Alexander Hamilton

amerikanischer Politiker und Gründervater der Vereinigten Staaten

Alexander Hamilton (* 11. Januar 1757 oder 1755 auf Nevis, Westindische Inseln, heute St. Kitts und Nevis; † 12. Juli 1804 in New York City) war ein amerikanischer Staatsmann, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten und deren erster Finanzminister. Außerdem gilt er als einer der ersten Staatstheoretiker der repräsentativen Demokratie und der amerikanischen Schule der Ökonomie.

Alexander Hamilton auf einem Ölgemälde von John Trumbull, 1806
Unterschrift von Alexander Hamilton
Porträt Hamiltons auf der 10-Dollar-Banknote
Alexander Hamilton, ca. 1795

Hamilton wurde als illegitimes Kind in St. Kitts und Nevis geboren. Durch ein Stipendium von führenden Kaufleuten und dem Gouverneur von St. Croix, wo Hamilton zu dieser Zeit lebte, konnte er in New York am King’s College, der späteren Columbia University, studieren. Nach dem Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs schloss sich Hamilton der Militärkompanie Hearts of Oak an, wo er schnell zum Captain aufstieg. George Washington wurde auf ihn aufmerksam und ernannte ihn zu seinem Aide-de-camp, als der er brillierte. Er trat mit dem Wunsch, Ruhm auf dem Schlachtfeld zu finden, von dieser Position zurück, um das Kommando in der Schlacht bei Yorktown zu erhalten, in der sein Wunsch erfüllt wurde.

Er heiratete Elizabeth Schuyler, die Tochter von Philip Schuyler. Nach dem Unabhängigkeitskrieg wurde er Anwalt, 1782 bis 1783 war er Mitglied des Kontinentalkongresses. Im Verfassungskonvent der Vereinigten Staaten befürwortete er die Wahl des Präsidenten und der Senatoren auf Lebenszeit und wollte eine – gegenüber den Einzelstaaten – starke Zentralregierung festschreiben. Hamilton setzte sich nur mit letzterer Forderung teilweise durch. In den Federalist Papers propagierte und verteidigte er die Verfassung der Vereinigten Staaten zusammen mit John Jay und James Madison.

Im Kabinett Washington war er von 1789 bis 1795 Finanzminister. Auf diesem Posten schlug er dem Kongress in mehreren Berichten Finanzreformen vor, die maßgeblich zum Aufbau der Wirtschaft der jungen USA beitrugen. Er bevorzugte Industrie und Handel, womit er sich in den agrarischen Südstaaten keine Freunde machte. Um 1792 bildete sich um ihn die Föderalistische Partei, die Gegenpartei zur Demokratisch-Republikanischen Partei Thomas Jeffersons, eines seiner größten politischen Gegner. Auch nach seinem Rücktritt am 31. Januar 1795 blieb Hamilton ein bedeutender Politiker, jedoch läutete seine Kritik an dem föderalistischen Kandidaten John Adams während der Präsidentschaftswahl 1800 sein politisches Ende an. Hamilton starb am 12. Juli 1804 an einer Verwundung, die er am Vortag aus einem Duell mit seinem langjährigen politischen Rivalen Aaron Burr davongetragen hatte.

1780 wurde er in die American Philosophical Society und 1791 in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Hamiltons Porträt befindet sich auf der 10-Dollar-Banknote.

LebenBearbeiten

Frühes Leben (1755/1757–1775)Bearbeiten

 
Museum der Nevis Historical and Conservation Society (Kurz NHCS) auf dem Platz des angeblichen Geburtshaus von Hamilton. (Aufgenommen 2010) Neuere Forschungen von David Small und Christine Eickelmann ergeben, dass Hamilton wahrscheinlich woanders auf Nevis geboren wurde. Stattdessen war das Haus damals im Besitz von Andrew Hamilton, der mit Alexander Hamilton nicht verwandt war.[1]

Über Hamiltons frühes Leben ist nur wenig bekannt, da Hamilton selbst gegenüber seiner eigenen Familie wahrscheinlich aus Scham vor seiner eigenen Illegitimität, die eine große Blamage während seiner Karriere war[2], über sein frühes Leben nur wenig erzählte.[3] Das wenige, das Hamiltons Kinder wussten, ist in The Life of Alexander Hamilton (1840) und Life of Alexander Hamilton: A History of the Republic of the United States of America (7 Bände, 1857–1864) von Hamiltons Sohn John Church Hamilton aufgezeichnet, doch gibt es mehrere Details, die von Historikern bezweifelt werden. Restliches Wissen über Hamiltons Jugend stammt aus administrativen Aufzeichnung der Insel St. Croix, wo Hamilton aufwuchs. Die bedeutendste Forschung in diesem Gebiet wurde ab 1901 von H. U. Ramsing und Gertrude Atherton betätigt. Ramsings Forschungen wurden 1939 im Personal-Historik Tiddskrift veröffentlicht, während Atherton ihre Entdeckungen für ihren Roman The Conqueror (1902) verwendete. Zu den wichtigsten Entdeckungen zählen die Identäten von Hamiltons Mutter und von seinen Großeltern mütterlicherseits.[4] Weitere Dokumente fand der Historiker Harold Larson in den Archiven der Jungferninseln. Diese nutze er zusammen mit den Forschungen von Ramsing für einen Artikel im William and Mary Quarterly.[5] Über Hamiltons Studium ist wegen den Aufzeichnungen seiner Freunde Hercules Mulligan und Robert Troup mehr bekannt, allerdings unterscheiden sich ihre „Narratives“ in mehreren bedeutenden Details.[6][7]

ElternhausBearbeiten

Mütterlicherseits stammt Hamilton vom hugenottischen Arzt John Faucett (Mehrere andere Schreibweisen sind auch möglich; Anglisiert oft Fawcett), der infolge der Revokation des Edikt von Nantes von Ludwig XIV. aus Frankreich auf die Insel Nevis floh. Laut den Aufzeichnungen des St. Johns Parish heiratete er am 21. August 1718 die Britin Mary Uppington, mit der er 7 Kinder hatte, von denen zwei vor der Heirat geboren wurden, was auf den Westindischen Inseln für diese Zeit üblich war. Zwischen 1725 und 1729 gebar Mary Rachael (anglisiert Rachel), die Mutter von Hamilton. Die Faucettes lebten wie viele Familien auf Nevis von der von Sklaven betriebenen Landwirtschaft, die aber wegen mehreren Pflanzenkrankheiten und der Unfruchtbarkeit des Bodens von Nevis ohne Erfolg blieb. Des Weiteren starben bis auf Ann, der ältere Schwester Rachaels die den erfolgreichen Plantagenbesitzer James Lytton heiratete, und Rachael alle Kinder. Wahrscheinlich entschieden Mary und John sich 1740 deshalb, für den Rest ihres Leben getrennt zu leben. Nachdem John etwa 1745 starb, hinterließ er seinen Besitz seiner Tochter Rachael, weshalb mehrere Freier auf sie aufmerksam wurden.[8][9]

Zusammen mit ihrer Mutter reiste sie nach St. Croix, wo Ann und James Lytton lebten. Diese stellten ihnen wahrscheinlich John (Anglisiert; eigentlich Johan oder Johann) Michael Lavien (Mehrere andere anglisierte Schreibweisen sind möglich) vor, der laut Hamilton ein Däne war, was unter Historikern jedoch umstritten ist. Lavien war wohl ein Glückssucher, doch war er zur Zeit des Treffen in hohen Schulden.[10][11] Die teuer aussehende Kleidung von Lavien soll Mary Faucette aber trotzdem von einer Heirat von Lavien mit Rachael überzeugt haben, die noch im gleichen Jahr wie die Erbschaft stattfand; Die Geburt eines Sohnes namens Peter folgte nur ein Jahr später. Rachael, die mit der Heirat wohl unzufrieden war, verließ ihren Ehemann nur wenig später, weshalb sie in das Gefängnis Christiansvaern gesperrt wurde. Nachdem sie einige Monate im Gefängnis verbracht hatte, wurde sie freigelassen. Lavien vermutete wohl, dass der Gefängnisaufenthalt sie gehorsam gemacht hätte. Trotzdem floh sie kurz darauf, wahrscheinlich mit ihrer Mutter, auf die Insel St. Kitts. Dort traf sie in den frühen 1750ern James Hamilton, den vierten Sohn des Laird James Hamilton. Da er nichts von seinem Vater erben würde, versuchte Hamilton in der Karibik Händler oder Plantagenbesitzer zu werden, allerdings waren seine Vorhaben nicht erfolgreich. Rachael und er lebten zusammen und hatten zwei Kinder, Alexander und James Jr. Hamilton. Laut Hamilton ist es möglich, dass er auch andere, schon als Säugling verstorbene Geschwister hatte.[12] Die Ehescheidung von Lavien, die am 25. Juni 1759 gestattet wurde, verbot Rachael die Heirat, weshalb beide Kinder nicht legitimiert werden konnten.[13][14]

Ein Gerücht über Hamiltons Abstammung war, dass seine Mutter und damit auch er teils schwarz waren. So bezeichnete der berühmte schwarze Gelehrter W. E. B. Du Bois Hamilton als „unseren“ und der afroamerikanische Abolitionist William Hamilton (1773–1836) behauptete, sein Sohn zu sein. Der Hamilton-Biograph Ron Chernow beauftragte den Genetiker Gordon Hamilton, der die DNA der Hamilton-Familie testete, auch die Nachfahren von Alexander Hamilton zu testen. Zur Zeit der Veröffentlichung der Biographie waren die Ergebnisse noch nicht bekannt.[15] In einem Interview aus dem Jahr 2016 mit dem Interviewer Brian Lamb im Sender C-SPAN teilte er mit, dass der Test ergebnislos war. Hamiltons Hautfarbe in Porträts würde aber auf eine schottische Abstammung hinweisen.[16]

Kindheit und JugendBearbeiten

 
Der junge Hamilton

Unter Historikern gilt das Geburtsdatum des 11. Januar als gesichert, doch gibt es bis heute Diskussionen über das Geburtsjahr. Hamilton selbst gab fast immer 1757 an - Möglicherweise, um wegen seines für Zeitgenossen hohe Alter nicht vom College abgewiesen zu werden. Hingegen weisen mehrere Karibische Dokumente auf das Geburtsjahr 1755 hin.[17]

James Hamilton arbeitete für den Kaufmann Archibald Ingram, der ihn im April 1765 mit der Einsammlung der Schulden von Alexander Moir beauftragte, was Hamilton im Januar des nächsten Jahres beendete. Seine Familie lebte zu dieser Zeit mit ihm auf St. Croix, wo er arbeitete. Nur wenig später verließ James Hamilton seine Familie jedoch, wofür die Motivation bis heute unbekannt ist. Alexander, der mit seinem Vater auch später Briefwechsel führte, vermutete, dass sein Vater seine Familie nicht mehr unterstützen konnte. Rachael versuchte, ihre Kinder mit einem Markt zu unterstützen, dessen Waren vom Vermieter und dem Unternehmen Beekman and Cruger stammten.[18] Ein symbolisches Ende von Hamiltons Kindheit war der Tod seiner Mutter[19], die an einem Fieber erkrankte und am 19. Februar 1768 daran erlag. Auch Alexander erkrankte, konnte sich aber bis zur Beerdigung seiner Mutter wieder erholen. Die Halbwaisen wurden in die Obhut von ihren Cousin Peter Lytton gesetzt, der jedoch nur ein Jahr später wegen dem Tod seiner Frau Suizid beging. Weder seine Besitztümer, die seines Vaters, der auch verstarb, noch die von Rachel Faucett fielen an Alexander oder seinen Bruder. Schließlich wurde Hamilton vom bedeutenden Kaufmann Thomas Stevens aufgenommen, dessen Sohn Edward Stevens ein Freund von Hamilton war. Da Stevens Hamilton ähnlich sah, rankten sich mehrere Gerüchte um eine mögliche Vaterschaft von Thomas Stevens.[20]

Zwischen 1766 und 1767[21] begann er für das Unternehmen Beekman und Cruger auf St. Croix in Christiansted zu arbeiten. Dieses Unternehmen wurde von den New Yorkern Nicholas Cruger und Beekman betrieben, die Mitglieder von bedeutenden Kaufmannsfamilien waren. Weil Beekman einige Jahre nach der Gründung das Unternehmen verließ, wurde Cruger der Leiter. Crugers neuer Partner wurde Cornelius Kortright, der jedoch weniger Einfluss besaß. Schon bald zeigte sich Hamilton als ein talentierter Administrator. Neben Hamiltons Französischkenntnissen schätzt der Hamilton-Biograph Ron Chernow besonders Hamiltons Fleiß, seine Eigenständigkeit und seine Ambition als seine wichtigsten Qualitäten in der Arbeit für Cruger ein. Von Hamiltons Talent waren seine Arbeitgeber auch überzeugt; Als Cruger 1771 fünf Monate lang nach New York zurückkehrte, übertrag er die Führung des Unternehmens auf Hamilton. Es scheint so, als ob er in dieser Aufgabe brillierte. Seine Arbeit unter Beekman und Cruger hatten ihm wichtige Erfahrungen in Verwaltung und Handel gegeben, welche ihm während seiner Arbeit als Finanzminister geholfen haben. Hamilton selbst bezeichnete es als den wichtigsten Teil seiner Bildung und der Hamilton-Biograph Jacob Ernest Cooke vergleicht es mit einem modernen College-Abschluss.[22][23]

