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Golanhöhen

Region im Nahen Osten
Topografische Karte
Wirtschaft und Landnutzung (Stand 1993)

Die Golanhöhen (arabisch هضبة الجولان Hadbat al-Dschaulān, DMG Haḍbat al-Ǧawlān, hebräisch רמת הגולן Ramat haGolan, deutsch [ɡoˈlaːn] ausgesprochen; gräzisiert Γαυλανίτις, Gaulanitis) sind im geographischen Sinne ein dünn besiedelter, hügeliger Landstrich im Nahen Osten. International anerkannt als Teil Syriens, befinden sich die Golanhöhen seit 1967 großteils unter israelischer Kontrolle. Israel verwaltet die 1981 annektierten Gebiete als Teil seines Nordbezirks; die Annexion ist aber von den meisten Staaten nicht anerkannt worden. Syrien beansprucht das Gebiet nach wie vor komplett und zählt es zu seinem Gouvernement Quneitra, eine schmale Pufferzone wird seit 1974 von UN-Friedenstruppen überwacht (UNDOF). Der Status der Golanhöhen ist ein Hindernis für die Friedensverhandlungen zwischen den beiden Staaten.[1]

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Bei den Golanhöhen im geographischen und geologischen Sinne handelt es sich um ein basaltisches Hochplateau vulkanischen Ursprungs zwischen dem See Genezareth und der syrischen Hauptstadt Damaskus, das durch den Jarmuk im Süden, den See Genezareth und die Chulaebene im Westen, den Hermon im Norden und den Wadi ar-Ruqqad im Osten begrenzt ist. Ein großer Teil des Gebiets liegt etwa bei 1000 m, die Fläche beträgt bei einer Länge von 60 km und einer Breite von 25 km insgesamt 1.150 km². Die höchste Erhebung ist im Norden der Hermon mit 2814 Metern. Durch die Höhe liegt im Winter so viel Schnee, dass bei der israelischen Siedlung Newe Atiw ein Skigebiet eingerichtet werden konnte – das einzige in den von Israel beherrschten Regionen. Im Nordosten befindet sich ein erloschener Vulkan, der Bental mit einer Höhe von 1171 Metern.

 
Am Fuß der Golanhöhen, Sommer 1973
 
Quneitra im September 2001

Die größte Stadt der Golanhöhen war das syrische Quneitra, das von der israelischen Armee während des Sechstagekrieges 1967 besetzt wurde. Hier wurde auch der Kibbuz Merom Golan gegründet, der im Krater des Har Bental liegt. Im Jom-Kippur-Krieg 1973 wurde die Stadt von der syrischen Armee zwischenzeitlich zurückerobert. 1974 zog sich die israelische Armee, die den syrischen Angriff zurückgeworfen hatte, aus der Stadt zurück. Die Stadt wurde bis heute nur zu geringen Teilen wieder aufgebaut. Der israelische Hauptort des Golan ist Katzrin. Insgesamt wohnen auf den Golanhöhen etwa 20.000 jüdische Israelis in 33 Städten und Dörfern sowie eine ähnliche Anzahl Drusen in einem kleinen Gebiet mit vier Dörfern im Norden des Golan.

Die Böden des Golan sind sehr steinig und große Flächen sind potenziell vermint. Die Niederschläge sind vergleichsweise hoch. Israel bezieht einen Großteil seines Trinkwassers indirekt (über den Jordan und den See Genezareth) von den Golanhöhen. 8.100 Hektar Land werden landwirtschaftlich genutzt, unter anderem für den Weinbau. Weitere 46.575 ha dienen als Weideland für zirka 15.000 Rinder und 5.000 Schafe, die für die Milch- und Fleischproduktion genutzt werden.

GeschichteBearbeiten

 
Die Golanhöhen

Die Besiedlung reicht bis weit in die Urzeit zurück. Jüngste Funde zeigen, dass bereits der Homo neanderthalensis in dieser Region seine Spuren hinterlassen hat.

