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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Waldsassen
Waldsassen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Waldsassen hervorgehoben

Koordinaten: 50° 0′ N, 12° 18′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Tirschenreuth
Höhe: 477 m ü. NHN
Fläche: 66,52 km2
Einwohner: 6694 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 101 Einwohner je km2
Postleitzahl: 95652
Vorwahl: 09632
Kfz-Kennzeichen: TIR, KEM
Gemeindeschlüssel: 09 3 77 158
Stadtgliederung: 21 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Basilikaplatz 3
95652 Waldsassen
Website: www.waldsassen.de
Bürgermeister: Bernd Sommer (CSU)
Lage der Stadt Waldsassen im Landkreis Tirschenreuth
Landkreis Wunsiedel im FichtelgebirgeLandkreis BayreuthLandkreis Neustadt an der WaldnaabErbendorfPullenreuthKastl (bei Kemnath)WaldershofKemnathWiesauWaldsassenTirschenreuthReuth bei ErbendorfPlößbergPechbrunnNeusorgNeualbenreuthMitterteichMähringLeonberg (Oberpfalz)KulmainKrummennaabKonnersreuthFuchsmühlFriedenfelsFalkenberg (Oberpfalz)EbnathBrand (Oberpfalz)BärnauImmenreuthTschechienKarte
Über dieses Bild
Der Ignorant, Holzfigur aus der Stiftsbibliothek Waldsassen
Die sogen. Lourdesgrotte, östlich von Waldsassen.
Prinz-Ludwig-Straße, Hauptstraße in Waldsassen
Am Stiftlandmuseum. Im Hintergrund die Türme der Stiftsbasilika

Waldsassen ist eine Stadt im Oberpfälzer Landkreis Tirschenreuth an der Bayerischen Porzellanstraße und das kulturelle Zentrum des Oberpfälzer Stiftlands. Sie ist eine von 13 sogenannten leistungsfähigen kreisangehörigen Gemeinden in Bayern.

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Die Stadt liegt eingebettet zwischen Kohlwald und Oberpfälzer Wald im Tal der Wondreb. Die tschechische Stadt Cheb (Eger) ist zehn Kilometer von Waldsassen entfernt und über den Grenzübergang Hundsbach-Svatý Kříž (Heiligenkreuz) zu erreichen. Waldsassen ist die nördlichste Stadt der Oberpfalz.

StadtgliederungBearbeiten

Waldsassen hat 21 Stadtteile:[2]

GeschichteBearbeiten

Bis zum 19. JahrhundertBearbeiten

Die Anfänge Waldsassens gehen zurück bis vor das Jahr 1133. Am 1. Oktober holte Markgraf Diepold III. von Vohburg-Cham Mönche aus Volkenroda in Thüringen, um das Kloster Waldsassen zu gründen, vermutlich ausgehend von einer bereits bestehenden Eremiten-Kommunität um einen sonst nicht belegten Gerwig von Volmarstein. Waldsassen entwickelte sich in den nachfolgenden Jahrhunderten zu einem der bedeutendsten Zisterzienserklöster Bayerns. Ab 1214 Reichsabtei, geriet das Kloster im Spätmittelalter unter pfälzische Herrschaft, nachdem es 1465 Pfalzgraf Otto II. von Pfalz-Mosbach-Neumarkt zum Vogt gewählt hatte. 1571 wurde das Kloster vom pfälzischen Kurfürsten im Zuge der Reformation aufgehoben. Lange Zeit waren die Klostergebäude die einzige Ansiedlung. Erst um das 17. Jahrhundert entstanden außerhalb des Klosters die ersten Häuserzeilen, errichtet in Form einer „Rasterstadt“ durch zugewanderte kalvinistische Tuchmacherfamilien. Infolge der Rekatholisierung ab 1621 kamen 1661 erneut Zisterzienser aus dem Kloster Fürstenfeld[3] nach Waldsassen. 1690 wurde das Kloster wieder zur Abtei erhoben, 1803 jedoch im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses erneut säkularisiert. 1865 wurde die Eisenbahnlinie Wiesau-Eger eröffnet. Für Waldsassen bedeutete dies einen industriellen Aufschwung. 1896 verlieh Prinzregent Luitpold dem Markt Waldsassen die Stadtrechte. Die Einwohnerzahl war inzwischen auf fast 4000 angewachsen. 30 Jahre zuvor war die erste Porzellanfabrik gegründet worden, der in den darauffolgenden Jahren eine Klinkerfabrik, ein Ziegelwerk und die erste Glashütte folgten.

20. JahrhundertBearbeiten

Einen starken Bevölkerungszuwachs erlebte Waldsassen nach 1945, als viele Heimatvertriebene dort ein neues Zuhause fanden. Die Bevölkerungszahl stieg sprunghaft von 5300 auf 7800. In den darauffolgenden Jahrzehnten entstanden neue Stadtteile, die das Stadtbild beträchtlich veränderten.

EingemeindungenBearbeiten

Vor der Gebietsreform hatte die Stadt Waldsassen keine weiteren Orte und das Stadtgebiet umfasste etwa 614 Hektar.[4] Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurden am 1. Januar 1972 die bis dahin selbstständige Gemeinde Querenbach mit etwa 1277 Hektar Gemeindefläche und den sechs Orten Mammersreuth, Egerteich, Hatzenreuth, Pfuderforst, Querenbach und Schloppach eingegliedert und Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Kondrau mit den Orten Glasmühle, Glaswies, Groppenheim, Kondrau, Netzstahl, Sauerbrunn und Wolfsbühl[5]. Am 1. Juli 1972 kam die Gemeinde Münchenreuth mit den acht Orten Hundsbach, Kappel, Mitterhof, Münchenreuth, Naßgütl, Neusorg, Pechtnersreuth und Schottenhof hinzu.[6][7]

PolitikBearbeiten

 
Panoramabild vom Johannisplatz mit Blick auf die Basilika und rechts in die Prinzregent-Luitpold-Straße

StadtratBearbeiten

Der Stadtrat besteht aus 20 Mitgliedern, die sich nach der Kommunalwahl am 16. März 2014 auf die Parteien und Wählergruppen wie folgt verteilen :

BürgermeisterBearbeiten

  • Erster Bürgermeister: Bernd Sommer (CSU)
  • Zweiter Bürgermeister: Karlheinz Hoyer (CSU)
  • Dritter Bürgermeister: Bernhard Lux (FWG)

WappenBearbeiten

Blasonierung: In Silber auf grünem Boden und vor grünen Bäumen stehend ein silbern gekleideter Abt mit silberner Mitra und einem goldenen Abtstab in der Linken, die Rechte gestützt auf einen vor ihm stehenden goldenen Schild, darin eine blaue heraldische Lilie.

Das Wappen ist seit 1693 bekannt.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

BürgerpatenschaftBearbeiten

  • Tschechien  Chodov (Chodau), Tschechien (1956)

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

MusikBearbeiten

Waldsassen hat sich auch überregional einen Namen als Veranstaltungsort klassischer Konzerte gemacht. In der Basilika konzertierten bedeutende Orchester (beispielsweise die Bamberger Symphoniker) und Dirigenten (zum Beispiel Leonard Bernstein, Colin Davis). Darüber hinaus finden, von der Stiftung Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Waldsassen veranstaltet, jährlich Musikseminare statt, von denen die Internationale Orgelakademie und die Internationale Singwoche im Sommer die bedeutendsten sind. Daneben findet der Chor der Stiftsbasilika unter der Leitung von Kirchenmusiker Regionalkantor Andreas Sagstetter mit seinen jährlichen Konzerten und den vielfältigen liturgischen Feiern in der Basilika großen Anklang.

BauwerkeBearbeiten

ParksBearbeiten

 
Naturerlebnisgarten

An das Kloster angeschlossen ist der zum Naturerlebnisgarten umgestaltete Garten der Zisterzienserinnen-Abtei, der von der Stiftung Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Waldsassen betrieben wird. Der Garten war eine Außenstelle der grenzüberschreitenden Gartenschau 2006 Marktredwitz/Eger.

SportBearbeiten

  • Egrensis-Bad, städtisches beheiztes Freibad
  • Hallenbad
  • Turnhalle
  • Mehrere Fußballplätze
  • Tennisplätze
  • Asphalt-Eisstockbahnen
  • Mehrere vollautomatische Kegelbahnen
  • Skianlage mit Lift, Flutlicht und Beschneiungsanlage
  • Schießsportanlage
  • Reitturnierplatz

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Der Bahnhof Waldsassen an der ehemaligen Bahnstrecke Wiesau–Eger ist stillgelegt.

Waldsassen ist an den Iron Curtain Trail, den längsten offiziellen Radfernweg Europas, angeschlossen, welcher entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs verläuft.[9]

Ansässige UnternehmenBearbeiten

Die Kondrauer Mineral- und Heilbrunnen GmbH & Co KG, ein bayerischer Getränkehersteller mit der Hauptmarke „Kondrauer Mineralwasser“, hat seinen Unternehmenssitz in Kondrau, einem Ortsteil der Gemeinde Waldsassen.

Der Radhersteller Ghost hat seine Verwaltung und Montage in Waldsassen.

Das Bauunternehmen Franz Kassecker GmbH hat seinen Sitz in Waldsassen.

Die Waldsassener Glashütte Lamberts stellt unter anderem Echt-Antik-Glas für Kunstverglasungen her.

Einzigartig war auch die Holzperlenherstellung der Firma Stilp, die seit 1912 in Waldsassen ansässig war. Der Betrieb, der in den 1990er Jahren die Produktion einstellte, fertigte bis zu 90 verschiedene Perlensorten, die mit einer von der Firma entwickelten speziellen Technik und Farbe lackiert wurden.

In den 1960er Jahren gab es noch zwei Porzellanfabriken in Waldsassen. Aufgrund des allgemeinen Niedergangs der Porzellanindustrie sind beide inzwischen geschlossen. Als Beitrag zur Industriegeschichte etablierten etwa 30 Oberpfälzer Gemeinden die Bayerische Porzellanstraße, zu der auch Waldsassen gehört.

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

BildungseinrichtungenBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Weitere mit der Stadt verbundene PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Franz Busl (Hrsg.): Waldsassen. 850 Jahre eine Stätte der Gnade. Oberfränkische Verl.-Anstalt, Hof 1983, ISBN 3-921615-56-9.
  • Hugo Schnell, Anton Seitz: Stadt Waldsassen. Schnell und Steiner, München 1977, ISBN 3-7954-0597-1.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Waldsassen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Waldsassen – Reiseführer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Stadt Waldsassen in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 20. Dezember 2018.
  3. Stadt Waldsassen: Geschichte unserer Stadt. Abgerufen am 25. Mai 2013.
  4. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 624 (Digitalisat).
  5. Die Gemeinden Bayerns nach dem Gebietsstand 25. Mai 1987. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns und die Änderungen im Besitzstand und Gebiet von 1840 bis 1987. In: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 451. München 1991, S. 85–86, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00070717-7 (Digitalisat – Anmerkungen 9 und 23).
  6. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 622 (Digitalisat).
  7. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 580.
  8. Städtepartnerschaft mit Chodov in der Tschechischen Republik
  9. Iron Curtain Trail - Am ehemaligen Eisernen Vorhang quer durch Europa. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 20. April 2017; abgerufen am 19. April 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ironcurtaintrail.eu