Wahrscheinlich besuchte Hamilton nie eine Schule, allerdings ist es möglich, dass er von einem Privatlehrer, z. B. eine Jüdin oder seine eigene Mutter, unterrichtet wurde.[24] Dieser Unterricht scheint aber nicht besonders tiefgründig gewesen zu sein; Viel von Hamiltons Bildung stammte wahrscheinlich vom Lesen der 34 Bücher seiner Mutter. Zu diesen gehörten wohl eine französische Übersetzung von Niccolò Machiavellis Der Fürst, Plutarchs Parallelbiographien, und insbesondere die Gedichte von Alexander Pope.[25][26] Zu den Zeitvertreiben Hamiltons zählte das Schreiben von Gedichten, die im Royal Danish American Gazette veröffentlicht wurden. Anfangs handelten sie von Liebe, doch wechselte Hamilton sein Thema bald auf Religion. Man kann davon ausgehen, dass der presbyterianische Priester Hugh Knox, ein Freund von Hamilton, diesen Wechsel beeinflusste.[27] Auch schrieb Hamilton schon in seiner Kindheit viele Briefe. Der älteste Brief, der noch erhalten ist, wurde an Edward Stevens, der im Kings College (der heutigen Columbia University) Medizin studierte, adressiert und am 11. November 1769 geschrieben. Hamilton beschreibt Unmut über seinen niedrigen sozialen Status und den Wunsch nach einem Krieg, in dem er sich beweisen könnte.[28][29]

Am 31. Oktober verwüstete ein Hurrikan die Insel St. Croix, was Hamilton in einem Brief an seinen Vater beschrieb. Vermutlich auf Treiben von Knox wurde dieser Brief am 3. Oktober im Royal Danish American Gazette veröffentlicht. Chernow zufolge gäbe es zwei Gründe, warum der Brief die Leser erstaunte: Das verhältnismäßig junge Alter und der niedrige soziale Status von Hamilton und die Beschreibung des Hurricanes als eine Strafe Gottes. Der Brief soll die Oberschicht der Insel vom Talent Hamiltons überzeugt haben, weshalb sie ein Stipendium für ein Studium in den Dreizehn Kolonien finanzierten. Die Hauptspender waren wohl seine Arbeitgeber, seine Cousine Ann Lytton Venton und Thomas Stevens. Es wird angenommen, dass Hamilton schon im Oktober ein Schiff nach Boston bestieg, doch deuten Gedichte, die nach dem Oktober 1772 im Royal Danish American Gazette veröffentlicht wurden, auf eine Reise nach dem Winter 1772/1773.[30] Mehrere Historiker wie z. B. Jacob Ernest Cooke kritisieren jedoch die Darstellung des Briefes als Auslöser des Stipendium als unrealistisch.[31]

StudiumBearbeiten

Nachdem Hamilton mit einem Schiff in Boston gelandet hatte, reiste er über Land nach New York City, wo er einen Teil seines Stipendiums von Kortright and Company erhielt. Dort war sein einziger Kontakt Edward Stevens, doch konnte er viele Verknüpfungen an spätere Anführer der Unabhängigkeitsbewegung und koloniale Eliten schaffen. Wegen Empfehlungsschreiben von Knox war er schon den bedeutendsten presbyterianischen Kirchenmännern New Yorks, das sind John Rodgers und John M. Mason, bekannt. Zur politischen Elite, mit denen er sich mit Hilfe der Empfehlungsschreiben von Knox befreundete, gehörten William Livingston, der erste Gouverneur von New Jersey während der Amerikanischen Revolution, und Elias Boudinot, später Präsident des Kontinentalkongresses und Repräsentant. Zu den Besuchern Elizabeths, mit denen er sich traf, gehörten William Alexander, Lord Stirling, später Generalmajor in der amerikanischen Armee während der Revolution, John Jay, später Außenminister während des Kontinentalkongress, Chief Justice und Gouverneur von New York, und William Duer, später bedeutender Spekulant. Auch schaffte sich Hamilton mit dem Sons of Liberty-Mitglied Hercules Mulligan Verbindungen an den radikaleren Teil der Gesellschaft. Wie die meisten kolonialen Eliten auf dem Weg zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg unterstützte Hamilton einen Ausgleich mit der britischen Krone.[32][33][34]

 
Das King’s College in New York im Jahre 1770

Hamilton wurde zunächst Schüler an der vorbereitenden Elizabethtown Academy im heutigen Elizabeth um Latein, Griechisch und fortgeschrittene Mathematik, welche Pflicht für einen College-Beitritt waren, zu lernen.[35] Nachdem er die Elizabethtown Academy mit beeindruckenden Ergebnissen abgeschlossen hatte, musste er einen der neun Colleges der Dreizehn Kolonien auswählen. Eine offensichtliche Wahl war die Princeton University, wo Boudinot und Livingston Mitglieder des Board of Trustees waren. Unter der Führung von John Witherspoon entwickelte sich Princeton auch zu einer Universität der Whigs und Presbyterianer, was laut Mulligan der ausschlaggebende Faktor für Hamilton war. Hamilton stellte dort einen Aufnahmeantrag mit der Bitte, ein beschleunigtes Studium absolvieren zu dürfen, allerdings wurde dies abgelehnt, weshalb Hamilton ein anderes College wählen musste. Seine neue Wahl war das Kings College in New York, welches unter der Führung von Myles Cooper zusammen mit der Stadt New York zu einer der Hochburgen der Tories und der britischen Kolonialmacht wurde. Dem Kings College trat Hamilton wahrscheinlich im Winter 1773/74 bei. Ihm wurde privater Unterricht unter Professoren erlaubt um schneller einen Abschluss zu erhalten, so unterrichtete ihn der Professor Robert Harpur im September 1774 in der Mathematik. Wahrscheinlich berichtete ihm der Schotte Harpur auch von der Schottischen Aufklärung, die von Adam Smith und David Hume vorangetrieben wurde und Hamiltons ökonomische Ideen stark beeinflusste. Auch andere Figuren der Aufklärung wie Montesquieu waren Teil Hamiltons Lektüre, doch studierte Hamilton anfangs eigentlich für einen Abschluss in der Medizin. Später wechselte er zu einem Jura-Studium.[36][37][38]

 
Samuel Seabury (Ralph Earl, 1785)

In einem College-Debattier-Klub, u. A. mit Troup und Nicholas Fish, vertrat er laut Troup zuerst eine eher königstreue Position, doch wurde er bald Befürworter der Unabhängigkeit von der Kolonialmacht und nutzte den Klub um seine späteren antibritischen Essays zu reviewen. Des Weiteren berichtet Troup, dass die Boston Tea Party ausschlaggebend für den Meinungswechsel war. Nachdem Paul Revere in New York davon berichtete, soll Hamilton direkt nach Boston gereist sein um eine Reportage zu schreiben, die die Tea Party unterstützte. Chernow vermutet, dass damit das anonym veröffentlichte Defence and Destruction of the Tea im New York Journal gemeint war. Nach den sogenannten „Intolerable Acts“, in denen das Britische Parlament die Kolonien laut den Kolonisten hart für die Boston Tea Party bestrafte, wendete sich die Meinung der Öffentlichkeit selbst in der Tory-Hochburg New York gegen die Kolonialmacht. Als Reaktion auf sie sammelten sich die Kolonien im Kontinentalkongress, wo über Gegenaktionen entschieden werden sollten. Während Radikale einen Boykott britischer Güter erstrebten, sahen Moderate einen Boykott als zu provokativ an. Die radikalen Sons of Liberty sammelten sich auf freien Feldern vor New York, wo Hamilton laut den Biografien seines Sohns eine bewegende Rede hielt, die die Boston Tea Party unterstützte und ihn für die Sons of Liberty etablierte. Neben der Biografie von John Church Hamilton existiert jedoch kein anderes Quellenmaterial über diese Rede, weshalb sie von einigen Historikern bezweifelt wird.[39] Die Aktionen des Kontinentalkongresses, welches sich für ein komplettes Embargo gegen die britische Kolonialmacht entschied, schockierte jedoch viele Tories und insbesondere den Klerus der Kolonien. Z. B. schrieb der Episkopaler Samuel Seabury unter dem Pseudonym „A Westchester Farmer“ loyalistische Essays gegen den Kontinentalkongress. Auf dessen Essay antwortete Hamilton unter dem Pseudonym „A Friend to America“ in den aufsehenerregenden Essays A Full Vindication of the Measures of Congress (Veröffentlicht am 15. Dezember 1774) und The Farmer Refuted (Veröffentlicht am 23. Januar 1775), in denen er laut Chernow erstmals seinen Talent als Schriftsteller zeigte. Auch lassen die beiden anonymen Schriften erkennen, dass Hamilton sich in dem knappen Jahr, das seit seiner Ankunft in Boston verstrichen war, eingehend mit den politischen und wirtschaftlichen Problemen der Kolonien vertraut gemacht hatte. Cooke kritisiert hingegen, dass Hamilton oft auf Argumente anderer Whigs zurückgriff und dass sein Stil noch nicht auf dem gleichen Standard wie dem seiner späteren Werke war.[40][41][42][43] Nach dem literarischen Konflikt mit Seabury entwickelte sich Hamilton zu einem relativ reputablen patriotischen Essayisten: Zwei Essays, die den Quebec Act, einen der Intolerable Acts, kritisierten, wurden in der Presse von Rivington veröffentlicht.[44] Eine weitere Serie von Essays wurde vom 9. November 1775 bis zum 8. Februar 1776, also schon während Hamilton im Militär war, unter dem Namen Monitor Essays im New-York Journal von John Holt veröffentlicht.[45]

Unabhängigkeitskrieg (1775–1782)Bearbeiten

 
Alexander Hamilton in the Uniform of the New York Artillery (Alonzo Chappel (1828–1887))

Frühe MilitärkarriereBearbeiten

John Church Hamilton berichtet, dass sein Vater schon im Winter 1774/75 anfing, sich mit Waffen bekannt zu machen. Als die Nachricht vom Kriegsausbruch New York erreichte, trat Hamilton in eine Miliz ein. Er wurde einer Gruppe unter Führung von Edward Fleming zugeordnet, die laut Robert Troup, der in die gleiche Miliz eintrat, grüne Uniformen und einen Hut mit der Aufschrift „Freedom or Death“ trug. In militärischen Aufzeichnungen ähneln die „Corsicans“ den Beschreibungen von Troup, Fish und Mulligan am meisten. Später, als Fleming zur militärischen Administration befördert wurde, änderten die „Corsicans“ ihren Namen wahrscheinlich zu „Hearts of Oak“. Während dem Training zeigte sich Hamilton als engagiert, weshalb er im Juni 1775 ein Offizierskandidat wurde.[46][47] Hamiltons erster Kampf war am 23. August 1775. Die Asia, ein Schiff der Krone, erreichte New York, was wegen eine große Bedrohung für eine patriotistische Batterie beim Fort George darstellte. Um die Kanonen der Batterie in Sicherheit zu bringen, meldete sich Hamilton zusammen mit 15 anderen freiwillig. Als das Schiff auf die Freiwilligen schoss, traf es ein nahegelegenes Gasthaus.[48]

Am 23. Februar schlug der Colonel Alexander McDougall, der für die Verteidigung von New York eine Artilleriekompanie ausheben sollte, Hamilton als Captain vor. Nachdem er examiniert wurde, erhielt er den Rang am 14. März 1776. Laut Hercules Mulligan war diese Beförderung mit der Aushebung von 30 Männern verbunden von denen sie ganze 25 am ersten Tag rekrutiert haben sollen. Den Kern der neuen Truppe bildeten jedoch die Hearts of Oak. Später kommandierte Hamilton 86 Männer, unter denen er für sein Engagement sehr populär war. Er war sehr streng in militärischen Formalien wie der Uniform oder dem korrekten Aufmarsch während militärischen Paraden. Hamiltons erste militärische Aktion als Captain war seine Beteiligung an der Befestigung von New York, welches nach der Belagerung von Boston das Ziel britischer Angriffe wurde. Dort nahm er an mehreren Scharmützeln vor dem eigentlichen britischen Angriff teil, doch kämpfte er nicht in der ersten Schlacht in New York, der Schlacht von Long Island. Erst bei der Landung bei Kips Bay und in der darauffolgenden Schlacht von Harlem Heights, in denen gelandete britische Truppen New York erobern konnten, kämpfte er mit seiner Kompanie und verlor seine gesamte schwere Artillerie. In diesen Schlachten soll Hamilton das erste Mal die Aufmerksamkeit von Washington auf sich gezogen haben. Darauf zog Hamilton mit dem Rest der Armee zurück nach White Plains, wo die Kontinentalarmee erneut in der Schlacht von White Plains geschlagen wurde. Nach einem darauffolgenden Rückzug durch New Jersey begann Washington seine Armee auf kleinere Scharmützel auszulegen, da die britische Armee in offenen Schlachten einen klaren Vorteil hatte. Hamilton unterstützte dies - schon in The Farmer Refuted verwies er Seabury auf diese Strategie. Während dem Rückzug zeichnete sich Hamilton in den Augen Washingtons insbesondere bei der Überquerung des Raritan Rivers, während der Hamiltons Kompanie der Armee Deckung gab, besonders aus. Die nächsten größeren militärischen Auseinandersetzungen waren die Schlacht von Trenton am 26. Dezember und die Schlacht von Princeton am 3. Januar 1777, zwei bedeutende amerikanische Siege. Die Hearts of Oak waren an diesen Schlachten beteiligt, doch spielten sie keine bedeutende Rolle.[49][50]

Aide-de-camp von WashingtonBearbeiten

 
George Washington (Gilbert Stuart, 1796)

Hamiltons entwickelte sich während den ersten Jahren des Krieges zu einem relativ bekannten Soldaten und zog die Aufmerksamkeit von einflussreichen Generälen wie Lord Stirling, McDougall, Nathanael Greene und Henry Knox auf sich. Von ihnen hatten manche ihm angeboten, ihr Aide-de-camp zu werden, was Hamilton jedoch ablehnte um Anführer einer Kompanie zu sein und Ruhm auf dem Schlachtfeld zu gewinnen. Erst ein Angebot von George Washington am 20. Januar 1777 überzeugte ihn, seinen Posten zu verlassen und für Washington zu arbeiten. Offiziell wurde Hamiltons Mitgliedschaft in Washingtons „Familie“, wie sein Offiziersstab genannt wurde, erst am 1. März. Auch wurde er zum Lieutenant Colonel befördert.[51]