Vor allem im Zusammenhang mit biblischen Erzählungen wird die gräzisierte Namensform Gaulanitis verwandt, die von der Übertragung der Bibel ins Griechische herrührt. Eine jüdische Besiedlung der Golanhöhen reicht bis in die Antike zurück. Ähnlich wie in Masada am Toten Meer gab es in Gamla (Gamala) eine Festung von Zeloten, die allerdings von den Römern im Jahr 67 nach relativ kurzer Zeit eingenommen wurde. Unter dem politischen, wirtschaftlichen und religiösen (vor allem im Byzantinischen Reich) Druck der herrschenden Mächte schwand, wie überall im Nahen Osten, die jüdische Bevölkerung. Das Gebiet wurde von Arabern und Drusen besiedelt.

Um 1900 wurden auf den Golanhöhen jüdische Siedlungen gegründet. 1923 wurden in einem Abkommen zwischen England und Frankreich die Golanhöhen vom britischen Mandatsgebiet Palästina abgetrennt und dem französischen Mandatsgebiet Syrien und Libanon angeschlossen. Im Unterschied zum britischen bestanden für das französische Mandatgebiet keine Bedingungen über eine Förderung zionistischer Interessen. Alle jüdischen Siedlungen wurden Anfang der 1920er Jahre aufgegeben.

Die Golanhöhen wurden von Syrien als militärischer Stützpunkt genutzt, von dem aus immer wieder israelische Gemeinden beschossen wurden. Dies galt insbesondere für die an den Golan grenzenden israelischen Dörfer in den entmilitarisierten Zonen, welche im Zuge des Waffenstillstandsabkommens von 1949 eingerichtet wurden. Arabische Versuche, diese Gebiete zu besiedeln, wurden wiederum von Israel verhindert.

Während des Sechstagekriegs eroberte Israel die Golanhöhen. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte Israel im November 1967 in seiner Resolution 242 zum Rückzug auf und betonte die Unzulässigkeit des Gebietserwerbs durch Krieg. Während und nach dem Krieg wurden bis auf die Drusen, welche man größtenteils weiter dort wohnen ließ, nahezu alle arabischen Bewohner (etwa 120.000) aus dem Gebiet vertrieben. Ein Grund dafür war, dass seit den Zeiten des britischen Mandats relativ gute und friedliche Beziehungen zwischen den Drusen und der jüdischen Bevölkerung und Führung bestanden. Noch vor dem Westjordanland begann auf den Golanhöhen im Juli 1967 mit der Gründung des Kibbuz Merom Golan die israelische Besiedlung,[2] die vom Weltsicherheitsrat in seinen Resolutionen 446 und 452 von 1979 ausdrücklich als illegal verurteilt wurde. Zwar konnte Syrien Teile des Golans im Jom-Kippur-Krieg 1973 zunächst wieder besetzen; diese Gebiete gingen jedoch im weiteren Verlauf der Kämpfe wieder verloren. In seiner Resolution 338 vom Oktober 1973 forderte der UN-Sicherheitsrat außer einem Waffenstillstand die Umsetzung aller Teile der Resolution 242, also auch den israelischen Rückzug. Im folgenden Jahr schlossen Israel und Syrien ein Waffenstillstandsabkommen, außerdem wurde eine Pufferzone unter Beobachtung durch UN-Blauhelme (UNDOF) eingerichtet. Die 1967 von den Israelis besetzte Stadt Quneitra liegt in dieser Pufferzone. 1979 bot Israel den Drusen auf dem Golan die Möglichkeit an, die israelische Staatsbürgerschaft zu erwerben, was aber nur von wenigen Drusen angenommen wurde. In den Jahren 1981/1982 kam es stattdessen zu massiven Protesten der Drusen gegen Israel. Es wurde unter anderem auch die Rückgabe des Gebiets an Syrien gefordert.[3]

Am 14. Dezember 1981 erließ Israel ein Gesetz, das seine Gesetze und seine Verwaltung auf das Gebiet ausweitete. Dieser Vorgang wurde in der israelischen und der internationalen Öffentlichkeit allgemein als Annexion bezeichnet.[4] Am 17. Dezember 1981 erklärte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen dieses Gesetz auf einer Sondersitzung in seiner Resolution Nr. 497[5] für null und nichtig (null and void).

2000 scheiterten Verhandlungen über die Golanhöhen mit Syrien unter dem israelischen Premier Ehud Barak. Die israelische Regierung unter Ariel Scharon kündigte Anfang Januar 2004 stattdessen an, in neuen Gemeinden weitere 900 Familien auf dem Golan ansiedeln zu wollen in der Absicht, die israelische Bevölkerung dort innerhalb von drei Jahren zu verdoppeln.[6]

Am 3. November 2012 drangen im Zusammenhang des 2011 ausgebrochenen Bürgerkriegs in Syrien drei Panzer der syrischen Regierung, begleitet von zwei gepanzerten Transportfahrzeugen, in die demilitarisierte Zone auf den Golanhöhen ein.[7] Dabei lieferten sie sich ein längeres Feuergefecht mit syrischen Rebellen in der Ortschaft Bir Adscham. Schon zuvor waren syrische Mörsergranaten in der demilitarisierten Zone eingeschlagen. Als Reaktion auf diese Aktionen der syrischen Armee legte Israel bei der in der demilitarisierten Zone stationierten UN-Friedenstruppe Beschwerde ein.[8] Zwei Tage später wurde nach Angaben der israelischen Streitkräfte ein Armeefahrzeug auf den Golanhöhen nahe der Demarkationslinie von mehreren aus syrischem Gebiet abgefeuerten Geschossen getroffen. Zwar wurde dabei das Fahrzeug beschädigt, doch niemand verletzt. Ob diese Schüsse von der syrischen Armee oder von den Rebellen abgegeben wurden, konnte nicht ermittelt werden.[9] Am 11. November wurde ein israelischer Grenzposten auf den Golanhöhen von einer syrischen Mörsergranate getroffen. Schon zuvor waren einige Geschosse der syrischen Armee auf den Golanhöhen eingeschlagen. Zwar wertete die israelische Regierung den Beschuss als Versehen, doch feuerten die israelischen Streitkräfte als Warnung noch am selben Tag mindestens eine Panzerabwehrrakete auf syrisches Territorium ab. Erneut legte die israelische Regierung zudem bei der auf den Golanhöhen stationierten UN-Truppe Beschwerde ein.[10] Einen Tag später reagierte die israelische Armee auf eine syrische Granate, welche in der Nähe eines israelischen Militärpostens eingeschlagen war, indem sie die für den Beschuss verantwortliche Artillerieeinheit mit Panzern unter gezieltes Feuer nahm.[11]

Politische und militärische BedeutungBearbeiten

 
Von UNDOF-Truppen gesicherter Grenzübergang zwischen Israel und Syrien

Israel macht für die Besetzung militärstrategische und die Wasserversorgung betreffende Gründe geltend. Von Stellungen auf den Golanhöhen kann die syrische Artillerie weite Teile Nordisraels beschießen, was sie vor der israelischen Besatzung 1967 auch regelmäßig tat.[12] Bereits seit 1964 versuchte Syrien, das Wasser des Jordan durch Umleitung der nicht auf israelischem Gebiet liegenden Quellflüsse des Jordan, Banyas und Hasbani, vermehrt selbst zu nutzen.[13] Die vollständige oder teilweise Rückgabe der Golanhöhen an Syrien soll nach israelischer Position nur im Zuge eines vollwertigen Friedensvertrages erfolgen, der auch Lösungen für diese Fragen einschließt. Einige Annäherungsversuche zwischen Israel und Syrien waren zuletzt im Jahr 2000 gescheitert. Mehrere israelische Ministerpräsidenten haben ihre grundsätzliche Bereitschaft zu territorialen Kompromissen signalisiert, zuletzt Ehud Olmert. Im Dezember 2003 schlug der syrische Präsident Baschar al-Assad zunächst erfolglos eine Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Israel vor. Obwohl die israelische Regierung offizielle Kontakte zu Syrien verneinte, fanden seit 2004 indirekte Gespräche zwischen beiden Staaten unter türkischer Vermittlung statt. Im Mai 2008 gaben die syrische und die israelische Regierung bekannt, offizielle Friedensgespräche aufzunehmen, in denen die Rückgabe der Golanhöhen im Zentrum der Verhandlungen stehen werde.[14]

