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Schloss St. Emmeram

Schloss in Deutschland
Übersichtsplan, Gesamtanlage (nach 2006)
Schloss Thurn und Taxis
Gruftkapelle im Kloster St. Emmeram
Kloster-Kreuzgang
Innenhof mit Kurfürstenbrunnen

Das Schloss St. Emmeram oder Schloss Thurn und Taxis ist ein Schloss des Fürstenhauses Thurn und Taxis in Regensburg, das nach Um- und Neubauten Ende des 19. Jahrhunderts aus den Gebäuden des Klosters St. Emmeram entstanden ist, nachdem das Kloster 1810 dem Fürstenhaus übereignet worden war.

GeschichteBearbeiten

Kloster St. Emmeram wird zum Schloss EmmeramBearbeiten

Als Entschädigung für die Abtretung der Postrechte wurden dem Fürstenhaus Thurn und Taxis 1810/1812 vom Königreich Bayern im Zuge der Säkularisierung die umfangreichen Gebäude (dreiflügeliger Konventbau mit Kreuzgang, Refektorium, Klosterküche mit Treppenhaus, Löwensaal, Kapitelsaal, Bibliothekssaal) auf dem Klostergelände des aus dem 8. Jahrhundert stammenden Klosters Sankt Emmeram übereignet. Die an den Westflügel des Kreuzganges anschließende Gruftkapelle der Fürsten von Thurn und Taxis wurde 1836/41 unter Karl Alexander von Thurn und Taxis nach Plänen des fürstlichen Baurates Carl Victor Keim im Stil der Neugotik errichtet und ragt in den Garten des Kreuzganges hinein. Der Bau wurde vom königlichen Baumeister Friedrich von Gärtner begutachtet und gelobt. Die Gruftkapelle dient als fürstliches Mausoleum, in dem bis heute Fürst und Fürstin und unverheiratete Kinder des Hauses Thurn und Taxis beigesetzt werden.

 
Marstall (Hintergrund) mit Gastronomie (Vordergrund)
 
Marstall, Eingangstür mit Relief

Bau des klassizistischen MarstallesBearbeiten

Ein Marstall war nicht nur zur Unterbringung von Pferden und Kutschen gedacht, sondern diente auch der Ausbildung von Reitern und Pferden und wurde als Schauplatz für Aufführungen und Wettkämpfe genutzt. Ein Marstall war also ein Ort höfischen Vergnügens und war damit eine wichtige Einrichtung eines Fürstenhauses. Unter Fürst Maximilian Karl wurde 1827 nach Plänen des königlich bayerischen Hofbaurates Jean Baptiste Métivier auf dem westlichen Schlossgelände des früheren Abteigartens mit dem Bau eines Marstalles und einer Reitschule mit Reithalle begonnen. Die neuen Marstall-Gebäude hatten sowohl Zugang zum östlichen Schlossgelände als auch zu der westlich verlaufenden Gasse.[Anm. 1] Die Marstall-Baumaßnahme beschäftigte 200 Arbeiter und viele Handlanger und war damals die einzige größere Baumaßnahme in Regensburg, die der verarmten Bevölkerung eine Arbeitsmöglichkeit bot. Erstellt wurde eine symmetrische dreiflügelige Anlage mit der Reithalle im Mittelteil und Stallungen und Stallapotheke für kranke Pferde in den Seitenflügeln. Die breit gelagerte Anlage umschloss nach Osten einen Ehrenhof. Die Gesamtkosten der Anlage beliefen sich auf 250.000 Gulden.

Künstlerisch gestaltet wurde die Reithalle im Inneren mit 16 Gipsreliefs des königlichen Bildhauers Ludwig Schwanthaler. Auf den Reliefs sind reitende und pferdebändigende Heroen der griechischen Sagenwelt (Hektor, Achilles, Ares, Herakles) mit Pferden und Wagenzügen dargestellt. Auch außen über dem Hauptportal des Reithauses findet sich ein großes Steinrelief, das eine Victoria darstellt, die siegreiche Pferde bekränzt. Die Gesamtanlage wurde am 13. Mai 1832 im Rahmen einer großen Festveranstaltung mit Musik der Hofkapelle eingeweiht. Heute gelten die komplett erhaltenen Reliefs von Schwanthaler als die besten Zeugnisse seines Schaffens, da seine Münchener Arbeiten im 2. Weltkrieg nahezu komplett zerstört wurden.[1][2]

