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Grube Messel

archäologische Stätte in Deutschland

Die Grube Messel in Messel, südöstlich des gleichnamigen Ortsteils Grube Messel, im Landkreis Darmstadt-Dieburg in Hessen ist ein stillgelegter Ölschiefer-Tagebau. Wegen der hervorragenden Qualität der dort geborgenen Fossilien aus dem Eozän wurde sie 1995 zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt. Bislang wurden dort Vertreter aller Wirbeltiergroßgruppen sowie Insekten und Pflanzen gefunden. Die bekanntesten Vertreter der Messel-Fauna sind wohl die beiden frühen Pferdeartigen Propalaeotherium und Eurohippus, von denen bislang über 70 Individuen ausgegraben wurden. Weitere bedeutende Funde sind der Kranichvogel Messelornis cristata und Darwinius masillae („Ida“), ein früher Primat.

Grube Messel
UNESCO-Welterbe-Emblem UNESCO-Welterbe

Grube Messel im März 2016, Blick von Westen
Grube Messel im März 2016, Blick von Westen
Staatsgebiet: DeutschlandDeutschland Deutschland
Typ: Natur
Kriterien: (viii)
Referenz-Nr.: 720bis
UNESCO-Region: Europa und Nordamerika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 1995  (Sitzung 19)
Karte der Grube Messel[1]

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Von den Anfängen bis 1970Bearbeiten

 
Kux-Schein der Gewerkschaft Messel vom 31. Juli 1894
 
Ölverladeanlage des Paraffin- und Mineralölwerks Messel (1930er Jahre)
 
Zug der Abraumbahn der Grube Messel auf der Abraumhalde vor dem Abkippen (vor 1950)

Die Bergbaugeschichte der Grube Messel beginnt 1859 mit der Errichtung einer Raseneisenerzgrube. Beim Abbau des Erzes stieß man auf die braunkohleartigen Verlandungshorizonte des Messeler Sees, die anfangs ebenfalls noch abgebaut wurden. Schließlich stieß man bis zum Ölschiefer vor, auf dessen Gewinnung sich der Abbaubetrieb bis zur Schließung der Grube im Jahre 1971 konzentrierte.

Der Ölschiefer wurde ab den 1880er Jahren von der eigens dazu gegründeten Gewerkschaft Messel abgebaut und in unmittelbarer Nachbarschaft zur Grube zur Gewinnung von Erdölprodukten verschwelt. Für die Beförderung der Bergbauprodukte aus der Grube und der Abfallprodukte aus der Verschwelung auf die Halden bestanden verschiedene Bahnsysteme (siehe →Grubenbahnen Messel).

Bereits im Jahre 1876 wurde während der ersten Versuche des Abbaus von Ölschiefer ein Alligatorenskelett gefunden („Crocodilus ebertsi“) und 1898 veröffentlichte Ernst Wittich in seiner Dissertation in Gießen eine erste umfassendere wissenschaftliche Abhandlung über die Grube Messel.[2] 1912 erhielt das seinerzeit Großherzogliche Landesmuseum Darmstadt die Rechte an Fossilfunden aus dem Messeler Ölschiefer.[3]

Die Gewerkschaft Messel ging 1923 in den Besitz der Stinnes-Riebeck'schen Montan- und Ölwerke AG (ab 1925 Teil der I.G. Farben) über. 1945 wurde das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Werk von der US-amerikanischen Militärverwaltung beschlagnahmt und dem I.G. Farben-Central-Office in Frankfurt am Main unterstellt,[3] das mit der Abwicklung der I.G. Farben betraut war. Neun Jahre später, 1954, erfolgte die Gründung der Paraffin- und Mineralölwerk Messel GmbH, die vom Land Hessen die Schürfrechte an der Grube erhielt. 1959 wurde die GmbH vom schwedischen Ytong-Konzern übernommen, der dort die Schwelabfälle des Ölschiefers zu Gasbetonsteinen verarbeitete. 1962 wurde die zunehmend unrentabel gewordene Mineralölgewinnung eingestellt und Ölschiefer wurde von dort an nur noch in relativ geringen Mengen abgebaut.

1970–1990: Mülldeponie oder GrabungsstätteBearbeiten

Noch vor dem endgültigen Ende des industriellen Ölschieferabbaus fiel die Wahl bei der Suche nach einem geeigneten Standort für eine zentrale Mülldeponie für Südhessen auf die Grube Messel. Grund dafür war zum einen ihre Größe und zum anderen ihre zentrale Lage im Rhein-Main-Gebiet. Dass die Errichtung einer solchen Deponie zwangsläufig auch zum Ende der Fossilgrabungen geführt hätte, spielte in diesen Überlegungen keine größere Rolle, zumal auch Wissenschaftler seinerzeit dem Messeler Ölschiefer in dieser Hinsicht keinen außergewöhnlich hohen Wert beimaßen.[4] Erst nach Ende des industriellen Ölschieferabbaus 1971 machten private Fossiliensammler aufsehenerregende Funde und das unterschätzte Potenzial der Grube wurde zunehmend deutlich.

1974 wurde der Zweckverband Abfallbeseitigung Grube Messel (ZAGM) gegründet. Im gleichen Jahr wurde die Grube für die Öffentlichkeit gesperrt. 1975 erhielt das Forschungsinstitut Senckenberg auf eigenes Drängen hin Grabungsbeteiligung in der Grube, woraufhin seither regelmäßig Grabungen durchgeführt werden. 1976 veröffentlichte der Senckenberg-Paläontologe Jens Franzen einen Aufsatz, in dem er den Messel-Fossilien eine herausragende Bedeutung bescheinigt.[5] 1977 beantragte der ZAGM die Planfeststellung beim Hessischen Oberbergamt bezüglich der Großdeponie. Aufgrund des mittlerweile offensichtlichen hohen wissenschaftlichen Wertes der Grube erhoben die Senckenberger Forscher 1979 Einspruch beim Oberbergamt gegen den Planfeststellungsantrag, ließen sich aber vom damaligen hessischen Ministerpräsident Holger Börner durch die Garantie beschwichtigen, dass der besonders fossilträchtige Westhang der Grube für weitere 20 Jahre für Grabungen offen bleiben würde.[4][6] Nachdem das Oberbergamt 1981 per Planfeststellungsbeschluss die Errichtung und den Betrieb der Deponie genehmigt hatte, begannen im Jahr darauf die Bauarbeiten.

1984, nach Antritt einer von den Grünen tolerierten SPD-Minderheitsregierung – alle vorherigen Beschlüsse zur Deponie Grube Messel waren von einer sozialliberalen Koalition getroffen worden – verordnete der neue Umweltminister Armin Clauss auf Druck der Grünen einen Baustopp in Messel.[4] Der Betreiber, mittlerweile in Zweckverband Abfallbeseitigung Südhessen (ZAS) umbenannt, klagte dagegen jedoch vor dem hessischen Verwaltungsgerichtshof und bekam Recht, woraufhin die Bauarbeiten wieder aufgenommen wurden.

