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Kastl (bei Kemnath)

Gemeinde im Landkreis Tirschenreuth in Bayern

GeografieBearbeiten

Die Landschaft am Fuße des Rauhen Kulm, von der Haidenaab durchflossen, bietet mit ihren ausgedehnten Wäldern vielfältige Wandermöglichkeiten.

OrtsgliederungBearbeiten

Kastl hat 13 Ortsteile[2]:

 
Innenansicht der Dorfkirche St. Margaretha
 
Im Ortszentrum

GeschichteBearbeiten

Kastl gehörte zum Rentamt Amberg und zum Landgericht Waldeck des Kurfürstentums Bayern.

Ein geschichtlicher Höhepunkt der Ortschaft war die gewonnene Schlacht gegen eine Franzosentruppe am 26. August 1796. Die Kastler Bauern traten den mit Schusswaffen ausgerüsteten Franzosen nur mit Mistgabeln entgegen und konnten sie so von einem Überfall auf die Nachbarstadt Kemnath abhalten. Dies war nur möglich, weil die Soldaten die Nacht zuvor einiges über den Durst getrunken hatten.

NameBearbeiten

Der Ortsname „Kastl“ kommt mehrfach in Bayern vor. Der historische Atlas von Bayern, Band Kemnath, bezeichnet in der Zeit von 1244 bis 1747 folgende Schreibvarianten: „Chasten“, „Kastel“, „Castel“ und „Castl“. Es gibt verschiedene Ursprungsformen für den Ortsnamen Kastl, wie z. B.: „Kasten“ = Speicher (vgl. Briefkasten, Kleiderkasten, Getreidespeicher oder -Kasten) „Castell“ = Festung, Bollwerk, Burg, Zufluchtsort „Castulus“ = römischer Märtyrer, dessen Gebeine zunächst in Moosburg waren und später nach Landshut überführt wurden.

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet dieses Ortsnamens war früher noch weitaus größer. Im Zuge der Gebietsreformen haben viele Einöden, Weiler oder Mühlen ihren ursprünglichen Namen aufgegeben und den der Großgemeinde angenommen. Für den Ort Kastl (bei Kemnath) kommt aus den oben aufgeführten Ursprungswörtern nur die Ableitung von „Speicher“ in Frage. Die geht auf eine Regelung zurück, wonach man früher Beamten und Dienern Grundstücke von der Gemeinde oder von der Grundherrschaft zuwies und dafür einen Getreidezins forderte, also eine Art Naturalsteuer. Dazu war ein Aufbewahrungsort notwendig, ein Speicher oder „Kasten“, der vom „Kastenamt“ (heute: Finanzamt) verwaltet wurde. Aufgrund der schon im Mittelalter bemerkenswerten Größe der Pfarrei Kastl und der Zugehörigkeit zu den Burgherren von Waldeck und Leuchtenberg sowie des nahen Klosters Speinshart befand sich im Ort ein solcher „Getreidekasten“. Im Salbuch von 1283 wird das „Schlössl“ (Hausnr. 17) bezeichnet, auf dessen Grundmauern sich das heutige „Löindlhaus“ befindet. Kellergewölbe und Brunnen sind noch vorhanden.

Neben den verschiedenen Ortsnamen, welche sich aus dem o.a. Wortstamm bilden, wie „St. Kastl“ oder „Markt Kastl“ (b. Amberg) leiten sich auch zahlreiche Familiennamen davon ab, so z. B. „Kastner“, ein Name der in der Region um Kastl weit verbreitet ist.

EingemeindungenBearbeiten

Im Jahr 1945 oder 1946 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Wolframshof eingegliedert. Am 1. Januar 1972 kam Unterbruck hinzu.[3] Am 1. Januar 1978 wurde ein Teil der aufgelösten Gemeinde Löschwitz eingegliedert.[4]

EinwohnerzuwachsBearbeiten

Kastl konnte als eine von vier Gemeinden im Landkreis Tirschenreuth 2004 einen Einwohnerzuwachs vermelden und zählte 1398 Bewohner. Kastl hat auch den größten Anteil Minderjähriger im gesamten Landkreis.

BauwerkeBearbeiten

In den Ortsteilen Wolframshof und Unterbruck gibt es zwei Schlösser mit großen zugehörigen Ländereien (Agrarflächen und Waldstücke). Ein weiteres Bauwerk ist die Kirche St. Margaretha in der Dorfmitte. Im Friedhof sowie im Schloss Wolframshof steht je ein sogenannter Bonifatiusstein. Solche Steine ließ Bonifatius überall dort, wo er missionierte, als Zeichen seines Wirkens aufstellen.

