Januar Bearbeiten

Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby, verurteilte die Forderungen einiger israelischer Politiker nach einer Rückkehr jüdischer Siedler in den Gazastreifen als unverantwortlich. Er schränkte allerdings ein, es seien nur ein paar der Minister aus dem Kabinett des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu an der Veranstaltung beteiligt gewesen, bei der die Forderungen gestellt wurden.[614]

Ein Sprecher der Regierung sagte, Israel habe inzwischen zwei von vier Bataillonen der radikal-islamischen Hamas in der Umgebung von Chan Junis zerschlagen, bei den Kämpfen dazu im südlichen Gazastreifen seien mehr als 2000 radikale Palästinenser getötet worden.[614]

Israels Verteidigungsminister Joaw Galant kündigte einen israelischen Militäreinsatz an der Grenze zum Libanon in naher Zukunft an. Israelische Truppen würden aus dem Gazastreifen in den Norden des Landes verlegt und nahe der libanesischen Grenze „sehr bald in Aktion treten, damit die Kräfte im Norden verstärkt werden“, sagte Galant bei einem Besuch von Einheiten an der Grenze zum Gazastreifen.[614]

30. Januar Bearbeiten

Das Ausmaß der mutmaßlichen Verbindung von Mitarbeitern des UNRWA zu Terrororganisationen im Gazastreifen erwies sich einem Medienbericht zufolge größer als bislang angenommen. Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf Geheimdienstberichte, rund zehn Prozent aller rund 12.000 im Gazastreifen beschäftigten Mitarbeiter des Hilfswerks UNRWA hätten Verbindungen zur Hamas oder zum Islamischen Dschihad. „Das Problem der UNRWA sind nicht nur ‚ein paar faule Äpfel‘, die in das Massaker vom 7. Oktober verwickelt waren“, wurde ein hoher israelischer Regierungsbeamter zitiert. „Die Institution als Ganzes ist ein Hort für die radikale Ideologie der Hamas.“ Israel forderte eine umfassende Reform des UNRWA. Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, sagte dem Tagesspiegel „UNRWA steckt schon lange mit den Terroristen unter einer Decke“, schon die Attentäter des Münchner Olympia-Massakers von 1972 seien Absolventen von UNRWA-Schulen gewesen. Er begrüßte, dass nun „im großen Stil“ Finanzmittel für UNRWA zurückgehalten würden.[615]

Ein Bündnis aus 21 internationalen Nichtregierungsorganisationen kritisierte die Aussetzung der Zahlungen an das UNRWA scharf. Sie seien „zutiefst besorgt und empört“, dass einige der wichtigsten Geldgeber ihre finanzielle Unterstützung einstellten, „während sich die humanitäre Katastrophe in Gaza von Tag zu Tag verschlimmert“, erklärten die Organisationen, unter ihnen Oxfam, Save the Children und der Norwegische Flüchtlingsrat.[616]

Israels Armee bestätigte erstmals, Tunnel der Hamas im Gazastreifen geflutet zu haben. Ziel sei es, „die unterirdische Terrorinfrastruktur im Gazastreifen zu neutralisieren“, dabei seien große Wassermengen in die Tunnel geleitet worden. Das Militär sprach von einem „bedeutenden technischen und technologischen Durchbruch“ im Anti-Terror-Kampf. Mit Bodenanalysen werde sichergestellt, dass dadurch das Grundwasser nicht beeinträchtigt werde; so sei nur in geeignete Tunnelrouten Wasser hineingepumpt worden.[616]

Israels Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir drohte in Bezug auf die Verhandlungen über eine längere Waffenruhe im Gaza-Krieg mit dem Austritt seiner Partei aus der Regierungskoalition von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Sollte es ein „rücksichtsloses“ Abkommen mit der Hamas zur Freilassung von Geiseln geben, werde seine Partei Jüdische Kraft die Koalition verlassen.[616]

31. Januar Bearbeiten

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu forderte vor Diplomaten in Jerusalem ein Ende des Mandats des UN-Hilfswerks UNRWA. „Es gibt andere Agenturen der UN. Es gibt andere Agenturen auf der Welt. Sie müssen die UNRWA ersetzen“, ergänzte er, das UNRWA sei völlig von der Hamas unterwandert. Dabei sei eine neutrale Hilfsorganisation im Gazastreifen sehr wohl nötig, das UNRWA könne aber nicht diese Organisation sein.[616]

Im Streit über eine Zweistaatenlösung im Nahost-Konflikt wiederholte Israels Außenminister Israel Katz, dass sein Land noch einige Jahre lang die Sicherheitsverantwortung im Gazastreifen behalten wolle. Dies gelte so lange, „bis wir sicher sind, dass wir nicht mehr von den Einwohnern von Gaza getötet werden“, äußerte er gegenüber der Bild-Zeitung, Welt TV sowie Politico.[616]

Im Irak kündigte die proiranische Miliz Kataib Hisbollah an, ihre Angriffe auf US-Militärstützpunkte in der Region auszusetzen. Die Gruppe wolle eine Blamage für die irakische Regierung verhindern, hieß es in einer Erklärung, die über Telegram verbreitet wurde. Seit Beginn des Kriegs in Nahost hatten proiranische Milizen fast täglich Angriffe auf US-Militärstützpunkte im Irak und in Syrien verübt, die US-Regierung reagierte darauf mit Luftangriffen auf solche Milizen in beiden Ländern.[616]

Februar 2024 Bearbeiten

2. Februar Bearbeiten

Die israelische Armeeführung kündigte an, nach den militärischen Erfolgen gegen die Hamas-Kämpfer in Chan Yunis die Militäroffensive auf die Stadt Rafah auszuweiten.[617]

3. Februar Bearbeiten

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock warnte Israel vehement davor, die Kämpfe auf Rafah auszuweiten. „Jetzt in Rafah, an dem letzten und überfülltesten Ort, vorzugehen, wie vom israelischen Verteidigungsminister angekündigt, wäre einfach nicht zu rechtfertigen“, mahnte Baerbock. „Ein Großteil der Opfer“ solcher Angriffe seien Frauen und Kinder. Gemeinsam mit den USA habe sie Israel immer wieder gesagt, „dass sich die Menschen in Gaza nicht in Luft auflösen können.“[618]

Sowohl Chan Yunis als auch Rafah wurden von heftigen Luftangriffen erschüttert. In Chan Yunis gingen die Kämpfe weiter, Dutzende Hamas-Kämpfer wurden getötet und deren Strukturen zerstört. Inmitten von Grenzgefechten zwischen Israel und der Hisbollah wurden im Libanon eine militärische Anlage und ein Lastwagen zur Waffenlagerung getroffen.[619]

5. Februar Bearbeiten

Nachdem einigen Mitarbeitern des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) vorgeworfen worden war, an den Terrorakten der Hamas vom 7. Oktober 2023 in Israel beteiligt gewesen zu sein (siehe: Chronologie 26. bis 28. Januar 2024), setzte die UN eine unabhängige Expertengruppe ein, um die Vorwürfe untersuchen zu lassen. Die Leitung hat die ehemalige französische Außenministerin Catherine Colonna, nach Mitteilung der UN. Sie arbeitet mit Fachleuten vom Raoul-Wallenberg-Institut in Schweden, dem Michelsen-Institut in Norwegen und dem Dänischen Institut für Menschenrechte zusammenarbeiten und am 14. Februar die Arbeit aufnehmen. Ein Zwischenbericht sei für Ende März geplant.[620] Das Ziel der Untersuchung sei es, festzustellen, ob das UNRWA „alles in seiner Macht Stehende tut, um seine Neutralität zu gewährleisten und auf schwere Missbrauchsfälle zu reagieren, wenn solche vorliegen“.[621]

