Bütschwil

Dorf und ehemalige politische Gemeinde im Kanton St. Gallen
Bütschwil
Wappen von Bütschwil
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton St. GallenKanton St. Gallen Kanton St. Gallen (SG)
Wahlkreis: Toggenburgw
Politische Gemeinde: Bütschwil-Ganterschwili2
Postleitzahl: 9606 Bütschwil
9601 Lütisburg Station
frühere BFS-Nr.: 3391
Koordinaten: 723007 / 245625Koordinaten: 47° 21′ 0″ N, 9° 4′ 0″ O; CH1903: 723007 / 245625
Höhe: 610 m ü. M.
Fläche: 13,79 km²
Einwohner: 3354 (31. Dezember 2012)
Einwohnerdichte: 243 Einw. pro km²
Bütschwil, Blick von einer Anhöhe an der Strasse von Ganterschwil nach Oberhelfenschwil

Bütschwil, Blick von einer Anhöhe an der Strasse von Ganterschwil nach Oberhelfenschwil

Karte
Bütschwil (Schweiz)
Bütschwil
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Bütschwil ist eine Ortschaft und war bis zum 31. Dezember 2012 eine politische Gemeinde des Bezirks Alttoggenburg und ab 2003 des Wahlkreises Toggenburg im Kanton St. Gallen. Bütschwil befindet sich zwischen Wattwil und Wil unweit der Thur.

Am 1. Januar 2013 fusionierte die Gemeinde Bütschwil mit Ganterschwil zur Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil.

GeographieBearbeiten

Linksseitig der Thur liegen die Strassendörfer Bütschwil und Dietfurt, die Weiler Grämigen, Tierhag, Feld, Kengelbach und Zwiselen, rechtsseitig der Thur Langensteig und Laufen.[1] Die Nachbargemeinden waren Ganterschwil, Lütisburg, Mosnang, Krinau, Wattwil, Lichtensteig und Oberhelfenschwil.

GeschichteBearbeiten

Bütschwil wurde erstmals 779 als Bucinesvilare erwähnt. Es war damals ein Hof, der vermutlich von Alemannen aufgebaut wurde. Von den Römern war das Gebiet um Bütschwil nicht besiedelt worden. Der Hofbesitzer schenkte sein Gebiet 855 durch eine Schenkungsurkunde dem Kloster St. Gallen, das den Kehlhof 1280 an die Grafen von Werdenberg verpfändete. 1340 gelangte die Grundherrschaft an die Grafen von Toggenburg. 1475 kaufte sie die Fürstabtei St. Gallen zurück, die 1468 die Landesherrschaft über das gesamte Toggenburg erworben hatte. Das Gebiet der ehemaligen Gemeinde war den Gerichten Bazenheid, Neckertal und Wattwil zugeteilt.[1]

 
Luftbild von Walter Mittelholzer aus dem Jahr 1920
 
Foto von Walter Mittelholzer der mechanischen Bunt­weberei in der Zwischenkriegszeit. Das Areal dient heute dem Gewerbe als «Soorpark».
 
Gemeindestand vor der Fusion im Jahr 2013

1275 ist eine Kapelle erwähnt. Bis 1414 gehörte Bütschwil zum Kirchspiel Ganterschwil und wurde danach eine selbstständige Pfarrei. Die Reformation spaltete die Einwohnerschaft. Nach 1531 kehrten die meisten Reformierten zum katholischen Kultus zurück; die Kirche wurde jedoch bis 1778 paritätisch genutzt. Bütschwil war im Toggenburger Krieg 1712 Parteigängerin des Abts. Unter Integration der umliegenden Weiler wurde es 1803 zur politischen Gemeinde erhoben.[1]

Ab 1850 veränderte die Textilindustrie die zuvor von Ackerbau und Viehzucht geprägte Wirtschaft: Im Sohr entstand eine mechanische Buntweberei und im Dorf Bütschwil zwei Maschinenstickereien. In Dietfurt wurden drei Maschinenstickereien, je eine Färberei und Schlichterei sowie die Spinnerei und die Weberei Dietfurt AG erstellt. Die Weberei, welche Ende der 1960er Jahre 600 bis 700 Beschäftigte zählte, stellte 1999/2000 den Betrieb ein. Die stark wachsenden Dörfer Bütschwil und Dietfurt erhielten 1870 Anschluss an die Toggenburger Bahn. Die 1863 gegründete private Sekundarschule Bütschwil-Ganterschwil ging 1913 an die beiden Gemeinden über. 1905 erfolgten die Gründung einer evangelischen Kirchgemeinde und der Kirchenbau im Feld. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat die Textilbranche nur noch einen Arbeitgeber mit rund 30 Arbeitsplätze. Sie hat ihre Bedeutung eingebüsst. Nun prägen Metall- und Holzbearbeitungsindustrie, ein vielseitiges Gewerbe sowie die Landwirtschaft die Wirtschaftsstruktur von Bütschwil, das auch Standort eines regionalen Pflegeheims ist.[1]