Umbau des Schlosses Ende des 19. JahrhundertsBearbeiten

Zum Residenzschloss im heutigen Zustand wurde das Schloss erst 1883/88 unter Fürst Maximilian Maria von Thurn und Taxis vom fürstlichen Baumeister Max Schultze um- und ausgebaut. Das größte Teilprojekt der Baumaßnahme war der Abriss des alten, maroden Südflügels mit den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden des Klosters und der komplette Neubau des imposanten, 150 m langen Südflügels im Stil der Neorenaissance mit Front zur von Karl Anselm von Thurn und Taxis angelegten Fürst-Anselm-Allee. Die Arbeiten begannen im Westen beim Emmeramer Tor und waren noch nicht abgeschlossen, als Fürst Maximilian Maria, der den Bau ganz wesentlich mit geplant hatte, 1885 im Alter von 23 Jahren starb. Unter seinem Bruder Fürst Albert von Thurn und Taxis wurde der Bau 1888 abgeschlossen, nachdem auch die Fassaden von Ostflügel zum Park hin angepasst und die Fassaden zum Schlosshof hin neu gestaltet worden waren. Der Ausbau der Inneneinrichtung und die Erneuerung der Prunkräume im Ostflügel beanspruchte noch mehrere Jahre. Die gesamte Baukosten betrugen 2.100.500 Mark, ohne die hauseigene Elektroinstallation, die von einer dampfgetriebenen Dynamomaschine der Nürnberger Firma Schuckert & Co. gespeist wurde. Die zahlreichen Bauaufträge waren für Handwerk und Kunstgewerbe in Regensburg eine beträchtliche Unterstützung.[2]

Erweiterungsbauten im 20. JahrhundertBearbeiten

Zu weiteren das Schloss und seine Bewohner betreffenden Baumaßnahmen kam es nach 1904 südwestlich außerhalb des alten Schlossgeländes, als dort der alte Bauhof des Klosters abgerissen wurde und an seiner Stelle das Hofmarschallamt errichtet wurde, das mit dem damals ebenfalls neu gebauten Helenentor an das Emmeramer Tor auf dem Schlossgelände angeschlossen wurde. Das Hofmarschallamt wurde nach Norden hin durch einen modern zweiten Marstall ergänzt, eine großzügige, an den Innenwänden gekachelte Remise für Kutschen und die damals neu aufkommenden Automobile. Die Remise umschloss einen großen Innenhof, der über eine mit Uhrenturm gekrönte Toranlage von der Waffnergasse aus zugänglich war. Kutschen und Automobile mussten von hier aus einen einfachen Zugang zum damals neu entstehenden Regensburger Straßennetz haben. Deshalb wurde auf Kosten des Hauses Thurn und Taxis zusätzlich zum Helenentor auch die baumbestandene Helenenstraße gebaut und an die damals ebenfalls neu entstandene Schottenstraße als die neue südliche Erschließungsstraße von Regensburg angebunden.[3]

2005 wurde der Innenhof überdacht, die ehemalige Remise des Schlosses zu einer Gasthausbrauerei mit Blick auf die Fürstenallee ausgebaut.

Während des Zweiten Weltkriegs hatte die ‚Wehrmacht-Kommandantur Regensburg‘ im Schloss ihren Sitz.[4]

Teile des Schlosses werden bis heute von Angehörigen der Familie von Thurn und Taxis bewohnt.

MuseumBearbeiten

Besichtigt werden können die Prunkräume des Schlosses mit Wandteppichen der Brüsseler Zeit und Inneneinrichtung aus dem Palais Thurn und Taxis in Frankfurt am Main. Erhalten geblieben ist ein Teil des Kreuzganges und angrenzende Gebäude aus dem ältesten Teil des Klosters. Anders als die zu Prunkräumen umgebauten Klosterräume wurde der Kreuzgang nicht verändert. Als Teil des Museums kann er im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Im Marstall sind das Marstallmuseum mit historischen Kutschen und die Fürstliche Schatzkammer Thurn und Taxis, ein Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums, zu sehen. Das Gebäude wurde 1829 nach Plänen von Jean Baptiste Métivier errichtet.