6. Februar Bearbeiten

Über den gesamten Gazastreifen wurden in den letzten 24 Stunden Dutzende militante Palästinenser getötet, während das Militär seinen Schwerpunkt weiterhin auf den südlichen Teil von Chan Yunis setzte. Dort wurden etwa 80 Verdächtige mit dem Vorwurf der Beteiligung an den Massakern Anfang Oktober 2023 festgenommen. In einem späteren Statement erwähnte das Militär Nahkämpfe, insbesondere im Westen der Stadt.[622]

7. Februar Bearbeiten

Der Sprecher der israelischen Armee, Daniel Hagari, teilte 31 Familien von Geiseln mit, dass ihre Angehörigen nicht mehr lebten. Es handelt sich um 29 Zivilisten, die von der Hamas verschleppt worden waren, und zwei israelische Soldaten. Nach einem Bericht der The New York Times unter Berufung auf ein vertrauliches israelisches Geheimdienstpapier wurden einige von ihnen bereits während des Terrorangriffs am 7. Oktober getötet. Ihre Leichen wurden dann in den Gazastreifen gebracht, ihr Tod war zu diesem Zeitpunkt nicht bestätigt, weshalb sie als Geiseln gezählt wurden. Andere erlagen ihren Verletzungen oder wurden von Hamas-Terroristen während der Geiselhaft getötet. Es gebe zudem unbestätigte Hinweise auf den Tod von mindestens 20 weiteren Geiseln.[623][624]

Unter Berufung auf Satellitendaten wiesen Gebiete (Gebäude und landwirtschaftliche Nutzflächen) im Gazastreifen nach Angaben von Der Spiegel folgende Zerstörungsgrade auf: Bezirk Nord-Gaza: 68 bis 81 % zerstört, Bezirk Gaza: 72 bis 84 % zerstört, Bezirk Deir al-Balah: 40 bis 51 % zerstört, Bezirk Chan Yunis: 45 bis 58 % zerstört, Bezirk Rafah: 22 bis 32 % zerstört.[625]

Laut einer Untersuchung der Vereinten Nationen (UNO) litten zwischen November und Dezember 2023 etwa 90 Prozent der Menschen im Gazastreifen unter akuter Nahrungsmittelknappheit. Mitte Januar warnte die UNO erneut vor dem Ausbruch einer Hungersnot. Laut Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums in Gaza wurden seit Beginn des Krieges mehr als 26.000 Palästinenser getötet und mehr als 60.000 verletzt.[625]

US-Außenminister Antony Blinken warnte, Israel habe wegen der Verbrechen des 7. Oktobers, in denen Israelis auf grausamste Weise entmenschlicht wurden, keinen Freibrief dafür, nun selbst andere zu entmenschlichen: „Die überwältigende Mehrheit der Menschen in Gaza hatte nichts mit den Angriffen vom 7. Oktober zu tun. Die Familien in Gaza, deren Überleben von israelischen Hilfslieferungen abhängt, sind genau wie unsere Familien. […] Wir können und dürfen unsere gemeinsame Menschlichkeit nicht aus den Augen verlieren.“[626][627]

8. Februar Bearbeiten

Das israelische Militär setzte die Kämpfe im Westen von Chan Yunis fort, dutzende Terroristen wurden gefangen genommen, darunter zwei mit Beteiligung an dem Massaker vom 7. Oktober. Weitere Militante wurden getötet und deren Infrastruktur zerstört. Ebenfalls wurden im nördlichen Gazastreifen einzelne Hamas-Zellen durch Luftunterstützung eliminiert, andere Hamas-Angehörige wurden in dessen Zentrum bei Feuergefechten mit der Nahal-Brigade getötet.[628]

Anwohner berichteten von Bombardierungen der Stadt Rafah, zudem habe es Panzerbeschuss auf den östlichen Teil der Stadt gegeben.[629]

US-Präsident Joe Biden verschärfte seinen Ton und kritisierte Israels Vorgehen in Gaza als „überzogen“. Das Leiden unschuldiger Menschen müsse aufhören. John Kirby, der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, sagte, ein Angriff auf Rafah, ohne Rücksicht auf die über eine Million Flüchtlinge, die sich nun – auf Israels Anweisung – dort aufhielten, wäre „eine Katastrophe“; die US-Regierung werde so etwas nicht unterstützen. Frankreich und die UNO äußerten sich ebenso besorgt.[630][631]

Volker Türk, der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, sagte, die weitreichende Zerstörung der zivilen Infrastruktur im Gazastreifen durch die IDF stelle „einen schweren Verstoß gegen die 4. Genfer Konvention und ein Kriegsverbrechen“ dar. Er kritisierte damit die „umfangreiche Zerstörung von Eigentum, die nicht durch militärische Notwendigkeit gerechtfertigt war und rechtswidrig und mutwillig durchgeführt wurde“.[632]

Die Deutsche Bundesregierung entsandte im Rahmen eines bevorstehenden EU-Militäreinsatzes zur Abwehr von Angriffen der Huthi-Rebellen auf Handelsschiffe im Roten Meer die Fregatte Hessen mit etwa 240 Soldaten an Bord. Diese EU-Mission trägt den Namen „Aspides“.[633]

In Israel gab es Demonstrationen für und gegen ein mögliches Geisel-Abkommen mit der Hamas: In Jerusalem protestierten Tausende gegen Verhandlungen und für eine Fortsetzung des Militäreinsatzes, wie israelische Medien berichteten. In Tel Aviv protestierten demnach zeitgleich Hunderte Menschen für einen Deal, um die Freilassung der noch im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln zu erreichen, Medien zufolge blockierten die Demonstranten zeitweise Straßen.[629]

Israels Finanzminister Bezalel Smotrich kündigte an, Steuervergünstigungen des UN-Flüchtlingshilfswerks für Palästinenser UNRWA in Israel abschaffen zu wollen. „Der Staat Israel wird keine Steuervorteile für Terroristenhelfer gewähren“, schrieb Smotrich auf der Plattform X. Das UNRWA war zu der Zeit unter anderem von Zöllen und Steuern auf Produkte befreit, die für den Betrieb des Hilfswerks bestimmt sind, und erhielt zudem eine erhebliche Steuerermäßigung beim Kauf von Treibstoff. Hintergrund der Forderung war der Vorwurf, zwölf UNRWA-Mitarbeitern in Gaza seien an dem Angriff der islamistischen Hamas auf Israel vom 7. Oktober beteiligt gewesen, weitere 190 sollten Verbindungen zur Hamas haben.[629]

10. Februar Bearbeiten

Das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten berichtete, dass israelische Behörden seit Januar 39 von 76 geplanten Konvois mit Hilfslieferungen in den Norden des Gazastreifens und Delegationsbesuche zur Abklärung der dortigen Bedürfnisse verweigert hätten.[634]

