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Allmenrod

Stadtteil von Lauterbach (Hessen)

Allmenrod ist ein Dorf in Oberhessen mit ca. 300 Einwohnern und Ortsteil der Kreisstadt Lauterbach des mittelhessischen Vogelsbergkreises.

Allmenrod
Ortswappen Allmenrod
Koordinaten: 50° 37′ 45″ N, 9° 19′ 38″ O
Höhe: 407 (357–442) m
Fläche: 7,51 km²[1]
Einwohner: 320 (31. Dez. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 43 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 36341
Vorwahl: 06641

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Die Kirche in Allmenrod im Jahr 2003

Der Ort wurde im Jahr 1131 erstmals urkundlich erwähnt. Der Dorfname ist eine Abwandlung von „Alamunds Rode“, womit an den ersten Einwohner erinnert wird, der an der Stelle des heutigen Allmenrod nach Rodung des Waldes die erste Siedlung erbaute. Das Grundwort des Namens hatte die Bedeutung „durch Rodung urbar gemachtes Land“. Konkret bedeutet dies also „Rodung des Alamund“. Der Ortsname änderte sich dann von Alamunderod zu Allmenrod. In einer Urkunde (ca. 1133–1152) des Abtes Heinrich von Hersfeld sagt dieser aus, „dass sein Dienstmann Dietrich die Kirche zu Almunderot erbaut habe, teils weil ihm seine seitherige Kirche zu entlegen sei, teils um noch mehr Bewohner in diese wüste Gegend zu ziehen“. In der Urkunde werden als zu der neu erbauten Kirche gehörig die Dörfer Almunderot, Woffenrot, Willihelmerot, Breinten und Dirlammen bezeichnet. Die in der Urkunde des Abtes Heinrich erwähnten Dörfer sind in der Folge bis auf Allmenrod und Dirlammen (Lautertal) untergegangen. Im Jahr 1854 hatte der Ort 347 Einwohner. Im Ersten Weltkrieg wurde auch Allmenrod nicht von der Mobilmachung verschont, insgesamt ließen in diesem Krieg 13 Allmenröder ihr Leben. Ihre Namen sind auf dem Kriegerdenkmal des Friedhofes verzeichnet. In den frühen 1920er Jahren erhielt Allmenrod Zugang zum Stromnetz. Ebenso wurde eine zentrale Wasserversorgung installiert. Auch der Zweite Weltkrieg forderte seine Opfer. Bis zum Kriegsende 1945 fielen 15 Allmenröder im Krieg. Am 29. März 1945 wurde Allmenrod schließlich von US-amerikanischen Truppen besetzt.

GebietsreformBearbeiten

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde Allmenrod am 1. August 1972 durch Landesgesetz in die Kreisstadt Lauterbach eingemeindet. Gleichzeitig wechselte es mit Lauterbach in den neu errichteten Vogelsbergkreis.[3][4] Für Allmenrod wurde, wie für die übrigen durch die Gebietsreform eingegliederten Gemeinden, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.[5]

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Allmenrod lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][6]

Gerichte seit 1803Bearbeiten

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Allmenrod ab 1806 das „Patrimonialgericht der Freiherren Riedesel zu Eisenbach“ in Engelrod zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Dafür wurde das standesherrliche „Landgericht Lauterbach“ geschaffen, das jetzt für Allmenrod zuständig war. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.[11]

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Lauterbach“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[12]

Am 1. Januar 2005 wurde das Amtsgericht Lauterbach als Vollgericht aufgehoben[13] und zur Zweigstelle des Amtsgericht Alsfeld.[14] Zum 1. Januar 2012 wurde auch diese Zweigstelle geschlossen.[15] Jetzt sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Die WeltkriegeBearbeiten

1. WeltkriegBearbeiten

Die Anordnung für die Mobilmachung für den 1. Weltkrieg erfolge am 31. Juli 1914 durch das Kreisamt in Lauterbach. Der erste Tag der Mobilmachung war dementsprechend der 1. August 1914. Die kaiserliche Kriegsmobilmachung wurde durch den damaligen Polizeidiener durch die Orts-schelle bekannt gegeben.

Aus dem Krieg kehrten insgesamt 13 Allmenröder nicht zurück. An sie erinnert das Kriegerdenkmal auf dem Allmenröder Friedhof.

Die Hunger Jahre nach dem Krieg wirkten sich auf Grund der Landwirtschaft nicht sonderlich auf Allmenrod aus. Die Inflation machte sich wirtschaftlich gesehen negativ bemerkbar.

Schon in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre gab es allerdings zwei wesentliche Verbesserungen für Allmenrod. Das Dorf wurde an das Stromnetz angeschlossen und bekam eine zentrale Wasserversorgung.

2. WeltkriegBearbeiten

Anders als im 1. Weltkrieg gab es diesmal keine konkrete Mobilmachung in Allmenrod. Diesmal war von vaterländischer Begeisterung nur wenig zu spüren. Der Krieg kam sozusagen "Durch die Hintertür".

Das Dorf blieb von unmittelbaren Kriegseinwirkungen verschont. Diesmal kehrten aus dem Krieg 15 Allmenröder nicht zurück.