Zwei Jahre nach der Landtagswahl 1983 traten die Grünen 1985 offiziell in die hessische Landesregierung ein. Angesichts der Rechtslage beantragte die Rot-Grüne Regierung beim Oberbergamt im Jahr darauf den Planfeststellungsbeschluss wenigstens hinsichtlich der Inbetriebnahme der Deponie auszusetzen.[4] Nachdem im Frühjahr 1987 eine CDU-geführte Regierung die Amtsgeschäfte in Hessen übernahm, wurde dieser Antrag jedoch wieder zurückgezogen, woraufhin die Messeler Bürgerinitiative zur Verhinderung der Mülldeponie, die sich bereits in den 1970er Jahren formiert und bereits erfolglos mehrere Klagen gegen die Grube angestrengt hatte, ihrerseits per Eilantrag gegen die Inbetriebnahme vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel klagte und im Dezember 1987 aufgrund von Formfehlern im Planfeststellungsverfahren und neuer Gutachten zur Sicherheit der Deponie Recht bekam, was im November 1988 im Hauptverfahren bestätigt wurde.[7] Obwohl eine Revision dieses Verfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht zugelassen wurde, gaben das Hessische Umweltministerium und der ZAS ihre Pläne hinsichtlich der Mülldeponie Grube Messel endgültig auf, unter anderem weil Nachbesserungen bei der Deponieplanung Kosten von ca. 300 Millionen Mark verursacht hätten.[8] Bis dahin hatte das Projekt bereits 65 Millionen Mark verschlungen.

Ab 1990: Erklärung zum UNESCO-WeltnaturerbeBearbeiten

 
Sonderbriefmarke „Weltnaturerbe der UNESCO: Grube Messel“, 1998

Nachdem die Grube 1991 vom Land Hessen für 32,6 Millionen Mark[8] gekauft worden war, übertrug es den Betrieb der Grube der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, die seither dort, offiziell unter bergrechtlichen Bedingungen, zu wissenschaftlichen Zwecken Ölschiefer abbaut.

Mittlerweile war die Grube Messel aufgrund zahlreicher Funde von einzigartiger Qualität zu einer Fossillagerstätte von Weltrang aufgestiegen, weshalb das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst 1994 bei der UNESCO die Aufnahme der Grube Messel in die Liste des Welterbes beantragte. Am 8. Dezember 1995 wurde sie unter dem Eintrag Messel Pit Fossil Site zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt.

 
† Palaeopython fischeri, ein Vertreter der „Riesenschlangen“.

Zu Ehren von Joschka Fischer, der sich als hessischer Umweltminister gegen eine Nutzung der Grube als Mülldeponie engagiert und 1991 den Vertrag zum Ankauf der Grube durch das Land Hessen unterzeichnet hatte, wurde im Jahr 2004 ein fossiler Python aus dem Ölschiefer Palaeopython fischeri benannt.[9]

1997 wurde eine Aussichtsplattform am Südrand der Grube errichtet und der Führungsbetrieb für Besucher aufgenommen,[3] erst dreizehn Jahre später eröffnete das Besucherzentrum. Am 9. Dezember 2010 wurden jene 55 Einwohner der Gemeinde Messel geehrt, die gegen die Errichtung der Mülldeponie geklagt hatten. Anlässlich des Festaktes zum 15. Jahrestag der Aufnahme in das Weltnaturerbe wurden diese Personen „für ihr verdienstvolles Bürgerengagement“ mit Ehrenkarten ausgezeichnet, die ihnen lebenslang kostenlosen Zugang zum Besucherzentrum gewähren.[10]

GeologieBearbeiten

 
Syenitsteinbruch auf dem Mainzer Berg südlich der Grube Messel. Das hier abgebaute Gestein gehört zum kristallinen Grundgebirge des Sprendlinger Horstes.
 
Schematischer Querschnitt durch die Grube Messel zum Zeitpunkt der Ablagerung der Messel-Formation (Lutetium). Die Abbildung zeigt den See in seiner Spätphase, mit bereits relativ geringer Wassertiefe.
 
Rotliegend-Sande (Unterperm) in der Westböschung der Grube Messel. Die normalerweise rot gefärbten Sedimente sind hier aufgrund der reduzierenden Bedingungen, die vom Messeler Ölschiefer ausgehen, gebleicht.

Geologischer RahmenBearbeiten

Die Grube Messel liegt auf der nördlichen Verlängerung der Odenwald-Scholle, dem sogenannten Sprendlinger Horst. Odenwald und Sprendlinger Horst zusammen bilden wiederum den nördlichen Teil der östlichen Grabenschulter des Oberrheingrabens. Während im Kristallinen Odenwald das variszische Grundgebirge zutage tritt, das hier der Mitteldeutschen Kristallinschwelle zugerechnet wird, ist es auf dem Sprendlinger Horst überwiegend von Ablagerungen des Rotliegend (Unter-Perm) überdeckt. Die Sedimente der Grube Messel (Messel-Formation) bilden ein isoliertes Eozän-Vorkommen inmitten dieser Rotliegendsedimente.[11]

Entstehungsgeschichte der Grube MesselBearbeiten

FrühphaseBearbeiten

Die Gesteine, auf denen die Sedimente der Messeler Eozäns ruhen, entstanden bereits im Erdaltertum, vor über 300 Millionen Jahren. Hierbei handelt es sich zum Teil um granitoide Plutone, die in der Spätphase der Variszischen Gebirgsbildung im Oberkarbon entstanden sind, und zum Teil um noch ältere, meist ursprünglich magmatische Gesteine, die während der Gebirgsbildung tief in die Erdkruste versenkt wurden und dort infolge des hohen Druckes und der hohen Temperatur umgewandelt wurden (z. B. Amphibolit).

Infolge der Abtragung des variszischen Hochgebirges lagerte sich am Ende des Karbons und im Verlauf des Perms in Becken im Inneren des Gebirges und im Gebirgsvorland Sedimentschichten aus Abtragungsschutt, sogenannte Molasse, ab. Diese Varisziden-Molasse wird heute in Mitteleuropa allgemein unter dem Begriff Rotliegend zusammengefasst. Im Raum Messel handelt es sich um die sogenannten Moret-Schichten des Oberrotliegend.[12]

Im Erdmittelalter wurde die Rotliegend-Molasse von weiteren Sedimenten überlagert, unter anderem den Sand- und Tonsteinen des Buntsandsteins (Untertrias), die sich heute südöstlich und östlich des Darmstädter Raumes, im Sandstein-Odenwald und im Sandstein-Spessart finden.