Der israelische Parlamentspräsident Amir Ohana sagte ein Treffen mit UN-Generalsekretär António Guterres ab, nachdem dieser erklärt hatte, er könne nicht verstehen, wie Israel sagen könne, es bekämpfe nur die Hamas und nicht das palästinensische Volk, wenn bei der Militäroperation im Gazastreifen nach palästinensischen Angaben rund 28.000 Menschen getötet, ganze Viertel zerstört worden seien und 75 Prozent der Bevölkerung vertrieben worden sei.[634]

Saudi-Arabien forderte wegen einer geplanten israelischen Offensive im Gouvernement Rafah die Einberufung einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats, um „Israel daran zu hindern, eine drohende humanitäre Katastrophe zu verursachen“.[634]

Israelische Soldaten entdeckten nach eigenen Angaben einen Hamas-Tunnel unter dem früheren Hauptquartier des UN-Palästinenserhilfswerks (UNRWA) im Gazastreifen. Er bestehe aus einem 700 Meter langen unterirdischen Gang in 18 Metern Tiefe. Der Gang habe als wichtige Einrichtung des Militärgeheimdienstes der Hamas-Terrormiliz gedient, hieß es. Die „elektrische Infrastruktur“ des Tunnels sei mit dem UNRWA-Sitz „verbunden“. In dem von der UN-Organisation in der Anfangsphase des Krieges verlassenen Hauptquartier des UNRWA seien zudem in den vergangenen zwei Wochen große Mengen von Waffen und Sprengstoff gefunden worden.[634] Das UN-Hilfswerk erklärte, dass es sein Hauptquartier in der Stadt Gaza seit dem 12. Oktober 2023 nicht mehr nutze. Auf Anweisung israelischer Truppen sei das Hauptquartier wenige Tage nach dem Terrorangriff der Hamas aufgegeben worden.[635]

11. Februar Bearbeiten

Die Hamas gab bekannt, sie würde die Verhandlungen über ein Geisel-Abkommen abbrechen, sollte Israel die geplante Offensive in Rafah beginnen. Der palästinensische Fernsehsender Al-Aqsa TV zitierte ein nicht näher genanntes hochrangiges Hamas-Mitglied, jeder Angriff könne die Verhandlungen zunichtemachen. Aus ägyptischen Regierungskreisen wurden Drohungen bekannt, dass bei einer möglichen Offensive in Rafah der Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten aufgelöst werden könne, der nach dem Camp-David-Abkommen entstanden war.[636]

Irans Präsident Ebrahim Raisi forderte die Länder in der Region auf, ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu Israel abzubrechen. Vor Tausenden Anhängern anlässlich der Feiern zum 45. Jahrestag der Islamischen Revolution sagte er: „Das zionistische Regime ist dem Untergang geweiht“. Zudem forderte er den Ausschluss Israels aus den Vereinten Nationen.[636]

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu versicherte in einem Interview im US-Sender ABC News, die israelische Armee werde den Zivilisten in der Stadt Rafah vor einem Angriff einen sicheren Korridor einrichten. Gebiete nördlich von Rafah seien bereits geräumt worden und könnten als sichere Zonen für die Zivilbevölkerung genutzt werden. Zugleich betonte er, der Sieg sei in Reichweite, die Armee werde die verbleibenden Bataillone der Hamas in Rafah besiegen.[636]

12. Februar Bearbeiten

Im Westjordanland wurden in der Nacht zwei Männer durch israelische Sicherheitskräfte getötet, die laut Polizei versucht hatten, mit einem Messer auf Sicherheitskräfte einzustechen.[637]

Bei von der israelischen Armee bestätigten Angriffen auf Rafah kamen laut Hamas 67 Menschen ums Leben; 14 Häuser und drei Moscheen seien zerstört worden. Der saudische Fernsehsender Al Arabiya berichtete über mindestens 50 Tote, der palästinensische Sender WAFA sprach von intensiven Bombardierungen Gazas. Durch einen späteren Angriff seien mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen.

Das israelische Militär bestätigte die Rettung zweier am 7. Oktober 2023 entführter Geiseln, die beiden Männer seien bei einem nächtlichen Einsatz in Rafah befreit worden. Sie seien in gutem Zustand und in ein Krankenhaus gebracht worden.[638]

Die Hamas gab am Abend den Tod von drei Geiseln bekannt und behauptete, sie seien ihren Verletzungen aus israelischen Luftangriffen erlegen.[637]

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk beschrieb gegenüber Ö1 die Lage im Gazastreifen als „schrecklich“: „Die kollektive Bestrafung der Palästinenser, vor allem auch die Abkoppelung von humanitärer Hilfe, ist eine Verletzung des humanitären Völkerrechts“. Die unabhängige Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf der israelischen Armee vor, rechtswidrig Häuser bombardiert und dabei unschuldige Menschen getötet zu haben. Es gebe keine Hinweise, dass es sich bei den Zielen um militärische gehandelt habe. Israels Armee habe die Bewohner nach Erkenntnissen von Amnesty nicht wirksam oder gar nicht vor den Angriffen gewarnt.[637]

Israel meldete insgesamt über 12.000 getötete Hamas-Kämpfer: „Wir sprechen von drei Vierteln der Hamas-Bataillone, die zerschlagen wurden“, sagte Regierungssprecher Eylon Levy.[637]

Ein Berufungsgericht in Den Haag untersagte es der niederländischen Regierung, weiterhin Ersatzteile für F-35-Kampfflugzeuge nach Israel zu liefern. „Es ist unbestreitbar, dass ein klares Risiko besteht, dass die exportierten F-35-Teile für schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht verwendet werden“, sagte der Richter bei der Verlesung des Urteils. Die Lieferungen müssten innerhalb von sieben Tagen eingestellt werden.[639]

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell forderte die USA indirekt zum Stopp ihrer Waffenlieferungen an Israel auf. Bezugnehmend auf Joe Bidens Aussage, die israelische Reaktion auf den Angriff der Hamas sei überzogen („over the top“), sagte Borrell: „Wenn man der Meinung ist, dass zu viele Menschen getötet werden, sollte man vielleicht weniger Waffen liefern, um zu verhindern, dass so viele Menschen getötet werden.“[640]

Südafrika reichte einen Eilantrag am Internationalen Gerichtshof zu Angriffen Israels auf Rafah ein.[641] Darin äußerte die südafrikanische Regierung, dass die beispiellose Militäroffensive gegen Rafah, wie sie vom Staat Israel angekündigt worden sei, bereits zu weiteren massiven Tötungen, Schäden und Zerstörungen geführt habe und führen werde.[642][643]

13. Februar Bearbeiten

In seiner bisher deutlichsten Warnung in Bezug auf Israels Verhalten erklärte der britische Außenminister David Cameron, Israel verstoße als Besatzungsmacht gegen das Völkerrecht, wenn es nicht gelinge, die Menschen im Gazastreifen mit Lebensmitteln und Wasser zu versorgen. Cameron fügte hinzu, dass es für die Menschen in Rafah einfach nicht möglich sei, das Gebiet – wie von den israelischen Streitkräften vorgeschlagen – zu verlassen: „Viele der Menschen, die in Rafah sind, sind jetzt schon drei, vier oder fünf Mal an einen anderen Ort gezogen. Sie können das nicht noch einmal tun. Nach Norden können sie nicht, denn ihre Häuser dort sind zerstört. Nach Süden können sie auch nicht, denn das wäre Ägypten, und das wollen wir alle nicht und die Ägypter auch nicht.“ Cameron sprach wie schon am Vortag[644] von einer sofortigen Kampfpause als Vorstufe zu einem dauerhaften Waffenstillstand.[645]

