Wörbzig

Dorf in Sachsen-Anhalt

Wörbzig ist ein Dorf in Sachsen-Anhalt. Die ehemals selbständige Gemeinde wurde zum 1. Januar 2004 nach Gröbzig eingemeindet. Mit Gröbzig kam Wörbzig am 1. September 2010 zur Stadt Südliches Anhalt.

Wörbzig
Koordinaten: 51° 43′ 11″ N, 11° 53′ 43″ O
Fläche: 9 km²
Einwohner: 405 (2007)
Bevölkerungsdichte: 45 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2004
Postleitzahl: 06388
Vorwahl: 034976

GeographieBearbeiten

Wörbzig liegt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt rund 6 km südwestlich der Kreisstadt Köthen (Anhalt) und 35 km nordöstlich von Halle (Saale). Südlich von Wörbzig liegt Gröbzig, westlich Dohndorf, nördlich Löbnitz an der Linde, südwestlich Pfaffendorf. Östlich liegen Klein- und Groß-Wülknitz. Dohndorf, Löbnitz, Klein- und Groß-Wülknitz sind Ortsteile der Stadt Köthen.

GeschichteBearbeiten

Erstmals wurde die Siedlung Wrbizke 1149 erwähnt, was so viel heißt wie kleines Weidicht (ein mit vielen Weidenbäumen oder Weidenbüschen bewachsener Ort). 1156 hielt Albrecht der Bär hier ein „Landgericht“ ab, an dem auch Eike von Repgow als Schöffe teilnahm.

Lange Zeit war Wörbzig Mittelpunkt einer kleinen Grafschaft, bis es 1252 durch Heinrich II. in das Fürstentum Anhalt eingegliedert wurde. Bekannt wurde der Ort unter anderem durch sein großflächig angelegtes Rittergut im Südwesten der Gemeinde, welches heute noch zum Teil gut erhalten ist. Von 1621 bis 1787 war es im Besitz der Familie von Wietersheim. 1787 verkaufte Kasimir Gottlob von Wietersheim seine, damals noch zwei, verschuldeten Rittergüter an das Köthener Fürstenhaus.

Die Pächter des Rittergutes waren:

  • 1787–1796: Kasimir Gottlob von Wietersheim
  • 179?–180?: J. Schulenburg
  • 180?–1819: Johann Heinrich Jacob Hoff
  • 1819–1821: Dorothee Hoff (Witwe des verstorbenen Johann Heinrich Jacob Hoff.)
  • 1821–1838: Leopold Diener
  • 1838–1847: Carl Nette

1847 kaufte Amtsrat Carl Nette das Rittergut.

Im Jahre 1869 hielt sich der preußische König Wilhelm I. in Wörbzig auf. Er frühstückte täglich, während eines dreitägigen Manövers bei Pilsenhöhe, zusammen mit den Rittergutsbesitzer Carl Nette und dessen Familie.

Am 7. Dezember 1922 besuchte Reichspräsident Friedrich Ebert Wörbzig und das Rittergut.

Am 15. April 1945 besetzten US-amerikanische Soldaten das Dorf, bis sie die Kontrolle später an die sowjetische Besatzungsmacht abgaben.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

  • 31.12.1829 – 477 Einwohner
  • 31.12.1867 – 625 Einwohner
  • 31.12.1876 – 705 Einwohner
  • 31.12.1879 – 705 Einwohner
  • 31.12.1883 – 733 Einwohner
  • 31.12.1887 – 700 Einwohner
  • 31.12.1894 – 650 Einwohner
  • 31.12.1900 – 651 Einwohner
  • 31.12.1902 – 651 Einwohner
  • 31.12.1905 – 679 Einwohner
  • 31.12.1907 – 679 Einwohner
  • 31.12.1910 – 661 Einwohner
  • 31.12.1919 – 597 Einwohner
  • 31.12.1925 – 672 Einwohner
  • 31.12.1933 – 672 Einwohner
  • 31.12.1937 – 617 Einwohner
  • 20.07.1938 – 604 Einwohner
  • 10.10.1938 – 602 Einwohner
  • 01.01.1939 – 595 Einwohner
  • 17.05.1939 – 603 Einwohner
  • 01.10.1939 – 598 Einwohner
  • 08.11.1939 – 604 Einwohner
  • 31.12.1939 – 617 Einwohner
  • 01.09.1940 – 634 Einwohner
  • 01.09.1941 – 634 Einwohner
  • 10.10.1941 – 671 Einwohner
  • 18.10.1942 – 614 Einwohner + 86 ausländische Zwangsarbeiter
  • 12.02.1945 – 726 Einwohner + 82 ausländische Zwangsarbeiter
  • 31.12.1945 – 954 Einwohner
  • 31.05.1959 – 734 Einwohner
  • 31.12.1965 – 703 Einwohner
  • 31.12.1969 – 703 Einwohner
  • 31.12.1971 – 701 Einwohner
  • 31.12.1972 – 697 Einwohner
  • 31.12.1993 – 534 Einwohner
  • 31.12.2002 – 434 Einwohner
  • 31.12.2007 – 405 Einwohner