Entstehung des ÖlschiefersBearbeiten

Die Geschichte des Messeler Ölschiefers beginnt vor etwa 48 Millionen Jahren im Eozän. Europa befand sich infolge der Plattentektonik in etwas geringerer Entfernung zum Äquator und die durchschnittliche globale Temperatur war deutlich höher als heute. Die Bildung der Alpen löste in und unterhalb der Kruste Mitteleuropas geodynamische Vorgänge aus, die unter anderem zum Einsinken des Oberrheingrabens und der Heraushebung der Schwarzwald-Odenwald-Scholle, einschließlich des Sprendlinger Horstes, führte. Infolge der Abtragung der obersten Bereiche der herausgehobenen Schollen wurde im Schwarzwald und im westlichen Odenwald das variszische Grundgebirge freigelegt. Im weniger stark angehobenen Sprendlinger Horst erfolgte Erosion nur bis zum Rotliegend. Verbunden mit den tektonischen Bewegungen war die Entstehung vulkanischer Herde.

Eine Forschungsbohrung, die im Herbst 2001 niedergebracht worden ist, ergab, dass sich auch im Raum Messel ein solcher Vulkanherd befand. Von dort aus stieg basaltisches Magma in Richtung der Erdoberfläche auf und traf dabei auf Grundwasser, wodurch eine gewaltige Dampfexplosion ausgelöst wurde. Diese Explosion erfolgte weniger als 100 Meter unter der damaligen Erdoberfläche und sprengte nicht nur einen tiefen Krater in die Landschaft, sondern zerrüttete auch das umliegende Gestein. Dadurch konnte Wasser in Richtung des Vulkanherdes vordringen und die nächste Dampfexplosion erfolgte dann in entsprechend größerer Tiefe. Durch mehrfache Wiederholung dieses Vorgangs entstand ein insgesamt mehr als 700 Meter tiefer Explosionstrichter im Grundgebirge. Laut einer Ende 2014 publizierten Studie ereigneten sich diese Explosionen vor 48,49 bis 47,89 Millionen Jahren.[13] Während der untere Teil des Trichters Gesteinstrümmer (Brekzien) und Tuff enthält, füllten sich die obersten 200–300 Meter nach Abklingen des Vulkanismus mit Wasser und es bildete sich ein Maarsee.[11] In diesem See lagerten sich anschließend verschiedene Sedimente ab, hauptsächlich der bituminöse Tonstein, der heute unter dem Namen „Messeler Ölschiefer“ bekannt ist.

Das allgemein warme Klima und die geringen jahreszeitlichen Temperaturschwankungen verhinderten zusammen mit der im Verhältnis zur Oberfläche sehr großen Tiefe des Sees einen Wasseraustausch durch Konvektion. Dies führt in den tieferen Wasserschichten unweigerlich zu Sauerstoffmangel sowie einem hohen Schwefelanteil. Durch diese euxinischen Bedingungen in den Tiefen des Maars bildete sich ein Faulschlamm, der toten Tieren und Pflanzen, die den Seeboden erreichten, beste Voraussetzungen für ihre fossile Erhaltung bot. Im Laufe der folgenden Jahrmillionen verdichtete sich dieser Schlamm zu einem Schwarztonstein (auch Schwarzpelit), dem Ölschiefer. Die Ölschiefer-Ablagerungen besitzen eine Mächtigkeit von bis zu 150 Metern, was auf einen Ablagerungszeitraum von rund 1,5 Millionen Jahren schließen lässt.

Petrographie des ÖlschiefersBearbeiten

 
Im Rahmen der Fossilgrabungen frisch angeschnittener Ölschiefer (Bildmittelgrund).
 
Nahaufnahme eines Ölschiefer-Handstücks mit sideritreichen Laminae (orange).

Die eher bergmännische Bezeichnung Ölschiefer ist, petrologisch betrachtet, in doppelter Hinsicht unzutreffend. Erstens ist es kein Schiefer, da es sich nicht um ein Gestein handelt, dessen „schiefriges“ Gefüge tektonische Ursachen hat, und zweitens enthält das Gestein kein Erdöl, sondern feste, kohlenstoffreiche Verbindungen, sogenannte Kerogene. Bei diesem Material handelt es sich um Vorstufen von Erdöl, aus denen erst durch ein technisches Verfahren, die sogenannte Verschwelung, Rohöl gewonnen werden kann. Die korrekte petrographische Bezeichnung ist daher Schwarzpelit oder Schwarztonstein. Auffällig am Ölschiefer ist seine feine Lamination, d. h., eine Wechselschichtung im Millimeterbereich.

Der Messeler Ölschiefer besteht überwiegend aus Smektiten. Dies sind Tonminerale, die der chemischen Verwitterung basischer Vulkangesteine entstammen. Sie bildeten sich zum Teil bereits vor Einspülung in den See, zum Teil aber auch erst nach Ablagerung der Ausgangsminerale (Olivin, Pyroxene, Hornblende). Der Eintrag erfolgte vermutlich überwiegend durch ablaufendes Regenwasser, das Smektite und deren Ausgangsminerale von den Hängen des Tuffwalls, der den See umgab, auswusch und in den See schwemmte. Möglicherweise gelangten die Ausgangsstoffe aber zumindest teilweise auch in Form von Ascheregen, der den Ausbrüchen nahe gelegener Vulkane entstammte, in den See. Weitere mineralische Bestandteile sind Siderit, Pyrit (mitverantwortlich für die dunkle Farbe des Gesteins), Quarz/Opal und Zeolith.[12] Der hohe Sideritanteil, der auf weniger als 1 Millimeter mächtige, gelblich-graue oder orangefarbene Lagen (Laminae) konzentriert ist, stellt eine Besonderheit des Messeler Ölschiefers dar. Die sideritischen Lagen gehen vermutlich auf die Tätigkeit siderophiler Einzeller („Algen“) zurück, die sich bei einem erhöhten Eisengehalt des Wassers stark am Seeboden vermehrten.[11]

