Steven Mnuchin

amerikanischer Bänker und Politiker
Steven Mnuchin

Steven Terner „Steve“ Mnuchin (* 21. Dezember 1962 in New York) ist ein US-amerikanischer Investor und Politiker. Der Millionär war 17 Jahre bei der Investmentbank Goldman Sachs, leitete anschließend einen Hedgefonds und betätigte sich als Hollywoodproduzent und politischer Fundraiser.[1] Er wurde am 13. Februar 2017 vom US-Senat mit 53:47 Stimmen als Finanzminister der Vereinigten Staaten in der Regierung Trump bestätigt[2] und am gleichen Tag eingeschworen.[3] Er ist der dritte amerikanische Finanzminister seit Mitte der 1990er Jahre, der bei Goldman Sachs gearbeitet hat (Bill Clinton hatte Robert Rubin auf den Posten berufen, George W. Bush Henry Paulson).[4]

Inhaltsverzeichnis

LaufbahnBearbeiten

Mnuchin wurde 1962 in die jüdische Familie von Elaine Terner Cooper aus New York und Robert E. Mnuchin aus Washington, Connecticut geboren.[5] Der Großvater, ein Anwalt, gründete einen Yacht-Club in den noblen Hamptons vor New York, Mnuchins Vater Robert war 30 Jahre lang bei Goldman Sachs, zum Schluss als Goldman Sachs-Partner, bevor er beschloss, Kunsthändler zu werden, und in New York eine Galerie gründete.[5] Wie schon sein Vater studierte Mnuchin an der Elite-Universität Yale, wo er an der Studentenzeitung Yale Daily News mitwirkte und dem Orden Skull & Bones angehörte. Während seiner Zeit in Yale wohnte er gemeinsam mit Edward Scott Lampert (* 1962) und Salem Chalabi (* 1963), dessen Onkel, Ahmad Chalabi, später den Irakischen Nationalkongress (INC) gründete, im eleganten Taft Hotel in New Haven.[6]

Nach seinem Abschluss 1985 wurde er Investmentbanker bei Goldman Sachs und war dort insbesondere für die Geschäfte mit Hypothekenpapieren sowie Kreditversicherungen zuständig – beides Bereiche, die bei der Finanzkrise ab 2007 (Subprime-Krise) eine wichtige Rolle spielten. Michael P. Mortara, ebenfalls bei Goldman Sachs, wurde sein Mentor, der ihm zeigte, wie die Investmentbank von der Sparkassenkrise in den USA in den 1980er Jahren profitieren konnte, indem sie die Anteile strauchelnder Sparkassen billig aufkaufte.[6][7] Mnuchin arbeitete 17 Jahre bei Goldman Sachs, 1994 wurde er, wie bereits zuvor sein Vater, Goldman-Sachs-Partner. 2002 verließ Mnuchin Goldman Sachs und arbeitete mit seinem Studienkollegen aus Yale-Tagen, Eddie Lampert, der 2004 Chairman der Sears Holdings Corporation geworden war, zusammen. 2004 entwickelte er seinen eigenen Hedgefonds, Dune Capital Management.[8] Er wechselte an die Westküste und zusammen mit seinem Partner und Großfinanzier George Soros kaufte Mnuchin für 900 Millionen Dollar die Rechte an 59 Filmen des Studios Dreamworks, das der Medienmulti Viacom kurz zuvor für 1,6 Milliarden Dollar erworben hatte. Mnuchin war für Soros Fund Management tätig.[9][10] Anschließend gründete er RatPac-Dune Entertainment, die eine Reihe Filme produzierte, darunter das X-Men-Film-Franchise, und Avatar (2009).[11]

Mnuchin beschloss mitten in der großen Finanzkrise (Subprime-Krise), wieder ins Bankgeschäft zurückzukehren, und war einige Jahre an der Spitze der Immobilienbank OneWest, die 2015 an die CIT Group verkauft wurde. Gemeinsam mit einer Gruppe von Investoren – darunter neben den Hedgefonds-Größen Soros und Paulson auch Ex-Goldman-Vorstand und Private-Equity-Finanzier Christopher Flowers sowie Tech-Milliardär Michael Dell – hatte Mnuchin das Finanzunternehmen 2009 übernommen (seinerzeit noch unter dem Namen IndyMac). Mnuchin sah sich mit verschiedenen Klagen wegen diverser unlauterer Geschäftspraktiken konfrontiert, etwa wegen sehr vieler Zwangsvollstreckungen. 2015 verkaufte die Gruppe den Finanzdienstleister wieder, wobei der Einsatz von 1,55 Milliarden Dollar auf einen Verkaufspreis von 3,4 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt wurde.[12][6]

