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Araber in Berlin

Ethnische Minderheit in Berlin

Araber in Berlin bilden die zweitgrößte ethnische Minderheitengruppe in der Stadt, nach der türkischen Gemeinde.

AnzahlBearbeiten

Ende Juni 2017 lebten 133.961 Personen mit einem arabischen Migrationshintergrund in der Stadt, die 3,6 Prozent der Bevölkerung ausmachen.[1] Das Herkunftsland, aus dem die meisten Berliner mit einem arabischen Migrationshintergrund stammen, ist Syrien mit 35.403 Personen, gefolgt von Libanon mit 27.866 Personen.[1] Ende Juni 2017 hatten 48.816 in Berlin lebende Deutsche einen arabischen Migrationshintergrund[2], 85.145 Berliner sind Staatsangehörige eines Mitgliedslands der Arabischen Liga[3]. Die Araber in Berlin sind keine homogene Gruppe, da sie aus über 20 Ländern stammen. Sie leben vor allem in den Stadtteilen (Nord-)Neukölln, Schöneberg, Moabit, Wedding, Gesundbrunnen und Kreuzberg. Die meisten Araber in Berlin sind Muslime. Unter ihnen bilden Sunniten die Mehrheit, aber auch Zwölfer-Schiiten sind vertreten. Daneben finden sich auch Christen verschiedener Kirchen, Anhänger kleinerer Religionsgemeinschaften und Konfessionslose.

GeschichteBearbeiten

Kriegsflüchtlinge stellen die größte Gruppe unter den Arabern in Berlin. Sie kamen vor allem nach 1975 während des libanesischen Bürgerkriegs und nach der Machtübernahme durch Saddam Hussein im Irak im Jahr 1979 als Asylbewerber in die Bundesrepublik Deutschland. Die Einreise erfolgte zumeist illegal über Ostberlin; die Flüchtlinge erhielten am Flughafen Schönefeld ein Transitvisum für die DDR und fuhren mit der S-Bahn nach West-Berlin weiter, wo sie einen Asylantrag stellten. Die deutschen Behörden kontrollierten die Grenzen aufgrund des Berliner Sonderstatus nicht.[4] In den Statistiken wurden auch verfolgte Kurden als „Staatsbürger des Irak“ erfasst, so dass sich aus ihnen nicht ergibt, wie viele Araber aus dem Irak flohen.

In den West-Berliner Bezirken befindet sich bereits seit den 1980er-Jahren die größte arabische Gemeinde Deutschlands; dort bestehen mehrere Kultur- und Moscheevereine sowie zahlreiche arabische Restaurants und Geschäfte. Die meisten Araber in Berlin sind Flüchtlinge aus den Konflikten im Nahen Osten, vor allem den Libanonkriegen.[5] Viele von ihnen haben palästinensische Wurzeln und sind zumeist als Flüchtlinge aus dem Libanon nach Berlin gekommen.[6] Weil sich unter ihnen eine große Anzahl Staatenloser befindet und die ethnische Zuordnung manchmal unklar ist (z. B. bei den Mhallamiye), sind alle Zahlen ungenau.[5]

In den 2000er-Jahren während der Besetzung des Irak sowie aufgrund des seit 2011 andauernden syrischen Bürgerkriegs und des seit 2014 andauernden irakischen Bürgerkriegs kamen weitere Flüchtlinge aus diesen Ländern nach Berlin.

Die anderen Araber sind von der Herkunft her zumeist Marokkaner, Algerier, Tunesier und Ägypter.

VerbreitungBearbeiten

Ähnlich wie die türkische Gemeinde sind die Araber vor allem in den innerstädtischen Vierteln West-Berlins konzentriert.

Personen mit einem arabischen Migrationshintergrund in den zwölf Bezirken

Stand: 30. Juni 2017[1]

Rang Bezirk Anzahl Anteil
1 Mitte 24.321 6,5 %
2 Neukölln 20.789 6,3 %
3 Spandau 10.837 4,5 %
4 Tempelhof-Schöneberg 14.209 4,1 %
5 Charlottenburg-Wilmersdorf 13.653 4,0 %
6 Friedrichshain-Kreuzberg 10.773 3,8 %
7 Reinickendorf 9.712 3,7 %
8 Lichtenberg 7.846 2,8 %
9 Steglitz-Zehlendorf 6.795 2,2 %
10 Treptow-Köpenick 4.462 1,7 %
11 Marzahn-Hellersdorf 4.293 1,6 %
12 Pankow 6.271 1,6 %

Im Fall von Neukölln leben circa 80 Prozent der Personen mit einem arabischen Migrationshintergrund im gleichnamigen Ortsteil (Nord-)Neukölln, wo sie rund 10 Prozent der Gesamtbevölkerung bilden.

Im Fall von Mitte leben die meisten Personen mit einem arabischen Migrationshintergrund in den zum Bezirk Mitte gehörenden Ortsteilen Moabit, Wedding und Gesundbrunnen, nur wenige im namensgebenden Ortsteil Mitte, der bis zur Wiedervereinigung Deutschlands zu Ost-Berlin gehörte.

KriminalitätBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Einwohnerinnen und Einwohner im Land Berlin am 30. Juni 2017. In: statistik-berlin-brandenburg.de, S. 17, (PDF).
  2. Einwohnerinnen und Einwohner im Land Berlin am 30. Juni 2017. In: statistik-berlin-brandenburg.de, S. 13, (PDF).
  3. Einwohnerinnen und Einwohner im Land Berlin am 30. Juni 2017. In: statistik-berlin-brandenburg.de, S. 15, (PDF).
  4. Ralph Ghadban, Die Libanon-Flüchtlinge in Berlin, Berlin 2000, ISBN 3-86093-293-4, Nachdruck 2008, S. 76–78.
  5. a b Ralph Ghadban, Die Libanon-Flüchtlinge in Berlin, Berlin 2000, ISBN 3-86093-293-4, Nachdruck 2008, S. 69f., 86–95, 243.
  6. Carola Bluhm: Der schwierige Weg palästinensischer Flüchtlinge in die Berliner Gesellschaft. (Memento vom 26. August 2014 im Internet Archive). In: Berlin International. Der Newsletter des Integrationsbeauftragten, November 2010, Nr. 74, (PDF; 726 kB), S. 7–8.
  7. Thomas Heise, Claas Meyer-Heuer: Arabische Clans in Berlin. In: Spiegel TV, 11. Dezember 2016, Video, 53:20 Min.
  8. Thomas Heise, Claas Meyer-Heuer: Innenansichten einer arabischen Großfamilie. Die Familie Rammo ist eine der mächtigsten arabischen Großfamilien Berlins. (Memento des Originals vom 21. September 2018 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.spiegel.tv In: Spiegel TV, 17. September 2018, Video, 27:33 Min.
  9. Thomas Heise, Claas Meyer-Heuer: Die Immobiliengeschäfte arabischer Clans. In: Spiegel TV, 24. September 2018, Video, 27:34 Min.
  10. Nora Gantenbrink, Andreas Mönnich, Uli Rauss, Hannes Roß, Oliver Schröm, Walter Wüllenweber: Bushido und die Mafia. (Memento vom 26. Juni 2015 im Internet Archive). In: Stern / henri-nannen-preis.de, 10. Oktober 2013, Nr. 42, (PDF; 11 S., 1,5 MB); Artikelankündigung in stern.de.