Politik und KircheBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

Die Bürgermeister (ab 2004 Ortsbürgermeister) seit ca. 1865:

  • 18??–1868: Ferdinand Laute
  • 1868–1903: Gottfried Elze
  • 1903–19??: Albert Schmidt
  • 19??–19??: Karl Schmidt
  • 19??–193?: Karl Rudolph
  • 193?–1945: Oskar Hoffmann
  • 1945–1947: Albert Bieler (Großvater von Dietrich Arndt)
  • 1947–194?: Karl Repert
  • 194?–194?: Karl Zöge
  • 194?–194?: Franz Büchner
  • 194?–195?: Friedrich Schmidt
  • 1953–1955: Karl Elicki
  • 195?–1958: Fritz Müller
  • 1958–1962: Herbert Scheel (1960 durch Heribert Wohlrab vertreten)
  • 1962–1967: Fritz Windt
  • 1967–1983: Lucie Keitel
  • 1983–1983: Erhard Herse
  • 1984–1987: Bianca Auschner (1984–1985 durch Raymond Schulz vertreten)
  • 1987–1988: Thomas Hoffmann
  • 1989–1990: Thomas Pertzsch
  • 1990–1992: Werner Müller
  • 1992–2005: Horst-Hermann Hennig
  • 2005–2010: Hubert Schüppel
  • 2010–2010: Sascha Ziesemeier

Interessenvertreter für den Ortsteil Wörbzig:

  • 2011–2013: Sascha Ziesemeier
  • 2013–2014: Hubert Schüppel

Ortsbürgermeister:

  • 2014-dato: Hubert Schüppel

PastorenBearbeiten

Die Pastoren seit 1564:

  • 1564–1572: Friedrich Schirmer
  • 1572–1574: Adam Calovius
  • 1574–1585: Mattheus Kneufler
  • 1585–1596: Stephanus Reuter
  • 1596–1626: Michael Völgner
  • 1627–1681: Hartmann Seidenstücker
  • 1681–1700: Christoph Stübner (1680 Substitut)
  • 1700–1734: Christoph Johann Below
  • 1735–1757: Elias Mehlhardt
  • 1757–1805: Friedrich Adam Elias Mehlhardt (Sohn des vorigen Pastors)
  • 1806–1840: Johann Karl Wilhelm Mühlenbein
  • 1841–1852: Johann Wilhelm Laue
  • 1852–1878: Karl Eschebach
  • 1878–1897: August Hugk (seit 1875 Pfarrverwalter)
  • 1897–1909: Dr. phil. Friedrich Heine
  • 1909–1929: Hermann Mörchen
  • 1929–1931: Vakanz
  • 1931–1950: Lic. theol. Fritz Schröter (Von 1938 bis 1945 suspendiert und gleichzeitig Leiter des Predigerseminars der bekennenden Kirche in Ostpreußen.)
  • 1950–1950: Fritz Jahn (Pfarrverwalter)
  • 1951–1958: Gerhard Bankewitz
  • 1959–1972: Horst Wagner
  • 1972–1972: Johannes Hiller (Pfarrverwalter)
  • 1973–1982: Dieter Pretzsch
  • 1982–1989: Vakanz
  • 1989–1999: Martin Günther
  • 1999–2000: Vakanz
  • 2000-dato: Tobias Wessel

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

KircheBearbeiten

Der Kirchenpatron Heinrich von Beltzigk hat die Kirche St. Mariä 1514–20 in die heutige Form umbauen lassen. 1807–08 erhielt sie einen neuen Turm.

FriedhöfeBearbeiten

Bis 1859 wurden die Toten auf dem Kirchhof, die letzte Erweiterung war 1824, bestattet.

1840 legte sich der Amtsrat und spätere Rittergutsbesitzer Carl Nette östlich des Dorfes, am Feldweg in Richtung Pilsenhöhe, einen privaten Friedhof an. Den größten Teil seines privaten Friedhofes überließ er 1859 der Wörbziger Kirche. Auf diesen, nun kirchlichen, Friedhofsteil fand am Sonntag, den 3. Juli 1859 die erste Beisetzung statt. Um 1920 wurde der Friedhof in westlicher Richtung erweitert.

