Wahlkreis Sarganserland

Bezirk im Kanton St. Gallen, Schweiz
Wahlkreis Sarganserland
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: St. Gallen (SG)
Hauptort: Sargans
BFS-Nummer: 1725
Fläche: 517.79 km²
Einwohner: 40'714[1] (31. Dezember 2018)
Bevölkerungsdichte: 78.6 Einw. pro km²
Karte
Karte von Wahlkreis Sarganserland

Der Wahlkreis Sarganserland ist eine Untereinheit des Kantons St. Gallen in der Schweiz, die nach der neuen Kantonsverfassung vom 10. Juni 2001 ab 1. Januar 2003 gebildet wurde.

GeografieBearbeiten

Der Wahlkreis ist identisch mit dem früheren Bezirk Sargans. Er erstreckt sich über den südlichsten Teil des Kantons St. Gallen und umfasst damit eine Region, die auch unter dem Namen St. Galler Oberland bekannt ist.

Politik und WirtschaftBearbeiten

 
Quinten am Ufer des Walensees. Dank des Föhns ist es hier oft so warm wie auf der Alpensüdseite.[2]
 
Die Taminabrücke verbindet seit Sommer 2017 Pfäfers und Valens. Die früheren Skeptiker auf den beiden Talseiten haben sich mit dem Bauwerk versöhnt.[2]

Der Talboden zwischen Mels und Bad Ragaz ist bei Pendlern eine gefragte Wohnlage und die Bodenpreise sind kräftig gestiegen. Viele arbeiten in Zürich, andere im Werdenberg oder im Fürstentum Liechtenstein, kaum einer aber in St. Gallen.[2] Die Autobahn A3 und die Intercity-Züge der SBB sorgen für eine gute Anbindung an die Wirtschaftsmetropole der Schweiz.

Grösster Arbeitgeber im Wahlkreis selbst ist die Gesundheitsbranche mit der Psychiatrischen Klinik Pfäfers, den Rehakliniken Valens und Walenstadtberg und dem Spital Walenstadt. Gegen die angedrohte Schliessung des Spitals Walenstadt kämpft die Region energisch und emotional wie früher für den Bau der Kantonsschule Sargans und den Erhalt der Armeeeinrichtungen in Plons. Um die seit 2012 am Calanda lebenden Wölfe ist es hingegen ruhig geworden.[2]

Ein eigentliches Zentrum hat das Sarganserland nicht. Sargans ist der Sitz vieler regionaler Institutionen und hat historische Bedeutung, Mels hingegen ist bevölkerungsstärker[2] und Standort eines grossen Einkaufszentrums.[3] Für Internationalität sorgen die Grand Hotels in Bad Ragaz und touristisch ist das Wintersportgebiet Flumserberg von Bedeutung.[2]

Sitze im Kantonsrat (2020–2024)[4]
1
3
2
4
Insgesamt 10 Sitze
Sitzverteilung
Wahljahr 2004[5] 2008[6] 2012[7] 2016[8] 2020[4]
SP 3 1 1 1 1
glp 1 1
CVP 5 3 3 2 3
FDP 2 1 1 2 2
SVP 4 4 3 4 4
insgesamt 14[Anm. 1] 9 9 10 10


Das Sarganserland gilt als bodenständig und konservativ.[2] Zwischen 2004 und 2016 hat sich der Stimmenanteil der Christdemokraten (CVP) im Wahlkreis Sarganserland nahezu halbiert. Bis 2016 ist der Anteil der FDP leicht gestiegen und hat sich der CVP fast angenähert. Die SVP schwankt seit 2004 bei etwa einem Drittel der Stimmen.[9]

Die Sozialdemokraten (SP) verharren seit 2008 bei rund 15 Prozent. Die Grünen haben im Sarganserland nie wirklich Fuss gefasst.[9]

Politische GliederungBearbeiten

Der Wahlkreis Sarganserland umfasst folgende Gemeinden:

Wappen Name der Gemeinde Einwohner
(31. Dezember 2018)
Fläche
in km² [10]
Einw.
pro km²
Bad Ragaz 6102 25,40 240
Flums 4858 75,15 65
Mels 8623 139,11 62
Pfäfers 1565 128,46 12
Quarten 2937 61,77 48
Sargans 6133 9,46 648
Vilters-Wangs 4817 32,72 147
Walenstadt 5679 45,72 124
Total (8) 40'714 517,79 79

GeschichteBearbeiten

Das Sarganserland oder St. Galler Oberland war von 1460 bis 1798 eine Gemeine Herrschaft in der Alten Eidgenossenschaft und von 1803 bis 2002 der südlichste Bezirk des Kantons St. Gallen. Seit 2003 bildet die Region einen Wahlkreis, der die Gemeinden Sargans, Vilters-Wangs, Bad Ragaz, Pfäfers, Mels, Flums, Walenstadt und Quarten umfasst.

Grafschaft Sargans und Alte EidgenossenschaftBearbeiten

 
Im Schloss Sargans herrschten die Landvögte der Eidgenossen.

