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Der Bahnhof Wetzlar ist ein Keilbahnhof in der mittelhessischen Stadt Wetzlar, in dem die Dillstrecke in die Lahntalbahn einmündet. Zusammen mit dem angrenzenden zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) ist er der wichtigste ÖPNV-Knoten Wetzlars.

Wetzlar
Bahnhofsvorplatz/Busbahnhof und Bahnhofsgebäude
Bahnhofsvorplatz/Busbahnhof und Bahnhofsgebäude
Daten
Lage im Netz Trennungsbahnhof
Bauform Keilbahnhof
Bahnsteiggleise 5
  • 130 Regionalzüge
Abkürzung FWR
Kategorie 3
Eröffnung 1862
Profil auf Bahnhof.de Wetzlar
Architektonische Daten
Baustil Moderne
Lage
Stadt/Gemeinde Wetzlar
Land Hessen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 33′ 54″ N, 8° 30′ 13″ OKoordinaten: 50° 33′ 54″ N, 8° 30′ 13″ O
Eisenbahnstrecken

Bahnhöfe in Hessen

GeschichteBearbeiten

 
Uerdinger Schienenbus BR 798[1]

Der Bahnhof Wetzlar wurde mit der 1859 bis 1862 eröffneten Deutz-Giessener Bahn und der von 1860 bis 1863 fertiggestellten Lahntalbahn eröffnet.

1878 kam noch die Bahnstrecke Lollar–Wetzlar hinzu. Der Personenverkehr auf dieser Strecke wurde 1980 eingestellt, der letzte Güterverkehr 1990.

Das erste Wetzlarer Empfangsgebäude wurde 1863 in Insellage zwischen den Gleisen dieser beiden Strecken in der Gemarkung Niedergirmes errichtet. Die Gleise der Lahntalbahn lagen südlich des Empfangsgebäudes, die der Deutz-Giessener Bahn nördlich. Mit dem Umbau des Bahnhofs in den Jahren 1909/1910 wurde dieser Zustand beseitige und alle Bahnsteige auf die nördliche Gebäudeseite verlegt.[2] Dieses erste Empfangsgebäude ist in umgebauter Form bis heute erhalten.

Vor dem ersten Empfangsgebäude wurde ein im Januar 1917 vollendete Jugendstil-Empfangsgebäude errichtet. Dieses wurde 1944/45 stark beschädigt und konnte nur noch behelfsmäßig wieder hergerichtet werden.[3] Im Zuge der Modernisierung der Stellwerkstechnik wurde es um 1985 abgerissen. An seine Stelle trat ein moderner Funktionsbau, der neben einem Warteraum und dem Reisezentrum hauptsächlich das 1986 in Betrieb genommene Relaisstellwerk (Bauform SpDrS 600) beinhaltet.

BedeutungBearbeiten

Der Wetzlarer Personenbahnhof besitzt fünf Bahnsteiggleise. Er ist Station für Regionalbahn- und Regional-Express-Züge.

Die verkehrenden Züge halten wie folgt an den Bahnsteigen:

Gleis Fahrtrichtung Bemerkung
3 RB 45 nach Gießen/Fulda, RE 25 nach Gießen
4 RB 45 nach Limburg, RE 25 nach Koblenz
5 Mittelhessen-Express (RB 40) nach Gießen/Frankfurt, RE 99 nach Gießen/Frankfurt
6 Mittelhessen-Express (RB 40) von/nach Frankfurt (einzelne Züge, wenn Wetzlar Endstation ist) hauptsächlich Ausweich- und Überholungsgleis
7 Mittelhessen-Express (RB 40) nach Dillenburg, RE 99 nach Siegen

Östlich des Personenbahnhofes und der Lahn, im Stadtteil Garbenheim, liegt der Wetzlarer Rangierbahnhof, der seit Dezember 2006 der wichtigste seiner Art in Mittelhessen ist. Westlich des Bahnhofes, zwischen den beiden Strecken, gibt es ein Anschlussgleis zum Betriebsgelände von Buderus.