Algen sind auch die Quelle des überwiegenden Teils (etwa 80 %) der organischen Bestandteile des Ölschiefers, der Kerogene. Die häufigste Algenart ist Tetraedron minimum. Ein Großteil der Lamination des Messeler Ölschiefers entspricht der Wechselschichtung besonders organikreicher mit tonreicheren Lagen. Diese wird damit erklärt, dass die Algen sich in den trockeneren, sonnenreicheren Monaten eines Jahres besonders stark vermehrten und nach ihrem Tod zum Seeboden absanken. Im regenreicheren Halbjahr herrschte Einschwemmung und Ablagerung von Tonmineralen vor.[11] Sollte diese Hypothese stimmen, würde es sich bei der Lamination des Ölschiefers um eine echte Warvenschichtung handeln. Da die Sedimentationsrate mineralischer Substanz an den Seerändern naturgemäß stärker war, ist der Anteil organischer Substanz im Ölschiefer der Randbereiche der Grube entsprechend geringer („Randschiefer“).[12] Auch ist die Lamination dort nicht so deutlich ausgeprägt. Ungefähr 19 % der organischen Bestandteile stammen von höheren Landpflanzen und nur 1 % stammen von Tieren, wobei hier wiederum Kleinstlebewesen (Zooplankton) den mit Abstand größten Anteil stellen.[11]

FossilienBearbeiten

AllgemeinesBearbeiten

 
Im Rahmen der Fossilgrabungen frisch abgebauter und gespaltener Ölschiefer

Die Fossilfunde aus der Grube Messel sind sehr umfangreich und umfassen neben Pflanzen auch Wirbellose und Wirbeltiere. Allein an Pflanzen, die als Mikro- und Makrofossilien vorliegen, sind mehr als 75 Familien mit über 200 Arten bekannt. Unter den Wirbeltieren konnten bisher gut 130 Taxa nachgewiesen werden, darunter über 40 Arten aus mehr als 30 Gattungen allein der Säugetiere.[14] Zahlreiche Taxa erhielten mit Fossilmaterial aus Messel ihre Erstbeschreibung. Der Erhaltungszustand der im Ölschiefer eingebetteten Fossilien ist exzellent: bei Wirbeltieren sind gelegentlich Mageninhalt oder Details der Weichteile mit überliefert, bei Insekten die Aderung der Flügel oder die ursprüngliche Färbung des Chitinpanzers. Solche Informationen gehen bei der Fossilisierung meist verloren.

Das Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt und das Hessische Landesmuseum Darmstadt führen während der Sommermonate regelmäßig Grabungen durch.

Bei den Fossilien aus der Grube Messel gibt es ein Konservierungsproblem: Das tragende Material, der Tonstein (Ölschiefer), enthält etwa 40 Prozent Wasser. Trocknet er aus, dann reißt er und zerfällt in kleine Blättchen, ähnlich wie Rindenmulch. Erst seit Anfang der 1960er-Jahre ist es möglich, die Fossilien auf Kunstharz (Epoxidharz oder Polyesterharz[15]) umzubetten und damit dauerhaft zu konservieren, für die Forschung zu erhalten und auszustellen. Das Verfahren wurde von Hobby-Forschern in den 1970er-Jahren zur heute noch angewandten Form entwickelt, da bis 1974 das private Bergen des Ölschiefers von den Behörden geduldet wurde.

Das UmbettungsverfahrenBearbeiten

Um die Beschädigung oder Zerstörung eines Fossils infolge der Austrocknung des Ölschiefers an der Luft zu verhindern, wird das Fossil in mehreren Schritten vom Ölschiefer getrennt und konserviert.

  1. Mit feinem Werkzeug (Skalpell oder Präpariernadel) werden Ölschieferreste auf dem Fossil entfernt.
  2. Um das Fossil herum wird ein zwei bis drei Zentimeter hoher Rahmen (z. B. aus einer Knetmasse) so auf der Gesteinsplatte angebracht, dass eine Art flaches Gefäß entsteht, bei dem das Fossil den Boden bildet.
  3. Das Fossil wird mit einem Heißluftgebläse angetrocknet, bis es ein wenig heller als das umgebende Gestein geworden ist. Die Platte ist unterdessen in Plastikfolie eingewickelt, um es feucht zu halten.
  4. Nachdem die Folie entfernt worden ist, wird das flüssige Kunstharz in den Rahmen gegossen, bis das Fossil mit einer maximal einen Zentimeter dicken Schicht bedeckt ist. Das Harz benötigt etwa 12 Stunden um auszuhärten.
  5. Anschließend kann die Platte umgedreht und das Gestein mit geeignetem Werkzeug sehr vorsichtig von der Unterseite her entfernt werden, bis das mit dem Kunstharz verbundene Fossil freipräpariert ist.[15]

FundeBearbeiten

 
Ein Prachtkäfer mit noch schillerndem Panzer

WirbelloseBearbeiten

Obwohl Messel früher ein See war, werden kaum wasserbewohnende Wirbellose gefunden. Süßwassergarnelen, Schnecken, wie die Sumpfdeckelschnecke Viviparus und Kolbenwasserkäfer findet man nur in bestimmten Ölschiefer-Schichten. Wesentlich häufiger sind landlebende Insekten. Mistkäfer, Prachtkäfer und Rüsselkäfer dominieren. Bei einigen Exemplaren sind sogar noch Farbreste vorhanden.[16] Dasselbe gilt auch für ein Grünwidderchen aus der Familie Zygaenidae, bei dem die Färbung der Flügel bestimmt werden konnte. Weitere Insekten sind durch Vertreter der Blattschneiderbienen, große Vertreter der Laubheuschrecken und durch Singzikaden repräsentiert. Ein besonderer Fund ist ein Wandelndes Blatt der Gattung Eophyllium, das seinen heutigen Verwandten schon sehr ähnelte. Fluginsekten sind unter anderem mit Zweiflüglern aus der Familie der Nemestrinidae (unter anderem Hirmoneura)[17] und Hautflügler überliefert. Zu letzterer gehören die Echten Bienen, die in Messel mit Pygomelissa und Protobombus nachgewiesen wurden.[18] Des Weiteren kommen verschiedene parasitäre Vertreter der Schlupfwespen vor, so unter anderem Trigonator, Mesornatus, Polyhelictes, Rhyssella und Xanthopimpla vor. Einige der Formen wie Mesornatus oder Polyhelictes können systematisch nicht genau zugeordnet werden, jedoch gehört Trigonator zu den Labeninae, welche eigentlich ein Faunenelement der südlichen Kontinente (Afrika, Südamerika und Australien) darstellen.[19] Ameisen sind hauptsächlich nur durch Königinnen und flugfähige Männchen vertreten. Unter ihnen fand man Weberameisen sowie die größte Ameisenart überhaupt: Die Königinnen der Gattung Titanomyrma mit der Art Titanomyrma gigantea weisen eine Flügelspannweite von bis zu 16 cm auf. Interessant ist auch der Fund des auf Ameisen spezialisierten parasitischen Pilzes der Art Orphyocordyceps unilateralis.

FischeBearbeiten

 
† Amphiperca multiformis.

