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Seit 2006 ist das denkmalgeschützte Ensemble Altstadt Regensburg mit Stadtamhof zum UNESCO-Welterbe erhoben worden. Gewichtige Gründe dafür sind, dass Regensburgs Architektur die Rolle der Stadt als mittelalterliches Handelszentrum und dessen Einfluss auf den Raum nördlich der Alpen widerspiegelt. Weiterhin ist seine Altstadt ein außergewöhnliches Zeugnis kultureller Traditionen im Heiligen Römischen Reich. Denn im Hochmittelalter war Regensburg bevorzugter Tagungsort für Reichsversammlungen. Und die Reichsstadt leistete als Sitz des Immerwährenden Reichstags von 1663 bis 1806 zur jüngeren europäischen Geschichte ihren Beitrag. Die Altstadt von Regensburg ist somit ein herausragendes Beispiel für eine binneneuropäische mittelalterliche Handelsstadt, deren historische Entwicklungsstufen gut erhalten sind.[1]

Altstadt von Regensburg mit Stadtamhof
UNESCO-Welterbe-Emblem UNESCO-Welterbe

Stadtansicht Regensburg.JPG
Ansicht der Steinernen Brücke, des Brücktors und des Doms
Staatsgebiet: DeutschlandDeutschland Deutschland
Typ: Kultur
Kriterien: ii, iii, iv,
Referenz-Nr.: 1155
UNESCO-Region: Europa und Nordamerika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 2006  (Sitzung 30)

Inhaltsverzeichnis

Geschichte im ÜberblickBearbeiten

 
Porta Praetoria in Regensburg

Diese folgende Übersicht veranschaulicht die fast 2000 Jahre dauernde Geschichte der Stadt Regensburg. Sie zeigt die vielfältige Entwicklung seit den römischen Anfängen auf und verdeutlicht, wie es möglich wurde, dass aus dem Niedergang als Handels- und Bürgerstadt die Ursache der Ernennung zum UNESCO-Welterbe werden konnte. Denn die zeitweise Armut und relative Bedeutungslosigkeit der Stadt trug entscheidend zur Erhaltung des denkmalgeschützten Ensembles bei. Und das neue Bewusstsein für Denkmalschutz und Denkmalpflege bewahrte das Regensburger und Stadtamhofer Kulturerbe seit den 1960er Jahren vor verhängnisvollen negativen Eingriffen.

Vom römischen Legionslager zur bayerischen HauptstadtBearbeiten

 
Plan des Legionslagers, eingefügt in den Grundriss der Altstadt

Die Geschichte Regensburgs begann weit vor unserer Zeitrechnung. Seit der Ausdehnung des Römischen Reichs war die römische Gründung fast zwei Jahrtausende lang von prägender Bedeutung für den bayrischen Donauraum. Die Römer erkannten die topographische Besonderheit der Lage am nördlichen Donaubogen und bauten hier ein besonders gut befestigtes Legionslager. Im Straßengrundriss der Altstadt und in vielen Bauresten zeigt sich heute noch die Lage des Legionslagers.

  • Schon in der Steinzeit wurde der Regensburger Donaubogen besiedelt, denn in der Nähe des nördlichsten Donauteils münden die Flüsse Altmühl, Naab und Regen, die von Norden her einmünden. Als ältester Name einer vorgeschichtlichen Ansiedlung ist der keltische Name Radasbona überliefert.
  • Gegen 90 n. Chr.: Nach der Ausdehnung des römischen Reichs bis zur Donau Errichtung eines römischen Kohorten-Kastells im Bereich des heutigen Stadtteils Kumpfmühl.
  • 179 n. Chr.: Eigentliche Gründung der Stadt als römisches Legionslager Castra Regina (Lager am Regen) der III. Italischen Legion in der Regierungszeit des Kaisers Marc Aurel. Im Umfeld des Legionslagers bildeten sich Vorortsiedlungen und Landgüter. Überreste dieser römischen Zeit sind bis heute in der Altstadt zu finden und dort auch konserviert.
  • 6. Jahrhundert n. Chr.: Nach dem Ende der Römerherrschaft wurde Castra Regina als Reganespurc Herzogsresidenz der Agilolfinger und erste bayerische Hauptstadt. Die starken Mauerreste des Legionslagers boten sich als Festung für die neuen Stammesherzöge der Agilolfinger an.
  • 739 n. Chr.: Der hl. Bonifatius stiftete das Bistum Regensburg, Regensburg wurde Bischofssitz und zog Klöster und Stifte an, die sich hier niederließen.
  • 11. und 12. Jahrhundert: Dreimal sammelte sich ein Kreuzfahrerheer in Regensburg zum Zug ins Heilige Land.