Am 27. November 2011 fanden in Bütschwil und Ganterschwil Abstimmungen über eine Gemeindefusion statt. Die Abstimmung wurde in Bütschwil mit einem Ja-Anteil von 82 % angenommen.[2] Die neue Gemeinde wurde per 1. Januar 2013 gegründet und trägt den Namen Bütschwil-Ganterschwil.

WappenBearbeiten

Das Wappen zeigt zwei weisse, verschlungene Schwanenhälse auf rotem Grund. Es stammt von den Edlen von Holzhausen, die die Ministerialen der Grafen von Toggenburg waren. Sie waren während über einem Jahrhundert Verwalter des Kellhofes in Bütschwil. Im Zuge der Gemeindefusion mit Ganterschwil wurde allerdings ein neues Wappen gewählt. Es zeigt eine rote Brücke auf weissem Grund, gebaut auf grünem Grund. Das ursprüngliche Wappen wird aber beibehalten.

BevölkerungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1827 1850 1900 1950 1980 2000 2010
Einwohner 1750 1961 2869 3379 3423 3550 3405
Quelle [1]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Weisses Haus

Das Weisse Haus wurde Mitte 17. Jahrhundert erbaut. An der Nordseite befinden sich Treppentürmchen. Die Ausstattung stammt aus dem 18. Jahrhundert. Der Verein Ortsmuseum unterhält die alte Säge Hätschberg und die Taamühle.[1]

VerkehrBearbeiten

Bütschwil wird von Eisenbahnlinie Wil–Wattwil mit den Stationen Bütschwil und Dietfurt und der Hauptstrasse 16 WilWattwil erschlossen. 2014 bis 2020 wurde die 3,8 Kilometer lange und 200 Millionen Franken[Anm. 1] teure Umfahrungsstrasse erbaut, welche Bütschwil am östlichen Dorfrand umfährt. Die Strasse befindet sich zwischen den beiden bestehenden Ortsumfahrungen Lichtensteig und Bazenheid und entlastet die Ortskerne von Bütschwil und Dietfurt vom Individualverkehr.[3]

Vom Bahnhof Bütschwil führen Postautolinien nach Mosnang–Libingen/Mühlrüti und nach Ganterschwil–Lütisburg–Flawil. Von Dietfurt fährt das Postauto über Oberhelfenschwil zum Bahnhof Brunnadern-Neckertal und über Lichtensteig nach Krinau.[4]

Durch das ehemalige Gemeindegebiet verläuft der 60 Kilometer lange Thurweg – ein Wanderweg, der entlang der Thur von Wil nach Wildhaus führt.

WirtschaftBearbeiten

Bütschwil hat recht unterschiedlichen Industrie- und Gewerbeunternehmen in verschiedenen Branchen. Zu den grössten Arbeitgebern zählen das Regionale Seniorenzentrum Solino und die Firma Egli AG, die Anlagen, Maschinen und Behälter für Industrie- und Forschungsbetriebe entwickelt und herstellt. Immer noch nimmt auch die Landwirtschaft einen grossen Stellenwert ein.[5] In Bütschwil befindet sich ein Ausbildungszentrum des Zivilschutzes.

BilderBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Johann Holenstein, Aus der Geschichte von Bütschwil, Kalberer, 1979.

WeblinksBearbeiten

Commons: Bütschwil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Hans Büchler: Bütschwil. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  2. Vereinigungsbeschluss
  3. Umfahrung Bütschwil. Webseite des Tiefbauamts des Kantons St. Gallen, abgerufen am 29. Mai 2020
  4. Fahrplanfelder.ch. abgerufen im Fahrplanjahr 2020
  5. Wirtschaft. Auf der Webseite der Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil, abgerufen am 1. Juni 2020

AnmerkungenBearbeiten

  1. Preisbasis August 2008