NahverkehrBearbeiten

 
Blick über die Bahnsteige des Bahnhofs Wetzlar (Juli 2007)

Der Bahnhof Wetzlar wird von mehreren Regionallinien angefahren. Hier halten die Regional-Express-Züge Frankfurt HbfSiegen (Main-Sieg-Express; RE 99) und GießenKoblenz Hbf (Lahntalexpress; RE 25). Der Bahnhof Wetzlar wird auch vom Mittelhessen-Express (RB 40) bedient. Ebenfalls machen einzelne Regionalbahnen der Relation Dillenburg–Gießen (RB 40) in Wetzlar Station. Auf der Lahntalbahn gibt es ab Wetzlar neben dem Lahntalexpress stündlich eine Regionalbahn der Relation Limburg–Weilburg–Wetzlar–Gießen–Fulda (RB 45).

RegionalverkehrBearbeiten

Linie Strecke Takt
RE 25 Gießen – Wetzlar – Limburg – Bad Ems – Koblenz Zweistundentakt
RE 99 Siegen – Dillenburg – Wetzlar – Gießen (– Frankfurt) Stundentakt
RB 40 Frankfurt – Friedberg – Gießen – Wetzlar – Herborn – Dillenburg Stundentakt
RB 45 Limburg – Weilburg – Wetzlar – Gießen – Fulda Stundentakt

(Stand 2019)

FernverkehrBearbeiten

In den 1980er Jahren und zuvor gab es vom Wetzlarer Bahnhof viele tägliche D-Zug-Verbindungen zu entfernt gelegenen Zielen wie z. B. Oberstdorf sowie montags bis freitags die Schnellverbindung Dortmund–Frankfurt mit D 810/811, welche nur in Siegen-Weidenau und Wetzlar hielt. Anfang der 1990er Jahre wurde eine regelmäßige D-Zug-Verbindung im Zweistundentakt nach Frankfurt (Main) Hbf bzw. Münster (Westf.) Hbf eingerichtet. Ab 1993 verkehrten diese Züge als Interregio-Linie 22 Frankfurt–Münster, (zuletzt Frankfurt–Düsseldorf). Einmal täglich gab es eine Direktverbindung von Wetzlar nach Norddeich Mole (IR „Norderney“). Die InterRegios auf der Dillstrecke wurden jedoch bis 2001 sukzessive ausgedünnt. Zuletzt wurde im Dezember 2002 der IR „Norderney“ gestrichen. Im Jahr 2003 hielt vorübergehend in Wetzlar der Fernzug InterConnex einmal täglich auf dem Weg von Neuss über Köln nach Halle (Saale)BerlinRostock. Zwischen Dezember 2009 und Dezember 2011 war der Wetzlarer Bahnhof nach sechsjähriger Unterbrechung erneut an das Fernverkehrsnetz angebunden. Morgens fuhr ein Eurocity von Siegen über Wetzlar, Gießen, Frankfurt am Main, Stuttgart und München nach Klagenfurt am Wörthersee. Durch einen Kurswagen bestand zudem eine direkte Verbindung nach Ljubljana und Zagreb. Der Gegenzug erreichte Wetzlar abends und fuhr weiter bis Siegen.[4] Das Angebot wurde zum Fahrplanwechsel 2011/2012 am 11. Dezember 2011 eingestellt.[5]

Ab dem Jahr 2020 plant die Bahn eine Intercity-Verbindung von Münster über Siegen und Wetzlar nach Frankfurt am Main im Zweistundentakt.[6]

Linien
Verbindungsübersicht
Weilburg   RE 25
Lahntal-Express
Gießen
Albshausen   RB 45
Lahntalbahn
Dutenhofen (Wetzlar)
Herborn (Dillkr)   RE 99
Main-Sieg-Express
Gießen
Aßlar   RB 40
Mittelhessen-Express
Dutenhofen (Wetzlar)

ServiceBearbeiten

Unmittelbar angrenzend befindet sich der ZOB für die regionalen und lokalen Buslinien sowie die Stadtbuslinien und den Citybus. Ebenfalls gibt es auf dem Bahnhofsvorplatz einen Taxistand und Kurzzeitparkplätze. Für längeres Parken steht ein Park-and-ride-Parkplatz am Busbahnhof zur Verfügung, welcher aber demnächst für den neu errichteten Park-and-ride-Parkplatz an der Nordseite des Bahnhofs aufgegeben werden soll. Unmittelbar am Bahnhof befinden sich das Einkaufszentrum Forum Wetzlar und die Rittal Arena mit einem großen Parkhaus.