14. Februar Bearbeiten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ließ verlauten, dass weniger als die Hälfte der von ihr angeforderten Hilfslieferungen in den Gazastreifen von Israel genehmigt worden seien, und betonte die Notwendigkeit, die schwer beschädigten Krankenhäuser zu versorgen. Diese seien völlig überlastet und unterversorgt; Patienten müssten häufig unnötige Amputationen erleiden. Seit November seien nur 40 % der von der WHO angeforderten Hilfslieferungen in den nördlichen Gazastreifen erfolgt; diese Zahl sei seit Januar weiter gesunken. Gleichzeitig seien nur 45 % der angeforderten Einsätze im südlichen Gazastreifen möglich gewesen; alle anderen seien verweigert, behindert oder verschoben worden.[646][647]

Angehörige von Geiseln der Hamas riefen den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag dazu auf, gegen die Führer der Terrororganisation zu ermitteln und Haftbefehle zu erlassen. Etwa einhundert Menschen, die sich vor dem Sitz des Gerichts versammelt hatten, forderten strafrechtliche Ermittlungen wegen Geiselnahme, sexueller Gewaltverbrechen, Folter und Mord.[648]

Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas rief die Hamas dazu auf, einen Austausch von Geiseln gegen Gefangene mit Israel zu beschleunigen. Er wolle sein Volk vor weiteren Katastrophen bewahren, sagte er laut der amtlichen palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa.[648]

15. Februar Bearbeiten

Das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen beschuldigte Israel, systematisch Krankenhäuser in Gaza anzugreifen. Die Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung seien entsetzlich. UN-Menschenrechtssprecherin Ravina Shamdasani bezog sich dabei auf einen einige Stunden zuvor durchgeführten Einsatz israelischer Soldaten im Nasser-Krankenhaus in Chan Yunis im Süden des Gazastreifens. Die israelische Armee berief sich auf Geheimdienstinformationen, wonach in der Klinik Geiseln festgehalten worden seien; sie habe mehrere Tatverdächtige festgenommen. Es sei nicht die Absicht, den Betrieb des Krankenhauses zu stören. Augenzeugen meldeten katastrophale Zustände im Nasser-Krankenhaus und den wenigen anderen noch funktionsfähigen Krankenhäusern in Gaza. Es mangele an Medikamenten und sauberem Wasser, oft falle der Strom aus; viele Eingriffe würden ohne Betäubung vorgenommen.[649][650][651]

16. Februar Bearbeiten

Der Internationale Gerichtshof der UN in Den Haag lehnte einen südafrikanischen Antrag ab, dringende Maßnahmen zum Schutz von Rafah im Gazastreifen zu verhängen. Das Gericht betonte aber auch, dass Israel frühere Entscheidungen respektieren müsse. Südafrika hatte am vergangenen Dienstag einen Dringlichkeitsantrag beim obersten UN-Gericht eingereicht, um prüfen zu lassen, ob Israels Militäroperationen gegen die Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens gegen vorläufige Anordnungen verstießen.[652] Der Gerichtshof erklärte, die „gefährliche Situation“ in Rafah erfordere „die sofortige und effektive Umsetzung der vorläufigen Maßnahmen“, die er am 26. Januar angeordnet hatte. Eine neue Anordnung sei nicht erforderlich, da die bestehenden Maßnahmen im gesamten Gazastreifen, auch in Rafah, Gültigkeit hätten.[653]

Als Vorbereitung auf eine etwaige Massenflucht von bis zu eineinhalb Millionen Palästinensern aus dem Gazastreifen während der bevorstehenden israelischen Militäroffensive im Gouvernement Rafah, bei der die letzten Bataillone der Hamas vernichtet werden sollen, begann Ägypten zum einen Anfang Februar, seine Staatsgrenze zum Gazastreifen durch bauliche Maßnahmen und mit der Abstellung zusätzlicher Grenzsoldaten und gepanzerter Fahrzeuge zu verstärken, um zu verhindern, dass es zu einem Ansturm von Palästinensern auf ägyptisches Territorium komme, und zum anderen an der Grenze zum Gazastreifen mit dem Aufbau eines von hohen Betonmauern umgebenen Auffanglagers, das für die Unterbringung von mehr als 100.000 Palästinensern konzipiert ist. Laut The Wall Street Journal will Ägypten aber versuchen, die Zahl der Flüchtlinge auf 50.000 bis 60.000 zu begrenzen.[654][655][656][657] Ägypten bestritt die Berichte des Wall Street Journal bzw. dementierte das Errichten eines Flüchtlingslagers für Palästinenser auf ägyptischem Boden.[658][659]

Zu Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz warnte UN-Generalsekretär António Guterres vor den Folgen einer israelischen Offensive in Rafah. Die humanitären Hilfsleistungen für den Gazastreifen seien mit einem Patienten vergleichbar, der an Maschinen hängt: „Die Helfer arbeiten unter unvorstellbaren Bedingungen, darunter Beschuss, verschiedene Behinderungen und israelische Restriktionen und der Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung.“[660]

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz erklärte, Israel müsse sich an die Regeln des Völkerrechts halten. Mit Blick auf Rafah sei er sehr besorgt über die möglichen Folgen der geplanten Bodenoffensive. Erst sei die palästinensische Zivilbevölkerung aufgefordert worden, in den Süden zu fliehen, um Sicherheit zu finden, jetzt gebe es keine guten Fluchtalternativen in Gaza mehr. Die humanitäre Lage sei katastrophal. Mehr als eine Million Menschen müssten versorgt werden. Er habe Premier Netanjahu mehrfach aufgefordert, die humanitäre Lage erheblich zu verbessern – nach wie vor gebe es aber zu wenige Hilfslieferungen. Langfristig könne nur eine Zweistaatenlösung Frieden bringen. Er schließe sich vorbehaltlos den mahnenden Worten an, die US-Präsident Joe Biden zur israelischen Kriegsführung gesprochen habe.[661]

Mehrere Dutzend Menschen versuchten am Grenzübergang Rafah, einen Lastwagen mit Hilfslieferungen zu erstürmen. Die Polizei schritt ein und vertrieb die Menge, teilte die von der islamistischen Hamas kontrollierte örtliche Behörde mit. Augenzeugen berichteten, dass die von der Hamas gestellte Polizei in die Menge geschossen und einen Jugendlichen getötet habe. Die Behörde wollte dies bislang nicht bestätigen.[652]

17. Februar Bearbeiten

Israels Premier Netanyahu hielt trotz der breiten internationalen Kritik an seinen Plänen für eine Offensive auf die Stadt Rafah fest. „Natürlich erst, nachdem wir es den Zivilisten in den Kampfgebieten ermöglichen werden, sich in sichere Gebiete zu begeben“, sagte Netanyahu in Jerusalem vor Journalisten. Man werde sich dabei internationalem Druck nicht beugen, betonte er; wer einen Verzicht auf den Einsatz in Rafah fordere, sage, Israel solle den Krieg verlieren, und das werde er nicht zulassen. Er fügte hinzu, die Offensive werde auch im Falle einer Vereinbarung mit der Hamas über eine Freilassung der Geiseln stattfinden.[662]

