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Der Bahnhof Dillenburg ist ein Durchgangsbahnhof an der Dillstrecke in der mittelhessischen Stadt Dillenburg.

Dillenburg
Empfangsgebäude mit Regionalbahn nach Marburg im Jahr 2002
Daten
Lage im Netz Zwischenbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 5
Abkürzung FDIL
IBNR 8000074
Kategorie 4
Profil auf Bahnhof.de Dillenburg
Lage
Stadt/Gemeinde Dillenburg
Land Hessen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 44′ 6″ N, 8° 17′ 40″ OKoordinaten: 50° 44′ 6″ N, 8° 17′ 40″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Hessen

Inhaltsverzeichnis

Geografische LageBearbeiten

Unmittelbar an den Bahnhof grenzt der zentrale Omnibusbahnhof, von dem aus Buslinien das Umland erschließen. Zusammen bilden sie den Knoten des öffentlichen Personennahverkehrs in Dillenburg.

GeschichteBearbeiten

EntwicklungBearbeiten

Der Bahnhof Dillenburg wurde zusammen mit der Strecke 1862 eröffnet. 1972 kam die Scheldetalbahn Dillenburg–Wallau (Lahn) und 1892 die Dietzhölztalbahn Dillenburg–Ewersbach hinzu.

Der Personenverkehrs auf den beiden Nebenstrecken wurde 1987 eingestellt. Bis zur Errichtung des Busbahnhofs in den späten 1980er Jahren befanden sich dort die Stumpfgleise 24, 25 und 26, wovon allerdings nur Gleis 24 über einen Bahnsteig erreichbar war. In der Regel fuhren von dort Züge nach Niederwalgern ab.

1983 wurde das ehemalige Bahnbetriebswerk Dillenburg geschlossen, das einst eine große Bedeutung für die Unterhaltung der in der Region eingesetzten Dampflokomotiven besaß. Die Anlagen sind mittlerweile verfallen, die Drehscheibe ist entfernt. Auch der Güterbahnhof verfügt bis heute über sehr weitläufige Gleisanlagen, von denen allerdings nur noch ungefähr die Hälfte für den heutigen Rangierbetrieb benötigt wird.

Güterzugunfall vom 5. November 2008Bearbeiten

Am 5. November 2008 fuhr im Bereich des Güterbahnhofs ein Kesselwagen-Güterzug in einen anderen Güterzug, welcher fabrikneue Porsche-Sportwagen geladen hatte. Der Lokführer des Kesselwagen-Zuges wurde leicht verletzt, der Sachschaden belief sich auf ca. 5 Millionen Euro. Über 20 Sportwagen fielen von den Waggons, ein Austritt von Chemikalien aus den Kesselwagen fand nicht statt. Ursache des Unfalls war, dass die diensthabende Weichenwärterin das betreffende Gleis fälschlicherweise als frei gemeldet hat, obwohl die hinteren Wagen des Autotransporter-Zuges das Gleis noch belegten.

AnlagenBearbeiten

EmpfangsgebäudeBearbeiten

 
Empfangsgebäude Dillenburg

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs stammt im Kern noch von 1862. Damals wurde ein Gebäude im Rundbogenstil errichtet. Schon vor dem Ersten Weltkrieg war ein kompletter Neubau geplant, was der Krieg aber verhinderte. Auch in der Nachkriegszeit war das Geld knapp, so dass statt eines Neubaus 1925/26 ein umfassender Umbau mit Erweiterungen stattfand.[Anm. 1] Dabei wurde der historische Baudekor entfernt, die Profile an Fenstern und Türen abgeschlagen, die Rundbogen vermauert und viereckige Fenster eingesetzt und der historisierende Giebel durch eine moderne Form ersetzt.[2] So erscheint das Empfangsgebäude heute als expressionistisch. Das Gebäude ist ein Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.[3]

BahnsteigeBearbeiten

 
Stillgelegter Bahnsteig der ehemaligen Gleise 9 und 10

Es gibt fünf Bahnsteiggleise am Hausbahnsteig und zwei Mittelbahnsteigen. Alle Bahnsteige sind teilweise überdacht. Ein weiterer Bahnsteig im Osten, der von den Zügen der Nebenstrecken genutzt wurde, ist zwar noch vorhanden, aber gleislos. Die Bahnsteige sind durch eine Unterführung miteinander verbunden, der Zugang zu dem östlichsten Bahnsteig ist heute nicht mehr möglich.

StellwerkBearbeiten

Die Zug- und Rangierfahrten im Bereich des Dillenburger Bahnhofs werden heute von drei elektromechanischen Stellwerken aus gesteuert. Noch in Betrieb sind das Fahrdienstleiter-Stellwerk Df (Dillenburg Fahrdienstleiter) sowie die beiden Weichenwärter-Stellwerke Dn (Dillenburg Nord) und Ds (Dillenburg Süd). Von den weiteren Stellwerken im Bereich des Güterbahnhofs wurde zuletzt das Stellwerk Dr (Dillenburg Rangierbahnhof) aufgelassen. Die Einfahr-, Zwischen- und Ausfahrsignale im Bereich des Bahnhofs Dillenburg sind noch als Formsignale ausgeführt, deren Vorsignale jedoch schon Anfang der 1990er Jahre vollständig auf Lichtvorsignale umgebaut wurden.