Schlosspark, Entstehung und VeranstaltungsortBearbeiten

Der Schlosspark ist erst ab Ende des 18. und im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden. Der englische Landschaftsgarten mit Einfriedung wurde unter Einbeziehung von Resten der Emmeramer Bastei und der Stadtmauer ab 1872 durch Carl Joseph von Effner gestaltet. Das gesamte Gelände, das als Emmeramer Breiten bezeichnet wurde, lag unmittelbar vor der Stadtmauer, die die Gebäude des Schlosses und des Klosters mit der Emmeramer Bastei einschloss[Anm. 2] und dann dem Verlauf des Petersweges folgte. Vor der Stadtmauer auf dem Gelände des heutigen Schlossparks lagen auch Abschnitte der Befestigungs-Vorwerke, die unter Fürst Karl Anselm von Thurn und Taxis abgeräumt und mit Bäumen bepflanzt wurden. Später unter Fürstbischof Karl Theodor von Dalberg wurde das Gelände an Fürst Karl Alexander von Thurn und Taxis verkauft. Dessen Ehefrau Therese zu Mecklenburg ließ im Ostabschnitt das Gartenschlösschen Theresens Ruh errichten, dessen Ruine 1945 entfernt wurde.

Heute ist der Schlosspark nicht frei zugänglich, jedoch finden im Schlosspark und im Innenhof des Schlosses jährliche Veranstaltungen statt, darunter eine Gartenschau im Juni, die Thurn-und-Taxis-Schlossfestspiele im Juli und seit 2001 der Weihnachtsmarkt auf Schloss Thurn und Taxis.

LiteraturBearbeiten

  • Martin Dallmeier (Hrsg.): „Dieser glänzende deutsche Hof …“ 250 Jahre Thurn und Taxis in Regensburg (= Katalog der gleichnamigen Ausstellung im Schloss St. Emmeram vom 17. Juli bis 20. September 1998). Fürst Thurn und Taxis Zentralarchiv u. a., Regensburg 1998, ISBN 978-3980629614.
  • Gloria von Thurn und Taxis, Peter Styra: Fürst Thurn und Taxis Museen Regensburg. Fürstliches Schloss, Kreuzgang von St. Emmeram, Marstall, Fürstliche Schatzkammer. Fürst Thurn und Taxis Zentralarchiv, Regensburg 2017, ISBN 978-3-9806296-4-5.

WeblinksBearbeiten

  Commons: St. Emmeram's Abbey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Commons: St. Emmeram's Palace – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Janina Pentlehner: Ludwig von Schwanthalers Reliefs am Marstall des fürstlichen Schlosses St. Emmeram in Regensburg (1829-1831). In: Hans Christoph Dittscheid, Peter Styra, Bernhard Lübbers (Hrsg.): Kataloge und Schriften der Staatlichen Bibliothek Regensburg. Universitätsverlag Regensburg, Regensburg 2010, ISBN 978-3-86845-050-7, S. 123–154.
  2. a b Karl Bauer: Regensburg Kunst- Kultur- und Alltagsgeschichte. 6. Auflage. MZ-Buchverlag in H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 325, 336–340.
  3. Karl Bauer: Regensburg. Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte. 6. erweiterte Auflage. MZ-Verlag, Regensburg 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 591–594.
  4. Peter Eiser, Günter Schießl: Kriegsende in Regensburg: Revision einer Legende. Regensburg 2012, S. 40.

AnmerkungenBearbeiten

  1. Die Gasse trug bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die BezeichnungSauwinkel, weil ehemals dort die Schweineställe des Klosters lagen. Danach bezeichnete man den Ort der Lage nach als Hinter St. Emmeram, wo bis 1904 auch der alte Bauhof des Klosters stand. Seit dem Abriss des Bauhofs und den folgenden Neubauten heißt die Gasse Waffnergasse.
  2. Der ummauerte Hügel der Emmeramer Bastei ist noch heute im westlichen Parkabschnitt erkennbar.

Koordinaten: 49° 0′ 53″ N, 12° 5′ 34″ O