Wirtschaftliche Blütezeit und Aufstieg zur ReichsstadtBearbeiten

 
Die Steinerne Brücke

Diese hochmittelalterliche Epoche der Stauferzeit brachte auch die Blütezeit der Stadt mit sich. Sie entwickelte sich damals zur einzigen „Großstadt“ im altbayerischen Raum.

  • 12. und 13. Jahrhundert: Dies war die wirtschaftliche Blütezeit wegen des florierenden Fernhandels bis nach Paris, Venedig und Kiew. Regensburg wurde zu einer der damals wohlhabendsten und einwohnerstärksten Städte. Die romanische und gotische Architektur des Mittelalters bestimmt bis heute das Gesicht der Altstadt. Einige Geschlechtertürme der reichen Patrizierfamilien sind bis heute in der Altstadt zu sehen.
  • 1135 – 1146: Der Bau der Steinernen Brücke war der Ausdruck der Bedeutung und des Reichtums der Bürgerschaft. Das „mittelalterliche Bauwunder“ wurde Vorbild für viele Brückenbauten, wie etwa für die Karlsbrücke in Prag.
  • 1180: Heinrich der Löwe wird von Kaiser Barbarossa auf einem Reichstag zu Regensburg als Herzog von Bayern abgesetzt. Die Wittelsbacher wurden in diesem Jahr die Herrscherfamilie Bayerns. Die Rivalität zwischen den Wittelsbachern und der Reichsstadt bestimmte danach jahrhundertelang die Geschichte Regensburgs. Stadtamhof nördlich der Brücke war eine Konkurrenzgründung der Wittelsbacher, die den strategisch so wichtigen Flussübergang kontrollieren wollten.
  • 1245 Kaiser Friedrich II. verlieh der Stadt das Recht der Selbstverwaltung durch das Privileg „einen Bürgermeister und Rat zu setzen“. Regensburg blieb Freie Reichsstadt bis 1803.

Reformation und Dreißigjähriger Krieg, Immerwährender ReichstagBearbeiten

 
Neupfarrplatz: Hier war das ehemalige Judenviertel. Vor der Neupfarrkirche ist das Denkmal für die Synagoge erkennbar
 
Sitz des Immerwährenden Reichstags im Alten Rathaus

Die weltwirtschaftliche und weltpolitische Situation änderte sich mit dem Anbruch der Neuzeit und dem Zeitalter der Erkundung der Welt gewaltig. Die Handelswege verlagerten sich, Regensburg kam dadurch ins Hintertreffen. Aber es behielt eine gewisse Zeit lang seinen Rang als ein wichtiges Zentrum im Hl. Römischen Reich Deutscher Nation.

Regensburg als bedeutungslose bayerische Provinzstadt bis 1945Bearbeiten

 
Regensburg im 19. Jahrhundert vor der Fertigstellung des Doms
 
Die Fürsten von Thurn und Taxis blieben im Schloss St. Emmeram

Diese Epoche bis zum Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg war entscheidend für den Erhalt der Baudenkmäler und des gesamten Altstadtensembles. In der Zeit wirtschaftlicher Bedeutungslosigkeit und im Krieg blieb die Stadt vor allzu großen Veränderungen oder gar Zerstörungen verschont.

  • 1809: Regensburg wurde von französischen Truppen unter Napoleon beschossen und erstürmt.
  • 1810: Napoleon zwang Kurerzkanzler Dalberg, das geistliche Fürstentum Regensburg an das neugebildete Königreich Bayern abzutreten. Regensburg wurde herabgestuft zur Provinzhauptstadt des neugebildeten bayerischen Regenkreises.
  • 1838: Regensburg wurde Hauptstadt des Kreises Oberpfalz und Regensburg, der im Wesentlichen den Abgrenzungen des heutigen Regierungsbezirks Oberpfalz entspricht.
  • 1859: Eröffnung der Bahnlinien nach München und Nürnberg.
  • 1910: Eröffnung des Luitpoldhafens (heute Westhafen).
  • 1943: Der große Luftangriff während des Zweiten Weltkriegs brachte 402 Todesopfer mit sich.
  • 1945: Die Sprengung der Donaubrücken durch die deutsche Wehrmacht verhinderte nicht die Besetzung der Stadt durch amerikanische Truppen.