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen kündigte an, die USA würden bei der am 20. Februar anstehenden Abstimmung des UNO-Sicherheitsrates über eine sofortige humanitäre Waffenruhe in Gaza erneut Gebrauch von ihrem Vetorecht machen. Eine solche Resolution könne die unter Beteiligung der USA, Ägyptens, Katars und Israels laufenden Verhandlungen über eine Waffenruhe und eine Freilassung der Geiseln gefährden.[663][664]

18. Februar Bearbeiten

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete, das in den vergangenen Tagen unter Panzerbeschuss genommene Nasser-Krankenhaus in Chan Yunis sei nun nicht mehr funktionsfähig.[665] Israels Verteidigungsminister Joav Galant sagte: „200 Terroristen ergaben sich (in Chan Junis) im Nasser-Spital, Dutzende weitere im Amal-Spital“.[666]

Israels Regierung verabschiedete einstimmig eine Resolution, dass sie eine unilaterale Anerkennung eines palästinensischen Staates durch die internationale Gemeinschaft strikt ablehnen würde. Eine solche Anerkennung könne nur durch direkte und vorbehaltlose Verhandlungen zwischen den Parteien erreicht werden.[667][668]

Benny Gantz, Mitglied des israelischen Kriegskabinetts, warnte, es werde eine Offensive in Rafah gestartet, wenn die Hamas nicht bis zum 10. März alle im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln freilasse: „Die Welt muss es wissen, und die Hamas-Führer müssen es wissen – wenn unsere Geiseln bis zum Ramadan nicht zu Hause sind, werden die Kämpfe überall weitergehen, auch in der Gegend von Rafah.“ Gantz fügte hinzu, Israel werde „koordiniert vorgehen und im Dialog mit unseren amerikanischen und ägyptischen Partnern die Evakuierung der Zivilisten erleichtern, um die Zahl der zivilen Opfer zu minimieren“.[669]

19. Februar Bearbeiten

Die Operation Aspides im Roten Meer wurde von den EU-Außenministern bei ihrem Treffen vom 19. Februar 2024 endgültig genehmigt.[670]

Eine US-General Atomics MQ-9 Drohne wurde von den Huthi über dem Roten Meer mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen.[671]

Israel führte einen Raketenangriff gegen einen Ort im Landesinneren Libanons durch. Das Ziel waren Waffenlager der libanesischen Hisbollah-Miliz. Nach libanesischen Angaben wurden dabei mindestens acht Menschen verletzt, darunter sollen auch Kinder gewesen sein.[672] Nach Angaben des israelischen Militärs war der Angriff eine Reaktion auf eine Drohnenattacke der Hisbollah nahe der israelischen Stadt Tiberias.[673]

26 der 27 EU-Mitgliedstaaten forderten eine sofortige humanitäre Feuerpause im Gazastreifen, teilte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell mit. Damit angestrebte Ziele seien ein nachhaltiger Waffenstillstand, eine bedingungslose Freilassung der in Gaza befindlichen israelischen Geiseln und die Bereitstellung von mehr humanitärer Hilfe. Die 26 EU-Mitgliedstaaten forderten außerdem Israel explizit auf, keine militärischen Maßnahmen im südlichen Teil des Gazastreifens, Rafah, zu ergreifen.[672][674]

Die USA erstellten einen alternativen Resolutionsentwurf für den UN-Sicherheitsrat. Reuters berichtete, darin werde zu einer vorübergehenden Waffenruhe aufgerufen. Außerdem heiße es in dem Text, dass eine größere Bodenoffensive in Rafah unter den gegenwärtigen Umständen zu weiterem Schaden für die Zivilbevölkerung und ihrer weiteren Vertreibung führen würde, möglicherweise auch in die Nachbarländer. Ein solcher Schritt hätte ernste Auswirkungen auf den Frieden und die Sicherheit in der Region; eine solche Bodenoffensive sollte unter den gegenwärtigen Umständen daher nicht durchgeführt werden.[675]

20. Februar Bearbeiten

Im Weltsicherheitsrat scheiterte ein von Algerien vorgelegter Resolutionsentwurf mit der Forderung nach einer sofortigen Waffenruhe im Gazastreifen erneut am Veto der USA. Der Vorschlag fand bei den übrigen 14 Ratsmitgliedern breite Zustimmung: 13 stimmten für den Entwurf, Großbritannien enthielt sich.[676]

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) teilte mit, es werde seine Hilfslieferungen in den Norden Gazas wegen chaotischer Szenen und Ausschreitungen bei der Verteilung von Lebensmitteln unterbrechen. In der WFP-Mitteilung war von einem „Zusammenbruch der zivilen Ordnung mit völligem Chaos und Gewalt“ die Rede. Man werde die Lieferungen erst dann wieder aufnehmen, wenn eine sicherere Verteilung möglich sei.[677] Andere Hilfsorganisationen berichteten ebenfalls von Schwierigkeiten bei der Versorgung des Nordens.[677]

21. Februar Bearbeiten

Bei dem Terrorangriff der Hamas auf Israel kam es laut der israelischen Vereinigung von Krisenzentren für Vergewaltigungsopfer (ARCCI) zu schweren und systematischen Gewaltverbrechen: „Die sexuellen Übergriffe und Vergewaltigungen […] umfassten sadistische Handlungen brutaler und demonstrativer Art“. Die meisten Opfer seien während oder nach der Vergewaltigung ermordet worden. Vor allem Frauen, aber auch Kinder und Männer seien Opfer sexueller Gewalt geworden. Der Bericht soll UN-Entscheidungsträgern übergeben worden sein.[678]

Nach einem israelischen Raketenangriff auf Syriens Hauptstadt Damaskus meldeten Staatsmedien und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens zwei Tote im Stadtteil Kafr Soussa, in dem mehrere Sicherheitsbehörden Niederlassungen haben.[678]

22. Februar Bearbeiten

Israels Ministerpräsident Netanjahu legte seinem Sicherheitskabinett einen Plan für die künftige Verwaltung des Gazastreifens vor. Laut der Times of Israel soll dort das israelische Militär für die Sicherheit verantwortlich sein, und auf palästinensischer Seite solle eine Pufferzone eingerichtet werden. Mit der Verwaltung des Gazastreifens wolle man „lokale Beamte mit fachlicher Erfahrung“ ohne Verbindungen zu Terrorunterstützern beauftragen. Der Plan stehe im Widerspruch zu den Wünschen der USA – diese seien gegen eine Reduzierung des palästinensischen Gebiets durch eine Pufferzone und hatten geäußert, dass die Palästinensische Autonomiebehörde auch in Gaza die Kontrolle übernehmen solle.[679][680]

Zwei Raketen der Huthis trafen im Roten Meer das Frachtschiff MV Islander. Es kam zu einem Feuer, ein Besatzungsmitglied wurde leicht verletzt.[681] Flugzeuge der USA und Großbritanniens griffen 18 Ziele im Jemen an. Dabei sollen unterirdische Waffenlager, Raketenlager, Drohnen, Luftabwehrsysteme und ein Hubschrauber getroffen worden sein.[682]

