Lütisburg

Gemeinde in der Schweiz
Lütisburg
Wappen von Lütisburg
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton St. GallenKanton St. Gallen Kanton St. Gallen (SG)
Wahlkreis: Toggenburgw
BFS-Nr.: 3393i1f3f4
Postleitzahl: 9604 Lütisburg
9601 Lütisburg Station
Koordinaten: 724149 / 251210Koordinaten: 47° 24′ 0″ N, 9° 5′ 0″ O; CH1903: 724149 / 251210
Höhe: 580 m ü. M.
Höhenbereich: 533–865 m ü. M.
Fläche: 14,10 km²
Einwohner: 1576 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 112 Einw. pro km²
Website: www.luetisburg.ch
Lage der Gemeinde
ZürichseeWägitalerseeWalenseeKanton Appenzell AusserrhodenKanton Appenzell InnerrhodenKanton GlarusKanton SchwyzKanton ThurgauKanton ZürichWahlkreis See-GasterWahlkreis SarganserlandWahlkreis St. GallenWahlkreis WerdenbergWahlkreis WilBütschwil-GanterschwilEbnat-KappelHemberg SGKirchberg SGLichtensteigLütisburgMosnangNeckertalNesslauOberhelfenschwilWattwilWildhaus-Alt St. JohannKarte von Lütisburg
Über dieses Bild
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Lütisburg ist eine politische Gemeinde und eine Ortschaft im Toggenburg im Schweizer Kanton St. Gallen. Lütisburg befindet sich am Zusammenfluss von Necker und Thur.

GeographieBearbeiten

Die Gemeinde Lütisburg besteht aus dem gleichnamigen Dorf, das auf einer Felsrippe am Zusammenfluss von Thur und Necker thront, der Ortschaft Lütisburg Station, dem über einer markanten Molassewand gelegenen Weiler Tufertschwil und den in hügeliger Landschaft verteilten Weilern Ober- und Unterrindal, Winzenberg, Rimensberg, Grünhügel, Gonzenbach, Schauenberg, Haslen, Dottenwil, Altegg, Wildenhof, Herrensberg und Chrummentürli.[2] Während sich das Dorf Lütisburg auf der rechten Seite der Thur nach der Mündung des Neckers befindet, liegt der Bahnhof Lütisburg etwa zwei Kilometer talaufwärts auf der linken Thurseite. Das Kinderdörfli St. Iddaheim, eine Sonderschule für Kinder mit Verhaltens- und Lernstörungen, befindet sich in Lütisburg Station.

Die tiefste Stelle der Gemeinde befindet sich auf 539 m. ü. M. am Thurufer in der Mühlau, die höchste mit 864 m. ü. M. im Oberschauenberg.[3] Lütisburg grenzt an die Gemeinden Bütschwil-Ganterschwil, Mosnang, Kirchberg, Jonschwil, Oberuzwil, Degersheim und Neckertal.

GeschichteBearbeiten

 
Schloss Lütisburg auf einem Kupferstich um 1700
 
Luftbild von Werner Friedli aus dem Jahr 1949

Während Unterrindal bereits 849 und Tufertschwil 928 erstmals urkundlich erwähnt wurde, tauchte der Name der dem Ort zugrundeliegenden Lütisburg erst 1214 als Liutinsburch auf, vermutlich durch Liuto, dem Nachkommen eines Grafen von Toggenburg.[2]

Die 1078 vom Kloster St. Gallen errichtete Burg des Ministerialen Liuto wurde kurze Zeit später vom Kloster wieder aufgegeben. Aufgrund ihrer strategisch bedeutenden Lage war sie vom 13. bis 15. Jahrhundert ein Hauptsitz der Grafen von Toggenburg. Nachdem die Fürstabtei St. Gallen 1468 die Grafschaft Toggenburg erworben hatte, diente die Burg als Vogteisitz. Die Hörigen wurden dem Gericht Bazenheid zugewiesen. 1803 wurde die politische Gemeinde Lütisburg geschaffen,[2] die 1831 bis 2002 zum Bezirk Alttoggenburg gehörte.