Aufstieg zur modernen Groß- und UniversitätsstadtBearbeiten

 
Hochschulcampus außerhalb der Altstadt

Zwanzig Jahre nach Ende des Weltkriegs wurden die entscheidenden Weichen für die Erhaltung der Altstadt gestellt, die Sanierung wurde begonnen, eine Universität begründet und die Ansiedlung von Industrien außerhalb der Innenstadt forciert. Die Autobahnanbindung war auch sehr förderlich für die Entwicklung.

  • 1946: Regensburg wurde Großstadt, da es viele neue Bewohner aufnehmen musste.
  • 1960: Der Bau des Osthafens war ein wichtiger Faktor für die Wirtschaftsentwicklung. Viele neue Betriebe siedelten sich an.
  • 1965: Die Begründung der 4. Bayerischen Landesuniversität war die Initialzündung zur Bewahrung des Ensembles der Altstadt und der Instandsetzung der Baudenkmäler. Nun konnte man viele Studentenunterkünfte in der Altstadt einrichten.
  • 1978: Die Großschifffahrtsstraße Rhein-Main-Donau wurde im Abschnitt Regensburg-Kelheim eröffnet. Heute bringt sie viele Flusskreuzfahrt-Touristen in die Welterbe-Stadt.
  • 1992: Die Eröffnung des Universitätsklinikums für den ambulanten und stationären Betrieb brachte einen Entwicklungsschub für die Universität.
  • 2000: Die Weltausstellung „Expo 2000“ hatte dezentrale Projekte im Programm, unter anderem die Altstadtsanierung und Domsanierung.
  • 2006: Vom 11. bis 14. September besuchte Papst Benedikt XVI. Regensburg und lenkte die Aufmerksamkeit der Welt auf die Stadt.
  • 2006: Am 13. Juli wurde das Altstadtensemble von Regensburg UNESCO-Welterbe.

Rettung des Bauensembles Altstadt und StadtamhofBearbeiten

 
Regensburg um 1900

Wirtschaftliche Dynamik nach dem Zweiten WeltkriegBearbeiten

Trotz der unten skizzierten wirtschaftlichen Entwicklung und der kulturellen Aufwertung als Stadt der Wissenschaft blieb die Altstadt vor wesentlichen Eingriffen verschont. Das lag daran, dass man die Pläne für eine autogerechte Stadt im Altstadtbereich aufgab und dadurch Eingriffe in die Substanz des Ensembles vermied.

1965 wurde der Grundstein der Universität gelegt, 1992 das dazugehörige Klinikum eröffnet. Anfang der 1970er-Jahre kam die Fachhochschule hinzu. 1960 nahm der Osthafen seinen Betrieb auf, 1978 der Main-Donau-Kanal. Der Siemens-Konzern hat seinen Standort Regensburg permanent ausgebaut, unter anderem durch Errichtung einer Fabrik zur Chipherstellung (heute Infineon AG). 1986 nahm das BMW-Werk bei Harting die Produktion auf. Ab 1989 produzierte Toshiba in Regensburg Laptops und Notebooks, schloss aber 2009 seinen Regensburger Standort wieder. Dafür siedelte sich, u. a. auf dem ehemaligen Toshiba-Gelände, das Unternehmen Osram neu an, welches hier klassische und neuartige Lichtquellen produziert und erforscht.

Funktionierender DenkmalschutzBearbeiten

Der historische Stadtkern Regensburgs mit engen Gassen, zahlreichen Patrizierhäusern und Kapellen aus allen Kunstepochen des Mittelalters blieb weitgehend erhalten und wurde somit die größte mittelalterliche Altstadt Deutschlands. Außerdem besitzt sie die größte Anzahl an Geschlechtertürmen nördlich der Alpen, was ihr den Beinamen „Nördlichste Stadt Italiens“ eingetragen hat. Umsichtige und von der Bevölkerung mitgetragene Sanierungsmaßnahmen sicherten den Bestand von über 1000 geschützten Denkmälern bis heute.

2015 wurde Regensburg der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.[2]

Weltkulturerbe seit 2006Bearbeiten

 
Regensburg im 16. Jahrhundert
 
Regensburger Altstadt von oben

Am 13. Juli 2006 nahm die UNESCO das Ensemble „Altstadt Regensburg mit Stadtamhof“ als Welterbestätte in die Welterbeliste auf. Das gesamte Ensemble „Altstadt Regensburg mit Stadtamhof“ entspricht der Ausdehnung Regensburgs nach der letzten mittelalterlichen Stadterweiterung um 1320.[3] Eingetragen sind die Einzelbaudenkmäler, angrenzende Ensembles sowie die Pufferzone. Die Pufferzone umfasst jenen Bereich, der optisch im Blickfeld des Betrachters der zur Nominierung vorgesehenen Zone liegt. Die Grenzen der Pufferzone sind durch die Höhen des Donautales im Norden und Süden der Stadt natürlich definiert, ansonsten durch den Verlauf von Eisenbahn und Hauptstraßen. Damit besitzt die Pufferzone eine eindeutige und einprägsame Ausdehnung.

