Oberhelfenschwil

Gemeinde in der Schweiz
Oberhelfenschwil
Wappen von Oberhelfenschwil
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton St. GallenKanton St. Gallen Kanton St. Gallen (SG)
Wahlkreis: Toggenburgw
BFS-Nr.: 3375i1f3f4
Postleitzahl: 9621
Koordinaten: 726494 / 246149Koordinaten: 47° 21′ 15″ N, 9° 6′ 47″ O; CH1903: 726494 / 246149
Höhe: 798 m ü. M.
Höhenbereich: 576–1102 m ü. M.
Fläche: 12,65 km²
Einwohner: 1261 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 100 Einw. pro km²
Website: www.oberhelfenschwil.ch
Oberhelfenschwil

Oberhelfenschwil

Lage der Gemeinde
ZürichseeWägitalerseeWalenseeKanton Appenzell AusserrhodenKanton Appenzell InnerrhodenKanton GlarusKanton SchwyzKanton ThurgauKanton ZürichWahlkreis See-GasterWahlkreis SarganserlandWahlkreis St. GallenWahlkreis WerdenbergWahlkreis WilBütschwil-GanterschwilEbnat-KappelHemberg SGKirchberg SGLichtensteigLütisburgMosnangNeckertalNesslauOberhelfenschwilWattwilWildhaus-Alt St. JohannKarte von Oberhelfenschwil
Über dieses Bild
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Oberhelfenschwil ist eine politische Gemeinde im Kanton St. Gallen in der Schweiz. Sie befindet sich im Wahlkreis Toggenburg.

Oberhelfenschwil zählt 1261 Einwohner und ist somit die sechstkleinste Toggenburger Gemeinde. Die Gemeinden Oberhelfenschwil, Neckertal und Hemberg planen per 1. Januar 2023 die Fusion zu einer Einheitsgemeinde.[2]

GeographieBearbeiten

 
Blick vom Grund zum Dorf Oberhelfenschwil

Das Dorf liegt auf einer Anhöhe zwischen den Flüssen Thur und Necker. Die höchste Stelle ist mit 1100 m ü. M. der Köbelisberg-Waldschwilerberg, an der Grenze zur Gemeinde Wattwil. Der tiefste Punkt liegt auf 580 m ü. M. am Ufer der Thur bei Dietfurt («Thurrank»).[3] Oberhelfenschwil liegt 13 Kilometer südöstlich von Wil SG, 6 km nordöstlich von Wattwil und 7 km südwestlich von Degersheim SG (jeweils Luftlinien).[4] Zu Oberhelfenschwil gehört ein Teil des Dorfes Necker, die Wasserfluh sowie die verstreuten Weiler Wigetshof, Oberwil, Metzwil, Rennen, Winzlisau, Utenwil, Schwanden und Füberg.[5]

Die Gesamtfläche beträgt 1265 Hektaren.[3] Davon sind 5,1 Prozent Siedlungs- und 59,8 Prozent Landwirtschaftsfläche. 34,0 der Fläche sind Wald und Gehölze und 1,1 Prozent sind unproduktive Fläche (2009).[6]

Die angrenzenden Gemeinden sind Ganterschwil im Norden, Neckertal im Osten, Wattwil im Süden, Lichtensteig im Südosten sowie Bütschwil im Westen.[4] Obwohl es der Name vermuten liesse, liegt Niederhelfenschwil nicht in der Nachbarschaft, sondern 23 Kilometer nordöstlich von Oberhelfenschwil.