Auf dem Friedhof der Familie Nette wurden die folgenden Personen bestattet:

  1. Georg Carl Friedrich Franz Hermann Nette, Sohn des Carl Nette (* 10. März 1839; † 14. Januar 1840)
  2. Carl Georg Franz Hermann Nette, Sohn des Carl Nette (* 2. Januar 1844; † 16. August 1846)
  3. Georg Carl Nette, Rittergutsbesitzer (* 26. August 1813; † 11. Juni 1873)
  4. Henriette Amalie Auguste Nette, geborene Wendenburg, Ehefrau des Carl Nette (* 24. November 1816; † 20. November 1896)
  5. Johanne Bertha Marie Helene Hertwig, geborene Nette, Tochter des Carl Nette (* 4. Juli 1852; † 27. Januar 1905)
  6. Johanne Therese Elise Hannah Nette, geborene Peltz, erste Ehefrau des Alexander Nette (* 13. Mai 1861; † 4. Juni 1905)
  7. Ludwig Leopold Carl Georg Nette, Rittergutsbesitzer (* 20. Juni 1842; † 5. Oktober 1907)
  8. Sophie Marie Nette, geborene Säuberlich, Ehefrau des Georg Nette (* 20. Dezember 1852; † 27. September 1930)
  9. Georg Franz Ernst Alexander Nette, Sohn des Carl Nette (* 5. Februar 1855; † 3. November 1945)

Friedrich Waldemar Hertwig, Ehemann der Helene Hertwig (* 8. Mai 1849; † 8. November 1905) erhielt, vermutlich im Jahr 1906, auf dem Friedhof der Familie Nette ein symbolisches Grab.

SportBearbeiten

  • Fußballverein TSV 06 Wörbzig

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Das Rittergut im Süden der Gemeinde bot vor und zu DDR-Zeiten (hier zunächst in Verwaltung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD), später Volkseigenes Gut, dann Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) den meisten Einwohnern der Gemeinde einen Arbeitsplatz. Damals war Wörbzig durch landwirtschaftliche Produktion und Viehhaltung geprägt. Der Betrieb wurde nach der Wende geschlossen.

Heute sind in Wörbzig vor allem mittelständische Betriebe zur Versorgung der Bevölkerung angesiedelt sowie ein Kieswerk nahe dem Rittergut (geplanter Betrieb bis ca. 2050) und eine Windkraftanlage zur Stromversorgung umliegender Gemeinden.

Die Schule in Wörbzig wurde 2000 wegen zu geringer Schülerzahl geschlossen.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Der Pädagoge Gotthilf Sebastian Rötger hielt 1769 seine erste Probepredigt in Wörbzig.
  • Die Wörbzigerin Elisabeth Zündel, die Tochter des „Hochfürstlich Anhalt-Bernburgischen Commissarius und Gerichts-Directors bei dem Herrn von Wietersheim zu Wörpzig“, heiratete 1714 den Autor Christian Friedrich Hunold.
  • Der Rittmeister Peter von Colomb lagerte am 22. Juni 1813 mit 80 Mann in Wörbzig.
  • Antoinette Louise Emilie Cautius (* 18. März 1769 in Altona; † 20. Januar 1840 in Wörbzig), Tochter des Johann Bernhard Basedow.
  • Rudolf Steffen (* 19. Juli 1883 in Friedrichsbrunn; † 22. September 1967 in Wörbzig), Homöopath.
  • Professor Friedrich Wilhelm Schmidt (* 2. Dezember 1893 in Bern; † 12. März 1945 in Wörbzig), Theologe.
  • Diplomlandwirt Heinrich Wilhelm Gerlach von Gaudecker (* 2. Juli 1945 in Wörbzig; † 17. Juli 2013 in Hannover), Rechtsritter des Johanniterordens.
  • Robert Richter (* 18. Dezember 1903 in Groß Paschleben; † 16. September 2000 in Wörbzig), Windmüller und Schriftsteller (Vom Winde erschlagen, 1998 erschienen), er war von 1998 bis zu seinem Tode der älteste lebende deutsche Schriftsteller.
  • Dietrich Arndt (* 13. Februar 1935 in Wörbzig; † 17. August 2018), Mediziner

EinzelnachweiseBearbeiten

  • Ortschronist M. Pfeiffer

WeblinksBearbeiten

Commons: Wörbzig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien