Eifert war eine Orgelbaufirma im thüringischen Stadtilm. Der Firmengründer Adam Eifert baute mehr als 115 Orgeln für Thüringen und etwa zwei Dutzend für Hessen.[1]

GeschichteBearbeiten

Adam Eifert (* 2. April 1841 in Grebenau; † 2. März 1910 in Stadtilm) begründete das Unternehmen. Er erlernte von 1858 bis etwa 1861 den Orgelbau bei Friedrich Wilhelm Bernhard im hessischen Romrod.[2] Anschließend folgten um 1862/1863 Gesellenjahre bei Ibach & Söhne (Barmen), um 1864/1865 bei August Martin (Riga) und von 1865 bis 1867 bei Karl-August-Eduard Witzmann.[3] Eifert heiratete 1867 die Tochter von Witzmann und wurde dessen Geschäftspartner. Im Jahr 1871 machte Eifert sich selbstständig. Er war privilegierter „Großherzoglicher Sächsischer Hoforgelbauer“.[4]

Da die Ehe von Adam Eifert kinderlos blieb, wurde sein Neffe Johann Eifert (* 10. Mai 1870; † 1944) Nachfolger und von 1905 bis 1907 Geschäftsführer und Inhaber von Eifert & Müller und von 1908 bis 1926 Inhaber von Ad. Eifert und Nachfolger. Von 1927 bis 1936 war er Orgelbauer in dem Unternehmen und führte ab 1928 nur noch Reparaturen durch. Letzter Inhaber war von 1936 bis 1944 Otto Schäfer.[5] Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Lothar Heinze die leer stehende Werkstatt. Ab 1967 führte Orgelbau Schönefeld das Unternehmen unter neuem Namen fort.[6]

WerkBearbeiten

Bis 1907 baute Adam Eifert in Stadtilm mehr als 140 Orgeln. Der Großteil wurde nach Thüringen geliefert, etwa zwei Dutzend Instrumente über die Eisenbahn in Eiferts hessische Heimat transportiert, vor allem in den Vogelsberg. Die ein- oder zweimanualigen Dorforgeln verfügen über 5 bis 26 Register. Eifert verwendete anfangs die mechanische Schleiflade, spätestens ab 1887 die mechanische Kegellade und ab 1891 parallel die Röhrenpneumatik. Ab dem 20. Jahrhundert kommt fast ausschließlich die pneumatische Traktur zum Einsatz. Auf diese Weise konnte er günstig Orgeln produzieren und im Konkurrenzdruck bestehen. Die Registertraktur ist ungewöhnlich: Die Manubrien (Registerzüge) werden nicht wie sonst üblich gezogen, sondern zum Aktivieren mithilfe einer Stechermechanik nach unten gedrückt. Johann Eifert lieferte bis 1926 42 Orgelneubauten.[7]

Klanglich sind seine Orgeln von der Romantik geprägt. Eifert bevorzugte grundtönige Labialstimmen in Acht-Fuß-Lage (Äquallage), um eine stufenlose Klangdynamik zu ermöglichen. Hingegen sind Zungen- und Aliquotregister selten. Das zweite Manual ist als Echowerk konzipiert und verfügt über ausgesprochen sanfte Flöten- und Streicherstimmen.[8]

Werkliste (Auswahl)Bearbeiten

Kursivschreibung gibt an, dass die Orgel nicht oder nur noch das historische Gehäuse erhalten ist. In der fünften Spalte bezeichnet die römische Zahl die Anzahl der Manuale und ein großes „P“ ein selbstständiges Pedal. Die arabische Zahl gibt die Anzahl der klingenden Register an. Die letzte Spalte bietet Angaben zum Erhaltungszustand oder zu Besonderheiten.

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen
1867 Ottmannshausen Dorfkirche Ottmannshausen II/P 14 zusammen mit Karl-August Witzmann; Orgelabnahme durch Johann Gottlob Töpfer
1878 Neumark (bei Weimar) St. Johannes II/P 19 op. 15, Adam Eifert
1879 Hettenhausen Ev.-Luth. Pfarrkirche St. Georg II/P 17 Adam Eifert; hohe Anteile an klanglicher und technischer Originalsubstanz; mechanische Spiel- und Registertraktur mit Schleifladen, Calcantenzug
1880 Oberrod Ev. Kirche I/P 6 Adam Eifert, mechanische Traktur mit Schleifen aus Zink[9]
1881 Lachstedt Dorfkirche Lachstedt II/P 9 op. 21, Adam Eifert; Eintrag im Innern „30.6.1900 Ef“ (Stimmung)
1883 Bad Sulza St. Mauritius, Hauptorgel   II/P 24 op. 34, Adam Eifert
1883 Udenhausen Ev. Kirche I/P 6 mechanische Kegelladen[10]
1884 Maina Dorfkirche Maina II/P 10 op. 43, Adam Eifert
um 1885 Milda St. Jakobus II/P 13 Adam Eifert, vielleicht nur Umbau der Vorgängerorgel von Ludwig Wilhelm Hähner
1886/1899 Tannroda St. Michael II/P 22 op. 49, Adam Eifert; Einbau in Rokoko-Gehäuse der Vorgängerorgel
1886 Schmieden Dorfkirche I/P 5 Adam Eifert
1886 Dorfsulza St. Johannes II/P 12 op. 53, Adam Eifert
1887 Beelitz St. Marien und St. Nikolai II/P 20 Adam Eifert
1889 Wipfra Wehrkirche II/P 10 Neubau von Adam Eifert hinter historischem Prospekt; 2004 restauriert
1890 Mellenbach Katharinenkirche II/P 17 Adam Eifert
1890–1891 Bergern Zum Kripplein Jesu II/P 7 op. 68, Adam Eifert; Kirche vom Friedensaktivisten Matt Lamb 2002 farbig ausgestaltet
1892 Goldisthal Ev.-luth. Kirche II/P 20 Adam Eifert
1894 Göttern Dorfkirche Göttern II/P 12 op. 82, Adam Eifert
1894 Freiensteinau Ev. Kirche II/P 14 Adam Eifert, mit mechanischen Kegelladen, hinter Prospekt von Johann Georg Stertzing (1728)[11]
1894 Allmenrod Ev. Kirche I/P 9 Adam Eifert, mechanische Kegelladen[12]
1895 Hohlstedt op. 85, Adam Eifert; 1988 verschenkt an Jenaer Musiklehrer
nach 1890 Zeigerheim Wehrkirche Zeigerheim II/P 7 op. 88, Adam Eifert
1896 Vollersroda Dorfkirche Vollersroda II/P 8 op. 89, Adam Eifert; Gehäuse von Vorgängerorgel
1897 Angersbach Ev. Kirche II/P 20 Adam Eifert, 1968 modernisiert[13]
1897 Hopfmannsfeld Ev. Kirche II/P 16 Adam Eifert[14]
1899 Obernissa Simon Petrus II/P 12 op. 102, Adam Eifert
1900 Caldern Nikolaikirche II/P 20 Neubau von Adam Eifert hinter Prospekt von Johann Christian Rindt (1701–1702), Innenwerk 1978 ersetzt
um 1900 Dosdorf St. Otmar II/P 13 Adam Eifert
1901 Herbstein Kath. Kirche II/P 10 op. 111, Adam Eifert; mechanische Kegelladen; unverändert erhalten[15]
1901 Niederzimmern St. Wigberti II/P 26 op. 105, Adam Eifert; 1996 Generalsanierung und Wiedereinbau durch Schönefeld (Stadtilm), 2001 Orgelweihe zur 1125-Jahr-Feier
1901 Eckelshausen Ev. Kirche   II/P 10 Adam Eifert[16]
1901 Petterweil St. Martin II/P 10 hinter neuromanischem Prospekt; zum großen Teil erhalten; 1971 wurden zwei 8-Fuß-Register durch Verkürzung in 2 Fuß umgewandelt.[17]
1902 Apolda Sophienschule op. 123, Johann Eifert, gesponsert von Schulsparkasse; verloren
1903 Stadtilm Stadtkirche St. Marien (Stadtilm) III/P 32 Unter Verwendung des barocken Prospekts und Teilen der Schulze-Orgel von 1789. Eine Besonderheit ist, dass im Prospekt anstelle von Schmuckpfeifen ein Schmuckgitter konzipiert wurde.
1904 Brauerschwend Ev. Kirche II/P 12 Adam Eifert, mechanische Kegelladen, Neorenaissancegehäuse[18]
1904 Brauerschwend Ev. Kirche II/P 12 Adam Eifert, mechanische Kegelladen, hinter historischem Gehäuse, nachdem das gotisierende Gehäuse wegen der Denkmalpflege nicht errichtet werden durfte[19]
1904? Breidenstein Ev. Kirche II/P 6 [20]
1904/1905 Meckfeld (Bad Berka) St. Martin II/P 10 op. 136, Adam Eifert
1905 Rödelwitz Dorfkirche I/P 5 Adam Eifert
1905 Gortz Dorfkirche I/P 12 Adam Eifert
1905 Schöten St. Marien II/P 10 op. 138, Adam Eifert
1905 Wallrabenstein Peterskirche I/P 8 mechanische Kegelladen[21]
1907 Lotschen Dorfkirche Lotschen II/P 10 op. 149
1907 Meckfeld (Blankenhain) Martinskirche I/P 7 op. 167
1906 Thangelstedt St. Georg II/P 10 op. 146 „Adam Eifert Nachf.“
1905–1908 Ehringsdorf Beatae Mariae Virginis II/P 17 August Müller
1910 Weitershausen (Gladenbach) Ev. Kirche I/P 6
1910 Tiefengruben (Bad Berka) St. Nikolaus II/P 12 August Müller; 2006 Spieltisch entfernt
1911 Ottstedt (Magdala) St. Nikolai II/P 10 August Müller; Kostenangebot Adam Eifert 1907
1913 Bromskirchen Ev. Kirche II/P 10 Andreas Reinecke/Bernhard Reinecke (?)/Daniel Mütze (?, 1704), Johann Eifert; hängende Pfeifen im mittleren Pfeifenturm
1913 Ilbeshausen Ev. Kirche II/P 12 mechanisch-pneumatische Kegelladen[22]
1916 Niederzimmern Trauerhalle I 5 op. 180; 2000 Auslagerung der Pfeifen

LiteraturBearbeiten

  • Franz Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins (= Beiträge zur Mittelrheinischen Musikgeschichte. Band 7,1). Band 2: Das Gebiet des ehemaligen Regierungsbezirks Wiesbaden. Teil 1: A–K. Schott, Mainz 1975, ISBN 3-7957-1307-2.
  • Franz Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins (= Beiträge zur Mittelrheinischen Musikgeschichte. Band 7,2). Band 2: Das Gebiet des ehemaligen Regierungsbezirks Wiesbaden. Teil 2: L–Z. Schott, Mainz 1975, ISBN 3-7957-1370-6.
  • Franz Bösken, Hermann Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins (= Beiträge zur Mittelrheinischen Musikgeschichte. Band 29,1). Band 3: Ehemalige Provinz Oberhessen. Teil 1: A–L. Schott, Mainz 1988, ISBN 3-7957-1330-7.
  • Franz Bösken, Hermann Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins (= Beiträge zur Mittelrheinischen Musikgeschichte. Band 29,2). Band 3: Ehemalige Provinz Oberhessen. Teil 2: M–Z. Schott, Mainz 1988, ISBN 3-7957-1331-5.
  • Hermann Fischer: 100 Jahre Bund deutscher Orgelbaumeister. Orgelbau-Fachverlag, Lauffen 1991, ISBN 3-921848-18-0, S. 175.
  • Uwe Pape (Hrsg.): Lexikon norddeutscher Orgelbauer. Band 1: Thüringen und Umgebung. Pape, Berlin 2009, ISBN 978-3-921140-86-4, S. 64–65.
  • Uwe Pape (Hrsg.): Lexikon norddeutscher Orgelbauer. Band 2: Sachsen und Umgehung. Pape Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-921140-92-5, S. 73–75.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3/1. 1988, S. 21.
  2. Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3/1. 1988, S. 18.
  3. Pape: Lexikon norddeutscher Orgelbauer. Bd. 1: Thüringen und Umgebung. 2009, S. 64.
  4. Orgel in Ober-Wegfurth, abgerufen am 13. Oktober 2016.
  5. Pape: Lexikon norddeutscher Orgelbauer. Bd. 2: Sachsen und Umgebung. 2012, S. 75.
  6. Orgelbau Schönefeld, abgerufen am 12. Oktober 2016.
  7. Fischer: 100 Jahre Bund deutscher Orgelbaumeister. 1991, S. 175.
  8. Orgel in Freiensteinau (Memento des Originals vom 14. Oktober 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.orgel-information.de, abgerufen am 13. Oktober 2016.
  9. Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3/2. 1988, S. 735.
  10. Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3/2. 1988, S. 930.
  11. Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3/1. 1988, S. 310.
  12. Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3/1. 1988, S. 32.
  13. Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3/1. 1988, S. 68.
  14. Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3/1. 1988, S. 496.
  15. Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3/1. 1988, S. 459.
  16. Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 2/1. 1975, S. 149.
  17. Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3/2. 1988, S. 771.
  18. Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3/1. 1988, S. 151.
  19. Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3/1. 1988, S. 235.
  20. Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 2/1. 1975, S. 98.
  21. Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 2/2. 1975, S. 790.
  22. Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3/1. 1988, S. 512.

WeblinksBearbeiten