GeschichteBearbeiten

 
Deckenfresken und Glasmalereien in der Apsis der Kirche
 
Luftbild von Walter Mittelholzer, 1920

Entlang dem Höhenzug wurde das Gemeindegebiet früh von Alemannen besiedelt. Oberhelfenschwil wurde 882 als Helfoltiswilare und 1515 als Oberhelfenschwil urkundlich erwähnt. Die Fürstabtei St. Gallen, die Grafen von Toggenburg und das Kloster Alt St. Johann verfügten über Grundbesitz in Oberhelfenschwil. Die gräflichen Güter fielen 1468, die übrigen 1555 an die Fürstabtei St. Gallen und Oberhelfenschwil wurde dem Gericht Neckertal zugewiesen. In der Gemeinde befand sich die Burg Füberg, an die heute nur noch der Flurname erinnert. Die Burg Rüdberg an der Thur bei Laufen und die 1270 erwähnte Neu-Toggenburg über der Passstrasse Wasserfluh sind beide zu Ruinen zerfallen. Die helvetische Verfassung teilte 1798 die Gemeinde Krinau Oberhelfenschwil zu, 1803 wurden die beiden Ortschaften wieder getrennt und die politischen Gemeinden Oberhelfenschwil und Krinau gebildet. 1874 trat Oberhelfenschwil die Gebiete St. Loretto, Hof und Blatten an Lichtensteig ab.[5] 1952 stimmten Mogelsberg und Oberhelfenschwil einen Gebietsabtausch zu. Oberhelfenschwil bekam von Mogelsberg den Weiler Rennen sowie die Höfe Adelbach, Berg und Schlatt (46 Einwohner), während dessen Mogelsberg die ehemalige Oberhelfenschwiler Exklave Hiltisau mit 38 Einwohnern bekam.[7] 1874 trat Oberhelfenschwil die Gebiete St. Loretto, Hof und Blatten an Lichtensteig ab. 1831 bis 2002 gehörte Oberhelfenschwil zum Bezirk Neutoggenburg.[5]

In der 1336 erwähnten Kirche St. Maria, Dionys und Jakobus wurden ab 1528 ein reformierte Gottesdienste abgehalten, seit 1534 wird sie paritätisch genutzt.[5]

Das Hauptmerkmal der Wirtschaftsstruktur des nebelarmen Höhenkurorts liegt in der Ausgeglichenheit von Land- und Forstwirtschaft, Tourismus (Camping, Ski), Gewerbe, Dienstleistungen (Pflege- und Kurzentrum) und Kleinindustrie (v. a. Bau- und Metallindustrie). Seit 1849 führt bei Aachsäge eine gedeckte Holzbrücke über den Necker. 2005 schlossen sich Oberhelfenschwil, Brunnadern, Mogelsberg und ein Teil von Ganterschwil zur Schulgemeinde Neckertal zusammen.[5]

WappenBearbeiten

Das Wappen ist gespaltet von gold und silber. Heraldisch rechts ist in schwarz ein dreigeteilter Turm ersichtlich. Links sechsmal horizontal geteilt von silber und schwarz.

BevölkerungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1827 1850 1900 1950 2000 2010 2018
Einwohner 1196 1872 1079 982 1456 1341 1261
Quelle [5] [8]


Am 31. Dezember 2012 lebten 1325 Menschen in Oberhelfenschwil. Der Ausländeranteil betrug 2008 8,3 % und liegt damit klar unter dem kantonalen Durchschnitt von 21,5 %. Etwa ein Viertel der ausländischen Bevölkerung waren Bürger von Deutschland. Dahinter folgten Bürger einer der Staaten des ehemaligen Jugoslawiens und Italiener.[9]

Politik und RechtBearbeiten

Wähleranteile
 %
40
30
20
10
0
36,4 %
26,4 %
12,6 %
9,8 %
8,4 %
3,7 %
2,8 %
 
Gemeindehaus

Die gesetzgebende Gewalt bildet in Oberhelfenschwil die Bürgerversammlung. Sie findet in der Regel alljährlich einmal statt, meistens Ende März.

Die ausführende Behörde ist der Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Bürgerversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton und vom Bund zugeteilt wurden. Als Vorsteher der Exekutive übt der Gemeindepräsident seine Tätigkeit im Vollamt, die übrigen Gemeinderäte im Nebenamt aus. Der Gemeinderat besteht aus 7 Personen und wird vom Gemeindeschreiber unterstützt.[11]

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Kreisgericht Toggenburg mit Sitz in Lichtensteig zuständig. Oberhelfenschwil verfügt zudem über einen Vermittler (Friedensrichter).

VerkehrBearbeiten

 
Blick von der Skilift-Talstation in Richtung Grund

Oberhelfenschwil ist von den Ortschaften Necker, Dietfurt und Ganterschwil auf den öffentlichen Strassen erreichbar.[4] Ein Postauto verbindet Oberhelfenschwil im Stundentakt mit den Bahnhöfen Dietfurt an Strecke Wattwil–Wil und Brunnadern-Neckertal an der Linie Wattwil–St. Gallen.[12]

WirtschaftBearbeiten

Die grössten Arbeitgeber in Oberhelfenschwil sind die Karl Egli Zimmerei und die Mock AG Tiefbau.

Oberhelfenschwil hat einen kleinen Skilift, der vor allem von Einheimischen rege genutzt wird. Die Talstation befindet sich an der Berligstrasse. Der Skilift führt auf einer Länge von rund 330 Metern den Südhang via Altegg in Richtung Grund hinauf.

Das Hauptmerkmal der Wirtschaftsstruktur des nebelarmen Höhenkurorts liegt in der Ausgeglichenheit von Land- und Forstwirtschaft, Tourismus (Camping, Ski), Gewerbe, Dienstleistungen (Pflege- und Kurzentrum) und Kleinindustrie (Bau- und Metallindustrie).[5]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Blick von der Ruine Neutoggenburg zu den Berner Alpen
 
Ruine Rüdberg

Sehenswürdigkeiten von Oberhelfenschwil sind die simultan von Katholiken und Reformierten genutzte Kirche Oberhelfenschwil, die Ruinen Neutoggenburg, Rüdberg und Fürberg (heutige Bezeichnung Füberg) sowie die Leichtwindanlage auf dem Freudenberg. Die Raiffeisenbank schenkte zu ihrem 100-Jahr-Jubiläum im Sommer 2009 der Bevölkerung einen Heckenlehrpfad.[13]

Ruine Neutoggenburg
Die Ruine Neutoggenburg – einst Stammsitz der Grafen von Toggenburg – wurde Anfang des 13. Jahrhunderts gebaut und dürfte wohl als Ersatz der alten Stammburg gedient haben. Sie befindet sich ca. 500 m nördlich des Weilers Wasserfluh und kann von Schwanden aus erreicht werden. In der rund 400-jährigen Geschichte der Grafen von Toggenburg wurde deren Herrschaft über grosse Teile des Kantons St. Gallen, Vorarlbergs und Graubündens ausgedehnt. Nach dem Tod des letzten Grafen im Jahr 1468 erwarb die Fürstabtei St. Gallen unter dem Abt Ulrich Rösch die Grafschaft Toggenburg. Die Burg begann seit daher zu zerfallen.

SonstigesBearbeiten

Im Jahre 1982 konnte Oberhelfenschwil sein 1100-jähriges Bestehen feiern.

BilderBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Oberhelfenschwil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  2. Urs M. Hemm: Gemeindefusion im Neckertal: Mit dem klaren Ja an der Grundsatzabstimmung ist der erste Schritt getan. In: St. Galler Tagblatt (online), 1. Juli 2019
    Urs M. Hemm: Dem Ziel einen Schritt nächer. In: St. Galler Tagblatt (online), 1. Juli 2020
  3. a b Oberhelfenschwil in Zahlen. Auf der Webseite der Gemeinde Oberhelfenschwil, abgerufen am 1. Juli 2020
  4. a b c Swisstopo - Landeskarte der Schweiz 1: 25'000, Blatt 1094 («Degersheim»)
  5. a b c d e f g Hans Büchler: Oberhelfenschwil. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  6. Gemeindeporträts. Auf der Webseite des Bundesamts für Statistik, abgerufen am 1. Juli 2020
  7. Aus den Anfängen. Auf der Webseite der Gemeinde Oberhelfenschwil, abgerufen am 1. Juli 2020
  8. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geburtsort und Staatsangehörigkeit. Auf: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 1. Juli 2020.
  9. Fachstelle für Statistik Kanton St.Gallen. Kanton St. Gallen, abgerufen am 8. November 2011.
  10. Nationalratswahlen. Erneuerungswahl 20. Oktober 2019. Auf der Webseite des Kantons St. Gallen, abgerufen am 1. Juli 2020
  11. Gemeinderat. Auf der Webseite der Gemeinde Oberhelfenschwil, abgerufen am 1. Juli 2020
  12. 80.771 Dietfurt - Oberhelfenschwil - Brunnadern-Neckertal. In: Offizielles Kursbuch, Fahrplanjahr 2020
  13. Freizeit Tourismus. Auf der Webseite der Gemeinde Oberhelfenschwil, abgerufen am 1. Juli 2020