Das Sarganserland ist eine historisch gewachsene Kulturregion mit eigener Identität. Bestimmend dafür war die Zugehörigkeit zur ehemaligen Grafschaft Sargans (13.–15. Jahrhundert) bzw. zur eidgenössischen Landvogtei Sargans als Gemeiner Herrschaft der Eidgenossenschaft (15.–18. Jahrhundert).

Teil des Kantons St. GallenBearbeiten

Bereits zu Beginn der Helvetik zerschlugen sich die Pläne für einen eigenen Kanton. 1803 wurde das Sarganserland zum neu gegründeten Kanton St. Gallen geschlagen. Das Sarganserland ist bis heute eine eigenständige und politisch und kulturell starke Kantonsregion. Das Kloster Pfäfers war bis zu ihrer Aufhebung im Jahr 1838 kirchlich-religiöses und kulturelles Zentrum. Seit 1847 gehört das Sarganserland zum neu gegründeten Bistum St. Gallen.

Dank den ausgedehnten Alpflächen waren bis weit ins 19. Jahrhundert Viehzucht und -handel Haupterwerbszweig der Bevölkerung. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn – 1858 wurde die Bahnstrecke Chur–St. Margrethen, 1859 die Strecke Ziegelbrücke–Sargans eröffnet – verloren Fuhrwesen und die Walenseeschifffahrt an Bedeutung. Das Sarganserland war eine wichtige Bergbauregion: Bis 1966 wurde am Gonzen Eisenerz gefördert. In der Mitte des 19. Jahrhunderts gewann die Textilindustrie an Bedeutung. Trotzdem wies das Sarganserland eine überdurchschnittliche Auswanderung auf. Ab 1870 brachte der Badebetrieb in Bad Ragaz einen touristischen Aufschwung.

Während des Zweiten Weltkriegs errichtete die Armee das Festungsgebiet Sargans. 1954 wurde die Sarganserländische Talgemeinschaft gegründet, um die Interessen der Region zu wahren. Dank ihrer Unterstützung konnte 1963 die Kantonsschule Sargans eröffnet werden. Mit den Autobahnen A3 und A13 konnten die Verkehrsverbindungen nach Zürich und in die Kantonshauptstadt St. Gallen verbessert werden. 1971 bis 1978 wurde das Speicherwerk der Kraftwerke Sarganserland erbaut.[11]

MedienBearbeiten

Im Sarganserland gibt es das Printmedium Sarganserländer sowie das aus Radio Ri hervorgegangene Radio FM1.

LiteraturBearbeiten

  • Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen, XIV. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons St. Gallen, Dritter Teil: Die Landschaften und Landstädte, Band 2: Die Rechtsquellen des Sarganserlandes von Sibylle Malamud und Pascale Sutter, Basel 2013 online.
  • Mathias Bugg: Sarganserland. In: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein.
  • Wolfgang Göldi: Sarganserland. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Werner Manz: Volksbrauch und Volksglaube des Sarganserlandes (= Schriften der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde. 12). Basel 1916.
  • Werner Manz: Beiträge zur Ethnographie des Sarganserlandes. In: Jahresberichte der Geographisch-Ethnographischen Gesellschaft in Zürich 13 (1912–1913), S. 13–160 (Digitalisat).

WeblinksBearbeiten

Commons: Wahlkreis Sarganserland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

AnmerkungenBearbeiten

  1. Bis 2008 hatte das Kantonsparlament 180 statt wie seither 120 Sitze.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  2. a b c d e f g Regula Weik: Vor den Wahlen im Kanton St.Gallen: Das kämpferische Transitland – der Wahlkreis Sarganserland im Porträt. In: St. Galler Tagblatt (online), 5. März 2020
  3. Saskia Bühler: Abendverkauf: vielerorts uneinig. In: St. Galler Tagblatt (online), 20. Juni 2018
  4. a b Kantonsratswahl 2020: Wahlkreis Sarganserland. Auf der Webseite des Kantons St. Gallen, 8. März 2020
  5. Protokoll der Erneuerungswahl des Kantonsrates vom 14. März 2004. Auf der Webseite des Kantons St. Gallen, 29. März 2004
  6. Kantonsratswahl 2008: Wahlkreis Sarganserland. Auf der Webseite des Kantons St. Gallen, 18. Juni 2019
  7. Kantonsratswahl 2012: Wahlkreis Sarganserland. Auf der Webseite des Kantons St. Gallen, 18. Juni 2019
  8. Kantonsratswahl 2016: Wahlkreis Sarganserland. Auf der Webseite des Kantons St. Gallen, 13. Juni 2019
  9. a b Thomas Oegerli: Kantonale Wahlen im Kanton St.Gallen. Kantonsratswahlen 2004 – 2016. In: Statistik aktuell 58, Amt für Statistik des Kantons St. Gallen, Februar 2017 (PDF; 1,0 MB)
  10. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach vier Hauptbereichen (15.12.2017) des Bundesamts für Statistik BFS
  11. Wolfgang Göldi: Sarganserland im Historischen Lexikon der Schweiz