Amerikanische Panzerspitzen kamen in der Karwoche nach Allmenrod. Am Gründonnerstag 1945 verließen die letzten Wehrmacht Soldaten, eine Sanitätskompanie, das Dorf Richtung Alsfeld. Später durchquerten nochmal zwei Soldaten mir einem Beiwagenkrat auf dem Weg nach Köddingen das Dorf weil sie Meldung an einen Divisionsgefächtsstand bringen sollten der zu diesem Zeitpunkt allerdings schon in der Hand der Amerikaner war. Sie kehrten zurück in das Dorf und sind später gefallen. Am Karfreitag hängte der damalige Bürgermeister mit zwei weiteren Dorfbewohnern eine weiße Flagge am Kirchturm auf und am selben Tag wurde Allmenrod von einen Vorkommando Amerikanischer Truppen eingenommen. Die Masse an Amerikanischen Soldaten kam am 1. Osterfeiertag in das Dorf. Die Besatzer ordneten die Abgabe aller Waffen und Fotoapparate an.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1961: 238 evangelische und 18 katholische Einwohner
Allmenrod: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2015
Jahr  Einwohner
1834
  
318
1840
  
339
1846
  
335
1852
  
347
1858
  
335
1864
  
324
1871
  
300
1875
  
294
1885
  
277
1895
  
260
1905
  
285
1910
  
272
1925
  
262
1939
  
248
1946
  
369
1950
  
345
1956
  
294
1961
  
260
1967
  
336
1970
  
342
1980
  
?
1990
  
?
2003
  
389
2005
  
353
2010
  
317
2015
  
331
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1][2]

PolitikBearbeiten

Bürgermeister (1821–1972)Bearbeiten

 
Dorfgemeinschaftshaus im Jahr 2003

Erstes gewähltes Ortsoberhaupt für den Gemeindeverband war Bürgermeister Roth. Weitere Bürgermeister dieses bis zum Jahre 1852 bestehenden Gemeindeverbandes waren ab 1824 Bürgermeister Schneider („Schmitts“) und ab 1845 Bürgermeister Konrad Stock, der in „Kurtes“ wohnte.

  • 1865 Heinrich Lerch
  • 1883 Georg Lerch
  • 1919 Heinrich Lerch
  • 1933 Karl Schmelz
  • 1942 Karl Rockel
  • 1943 Heinrich Lerch
  • 1945 Heinrich Helwig
  • 1947 Karl Zinn
  • 1964 Ludwig Kohlhausen
  • 1965 Kurt Gerbig

Ortsvorsteher (ab 1972)Bearbeiten

  • 1. Oktober 1972 Karl Hainer
  • 13. Mai 1977 Kurt Gerbig
  • 23. April 1985 Werner Schäfer
  • 1. April 1993 Uwe Habermehl
  • 27. März 2011 Jörg Hauer bis heute (Stand November 2016)

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

1865 wurde auf dem Friedhof eine Blutbuche gepflanzt, die inzwischen zu einem der größten Laubbäume in der Allmenröder Gemarkung geworden ist. Mit dieser Pflanzung war die Witwe einem Wunsch ihres im gleichen Jahr verstorbenen Ehemannes, des Herrschaftlichen Revierförsters Theodor Hoffmann nachgekommen. Dieser verstarb im Alter von nur 51 Jahren und hinterließ neben seiner Ehefrau zehn Kinder, von denen das jüngste noch nicht ein Jahr alt war.
2006 wurde der neue Dorfplatz in der Dorfmitte eingeweiht und ihm den Namen "Kurt-Gerbig Platz" vergeben.

DorfwappenBearbeiten

 
Dorfwappen Allmenrod
 
Altes Feuerwehrhaus

Das Dorfwappen wurde im Jahr 2006 anlässlich der 875-Jahr-Feier neu geschaffen. Die Farben gelb steht für die Landwirtschaft und grün symbolisieren die Wälder um Allmenround, von denen Allmenrod einst lebte. Die 9 Blumen um den Rand symbolisieren die 9 ehemaligen Siedlungen, die Axt symbolisiert die Rodung des Waldes und die Türkenbundlilie die Verbundenheit zum heutigen Vogelsbergkreis, der dieses Symbol auch im Wappen führt.

BauwerkeBearbeiten

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

  • Hutzelfeuer
  • Dorffest
  • Traditionskirmes.
  • Maifeuer.
  • Nikolausfeier.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Allmenrod, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Einwohnerzahlen nach Ortsteilen. (PDF; 55 kB) In: Internatauftritt. Stadt Lauterbach, archiviert vom Original; abgerufen im Mai 2018.
  3. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Alsfeld und Lauterbach (GVBl. II 330-12) vom 1. August 1972. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 215, §§ 8 und 12 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 368.
  5. Hauptsatzung. (PDF; 30 kB) §; 6. In: Webauftritt. Stadt Lauterbach, abgerufen im März 2019.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 211 (online bei HathiTrust’s digital library).
  8. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 9 (online bei Google Books).
  9. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 426 (online bei Google Books).
  10. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 158 ff. (online bei Google Books).
  11. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1848, S. 237–241
  12. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  13. Der Hessische Minister der Justiz: Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (GVBl. I S. 507–508) vom 20. Dezember 2004. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2004 Nr. 24, S. 507–508 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,4 MB]).
  14. Der Hessische Minister der Justiz: Vierte Verordnung zur Anpassung gerichtsorganisatorischer Regelungen. Art. 1 §4 Abs. 1 (GVBl. I S. 552) vom 29. Dezember 2004. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2004 Nr. 25, S. 552 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  15. Fünfte Verordnung zur Änderung der Gerichtlichen Zuständigkeitsverordnung Justiz vom 9. Dezember 2010 (GVBl. I S. 709–710)

WeblinksBearbeiten