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Kastl (bei Kemnath)

BesonderheitenBearbeiten

Das Dorf Kastl wurde Kreissieger 2005 beim Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft.

Politik und KulturBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

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Stand: 1. Mai 2008

BürgermeisterBearbeiten

Erster Bürgermeister ist Josef Etterer, Zweiter Bürgermeister Arno Stahl, beide gehören der CSU an.

WappenBearbeiten

Blasonierung: In Rot unter silbernem Schildhaupt, darin zwei mit einem waagrechten roten Steg verbundene rote Radkreuze, über einem silbernen Schildchen, darin ein blauer Balken, zwei silberne Drachenflügel. Das Wappen wird seit 1982 verwendet.

VereineBearbeiten

Der größte Sportverein im Gemeindegebiet ist der TSV 1960 Kastl mit den Sparten Fußball, Volleyball, Tennis, Tischtennis, Schifahren, Wandern und mit mehreren Turngruppen. Außerdem gibt es den Schützenverein Einigkeit Hubertus Kastl. Er ist im Besitz einer der modernsten Schießsportanlagen Europas. Sehr erfolgreich ist die Jugendarbeit mit vier Weltmeisterschaftstiteln, einer Europameisterin und mehreren Titelträgern auf nationaler Ebene (Deutscher und Bayerischer Meister).

KulturBearbeiten

Die meisten Mitglieder aller Vereine kann der Kulturtreff Kastl mit 940 Personen aufweisen. Die Kastler Kleinkunsttage sind der kulturelle Höhepunkt eines jeden Jahres. An der Veranstaltung nehmen immer mehrere, meist aus dem Fernsehen bekannte Kabarettisten und Sänger teil. Die Rockband Troglauer Buam wohnt zum Teil in Kastl, auch ihr namensgebender Proberaum Muhbarack in Troglau liegt auf dem südlichen Gemeindegebiet.

ErntedankzugBearbeiten

Seit 1950 gibt es in Kastl einen historischen Erntedankzug. Bei dem nur alle zehn Jahre stattfindenden Festzug wird das bäuerliche Leben so dargestellt, wie es einmal war. Die Liste der Festwagen ist lang: Von der Bauernhochzeit, dem Pferdegespann mit beladenem Heuwagen, einer Schulklasse mit Lehrer bis hin zur Hutza-Stub'n ist alles dabei. Über 30 Festwagen und zahlreiche Fußgruppen stellen das Leben auf dem Lande möglichst identisch dar. An dem Festzug beteiligen sich alle Vereine der Kirchengemeinde Kastl mit nahezu 500 Mitwirkenden. Der Festzug im Jahr 2000 lockte über 8000 Besucher an.

Amerikanische SiedlungBearbeiten

Seit Anfang 2005 hat die Gemeinde Kastl auch 40 US-amerikanische Mitbürger. Die im Zuge der Erweiterung des Grafenwöhrer Truppenübungsplatzes gebauten Häuser stehen unweit der Dorfmitte und bilden ein „amerikanisches Viertel“.

WirtschaftBearbeiten

Ansässige UnternehmenBearbeiten

Die größten Arbeitgeber des Ortes sind die Firma IEM Fördertechnik GmbH (Förderbänder, Förderanlagen), die bis nach Brasilien und Indien liefert, das Bauunternehmen Johann Heining und die Firma Heinrich Hoven.

Dienstleistungen und BetriebeBearbeiten

Im Gemeindegebiet Kastl gibt es eine Grundschule, einen Kindergarten, eine katholische Kirche, mehrere Banken und Versicherungen, mehrere Wirtshäuser, ein Café, Frisörläden, Allgemeinarzt, Zahnarzt, Physiotherapie, Massagepraxis, Bäckerei, Metzgerei, Werbeagentur, Malerbetrieb, Dachdeckerbetrieb, Bauunternehmen, eine Freiwillige Feuerwehr, Elektrogeschäft und Sägewerk.

VerkehrsanbindungBearbeiten

Kastl liegt günstig im Städtedreieck Bayreuth, Weiden, Marktredwitz und hat mit der Staatsstraße 2665 eine direkte Verbindung zur B 22 und B 299 und damit auch an die Autobahnen A 9 und A 93.

NaturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111108/091341&attr=OBJ&val=1083
  3. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 495.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 663.