Die häufigsten Fischarten in Messel sind ursprüngliche Strahlenflosser, von denen drei Arten in Messel entdeckt wurden: Der Schlammfisch Cyclurus kehreri und die Knochenhechte Masillosteus kelleri und Atractosteus kinkelini (ehemalig A. strausi). Seltener sind moderne Strahlenflosser (Teleostei), wie der Lachsartige Thaumaturus intermedius, der Aal Anguilla ignota und die drei Barschartigen Amphiperca multiformis, Palaeoperca proxima und Rhenanoperca minuta.

AmphibienBearbeiten

Neben dem terrestrischen Krötenfrosch Eopelobates wagneri, wurden in Messel außerdem Vertreter aus der ausgestorbenen Familie Palaeobatrachidae und der Salamander Chelotriton robustus entdeckt.

ReptilienBearbeiten

 
† Diplocynodon darwini.
 
† Allognathosuchus haupti

Die Schildkröten werden in Messel durch die Sumpfschildkröte Palaeoemys (von der mitunter Euroemys abgetrennt wird), die zu den Papua-Weichschildkröten gehörende Allaeochelys, die Weichschildkröte Palaeoamyda und die Halswender-Schildkröte Neochelys vertreten. Bemerkenswert sind hierbei mehrere paarweise aufgefundene Individuen von Allaeochelys, die jeweils männliche und weibliche Individuen repräsentieren. Einige der Paare stehen in direktem Körperkontakt zueinander und haben die Schwänze wie in der Paarungsposition aneinandergelegt, was entsprechend als Geschlechtsakt gedeutet wird. Die Funde gehören somit zu den ältesten fossilisierten Nachweisen der Kopulation bei Wirbeltieren.[20]

Die Krokodilartigen der Messel-Formation sind sowohl durch eher ursprüngliche wenngleich relativ spezialisierte Formen als auch durch modernere Formen repräsentiert. Zu erstgenannten zählen Pristichampsus rollinatii und Bergisuchus dietrichbergi, die höchstwahrscheinlich reine Landbewohner waren. Hingegen lebten die mit den Alligatoren und Kaimanen verwandten Diplocynodontinen Diplocynodon darwini und Baryphracta deponiae, die Alligatoren Hassiacosuchus haupti (früher Allognathosuchus haupti) und Allognathosuchus gracilis sowie das mit den echten Krokodilen verwandte „Asiatosuchus“ germanicus hauptsächlich im Wasser.

Die Schlangen des Messeler Eozäns gehören alle zu den als eher „primitiv“ geltenden Rollschlangen und „Riesenschlangen“. Die Riesenschlangen sind unter anderem vertreten durch Sandboas sowie den bis zu zwei Meter langen Palaeopython fischeri und die kleineren Arten Messelophis variatus und M. ermannorum. Mit Eurheloderma konnte ein früher Vertreter der Krustenechsen und mit Cryptolacerta ein Vertreter der Doppelschleichen[21] oder Echten Eidechsen[22] (Lacertibaenia) in Messel nachgewiesen werden. Ebenfalls den Echten Eidechsen nahe stehen auch die langschwänzigen Echsen Eolacerta und Stefanikia. Erstere Form erreichte eine Körperlänge von rund 27 cm, letztere war nur etwa halb so lang.[23] Weitere Funde umfassen Placosauriops und Ophisauriscus aus der Gruppe der Schleichen. Des Weiteren kam mit Ornathocephalus eine Großkopfechse, mit Geiseltaliellus ein Leguan und mit „Saniwa“ möglicherweise ein Angehöriger der Warane vor.

VögelBearbeiten

 
† Messelirrisor halcyrostris mit schattenartig erhaltenem Federkleid.

Zu den bodenbewohnenden Vögeln in Messel gehörten der Laufvogel Palaeotis weigelti, der Hühnervogel Paraortygoides messelensis, der zwei Meter hohe Gänseverwandte Gastornis cf. geiselensis, die „Messel-Ralle“ Messelornis cristata, die Seriemaverwandten Idiornis, Strigogyps (ehemalig Aenigmavis) und Salmila robusta. Wasservögel sind selten. Beschrieben wurden bisher nur ein Verwandter der Flamingos und Lappentaucher, Juncitarsus merkeli, der Ibis Rhynchaeites messelensis und der Pelikan Masillastega recutirostris.

Baumbrüter waren unter anderem der Tagschläfer Paraprefica kelleri, der „Messel-Hopf“ Messelirrisor, die Segler Parargornis messelensis und Scaniacypselus szarskii, die Papageien Pseudasturides macrocephalus und Serudaptes pohli, die Racke Eocoracias brachyptera, der Greifvogel Messelastur gratulator, der Eisvogelartige Quasisyndactylus longibrachis, die Kuckucksralle Plesiocathartes kelleri, der Schwalmvogel Hassiavis laticauda, verschiedene Eulenarten, Mausvögel und der Vogel Eurofluvioviridavis. Mit Eofringillirostrum und Psittacopes konnten auch frühe Vertreter aus der Verwandtschaft der Sperlingsvögel belegt werden. Ersterer ernährte sich wohl aufgrund des finkenartigen Schnabels von hartschaligen Samen, bei letzterem ähnelt der Schnabel dem der heutigen Bartmeise. In enger Beziehung zu den beiden Gattungen steht auch Primozygodactylus.[24]

SäugetiereBearbeiten

 
† Masillamys ist einer der ältesten Nager der Erdgeschichte
 
† Messelobunodon schaeferi.

Die in Messel bisher gefundenen Beuteltiere umfassen die Gattungen Mimoperadectes, Amphiperatherium, Peratherium und Peradectes. Sie sind entfernte Verwandte der heutigen in Amerika lebenden baumbewohnenden Beutelratten.

Der überwiegende Anteil gehört zu den Höheren Säugetieren. Insektenfresser sind durch die Igelverwandten Pholidocercus, Macrocranion (zwei Arten) und das auf zwei Beinen springende Leptictidium (drei Arten) vertreten. Zu den Nagetieren gehören der ein Meter lange Ailuravus, die „Messelmäuse“ Masillamys und Hartenbergeromys sowie der Bilch Eogliravus.[25] Auf Bäumen lebten das urtümliche, an heutige Insektenfresser erinnernde Kopidodon, der Apatemyide Heterohyus, ein dem Fingertier ähnelndes Säugetier, und die Schuppentiere Eomanis, Euromanis und Eurotamandua,[26] wobei letzterer ursprünglich als Ameisenbär klassifiziert worden war.[27] Überwiegend nur fragmentarisch überliefert sind die Lemuren, unter anderem mit mehreren Arten von Europolemur.[28] Allerdings liegt von Darwinius (zuerst als Godinotia beschrieben[29]) auch eines der vollständigsten Skelette überhaupt vor, das unter dem Spitznamen „Ida“ weltbekannt wurde.[1] Wie ein Fischotter dagegen lebte Buxolestes, ein Vertreter der Pantolestidae.[30]