BedeutungBearbeiten

PersonenverkehrBearbeiten

Der Dillenburger Bahnhof besitzt fünf Bahnsteiggleise. Hier halten Regional-Express-Züge (RE 99), der Mittelhessen-Express (RB 40) sowie Regionalbahnen (RB 95 und RB 96). Mit Ausnahme von vereinzelten Abweichungen fahren die Züge regulär von folgenden Gleisen ab:

Linie Linienverlauf Takt Regelgleis
RE 99 Main-Sieg-Express:
Siegen Hbf – Haiger – Dillenburg – Herborn (Dillkr) – Wetzlar – Gießen – Friedberg (Hess) – Frankfurt (Main) Hbf
Zwischen Gießen und Frankfurt nur 120-min-Takt
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2015
60 min 3 (Rtg. Herborn)
4 (Rtg. Haiger)
RB 40 Mittelhessen-Express:
Dillenburg – Herborn (Dillkr)Ehringshausen (Kr Wetzlar)WetzlarGießenButzbachBad NauheimFriedberg (Hess)Frankfurt (Main) WestFrankfurt (Main) Hbf
60 min 1
RB 95 Sieg-Dill-Bahn:
Siegen Hbf – Wilnsdorf-Rudersdorf – Dillbrecht – Rodenbach (Dillkr) – Haiger – Sechshelden – Dillenburg
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2015
60 min 2
RB 96 Hellertal-Bahn:
Betzdorf (Sieg) – Herdorf – Neunkirchen (Kr Siegen) – Burbach (Kr Siegen) – Haiger – Dillenburg
Zwischen Neunkirchen und Dillenburg nur 120-min-Takt
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2017
60 min 5

GüterverkehrBearbeiten

 
294 086-4 mit einer Übergabe (Stahlcoils) vom Dillenburger Güterbahnhof zum Stahlwerk (August 2002)
 
Verwaltungsgebäude des Güterbahnhofs

Der Bahnhof ist in zwei Bahnhofsteile unterteilt: Personenbahnhof und südlich angrenzend der Güterbahnhof. Das Gebäude des Güterbahnhofs von 1916 besteht zum einen aus einem villenartigen Gebäude für die Verwaltung mit einem sehr großen Dach: Das Dach ist zweistöckig und überragt den einstöckigen Baukörper dominant. Zum andern besteht das Gebäude aus der an diesen Verwaltungsbau angefügten Güterhalle. Es steht unter Denkmalschutz.[4]

Im Güterbahnhof wird das regionale Güterverkehrsaufkommen der Bahnhöfe Haiger und Dillenburg gesammelt und über die Güterbahnhöfe Wetzlar und Kreuztal an das nationale Güterverkehrsnetz angebunden. Zudem besitzt der Dillenburger Güterbahnhof eine hohe Bedeutung für die Versorgung des ortsansässigen Stahlwerkes der ThyssenKrupp Nirosta, hauptsächlich mit zu veredelnden Stahlcoils, die täglich außer Donnerstag in einem Ganzzug aus dem Ruhrgebiet (v. a. Bochum) angeliefert werden. Für die Bewältigung der Rangieraufgaben wird Dillenburg täglich eine Lok der Baureihe 294 zugeteilt.

ServiceBearbeiten

Im unmittelbaren Anschluss an den Bahnhof befindet sich der Busbahnhof. Dort halten alle lokalen und regionalen Buslinien, so dass nicht nur in den Zug, sondern auch zwischen den Buslinien umgestiegen werden kann. Darüber hinaus gibt es am Bahnhofsvorplatz einen Taxistand und Kurzzeitparkplätze. Ferner steht südlich des Busbahnhofs ein Park-und-Ride-Parkplatz für längerfristig verreisende Fahrgäste zur Verfügung.

WeblinksBearbeiten

Linien
Haiger   RE 99
Main-Sieg-Express
Herborn (Dillkr)
Beginn   RB 40
Mittelhessen-Express
Niederscheld
(Dillkr) Süd
Sechshelden   RB 95
Sieg-Dill-Bahn
Ende
Sechshelden   RB 96
Hellertalbahn
Ende

AnmerkungenBearbeiten

  1. Die Angabe bei Heinz Schomann: Eisenbahn in Hessen. Eisenbahngeschichte und -baugattungen 1839–1999 / Eisenbahnbauten und -strecken 1839–1939. In: Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Hessen. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Drei Bände im Schuber. Band 2.1. Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1917-6, S. 269., es handele sich um einen kompletten Neubau, trifft nicht zu.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Grossart: Die Entwicklung der Eisenbahnhochbauten im Rhein-Main-Gebiet. In: Die Reichsbahn 16 (1940), S. 200–215 (210f).
  2. Heinz Schomann: Eisenbahn in Hessen. Eisenbahngeschichte und -baugattungen 1839–1999 / Eisenbahnbauten und -strecken 1839–1939. In: Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Hessen. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Drei Bände im Schuber. Band 2.1. Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1917-6, S. 269.
  3. Heinz Schomann: Eisenbahn in Hessen. Eisenbahngeschichte und -baugattungen 1839–1999 / Eisenbahnbauten und -strecken 1839–1939. In: Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Hessen. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Drei Bände im Schuber. Band 2.1. Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1917-6, S. 270.