ModernisierungBearbeiten

 
Historische Ansicht des ehemaligen Bahnhofsvorplatzes und des 1986 erbauten Bahnhofsgebäudes mit dem Stellwerk Wf

Nach der Inbetriebnahme des heutigen Empfangsgebäudes im Jahr 1986 wurden am Wetzlarer Bahnhof keine weiteren Modernisierungen vorgenommen. Daher ist das gesamte Erscheinungsbild des Bahnhofs in den vergangenen Jahren zusehends verfallen und steht damit in enormem Kontrast zu dem im Jahr 2005 eröffneten Forum Wetzlar, dem größten Einkaufszentrum Mittelhessens, welches auf dem zur Stadt hin gelegenen, bereits seit den 1990er-Jahren stillgelegten Güterbahnhof errichtet wurde.

Im Jahr 2007 wurde ein Kooperationsvertrag zwischen der Stadt Wetzlar, der Deutschen Bahn und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund verabschiedet, in dem erklärt wurde, den Bahnhof umfangreich modernisieren und behindertengerecht ausbauen zu wollen. Konkret wurden die Planungen jedoch erst, als Wetzlar zur Hessentagsstadt 2012 gekürt und erkannt wurde, dass die zu erwartenden Besucher nicht mit dem derzeitigen Bahnhofsumfeld in der Stadt begrüßt werden könnten. Daraufhin wurde der zwischen den drei Kooperationspartnern bestehende Vertrag zu einem Planungsvertrag erweitert und ein Planungsbüro mit der Erstellung eines Konzepts für eine vollständige Modernisierung des Bahnhofsgeländes beauftragt.[7]

Anfang 2010 wurde der Vorentwurf mit den konkreten Maßnahmen zur barrierefreien Neugestaltung des Wetzlarer Bahnhofsumfelds vorgestellt. Der Konzeptentwurf beinhaltet folgende drei Kernmaßnahmen:

  • Umbau des Busbahnhofs und des Bahnhofsvorplatzes, die Inbetriebnahme erfolgte im Mai 2012. Der alte Busbahnhof wurde komplett aufgegeben und auf das Gelände des bisherigen Bahnhofsvorplatzes verlegt, um einen einfachen Zugang von der Innenstadt zum Forum, zum zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) und zum Bahnhof gleichermaßen zu ermöglichen. Auf Park-and-ride-Parkplätze wird im künftigen unmittelbaren Bahnhofsvorfeld verzichtet, stattdessen ist zwischen Forum Wetzlar und ZOB eine sogenannte Kiss-and-ride-Zone eingerichtet, die nur noch einige Kurzzeitparkplätze zum Absetzen und Abholen von Reisenden vorsieht. Der neue ZOB verfügt über zwölf Bussteige und mehrere Abstellmöglichkeiten für Busse. Der gesamte Bereich ist überdacht und mit einer Videoüberwachung sowie einer Bike-and-ride-Anlage mit 18 Fahrrad-Stellplätzen und 10 Fahrradboxen ausgestattet.
  • Modernisierung des Bahnhofs ab Sommer 2011. Bereits im Februar 2011 wurde der Bahnhof Wetzlar mit dynamischen Zugzielanzeigern ausgestattet. Des Weiteren beinhaltet diese Maßnahme folgende Projekte:
    • Den Neubau aller Bahnsteige (für Gleis 3 und 4 auf einer Länge von 170 Metern, für die Gleise 5 bis 7 auf einer Länge von 280 Metern) mit gleichzeitiger Anhebung der Einstiegshöhe auf 55 Zentimeter.
    • Den Abriss der alten Bahnsteigdächer und die Errichtung neuer Dächer auf den Bahnsteigen 4/5 und 6/7 mit allerdings nur noch 70 Metern Länge.
    • Die vollständige Überbauung der demontierten Gleise 1 und 2, um eine höhengleiche und somit barrierefreie Anbindung des Bahnsteigs für Gleis 3 sowie den Bau eines direkten Fußgängerweges zur Rittal-Arena zu ermöglichen.
    • Die Sanierung der Bahnsteigzugänge einschließlich der Installation jeweils eines Aufzugs zu den Bahnsteigen 4/5 und 6/7 im Rahmen des behindertengerechten Ausbaus.
    • Die Sanierung der Bahnsteigunterführung einschließlich der Erweiterung der Unterführung zur Bahnhofs-Nordseite, um eine durchgängige Begehbarkeit und die Anbindung des Park-and-ride-Parkplatzes zu ermöglichen. Der barrierefreie Zugang wird an beiden Enden der Unterführung durch großzügige Rampen gewährleistet.
    • Direkte Anbindung des Bahnsteigs 4/5 an den Treppenturm zur Straßenbrücke der Hermannsteiner Straße mittels eines gepflasterten Gehweges.
    • Ausstattung aller Bahnsteige mit Bänken und Infotafeln sowie Durchführung von Arbeiten zur Pflasterung, Begrünung und Oberflächengestaltung.
  • Ausbau des bisherigen Schotterparkplatzes auf der Bahnhofs-Nordseite zum befestigten Park-and-ride-Parkplatz mit ca. 200 Pkw-Stellplätzen sowie mit 48 Fahrrad-Stellplätzen und 13 Fahrradboxen. Anbindung an die Fußgängerunterführung zu den Bahnsteigen und zur Bahnhofs-Südseite, um der Funktion als Pendlerparkplatz gerecht werden und den Verlust der Park-and-ride-Parkplätze auf dem alten Bahnhofsvorplatz kompensieren zu können.
  Teile dieses Artikels scheinen seit 2012 nicht mehr aktuell zu sein.
Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