Unter den insgesamt 32 Aide-de-camps von Washington war Hamilton neben Robert Hanson Harrison, Tench Tilghman und John Laurens einer der bedeutendsten Aide-de-Camps. Manche Historiker bewerten ihn sogar als den wichtigsten aide-de-camp, der einem modernen Chief of Staff ähnelt. Als Washingtons Aide-de-camp musste man hauptsächlich Briefe für Washington entwerfen. Unter Hamiltons Entwürfen waren einige sehr bedeutende, wie zum Beispiel Briefe zum Kongress. Aus seiner Feder stammte z. B. ein Befehl zum Kongress, Philadelphia vor einem britischen Angriff zu evakuieren.[52] Des Weiteren diente Hamilton als ein Diplomat für Washington. Beispielsweise wurde er im November 1777 nach dem amerikanischen Sieg in der Schlacht von Saratoga zu Horatio Gates, dem siegreichen General, entsandt, um Gates von der Verschiebung einiger Truppen zu Washington überzeugen. Zwar zeigte sich Gates zuerst als resistent, allerdings überzeugte Hamilton ihn eventuell von der Verschiebung von zwei Brigaden. In den eigentlichen militärischen Entscheidungen der Kontinentalarmee spielte er, wie die anderen Aide-de-camps, keine Rolle, da sie Washington nicht berieten. Ihm wurden jedoch kleinere militärische Aufgaben zugewiesen, wie die Evakuierung der Vorräte von Philadelphia, damit sie nicht in britische Hände fallen konnten.[53][54][55]

Hamilton schaffte sich unter den Aide-de-camps mehrere Kontakte. Sein engster Freund war John Laurens, der Sohn von Henry Laurens, dessen Briefwechsel ungewöhnlich informal für Hamilton war. Einige Historiker vermuten sogar Homosexualität zwischen Hamilton und Laurens. Eine weitere Freundschaft bauten sich Laurens und Hamilton mit dem Marquis de La Fayette auf, einem französischen Adeligen, der freiwillig in der Kontinentalarmee diente.[56] Auch außerhalb der Armee war der Posten als Aide-de-camp eine gute Möglichkeit sich mit Eliten wie den General und Mitglied des Kontinentalkongress Philip Schuyler, die sich mit Washington trafen, zu verknüpfen. Zusammen mit ihrem Vater reiste Elizabeth Schuyler, der Hamilton den Hof machte. Nach einer Verlobung im März 1780 heirateten sie am 14. Dezember 1780 im Haus der Schuylers in Albany. Damit verbündete sich Hamilton mit der einflussreichen Schuyler-Familie und dessen Anführer, Philip Schuyler. Er befreundete sich mit seiner Schwägerin, der mit dem MP John Barker Church verheiratenden Angelica Schuyler Church. Oft wurde er mit einer romantischen Beziehung zu ihr beschuldigt.[57][58][59]

 
Büro der Aide-de-camps von Washington in Valley Forge

Während seiner Arbeit als Aide-de-camp wiederholte und las er mehrere Werke, die er in seinem Notizbuch beschrieb. Im Buch notierte er Kommentare zu vielen antiken Büchern wie Plutarchs Doppelbiografien, Demosthenes Reden und Ciceros Werke. Besonders Plutarchs Biografien von Romulus und Theseus, zwei Monarchen, und von Numa Pompilius und Lykurg, zwei Gesetzgebern, beeinflussten Hamiltons Weltbild. Beim Lesen der antiken Texte legte er seinen Fokus auf die politischen, aber auch wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Institutionen der damaligen Gesellschaft.[60] Auch neuere Werke wie die von David Hume, Montaigne, Francis Bacon und Hobbes gehörten zu seiner Lektüre. Einer seiner bedeutendsten Lektüren war das von Malachy Postlethwayt geschriebene Universal Dictionary of Trade and Commerce, eine detaillierte Beschreibung der Geografie, Politik und Wirtschaft von Europa, das ein Großteil von Hamiltons Wissen über Handel bildete.[61][62] Im Zeitraum von 1780 bis 1781 schrieb Hamilton drei Essays in Form von Briefen an drei verschiedene Adressaten und sechs Essays namens The Continentalist Essays unter dem Pseudonym A. B im New-York Packet, die Hamiltons damalige politischen Überzeugungen, den Föderalismus, darstellen. In diesen bespricht Hamilton drei Themen: Die Schwäche und die möglichen Reformen zum Stärken des Kontinentalkongress, Finanzreformen und seine generellen Ansichten über die menschliche Natur. Der fundamentale Fehler des Kongresses sei ihre Machtlosigkeit gegenüber den Staaten; es habe keine Kraft für Krieg noch Frieden. Für Krieg hätte es keine Macht, da die Staaten die Macht über die Armeen besaßen, die aber in die Hände des Kongress gehöre. Weitaus wichtiger für Hamilton war aber die potentielle Krise im Frieden: Der Kongress gäbe den Staaten zu viel Macht über die Kasse. Ein weiteres fundamentales Problem sei das Fehlen einer starken Exekutive, doch das wichtigste Ziel Hamiltons war eine Reform, um die Finanzlage der Nation wieder auf den rechten Weg zu bringen. Um diese Probleme zu besprechen und um Reformen einzuleiten, um sie zu beseitigen, sollte man einen Verfassungskonvent berufen. Des Weiteren schlägt Hamilton genaue Finanzreformen vor und unterstützt die Aktionen des neuen Superintendant of Finance Robert Morris.[63][64]

Schlacht von YorktownBearbeiten

Während dem Dienst als Aide-de-camp verlangte Hamilton Ruhm als einen Anführer auf dem Schlachtfeld. Als sich der Krieg gen Ende neigte, forderte er diesen Posten vergebens von Washington. Nach einem kleinen Streit mit Washington im Februar 1781 legte er seinen Posten nieder. Vermutlich erwartete Hamilton, dass Washington ihn direkt zum Anführer einer Bataillon machen würde, allerdings erfüllte Washington diese Erwartungen nicht. Trotzdem forderte dies Hamilton persistent in mehreren Briefen und Besuchen.[65] Um seine Forderungen durchzusetzen drohte Hamilton schlussendlich mit einem Rücktritt von seinem Posten als Lieutenant Colonel, worauf Washington ihm sofort den Befehl über eine Bataillon Leichter Infanterie übertrug.[66][67]

 
The Storming of Redoubt #10 (Eugene Lami, 1840)

Diese Bataillon würde Hamilton in der Schlacht von Yorktown anführen. Washington plante nämlich zusammen mit der alliierten französischen Flotte unter dem Comte de Grasse und dem Comte de Rochambeau die britische Position in Yorktown unter der Führung von Lord Cornwallis zu erobern und den Unabhängigkeitskrieg in dieser Schlacht zu gewinnen. Wie der Rest der Armee, die nahe New York stationiert war, musste Hamiltons Bataillon erst verschoben werden. Dafür wurde fast der gesamte September gebraucht. Zur Verteidigung hatte Cornwallis zehn Redouten erbaut, die das Hauptziel der amerikanischen und französischen Angriffe wurden. Am 6. Oktober begannen französische Ingenieure, zwei Gräben zu graben um Cornwallis abzuschneiden. Um sie fertigzustellen mussten die Redouten neun und zehn, die am nächsten zu den französischen und amerikanischen Positionen waren, eingenommen werden. Den Angriff auf das Redout zehn führte Hamilton an und eroberte es in einigen Minuten. Auch Redout neun wurde von französischen Truppen unter dem Comte de Rochambeau eingenommen und die Gräben wurden fertiggestellt, worauf Cornwallis kapitulierte. De facto hörte der Krieg damit auf, De jure endete er aber erst mit dem Vertrag von Paris im Jahre 1783. Im März 1782 gab Hamilton seinen militärischen Posten auf.[68][69]

AnwaltspraxisBearbeiten

Das Oberste Gerichtshof in New York suspendierte im Januar 1782 die Pflicht, eine dreijährige Ausbildung zu absolvieren, für solche Soldaten, die vor ihrem Dienst in der Revolution Jura studiert hatten. Dies ermöglichte Hamilton ein Selbststudium, das er sechs Monate später mit seiner erfolgreichen Anwaltsprüfung beendete. Er verfasste daraufhin, wie für neue Anwälte üblich, ein juristisches Handbuch. Das 40.000 Wörter und 177 Seiten lange Practical Proceedings in the Supreme Court of the State of New York wurde zum Standardwerk der New Yorker Gesetzgebung. Erst William Wyches New York Supreme Court Practice, basierend auf Practical Proceedings in the Supreme Court of the State of New York, löste es 1794 in dieser Rolle ab.[70]

Hamilton spezialisierte sich auf die Verteidigung ehemaliger Loyalisten, die zunehmend unter dem Confiscation Act, Citation Act und dem Trespass Act angegriffen wurden, wobei der Fall Rutgers v. Waddington besonders hervorsticht. Er verteidigte Joshua Waddington gegen Elizabeth Rutgers, die ihn auf Grund des Trespass Act auf 8.000 Dollar verklagte. Der Fall endete aber mit der Bezahlung von nur 800 Dollar. Es folgten 44 oder 45 weitere Fälle unter dem Trespass Act sowie 20 unter dem Confiscation Act und dem Citation Act. Hamilton verteidigte ehemalige Loyalisten auch in zwei Artikeln unter dem Titel Letter from Phocion, benannt nach dem antiken athenischen General Phokion. Die Unterstützung der Loyalisten wurde in vielen radikalen Zeitungen scharf angegriffen.[71]

Hamilton gründete 1784 die Bank of New York, eine der ältesten Banken in Nordamerika.[72]

Anfänge in der PolitikBearbeiten

KonföderationskongressBearbeiten

Schon zu seiner Zeit als Aide-de-camp Washingtons enttäuschte ihn der Konföderationskongress. Die Hauptgründe dafür waren Korruption und die Unfähigkeit des Kongresses Steuern einzutreiben, woraus akute Geldprobleme resultierten, was zu unterbezahlten Soldaten führte.[73]

Hamilton wurde als einer von fünf Delegierten aus New York in den Konföderationskongress in Philadelphia gewählt. Er erreichte ihn im späten November 1782.[74] Zusammen mit James Madison kämpfte er dafür, dem Kongress ein stabiles Einkommen zu verschaffen, um die hohen Kriegsschulden zu verringern. Beide unterstützten einen Zoll von 5 % auf alle Importe, was am heftigsten von Rhode Island abgelehnt wurde. Ein Komitee mit ihm und Madison versuchte Rhode Island zu überzeugen, doch stimmte nun auch Virginia gegen den Zoll, woraufhin er aufgegeben wurde.[75]

Unbezahlte Soldaten drohten am 6. Januar 1783 in einer Petition mit Rebellion, wovor Hamilton Washington in einem Brief, der am 13. Februar verfasst wurde, warnte. In diesem Brief empfahl er Washington, diese Möglichkeit zu nutzen, um dem Kongress Geld zu beschaffen. Washingtons Antwort, verfasst am 4. März, dankte Hamilton für die Warnung, doch er lehnte es ab, die Armee auszunutzen. Washington entschärfte die Situation, indem er die Soldaten persönlich ansprach.[76] Dies ging als „Newburgh-Verschwörung“ in die Geschichte ein.

Verfassungsdebatte und Federalist PapersBearbeiten

 
Hamilton-Plan
 
James Madison (John Vanderlyn, 1816)

Hamilton vertrat New York mit Egbert Benson 1786 in der Annapolis Convention, wo sie mit fünf anderen Staaten über Handelspolitik entscheiden sollten. Die insgesamt zwölf Delegierten entschieden zwischen dem 11. und 14. September, dass die Streitigkeiten zwischen den Staaten Symptome der schwachen Nationalregierung seien, weshalb sie den Konföderationskongress bitten würden, im Mai einen Konvent aller Staaten in Philadelphia zusammenzurufen, der die Konföderationsartikel ändern sollte. Die Bitte wurde von Hamilton verfasst.[77]

New York entsandte Hamilton gemeinsam mit John Lansing und Robert Yates, zwei Gegnern einer stärkeren Nationalregierung, zur Philadelphia Convention. Im Konvent hatte jeder Staat eine Stimme, so dass Hamilton gegenüber seinen beiden Mitdelegierten in der Minderheit war, solange diese anwesend waren.[78]

Es gab zwei bedeutende Vorschläge: den Virginia-Plan, unterstützt von größeren Staaten, und den New-Jersey-Plan, unterstützt von kleineren Staaten.[79] Eine Alternative wurde am 18. Juni in einer sechsstündigen Rede von Hamilton vorgeschlagen. Er begann seine Rede damit, die möglichen Resultate des Konvents vorherzusagen: Er werde entweder den Status quo beibehalten, dem Kontinentalkongress mehr Rechte geben oder eine neue Regierung bilden. Darauf ging er auf das seiner Meinung nach wichtigste Thema des Konvents ein, die Macht der Staatsregierungen gegen die Macht einer Nationalregierung. Er sah die Macht der Staatsregierungen als zu groß und die Macht der Nationalregierung als zu gering an. Sein Argument waren die „Prinzipien zivilen Gehorsams“ (englisch Principles of civil obedience) – Interesse (Belohnung für das Unterstützen einer Regierung), Meinung (Popularität der Regierungen), Gewohnheit (Gewohnheit eine Regierung zu unterstützen), Macht (Möglichkeit Gesetze durchzusetzen) und Einfluss (Ehrungen, z. B. Richtertum) – die alle zugunsten der Staatsregierungen stritten, was laut ihm zum Zusammenbruch der Nationalregierung führen würde. Schließlich schlug er ein eigenes System vor: Es solle ein Zweikammersystem geben mit einem Senat und einem Repräsentantenhaus sowie einen mit einem absoluten Vetorecht ausgestatteten Präsidenten. Der Präsident und der Senat sollten durch von Landbesitzern gewählte Wahlmänner auf Lebenszeit gewählt werden, das Repräsentantenhaus alle drei Jahre von allen Männern. Die beiden Parlamentskammern und der Präsident sollten von einem Obersten Gericht kontrolliert werden.[80] Der kontroverse Plan wurde zwar nie angenommen, doch wirkte der Virginia-Plan verglichen mit Hamiltons Plan weniger radikal. Es wurde sogar vermutet, dass dies die eigentliche Absicht Hamiltons war.