2006 nahm das Welterbekomitee die „Altstadt von Regensburg mit Stadtamhof“ auf Grundlage der Kriterien (ii), (iii) und (iv) in die Liste der Welterbestätten auf.

  • Kriterium (ii): Regensburgs Architektur spiegelt die Rolle der Stadt als mittelalterliches Handelszentrum und seinen Einfluss auf den Raum nördlich der Alpen wider.

Regensburg war ein wichtiger Umschlagplatz auf den kontinentalen Handelsrouten nach Italien, Böhmen, Russland und Byzanz. Zudem hatte die Stadt vielfältige Verbindungen zu den interkontinentalen Seidenstraßen. Dies ermöglichte einen wichtigen Austausch kultureller und architektonischer Einflüsse, die das Stadtbild bis heute prägen.

  • Kriterium (iii): Die Regensburger Altstadt stellt ein außergewöhnliches Zeugnis kultureller Traditionen im Heiligen Römischen Reich dar.

Im Hochmittelalter war Regensburg bevorzugter Tagungsort für Reichsversammlungen, aber auch zur jüngeren europäischen Geschichte leistete die Stadt als Sitz des Immerwährenden Reichstags von 1663 bis 1806 ihren Beitrag. Die Überreste zweier Kaiserpfalzen aus dem 9. Jahrhundert sowie die zahlreichen gut erhaltenen historischen Gebäude legen Zeugnis ab vom einstigen Reichtum und der politischen Bedeutung der Stadt.

  • Kriterium (iv) Die Altstadt von Regensburg ist ein herausragendes Beispiel für eine binneneuropäische mittelalterliche Handelsstadt, deren historische Entwicklungsstufen gut erhalten sind. Vor allem die Entwicklung des Handels vom 11. bis zum 14. Jahrhundert wird dadurch außergewöhnlich gut veranschaulicht.

WeltkulturerbezentrumBearbeiten

 
Salzstadel und Steinerne Brücke

Nachdem am 13. Juli 2006 die Regensburger Altstadt mitsamt Stadtamthof von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt wurde, richtete die Stadt 2007 ein Weltkulturerbezentrum ein, das im historischen Salzstadel beim Eingangsturm der Steinernen Brücke untergebracht ist. Dort werden an zentraler Stelle detaillierte Informationen zur Stadtgeschichte gegeben (~ 2000 Jahre) und aktuelle Ausstellungen durchgeführt.

LiteraturBearbeiten

  • Karl Bauer: Regensburg. Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte. 6. Auflage. MZ-Buchverlag, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4.
  • Peter Schmid (Hrsg.): Geschichte der Stadt Regensburg. 2 Bände. Pustet, Regensburg 2000, ISBN 3-7917-1682-4.
  • Wolfgang Schöller: Stadtplanung und Denkmalpflege in Regensburg 1950–1975 (Regensburger Studien, Bd. 15, hrsg. vom Archiv der Stadt Regensburg), Regensburg 2010, ISBN 978-3-935052-84-9.
  • Eugen Trapp: Welterbe Regensburg. Ein kunst- und kulturgeschichtlicher Führer zur Altstadt Regensburg mit Stadtamhof. 2., aktualisierte Auflage. Schnell & Steiner, Regensburg 2012, ISBN 978-3-7954-2064-2.
  • Siegfried Wittmer: Jüdisches Leben in Regensburg. Vom frühen Mittelalter bis 1519. Universitätsverlag, Regensburg 2001, ISBN 3-930480-54-9.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Baudenkmäler in Regensburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Darstellung Regensburgs auf der deutschen UNESCO-Welterbe-Website, abgerufen am 15. Juni 2018.
  2. Zur Bedeutung Regensburgs in der Reformationsgeschichte siehe Reformationsstadt Regensburg. Eine Stadt mit Ausstrahlung – Reformation im Donauraum. In: reformation-cities.org/cities, abgerufen am 16. Februar 2018.
  3. Erläuterung des Welterbes auf der Website der Stadt Regensburg, abgerufen am 15. Juni 2018.

Koordinaten: 49° 1′ 10,4″ N, 12° 5′ 54,2″ O