All diese Maßnahmen sollen bis zum Beginn des Hessentages am 1. Juni 2012 zumindest soweit abgeschlossen sein, dass alle Anlagen zur Verfügung stehen und ein attraktives Erscheinungsbild hergestellt werden kann. Die Baukosten für alle drei Abschnitte werden ca. 21,8 Millionen Euro betragen und über einen Realisierungs- und Finanzierungsvertrag anteilsmäßig von den jeweils beteiligten Partnern (Stadt Wetzlar, Land Hessen, Deutsche Bahn und Rhein-Main-Verkehrsverbund) getragen. Die Kosten für den Pendlerparkplatz trägt jedoch die Stadt Wetzlar alleine.[8]

Der symbolische Spatenstich für den Beginn der Arbeiten durch die Vertreter der Stadt, des Landes, der Deutschen Bahn und des Rhein-Main-Verkehrsverbunds erfolgte am 14. Januar 2011.[9]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bahnhof Wetzlar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Am ehemaligen Gleis 1 des Bahnhofs Wetzlar mit der letzten Sonderfahrt auf der Kanonenbahn nach Lollar (Juni 1990)
  2. Erich Preuß/Oliver Strüber: Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe, Beitrag Wetzlar. GeraMond Verlag GmbH, ISSN 0949-2127, S. 6.
  3. Erich Preuß/Oliver Strüber: Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe, Beitrag Wetzlar. GeraMond Verlag GmbH, ISSN 0949-2127, S. 7.
  4. Zweckverband Personennahverkehr Westfalen-Süd: Direktverbindung Siegen – Österreich nimmt am 13. Dezember Verkehr auf (PDF; 116 KB) Pressemitteilung vom 24. August 2009. Abgerufen: 13. September 2009.
  5. Eurocity für Siegen (Memento vom 19. Juli 2011 im Internet Archive), Sauerlandkurier, Artikel vom 27. Mai 2009.
  6. Intercity-Verbindung: Von Werdohl direkt zur Nordsee. 16. Januar 2018, abgerufen am 17. Mai 2018.
  7. Auszug aus einer DB-Pressemitteilung von 2009 auf „Wetzlar-aktuell“
  8. Artikel In: Gießener Allgemeine 16. Januar 2011.
  9. Artikel (PDF) In: Wetzlarer Neue Zeitung 14. Januar 2011.