Hamilton kehrte nach einer weiteren Rede am 29. Juni zurück nach New York. Er schrieb in einem Brief an Washington, dass er „ernsthaft und zutiefst betrübt“ (englisch seriously and deeply distressed) über den Konvent war. Eine Woche später kehrten auch Lansing und Yates nach New York zurück.[81] Hamilton pendelte zwar anschließend zwischen New York und Philadelphia hin und her und war der einzige anwesende Delegierte aus New York, doch konnte er ohne sie nicht abstimmen.[82] In New York engagierte er sich in einem Federkrieg gegen den anti-föderalistischen George Clinton.[83] Die Verfassung wurde dann am 17. September entsprechend dem Connecticut-Kompromiss unter anderem von Hamilton unterschrieben.

Nach der Unterzeichnung der neuen Verfassung bildeten sich zwei Fraktionen: Unterstützer der Verfassung, genannt Föderalisten, und Gegner der Verfassung, genannt Anti-Föderalisten.[84] Hamilton, einer der bedeutendsten Unterstützer der Verfassung, plante zusammen mit anderen Föderalisten eine Serie von Artikeln, die Federalist Papers betitelt wurden. Zwar wollte Hamilton auch Gouverneur Morris und William Duer rekrutieren, doch konnte er nur John Jay und Madison überzeugen. Jeder Autor sollte seine Fachgebiete abdecken: Jay die Außenpolitik, Madison die Anatomie der neuen Regierung und Hamilton die Exekutive, Judikative, das Militär und Steuern. Veröffentlicht wurden die Essays unter dem Pseudonym Publius.[85] Da Jay auf Grund einer Krankheit nur fünf Essays schreiben konnte, wurden die 85 Federalist Papers hauptsächlich von Madison (29 Essays) und Hamilton (51 Essays) geschrieben. Sie hielten einen festen Zeitplan mit vier Artikeln pro Woche, die im Independant Journal veröffentlicht wurden.[86]

Präsidentschafts-, Gouverneurs- und Senatswahl von 1789Bearbeiten

 
Offizielles Porträt von Adams als Vizepräsident durch John Trumbull zwischen 1792 und 1793.

Die neue Verfassung sah den Posten des Präsidenten vor, für den der populäre Washington prädestiniert war. Die Wahlmänner sollten zwei Stimmen erhalten. Der Zweitplatzierte wurde Vizepräsident; der Kandidat war John Adams. Hamilton, der den föderalistischen Adams eigentlich unterstützte, hegte die Sorge, dass Adams ein Patt mit Washington erreichen könnte, was eine Peinlichkeit fürs neue Electoral College wäre. Er bat sieben oder acht Wahlmänner, jemand anderen als Adams zu wählen, um dieses Szenario zu vermeiden. Adams missverstand diese Aktion, die er als „dunkle und dreckige Intrige“ (englisch dark and dirty Intrigue) bezeichnete, als Angriff auf ihn.[87] Washington gewann die Wahl einstimmig. John Adams (Bild) wurde mit 34 von 69 Wahlmännern Vizepräsident.

Zur gleichen Zeit fanden Gouverneurswahlen in Hamiltons Heimatstaat New York statt. Spitzenkandidat war der sich zur Wiederwahl stellende Anti-Föderalist George Clinton, ein Feind Hamiltons. Der föderalistische Gegenkandidat war Robert Yates, der in der Philadelphia Convention noch Anti-Föderalist gewesen war. Der Wahlkampf begann mit 16 Artikeln von Hamilton, die unter dem Pseudonym H. G. im Daily Advertiser veröffentlicht wurden. Die gelegentlich persönliche Antwort der Anti-Föderalisten wurde von mehreren Autoren geschrieben. Clinton besiegte Yates.[88]

Die Senatswahl 1788 fand in New York und North Carolina erst 1789 statt, da sich die dortigen Parlamente, die die Senatoren zu wählen hatten, noch nicht versammelt hatten. (Erst seit dem 17. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten wurden Senatoren direkt gewählt.) Für diese Wahl gab es einen Pakt zwischen den zwei bedeutenden Politikern Philip Schuyler, unterstützt von seinem Schwiegersohn Hamilton, und Robert R. Livingston. Dieser sah vor, Philip Schuyler selbst und James Duane, einen Verbündeten Livingstons, unterstützt von beiden Parteien in den Senat zu wählen. Dies geschah nicht, da dank Hamilton statt Duane Rufus King von Schuyler unterstützt wurde. Der Sieg von King trieb Livingston ins anti-föderalistische Lager.[89]

Hamilton als Finanzminister in Washingtons KabinettBearbeiten

 
Charles Shirreff zugeschriebenes Porträt von Alexander Hamilton, ca. 1790

Ernannt wurde Hamilton am 11. September 1789, neun Tage nachdem das Finanzministerium geschaffen wurde.[90]

Die Verfassung schuf kein Kabinett, weshalb das Vorgehen Hamiltons und der anderen Mitglieder in Washingtons Kabinett (Außenminister Thomas Jefferson, Kriegsminister Henry Knox und Justizminister Edmund Randolph) ihre Ministerien für die Zukunft definierte.[91] Besonders die spezifischen Aufgaben der Ministerien waren umstritten, so nahm Hamilton an fast jeder Angelegenheit teil. Sein Einfluss als Berater war so groß, dass einige Historiker ihn als Ministerpräsidenten des Staatspräsidenten Washington betrachten.[92]

Report on Public Credit und Kompromiss von 1790Bearbeiten

 
Die erste Seite des „Report on the Public Credit“

Zehn Tage nachdem Hamilton zum Finanzminister ernannt worden war, am 21. September, forderte der Kongress einen Bericht über den nationalen Kredit (englisch Report on Public Credit), wofür ihm eine Frist von 110 Tagen eingeräumt wurde.[93] Das Thema des Berichts wurden die immensen Schulden der Vereinigten Staaten, die schon seit Hamiltons Mitgliedschaft im Kontinentalkongress zu den größten Problemen der Nationalregierung gehörten. Man konnte die Schulden in drei Kategorien einteilen: Schulden der Bundesstaaten, Schulden der Nationalregierung, deren Gläubiger ausländisch waren, und Schulden der Nationalregierung, deren Gläubiger inländisch waren.[94]

Hinsichtlich der ausländischen Schulden, die fast alle aus der Amerikanischen Revolution stammten, herrschte der Konsens, dass sie wichtiger als inländische Schulden waren und deshalb zuerst abgezahlt werden müssten, doch war dies ohne eine Steuererhöhung nicht möglich. Hamiltons löste das Problem teilweise mit einer Verschiebung der Frist für die Zahlung an Frankreich, um zuerst die Schulden bei holländischen Kaufleuten zu bezahlen.[95] Ein Teil der inländischen Schulden bestand aus Schuldscheinen, mit denen Soldaten während der Revolution bezahlt worden waren. In der Überzeugung, dass sie nie zurückgezahlt werden würden oder aus schlichter Geldnot verkauften die Veteranen die Schuldscheine an Spekulanten.[96] Vorgeschlagen wurde Diskriminierung, also statt die Spekulanten für die gekauften Schuldscheine zu bezahlen, die Soldaten als ursprüngliche Empfänger der Schuldscheine zu bezahlen. Die Popularität des Vorschlages lässt sich mit der Unbeliebtheit der Spekulanten, auch Blutsauger genannt, erklären.[97] Der Rest der inländischen Schulden bestand hauptsächlich aus Anleihen, den „loan office certificates“.[98] Die Schulden der Bundesstaaten stammten wie die der Nationalregierung noch aus der Revolution. Hier zeigte sich ein klarer Schnitt zwischen Staaten mit noch hohen Schulden (z. B. South Carolina und Massachusetts) und Staaten, die ihre Schulden schon bezahlt hatten (z. B. Virginia und North Carolina).[99] Klären musste Hamilton auch die Frage, ob man die Schulden schlicht zurückzahlen oder aber finanzieren, also auf einer niedrigen Ebene halten sollte. Befürworter der direkten Zurückzahlung sahen Schulden als Fluch an, der unverzüglich mit allen möglichen Mitteln beendet werden sollte, während Befürworter einer Finanzierung Schulden als einen Segen ansahen, welcher mit dem richtigen Management wirtschaftlichen Wachstum und Stabilität sicherte.[100]

Hamilton sah das Fehlen von Geld als einen der wichtigsten Auslöser dieser Probleme. Als Lösung schlug er im Bericht vor, Schulden an die Regierung in Geld umzuwandeln, was jeder Klasse der Gemeinschaft helfen würde, falls die Schulden gut finanziert seien.[101] Darauf erklärte er eine Diskriminierung als zerstörend für die Reputation der Regierung, da sie Spekulanten, die Vertrauen in die Regierung hatten, bestrafte, während sie die Soldaten, die kein Vertrauen zeigten, belohnte.[102] Er schlug eine Zentralisierung der Schulden unter der Nationalregierung vor, was ein Chaos mehrerer überlappender Schuldenpolitiken verhinderte. Ein weiteres Argument für diesen Plan entstammt dem Problem, dass Staaten mit hohen Schulden höhere Steuern als Staaten mit niedrigen Schulden forderten, was eine Immigration in letztere auslöste.[103] Die ausländischen Schulden mit nur 4 oder 5 % Zinsen sollten direkt übernommen werden, inländische Schulden erhielten eine kompliziertere Behandlung: Gläubiger sollten mehrere Optionen erhalten, ihre Schulden einzufordern, z. B. Land im Frontier. Außerdem sah der Bericht neue Steuern auf z. B. Tee, Wein, Kaffee und Whiskey vor. Zum Schluss befürwortete Hamilton die Finanzierung von Schulden.[104]

Der Bericht wurde am 14. Januar 1790 dem Repräsentantenhaus vorgelesen. Er wurde kontrovers aufgenommen; mehrere Politiker sahen ihn als Versuch an, der Nationalregierung mehr Macht zu geben, oder als korrupten Pakt mit Spekulanten. Die Debatte begann am 8. Februar mit Hamiltons Plan, die Spekulanten für die Schuldscheine, die sie von Veteranen gekauft hatten, zu bezahlen. Dabei erwies sich James Madison, von dem Hamilton Unterstützung erwartet hatte, in einer Rede am 11. Februar als Gegner des Plans, den er als Verrat an den Veteranen sah. Trotzdem wurde Hamiltons Plan mit 36 gegen 13 Stimmen angenommen.[105] Die Debatte ging über zu Hamiltons Plan, die Schulden der Staaten unter der Nationalregierung zu zentralisieren. Hier zeigte sich ein klarer Schnitt zwischen Staaten mit noch hohen Schulden (z. B. South Carolina und Massachusetts), die vom Plan profitierten, und Staaten, die ihre Schulden schon bezahlt hatten (z. B. Virginia und North Carolina), die den verschuldeten Staaten nicht helfen wollten. Besonders die agrarisch geprägten Südstaaten, angeführt von den Virginiern Madison und dem Außenminister Jefferson, der erst jüngst aus von seiner Gesandtschaft im Königreich Frankreich zurückgekehrt war, lehnten diesen Plan ab. Trotz vehementem Debattierens von Seiten Hamiltons wurde der Assumption Bill am 12. April mit 31 zu 29 abgelehnt, zwei Wochen später endeten alle Debatten über den Plan.[106]

Zur gleichen Zeit versuchten Madison und Jefferson den Kongress davon zu überzeugen, einen Platz am südlichen Potomac River als Hauptstadt vorzusehen, doch besaßen auch sie dafür keine Mehrheit im Kongress. Beide Parteien sahen einen Kompromiss als den besten Weg, ihre jeweiligen Vorschläge durchzusetzen. Laut Jefferson traf er in dieser Zeit auf einen bedrängten Hamilton, der behauptete, dass er im Falle der Ablehnung des Assumption Bills wahrscheinlich zurücktreten müsste. Weiter behauptet Jefferson, dass sie sich zusammen mit Madison am darauffolgenden Tag, dem 20. Juli, trafen. Dabei entschieden sie sich, gemeinsam den Residence Act und den Assumption Bill zu unterstützen. Sie wurden jeweils am 10. und 26. Juli verabschiedet.[107]

Report on a National BankBearbeiten

 
First Bank of the United States

Am 9. August forderte der Kongress einen weiteren Bericht,[108] den Hamilton der Befürwortung einer National-Bank widmete. Anders als viele seiner Zeitgenossen befürwortete Hamilton, beeinflusst von den Theorien Adam Smiths und Malachy Postlethwayts und den aufkeimenden Banken Europas, eine National-Bank.[109][110]