Raubsäuger sind sehr selten in Messel. Bislang wurden nur drei Gattungen entdeckt. Lesmesodon gehört zu den sogenannten Schein- oder Urraubtieren (Creodonta), während Paroodectes und Messelogale zu den modernen Raubtieren (Carnivora) gestellt werden. Eine beachtlich hohe Vielfalt zeigen die Fledermäuse, die wenigstens drei unterschiedlichen Familien angehören. Bedeutend und am häufigsten sind dabei die Vertreter der Gattung Palaeochiropteryx, die spezialisierte Insektenfresser waren.[25] Seltener treten dagegen Tachypteron oder Hassianaycteris auf.[31]

Von den pflanzenfressenden Unpaarhufern wurden in Messel schon fünf Gattungen beschrieben. Der mit einem vollständigen Skelett überlieferte Tapirverwandte Hyrachyus ist das größte bekannte Säugetier in Messel.[32] Er teilte seinen Lebensraum mit den Urpferden Hallensia, Propalaeotherium und Eurohippus. Die beiden letztgenannten Gattungen stellen jeweils mehrere Arten und umfassen zusammen über 70 Skelette. Ihre systematische Stellung innerhalb der Pferdeverwandtschaft ist nicht ganz eindeutig, da sowohl ein Verweis zu den Palaeotheriidae als auch zu den Equidae diskutiert wird.[33][34] Lophiodon, ein entfernterer Verwandter der Tapire, ist durch das Skelett eines Jungtieres vertreten.[35] Paarhufer sind im Gegensatz zu Unpaarhufern seltener in Messel, kommen aber mit mindestens vier Gattungen vor: Messelobunodon[36], Aumelasia, Masillabune[37] und Eurodexis.[38][31]

WeichteileBearbeiten

Neben der bakteriell verursachten Nachzeichnung von Körperumrissen, Fell und Federn konnten unter anderem bei den Schildkröten Allaeochelys und Neochelys, beim Krokodil Diplocynodon und beim Schuppentier Euromanis Strukturen nachgewiesen werden, die an Blutkörperchen und Knochenzellen erinnern.[39]

SonstigesBearbeiten

Einige Fossilien, die in den 1970er und 80er Jahren von Privatsammlern ausgegraben wurden, sind später weiterverkauft worden. Beispielsweise wurde der Holotyp von Darwinius masillae, welcher der Öffentlichkeit im Mai 2009 unter dem Namen „Ida“ bekannt geworden ist, für eine sechsstellige Summe[40] vom Naturhistorischen Museum in Oslo erworben.

Da zum Zeitpunkt des Fossilfundes die Grube im Besitz des Zweckverbands Abfallbeseitigung Südhessen (ZAS) war (siehe →Geschichte), wurden entsprechende Ansprüche von Seiten des ZAS erhoben. Der damalige Geschäftsführer erklärte im Juli 2009, er würde „nachträglich einfordern, was uns zusteht“, da er immer davon ausgegangen sei, „dass die Funde ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken ausgegraben wurden.“[41]

Zugang für die ÖffentlichkeitBearbeiten


Panoramablick aus der Grube gen Südsüdwest über Nordwest nach Nordost, im August 2006. Bei den hellgrau erscheinenden Anschüttungen im Nordnordwesten der Grubenböschung handelt es sich um die Ausschusshalde des unmittelbar benachbarten Ytong-Werks.

GrubenbesichtigungBearbeiten

Die Grube kann in geführten Gruppen besucht werden. Führungen werden regelmäßig angeboten. Eine Aussichtsplattform am Rand der Grube ermöglicht einen Blick in die Grube, ohne an einer Führung teilzunehmen. Informationstafeln helfen bei der selbstständigen Erkundung. Zusätzlich wird die Straße in die Grube saniert und eine erlebnisorientierte Gestaltung mit Stationen und Wetterschutz aufgebaut.[42]

Besucher- und InformationszentrumBearbeiten

 
Eingang des Besucher- und Informationszentrums

Ein Besucher- und Informationszentrum direkt am Rand der Grube Messel wurde im August 2010 eröffnet. Die Architektur des Gebäudes ist von der Schichtung des Ölschiefers abgeleitet. Jährlich werden rund 100.000 Besucher erwartet. Die Besucher „durchwandern“ die Erdschichten.[43]

2011 wurden 500 Negative und Glasplatten von Kurt Röhrig erworben, die wahrscheinlich 1949 vom Abbau und Betrieb in der Ölschiefergrube gemacht wurden.[44]

AusstellungenBearbeiten

  • Fossilien- und Heimatmuseum Messel: Im früheren Rathaus der unmittelbar benachbarten Gemeinde Messel werden die Bergbaugeschichte der Grube und originale Fossilien gezeigt.
  • Hessisches Landesmuseum Darmstadt: In der Geologischen Abteilung im ersten Stock werden herausragende Fossilien mit einem Diorama der Grube zur Zeit des Eozäns in Verbindung gebracht. Darin findet sich auch die Rekonstruktion des in Messel gefundenen pferdeartigen Propalaeotherium.
  • Naturmuseum Senckenberg: In Frankfurt am Main können sich Besucher eine umfangreiche wissenschaftliche Ausstellung mit Funden ansehen. Insbesondere neuere Verfahren der Präparation sind ausgestellt.

In der LiteraturBearbeiten

Die Grube Messel ist ein zentraler Schauplatz von Bernhard Kegels Roman Das Ölschieferskelett.[45]

LiteraturBearbeiten

  • Anita Bagus: Die Grube Messel für Kinder und andere Forscher. Interessengemeinschaft zum Erhalt der Fossilienfundstätte, Messel 2003, ISBN 3-00-011776-8.
  • Georg Beeger: Chronik der Grube Messel 1884–1964. In: Stephan Schaal, Ulrich Schneider (Hrsg.): Chronik der Grube Messel. Gladenbach 1995. ISBN 3-88343-016-1, S. 3–195.
  • Gabriele Gruber, Norbert Micklich: Messel. Schätze der Urzeit. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-2092-6 (Begleitbuch zur Ausstellung im Hessischen Landesmuseum Darmstadt vom 29. März bis 30. September 2007, Leiden 2007–2008, Oslo 2008, Hannover 2009, Stuttgart 2009, Basel 2009–2010, Münster 2010–2011).
  • Wighart von Koenigswald, Gerhard Storch (Hrsg.): Messel. Ein Pompeji der Paläontologie. Thorbecke, Sigmaringen 1998, ISBN 3-7995-9083-8.
  • Gerhard Storch: Die Grube Messel: Säugetiere am Beginn ihrer großen Karriere. In: Biologie in unserer Zeit. 34 (1), 2004, ISSN 0045-205X, S. 38–45.
  • Stephan F. K. Schaal, Krister T. Smith, Jörg Habersetzer: Messel – Ein fossiles Tropenökosystem. Schweizerbart, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-510-61410-3.
  • Torsten Wappler (Hrsg.): Messel unter der Lupe. Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Darmstadt 2005, ISBN 3-926527-76-5.
  • Hans W. Wolf: Schätze im Schiefer. Faszinierende Fossilien aus der Grube Messel. Westermann, Braunschweig 1988, ISBN 3-07-508996-6.

FilmeBearbeiten

  • Schätze der Urzeit – Müll der Neuzeit. Dokumentation, Deutschland 1985, 29 Min. Film von: Uschi Madeisky und Klaus Werner, Produktion: ZDF, Erstausstrahlung 27. April 1985.
  • Fenster zur Urzeit – Weltnaturerbe Grube Messel. Dokumentation, Deutschland 1998, 30 min. Produktion: Stadtfernsehen Dreieich
  • Die Grube Messel – Tropenwald im Eozän. Dokumentation, Deutschland 2002, 7 min. Buch, Regie, Kamera und Ton: Heribert Schöller. Produktion: hr-Naturmagazin “service: natur”, Erstausstrahlung 26. Januar 2002 Inhaltsangabe
  • Ein Fenster zur Urzeit. Die Grube Messel. Dokumentation, Deutschland, 2008, 45 Min., Buch und Regie: Götz Balonier, Produktion: hr, Erstausstrahlung 15. April 2008
  • Die Grube Messel. Dokumentation, Deutschland, 2008, 15 Min., Buch und Regie: Josef Becker, Produktion: SWR, Reihe: Schätze der Welt, Online-Video
  • Urzeit am Geistersee. Auf der Suche nach dem Messel von heute. Dokumentation, Deutschland 2009, 43 Min., Regie: Klaus Sparwasser, Iris Sparwasser, ZDF
  • Die geheime Entdeckung. Das Fossil und seine Botschaft. Dokumentation, Deutschland, 2009, Erstausstrahlung 31. Mai 2009, 45 Min., Film von Anthony Geffen, Produktion: ZDF, Reihe: Terra X, Online-Video

GalerieBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Grube Messel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Grube Messel – Reiseführer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Jens Lorenz Franzen, Philip D. Gingerich, Jörg Habersetzer, Jørn H. Hurum, Wighart von Koenigswald, B. Holly Smith: Complete Primate Skeleton from the Middle Eocene of Messel in Germany: Morphology and Paleobiology. PLoS ONE 4 (5), 2009. S. e5723. doi:10.1371/journal.pone.0005723
  2. Ernst Wittich: Beiträge zur Kenntnis der Messeler Braunkohle und ihrer Fauna. Inaugural-Dissertation der Philosophischen Fakultät der Universität Gießen. Gießen 1898 online
  3. a b c S. Schaal: Nach 47 Mio. Jahren wachgeküsst... Chronik der Fundstätte Messel. In: Fossillagerstätte Grube Messel. Momentaufnahmen aus dem Eozän. Vernissage, Reihe: Unesco-Welterbe, Nr. 21/05, 13. Jhg. (2005), S. 60–62
  4. a b c d Regina Urban: Messel oder der Müll-Notstand. Die Zeit, 9. Oktober 1987
  5. Jens Lorenz Franzen: Die Fossilfundstelle Messel – Ihre Bedeutung für die paläontologische Wissenschaft. Naturwissenschaften 63 (9), 1976, S. 418–425, doi:10.1007/BF00599410
  6. Barbarei mit Deodorant. Der Spiegel, 4/1984
  7. Planfeststellung für Mülldeponie Grube Messel wegen Formfehler ungültig, 23. November 1988. Zeitgeschichte in Hessen. (Stand: 30. Oktober 2012). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  8. a b Diemut Klärner: Huftiere auf den Bäumen. Die Zeit, 8. Dezember 1995
  9. Namensgebung in Erinnerung an den Erhalt der Grube Messel. www.senckenberg.de
  10. Späte Anerkennung für Deponie-Gegner. Frankfurter Rundschau, 10. Dezember 2010
  11. a b c d e H. Buness, M. Felder, G. Gabriel, F.-J. Harms: Explosives Tropenparadies. Geologie und Geophysik im Zeitraffer. In: Fossillagerstätte Grube Messel. Momentaufnahmen aus dem Eozän. Vernissage, Reihe: Unesco-Welterbe, Nr. 21/05, 13. Jhg. (2005), S. 6–11
  12. a b c Thomas Nix: Untersuchung der ingenieurgeologischen Verhältnisse der Grube Messel (Darmstadt) im Hinblick auf die Langzeitstabilität der Grubenböschungen. Dissertation zum Erlangen des akademischen Grades eines Doktor-Ingenieurs (Dr.-Ing.), Fachbereich Material- und Geowissenschaften der Technischen Universität Darmstadt. Darmstadt 2003, S. 31 ff., online
  13. Olaf K. Lenz, Volker Wilde, Dieter F. Mertz und Walter Riegel: New palynology-based astronomical and revised 40Ar/39Ar ages for the Eocene maar lake of Messel (Germany). In: International Journal of Earth Sciences. 21. Dezember 2014, doi:10.1007/s00531-014-1126-2
  14. Thomas Lehmann, Stephan F. K. Schaal: Preface. In: Thomas Lehmann, Stephan F. K. Schaal (Hrsg.): The world at the time of Messel. Puzzles in Palaeobiology, Palaeoenvironment and the History of Early Primates. 22nd International Senckenberg Conference Frankfurt am Main, 15th – 19th November 2011, S. 7–8
  15. a b What do we do with fossils like this? Beschreibung des Umbettungsverfahrens auf der Website der Universität Oslo (englisch), zuletzt abgerufen am 23. Januar 2013
  16. Thomas Hörnschmeyer, Gert Tröster, Sonja Weidmann: Die eozänen Käferfaunen des Geiseltales und der Grube Messel – ein Vergleich und systematischen und paläoökologischen Gesichtspunkten Hallesches Jahrbuch für Geowissenschaften B 17, 1995, S. 107–119
  17. Sonja Wedmann: A nemestrinid fly (Insecta: Diptera: Nemestrinidae: cf. Hirmoneura) from the Eocene Messel pit (Germany). Journal of Paleontology 81 (5), 2007, S. 1114–1117
  18. Torsten Wappler, Michael S. Engel: The Middle Eocene bee faunas of Eckfeld and Messel, Germany (Hymenoptera: Apoidea). Journal of Paleontology 77 (5), 2003, S. 908–921
  19. Tamara Spasojevic, Sonja Wedmann und Seraina Klopfstein: Seven remarkable new fossil species of parasitoid wasps (Hymenoptera, Ichneumonidae) from the Eocene Messel Pit. PLoS ONE 13 (6), 2018, S. e0197477, doi:10.1371/journal.pone.0197477
  20. Walter G. Joyce, Norbert Micklich, Stephan F. K. Schaal und Torsten M. Scheyer: Caught in the act: the first record of copulating fossil vertebrates. Biology Letters 8, 2012, S. 846–848, doi:10.1098/rsbl.2012.0361
  21. Johannes Müller, Christy A. Hipsley, Jason J. Head, Nikolay Kardjilov, André Hilger, Michael Wuttke, Robert R. Reisz: Eocene lizard from Germany reveals amphisbaenian origins. Nature 473, 2011, S. 364–367, doi:10.1038/nature09919
  22. Nicholas R. Longrich, Jakob Vinther, R. Alexander Pyron, Davide Pisani, Jacques A. Gauthier: Biogeography of worm lizards (Amphisbaenia) driven by end-Cretaceous mass extinction. Proceedings of the Royal Society B 282, 2015, Art.-Nr. 20143034 doi:10.1098/rspb.2014.3034
  23. Andrej Čerňanský, Krister T. Smith: Eolacertidae: a new extinct clade of lizards from the Palaeogene; with comments on the origin of the dominant European reptile group – Lacertidae. Historical Biology 30 (7), 2018, S. 994–1014, doi:10.1080/08912963.2017.1327530
  24. Daniel T. Ksepka, Lance Grande, Gerald Mayr: Oldest Finch-Beaked Birds Reveal Parallel Ecological Radiations in the Earliest Evolution of Passerines. Current Biology 29, 2019, S. 1–7, doi:10.1016/j.cub.2018.12.040
  25. a b Gerhard Storch: Kleinsäugetiere aus dem Geiseltal und Messel im Kontext alttertiärer Faunenentfaltungen. Hallesches Jahrbuch für Geowissenschaften B 17, 1995, S. 59–64
  26. Timothy J. Gaudin, Robert J. Emry, John R. Wible: The Phylogeny of Living and Extinct Pangolins (Mammalia, Pholidota) and Associated Taxa: A Morphology Based Analysis. Journal of Mammal Evolution 16, 2009, S. 235–305
  27. Gerhard Storch: Eurotamandua joresi, ein Myrmecophagideaus dem Eozän der „Grube Messel“ bei Darmstadt (Mammalia, Xenarthra). In: Senckenbergiana lethaea. 61 (3/6), 1981, S. 247–289
  28. Jens Lorenz Franzen: Europolemur kelleri n. sp. von Messel und ein Nachtrag zu Europolemur koenigswaldi (Mammalia, Primates, Notharctidae, Cercamoniinae). Senckenbergiana lethaea 80 (1), 2000, S. 275–287
  29. Jens Lorenz Franzen: Der sechste Messel-Primate (Mammalia, Primates, Notharctidae, Cercamoniinae). Senckenbergiana lethaea 80 (1), 2000, S. 289–303
  30. Hans-Ulrich Pfretzschner: Buxolestes minor n. sp. - ein neuer Pantolestide (Mammalia, Proteutheria) aus der eozänen Messel-Formation. Courier Forschungsinstitut Senckenberg 216, 1999, S. 19–29
  31. a b Gabriele Gruber, Norbert Micklich: Messel, Schätze der Urzeit. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-89678-778-1
  32. Jens Lorenz Franzen: Hyrachyus minimus (Mammalia, Perissodactyla, Helaletidae) aus den mitteleozänen Ölschiefern der „Grube Messel“ bei Darmstadt (Deutschland, S-Hessen). Senckenbergiana lethaea 61 (3/6), 1981, S. 371–376
  33. Jens Lorenz Franzen: Die Urpferde der Morgenröte. München, 2007, S. 45–73
  34. Jens Lorenz Franzen: Unpaarhufer - Urpferde und Tapirartige. In: Stephan F. K. Schaal, Krister T. Smith, Jörg Habersetzer (Hrsg.): Messel – ein fossiles Tropenökosystem. Senckenberg-Buch 79, Stuttgart, 2018, S. 293–301
  35. Jens Lorenz Franzen: Die Urpferde der Morgenröte. München, 2007, S. 147–149
  36. Jens Lorenz Franzen: Das erste Skelett eines Dichobuniden (Mammalia, Artiodactyla), geborgen aus mitteleozänen Ölschiefern der „Grube Messel“ bei Darmstadt (Deutschland, S-Hessen). Senckenbergiana lethaea 61 (3/6), 1980, 299–353
  37. Heinz Tobien: Ein anthracotherioider Paarhufer (Artiodactyla, Mammalia) aus dem Eozän von Messel bei Darmstadt (Hessen). Geologisches Jahrbuch Hessen 108, 1980, S. 11–22
  38. Jörg Erfurt, Jean Sudre: Eurodexeinae, eine neue Unterfamilie der Artiodactyla (Mammalia) aus dem Unter- und Mitteleozän Europas. Palaeovertebrata 25 (2-4), 1996, S. 371–390
  39. Edwin Cadena: Microscopical and elemental FESEM and Phenom ProX-SEM-EDS analysis of osteocyte- and blood vessel-like microstructures obtained from fossil vertebrates of the Eocene Messel Pit, Germany. PeerJ 4, 2016, S. e1618, doi:10.7717/peerj.1618
  40. „Ur-Ur- Großtante Ida.“ Interview mit Jens L. Franzen in der Badischen Zeitung, 15. August 2009
  41. Streit um Messel-Millionen: Gruben-Besitzer fordert Anteil. (Memento vom 15. Oktober 2013 im Internet Archive) Extra-Tipp (Rhein-Main), 31. Juli 2009
  42. Ministerpräsident Koch und Staatministerin Kühne-Hörmann eröffnen Besucher- und Informationszentrum am Weltnaturerbe/ Land investiert zehn Millionen Euro. (Memento vom 6. Februar 2013 im Internet Archive) Pressemitteilung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, 26. August 2010
  43. Werner Breunig: Zehn Millionen für Fossilien. Frankfurter Allgemeine Zeitung (Rhein-Main), 26. August 2010
  44. Ein Bilderschatz für die Grube Messel. Main-Echo (Rhein-Main/Hessen), 18. Oktober 2011
  45. Bernhard Kegel: Das Ölschieferskelett. Eine Zeitreise. 4. Auflage. Ammann, Zürich 1996, ISBN 3-250-10288-1.

Koordinaten: 49° 55′ 3″ N, 8° 45′ 24″ O