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GeographieBearbeiten

 
Historisches Luftbild aus 100 m von Walter Mittelholzer von 1920

Die Gemeinde hat eine Fläche von 11,51 km2. Der tiefstgelegene Punkt liegt an der Glatt mit 542 m ü. M. Der höchstgelegene liegt oberhalb Alterschwil mit 814 m ü. M. Der Bahnhof Flawil liegt auf 610,6 m ü. M. Flawil setzt sich aus dem eigentlichen Dorf und den Weilern Oberglatt, Burgau, Egg, Alterschwil, Langenentschwil, Grobenentschwil und Raaschberg zusammen.

Die Nachbargemeinden Flawils sind Oberbüren, Gossau, Herisau, Degersheim sowie Oberuzwil.

GeschichteBearbeiten

Urkundlich wurde der Ort erstmals im Jahre 819 als Flahinwilare erwähnt. Um 850 wurde er auf Anordnung des Gaugrafen Gerold (IV.) in die Ortschaften Flahinwilare und Uzzinwilare (heute Uzwil) geteilt.

Nach der aristokratischen Zeit des Rittertums erwarb das sankt-gallische Ministerialengeschlecht Giel das Gebiet um Flawil.[3]

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat besteht aus sieben Personen: 2 FDP, 2 CVP, 1 SP, 1 Umweltfreisinnige St.Gallen und 1 parteilos.

Ein Gemeindeparlament gibt es nicht, dafür eine zweimal im Jahr tagende Bürgerversammlung.

Nationale WahlenBearbeiten

Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2015 betrugen die Wähleranteile in Flawil: SVP 33,1 %, SP 15,5 %, FDP 15,3 %, CVP 15,1 %, Grüne 7,7 %, BDP 4,2 %, glp 4,1 %, EVP 1,6 %, EDU 1,0 %.[4]

WappenBearbeiten

Wilhelm Weiss, ein sich für Lokalgeschichte und Heimatschutz einsetzender Malermeister, legte am 7. September 1915 einen Entwurf für ein Flawiler Gemeindewappen vor.

Als Vorlage verwendete er das Wappen der Giel, welches ein quergeteiltes, oben silbernes und unten rot-silbern kariertes Schild zeigte. Darüber befand sich ein mit einer goldenen Krone gekrönter silberner Spangenhelm und darauf ein Pfauenstutz. Die Bedeutung des karierten Feldes im Wappen der Giel ist heute unbekannt.

Am 19. Oktober 1915 wurde das Wappen offiziell von Herzog Leopold von Österreich an Flawil verliehen. Bei der Ausführung durch den Graveuren Egger sollte auf Anraten des Historikers Professor Max Gmür der Helm als Zeichen der Aristokratie entfallen. Das geänderte Wappen, welches sodann eine Mauerkrone zeigte, lag am 19. September 1916 vor. Von der Gemeindewappenkommission des Kantons St. Gallen wurde es schliesslich am 6. Dezember 1938 ohne Helm und Mauerkrone genehmigt.[3]

Blasonierung: Unter goldenem Schildhaupt zu sieben senkrechten Reihen geschacht von Silber und Rot.[5]

Die Flaggenfarben sind Gelb und Rot.[3]

BevölkerungBearbeiten

 
Volksversammlung in Flawil am 7. August 1836
 
Zentrum Flawil
Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1837 1850 1890 1900 1950
Einwohnerzahl 2233 2664 4878 4873 6502
Jahr 2000 2010 2012 2014 2016
Einwohnerzahl 9320 9971 10150 10345 10505

ReligionBearbeiten

43 % der Bevölkerung sind römisch-katholisch, 25 % sind evangelisch und 33 % sind konfessionslos oder haben eine andere Konfession (Stand: 31. August 2012).

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Zu den wichtigsten sehenswerten Baudenkmälern zählen das Alte Rathaus, der Gasthof Hirschen, die evangelische Kirche (teilweise Jugendstil) und die katholische Kirche St. Laurentius.

Freizeit, Kultur, SportBearbeiten

Zahlreiche Freizeit-, Sport- und Kulturvereine prägen das gesellschaftliche Leben in Flawil.

Zur gut ausgebauten Infrastruktur gehören unter anderem ein Mehrzwecksaal (Lindensaal), eine Bibliothek, ein Ortsmuseum, eine Ludothek, Fussballplätze, Turnhallen, Tennisplätze, eine Reithalle, eine Fechthalle, ein Freibad sowie ein Vitaparcours mit Finnenbahn.

Flawil kennt die Naherholungsgebiete Botsberger Riet, Umgebung Mattenhof/Gutsbetrieb und Girenmoos.

BildungBearbeiten

Für die obligatorische Schulbildung sind mehrere Kindergärten (Feld, Wiesental, Botsberg), Primarschulhäuser (Feld, Grund Enzenbühl und Botsberg) und ein Oberstufenzentrum (Feld) vorhanden. Weiterführende Schulen befinden sich in St. Gallen. Die Heilpädagogische Schule Flawil bietet Klassen vom Kindergarten bis zur Oberstufe.

Im Bildungszentrum Mattenhof werden Kurse für die Berufsaus- und Weiterbildung angeboten.

GesundheitBearbeiten

In Flawil steht eines der drei Krankenhäuser der Spitalregion St. Gallen-Rorschach-Flawil.

BrauchtumBearbeiten

Die alljährlich am Dienstagabend nach Otmar (16. November) stattfindende Lägelisnacht basiert mutmasslich auf der Legende des Abtes Otmar von St. Gallen, der im Jahre 759 nach seinem Tode von der Insel Werd nach St. Gallen überführt wurde. Zu diesem Anlass fahren die Flawiler Kinder mit Leiterwagen einen Umzug durch das Dorf. Die Wagen sind mit kunstvoll geschnitzten und von innen mit Kerzen beleuchteten Räbenlichtern und Kürbissen geschmückt.