23. Februar Bearbeiten

Das Zentralkommando des US-Militärs teilte mit, dass der am 18. Februar von der Huthi-Miliz attackierte Frachter Rubymar sinken könnte. Das im Golf von Aden ankernde Schiff laufe mit Wasser voll und verliere Öl. Es habe sich ein 29 Kilometer langer Ölteppich gebildet. Außerdem könnten die geladenen 41.000 Tonnen Dünger ins Meer gelangen und schwere Umweltschäden verursachen.[683]

25. Februar Bearbeiten

US-Luftwaffensoldat Aaron Bushnell zündete sich vor der israelischen Botschaft in Washington an. „Ich werde mich nicht länger an einem Völkermord beteiligen“, sagte er während des von ihm live im Internet gestreamten Vorfalls. Dann übergoss er sich mit einer Flüssigkeit, steckte sich in Brand und rief „Freiheit für Palästina“. Er starb wenige Stunden später im Krankenhaus.[684][685][686]

26. Februar Bearbeiten

Das israelische Militär meldete, es habe einen 10 Kilometer langen Tunnel im Gazastreifen entdeckt, der Teile des zentralen Gazastreifens mit der Stadt Gaza im Norden verbinde. Er verlaufe zwischen Positionen in der Nähe des Türkischen Spitals im Zentrum des Gazastreifens und der Israa-Universität in Gaza-Stadt.[687]

27. Februar Bearbeiten

Das US-amerikanische Nachrichtenportal Axios berichtete, dass die israelische Regierung auf Forderung des US-Präsidenten Joe Biden bis Mitte März 2024 schriftlich garantieren müsse, dass Israel sich an das internationale Recht halte, wenn es US-amerikanische Waffen im Gazakrieg einsetze. Außerdem müsse sich Israel schriftlich verpflichten, humanitäre Hilfe nach Gaza zu lassen. Dieses nun eingeforderte Garantieschreiben sei Teil eines neuen Nationalen Sicherheitsmemorandums der USA, das grundsätzlich jeden Staat, der von den USA Waffen erhalte, zwingen solle, diese Verpflichtungen zu erfüllen.[688][689]

Am Abend schoss die Fregatte Hessen zwei feindliche Drohnen ab.[690][691]

29. Februar Bearbeiten

Bei der Verteilung von Hilfsgütern starben nach israelischen Militärangaben mindestens 24, nach Angaben der Hamas 104 Menschen. Mehrere israelische Medien berichteten unter Berufung auf israelische Armeekreise, von israelischen Soldaten begleitete Lastwagen (laut Times of Israel 30 Lastwagen) mit Hilfsgütern seien in Gaza-Stadt in Gefahr gewesen, von tausenden Palästinensern überrannt zu werden. Daher habe das israelische Militär das Feuer eröffnet, um die israelischen Soldaten nicht zu gefährden. Die israelischen Soldaten hätten den Auftrag gehabt, das Einfahren der Lastwagen zu koordinieren. Das israelische Militär habe zunächst Warnschüsse in die Luft abgegeben und auf die Beine derjenigen gefeuert, die sich den Soldaten trotzdem genähert hätten. Augenzeugen gaben gegenüber der Associated Press an, es habe Schüsse gegeben, als sich Menschen Mehl und Konservendosen aus Lastwagen holten. Die israelische Armee behauptete laut mehreren israelischen Medien, dass bewaffnete Palästinenser auf einige der Lastwagen geschossen hätten. Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) selbst behaupteten in einer offiziellen Erklärung zu dem Vorfall, dass die 24 Menschen durch einen Massenandrang getötet worden seien.[692] Die IDF bestätigen jedoch gegenüber der Haaretz, dass israelische Soldaten in eine Menschenmenge geschossen hätten.[693] Die Hamas behauptete, dass das israelische Militär bei dem Vorfall 104 Menschen getötet und 760 Menschen verletzt habe.[692] Die BBC berichtete, laut einem palästinensischen Augenzeugenbericht seien die meisten Todesopfer dadurch verursacht worden, dass die von einer Menschenmenge umgebenen Lastwagen in dem Chaos nach den Schüssen versucht hätten, wieder anzufahren; dabei seien viele Menschen unter die Räder gekommen.[694] Der Direktor des Al-Awda-Krankenhauses im Norden des Gazastreifens sagte gegenüber Associated Press, von den 176 Verwundeten, die in seinem Krankenhaus eingetroffen seien, hätten 142 Schusswunden gehabt.[695] Der Direktor des Kamal-Adwan-Krankenhauses berichtete laut Washington Post, die Mehrheit der Verwundeten in seinem Krankenhaus hätten Schusswunden im Oberkörper, viele der Toten hätten Kopf-, Hals- oder Brustschusswunden; ein UNO-Team, das das Al-Schifa-Krankenhaus besuchte, sprach ebenfalls von „einer großen Menge von Schussverletzungen“ unter den 200 dort behandelten Verletzten.[696]

Der Tod zahlreicher Menschen fand große Aufmerksamkeit in der internationalen Politik. Joe Biden sah einen „tragischen und alarmierenden Vorfall.“ Emmanuel Macron äußerte auf X „Ich bringe meine entschiedene Ablehnung gegenüber diesen Schüssen zum Ausdruck und fordere Wahrheit, Gerechtigkeit und die Einhaltung des Völkerrechts.“ Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell schrieb auf X „Ich bin entsetzt über die Nachrichten über ein weiteres Blutbad unter Zivilisten in Gaza, die verzweifelt humanitäre Hilfe brauchen.“[697] Ursula von der Leyen forderte „Es müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um die Geschehnisse zu untersuchen und für Transparenz zu sorgen“ und „Wir stehen an der Seite der Zivilbevölkerung und drängen auf ihren Schutz im Einklang mit dem Völkerrecht.“ Annalena Baerbock äußerte „Menschen wollten Hilfsgüter für sich und ihre Familien und fanden den Tod. Die Berichte aus Gaza erschüttern mich.“ Mao Ning Außenamtssprecherin Chinas forderte, sofort das Feuer einzustellen und den Krieg zu beenden. Die jordanische Luftwaffe warf von drei Flugzeugen Hilfsgüter per Fallschirm über dem Gazastreifen ab.[698] Eine Resolution des UN-Sicherheitsrates, die Israel für den Vorfall verantwortlich machte, wurde laut Associated Press in einer Dringlichkeitssitzung von 14 der 15 Mitgliedsstaaten unterstützt, scheiterte aber am Veto der USA. „Wir haben noch nicht alle Fakten – das ist das Problem“, sagte der stellvertretende amerikanische UN-Botschafter Robert Wood.[699]

Die offizielle Anzahl der Todesopfer seit Kriegsbeginn im Gazastreifen überstieg laut Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums 30.000 oder 1,3 Prozent der Gesamtbevölkerung von 2,3 Millionen. Die meisten Toten seien Frauen und Kinder. Die Zahlen des Gesundheitsministeriums unterschieden nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten. Die BBC berichtete, die wahre Zahl der Todesopfer sei wahrscheinlich noch viel höher, da die Zahlen des Gesundheitsministeriums all die nicht erfassten, die noch unter den Trümmern begraben lägen – das seien Tausende – oder es aus einem anderen Grund nicht in ein Krankenhaus geschafft hätten.[700]