Zu den Golanhöhen zählen auch die Schebaa-Farmen, die vor allem von der Hisbollah-Bewegung für den Libanon beansprucht werden und als Hauptvorwand dienen, die von Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates geforderte Entwaffnung dieser Gruppierung zu verhindern und Israel weiter als Besatzungsmacht im Libanon zu brandmarken. Gemeinsam mit Syrien wird geltend gemacht, Syrien habe das Gebiet 1951 an den Libanon abgetreten. Die Vereinten Nationen erkennen diese Abtretung jedoch nicht an, weil es dafür keine Beweise gibt, und betrachten es deshalb weiterhin als syrisch. Der ungelöste Konflikt ist deshalb indirekt über den syrischen Einfluss im Libanon und auch direkt über die ungeklärte Frage der Schebaa-Farmen mitverantwortlich für die andauernden Spannungen im Libanon.

ÖlvorkommenBearbeiten

Die Genie Energy Ltd. bekam 2013 das Recht, in dem israelischem Teil der Golanhöhen nach Öl zu suchen. Am 7. Oktober 2015 verkündete Genie Energy, sie hätten durch Probebohrungen ein großes Ölvorkommen gefunden. Zu den Investoren gehören der ehemalige Vizepräsident der Vereinigten Staaten Dick Cheney und Jacob Rothschild, 4. Baron Rothschild.[15][16] Am 16. November 2017 suspendierte die Genie Energy Ltd. die Öl- und Erdgas-Bohrungen in Nord-Israel, weil keine ausreichende Menge an Öl oder Erdgas kostendeckend verwertbar sind.[17]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Yigal Kipnis: The Golan Heights: Political History, Settlement and Geography since 1949. Routledge, Oxford 2013 (englisch)

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Golanhöhen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Commons: Golanhöhen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Golanhöhen – Reiseführer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Israelisches Außenministerium: Israel-Syria Negotiations, 21. Mai 2008, abgerufen am 18. Januar 2009
  2. Neve Gordon, Moriel Ram: Ethnic cleansing and the formation of settler colonial geographies. (PDF) In: Political Geography, Heft 53 (2016), S. 20–29, hier S. 23 (englisch), abgerufen am 5. Juni 2018
  3. Peggy Klein: Die Drusen in Israel, Tectum Verlag, Marburg, 2001, S. 50, 70 und 71
  4. Loch im Kopf. In: Spiegel Online, 21. Dezember 1981
  5. Resolution Nr. 497 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen (Memento des Originals vom 1. Oktober 2006 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/daccessdds.un.org (PDF)
  6. Die Golan-Höhen gehören uns. In: Tagesspiegel, 2. Januar 2004
  7. Syrische Panzer in Pufferzone auf den Golan-Höhen (Memento vom 17. Oktober 2013 im Internet Archive), tagesschau.de, 3. November 2012, abgerufen am 4. November 2012
  8. Syrische Panzer dringen auf Golanhöhen vor, spiegel.de, 3. November 2012, abgerufen am 4. November 2012
  9. Syrische Kugeln treffen israelisches Armeefahrzeug, spiegel.de, 5. November 2012, abgerufen am 6. November 2012
  10. Israel feuert Warnschüsse auf Syrien, spiegel.de, 11. November 2012, abgerufen am 12. November 2012
  11. Israel feuert gezielt auf syrische Kampfeinheit, spiegel.de, 12. November 2012, abgerufen am 12. November 2012
  12. Israel/Palestine – 1949–1967@1@2Vorlage:Toter Link/disarm.igc.org (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. von der Website des Non-Governmental Organization Committee on Disarmament, Peace and Security, abgerufen am 1. Februar 2008
  13. Weder Krieg noch Frieden. In: Die Zeit, Nr. 23/1965
  14. Israel und Syrien wollen Frieden schließen.@1@2Vorlage:Toter Link/www.morgenpost.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: Berliner Morgenpost, 22. Mai 2008
  15. Black gold under the Golan. Abgerufen am 18. Juni 2017.
  16. Business and Financial Leaders Lord Rothschild and Rupert Murdoch Invest in Genie Oil & Gas. Abgerufen am 18. Juni 2017 (englisch).
  17. Genie Energy Suspends Exploratory Oil and Gas Drilling Program in Northern Israel. In: Form 8K, SEC Filing. 16. November 2017, abgerufen am 21. November 2017 (englisch).

Koordinaten: 33° 0′ N, 35° 45′ O