Zu Beginn der Fasnachtszeit am Schmutzigen Donnerstag um „elf ab siebni“ (19.11 Uhr) wird vom Flawiler Narrenrat der Wanderpreis Chratzbürste an einen Bürger verliehen, der im vergangenen Jahr durch einen lustigen oder peinlichen Vorfall aufgefallen ist. Anschliessend findet die Beizenfasnacht statt, an der Guggenmusiken durch Restaurants ziehen und die Bevölkerung zu ausgelassenem Feiern animieren wollen.

PartnerstädteBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Flawil hat einen Bahnhof an der SBB-Strecke Bahnstrecke St. Gallen–Winterthur. Es bestehen stündlich je drei schnelle Verbindungen in beide Richtungen.

Flawil liegt an der Kantonsstrasse Nr. 8[6] (Hauptstrasse 430[7]) zwischen Gossau und Wil. An der Kantonsstrasse Nr. 8 am Maestrani-Kreisel im Westen Flawils beginnt die Kantonsstrasse Nr. 54,[8] welche nach Niederuzwil führt. Sowohl in Gossau wie auch in Niederuzwil (Ausfahrt Oberbüren-Uzwil) sind Anschlüsse an die A1 gewährleistet. Die Verbindung zur Hauptstrasse 16 ins Obertoggenburg gewährleistet die Kantonsstrasse Nr. 10 (Hauptstrasse 431[7]), die ebenfalls am Maestrani-Kreisel beginnt und nach Lütisburg führt.

IndustrieBearbeiten

 
Historisches Luftbild der Vereinigten Strumpffabriken AG von Walter Mittelholzer, ca. 1918–1937
 
Historisches Luftbild der Habisreutinger-Ottiker AG Weberei, Färberei, Ausrüsterei von Walter Mittelholzer, ca. 1918–1937

Die Schokoladen der Marken Maestrani, Munz und Minor der maestrani Schweizer Schokoladen AG werden hier produziert und vertrieben. Weitere in Flawil ansässige Unternehmen sind unter anderem die FLAWA AG (jetzt Teil von U.S. Cotton)[9] die Verbandstoff- und Watteprodukte herstellt, die SFS intec AG, die sich auf Tiefzieh- und Fliesspresstechnik spezialisiert hat, die BÜCHI Laboratory Equipment, die Geräte für Labortechnik herstellt, und die LÜDI SWISS AG, die Verbrauchsartikel im Analysenbereich produziert.

MedienBearbeiten

In Flawil wurde durch die Buchdruckerei Flawil der Volksfreund (1878–1997), die Wiler Zeitung – Der Volksfreund (1998–2001) und die Wiler Zeitung (1962–1997, 2002–2013) herausgegeben.

LandwirtschaftBearbeiten

In Flawil ist die St. Gallische Saatzucht tätig. Sie produziert Pro Specie Rara-Kartoffelsorten, blaufleischige Kartoffeln (Blaue St. Galler) und einheimische kaltgepresste Öle.[10]

MusikBearbeiten

In Flawil sind die St. Galler Mundartband Piggnigg, das Musik-Kabarett „er und i“ und die Flawiler Post-Grunge/Metal Band Strugglers beheimatet. Nicht zu vergessen ist die Harmoniemusik Flawil, welche seit knapp 150 Jahren die Flawiler Musikszene prägt.[11]

PersönlichkeitenBearbeiten

BilderBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Flawil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS), Band V, Karte 1 sowie SDS-Originalmaterial (mehrere Gewährspersonen); gemäss Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol, Frauenfeld 2005, S. 359 hingegen   [ˈflɑːʋɘl] (Quelle für diese vom SDS abweichende Lautung unbekannt).
  3. a b c Alfred Hofmann: Das Gemeindewappen von Flawil. In: Toggenburger Heimat-Jahrbuch. Jg. 12. Thur Kalberer, Bazenheid 1952, S. 45–48.
  4. Nationalratswahlen 2015: Stärke der Parteien und Wahlbeteiligung nach Gemeinden. In: Ergebnisse Nationalratswahlen 2015. Bundesamt für Statistik, 2016, abgerufen am 31. Mai 2016.
    Listenergebnisse je Gemeinde. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Ergebnisse Nationalratswahlen 2015. Kanton St. Gallen, 2016, archiviert vom Original am 31. Mai 2016; abgerufen am 31. Mai 2016.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.abstimmungen.sg.ch
  5. St. Galler Wappenbuch. Das Staatswappen und die Wappen der politischen Gemeinden. St. Gallen 1991.
  6. Bauarbeiten vergeben. auf: tagblatt.ch (Nachweis für Kantonsstrassennummer)
  7. a b SR 741.272 Durchgangsstrassenverordnung, Anhang 2, Art. 3, B. Hauptstrassen, die nicht mit der «Nummerntafel für Hauptstrassen» (4.57) gekennzeichnet sind, admin.ch, abgerufen am 25. Mai 2011.
  8. Kantonsstrasse Nr. 54, Uzwil: Knotenausbau (Memento des Originals vom 5. Oktober 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.easymonitoring.ch, easymonitoring.ch, abgerufen am 25. Mai 2011. (Nachweis der Kantonsstrassennummer)
  9. Flawiler Watteherstellerin Flawa wird in die USA verkauft, auf toponline.ch (abgerufen am 4. Juli 2017).
  10. Webseite der St. Gallischen Saatzucht.
  11. Melanie Graf: Kämpfer wollen nach oben. St.Galler Tagblatt Online., 19. Oktober 2011, abgerufen am 27. Februar 2017.