1. März Bearbeiten

Nicaragua verklagte Deutschland vor dem Internationalen Gerichtshof; wegen seiner politischen, finanziellen und militärischen Unterstützung für Israel leiste Deutschland Beihilfe zu einem Völkermord im Gazastreifen.[701][702][703]

US-Präsident Joe Biden kündigte wegen der katastrophalen humanitären Lage im Gazastreifen an, Hilfsgüter über dem Küstenstreifen abwerfen zu lassen.[704] Bei der Ankündigung verwechselte Biden zweimal Gaza mit der Ukraine.[705][706]

Der in Großbritannien registrierte, unter der Flagge von Belize fahrende und mit Düngemittel beladene Frachter Rubymar sank in der Nacht im Roten Meer. Der Frachter war auf dem Weg von Ras Al Khair in Saudi-Arabien nach Warna in Bulgarien gewesen und wurde vor knapp zwei Wochen bei einem Huthi-Raketenangriff vor der jemenitischen Küste getroffen. Die Ladung von rund 21.000 Tonnen Ammoniumphosphat-Sulfat stellt eine erhebliche Gefahr für das marine Ökosystem dar; das gesunkene Schiffswrack gefährdet überdies die vielgenutzte Schifffahrtsroute.[707][708][709]

2. März Bearbeiten

Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums wurden in der Nähe des emiratischen Entbindungskrankenhauses in Rafah bei einem israelischen Angriff auf Zelte, in denen vertriebene Zivilisten untergebracht waren, 11 Menschen getötet – darunter Kinder und ein Sanitäter – und etwa 50 weitere Menschen verwundet. Die israelische Armee erklärte, sie habe in der Nähe des Krankenhauses einen „Präzisionsschlag“ durchgeführt, der auf Kämpfer der Gruppe Islamischer Dschihad abgezielt und das Krankenhaus nicht beschädigt habe. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, bezeichnete die Berichte, dass Flüchtlinge beschossen worden seien, auf der Social-Media-Plattform X als „entsetzlich und unfassbar“. Er sagte, Gesundheitspersonal und Zivilisten müssten stets geschützt werden, und rief zu einer Waffenruhe auf.[710][711][712]

3. März Bearbeiten

Der moderate israelische Politiker Benny Gantz, Mitglied des israelischen Kriegskabinetts, flog für Gespräche nach Washington, laut Associated Press gegen den ausdrücklichen Willen von Premierminister Netanjahu. Dies sei ein Zeichen wachsender Spannungen im israelischen Kriegskabinett.[713]

Eine Hamas-Delegation traf zu Gesprächen in Kairo über eine Waffenruhe ein. Die USA erklärten, ein Rahmenbkommen liege bereits „auf dem Tisch“ und sei von Israel gebilligt worden; man warte nur noch auf die Zustimmung der Hamas. Die Konfliktparteien selbst bestätigten dies nicht. Die USA erhofften sich eine sechswöchige Kampfpause, während derer die noch lebenden israelischen Geiseln gegen Hunderte inhaftierter Palästinenser ausgetauscht würden.[714]