Politisches EngagementBearbeiten

2008 hatte Mnuchin für die demokratischen Kandidaten Barack Obama und Hillary Clinton gespendet, 2012 aber den Republikaner Mitt Romney im Wahlkampf um die 2012 US-Präsidentenwahl unterstützt.[13] Im Mai 2016 wurde er Finanzchef der Donald-Trump-Kampagne.[13]

Im Dezember 2016 nominierte der designierte US-Präsident Donald Trump Mnuchin zum US-Finanzminister in sein Kabinett.[14] Für Kritik sorgte dabei unter anderem die Tatsache, dass er an der Spitze von OneWest für viele Zwangsvollstreckungen bei Eigenheimbesitzern verantwortlich war.[15]

Politische HaltungenBearbeiten

Steven Mnuchin kündigte vor seiner Amtseinführung massive Steuersenkungen für Unternehmen und Privatpersonen an, um amerikanische Unternehmen zu den „wettbewerbsfähigsten der Welt“ zu machen, wie er sagte. Er möchte Infrastrukturmaßnahmen im Umfang von mehreren Milliarden Dollar umsetzen.[16]

PrivatlebenBearbeiten

Mnuchin ist mit der schottischen Schauspielerin Louise Linton liiert, mit der er im kalifornischen Bel Air lebt. Aus einer früheren Ehe hat er drei Kinder.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. FAZ.net 20. Januar 2017: Trumps künftiger Finanzminister verschweigt Vermögen - zunächst
  2. http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-02/steven-mnuchin-finanzminister-senat-investmentbank-immobilien Steven Mnuchin als Finanzminister bestätigt]
  3. www.washingtontimes.com
  4. Alexander Armbruster: Steven Mnuchin: Das ist Donald Trumps Finanzminister. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. November 2016, abgerufen am 30. November 2016.
  5. a b WEDDINGS; Heather Crosby, Steven Mnuchin. In: The New York Times. 26. September 1999 (nytimes.com [abgerufen am 30. November 2016]).
  6. a b c Max Abelson, Zachary Mider: Trump’s Top Fundraiser Eyes the Deal of a Lifetime. Steven Mnuchin might have a shot at Treasury secretary, but his Wall Street pedigree makes him the type Donald Trump fans love to hate. In: Bloomberg. Abgerufen am 30. November 2016.
  7. Michael P. Mortara, 51, a Developer of Mortgage-Backed Securities. In: The New York Times. Abgerufen am 30. November 2016.
  8. Who is Steven Mnuchin? Donald Trump's choice for Treasury Secretary. In: Haaretz. Abgerufen am 30. November 2016.
  9. Hans-Jürgen Jakobs: George Soros – Ein Spekulant geht nach Hollywood. In: Sueddeutsche.de. 4. Dezember 2008, abgerufen am 30. November 2016.
  10. Trump Names Jewish Financier, Fixer to Major Campaign Positions. In: The Forward. 11. November 2016, abgerufen am 30. November 2016.
  11. James Rainey: Relativity Co-Chairman Steven Mnuchin Quietly Exited Just Before Big Losses (EXCLUSIVE). In: Variety. 5. August 2015 (variety.com [abgerufen am 30. November 2016]).
  12. Matt Turner: There's a long list of reasons people might not like Trump's pick for Treasury secretary. In: Business Insider Deutschland. 30. November 2016, abgerufen am 30. November 2016 (englisch).
  13. a b Andrew Ross Sorkin: Unlikely Fund-Raiser for Trump and Party. In: The New York Times. 10. Mai 2016, S. B1 (englisch, online [abgerufen am 30. November 2016]).
  14. Trumps Finanzminister will in Reagans Fussstapfen treten. In: NZZ.ch. 30. November 2016, abgerufen am 30. November 2016.
  15. Stefan Beutelsbacher: Trumps Finanzminister: Verraten an den König der Zwangsvollstrecker. In: WELT.de. 14. Dezember 2016, abgerufen am 21. Dezember 2016.
  16. Trumps geplantes Kabinett: Vom „Mad Dog“ bis zum Islamfeind. In: tagesschau.de. 4. Januar 2017, abgerufen am 13. Januar 2017.