1214 ist erstmals ein Leutpriester, 1275 eine Kirche und 1529 die mittelalterliche St.-Bartholomäus-Kapelle Tufertschwil, die 1891 umgestaltet wurde, belegt. Nach der Reformation 1528 existierte von 1537 bis 1935 ein Simultanverhältnis. Die reformierte Minderheit wurde 1559 bis 1856 von Kirchberg, die katholische Mehrheit von Bütschwil und bis 1691 von Ganterschwil aus betreut. 1810/11 entstand die paritätische, heute katholische Pfarrkirche St. Michael aus Steinen des nahen Schlosses, in dessen Seitenflügel die katholische Schule eingerichtet war. 1935 wurde eine reformierte Kirche, 2007 eine grosse Sportanlage gebaut.[2]

Seit 1970 sind die vormals konfessionell getrennten Schulen vereint. 1877 wurde in Altgonzenbach das katholisches Waisenhaus, heute Kinderdörfli St. Iddaheim begründet. Im 19. Jahrhundert dominierten neben der Landwirtschaft die Industrie (Eisenwerk, Kupferhammer) und Manufakturbetriebe. Auch im 20. Jahrhundert waren der erste und der zweite Wirtschaftssektor am stärksten. Seit 1870 existiert ein Bahnhof an der Linie Wil–Ebnat.[2]

Ende 2011 übernahm das gemeinsame Versorgungsunternehmen der Gemeinden Bütschwil-Ganterschwil und Kirchberg, das rwt Regionalwerk Toggenburg, die Stromversorgung (Elektra Lütisburg) von der Gemeinde Lütisburg.[4] 2013 lehnten jedoch die Lütisburger Stimmbürgerinnen und Stimmbürger eine Fusion mit der Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil mit 49 % Ja-Stimmen knapp ab.[5]

BevölkerungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1803 1850 1900 1950 2000 2010 2018
Einwohner 1070 1285 1270 1372 1395 1394 1576
Quelle HLS[2] BfS[6]

VerkehrBearbeiten

 
Guggenlochbrücke mit einem Zug der S9

In Lütisburg zweigt von der Hauptstrasse 16 Wil – Wildhaus die Verbindung nach Unterrindal–Jonschwil/Flawil ab. Über die Letzibrücke führt die Strasse von Lütisburg nach Ganterschwil, über die Thurbrücke in der Mühlau diejenige von Rindal nach Bazenheid.

In Lütisburg Station hat die Gemeinde einen Haltepunkt an der im Halbstundentakt verkehrenden S9 Wil–Wattwil. Das Dorf Lütisburg ist mit dem ebenfalls im Halbstundentakt verkehrenden Postauto mit Bütschwil und in den Hauptverkehrszeiten zusätzlich mit Flawil verbunden.[7]

Durch das Gemeindegebiet verläuft der 60 Kilometer lange Thurweg, ein entlang der Thur führender Wanderweg von Wil nach Wildhaus.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Hölzerne Thurbrücke, 1790

Lütisburgs Ortsbild ist von Brücken und Stegen geprägt, unter anderem der Letzibrücke (1853, 1969), dem Guggenloch-Eisenbahnviadukt (1870, 1945) und der neuen Thurbrücke (1997).[2] Die gedeckte Holzbrücke über die Thur an der Kantonsstrasse nach Flawil aus dem Jahr 1790 diente bis 1997 dem Autoverkehr. Auf der 1853 errichteten hölzerne Letzibrücke überquert der Wanderweg nach Ganterschwil den Necker.

Der Weiler Winzenberg mit der Winzenberger Höhe (836 m ü. M.) ist ein beliebter Ausflugsort.

KulturBearbeiten

In Tufertschwil fand 2005 alljährlich das OpenAir Tufertschwil mit teilweise renommierten Interpreten statt. Weil das Festival nach Dauerregen 2005 intensive Flurschäden verursacht hatte, wurde es 2006 und 2007 in der Gemeinde Jonschwil durchgeführt.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Kilian Germann (1485–1530), Fürstabt von St. Gallen
  • Hans Germann (vor 1500–um 1550), Söldnerführer und Landvogt im Toggenburg

BilderBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Lütisburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  2. a b c d e f g Hans Büchler: Lütisburg. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  3. Lage und Erreichbarkeit. Auf der Webseite der Gemeinde Lütisburg, abgerufen am 18. Juni 2020
  4. rwt Regionalwerk Toggenburg. Auf der Webseite des rwt (Regionalwerk Toggenburg), abgerufen am 17. Juni 2020
  5. Keine weitere Fusion mit Bütschwil-Ganterschwil. Auf der Webseite des Schweizer Radios und Fernsehen (SRF), 27. November 2016
  6. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geburtsort und Staatsangehörigkeit. Auf: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 18. Juni 2020.
  7. 80.767 Ganterschwil - Lütisburg - Rindal - Flawil. In: Offizielles Kursbuch, Fahrplanjahr 2020