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Liveticker der NZZ. In: NZZ.ch. Abgerufen am 9. Oktober 2023.
  2. IDF: 2,200 rockets fired from Gaza; Hamas terrorists infiltrated from land, sea and air | The Times of Israel. (englisch).
  3. 9 hours since start of Hamas assault, terrorists still in a number of Israeli communities. The Times of Israel, 7. Oktober 2023, abgerufen am 22. Oktober 2023 (englisch).
  4. Emanuel Fabian: Rocket fire continues toward south as IDF focuses on Hamas terrorists in Israeli territory. The Times of Israel, 7. Oktober 2023, abgerufen am 22. Oktober 2023 (englisch).
  5. Emanuel Fabian: Woman critically wounded in rocket hit in center. The Times of Israel, 7. Oktober 2023, abgerufen am 22. Oktober 2023 (englisch).
  6. Emanuel Fabian: 2 lightly wounded as result of rocket fire on Ashkelon. The Times of Israel, 7. Oktober 2023, abgerufen am 22. Oktober 2023 (englisch).
  7. Emanuel Fabian: 2 seriously wounded in Rishon Lezion rocket attack. The Times of Israel, 7. Oktober 2023, abgerufen am 22. Oktober 2023 (englisch).
  8. Sirens sound in Tel Aviv for second time, explosions heard. The Times of Israel, 7. Oktober 2023, abgerufen am 22. Oktober 2023 (englisch).
  9. Reports of direct hit on Tel Aviv building amid rocket barrage. The Times of Israel, 7. Oktober 2023, abgerufen am 22. Oktober 2023 (englisch).
  10. Emanuel Fabian: Rocket fired from Gaza hits road in town near Jerusalem. The Times of Israel, 7. Oktober 2023, abgerufen am 22. Oktober 2023 (englisch).
  11. Rocket barrage fired at Tel Aviv area after Hamas threat. The Times of Israel, 7. Oktober 2023, abgerufen am 22. Oktober 2023 (englisch).
  12. Emanuel Fabian: IDF says its strikes on Gaza hit rocket launchers, terror cell, Hamas HQ. The Times of Israel, 8. Oktober 2023, abgerufen am 23. Oktober 2023 (englisch).
  13. a b Israel meldet rund 700 Todesopfer – und etwa 1000 Angreifer. In: Der Spiegel. 9. Oktober 2023 (spiegel.de [abgerufen am 9. Oktober 2023]).
  14. Hunderte Hamas-Terroristen in Gefangenschaft: Israels Armee erlangt Kontrolle über Grenze zu Gaza. In: Der Tagesspiegel Online. 10. Oktober 2023 (tagesspiegel.de [abgerufen am 11. Oktober 2023]).
  15. Muriel Kalisch: (S+) Angriff auf Israel – Antworten auf die wichtigsten Fragen. In: Der Spiegel. 7. Oktober 2023 (spiegel.de [abgerufen am 8. Oktober 2023]).
  16. Isabel Kershner: Israel-Gaza Conflict: Gaza and Israel on War Footing After Militants Launch Surprise Assaults. In: The New York Times. 7. Oktober 2023 (nytimes.com [abgerufen am 7. Oktober 2023]).
  17. Palästinenser kapern israelischen Panzer – Hamas zeigt Gefangene. In: Die Zeit. Abgerufen am 7. Oktober 2023.
  18. a b c d Hamas-Angriff auf Israel im News-Blog: Israelische Armee spricht von mehr als 2000 Raketen. In: Der Spiegel. 7. Oktober 2023 (spiegel.de [abgerufen am 7. Oktober 2023]).
  19. Quadri Adejumo: War-like Situation in Southern Region: 21 Active Hotspots, Police and Military Units Engage in Conflict. bnn.network, 8. Oktober 2023, abgerufen am 8. Oktober 2023 (englisch).
  20. Ralf Niemczyk: Universo Paralello Festival: Festivalmanager berichtet vom Rave-Massaker in Israel. In: RolllingStone. 9. Oktober 2023, abgerufen am 9. Oktober 2023.
  21. How an Israel music festival turned into a nightmare after Hamas attack. In: BBC News. 8. Oktober 2023 (bbc.com [abgerufen am 8. Oktober 2023]).
  22. Amanda Borschel-Dan: Camera in hand, partygoer captures escape from rave and nail-biting flight to Tel Aviv. Abgerufen am 9. Oktober 2023 (amerikanisches Englisch).
  23. a b c d TV: Police probe of Re’im massacre shows terrorists didn’t know about party in advance. In: The Times of Israel. 17. November 2023, abgerufen am 17. November 2023.
  24. Inbal (25) lockte Hamas-Terroristen in die Falle und verhinderte so ein Massaker. Focus, 11. Oktober 2023, abgerufen am 12. Oktober 2023.
  25. Benjamin Eckert: SPIEGEL-Autor über Großangriff auf Israel: »Niemand, wirklich niemand scheint damit gerechnet zu haben«. In: Der Spiegel. 7. Oktober 2023 (spiegel.de [abgerufen am 7. Oktober 2023]).
  26. a b Richard C. Schneider: (S+) Angriff auf Israel: Das eigene Territorium befreien. In: Der Spiegel. 7. Oktober 2023 (spiegel.de [abgerufen am 7. Oktober 2023]).
  27. שר הביטחון יואב גלנט אישר כעת גיוס מילואים נרחב. Abgerufen am 7. Oktober 2023.
  28. IDF: 100 killed in huge assault by Hamas, hostages taken to Gaza; PM: Israel at war. Abgerufen am 7. Oktober 2023 (amerikanisches Englisch).
  29. Joanie Margulies: IDF regains control over Sderot police station. In: The Jerusalem Post. 8. Oktober 2023, abgerufen am 15. Oktober 2023.
  30. Liveblog zu Nahost: Erneut Raketenalarm im Großraum Tel Aviv. tagesschau.de, abgerufen am 8. Oktober 2023.
  31. The IDF Struck Terrorist Targets in Beit Hanoun in Gaza. Abgerufen am 9. Oktober 2023.
  32. Swords of Iron – Real Time Updates. Abgerufen am 9. Oktober 2023.
  33. Liveblog zu Nahost (8. Oktober): Israel erklärt Kriegszustand. In: tagesschau.de. 8. Oktober 2023, abgerufen am 8. Oktober 2023.
  34. Mindestens 700 Israelis bei Hamas-Angriff getötet. tagesschau.de, 8. Oktober 2023, abgerufen am 8. Oktober 2023.
  35. Emanuel Fabian, ToI Staff: Air Force pounds Gaza overnight in bid to ‘devastate’ Hamas; rocket fire continues. Abgerufen am 9. Oktober 2023 (amerikanisches Englisch).
  36. a b Liveblog zu Nahost: Israels Geheimdienstchef räumt Fehler ein. In: tagesschau.de. 16. Oktober 2023, abgerufen am 16. Oktober 2023.
  37. a b Nach Hamas-Attacke: Angriffe in Israel, Gegenangriffe im Gazastreifen. tagesschau.de, abgerufen am 9. Oktober 2023.
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  39. Raja Abdulrahim, Ameera Harouda: Israeli Airstrikes Hit Marketplace and Mosques in Gaza, Killing Dozens. In: The New York Times. 9. Oktober 2023 (nytimes.com [abgerufen am 13. Oktober 2023]).
  40. a b c d e Liveblog zu Nahost (09.10): Israel mobilisiert 300.000 Reservisten. tagesschau.de, abgerufen am 9. Oktober 2023.
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  42. Gaza ‘soon without fuel, medicine and food’ – Israel authorities. In: BBC News. 9. Oktober 2023 (bbc.com [abgerufen am 11. Oktober 2023]).
  43. Israel greift mit Kampfhubschraubern Ziele im Libanon an. In: Der Spiegel. 9. Oktober 2023 (spiegel.de [abgerufen am 9. Oktober 2023]).
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  46. n-tv: „Sie haben sie umgebracht und dann die Köpfe abgeschnitten“. 11. Oktober 2023, abgerufen am 13. Oktober 2023.
  47. Reaktion auf Hamas-Angriff: Israel fliegt weiter Luftangriffe auf Gaza. tagesschau.de, 10. Oktober 2023, abgerufen am 10. Oktober 2023.
  48. Liveblog zu Nahost (10.10): Hamas bestätigt Tod hochrangiger Funktionäre. In: tagesschau.de. 10. Oktober 2023, abgerufen am 10. Oktober 2023.
  49. a b c Zweite Gruppe von Geiseln aus Gaza freigelassen. tagesschau.de, abgerufen am 26. November 2023.
  50. a b c d e Liveblog zu Nahost (11.10): Einziges Kraftwerk in Gaza abgeschaltet. In: tagesschau.de. Abgerufen am 11. Oktober 2023.
  51. Einziges Kraftwerk in Gaza abgeschaltet. In: spiegel.de. Abgerufen am 11. Oktober 2023.
  52. Israel: Regierung und Opposition bilden Notstandsregierung. tagesschau.de, abgerufen am 11. Oktober 2023.
  53. a b Israel-News: Israels Parlament billigt Notstandsregierung. In: Der Spiegel. 12. Oktober 2023 (spiegel.de [abgerufen am 12. Oktober 2023]).
  54. Oppositionsführer Lapid bietet Netanjahu Notstandsregierung an. In: FAZ.NET. 7. Oktober 2023 (faz.net [abgerufen am 12. Oktober 2023]).
  55. Nach Hamas-Angriffen auf Israel: Minister und Militär räumen Versagen ein. In: tagesschau.de. Abgerufen am 12. Oktober 2023.
  56. Netanyahu und Gantz vereinbaren Bildung von Notstandsregierung. In: nzz.ch. 11. Oktober 2023, abgerufen am 13. Oktober 2023.
  57. Syrien: Israels Botschafter Ron Prosor bestätigt Angriff auf Flughafen von Damaskus. In: Der Spiegel. 12. Oktober 2023 (spiegel.de [abgerufen am 12. Oktober 2023]).
  58. Liveblog zu Nahost: London verlegt Schiffe in östliches Mittelmeer. tagesschau.de, abgerufen am 12. Oktober 2023.
  59. Nahost: Schüsse auf Polizisten in Jerusalem – Angreifer tot. Abgerufen am 13. Oktober 2023.
  60. Israel greift nach Hamas-Angriff auch Flughäfen in Syrien an. Abgerufen am 15. Oktober 2023.
  61. Militär stellt 20-Uhr-Ultimatum – Erste Einsätze am Boden beendet. n-tv.de, 13. Oktober 2023, abgerufen am 13. Oktober 2023.
  62. UN Calls Israel Order to Evacuate 1.1 Million in Gaza Impossible. In: Bloomberg.com. 13. Oktober 2023 (bloomberg.com [abgerufen am 13. Oktober 2023]).
  63. Israel drängt Zivilisten zur Flucht aus dem Norden Gazas, Hamas hält sie auf. In: Der Spiegel. 13. Oktober 2023 (spiegel.de [abgerufen am 13. Oktober 2023]).
  64. Gaza civilians afraid to leave home after bombing of ‘safe routes’. In: The Guardian. 14. Oktober 2023.
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  553. Nahost-Liveblog: Israel: Hamas-Kommandeur im Gazastreifen getötet. In: tagesschau.de. 1. Januar 2024, abgerufen am 1. Januar 2024.