Sein erstes Argument für eine National-Bank war, dass Geld in Truhen von Einzelpersonen nichts für die Wirtschaft erreiche, während Geld in Banken dank den mehreren Funktionen einer Bank die Wirtschaft ankurbeln würde. Darauf sprach er Papiergeld an, das wegen des inflationierten, wertlosen Papiergeldes, der Continentals, unbeliebt war. Da es der amerikanischen Wirtschaft aber an Geld fehlte (z. B. wurden im Süden schon Tabakrezepte als Geld genutzt), wollte Hamilton das Papiergeld wieder einführen. Um die Probleme der Continentals zu vermeiden, sollte die National-Bank Papiergeld drucken, das für Münzen eintauschbar wäre. Dies würde eine automatische Selbstkorrektion auslösen: Falls die Bank zu viel Geld druckte, würden Bürger ihr Papiergeld gegen Münzen eintauschen, worauf die Bank ein Teil des Papiergeld zurückziehen werde. Um Korruption vorzubeugen, sollten die Direktoren regelmäßig ausgetauscht werden.[111][112]

Am 14. Dezember 1790 wurde der Bericht dem Repräsentantenhaus vorgelesen,[113] am 20. Januar 1791 folgte ein Vorschlag für die Gründung der National-Bank, die 20 Jahre lang bestehen und in Philadelphia gebaut werden sollte. Erneut kam ein Großteil der Kritik aus den agraistischen Südstaaten, die befürchteten, dass eine National-Bank die Händler der Nordstaaten zu mächtig machen würde. Madison griff in Reden am 2. und 8. Februar 1791 den Vorschlag auf der Basis an, dass eine National-Bank gegen die Verfassung verstoße. Trotzdem wurde er am 8. Februar mit 39 zu 20 angenommen, bemerkenswert ist die heftige Debatte zwischen den nördlichen Staaten, die generell dafür stimmten, und den südlichen Staaten, die einhellig dagegen stimmten.[114][115] Madison versuchte, Washington zu überzeugen, sein Veto einzulegen, worauf er sein Kabinett zu Hilfe rief. Jefferson und Randolph unterstützten ein Veto, doch überzeugte Hamilton Washington in einer Abhandlung von 15.000-Wörtern von der Unterschrift unter das Gründungsdokument der First Bank of the United States. Diese Abhandlung gilt als einer der ersten Beschreibungen der „implizierten Mächte“ (englisch implied powers), die nicht in der Verfassung beschriebe werden, aber der Regierung trotzdem zur Verfügung stehen. Später zitierte Daniel Webster seine Verteidigung der National-Bank im Fall McCulloch v. Maryland.[116]

Report on the MintBearbeiten

Um der amerikanischen Wirtschaft weiter gegen den Mangel an Geld zu helfen, schlug Hamilton im Report on the Mint am 28. Januar 1791 die Gründung einer Münzprägeanstalt und eine Münzreform vor. Die Dollar sollten auf dem Dezimal-System basieren und bimetallisch sein. Mit dem Münzgesetz von 1792 wurden diese Reformen durchgesetzt, die United States Mint wurde dem Außenministerium Jeffersons zugeordnet.[117]

Report on ManufacturesBearbeiten

 
Alexander Hamilton (John Trumbull, 1792)

Im Mutterland Amerikas, England, fing im späten 18. Jahrhundert die Industrielle Revolution an, was einen wirtschaftlichen Aufschwung auslöste. Hamilton befürchtete, dass die USA, falls sie nicht auch eine Industrialisierung durchgehen würden, wirtschaftlich abgehängt würden. Um dies zu verhindern, gewährte Hamilton schon 1789 Subventionen an die Industrie, z. B. an die New York Manufacturing Society und, wichtiger, die Society for the Encouragement of Useful Manufactures (gekürzt S. U. M.). Er wurde hierbei vom assistierenden Finanzminister Tench Coxe unterstützt.[118] Am 15. Januar 1790 forderte der Kongress einen Report on Manufactures, den er erst fast zwei Jahre später, am 5. Dezember 1791, vorlegte. Die Motivation für diesen Bericht war militärisch; im Falle eines Krieges sollten die USA nicht vom Handel mit anderen Mächten abhängig sein, doch nutzte Hamilton ihn als Plattform für einen Plan zur Industrialisierung.[119]

Von Anfang an betonte Hamilton, dass sein neues industrielles System das damals vorherrschende Agrarsystem nicht ersetzten, sondern daneben existieren würde. Trotzdem griff er das ökonomische System des Agraismus, gestützt von Adam Smiths Wohlstand der Nationen, an. Hamilton schildert in einem großen Teil des Textes, wie er sich die industrielle Wirtschaft vorstellte: eine chancengleiche Meritokratie. Der Handel solle, anders als bei Smith vorgesehen, reguliert werden, doch sollten diese Regularien nicht extrem sein, da Hamilton ohnehin ein Laissez-faire bevorzugte, aber eine Kontrolle der Wirtschaft für das neu gegründete Amerika auf Grund der aggressiven Handelspolitik der europäischen Mächte als unausweichlich ansah. Darauf werden Waren aufgeführt, deren Herstellung unterstützt werden sollte (u. a. Kupfer, Kohle, Holz, Weizen, Seide und Glas), und erörtert, auf welche Weise sie unterstützt werden sollten. Dabei bevorzugte er Incentiven. Dem eigentlichen Thema, Wirtschaft in der Kriegszeit, widmete er nur zwei Paragraphen. Seine Vorschläge wurden hauptsächlich vom ersten Artikel der Konstitution, spezieller von der ersten Klausel des achten Abschnitt, die besagt, dass der Kongress für Verteidigung und Wohlfahrt sorgen muss (englisch provide for the common defense and general welfare), justifiziert.[120]

Der Kongress beachtete den Bericht kaum, trotzdem war er von immenser Bedeutung für die amerikanische Schule der Ökonomie.[121]

Machtkampf zwischen Jefferson und HamiltonBearbeiten

 
Thomas Jefferson (Charles Willson Peale, 1791)

Im frühen Amerika waren politische Parteien, Fraktionen genannt, universell verhasst. Z. B. sagte, laut James Kent, Hamilton im Federalist, in seinen Reden und zu Kent selbst, dass Fraktionen die USA ruinieren würden. Trotzdem bildeten sich u. a. auf Grund der Fragen der Außenpolitik und der Reformen Hamiltons zwei klare Fraktionen: die Unterstützer von Madison und Jefferson, genannt Republikaner (später Demokratisch-Republikaner), und die Unterstützer von Hamilton, genannt Föderalisten. Laut Jefferson wollten die Republikaner dem Senat und damit der Legislative mehr Macht geben, während die Föderalisten dem Präsidenten und damit der Exekutive mehr Macht geben wollten. Stanley Elkins und Eric McKitrick datieren in The Age of Federalism die Gründung der Parteien auf 1792,[122] doch sehen einige, u. a. John Marshall in seiner Biographie George Washingtons, die Anfänge politischer Parteien in der Diskussion um eine National-Bank, also 1791. In diese Zeit fallen auch Ausflüge Jeffersons in den Norden, um Alliierte wie den neuen New Yorker Senator Aaron Burr zu rekrutieren, der Hamiltons Schwiegervater Philip Schuyler in der Wahl zum Senat 1790 und 1791 besiegte. Die neu gegründeten Parteien waren nicht offiziell, sie konnten auf ihre Mitglieder keinen Druck ausüben. Ein Großteil der US-Amerikaner trauten politischen Parteien noch nicht und betrachteten sie manchmal sogar als eine Verschwörung, weshalb Politiker ihre Mitgliedschaft in diesen verneinten.[123]

Nach der allmählichen Bildung der Parteien wurde der politische Machtkampf zwischen Jefferson und Hamilton extremer, die Parteien entwarfen ein dämonisches Bild voneinander: Föderalisten sollen Konterrevolutionäre, Republikaner Anarchisten sein.[124] Jefferson griff Hamilton in mehreren Gesprächen mit Washington an; u. a. die Furcht, dass Hamilton mit dem Finanzministerium die Regierung übernehmen werde, und die Behauptung, dass Hamilton Monarchist sei, wurden oft angesprochen. Dass Washington nicht überzeugt wurde, interpretierte Jefferson so, dass Hamilton Washington um den Finger gewickelt habe. Er begann, einen Rücktritt in Betracht zu ziehen.[125]

Auch in den Zeitungen wurde der Machtkampf zwischen Hamilton und Jefferson ausgefochten: Hamilton wurde von John Fennos semioffizieller Gazette of the United States unterstützt, im Gegenzug wurde die Gazette finanziell von Hamilton unterstützt.[126] Jefferson wurde von Philip Freneaus National Gazette unterstützt[127], in der besonders Madison aktiv war.[128][129]

Washington bewertete die Kämpfe in seinem Kabinett negativ; in mehreren Briefen an Hamilton versuchte er ihn zu beschwichtigen. Hamilton ignorierte sie und schrieb mehrere Essays, die ihn verteidigten, während Republikaner weiter Angriffe führten.[130] Auch im Kongress wurde Hamilton angegriffen, hauptsächlich von den Virginern William Branch Giles und Madison, die mehrere unerfolgreiche Untersuchungskommissionen gegen Hamilton durchsetzten.[131]

Diplomatische Beziehungen mit Frankreich und GroßbritannienBearbeiten

 
Die erste Seite des Jay-Vertrags

Die Französische Revolution wurde in Amerika nach einer anfänglich herzlichen Begrüßung seit Beginn der Schreckensherrschaft kontrovers betrachtet: Föderalisten sahen die Revolution als Warnung dafür an, wie eine Revolution in Terror enden könnte, während Republikaner und ein großer Teil der Bevölkerung in ihr eine Wiederholung der amerikanischen Revolution sahen.[132] Die Frage, ob man die Revolution unterstützen sollte, wurde nach der Kriegserklärung Frankreichs an Großbritannien ein wichtiges Thema. Hamilton und Jefferson unterstützten gemeinsam eine Neutralitätserklärung, doch konnten sie sich nicht auf genaue Details einigen: Jefferson wollte sie als Verhandlungsinstrument mit anderen Nationen nutzen, während Hamilton eine direkte Erklärung der Neutralität bevorzugte. Hamilton überzeugte Washington, der am 22. April die Neutralität offiziell bekanntgab.[133] Eine diplomatische Krise, ausgelöst vom französischen Botschafter Edmond-Charles Genêt (nach der Politik des revolutionären Frankreich genannt Citizen Genêt), verschärfte die Spannungen zwischen Jefferson und Hamilton, wobei Washington weiter zu Hamilton hielt.[134] Die Kämpfe im Kabinett erstreckten sich bis zum 31. Dezember 1793, als Jefferson zurücktrat und durch den Justizminister Edmund Randolph ersetzt wurde, neuer Justizminister wurde William Bradford. Auch Hamilton begann, einen Rücktritt in Betracht zu ziehen.[135][136]

Trotz der probritischen Haltung der US-amerikanischen Außenpolitik griff die britische Regierung unter William Pitt amerikanische Handelsschiffe auf dem Weg nach Frankreich an. Dies löste Empörung aus; es wurde eine Armee mit 20.000 Männern vorbereitet und Hamilton empfahl Handelsposten, sich zu befestigen.[137] Oliver Ellsworth schlug vor, einen Bevollmächtigten zu entsenden, um einen kriegsverhindernden Vertrag auszuhandeln. Ein offensichtlicher Kandidat, den auch Ellsworth unterstützte, war Hamilton, doch zweifelte Washington, ob Hamilton durch die Öffentlichkeit unterstützt werden würde. Auch Hamilton fand, dass die Anfeindungen durch Republikaner ihn von der diplomatischen Mission abhielten. Sein Vorschlag war der oberste Richter John Jay, was Washington annahm. Das grobe Ziel Jays entschied sich in einem Treffen der führenden Föderalisten, dank Hamiltons Einfluss sollte der Jay-Vertrag, wie er später genannt wurde, auch kommerzielle Themen behandeln.[138]

Whiskey-RebellionBearbeiten

Im März 1791 verabschiedete der Senat mit gemeinsamer Unterstützung von Madison und Hamilton eine Steuer auf alkoholische Getränke, die schon im Report on Public Credit erwähnt wurde.[139] Die neue Steuer wurde besonders im westlichen Pennsylvania, wo Brauereien einen wichtigen Teil der lokalen Kultur und Wirtschaft bildeten, trotz einer Senkung der Steuern verhasst. Eine Rebellion entbrannte, als zwei Steuereintreiber von insgesamt 500 Männern angegriffen wurden, woraufhin sich am 1. August auf Braddock’s Field 6000 Rebellen unter Führung von David Bradford sammelten. Nach dem Vorbild der Französischen Revolution stellte man Guillotinen auf.[140]

Hamiltons Meinung über die Revolte wird in einem Brief an Washington und in mehreren Artikeln deutlich, die unter dem Pseudonym Tully zwischen dem 23. August im American Daily Advertiser veröffentlicht wurden. Der Verrat, als der er ihn sah, sollte mit militärischer Macht niedergeschlagen werden. Edmund Randolph befürwortete zusammen mit führenden Politikern aus Pennsylvania eine friedlichere Politik der Aussöhnung mit den Rebellen. Washington wählte einen Kompromissweg zwischen den beiden Parteien; drei Bevollmächtigte, darunter William Bradford, sollten mit den Rebellen verhandeln. Falls die Rebellen sich nicht bis zum 1. September auflösten, sollte eine Miliz entsandt werden. Die Bevollmächtigten erreichten nichts. Auf Hamiltons Vorschlag bestand die Miliz aus 6000 Pennsylvaniern und jeweils 2000 Mann aus New Jersey, Virginia und Maryland. Am 4. Oktober trafen Hamilton, welcher den abwesenden Kriegsminister Henry Knox ersetzte, und Washington auf die Miliz in Carlisle. Von dort aus kehrte im späten Oktober Washington auch wieder zurück, das Kommando überließ er Henry Lee III. Darauf marschierte die Armee nach West-Pennsylvania, dem Zentrum der Rebellion, wo sie wenig Widerstand begegnete.[141]

Hamilton wurde in der republikanischen Presse als despotischer Tyrann dargestellt, besonders von Benjamin Franklin Bache und William Findley. Trotzdem wurde die unblutige Zerschlagung der Revolte generell gut aufgenommen, sie verursachte den Sieg der Föderalisten in den Midterm Elections.[142]

Report on a Plan for the Further Support of Public Credit und RücktrittBearbeiten

Am 1. Dezember 1794 gab Hamilton bekannt, dass er von seinem Posten als Finanzminister am 31. Januar zurücktreten würde. Sein Entschluss wurde wahrscheinlich von der Fehlgeburt seiner Frau geprägt, die laut ihm von seiner Abwesenheit während der Whiskey-Rebellion ausgelöst wurde.[143]

Schulden waren noch immer eines der größten Probleme der Republik, die 55 % ihres Einkommen für den Schuldendienst aufwenden musste. Um dieses Problem zu lösen, bot der Kongress nur kurzzeitige Lösungen anstatt einem Generalplan, der das Problem abschließend lösen würde. Hamilton verärgerte dieses Verhalten; er verfasste einen Bericht an den Kongress namens Report on a Plan for the Further Support of Public Credit, der einen eigenen Plan bot und am 19. Januar 1795 vorgestellt wurde. Der Bericht beschrieb einen Plan, die Schulden innerhalb von 30 Jahren abzuzahlen. Die vorgeschlagenen Reformen wurden innerhalb nur eines Monats vom Kongress angenommen. Nicht angenommen wurden Änderungen, die Aaron Burr vorgeschlagen und welche Hamilton stark kritisiert hatte.[144]

Leben nach MinisterschaftBearbeiten

Unterstützung des Jay-VertragBearbeiten

 
John Jay (Gilbert Stuart, 1794)

Der Jay-Vertrag erreichte die Regierung am 7. März 1795. Er wurde am stärksten von Republikanern für die immensen Zugeständnissen zu Großbritannien kritisiert, doch erreichte der Jay-Vertrag das föderalistische Ziel: Frieden mit Großbritannien. Er wurde nach einer Änderung des 12. Artikels vom Senat angenommen, doch zögerte Washington aus Furcht von Kritik der Öffentlichkeit, den Vertrag zu unterschreiben. Hamilton versuchte ihn in einem Brief, der die Artikel des Vertrags einzeln analysierte, zu überzeugen. Auch verfasste er zusammen mit Rufus King eine Reihe von Artikeln unter dem Namen The Defence unter dem Pseudonym Camillus, welche den Vertrag verteidigten. Zeitgleich schrieb Hamilton Essays unter dem Pseudonym Philo Camillus, in denen er Camillus rühmt und die Gegner des Vertrags als Kriegsfalken darstellt.[145]

Republikaner stellten die Verfassungsmäßigkeit des Vertrages in Frage. Da der Vertrag auch kommerzielle Themen behandelte, wollten Republikaner, dass er auch vom Repräsentantenhaus angenommen wird, was jedoch sowohl von Hamilton in seinen letzten beiden The Defence-Essays als auch von Historikern verurteilt und abgelehnt wurde. Des Weiteren forderten Republikaner, dass Washington die bisher geheimen Anweisungen für Jay veröffentlicht, was ebenfalls abgelehnt wurde. Schließlich versuchten sie, die Geldmittel, die für den Vertrag nötig waren, nicht bereitzustellen, was aber mit 51 zu 48 Stimmen abgelehnt wurde.[146]

Wahl 1796Bearbeiten

Oliver Wolcott junior, der neue Finanzminister, Timothy Pickering, der neue Außenminister, James McHenry, der neue Kriegsminister, und auch Washington, der von seinem neuen Kabinett enttäuscht wurde, baten Hamilton oftmals um Rat. Der wahrscheinlich wichtigste Fall folgte der Entscheidung Washingtons, sich nicht zum dritten Mal zur Präsidentschaftswahl zu stellen, was einen Präzedenzfall schuf, der eventuell in den 22. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten mündete. Um diese Entscheidung zu erklären, wollte er eine Farewell Adress veröffentlichen, die er Hamilton verfassen ließ. Als Manuskript wurde eine Farewell Adress genutzt, die von Madison am Ende von Washingtons erster Amtszeit verfasst worden war, und ein zusätzlicher Teil über die großen Änderungen auf Gebieten wie z. B. der Außenpolitik, verfasst von Washington selbst, doch forderte Washington eine komplett neue Form. Ziel war ein zeitloses Dokument, das alle Amerikaner inspirieren sollte. Es wurde erstmal am 19. September 1796 in Claypoole’s American Daily Advertiser veröffentlicht, worauf es schnell als politisches Meisterwerk angesehen und weit verbreitet wurde.[147]

Hamilton stellte sich trotz seiner Bedeutung in der Föderalistischen Partei nicht zur Wahl, wahrscheinlich weil seine Kontroversität einen Sieg gefährdet hätte. Statt seiner wurde der ehemalige Vizepräsident Washingtons John Adams als föderalistischer Kandidat nominiert, dessen Vizepräsidentschaftskandidat Thomas Pinckney wurde. Thomas Jefferson wurde mit Aaron Burr als Vizepräsidentschaftskandidat als republikanischer Kandidat nominiert. Die Möglichkeit, dass sein Erzrivale zum Präsidenten gewählt werden könnte, wollte Hamilton unbedingt verhindern, weshalb er statt des neuenglischen Adams den Südkaroliner Pinckney unterstützte, der mehr Stimmen im Süden gewinnen würde. Da Adams aber immer noch von vielen Föderalisten unterstützt wurde, konnte Hamilton Pinckney nicht direkt unterstützen und schrieb stattdessen mehrere Artikel unter dem Pseudonym Phocion. Diese charakterisierten Jefferson als scheinheiligen Abolitionisten, der gegen seine Überzeugungen Slaven besitze; auch wurde er beschuldigt, sexuelle Beziehungen mit einer seiner Sklavinnen, Sally Hemings, zu führen. Südliche Sklavenhalter sollten, so Hamiltons Kalkül, Angst bekommen und statt für Jefferson für Pinckney (nicht für Adams, der eigentlich Abolitionist war) stimmen. Das Konzept ging nicht auf. Adams wurde zum Präsidenten, Jefferson zum Vizepräsidenten gewählt.[148]

Schon von Anfang an war die Beziehung zwischen Hamilton und Adams kühl, zum Teil wegen der Wahl, zum Teil auch aufgrund persönlicher Differenzen. Adams sah Hamilton als hochnäsigen Weiberhelden an, Hamilton sah Adams als überempfindlich an.[149]

Reynolds-SkandalBearbeiten

Im Sommer 1791 besuchte Maria Reynolds Hamilton. Sie erzählte ihm, dass ihr Mann sie missbrauchte. Hamilton schlug vor, sie nach Hause zu bringen und finanziell zu unterstützen, doch entwickelte sich schnell eine sexuelle Beziehung, die von der Abwesenheit von Hamiltons Frau Eliza profitierte. James Reynolds, der Ehemann Maria Reynolds, betrieb bald Chantage. Es ist bis heute unbekannt, ob Reynolds die sexuelle Beziehung Marias zu Hamilton für diese Chantage eingefädelt haben.[150] Die Affäre endete im Sommer 1792, als Hamilton sie als eine zu große politische Gefahr ansah.[151]

 
Miniaturmalerei von James Monroe (Louis Semé, 1794)

Die Situation spitzte sich zu, als James Reynolds zusammen mit seinem Freund Jacob Clingman, dem ehemaligen Schreiber Frederick Muhlenbergs, wegen Betrugs verhaftet wurde. Clingman sagte aus, dass Hamilton den Betrug gemeinsam mit ihnen begangen habe, wobei mehrere Briefe Hamiltons an Reynolds als Beweis dienen sollten. Zusammen mit James Monroe und Abraham B. Venable untersuchte Muhlenberg Clingmans Anschuldigungen. James Reynolds deutete seine Chantage gegen Hamilton nur an und forderte eine Freilassung für mehr Informationen, die auch Maria Reynolds nur in unvollständiger Form gab. Als Reynolds aus Philadelphia floh, wurden die Beschuldigungen in den Augen der Ermittler bestätigt. Monroe, Venable und Muhlenberg sahen eine Untersuchung Hamiltons als letzten Schritt vor einer Information des Präsidenten über den Vorfall. Sie konfrontierten ihn am 15. Dezember. Nachdem sie Stillschweigen zugesagt hatten, enthüllte Hamilton seine Affäre mit Maria Reynolds, um die Anschuldigungen wegen Betrugs zu entkräften.[152]

Im Sommer 1797 veröffentlichte der skandalsuchende Journalist James T. Callender The History of the United States for 1796, in der er (unterstützt durch Papiere von Monroe) behauptete, dass Hamilton Betrug mit James Reynolds betrieben hätte. So wie bei Monroe, Venable, und Muhlenberg bewies Hamilton seine Unschuld durch die Enthüllung seiner Affäre mit Maria Reynolds, diesmal in der Öffentlichkeit durch die Flugschrift Observations on Certain Documents Contained in No. V & VI of "The History of the United States for the Year 1796," In which the Charge of Speculation Against Alexander Hamilton, Late Secretary of the Treasury, is Fully Refuted. Written by Himself, besser bekannt als Reynolds Pamphlet. Nach der Flugschrift war die Reputation Hamiltons stark geschwächt, doch blieb er eine wichtige politische Figur. Hamilton und auch seine Familie beschuldigte Monroe, der in ihren Augen Rache für seine Abberufung vom Posten des Botschafters in Frankreich gesucht hatte. Diese Beschuldigungen eskalierten fast zu einem Duell, doch wurde dies von Monroes Freund Aaron Burr verhindert.[153]

Quasi-KriegBearbeiten

Nach dem Jay-Vertrag eskalierten Spannungen mit Frankreich; Der amerikanische Botschafter Charles Cotesworth Pinckney wurde aus Frankreich verwiesen. Adams und auch Hamilton wollten die diplomatischen Beziehung zu Frankreich durch eine Delegation verbessern und gleichzeitig das amerikanische Militär stärken. Die Föderalisten Pinckney und John Marshall wurden, trotz Protesten durch führende Föderalisten, u. a. auch Adams Kabinett, mit dem Republikaner Elbridge Gerry zur Aushandlung eines Vertrags ähnlich dem Jay-Vertrag zur Verhinderung eines Krieges entsandt. Marshall, Pinckney und Gerry kamen im August 1797 an und wurden im Oktober offiziell vom französischen Außenminister Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord empfangen. Drei Vertreter der französischen Seite, ursprünglich nur als X, Y und Z bekannt, aber später als Jean Conrad Hottinguer, Pierre Bellamy und Lucien Hauteval offenbart, forderten enorme Zugeständnisse von den Vereinigten Staaten als Bedingung für die Fortsetzung der Friedensverhandlungen. Die von den französischen Vertretern gestellten Bedingungen beinhalteten 50.000 Pfund Sterling, ein 12-Millionen-Dollar-Darlehen von den Vereinigten Staaten und ein Bestechungsgeld von 250.000 Dollar an Talleyrand. Auch forderte man eine formelle Entschuldigung von Adams für antifranzösische Äußerungen. Während die Forderungen Marshall und Pinckney empörten, mahnte Gerry zu Geduld. Nachrichten von der Delegation erreichten die Regierung erst am 4. März 1798; die Regierung war schockiert. Als erstes hielt Adams eine Rede an den Kongress, die die Ereignisse beschrieb und militärische Vorbereitungen forderte. Wenig später wurden die Papiere der XYZ-Affäre, wie sie später genannt wurde, auf Betreiben der Republikaner, die erwarteten, dass die Papiere Frankreich in ein besseres Licht rücken würden, veröffentlicht. Unwissentlich spielten sie den Föderalisten, deren Popularität nach der Veröffentlichung der empörenden Papiere stieg, in die Hände.[154]

 
Alexander Hamilton, William J. Weaver

Dank der XYZ-Affäre sahen mehrere Föderalisten, besonders Hamilton, einen Krieg mit Frankreich als ernstzunehmende Möglichkeit, weshalb man eine Armee vorbereitete. Viele erwarteten eine Wiederholung der Revolution, mit Washington im Oberkommando. Jedoch forderte Washington, dass Alexander Hamilton, Charles Cotesworth Pinckney und Henry Knox, möglichst in dieser Reihenfolge, die Befehlskette bilden sollten. Adams wollte aber Pinckney und Knox über Hamilton platzieren, was Washington nicht akzeptierte. Schließlich gab Adams nach, und Hamilton, der schon zum Inspector General ernannt worden war, trat seine Position hinter Washington an. Dies war einer der Anfänge der späteren Kämpfe zwischen Adams und Hamilton.[155] Als Inspector General erarbeitete Hamilton mit Pinckney, Washington und dem Kriegsminister James McHenry in mehreren Treffen im November und Dezember 1798 die Zusammenstellung der neuen Armee. In diesen Treffen wurden Hamilton große Teile der Entscheidungsmacht überlassen, doch fühlte er eine Machtlosigkeit wie im Unabhängigkeitskrieg; Bürokraten im Kongress stellten zu wenig Mittel bereit, was den einfachen Soldaten unzufrieden machen würde. Hamilton schlug vor, alles Land auf der westlichen Seite des Mississippi in amerikanischen Händen zu bringen, also auch das spanische Florida. Des Weiteren schlug er den Bau einer Militärakademie vor. Folglich nannten Republikaner und auch Adams, die diese Vorschläge als sehr militaristisch bewerteten, ihn abwertend Bonaparte und auch Little Mars.[156]

Die Streitigkeiten zwischen Republikanern und Föderalisten eskalierten nach der XYZ-Affäre. Die Föderalisten nutzten ihre Mehrheit im Kongress aus, um sich durch die Alien and Sedition Acts einen Vorteil zu verschaffen. Durch die Alien and Sedition Acts wurde die Veröffentlichung falscher, skandalträchtiger oder boshafter Schriften über die Regierung verboten, doch wurde dies fast nur genutzt, um republikanische Verleger zu verfolgen. Wegen der Angriffe auf ihn durch u. A. Callendar unterstützte Hamilton sie und nutzte sie, um David Frothingham verhaften zu lassen.[157] Vorhersehbarerweise empörten die Alien and Sedition Acts die Republikaner, die sie durch Nullifikation in den State Legislatures von Kentucky und Virginia angriffen. Zuerst wurde das Gesetz, das von Madison verfasst worden war, am 16. November 1798 in Kentucky angenommen; das Gesetz in Virginia, das von Jefferson geschrieben worden war, wurde erst am 24. Dezember angenommen. Die Föderalisten sahen es als schockierend an.[158]

Frankreich versuchte, sich den USA anzunähern, was Adams mit der Nominierung von William Vans Murray als Botschafter in Frankreich akzeptierte. Führende Föderalisten, u. a. Adams Kabinett und Hamilton, der die Bedrohung durch Frankreich als Begründung für seine Armee brauchte, schockierte die Nominierung. Zwar einigte sich die Föderalistische Partei, den Chief Justice Oliver Ellsworth und den Gouverneur North Carolinas William Davie zusammen mit Vans Murray zu senden, doch zeigte dieser innenparteiischer Streit die spätere Trennung zwischen Adams und Hamilton.[159] Am 15. Oktober 1800 hielt Adams ein letztes Treffen mit seinem Kabinett über die Botschaft, worauf er am nächsten Tag die Abreise von Vans Murray, Ellsworth und Davie im frühen November befahl. Darauf versuchte Hamilton ein letztes Mal, Adams von der Bedeutung einer Armee zur Verteidigung gegen Frankreich zu überzeugen, doch wies Adams die Idee ab, dass Frankreich eine Bedrohung darstellt. Dieses Treffen bedeutete den endgültigen Bruch Adams mit Hamilton. Nur wenig später besiegelte der Tod Washingtons das Ende der Armee, die trotz der durch Hamilton aufgebauten Qualität Mitte Juni 1800 demobilisiert wurde.[160]

Wahl 1800Bearbeiten

 
Verteilung der Wahlmänner auf Bundesstaaten und Parteien

Als wahlentscheidener Swing State galt Hamiltons Wirkungsort New York in der Präsidentschaftswahl von besonderer Wichtigkeit, doch wählte dort nur die von Föderalisten kontrollierte State Legislature, welche jedoch am 1. Mai neu gewählt wurde. Die Republikaner, durch Aaron Burr organisiert, betrieben einen energetischen Wahlkampf, den die durch Hamilton angeführten Föderalisten nicht übertreffen konnten; die Republikaner erreichten einen Erdrutschsieg. Möglicherweise wegen dieser Niederlage feuerte Adams kurz darauf seine Minister, die er als hamiltonistische Verräter sah, verbunden mit persönlichen Angriffen auf Hamilton.[161]

Am 1. August 1800 schrieb Hamilton einen angreifenden Brief an Adams, den er wegen einer fehlenden Antwort von Adams am 1. Oktober erneuerte. Wieder beantwortete Adams den Brief nicht. Wie bei der Präsidentschaftswahl 1796 unterstützte Hamilton eigentlich den Vizepräsidentschaftskandidaten, diesmal Charles Cotesworth Pinckney. Die Hoch-Föderalisten, wie die Unterstützer von Hamilton genannt wurden, erwarteten einen kritischen offenen Brief an Adams, welcher Föderalisten von der Wahl für Adams abhalten und für eine Wahl Pinckneys gewinnen sollte. Zugleich wurde aber befürchtet, dass ein solcher Brief nur die Risse in der Föderalistischen Partei vergrößern würde. Der Brief, betitelt Letter from Alexander Hamilton, Concerning the Public Conduct and Character of John Adams, Esq. President of the United States, bestätigte die Befürchtungen: Er stellte Adams als paranoiden Verrückten dar, rief aber trotzdem zu seiner Wahl auf, um einen Sieg Jeffersons zu verhindern. Die Kritik am Brief war aber so stark, dass Selbst Hoch-Föderalisten sich von Hamilton distanzierten. Ein Einfluss auf die Wahl ist bezweifelbar.[162]

Jefferson und Burr, den die republikanische Partei auf Grund seines Erfolges in den New Yorker Wahlen zum Vizepräsidentschaftskandidat ernannte, erhielten beide 73 Stimmen, in welchem Falle das Repräsentantenhaus die Wahl entscheiden müsste. Zwar hatten die Republikaner in der Wahl das Repräsentantenhaus gewonnen, doch übernahmen sie es erst im Januar, weshalb die Föderalisten das Repräsentantenhaus in einer Lame-Duck-Session kontrollierten. Sie wollten für Burr stimmen, doch weil jeder Staat einzeln wählen und man eine Mehrheit von neun Stimmen zum Sieg brauchen würde, bestand im Repräsentantenhaus ein Patt von acht Stimmen für Jefferson gegen sechs Stimmen für Burr, mit zwei Enthaltungen. Anders als viele Föderalisten sah Hamilton Burr sehr kritisch, weshalb er die Föderalisten von seiner Wahl abbringen wollte. Erst nach 35 Wahlgängen trugen seine Bemühungen Früchte: Das Repräsentantenhaus entschied sich mit zehn Stimmen für Jefferson bei fünf Stimmen für Burr, mit einer Enthaltung.[163]

Nach der Wahl von Jefferson zog sich Hamilton von der nationalen Ebene auf die regionale und juristische Ebene zurück. Er konzentrierte sich auch auf seine Familie, für die er von 1800 bis 1802 den Besitz Grange bauen ließ. Auf Einfluss seines Finanzministers Albert Gallatin behielt Jefferson Hamiltons Finanzplan, jedoch wollte er mehrere Nominierungen Adams zu Richterpositionen aufheben, was zum Gerichtsfall Marbury v. Madison führte. Um sich in New York eine Plattform gegen Jeffersons zu schaffen, gründete er die New-York Evening Post, deren Editor William Coleman wurde.[164]

Tod von Philip HamiltonBearbeiten

 
Alexander Hamilton, Ezra Ames 1802

Philip Hamilton, in den sein Vater große Erwartungen steckte, lieferte sich am 22. November ein Duell mit dem republikanischen Anwalt George Eacker, der Alexander Hamilton kritisiert hatte. Ihm wurde von seinem Vater empfohlen, seinen Schuss nicht oder in die Luft zu feuern. Getreu diesem Rat schoss Philip Hamilton zuerst nicht, doch tötete ihn Eacker. Der Tod seines Sohnes traf Hamilton sehr, er trauerte Monate lang und konnte erst nach vier Monaten auf Beileidsbekundungen antworten. Beeinflusst davon und, wie ihm unterstellt wurde, vom Atheismus der Französischen Revolution und dem Deismus Jeffersons wandte er sich wieder dem Christentum zu.[165]

Rückkehr zur AnwaltspraxisBearbeiten

Hamiltons Anwaltspraxis litt unter seiner Beschäftigung als Inspector General, da Klienten, trotz seiner Qualität als Anwalt, Anwälte mit mehr Zeit bevorzugten. Nach der Auflösung der Armee konnte er aber seiner Anwaltspraxis mehr Zeit widmen. Noch vor der Wahl in New York verteidigte er zusammen mit Aaron Burr im aufsehenerregenden Mordfall People v. Weeks erfolgreich Levi Weeks, dem vorgeworfen wurde, seine Verlobte ermordet zu haben.[166] Mehrmals verteidigte Hamilton föderalistische Verleger, die aufgrund des Regierungswechsels verfolgt wurden. Vorzuheben ist der Fall People v. Croswell, wo er den föderalistischen Verleger Harry Croswell im Januar 1803 gegen eine Anklage wegen Diffamierung verteidigte. Hier argumentierte er, dass auch die Wahrheit der diffamierenden Aussagen in Betracht gezogen werden müsse, was der Richter Morgan Lewis jedoch ablehnte. Mitte Februar 1804 forderte er vor dem Obersten Gerichtshof von New York einen erneuten Prozess für Croswell, was ungeachtet der Stärke von Hamiltons Argument abgelehnt wurde.[167]

TodBearbeiten

 
Duell Burrs gegen Alexander Hamilton; Buchillustration nach J. Mund (1902)
 
Hamiltons Grab auf dem Friedhof der Trinity Church in New York

Die Wahl von 1800 bedeutete das politische Ende von Burr in der republikanischen Partei. Einen Neuanfang sah er in New York, wo er unterstützt von einer Koalition aus Föderalisten und einigen Republikanern zum Gouverneur gewählt werden wollte. Um diese Koalition zu bilden, versprach er der sogenannten Essex Junto um Timothy Pickering, die eine Sezession von Neu-England zum Ziel hatte, den Anschluss New Yorks an den neuen Staat. Trotzdem verlor er die Wahl klar gegen den republikanischen Kandidaten Morgan Lewis. Burr und seine Unterstützer sahen den Grund für seine Niederlage in einer Intrige Hamiltons, die die extremen Föderalisten von der Wahl Burrs abhielt. Zwar hatte Hamilton sich schon im ersten Caucus der Föderalisten gegen eine Kandidatur Burrs gewandt, doch bezweifeln Historiker, dass dies die Wahl entschied. Ein Bericht darüber, wie Hamilton bei einem Abendessen in Albany Despektierliches über Burr geäußert haben soll, fand den Weg in die Presse. Burr sah sich derart in seiner Ehre verletzt, dass er Hamilton zum Duell forderte.[168] Diese Form der Beilegung von Ehrenstreitigkeiten wurde in den USA gesellschaftlich noch weithin akzeptiert – sowohl Burr als auch Hamilton hatten sich schon zuvor Duellen gestellt. In New York war das Duellieren jedoch verboten, so dass sich Duellanten üblicherweise am anderen Ufer des Hudson im Wald von Weehawken im Staat New Jersey trafen, wo auch Philip Hamiltons Duell stattgefunden hatte.

Beim Duell am Morgen des 11. Juli 1804 verwundete Burr Hamilton mit einem Schuss in den Unterleib tödlich. Der genaue Ablauf ist bis heute Gegenstand zahlreicher Spekulationen. Hamilton hatte in den Tagen vor dem Duell nicht nur sein Testament aufgesetzt, sondern in einigen persönlichen Bemerkungen auch seinen Entschluss niedergeschrieben, mindestens mit der ersten seiner Duellkugeln nicht auf den Gegner zu zielen, sondern den ersten Schuss zu vergeuden – um Burr zu beschwichtigen, aber auch, da ein Duell seinen religiösen Überzeugungen grundsätzlich zuwider sei. Hamilton hätte dadurch seinen eigenen Tod in Kauf genommen oder willentlich herbeigeführt.[169] Burrs Sekundant William P. Van Ness behauptete, dass Hamilton mehrere Sekunden vor Burr feuerte (und weit verfehlte), während Hamiltons Sekundant Nathaniel Pendleton behauptete, dass Burr zuerst feuerte und Hamiltons Schuss nur unfreiwillig durch die Kugel von Burr ausgelöst wurde. Eine Untersuchung der Pistolen 1976 ergab, dass Hamiltons Pistole leichter abzuziehen war. Möglich ist deshalb, dass Hamiltons Schuss nur unabsichtlich während des Zielens auf Burr gefeuert wurde. Dagegen spricht aber eine Aussage Hamiltons an Pendleton vor dem Duell, in der er behauptet, dass er keinen Hair-Trigger, wie dieser Abzug genannt wurde, nutze.[170]

Hamiltons Tod wurde in New York mit Bestürzung aufgenommen. Sein Trauerzug wurde von Tausenden begleitet; Hamiltons Freund Gouverneur Morris hielt eine Trauerrede, bei ihm saßen die trauernden und mitleiderregenden Söhne von Hamilton. Selbst der Demokratisch-Republikanische Rat der Stadt ordnete einen Trauertag an.[171] Hamiltons letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Friedhof der Trinity Church in New York.

NachlebenBearbeiten

Hamilton in der PopulärkulturBearbeiten

Der Aufstieg Alexander Hamiltons vom Waisenkind aus der Karibik zum Gründervater der Vereinigten Staaten von Amerika wurde von Lin-Manuel Miranda, Sohn puerto-ricanischer Eltern, mit dem erfolgreichen Hip-Hop-Musical Hamilton auf die Bühne gebracht. Das Broadway-Stück entwickelte sich zu einem Zuschauermagneten und gewann einen Grammy Award, einen Pulitzer-Preis sowie elf Tony Awards.[172][173] Eine Aufzeichnung des Musicals erschien am 3. Juli 2020 bei Disney+.

Schon 1931 entstand der Film Alexander Hamilton auf Grundlage des gleichnamigen Theaterstücks.

Hamilton-MomentBearbeiten

Hamilton wandelte 1790 als Finanzminister die Schulden der Einzelstaaten der USA in Bundesschulden um. Jene sollten mit hohen Einnahmen durch gemeinsame Importzölle beglichen werden. Laut Hamilton entstanden diese Schulden im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten.

Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz verglich eine Kreditaufnahme der EU im Umfang von 500 Milliarden Euro wegen der COVID-19-Pandemie, um die erhöhte Gefahr von Staatskonkursen mit Hilfe von deutschen und französischen Zahlungen im südlichen Europa zu minimieren, mit der Tat Hamiltons.[174]

LiteraturBearbeiten

Werke
  • Harold C. Syrett (Hrsg.): The Papers of Alexander Hamilton. 27 Bände. Columbia University Press, New York 1961–1987.
  • Julius Goebel, Jr. (Hrsg.): The Law Practice of Alexander Hamilton: Documents and Commentary. 5 Bände. Columbia University Press, New York 1964–1981.
  • Joanne B. Freeman (Hrsg.): Alexander Hamilton: Writings. Library of America, New York 2001.
  • Noble E. Cunningham: Jefferson vs. Hamilton: Confrontations That Shaped a Nation, Boston, Massachusetts [u. a.]: Bedford 2000, ISBN 0-312-08585-0.
Biographien
  • Ron Chernow: Alexander Hamilton. Penguin, New York 2004, ISBN 1-59420-009-2
  • Broadus Mitchell: Alexander Hamilton. 2 Bände. Macmillan, New York 1957–1962.
  • Gerald Stourzh: Alexander Hamilton and the Idea of Republican Government. Stanford University Press, Stanford 1970.
  • Forrest McDonald: Alexander Hamilton: A Biography W. W. Norton & Company, New York und London 1979, ISBN 978-0-393-30048-2
  • Jacob Ernest Cooke: Alexander Hamilton. Charles Scribner's Sons, 1982, ISBN 978-0-684-17344-3.
  • John Chester Miller: Alexander Hamilton: Portrait in Paradox. Harper & Row, 1959 ISBN 978-0060129750.
  • Lawrence S. Kaplan: Alexander Hamilton: Ambivalent Anglophile. (= Biographies in American Foreign Policy, Number 9) Rowman and Littlefield. 2002 ISBN 9780842028783.
  • John Lamberton Harper: American Machiavelli: Alexander Hamilton and the Origins of U.S. Foreign Policy Cambridge University Press. Cambridge 2004
  • Thomas K. McCraw: The Founders and Finance: How Hamilton, Gallatin, and Other Immigrants Forged a New Economy Harvard University Press, Cambridge und London 2012
Spezialstudien über Einzelaspekte
  • Douglas Ambrose, Robert W. T. Martin (Herausgeber): The Many Faces of Alexander Hamilton: The Life and Legacy of America's Most Elusive Founding Father New York University Press. New York 2006
  • Richard Sylla and David J. Cowen: Alexander Hamilton on Finance, Credit, and Debt Columbia University Press. 2018
  • Micheal E. Newton: Alexander Hamilton: The Formative Years Eleftheria Publishing, 2015, ISBN 978-0-9826040-3-8
  • Stephen F. Knott: Alexander Hamilton and the Persistence of Myth. Lawrence: University Press of Kansas, 2002, ISBN 978-0-7006-1157-7.
  • Thomas Fleming: Duel. Alexander Hamilton, Aaron Burr, and the Future of America. Basic Books, New York 1999.
  • Arnold A. Rogow: A Fatal Friendship: Alexander Hamilton and Aaron Burr. Hill and Wang, New York 1998.
  • Roger G. Kennedy: Burr, Hamilton, and Jefferson: A Study in Character. Oxford University Press, New York 2000, ISBN 0-19-514055-9.
  • James Thomas Flexner: The Young Hamilton: A Biography. 2. Auflage. Fordham Univ. Press, New York 1997.
Sonstige Literatur
Enzyklopädische Einträge

WeblinksBearbeiten

Commons: Alexander Hamilton – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Alexander Hamilton – Quellen und Volltexte (englisch)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. David Small, Christine Eickelmann: ‘Hamilton House’, Charlestown, Nevis: Is it connected with Alexander Hamilton’s family? University of Bristol Press, 2021 ([1], abgerufen 15. April 2021)
  2. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 8
  3. Jacob Ernest Cooke: Alexander Hamilton. S. 1
  4. H. U. Ramsing: Alexander Hamilton og hans modrene Slaegt. Tidsbilleder fra Dansk Vest-Indiens Barndom In: Personal-Historik Tiddskrift, Band 6 (1939)
  5. Harold Larson: Alexander Hamilton: The Fact and Fiction of His Early Years In: The William and Mary Quarterly, Band 9 (1952), S. 139–151
  6. Die „Narratives“ von Troup und Mulligan wurden 1947 vom William and Mary Quarterly veröffentlicht. Nathan Schachner: Alexander Hamilton Viewed by His Friends: The Narratives of Robert Troup and Hercules Mulligan In: The William and Mary Quarterly, Band 4 (1947), S. 203–225
  7. Micheal E. Newton: Alexander Hamilton: The Formative Years S. 8
  8. Micheal E. Newton: Alexander Hamilton: The Formative Years S. 10–12
  9. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 8–10
  10. Harold Larson: Alexander Hamilton: The Fact and Fiction of His Early Years S. 139–151. Hier: 141–142
  11. Micheal E. Newton: Alexander Hamilton: The Formative Years S. 12–14
  12. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 10, 16
  13. Jacob Ernest Cooke: Alexander Hamilton S. 2
  14. Harold Larson: Alexander Hamilton: The Fact and Fiction of His Early Years S. 139–151 Hier: 143
  15. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 734–735
  16. Q&A: Ron Chernow. In: C-SPAN. 25. März 2016, abgerufen am 3. April 2021.
  17. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 16–17
  18. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 21
  19. Jacob Ernest Cooke: Alexander Hamilton S. 2
  20. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 24–27
  21. Michael E. Newton: The Oldest Known Alexander Hamilton Documents: Implications for Hamilton’s Biography. In: Discovering Hamilton. 20. November 2017, abgerufen am 4. April 2021.
  22. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 29–30
  23. Jacob Ernest Cooke: Alexander Hamilton S. 4
  24. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 17
  25. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 24
  26. Forrest McDonald: Alexander Hamilton: A Biography S. 10
  27. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 33–35
  28. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 30–31
  29. Jacob Ernest Cooke: Alexander Hamilton S. 5
  30. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 36–38
  31. Jacob Ernest Cooke: Alexander Hamilton S. 5–6
  32. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 41–46
  33. Jacob E. Cooke: Alexander Hamilton, S. 6–7
  34. Forrest McDonald: Alexander Hamilton: A Biography S. 11–12
  35. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 42–43
  36. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 46–53
  37. Jacob E. Cooke: Alexander Hamilton, S. 7–8
  38. Forrest McDonald: Alexander Hamilton: A Biography S. 12
  39. Jacob E. Cooke: Alexander Hamilton, S. 8
  40. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 53–61
  41. Jacob E. Cooke: Alexander Hamilton, S. 9–10
  42. Michael E. Newton: Alexander Hamilton: The Formative Years S. 90–105
  43. Philip Gould: Wit and Politics in Revolutionary British America: The Case of Samuel Seabury and Alexander Hamilton In: Eighteenth-Century Studies, Band 41 (2008), S. 383–403
  44. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 66
  45. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 70–71
  46. Michael E. Newton: Alexander Hamilton: The Formative Years S. 127–129
  47. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 63
  48. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 67
  49. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 72–84
  50. Jacob E. Cooke: Alexander Hamilton S. 12–13
  51. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 85–86
  52. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 98
  53. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 98–99
  54. Jacob E. Cooke: Alexander Hamilton S. 14–16
  55. Forrest McDonald: Alexander Hamilton: A Biography S. 14–15
  56. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 94–97
  57. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 128–137
  58. Jacob E. Cooke: Alexander Hamilton S. 17–20
  59. Forrest McDonald: Alexander Hamilton: A Biography S. 15–16
  60. Philip Stadter: Alexander Hamilton's Notes on Plutarch in His Pay Book In: The Review of Politics, Band 73 (2011), S. 199–217
  61. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 110–112
  62. Jacob E. Cooke: Alexander Hamilton S. 21–22
  63. Jacob E. Cooke: Alexander Hamilton S. 22–26
  64. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 156–158
  65. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 150–155
  66. Jacob E. Cooke: Alexander Hamilton S. 27–29
  67. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 158–159
  68. Jacob E. Cooke: Alexander Hamilton S. 29
  69. Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 161–166
  70. Chernow, S. 168
    McDonald, S. 50–52
  71. Chernow, S. 196–199
    McDonald, S. 64–69
  72. McDonald, S. 62
    Chernow, S. 199–202
  73. McDonald, S. 17–19
  74. Chernow, S. 173
  75. Chernow, S. 174–176
  76. Chernow, S. 176–179
    McDonald, S. 44–48
  77. Chernow, S. 222–224
    McDonald, S. 90–91
  78. Chernow, S. 227–228
  79. Chernow, S. 230–231
  80. Chernow, S. 231–234
    McDonald, S. 100–105
  81. Chernow, S. 262–263
  82. Chernow, S. 263
  83. Chernow, S. 237–239
  84. Chernow, S. 243
  85. Chernow, S. 246–248
  86. Chernow, S. 248–250
  87. Chernow, S. 270–273
    McDonald, S. 123
  88. Chernow, S. 273–275
  89. Chernow, S. 285–286
  90. Chernow, S. 288
  91. Sautter, S. 104
  92. Chernow, S. 289
  93. Chernow, S. 288
    McDonald, S. 142
  94. McDonald, S. 144–148
  95. McDonald, S. 145–147
  96. McDonald, S. 147–148
  97. McDonald, S. 158
  98. McDonald, S. 147
  99. McDonald, S. 148
  100. McDonald, S. 159
  101. McDonald, S. 165–166
    Chernow, S. 297
  102. Chernow, S. 297–298
  103. McDonald, S. 167
  104. Chernow, S. 298–300, 323
    McDonald, S. 169–171
  105. Chernow, S. 304–306
  106. Chernow, S. 321–324
    McDonald, S. 171–181
  107. Chernow, S. 324–330
    McDonald, S. 181–188
  108. McDonald, S. 188
  109. Chernow, S. 344–347
  110. Edward Kaplan: The Bank of the United States and the American Economy. Greenwood Press Westport und London 1999, ISBN 978-0313308666. S. 21
  111. Chernow, S. 347–348
    McDonald, S. 192–197
  112. Edward Kaplan: The Bank of the United States and the American Economy. Greenwood Press Westport und London 1999, ISBN 978-0313308666. S. 21–22
  113. Chernow, S. 344
  114. Edward Kaplan: The Bank of the United States and the American Economy. Greenwood Press Westport und London 1999, ISBN 978-0313308666. S. 22
  115. Chernow, S. 349–350
    McDonald, S. 199–20
  116. Chernow, S. 351–355
    McDonald, S. 202–210
  117. Chernow, S. 355–356
    McDonald, S. 197–198
  118. Chernow, S. 370–372
    McDonald, S. 231–232
  119. Chernow, S. 374
  120. Chernow, S. 375–378
    McDonald, S. 232–236
  121. Chernow, S. 378
  122. Chernow, S. 390–391
  123. Chernow, S. 391–392
  124. Chernow, S. 392
  125. Chernow, S. 399
    McDonald, S. 242-243, 249-253
  126. Chernow, S. 395–396
  127. Chernow, S. 396
  128. Chernow, S. 400
  129. McDonald, S. 239–241
  130. Chernow, S. 402–408
    McDonald, S. 257
  131. Chernow, S. 425–430
    McDonald, S. 260–261
  132. Chernow, S. 431–434
    McDonald, S. 270–273
  133. Chernow, S. 435–436
  134. Chernow, S. 437–447
  135. Chernow, S. 453-454, 458
  136. McDonald, S. 273–287
  137. Chernow, S. 459
  138. Chernow, S. 461–462
    McDonald S. 287-294
  139. Chernow, S. 342
  140. Chernow, S. 468–470
    McDonald, S. 297–299
  141. Chernow, S. 471–477
    McDonald, S. 299–303
  142. Chernow, S. 476–478
    McDonald, S. 302
  143. Chernow, S. 478–479
    McDonald, S. 303
  144. Chernow, S. 480–481
    McDonald, S. 303–305
  145. Chernow, S. 493–495
    McDonald, S. 314–317
  146. Chernow, S. 496–500
    McDonald, S. 320–321
  147. Chernow, S. 504–508
  148. Chernow, S. 509–515
  149. Chernow, S. 514
  150. Chernow, S. 364–370
    McDonald, S. 227-230, 243-244
  151. Chernow, S. 412
  152. Chernow, S. 413–418
    McDonald, S. 258–259
  153. Chernow, S. 529–544
    McDonald, S. 334–336
  154. Chernow, S. 546–550
    McDonald, S. 332-334, 337-338
  155. Chernow, S. 554–560
  156. Chernow, S. 562–568
    McDonald, S. 339–343
  157. Chernow, S. 569-572, 576
  158. Chernow, S. 570–577
  159. Chernow, S. 592–595
  160. Chernow, S. 597–602
    McDonald, S. 343–348
  161. Chernow, S. 606–618
    McDonald, S. 348–349
  162. Chernow, S. 619–626
    McDonald, S. 350-
  163. Chernow, S. 630–639
    McDonald, S. 352–353
  164. Chernow, S. 640–650
    McDonald, S. 355
  165. Chernow, S. 650–660
    McDonald, S. 356–357
  166. Chernow, S. 603–606
  167. Chernow, S. 667–671
  168. Chernow, S. 672–689
    McDonald, S. 359–360
  169. Chernow, S. 689–694
  170. Merrill Lindsay: Pistols Shed Light on Famed Duel. In: Smithsonian 7/8, November 1976, S. 94–98.
    Chernow, S. 702–704
  171. Chernow, S. 710–714
  172. Julian Dörr: Rekord-Musical: Wie der „Hamilton“-Hype die USA verändert In: Süddeutsche Zeitung vom 10. Juni 2016.
  173. Julia Maria Grass: Warum ganz Amerika diesen Mann liebt In: Die Welt vom 13. Juni 2016.
  174. Hans-Werner Sinn: Der Hamilton-Moment. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 22. Mai 2020, abgerufen am 19. Juli 2020.